561 Nnmero 7ir ' *.■■■ ■ ■ ■■ it- —ALLGEMEINE LITERATUR - ZEITUNGSonnab ends, den 3. Mdrz 1798* - ■' ■ ■■■- ‘ ■■■■■u LI TERA RGESCHICH TE.J UAmsterdam, b. Peter den Hengft: an Hendrik vanSwinden L..ukrede up Pieter Nieuwland d. 24- Nov.27940- uirgefproken te Amfterdam in de Mat*fchappy Felix mentis. 1795* *72 S. 8.Pieter Nieuwland war den 5. Nov. 1764 zu Diemer-ineer, einem Dorfe bey Amfterdam, geboren. Sein Va ter war von Profefiion ein Ziinmermanti , da-bcy cin I.iebhaber von Buchern und in dcr Mathe-matik ziemlich erfahren. Er hatte diefen feineu ein-zigen Sohn bis in fein cilftes Jahr felbft unterrichtet. Der Vater hielt fich zur lutherifchen Kirche, feiue Mutter war ein Cilied der baptiftikbeu Gcmeinde, und diefer ihrSohn bekannte fich zu der reformirtcn Lehre. Er ftarb an einer Eotzundung iiu llalfe, wo-zu ein Fieber gekommcn war, den 14. Nov. 1794. dreyfsig Jalire ait, zu Lejden als ProfeiTor der Na-turkunde, hohern Mathematik, der biirgerlichen und Kriegsbaukunft, der Hydroulik und Aftronomic. Nieuwland harte von feiner Kindheit bis an feinen Tod vorzffgliche Beweife von aufserordeutlichen Seelenkraften gegeben. Hier find einige Beyfpicle! Seine Mutter konnte ihm in feinem dritten Jahre nichts Hefieres zu feiner Untcrhaltung gebcu, als die Kupfcrftiche von |7an Luikcn. Sie las einmal die funfzig fechsfiifsige Verfe, die zur Auslegung der Bilder dienen, laut her, ohne fie zu wieclerholcn, und auch nicht in der Abficht, dafs fie ihr Kind ler-nen follte. Einige Zeit darauf gerieth fie in nicht geringes Erftauneu, da fie horte, dafs ihr Sohn bey dem Anblick diefer Bilder dicfe funfzig Verfe vdllig genau hcrfagte. Ehe er fieben Jahr alt war, hatte er bereits mehr als funfzig Bucher geleTcn, und zwar fo, dafs erAusziige daraus machte und diefes manch-mal in Vesica. Hier ift auch eine Probe feines Ver-fiandes in feinem achtcn Jahre. Dor grofste Rechen-meifter unforcr Zeit, dcr Hr. Aeneae in Amfterdam, fragte ihn, oh er wohl den korpcrlicheu Iuhalt von einer hblzernen Statue des Mcrcurius, welche auf einem Uhrwcrk ftand, augeben konne. Der junge Nieuwland antwortcte: „Ja! Unter der Bedingung, „wenn ich ciu Sttickchen von cben dein HoJ/. habe, „woraus diefes Bild gemacht worden ift: ich will ,,alsdann einon Kubikzoll daraus verfcrtigen und das „Ge .vicht delTclben mit dcr Statue vergleicheu.44Gedichte, welche die lebhaftefteEiubildungskraft bewtifen, und die cr in feinem zchnten Jahre in dem landlichen Haufe feines Vatcrs unter Spat/.ierengehcn und Beluftigungen gpmacht hatte, find voa feinenA. L. Z. 1798* Erfter Band.Bewunderu fchon damals in poetifche Sammlungen aufgenommen worden. 'Ein folches feltfamcs Genie dringt durch die en-gen Grenzen , die es einfchliefst.— Die Hn. Bernhar-dus de Bofch and^eronimo de Bofch, zivey vornehrae und reiche Herren in Amfterdam , waren die wohl* thatigen Beforderer zur Entwicklung der koftbaren Geifteskrafte des jungen Zimmcrmannsfohns. In def-fen eilften Jahre nahm ihn jener in fein Haas, und diefer in tglichcn Unterricht, welches iiber vier Jahre gedauert hat. Hier lernte er vollkotnmea La-teinifch und Griechifch, nachdem er durch das Le-fen der beften Schriftfteller und zwar zuerft aus dom Cornelius Nepos und Terenz fich die Sprachlehre Jelbft gemacht hatte, ohne eine vorher zu fehcn. Hier erwarb er fich den guten Gefchmack und zierli-che Ordnung: hier hatte er bereits augefangen, ein Kritiker zu feyn, ehe er in feinein dreyzehnren Jahre, namlich 1777 das Athenum in Amfterdam, die alte Literatur unter den Hn. Toliius fortzufetzen , be* fuchte. In diefem Zeitraum, der bis 1784 dauerte, genofs er noch ferner den Unterricht von dem Hn. de Bofch, und ftudicrte unter U'ljttenbach Philofophie und Mathematik. Tin Jahre 178.3 vertheidigte er unter dem Vorfitz deflVlben feinc differ t at io de Mnfonio, deflen Schriften er kritifch behandclt hatte, uiid da-von er noch Fraginente hcrausgeben wollte. In eben dem Jahre uberfetzte er auch die zwey Abhandlun-gen feiner beriihmten Lehrer IVyttenbachs und de Bofch, von denGedanken derAlten uber denZuftand der Seele nach denTode, welche von derTeilerfchen theologifchen Gefellfchaft den Preis erkaltcn hatten.Nieuwland hat fich nur von Sept. 1784 bis 1785 auf der Univerfit.it zu Leyden als Student aufgehat-ten , und hat hernach in Amfterdam unter der Lei-tung des Hn. Prof. van Sivindcit uiit dem grbfsteu Fleifse die Noturlehre und alle Theile der Mathema-tik ftudiert. Er hatte eigentlich keine I.chrer in diefen WilTenfchafren nbthig. Es war ihm eigen, dafs er eine Verbindung zwifchen verfchiedcnen Wiflen-fchaften machen und die Grundfatze uberfehen konnte. Kaum hatte er iiber dieScheidekunft nachgedochr, fo machte er fich die Grundfatze des ungliicklicb ge-wordenen Lavoifier fo eigen, dafs er fie bey alien Erfcheinungen nnwendcn konnte. Er koniitc ein Buch ungetnein gefchwind durchlefen und den gan-zen Iuhalt davon angeben und behalren.Nieuuland liebre drey Gattungen von Wifien-fchaften und zeichnete fich vorziiglicb darin aus: die Dicbtkunft, die reine Mathematik und Narur-lebre. Hiezu kam noch in fpatern Jahren dieAftro-B b b b nomie.