Der Museumsfuhrer ist’ jedesmal sehr stolz, wenn er bei seinem Rundgang die Besucher pokes: vorbereitet, das sie im nachsten. Saal des ,,Paulusschlessel ein Instrument sehen werden, das noch niemals eine Merischenhand zum Klingen brachte, und das trotzdem, die zauberhaft isten Tone ‘von sich ,gibt, dann namlich, wenn der Wind durch die Saiten der Aeolsharfe streicht. Aber’ die Aeolsharfe ‘ist ‘keineswegs, das Prunk- und Glanzstuck des Markneukirche ner Musikmuseums — wie es denn aberhaupt schwer fallt, unter den etwa 1500 Musikinstru menten das interessanteste oder gar, das kost barste herauszufinden. Neben Tempelgangs aus dem'Fernen Osten, die bis'zu zwei Minu ten nachhallen, zeigt man in den leider ‘nicht allzugroßen Raumen unter anderem auch eine uberaimensionale Tuba. Der Durchmesser ihres: Schalltrichters “betragt 105 Zentimeter. Um dieses ‘Instrument blasen zu kénnen, ‘mus sen sich zwei Musiker zusammentun. Der eine blast die Tuba, und der andere tragt sie. , Besondere Aufmerksamkeit schenken so gut wie alle Besucher der Radleier aus dem 12. Jahrhundert, einem Instrument, das die Rit ter der Minnesangerzeit meisterhaft be herrscht haben sollen. Um eine paar Jahrhun derte junger, aber auch um so farbenprachti ger, ist, eine Orgel aus dem Jahre 1838. Die Fligelturen zum Spiegelschrank tragen Male reien in bauerlicher Manier. Zu den Trompeten, Kornetts und Fanfaren, anderen: Vielzahl sich tiber aus instruktiv die Jahrhunderte alte Geschichte des Instrumen tenbaus verfolgen 1481, gehort auch die Ori ginal,,Aidan-Trompete, die nach Verdis An gaben konstruert wurde und dem bernihmten Jriumpainaec den hellen Schmetterten gibt. Einmalig eine Geige aus, abgebrannten Streichhélzern. Ein Geigenbauer, aus Mark menkirchen: verfertigte das Instrument wah rend des Ersten Weltkriegs’ in,’ franzoisischer Kriegsgefangenschaft. Unter den 1500 Musik instrumenten des Museums, befinden sich etwa 400 aus fernen Landern. Sie sind zum Teil so wertvolh:idaß man ‘heute’ kein einziges Exem plar mehr erwerben. kénnte. Aber’ auch die anderen Sticke des Markneukirchener Musik museums haben “betrachflichen Wert. Schon 1892 verzeichnete das erste Inventorium unter den, damals erst 500 Stucke zihlenden Aus stellungsobjekten viele Kostbarkeiten. Wenn 1872. der damaligen Gewerbeverein nicht den Einfall gehabt hatte, Musikinstru mente aller Vélker, und Zeiten zu sammeln, um so dem einheimischen Gewerbe der In strumentenbauer Anregungen und Beispiele zu’ geben, dann’ kénnte die kleiné Stadt’ im sidéstlichen Zipfel der DDR wohl kaum mit dieser’ Sammlung aufwarten, die im. abrigen nicht, nur aus Instrumenten aller Art besteht, sondern auch gezeichnet oder fotografiert ‘fast ‘jedes Instrument zeigt, das irgendwo und ir gendwann zum Musizieren benutzt ,worden ist oder heute noch benutzt wird. Die Markneukirchener sind seit eh und je musikalisch —ihre Vorfahren sollen kurz nach dem Dreibigjahrigen ‘Krieg, aus Boehmen ge kommen sein ‘und Geigen gebaut haben. Schon 1677.gab es. in Markneukirchen eine Geigen macher-Zunft, der zwolf Meister angehortén. Das Museum allerdings, das heute Bigentum der Stadt ist, hat zu einem guten’-Drittel, ein Organist zusammengetragen. Paul Apian Ben néwitz starb 1892. »Schwedenzeit , die 1648 begann, dem schwe dischen König fur eine runde Million’ Gold thaler verpfandet hafte. Vieles'erinnert in Wismar noch an die wech selhafte Vergagenheit der, alten Hansestadt. Noch steht ab » Alten Hafeh“ das Wassertor, das um 1450 erbaut, wurde, erhalten blieb das Zeughaus, ein Bau,aus der Schwedenzeit, in dem heute: Ingenieure fur Schwermaschinen bau und, Elektrotechnik’ ausgebildet ‘werden. Schénecke Giebelhauser, deren 4Altésie aus dem 16.’ Jahrhundert stammen, gibt ¢s ,noch, auch den alten ,.Furstenhof* und das dlreste Burgerhaus Wismars, den , Alten. Schweden“, erbaut im Jahre 1380, das allerdings erst im vengangenen.. Jahrhundert seinen: Namen er hielt. Noch genauso groß wie im. Mittelalter ist der Marktplatz mit seinen rund 10000 Qua dratmetern, der einer..der gréßten Nord deutschlands ist: Von. der Altesten gotischen Backsteinkirche.. Wismars, St. Marien, einem Wahrzeichen der Stadt, ist der Turm erhalten geblieben. Durch Luftangriffe erlitt die Stadt im Krieg schwere Schadden, ein Viertel des Wohnraumes wurde zerstort. Ziel der anglo-amerikanischen Bombenangriffe: waren ‘die Dornier-Flugzeug werke, die jedoch weder von Spreng- noch von. Brandbomben getroffen’ wurden. Rund 60 000 Einwohner zahlt die Stadt heute, 42 000 waren es bei. 'Kriegsende. Mehr als 6000 neue Wohnungen wurden gebaut. Vorwiegend fur die Beschaftigten der VEB ,,Mathias-Thesen- Werft entstand der neue Stadtteil Wendorf, der etwa 15 000 Einwohner zahlt. Die Werft wurde nach 1945 aufigebaut: Eben so wie der Hafen ist die Werft in den ver gangenen zwanzig Jahren Zug um Zug ver gréßert worden. Mehr als siebentausend Men schen arbeiten heute. in der Werft. Der Hafen, in dem 1954 nur 229000 Tannen Gitter umge schlagen, worden :— eine Zahl, die schen zehn Jahre spater auf mehr als drei Millionen an stieg, umfaßt, vier Hafenbecken. Wismars Altestes Burgerhaus, der ,,Alte Schwede“ (links), stammt aus dem Jahre 1380.