Abendblatt Newspaper Archives Oct 30 1894, Page 1

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Abendblatt (Newspaper) - October 30, 1894, Chicago, IllinoisHeransgezeben Don der Illinois S>taats-Aeitungs-To. Chicago, Dienstag, 30. Oktober 1894. Preis 1 Cent. 47. Jahrgang. No. 2 58. Uevevblick Und Kurzg efa Btes. -- Heute Regen, morgen warm und "ar. Luftzug veränderlich. - Der ehemalige Ministerpräsident der Provinz Quebec, Honore Mercier, ist ge-storben. ' — Die heutigen Nachrichten aus Palta kauten schlimm. Der Czar hat gestern das Abendmahl empfangen, und heule ist sein Zustand erheblich verschlimmert. ln New Pork ist heute eine Mieths- kaserne abgebrannt und sieben Bewohner derselben sind im Rauch umgekommen. JamesP. Willet wurde vom Präsi- denten in Washington zum Postmeister er- nannt. Auf der Halbinsel Quang-Tung wurde unter dem Schutze von 10Kriegs- schiffen ein japanisches Heer gelandet. Das Hamburger Verbot der Einfuhrvon Schlachtvieh aus Amerika ist auf kämmtliche deutsche Häfen erweitert wor-den. -7- Laut Mittheilung des amerikanischenGesandten in Peking an das Washingtoner Slaatsministerium, wurden die Chinesen dei Tschin-Lien-Tschang geschlagen und zogen sich auf Mukden zurück. Aus dem Voranschlag für die Aus- stattung des neuen Eriminalgerichtsge- bäudes entnehmen wir, daß für 31 Spuck- näpfe Sorge getragen wurde. Wer hier- I uns den Schluß zieht, daß es in unseren ff Criminalgerichten immer reinlich zugeht,irrt sich. Nachdem die Countywahl-Revisions- behörde beiden Flügeln der Populisten das Recht gegeben bat, durch Petition ihre Stimmzettel zu unterbreiten, sind im Gan- zen acht verschiedene Stimmzettel im Felde. Es fehlt also nicht an Auswahl. Aber werdie Wahl hat, hat auch d:e Qual. ln der Person des Herrn John V. Cheney hat das Dirktorium der Newberry'- schen Bibliothek für den verstorbenen Bib- liothekar Poole einen fähigen Nachfolger gefunden. Depescüeri. Tod des früheren Premierministers Wercier. Derselbe erfolgte heute morgen, kurz nach neun Uhr. Montreal, Quebec, 30. Okt. Der frühere Premierminister HonoreEchMercier ist heute Morgen, zehn Minuten nach neun Uhr, gestorben. Die Familie des Verstorbenen war aus Frankreich eingewandert, und sein Vater, I. B. E. Mercier, war Farmer in St. Athenaife. Dort wurde Honore am 15. Oktober 1840 geboren; seine Erziehung er- hielt er im Jesuiten-College von St. Mart- in Montreal, und im Jahre 1867 wurde er Advokat in Quebec. Im Jahre 1872 wurde er von der liberalen Partei in das Parlament gewählt; später wurde er unter Joly's Verwaltung Generalanwalt. Im Jahre 1887, nach den Unruhen im Nord- westen, und der Hinrichtung von Louis Riel, wurde er mit der Bildung eines Ministeriums beauftragt. Bis zum Jahre 1391 bekleidete er im Ministerium die Stelle eines Generalanwaltes, und wurde sann vom Lieut.-Gouverneur in Folge der Untersuchung einer königlichen Commission über den sogenannten "lluio des otiu- lsuns" Skandal seines Amtes enthoben. Seitdem hat er in der canadischen Politik keine weitere Rolle gespielt. Türkische Wirthschaft. wie die Unterstützungsgelder in Konstantino- xel vertheilt wurden. London, 30. Okt. lieber die Gelder, welche zur Unter- stützung der durch das Erdbeben obdachlos gewordenen Personen uach Konstantinopel gesandt wurden, berichtet der dortige Kor- respondent des „Standard" folgendes: „Obgleich die Regierung den Empfang von 60,000 türkischen Lire anerkennt, wird amtlich nur über den Empfang von 17,000 quittirt. Dies ist die Summe, welche die Nothleidenden erhielten, von denen Jedem, nach Abzug der Vertbeilnngskostcn, im Betrage von 20 v. H., kaum 3 Lire ausbe- zahlt wurden. Es wird allgemein darüber geklagt, daß die Mohamedaner mehr erhiel- ten, als die Christen, und cs wird allge- mein geglaubt, daß der größere Theil des Geldes zur Wiederherstellung von Moscheen benutzt wurde. Dies hat jedoch mit dem britischen Beiträgen nichts zu thun, welche von dem britischen Comite selbst vertheilt wurden. Gegen amerikanisches Vieh und Fleisch. Das Linfuhrverbot auf alle deutschen Häfen ausgedehnt. Berlin, 30. Oct. Das Einfuhrverbot gegen amerikanisches Vieh und amerikanisches Fleisch, welches, wie ausschließlich durch die Assoc. Presse gemeldet wurde, am Samstag vom Ham- burger Senat erlassen wurde, ist auf alle deutschen Häfen ausgedehnt worden. Postmeister von Washington. James p. Willett heute vom Präsidenten da- zu ernannt. Och Washington, 30. Okt. JamesP-Willett ist heute vom Prüfi- E «entert Cleveland zum Postmeister vonI Washington ernannt worden. Er ist M SQ-shaber eines bekannten HutgeschüsteS. I "Gl, ein alter Bewohner von Washington, I „ einer der demokratischen Führer I war. furchtbares Unglück. Sieben Personen einem Feuer in einer Wiethskaserne erstickt. Line Frau verliert durch den Sprung aus dc'm dritten Stockwerke das Leben. New York, 30. Okt. Bei einem in der Mielhskascrne No. 216 West 32. Straße heute morgen ausgebro- chenen Feuer wurden sieben Personen durch Rauch erstickt; eine Frau sprang aus dem dritten Stockwerke zum Fenster hinaus und erlitt tödtliche Verletzungen. Das Feuer entstand ganz plötzlich, und schnitt jedes Entkommen vermittelst der Treppen ab. In der Aufregung dachte jede Person nur an die eigene Rettung und Alles drängte sich nach der Rettungsleiter. Folgende Personen fanden in dem Gebäude ihren Tod: George Friedman, 4 Jahre alt; der 3jährige Lcvy Friedman; Annie Applc- blat, 22 Jahre alt; Lina Mitchell, 24 Jahre; die siebzigjährige Frau Margarethe Kilian nebst deren vierzigjährigem Sohne Jacob; der zwanzigjährige George Levy, der Enkel der Frau Kilian. Lena Fried- man, dieMutter der umgekommenenKinder, sprang aus einem Fenster des dritten Stock- werkes hinaus und wurde tödtlich verletzt. Das Haus ist ein fünfstöckiges Backstein- gebäude; im unteren Stockwerke befindet sich eine Grocerie, während die oberen Stockwerke zu Wohnungen eingerichtet sind. Es wohnten sieben Familien in dem Hause, und cs befand sich in demselben nur eine einzige Treppe. Zu beiden Seiten des Hauses stehen Ge- bäude, welche dasselbe um ein Stockwerk überragen. Hinter dem abgebrannten Hause ist ein kleiner Hof von etwa zwanzig Quadratfuß, welcher von hohen Mielhs- häusern eingeschlossen ist. Das Feuer wurde um drei Übr von einem Vorübergehenden bemerkt. Als ein Poli- zist die Hausthür öffnete, brannte bereits die Treppe, während sich im Hause noch kein Mensch rührte. In das Haus cinzu- dringen, währe sicherer Tod gewesen, und die einzige Hoffnung, die Bewohner zu retten, war, dieselben durch Geschrei und Rufe auf die Gefahr aufmerksam zu machen. Plötzlich ertönte aus dem Innern des Hauses ein furchtbarer Schrei, und an einem Fenster des fünften Stockwerkes er- schien eine Frau. Es war die Frau Eber- Wein, welche allein in jenem Stockwerke wohnte. In der nächsten Minute waren sämmt- liche Fenster von Männern, Frauen und Kindern besetzt, welche fümmllich um Ret- tung flehten, während aus den Fenster- öffnungen dichte Rauchwolken drangen. In Abwesenheit der Feuerwehr, welche noch nicht auf derBrandstätte erschienen war, waren die Zuschauer machtlos, den im Gebäude befindlichen Personen weiter zu helfen, als sie auf die Rettungsleitern auf- merksam zu machen. Es gelang denn auch zwanzig Personen, sich mitten durch Flammen und Rauch, auf denselben in Sicherheit zu bringen, ehe die Feuerwehr zur Stelle war. Das Feuer, welches imKeller entstanden war, richtete in den unteren Stockwerken nur wenig Schaden an, aber im dritten Stockwerke verbreitete cs sich über die ganze Flüche desselben. Dort, nach hinten hinaus, wohnte Nathan Friedman mit seiner Frau Lena und drei kleinen Kindern; auch zwei Kostgänger, Annie Appleblatt und Lena Mitchell wohnten dort. Nathan Friedman wurde zuerst durch den Rauch und den Lärm geweckt; dasZimmer, in welchem er mit seiner Frau und dem kleinsten Kinde schlief, war bereits mit Rauch angefüllt; mit dem Kinde in den Armen, und Alles andere vergessend, sprang er zum Fenster, und kletterte an der Rettungsleitcr hinunter. Auch Frau Friedman war zum Fenster geeilt, aber nicht zu jenem Fenster, wo sich die Nettungsleiter befand. Diese befand sich nur zwei Fuß von ihr, aber die Angst halte ihr den Verstand genommen. Hinter ihr prasselten die Flammen; zwanzig Fuß unter ihr war der Hof, und so wagte sie den Sprung und siel auf das Pflaster des Hofes und wurde schwer verletzt. Sie war jedoch bei Besinnung, und rief in Verzweif- lung nach thren Kindern, die sich noch in der brennenden Wohnung befanden; ob- gleich das Ncttungswerk auf das eifrigste betrieben wurde, kam dasselbe doch zu spät. Die Kinder Friedman's und die zwei Kostgänger schliefen in einem inneren Zim- mer; das Feuer war nicht so weit ge- drungen, aber der genze Raum war mit Rauch angesüllt, und drei der dort Schla- fenden waren ohne zu erwachen vomRauche erstickt worden. Georg und Lcvy Fried- man und Lena Mitchell lagen noch im Bette, als sie gefunden wurden, und ihre ruhigen Gesichtszüge deuteten an, daß sie im Schlafe vom Tode überrascht worden waren. Annie Appleblatt lag todt aus dem Fuß- boden; ihr Gesicht war schwarz, und sie hatte ihr Kleid und ihre Schuhe an. Augenscheinlich war sie erwacht, hatte ver- sucht, sich anzukleideu und war dabei vom Rauche übermannt worden. Im Hinteren Theile des vierten Stock- werkes wurden die übrigen Opfer des Feuers gefunden. Dort wohnte die sieb- zigjährige Wittwe Kilian mit ihrem Sohne Jacob und ihrem Enkel George Levy. Frau Kilian und ihr Sohn lagen todt in ihren Bellen. Der Enkel war auf dem Wege zum Fenster vom Rauche überwäl- tigt worden. Frau Friedman wurde nach dem Hospi- tal gebracht, aber man glaubt, daß sie ihren Verletzungen sehr bald erliegen wird. Der dem Hause zugefügte Schaden betrügt etwa §2OOO. Hippolyte will abdanken. Lr ist, wie cs scheint, der Präsidentschaft von Hayti müde. Kingston, Jamaica, 30. Okt. Von Port au Prince kommt die Nach- richt, daß Hippolyte, der Präsident von Hayli, im Begriffe steht, sein Amt nieder-zulegen. Manigat beabsichtigt, sich vonSan Domingo nach Port auPrince zu be-geben. Der Zustand des C;aren. Derselbe hat sich in bedenklicher Weise verschlechtert. Line Longestion der linken Lunge befürchtet. London, 30. Okt. Der „Pall Mall Gazette" wird aus Palla ft'legraphirt, daß im Zustand des Czaren wieder eine Verschlimmerung cingetreten ist, und daß sein Tod nahe bevorsteht. St. P e t e r s b ur g, 30. Okt. Es ist heute morgen hier die Nachricht einget rossen, daß sich der Zustand des Czaren wesentlich verschlimmert hat. Es haben sich öfter e Hustenansälle mit blutigen Aus- würfen eingestellt. Die lincke Lunge ist angegriffen, und sein Zustand ist sehr bedenklich.. Folgendes amtliche Bulletin ist heute morgen um zehn Uhr veröffentlicht worden: „Der allgemeine Zustand des C'zaren hat sich bedeutend ver- schlechtert. Während der letzten Nacht haben sich die Mutauswürfe, welche gestern mit starken Husftmanfällcn begannen, ver- mehrt. Es habere sich Anzeichen von Kon- gestion des linken Lungenflügels eingestellt. Der Zustand des Gzaren ist ein bedenk- licher." Das Bulletin ist von den behan- delnden Aerzten unterzeichnet. Washington, 30. Okt. Der hiesige russische (gesandte bat heute von seiner Regierung folgende Depesche er- halten : St. Peters bur g, 30. Okt. „Gestern hat der Kaiser .wenig gegessen, und fühlt sich schwächer. Der Husten ist- heftiger geworden, und der Auswurf leicht mit Blut gemischt." Gezeichnet: „Giers". Yalta, 30. Okt. Gestern empfing der Czar das heilige Abendmahl; dasselbe wurde ihm vom Pfarrer Iwan gereicht. Der Zustand des Czaren hat sich ver- schlechtert. Alle seine nächsten Verwandten sind liier, einschließlich der Königin von Griechenland, der ältesten Tochter des Großfürsten Constantin, des Bruders deS verstorbenen Kaisers Alexander. Auch die Kinder der Königin von Griechenland sind angekommen; ebenso befinden sich der Mi- nister Woronzaw - Daschkow, der Ober- Prokurator der heiligsten Synode, Pob- jedonoszew, und der Oberceremonienmeister Fürst Dolgoruki in der Umgebung des Czaren. Schneegestöber. Lin großer Theil von lowa unter einer Schneedecke. Missour iVa l le y, Ja., 30. Okt. Während der letzten vierundzwanzig Stunden hat es in der hiesigen Gegend fast ununterbrochen geschneit. Der Schnee schmilzt schnell und giebt dem Boden die schon lange nothwendige Feuchtigkeit. In Creston, lowa, hat es fünf Stunden lang geschneit. In Shelden, Ja., lag der Schnee gestern Abend drei Zoll tief, und das Schneege- stöber dauert bei heftigem Nordwestwind immer noch fort. In Le Mars, Ja., hat cs gestern den ganzen Tag geschneit; der Schnee liegt etwa drei Zoll tief, aber das Wetter ist warm. In Goodwin, S. D., hat bei kaltem Nordwestwinde ein tüchtiger Schnecfall stattgefundcn. In Atta, Ja., herrschte gestern ein hefti-ges Schneegestöber. Von Cheyenne, Wyo., wird berichtet, daß die Gegend zwischen Laramie und Nock Springs, der Union Pacific Bahn entlang mit einer drei Zoll hohen Schneedecke be- deckt ist; dabei weht ein heftiger Wind, so daß das Vieh schwer unter dem Wetter zu leiden hat. Die neuesten Schnapsbehälter. Lin Schlauberger benutzt Särge als Lager- fäffer für Schnaps. Emporia, K'as., 30. Okt. Gestern wurde im hiesigen Kreisgericht eine wunderbare Art und Weise, das Tem- perenzgesetz zu umgehen, ermittelt. Richard Briscoe stand unter der Anklage vor Ge- richt, berauschende Getränke verkauft zu haben; der Mann war bereits mehrere Male früher desselben Vergehens angeklagt worden, aber es war niemals möglich ge- wesen, direkte Beweise gegen ihn beizu- bringen, oder auch nur einen Tropfen Schnaps oder sonst etwas Berauschendesin seinein Geschäfte zu finden. Am letzten Samstag jedoch gelang cs endlich sein Schnapslager zu entdecken, und zwar in mehreren Särgen eines Lcichenbestatlerge- schäftes, welches mit seinem anderen Ge- schälte verbunden war. Der Schlaumeier wurde bis zur nächsten Gerichts-Sitzung unter Bürgschaft gestellt. Todt im Bette gefunden. Lin Herzschlag hatte seinem Leben ein Lnde gemacht. loliet, Jll., 30. Okt. Charles A. Tülle, ein bekannter hiesiger Zeilungs- und Adreßkalendermann, wurde gestern todt in seinem Bette aufgefundcn. Er war einem Herzschlage erlegen; ein Bruder von ihm wohnt in No. 437 Orchardstr., Chicago. Lin Schiedsgericht soll entscheiden. Italien, Frankreich und Brasilien wollen sich gütlich einigen. Rio de Janeiro, 30. Okt. Die Fragen zwischen Italien, Frankreich und Brasilien werden einem Schiedsgericht unterbreitet werden. Der Kriegsminister der Regierungstrup- pen in Pernamhuco und Bahia hat befoh- len, sich aller Einmischung in die Ange- legenheit zu enthalten. Der layrestlig des Unfalls bei Borlri. Die Rettung des Tzaren aus Todes- gefahr gefeiert. Die kaiserliche Familie und der ganze kaiser- liche Haushalt betheiligt sich an der Feier. London , 30. Okt. Der „Pall Mall Gazette" wird von Aalta berichtet, daß der sechste Jahrestag der Er- rettung des Czaren vom Tode bei dem Eisenbahnunsall in der blähe von Borki gestern in Livadia und in ganz Rußland feierlich begangen wurde. In Palla wurde die Feier im Palaste von dem Beichtvater des Kaisers geleitet, und die Czarin, die Mitglieder der kaiser- lichen Familie, die Hosbeamten und Per-sonen jeden Ranges, welche sich zur Zeit des Unfalles auf dem Bahnzuge befunden hat- ten, wohnten der Feier bei. Das Festmahl, welches gewöhnlich am Abend des Jahres- tages stattzusinden pflegte, fand nicht statt. Pfarrer Iwan leitete während des Tages den Gottesdienst, zuerst in Livadia und später in Palta. Vom Nullionär zum Bettler. Line glänzende, aber sehr kurze Laufbahn. SanFrancisco,3o. Oct. A. I. Holmes, welcher vor zwanzig Jahren einer der Millionäre von San Francisco war, ist kürzlich im hiesigen Armenhause gestorben und wäre beinahe auf dem Armensricdhofe begraben worden. Holmes war der ursprüngliche Entdecker und Eigenthümcr der North Belle und Holmes Gruben bei Candelaria, im Eme- rald County, Nevada, und mehrere Jahre lang eine der Gescllschafts- und Fmanz- größen in San Francisco. Er warf das Geld zum Fenster hinaus und war bald damit zu Ende. Als er nichts mehr hatte, besuchte er immer noch die Aktienbörse und eines Tages wurde er im bewußtlosen Zu- stande in der blühe seines früheren groß- artigen Geschäftslokales ausgefuuden. Man brachte ihn nach dem Armenhause, wo er starb. — Bereinigung der östlichen und west- lichen Airche. Worte des Papstes darüber. Rom, 30. Okt. Der Wortlaut der in der Conferenz zur Berathung über die Vereinigung der östli- chen mit der westlichen Kirche vom Papste gehaltenen Rede ist jetzt veröffentlicht wor- den, obgleich die Rede bereits am 24. ge- halten worden war. Der Papst sagte in derselben: „Wir wünschen, daß alle Re- gierungen dies große Ideal in gleicher Weise erfaßt hätten, da das Werk nach seiner Vollendung eine Wohlthat für die ganze Welt sein wird; aber politische An- sichten, und noch mehr, wie wir mit Be- dauern sagen müssen, die grundlosen Eifer- süchteleien einiger Regierungen haben ver- hindert, daß diese Vereinigung den erwar- teten Erfolg gehabt bat. Vor Allem bedauern wir die Abwesen- heit des armenischen Patriarchen. Wir werden jedoch deswegen unsere Pläne nicht aufgeben, selbst wenn wir auch nur inner- halb gewisser Grenzen auf eine politische Vereinigung rechnen können, und nichts soll uns verhindern, das große Problem vom religiösen Standpunkte aus zu lösen, während wir für die anderen Arbeiten eine gelegenere Zeit abwarlen." Ein diebischer Agent abgefaßt. Derselbe war mit fremden Geldern nach Lanada durchgebrannt. Quincy, Jll., 30. Okt. George A. Francisco, bis vor einigen Tagen der hiesige Agent der „Hammond Meat Company" von Omaha, ist, nachdem er mit einigen hundert Dollars, welche seinem Geschäfte gehörten, vor mehreren Tagen plötzlich verschwunden war, in Windsor, Canada, verhaftet worden. John H. Mason, früher Chef der Geheimpolizei in St. Paul, und jetzt Inspektor der „National Surety Company" von Kansas City, welche für Francisco §SOOO Bürg- schaft gestellt hatte, hat die Sache selbst in die Hand genommen, und wird den diebi- schen Durchbrenner in Windsor in Em- pfang nehmen. Verheerende Feuersbrunst. Line ganze Ortschaft niedergebrannt. Fostoria, 0., 30. Okt. Die Ortschaft Rising Sun, in Wood County, ist das Opfer einer verheerenden Feuersbrunst und vollständig cingcüschert worden. Rising Sun hat eine Bevölkerung von 1500 Seelen und ist der Mittelpunkt der Oelgegend im nordwestlichen Ohio. Muß hängen. Nach drei Jahren soll ein Mörder sein Der- brechen am Galgen büßen. FortSmith, Ark., 30. Okt. Sam. Hickory, alias Downing, wurde gestern von Richter Parker im BundeS- kreiggerich, vcrurthcilt, am 27. Dezember gehenkt zu werden. Er hatte im Dezember 1891 Joe Nilson, den Hilfsmarschall von Muskogee, ermordet. Es ist dies das zweite Mal, daß die Todesstrafe über ihn verhängt wurde. Schiffs-Nachrichten. Heute gemeldet: New Pork: „Noordlaud" von Ant- werpen. Die Unruhen in Costa Rica. Unzufriedene spanische Auswan- derer. Unzufriedenheit in Brasilien. Panama, Colombia, 30. Okt. Die Behörden in Costa Rica haben in einem Hause fünf Bomben entdeckt. Die Mutter von Araya, und andere Personen, welche im Verdachte stehen, init Araya'sVerschwörung in Verbindung zu stehen, wurden versteckt aus Philipp'S Kaffee- Plantage gefunden, und weitere wichtige Verhaftungen werden demnächst erwartet. Araya, welcher sich in San Jose im Ge- fängnisse befindet, sagt, daß er keine Mit- verschworencn habe, und oaß es ihm leid thue, daß Jglesias entkommen sei. Er be- hauptet, daß der Mordversuch nur aus patriotischen Gründen startgesunden habe. Zwischen zwei bis dreitausend spanische Unterthauen, welche kürzlich aus den kana- rischen Inseln nach Venezuela ausgewan- dert und mit ihrer neuen Heimath nicht zufrieden waren, haben die spanische Re- gierung gebeten, ein Kriegsschiff nach La Guayra zu schicken, um sie nach Cuba zu bringen. In Brasilien ist ein neuer Antichrist er- schienen, welcher die Bevölkerung zu einer Revolution gegen die fanatische Geistlich- keit und die tyrannische Regierung auf- reizr. Landung von japanischen Truppen. Dieselbe hat unter dem Schutze von Kriegs- schiffen nördlich von Llliots Island stattgefunden. London, 30. Okt. Aus Tschi-Fu wird der „Pall Mall Gazette" berichtet, daß eine Flotte von japanischen Transportschiffen unter dem Schutze von neunzehn Kriegsschiffen aus deni Festlande der Halbinsel Kwang-Tung, nördlich von Elliots Island, Truppen ge- landet hat. Bon Seeräubern überfallen. Lin italienisches Fahrzeug an der Küste von Afrika von Piraten ausgeplündert. G i b r a l t a r, 30. Okt. Die italienische Barke „Scutolo", Capt. Starita, welche ain 21. September von Philadelphia nach Neapel abgegangcn war, ist auf der Höhe von Morro Nuevo, an der Küste von Afrika, von Seeräubern über- fallen worden, welche das Schiss ausplün- derten und mit 1000 Kisten Petroleum entkamen. Sie wagte es nicht. weshalb die chilenische Regierung ihre Kriegsschiffe nicht an Lhina verkaufte. Valparaiso, Chile, 30. Okt. Der Grund, weshalb die chilenischen Kriegsschiffe nicht an China verkauft wur- den, war die Schwierigkeit, eine neutrale Flagge zu erhalten, unter welcher dieselben nach einem chinesischen Hafen hätten ge- schickt werden können, und die Befürchtung, daß die japanischen Gesandtschaften in Washington, London und Paris dagegen prolestirt hätten. Die chilenischen Ge- sandten in jenen Städten wußten nicht, wie ihre japanischen Kollegen darüber gedacht haben würden. Schiffsnachrichten. In der Nacht anqekommen: New Aork „Moravia" von Hamburg, „Rotterdam" von Rotterdam, „Weimar" von Bremen, „Cevic" von Liverpool. London „Nosarian" von Montreal. Glasgow „Corcan" von Philadelphia. Liverpool—„Labrador" von New Kork. London „Massapeqna" von Balti- more. Gibraltar „Werra" von New Pork. New A)ork „Elbe" von Bremen. Städtisches. Das Wetter. Optiker Kleine, 76 Washington Str., berichtet für Chicago die folgenden Baro- meter- und Thecmometerstände: Um 8 Uhr Morg. 50 Gr., um 9 Uhr 50 Gr., um 10 Uhr 52 Gr., um 11 Uhr 54 Gr., um 12 Übr 54 Gr. Barometerstand um 8 Uhr Morg. 29.15,12 Uhr 29.10. Die Finanzklemme der Stadt. Das stadträthliche Finanzcomite wird morgen Nachmittag eine Extrasitzung ab- halten, um die Finanzlage der Stadt zu erörtern. Dem Comite wird wahrschein- lich nichts anderes übrig bleiben, als den Comptroller nochmals zu autoritären, bei Banken Gelder aufzunehmen, damit die Gehälter der städtischen Beamten ausge- zahlt werden können. Comptroller Acker- man arbeitet an einer Zusammenstellung über den Stand der einzelnen Fonds, um zu ermitteln, wie durch Entnahme von Geld aus denselben die augenblickliche Fi- nanzklemme überwunden werden könne. Verantwortlich gehalten. Chas. H. Emery, Superintendent des Schlachthauses von Libby, McNeilLLibby, wurde gestern durch die CoronerS-Juryan's Cruninalgericht verwiesen. Am 27. Oktober stürzten in dem genannten Schlachthause mehrere Arbeiter in einen Behälter mit kochendem Wasser und Mich.McLaughlin von No. 3015 Archer Ave. verbrühte sich derartig, daß er am Sonntag starb, während John Whileid, ein anderer Arbeiter, sich noch im Hospital befindetund schwerlich mit dem Leben davon kom- men wird. ES war Emery bekannt ge-wesen, daß die hölzerne Brücke, welche mitden Arbeitern zusammenbrach und das Un- glück verursacht, unsicher war, doch halteer sie nicht rcpariren lassen. Zermalmt. Der Arbeiter N)m. Jage! von einem eisernen Balken getödtet. Heute Morgen, kurz vor 10 Uhr, waren Arbeiter damit beschäftigt, mit Hülse eines Flaschenzugcs in dem neuen Gebäude an der Ecke der Clark- und Monrocstraße einen eisernen Balken in die Höhe zu win- den. Während der Balken hoch oben schwebte, brach plötzlich ein hölzerner Quer- balken der Auszugmaschine und im nächsten Augenblick kam der schwere eiserne Balken herunter und schlug mit lautem Krach unten ans. Leider war cs einem Arbeiter, William Jagel von No. 6008 Halstedstr., nicht gelungen, der drohenden Gefahr aus- zuweichen. Er wurde buchstäblich zer- malmt und war auf der Stelle todt. Seine Leiche wurde nach Nolston's Morgue ge- schasst. Wegen Beraubung Wird William Real unter Ziooo Bürgschaft dein Lriminalgericht überwiesen. Unter einer Bürgschaft von §IOOO wurde heute Morgen William Real wegen Be- raubung von Edwin Grisfilh in der Wirth- schast No. 120Kinziestr. um seine Taschen- uhr und §3.65 von Richter Kersten dem Criminalg c richt übcrw iesen. Gestern Abend erschien Grifsith, dessen Wohnung No. 121 DeKovenstr. gelegen ist. mit blutigen Striemen und einem hoch ausgcschwollcncn Auge in der Polizei- station an der O. Chicago Ave. Er be- richtete, in der obengenannten Wirthschaft angefallen und b-'raubt worden zu sein. Die Geheimpolizisten Hiott und Cud- more begaben sich mit Grifsith nach der Wirthschaft, wo Real sofort durch die Hinlerlhür entfloh. Während Cndmore die benachbarten Straßen vor der Wirlh- schafl absuchle, faßte Hiott vor dem North- western-Bahnhos Posten. Er sah Real, auü der Alley kommend, in der Kinziestr. austanchen und schritt eiligst hinüber nach der Südost-Ecke von Wells- und Kinziestr. Dort ging Real vorbei und Hiott packle ihn schnell am Arm und erklärte ihn für ver- haftet. Den Raub mußte Real irgendwo versteckt haben, denn bei seiner Visitationaus der Station fand sich nichts davon vor. Dr. W. F poole's Nachfolger. John Dance Lbeney zum Bibliothekar der gewählt. John Vance Cheney, der Bibliothekar der öffentlichen Bibliothek in San Fran- cisco, dessen bevorstehende Ernennung zum Bibliothekar der hiesigen Ncwbcrry-Biblio- thck wir vor Kurzem meldeten, ist gestern in der regelmäßigen Geschäfts-Sitzung des Direktoriums der Newberry-Bibliothck thatsächlich zum Nachfolger des verstorbe- nen Dr. W. F. Poole gewählt worden. In der Sitzung anwesend waren die Direk- toren George E. Adams, Edward E. Ayer, Daniel Goodwin, Franklin H. Head, Franklin McVcagn, Walter b. Newberry, Lambert Tree und John P. Wilson. Wie verkantet, war nur einer der genannten Herren gegen die Wahl des Herrn Cheney, während in der Sitzung der Bibliotheks- Behörde noch zwei Stimmen gegen Cheney gewesen waren. Um die Stellung des Bibliothekars der Newberry-Bibliolhek hatten sich etwa 20 Herren bemüht, von diesen kam jedoch außer Cheney nur noch Professor O. B.Putnam, der frühere Bibliothekar der öffentlichen Bibliothek in Minncapolis, ernstlich in Betracht. Herr Cheney wird sein Amt innerhalb eines Monats untreren. Sein Salair be- trägt für das erste Jahr §4OOO. Brutaler Polizist Derhaftet im Suff drei Unschuldige. Wird wohl über die Klinge springen müssen. Der Verhaftungsfall von EharlesWincrt, Kate Jacobs und Ed. Heall durch den Po- lizisten Godsrcy endete heute mit der Frei- sprechung der Angeklagten. Am vergange- nen Freilag Abend hatte Godfrey die drei Personen in der an der Ecke von Halstedund Centre Str. gelegenen Wirlyschaft verhaftet. Er hatte vorher mit Winert selbst einige Getränke genommen, verhaftete denselben trotzdem. Als Kate Jacobs, welche mit den andern beiden ein Würfel- spiel auf dem Schanktisch auswars, dem Polizisten bemerkte, daß cs unrecht sei einen Mann zu verhaften, mit dem er'sclbst getrunken habe, packte der Unhold die junge Frau an ihren Kleidern vorn an der Brust und schleifte sie aus der Wirthschaftüber die Straße nach dem Palrouillewagcn. Ed. Heall, welcher gegen diese brutale Be- handlung einer Frau Einspruch erhob, wurde ebenfalls mit nach der Larrabee Str.-Station genommen. Bei dem Verhör am Freitag hatten God- frcy und sein Begleiter McMahon mit auf- fälliger Nachdrücklichkeit behauptet, daß das Zeugniß des Schankkellners nicht nöthig sei. ökichter Kersten schöpfte jedoch Verdacht und ließ den Schankkellner aus heute vorladen. Clemens Michel bezeugte nun heute, daß Godirey und McMahon uuf den Angeklagten und zwei anderenGälten unzählige Biere und Whiskies tran- ken und daß Godfrey zur Zeit der Verhaf- tung der drei Gäste ganz rabiat betrunken war. Nach der Freisprechung der Angeklagten erklärte Inspektor Schaack, daß er Godfreyvor den Polizei-Untersuchnngsrath brin- gen werde, wo er wahrscheinlich über die Klinge springen muß. lm County - Hospital starb heute früh der Farbige William Washington in Folge einer Kugclwunde im rechten Bein, die ihm in der Nacht vom 25. zum 26. Okt.in der Schankmirthschaft von Willis Wood-son, No. 19 N. Greenstraßc, wo er ange- stellt war, von einem gewissen Smith zu- gefügt worden sein soll. Letzteren hat die Polizei bis jetzt noch nicht gesunden, doch wird seit dem Ableben seines Opfers nun doppelt scharf auf ihn gefahndet. Brutale That. John Robb in La Grange von Joseph Miller in die Brust geschossen und tödtlich verwundet. Unter den Bewohnern unserer westlichen Vorstadt La Grange herrscht große Aufre- gung. Anscheinend ohne jede Veranlas- sung wurde dort gestern Abend um acht Uhr John Robb, der Sohn eines wohlha- bendenMaterialwaarcnhändlers, von einem Fuhrmann, Namens Joseph Miller, in die Brust geschoben und so schwer verwundet, daß die Aerzte seine Genesung für unmög- lich halten. Robb, der in dem Laden sei- nes Vaters als Clerk sungirt, bediente 'mehrere Kundinnen, als Miller hercinkam, sich über den Ladentisch beugte und ohne ein Wort zu sagen, aus Robb schoß. Die Kugel drang Jenem dicht unter dem Herzen in die Brust. DicThat geschah so schnell und unerwartet daß die im Laden Anwesenden im ersten Moment gar nicht wußten, was passirle. Erst als Robb mit einem Schmerzensschrei hinter dem Ladentisch zu Boden sank, uns der Mörder zu entfliehen versuchte, wurde man sich der Blutthat bewußt. Mlller wurde von einem Polizisten der Ortschaft, der den Schuß hatte fallen hören und hcrbeigeeilt war,verhaftet und in dcmOrls- gcsängniß cingeiperrt. Inzwischen halte man einen Arzt geholt, der Robbs Wunde untersuchte und erklärte, daß eine sofortige Ucberftihrung nach einem Hospital not- wendig sei. da an eine Genesung nur dann zu denken sei, wenn es sofort gelinge, die Kugel herauszuziehen. Die Entrüstung unter den Bewohnern von La Grange war so groß, daß Versuche gemacht wurden, Miller aus dem Gefäng- niß herauSzuholcn und am ersten, besten Baum auszuknüpsen. Die Behörde hielt es daher für das Beste, den Gefangenen mir dem ersten Morgcnzuge nach Chicago zu schicken und im hiesigen County-Gesängniß cinsperren zu lassen. Unser Berichterstatter ließ heule Vor- mittag John Miller aus seiner Zelle No. 23 rufen. Miller ist ein ziemlich hochgc- wachsener, hagerer Mann; sein Gesicht ist rolh und ein kleines blondes Schnurrbärt- chen bedeckt die Oberlippe. Er weigerte sich hartnäckig, über den Beweggrund Auskunft zu geben, welche ihn bei der Ausführung der Mordlhat beeinflußte. Unangenehme Unterbrechung. Die Polizei schreitet bei den Eröffnungsfeier- lichkeiten des Drexcl-Llubs ein. Unter recht ungünstigen Auspicien feierte der Drerel-Club gestern Abend die Ein- weihung seiner neuen Club-Räumlichkeiten in dem Erdgeschoß des Christoval-Flatge- bäudes an der Ecke der 40. Straße und Drcxel Boulevard. Der Drerel-Club ist bekanntlich ein Verein von jungen Hyde Parkern, welche so ziemlich allen athleti- schen Künsten huldigen, u. A. auch der Klopsfechtkunst. Dieser Letzteren haben die Mitglieder des Clubs es zu verdanken, daß ihre gestrigen Feierlichkeiten eine unange- nehme Unterbrechung erfuhren. Es waren nämlich Einladungen an Freunde und Be- kannte ausgesandt worden, auf denen gleich- zeitig das Programm der verschiedenen athletischen Vorstellungen, die stattfinden sollten, gedruckt standen. Als Glanznum- mer war auch eine „Boxerci" zwischen dem Turnlehrer des Vereins, Pros. „Jack" Fer-guson, und dessen bestem Schüler verzeich- net. Letzteres erregte den Verdacht der Hyde Parker Polizei, als diese zufällig ein Pro- gramm zu Gesicht bekam, und es wurden zwei Geheimpolizisten delaillirt, die Feier- lichkeiten des Clubs zu überwachen. Alles ging ziemlich glatt von Statten, doch als eS zu der erwähnten Glanznummer kam, glaubten die Geheimpolizisten, daß für sie der geeignete Moment gekommen sei und zwischen die beiden Kämpfenden tretend, erklärten sie das Fest für aufgehoben. Da- rob entstand wüster Lärm in den hehren Hallen, der sich aber legte, als nach einigen Minuten sechs oder sieben Blauröcke unter Führung eines PolizeilicutenantS hcrcin- marschirt kamen. Zufällig befand sich un- ter den Anwesenden ein Rechtsanwalt, dem es gelang, eine Verhaftung zu verhindern,ans den Grund hin, daß rein Blut bei der Afsaire vergossen worden war. Nachdem sich die Polizisten von der Tchatsache Über- zeugt halten, verließen sie wieder das Lokal und dle Festlichkeiten hätten nun fortgesetzt werden können, doch man verspürte dazu wenig Lust und betrübt schlichen sich die verschiedenen Mitglieder einer nach dem anderen nach Hause. Wegen brutaler Behandlung Einer hülstosen Frau wird David Rochon dem Eriminalqericht überwiesen. Heute Morgen wurde der Klagcfall von Frau Dora Hiott, No. 238 Michigan Ave. wohnhaft, gegen David Nochon von Richter Kersten erledigt und der Angeklagte dem Criminalgcricht überwiesen. Rochon war am 11. October durch die Geheimpoli- zisten Hiott, der jedoch in keiner verwand- schaftlichen Beziehung zu der Klägerin steht, und Cndmore verhaftet worden. Er wohnte längere Zeit bei Frau Hiott und wurde von ihr schließlich fortgeschukt. Am It. Oct. kehrte er zurück und mißhandelte die Frau derart, daß ihr Körper und Kops mit zahlreichen Beulen bedeckt war; die Mißhandlungen halten ferner zur Folge, daß die Klägerin eine Fehlgeburt batte und erst nach längerer Zeit unter ärztlicher Pflege genas. Heute legte sie selbst dieses Zeugniß in französischer Sprache ab, wel- ches Geheimpolizist Hiott verdolmetschte. Als Zeugen, welche die Gewaltakte Ro- chon's mit ansahcn, traten Wm. Walton, No. 238 Michigan Str., Dr. Erckmann, 460 3k. Clark Str., welcher die Frau be- handelte, M. Lehman, No. 238 Michagan Str. auf. Brutaler Gatte. Philip Simon, welcher seine Gattin Fr. M. Simon, gewohnheitsmäßig miß- handelte, wurde von Richter Kersten unter §25 Strafe nach der Bridewcll gesandt. Das Ehepaar wohnt No. 161 Straße.

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