Abendblatt Newspaper Archives Oct 29 1894, Page 1

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Abendblatt (Newspaper) - October 29, 1894, Chicago, IllinoisHeransgegeben von der Illinois Staats-leitnngs-To. Tlücago, Montag, 29. Oktober 1894. Preis 1 Tent. 47. Jahrgang. No. 257. Uevevvlick Und Kurzgefakles. - Für heute steht uns noch Regen inAussicht. Kanzler von Hohenlohe besucht denKaiser und folgt hierauf dem neuen Muri- ner des Innern, von Köller, nach Berlin.Wie Bismarck über die Vorgänge urtheilt. Bei dem Erdbeben in Argentinien sind 2000 Menschen umgekommen, und die Zahl der Obdachlosen wird auf 20,000 ge- schützt. Erst gegen Ende dieser Woche wird die Prinzessin Alix dem Czarewitsch ange- traut werden. Der Petersburger Metro- polit wird sie zuvor in die griechisch-ortho- doxe Kirche ausnchmen. ln New Bork war der Effektenmarkt zu Anfang zwar ziemlich belebt, aber matt. Die „Baisse" fiel wieder über die Aktien der Kohlenbahnen her und New Jersey Central ging um 2K und Delaware L Hudson um pCt. zurück. Natürlich litten auch dieübrigen Aktien darunter und Pullman wurde um 1 pCt., Northwestern, Lead, Lake Shore um je E, Tabak um General Electric um § pCt. gedrückt. Danach wurdeein Theil des Verlustes wieder eingeholt. Am nächsten Mittwoch Abend wird das neue Museum der Acadcmie der Wis- senschaften im Lincoln Park eröffnet und dem Publikum zum freien Besuch über-geben werden. Die Besuchszeit ist von 10 Uhr Vormittags bis 4 Uhr Nachmittags. Der Kampf der politischen Parteien ist auf der ganzen Linie entbrannt. Es ist ein wahres Glück, daß die Entscheidung schon am 6. November erfolgen muß, da die Politiker, welche zugleich Beamte sind, ihre Pflichten in unverantlicher Weise ver- säumen. Zwischen den Studenten in Evanston ist ein Kampf über die Frage ausgebrochcn, ob cs statthast ist, bei Abeudunterhaltungen das Tanzbein zu schwingen. Die Blicke der ganzen Well sind mit athemloser Svan- nung auf die „Universitätsstadt" gerichtet, bis diese große Frage entschieden ist. Telei;rap!njckie DepesHeri. Die Slütmng der Prinzessin Alir. Die Hochzeit wird wahrscheinlich erst am Freitag stattfinden. Die Ankunft der Schwester des Lzaren, der dänischen Aönigsfainilie und anderer hohen Herrschaften in Halta erwartet. London, 29. Oct. Von Yalta wird der „Pall Mall Gazette" gemeldet, daß der Metropolit von St. Petersburg dort nngrkommeu ist, um die Prinzessin Alix vor der Trauung, welche demnächst stattfinden wird, zn salben. Während der nächsten vier Tage wird die Prinzessin dem Gottesdienste der griechischen Kirche beiwohnen. Man glaubt jedoch uicht, daß die Hochzeit mit dem Czarewitschvor dem Freitag stattfiudcu wird. Außerdem heißt es iu der Depesche aus Yalta, daß Vorbereitungen sür die Ankunft der Herzogin von Sachsen-Coburg (der Herzogin von Edinburg), der Schwester des Ezaren, der königlichen Familie von Dänemark und anderer hohen Gäste ge- troffen werden. Der Gesundheitszustand des Tzaren. Das Befinden desselben unverändert. Washington, 29. Okt. Der hiesige russische Botschafter, FürstCautakuzencs, hat soeben von seiner Ne- gierung folgendes Bulletin erhallen: St. P e l e r s b u r g, 29. Okt. „Der Kaiser hat in der Samstag Nachtgut geschlafen. (Sonntag) ist in dem Befinden Sr. Majestät keine Acnde- rung eingetreteu." Gez. Giers. St. Petersburg, 29. Okt. Folgendes, von den behandelnden Aerz- tcn unlerzeichnctcs Bulletin, wurde heute Morgen um 11 Uhr veröffentlicht: „DerCzar hat in letzter Nacht weniger gut ge- schlafen; sein Appetit ist unverändert. Die 'lufchwclluug hat nicht abgcuommen. Opfer eines Herzschlages. liu junger Maun bricht beim Ballspiel todt zusammen. P.ek in, Jll., 29. Okt. Gestern stürzte Gustav Kaiser gerade in dem Augenblicke todt. nieder, als er sich an einem Fußballspiel betheiligeu wollte; er warf die Arme in die Höhe, fiel nieder und war sofort Leiche. Als Ursache desplötzlichen TodcS des jungen Mannes, der in der Stadt wohlbekannt war, wird ein Herzschlag angenommen. Zum Ntörder geworden. Unvorsichtige Handhabung einer eisernen Stange. Oakland, Jll., 29. Okt. Dem Besitzer des Hinsboro Leihstallcs, Louis Collier, wurde gestern von A. B. Honsing, einem jungen Farmarbeiter, mit einer schweren eisernen Stange der Schä- del einaefchlagen. Collier ist dem Tode nahe; Honsing hat sich geflüchtet, wird aber von der Polizei scharf verfolgt. -——ch» Tchlimm für das Vieh. Schneegestöber in Nebraska. Hay Springs, Ncb., 29. Okt. Gestern wurde dieser Theil des Staates von einem heftigen Schneegestöber heimge- sucht, welches acht Stunden anhielt. Das Lieh leidet dadurch bedeutenden Schaden. Eine Räuberbande gesprengt. Die Pacific Txp/eß-Gesellschcrft er- langt ihr Geld wieder. Die Räuber zwei verkommene Söhne an- ständiger Lltcrn. TheD a l l es, Oregon, 29. Oct. Nach zwciwöchentlichen erfolglosen Be- mühungen voll Seiten der geheimen und örtlichen Polizei, die Banditen zu ent- decken, welche am 1. October die Pacific Expreß Company in hiesiger Stadt um H14,000 beraubten, ist es endlich gelungen, dieselben abzufassen, und bis auf H2OO das ganze Geld wiederzuerlangen. Frank Klein und Otis Savage, junge Leute von anständigen Familien von hier, sitzen jetzt dafür ihm Gefängniß und haben ein volles Geständniß über den Raub abgelegt. Nach- dem die Geheimpolizisten ohne Erfolg viele angebliche Spuren verfolgt hatten, gerieth Sheriff Driver auf die Vermuthung, daß möglicher Weise Klein und Savage, welche sich beschäftigungslos im Orte herum- irieben und früher einer unter dem Namen „Hawlhorne Gang" bekannten Bande von Strolchen angehörten, mit dem Raube in Verbindung stehen könnten. Es hieß, daß sich die jungen Leute von der Bande ge- trennt hätten, weil sie sich nicht über einenPlan, einen Zug der Union Pacific Bahn zwischen hier und Portland zu berauben, einigen konnten. Bald darauf brachen Hawthorne und seine Genossen in ein hie- siges Geschäft ein, raubten Gewehre, Pi- stolen und Schießbedarf und begaben sich damit nach ihrem Lager in der Nähe des Berges Hood. Die einzige Spur, welche nach dem Ex- preßraube zurückgelassen worden war, be- stand in einer stählernen Stange, welche an dem einen Ende zugespitzt war, und am an- deren einen Haken hatte, und diese war am Morgen nach dem Raube neben dem leeren Gcldschranke am Fußboden des Expreß- lokales gefunden worden. Der Vermuthung des Sheriffs Driver folgend, begaben sich der Geheimpolizist. L-imonS aus Portlaud, und Lord von der „Sureiy Company" von Kafas City, nach Klein's und Savage's Wohnzimmer, wel- ches sich in einer Scheune in Klein's Hofe befand. Die Wände des Zimmers waren mit Gewehren aller Art behängt, und außerdem befand sich dort ein Amboß nebst Werkzeugen, um leichte Schmiedearbeit zu besorgen. Als dem Sheriff Driver dies mitgctheilt wurde, ging er mit jener stählernen Stange zu Salem Nowe einem Mitglied«: der Bande, das sich jetzt im Zuchthausc befin- det, und erfuhr von diesem, daß die Stange in Klein's Wohnung zurecht geschmiedet worden sei. Rowe sagte auch, daß Klein, der ein tüchtiger Schlosser ist, einen Schlüs- sel zum Geschäftslokale der Exprcßgesell- schaft habe. Nach Empfang dieser Mittheilungen be- gab sich Driver mit dem Geheimpolizisten SimouS nach The Dalles und vcranlaßte die Verhaftung von Klein und Savage. Tie setzten ihrer Verhaftung keinen Wider- stand entgegen, und wurden im Hotel in getrennte Zimmer geführt, wo der Bezirks- anwalt Jayue und Simons versuchten, ein Geständniß von ihnen zu erlangen. Klein gestand schließlich den Diebstahl ein, und gab den Versteckplatz des Geldes an, wo auch die ganze Summe, außer H2OO, gefun- den wurde. Klein gestand auch, daß er und Savage am 6. September das Post- amt beraubt hätten. Durch diese Verhaf- tung ist einer der schlimmsten Räuberban- den der hiesigen Gegend ein Ende gemacht worden, und wird auch der Expreßageut Hill, von dem es irrthümlicher Weise hieß, daß er als des Raubes verdächtig in Hast genommen worden sei, von dem Verdachteentlastet. Beinahe entwischt. Lin Bahuräuber bei einem Fluchtversuche aus dem Gefängnisse abgefaßt. Tucson, A. T., 29. Okt. Oscar Rogers, einer der Leute, welchesich unter der Anklage, vor einigen Wochenin der Nähe der Station Maricoba einen östlich gehenden Zug der Southern Pacific Bahn überfallen zu haben, hier im Gefäng- nisse befinden, hätte gestern Nacht beinahe sein Entkommen bewerkstelligt. Er hatte bereits fast die ganze Blauer durchbrochenund würde in zehn Minuten ein freier Maun gewesen sein, wenn sein Fluchtver- such nicht entdeckt worden wäre. Einmal außerhalb der Gcsänguißmauern hätte er ein leichles Entkommen gehabt, denn man wußte bestimmt, daß einige seiner Spieß-gesellen nur darauf warteten, ihm zur wei- teren Flucht zu verhelfen. „Kid" Thomp-son, dem die Geheimpolizisten Tag und Nacht nachstelleu, soll sich in der hiesigen Alachbarschaft aufhalten. Von einem Bahnzuge überfahren Schreckliches Lude eines Tanzvergnügens. Lebanon, Jnd., 29. Okt. Gestern morgen wurde ein Wagen, in welchem sich eine von einem Tanzvergnügen zurückkehrendc Gesellschaft befand, von einem Zuge der Big Four-Bahn überfah- ren. Fünf Personen verloren bei dem Un- fall das Leben; die Namen derselben sind: Gertrude und Grace Davis, Tenna George, Carl Gowans und May McDaniel. Aus dem Zuchthause entsprungen. Gelegenheit für Jemand, fünfzig Dollars zu verdienen. Io liet, Jll., 29. Okt. Gestern ist William Steadman aus dem hiesigen Zuchthause entflohen. Der Flücht-ling ist fünf Fuß, zehn Zoll groß, hatdunkle Gesichtsfarbe, dunkles Haar und istseit einigen Tagen nicht rasirt. Auf Stead- man's Verhaftung ist eine Belohnung von HSO ausgesetzl. MM Bismarck über die Krisis. Tr kehrt am 3. November nach Friedrrchsruh zurück. Der Gesundheitszustand der Fürstin besorg- nißerregend. Berlin, 29. Okt. Der Correspondeut der Assoc. Presse er- fährt aus Varzin, daß Fürst Bismarck nach dem Empfang der Nachricht über die Mi- nisterkrisis sich folgendermaßen geäußert habe: „Ich wußte, daß dies die unver- meidliche Folge sein werde. Der Graf zu Eulenburg hatte betreffs der anli-sozialistt- schen Maßregeln Recht, aber Caprivi war mit ihm nicht einverstanden, und einer, oder beide mußten zurücktreten. Der Fürst Ho- henlohe ist ein zuverlässiger Mann, aber es mangelt ihm an entschiedenem Vorgehen." Fürst Bismarck kehrt am 3. November nach Friedrichsruh zurück. Wegen seines Gesundheitszustandes ist er nicht im Stande, vor seiner Abreise von Varzin noch weitere Delegationen zu empfangen. Die Gesundheit der Fürstin Bismarck giebt zu Besorgniß Veranlassung. Eine russische Motte in Tschi-M an gekommen. Die japanische Flotte vor Wei-Hai- wei. Chinesische Hülse für Port Arthur. London, 29. Okt. Der „Daily Graphic" veröffentlicht fol- gende Depesche aus Yokohama: Die chiue- sifche Flotte begicbt sich in die Bai von Tschin Kan, um Port Arthur gegen die Ja- paner zu vertheidigen. Die Absicht der Japaner ist, Port Arthur, Talien Wan und sämmtliche benachbarten Häfen zu blokiren. Die Eröffnungen Japan's an Rußland zur Abschließung eines neuen Vertrages sind günstig ausgenommen, und die Unter- handlungen werden demnächst beginnen. Der Correspondcnt der „Central News" in Shanghai telUraphirt, daß die russisch: Flotte in Tschi-Fu angekommen ist, und daß eine japanischeFlotte von 11 Schiffen und mehreren Torpcdoböten sich vor Wei- Hai-Wei befindet. Böser ReinfaU eines Thicagoers. Lr wird das Opfer eines Bauernfängers. New York, 29. Oct. John M. Holmes, angeblich ein Ge- schäftsmann aus Chicago, erklärte heute Morgen im Polizeigericht von Jefferson Market, daß er das Opfer eines Schwind- lers geworden sei. Holmes war im be- wußtlosen Zustande auf einer Haustreppe an der Ecke der Madison Ave. und der 30. Straße gesunden worden. Er war, seiner Angabe nach, beraubt worden; am Samstag Abend, sagte er, sct er im Astor House von Jemand als Bekannter angeredct worden, der ihn zu einem Getränk eingeladen habe; er habe einen „Ooest tull" getrunken und sei dann in Gesellschaft des Fremden nach der oberen Stadt gegangen, wo er einen Geschäftsfreund treffen wollte. Er erinnere sich noch, auf einem Kabclwagen auf dem Broadway gefahren zu sein, aber was spater passlrt sei, wisse er nicht. Er behauptete, daß ihm eine goldene Uhr im Werlhe von H3OO und außer anderen werlhvollen Pa- pieren auch ein Contrakt gestohlen sei, der einen Werth von H40,000 gehabt habe. Der Richter Hogan gelangte zu der An- nahme, daß dem Manne ein Betäubungs- mittel bcigebracht wurde, und entließ ihn straflos. plötzliches Steigen der Rubelnoten. Aufregung an der Börse darüber. Berlin, 29. Okt. Das Steigen der Hundert-Rubelnoten von 219 auf 232 Mark in einer Woche hat heute auf der Börse einige Aufregung ver- ursacht. Die große Seltenheit der Rubcl- nolcn wird dem Umstände zugeschrieben, daß dieselben von der russischen Negierung aufgekauft wurden. Opfer von Straßenräubern. Kannte jedenfalls den Inhalt seiner Taschen. Lcbanon, Jnd., 29. Okt. Gestern Nacht wurde Dennis O'Nourke von SlraßeNräubern angefallen und um H3OO beraubt, die er kurz vorher durch den Verkauf von Scheinen eingenommen hatte. Hohe Auszeichnungen. General Laprivi und Graf Lulenburg durch Verleihung hoher Orden geehrt. Berlin, 29. Okt. Der „Neichsanzeiger" theill mit, daß der Kaiser dem General v. Caprivi den Orden des Schwarzen Adlers in Brillanten, und dem Grafen Bolto zu Eulenburg das große Commandeurkreuz des Hohcnzollcrnordensmit Kreuz und Stern verliehen hat. Vielleicht verhungert. Line alte, alleinstehende Frau, todt im Bette gefunden. Kalama ; 00, Mich., 29. Okt. Margarethe Vance, eine 65jährige Frau, welche Jahrelang hier für sich allein ge- wohnt und häufig bittere Noth zu leiden jhalte, wurde gestern todt in ihrem Bette aufgefunden. Man glaubt, daß sie dem!Huugertode erlag. Das Erdbeben in Argentinien. Die Zahl der Nmgekommenen auf zwei Tausend abgeschätzt. Zwanzig Tausend Personen obdachlos. Die Stadt ka Rivja in Ruinen. Buenos Aires, 29. Okt. Wie ein Correspondeut in La Rivja be- richtet, liegt die Stadt in Folge des Erd- bebens in Ruinen. Sämmtliche Kirchen, Schulen und öffentlichen Gebäude sind zer- stört und die Bewohner kampiren in der Nachbarschaft. Einige Erdstöße hatten eine Dauer von sechsundzwanzig Sekun- den und es spielten sich furchtbare Scencn ab. Zwei barmherzige Schwestern wurden von den entstürzenden Mauern erschlagen und eine noch größere Anzahl liegt verschüt- tet unter den Ruinen. Der Gouverneur befürchtet, daß die Zahl der Umgckomme- nen und Verletzten in der ganzen Provinz wenigstens 2000 Personen betragen wird, da noch viele andere Ortschaften von dem Erdbeben betroffen wurden. Es wird be- richtet, daß in verschiedenen Theilen der Provinz Erdrissc stattsanden, aus denen kochendes Wasser und Schlamm herausge- worfen wurde. Fortwährend treffen Boten mit Nach- richten von dem in den verschiedenen Ge- genden und Ortschaften angerichteten Schaden ein. Das Dorf Del Arbordon ist in einer ge- waltigen Erdspalte, welche sich im Boden öffnete, vollständig verschwunden. Die Negierung schickt Extrazüge mit Aerztcn, Zelten, Lebensmitteln ab und zugleich auchArbeiter, um bei der Wegräumuug der Trümmer zu helfen. Man glaubt, daß wenigstens 20,000 Personen obdachlos ge- worden sind. Südlich von Buenos Aires wurde nur ein seichter Erdstoß gespürt. Das Erdbeben scheint in der Nähe der Mündung des La Plata seewärts gegangen zu sein. Die Chinesen bekommen es mit der Angst. Die Nachricht von der Niederlage am tzalu hat die größte Bestürzung hervorgerusen. Mit Ungeduld werden Nachrichten von Port Arthur erwartet. T i e n T s i e n, 29. Okt. Die Nachricht von der Niederlage der Chinesen nördlich vom Yalu hat hier große Bestürzung hervorgerufen, und die chinesi- schen Beamten leugnen die Wichtigkeit des Unglücks nicht ab. Die nächsten Kampfe werden bei Port Arthur staitfinden, und die Nachricht davon wird mit Ungeduld erwartet. Tin ebenso schlauer als einfacher Tchwindelplan. Line geriebene Gaunerin nach langer Suche abgefaßt. Ne uw York, 29. Okt. Nach einer Jagd von über einem Mo- nate, ist es den Leuten des Inspektors McLaughlin endlich gelungen, das hübsche und schlaue junge Frauenzimmer abzu-fassen, welches hier und in Brooklyn so viele Putzmachergeschäste zu beschwindeln verstand. Der Maun des Mädchens ist Millie Harrowitz, wohnhaft in Harlem. BUnie wurde gestern Abend im Hauptquartier der Polizei von mehreren ihrer Opfer identi- fizier, und legte dann ein offenes Geständ- niß ab. Ihr Opcrationsplan war ein ebenso einfacher, als verwegener. Sie fuhr bei einem Hotel vor, nahm ein Zimmer für sich und „Großmama", indem sic angab, daß „Großmama" sehr bald mit dem Ge- päck und Reisegeld ankommen werde. Dann nahm sic sofort die Zimmer in Besitz, welche neben einander liegen, und beide einen Ausgang nach dem Corridor haben mußten, worauf sie nach einem Putzmacher- geschäftfuhr, einen oder mehrere Hüte aus- suchre, und bat, dieselben nebstKleingcld für eine HIOO Note nach dem Hotel zu schicken. In dem einen Zimmer nahm sie daun die Hüte in Empfang, worauf sie unter dem Vorwände die HIOO Banknote von ihrer mythischen „Großmama" zu holen, mit dem Kleingelde in das nächste Zimmer ging, um von dort durch den Corridor schleunigst aus dem Hotel zu verschwinden. - Der schlaue Aeter. Drei Jahre lang dreht er, als Mädchen ver kleidet, der Polizei die Nase. Win field, Jll., 29. Okt. Vor drei Jahren war Peter Cline, ein Sohn des hier in der Nähe wohnenden Farmers Cline, in einem Orte in lowa wegen Diebstahls verhaftet worden; er hatte aus dem Geschäfte, in welchem er dort als Clerk angestellt war, Maaren gestohlen. Ehe er aber nach dem Gefängnisse abgeführt wurde, war es ihm jedoch gelungen, seine Flucht zu bewerkstelligen, und erst am letz- ten Freitag wurde er unter cigenthümlichen Umständen wieder in Haft genommen. Nach seiner Flucht wurde eine Belohnung von PSO auf seine Verhaftung festgesetzt word-n, aber es war Niemandem gelungen, das Geld zu verdienen. Vierzehn Tage nach seiner Flucht vor drei Jahren erschien plötzlich beim Farmer Cline ein Frauen- zimmer, welches als eine Schwester vorge- stcllt wurde; die junge Dame nahm Herren- besuche an, und Alles ging ganz gut, bis am letzten Freitage ein aus lowa einge- lroffener Polizeibeamter dem Stillleben auf Cline's Farm e'.n Ende machte, indem er das Mädchen, welches sich als Peter Cline, der flüchtigeDieb, entpuppte, in Haft nahm. Der schlaue Peter hatte in seiner Verklei- dung die Polizei drei Jahre lang an der Nase herumgeführt und in seinen Unter- röcken hier nicht den geringsten Verdacht er- regt. Jetzt aber sitzt Peter in lowa hinter schwedischen Gardinen. Nlorton's Rutscher. Sekretär Larlisle wird heute oder morgen seine Entscheidung über den Fall abgeben. W a shingto n, 29. OEt. Der Sekretär Carlisle brachte den größeren Theil des gestrigen Tages mit der Durchsicht der vor der Spezialcommission auf ElliS Island im Falle Howard's des Monon'schenKutschers, gemachten Zeugen-aussagen zu. Er wurde jedoch nicht da- mit fertig, und eine Entscheidung wird erst in ein oder zwei Tagen erfolgen. Den Zeugenaussagen, welche 107 Seiten lang sind, war ein langer Bericht der Com- mission und ein besonderer Brief des Ein- wanderungseommissärs, Dr. Spuncr, bei- gelegt. Wie es heißt, hat die Commission empfohlen, daß der Sekretär bei seiner ur- sprünglichen Entscheidung beharre, und daß Howard wieder zurückgcschickt werde. Der neue Kanzler besucht den Kaiser, Und beliebt sich darauf nach Berlin. Fürst von Hohenlohe hat heute dem Kai-ser Wilhelm in seiner Eigenschaft als Kanzler des deutschen Reiches und preußi- scher Ministerpräsident, einen Besuch abge- stattet. Darauf begab er sich nach Berlin, wohin ihm Herr v. Koeller, der neucrnannte Minister des Inneren, bereits vorausgecilt war. Schiffsnachrichten. In der Nacht auqekommen: Southampton „Ems" v«n New Bork. Havre ~La Champagne" von New York. Hamburg „Steinhost" von Montreal. Hüll „Gallilco" von Genua. Glasgow „Pomeranian" von Mont- real. New York „Moravia" von Hamburg. Heute gemeldet: New York: „Moravia" von Ham- burg, „Rotterdam" von Rotterdam. New York: Weimar von Bremen. Städtisches. Das Wetter. Optiker Kleine, 76 Washington Str., berichtet für Chicago die folgenden Baro- meter- und Thecmometerstände: Um 8 Uhr Morg. 54 Gr., um 9 Uhr 54 Gr., um 10 Uhr 56 Gr., um 11 Uhr 56 Gr., um 12 Übr 56 Gr. Barometerstand um 8 Uhr Morg. 29.15, 12 Uhr 29.05. Mysteriöse Schießerei. Der wirth Frank Reichton zufällig durch eine Revolverkugel verwundet. Als die Polizisten Charles Nook und John Murphy an der Larrabee Str. nörd- lich zwischen Centre- und Wisconsin Str. entlang gingen, körten sie plötzlich in der Nachbarschaft drei Schüsse fallen und ein Hülfegeschrei. Sie eilten hinzu und fan- den an der Ecke von Larrabee- und Wis- consin Str. den Wirth Frank Reichton mit einer Kugelwunde in der linken Huste. Er war vor seiner Wirthschafl stehend zufällig durch eilte Kugel verwuudcl worden und wurde nach dem Alerianer-Hospital ge- bracht. Von den Schützen, welche die drei Schüsse abfeuerten, konnten die Polizisten keine Spur entdecken. Gerechte Strafe. Lin Bauernfänger auf sechs Monate nach der Bridewell geschickt. ,I. Lewis, ein Mann in den scchsziger Jahren, mußte sich heute früh vor Richter Severson gegn die Anklage des Erlangens von Geld unter Vorspiegelung falscherThalsachen, verantworten. Gestern Nach- mittag soll er den auf dem Bahnsteig des Northwestern-Bahnhofs auf einen Zug wartenden N. C. Gordmann um H 6 ange- gangen und sie von demselben auch erhallen haben, auf einen Check hin, den er ihm als Sicherheit angcboten hatte und der auf die hohe Summe von H35 lautete. Als Goldman den Check einlösen wollte, stellte sich natürlich heraus, daß derselbe gctälscht worden war und sofort erwirkte der Betrogene einen Haftbefehl gegen Lewis. Dieser war leicht zu finden, da die Geheimpolizisten der Bahn schon längst wegen seines Herumlungerns auf dem Bahnhöfe ein scharfes Auge auf ihn gewor- fen hatte. Heute Morgen vor Richter Se-verson verzichtete er auf jegliche Vertheidi- gung, denn er schien mit den hiesigen Ge- setzen nur zu genau betraut und wußte, da nur der Angeklagte beschwören könnte, den Check von ihm erhallen zu haben und überhaupt der einzige Belastungszeugen war, daß der Richter ihn von der zu An- fang erwähnten Anklage freisprechcn müsse. Dieses geschah denn auch, doch Halle er ganz der Anklage des unordentlichen Betragens vergessen, welche auf den Grund hin, daß er Gordmann belästigt habe, ebenfalls gegen ihn erhoben worden war; der Richter aber nicht, und da dieser Lewis als einen gerie- benen Bauernfänger kannte, sandle er ihn auf 6 Monate nach der Bridewell. Die Bauthätigkeit. Im städtischen Gebäudeamt wurden im Laufe der vergangenen Woche 180 Bauer- laubnißschcine fürßauten zum veranschlag- ten Gesammtwerthe von P838,350 erwirkt. Von den 180 Bauerlaubnißscheinen fallen 89 mit H516,400 auf das alte Stadtgebiet, 34 mit H172,000 auf Hyde Park, 26 mit H82,700 auf Lake und 21 mit P 56,400 auf Lake View. Die am Sonntag Abend bekannt ge- gebenen offiziellen Angaben über die Regi- stration an den beiden Registralionstagen, dem 16. und dem 23. Oktober, zeigen, daß sich in Chicago und in Cicero zusammen 317,487 Männer und 30,688 Frauen' in die Wählerlisten eintragen ließen. Hülse, Herr Bürgermeister ? Nebelstände, welche die Gelcise-Lrhöhnng an Archer Ave. im Gefolge hat. In einem scheußlichen Zustande befindet sich z- Z- in Folge Höhcrlegung der Geleise der Nock Island- und Lake Shore-Bahnen die Archer Ave., auf derenKreuzungen mit der Clarkstr. bis Wentworth Ave., d. h. auf einer Strecke von 3 Blocks. Die Archer Ave. soll nämlich in Folge Höherlegung der genannten Bahngcleisc tiefer gelegt wer- den. Obgleich nun diese Geleise noch nicht einen halben Block wert böhergelegt, sondern nur die 10 Fuß hohen Steinmauern zu beiden Seiten der Archer Ave. lauf- geführt sind und das zum Höherlcgen der Geleise benöthigle Baumaterial, wie riesige Steine, Saud, Cement, ferner Krahnen zum Heben der Steine und Maschinerien aller Art dort die Straße sperren, wurde doch schon mit dem Tieferlegcn der Straße begonnen. Zu beiden Seiten der Kreuzung ist daher das Pflaster der Archer Ave. auf- gerissen, ebenso das der in nördlicher und südlicher Richtung laufenden Neben- straßen, Lasallc- und Clarkstr. Der Regen hat die aufgrrissenen Straßen absolut un- passirbar geinacht. Und dabei müssen die- jenigen Personen, welche die Archer Ave.-, Wallacestr.- und Wentworth Ave.-Straßen- bahnwagen zur Fahrt nach der unteren Stadt benutzen, diese Sümpfe und Moräste zu Fuß passircn. Denn in Folge Aufrcißens des Pflasters der Archer Ave. müssen die- jenigen Leute, welch: mittelst der Wagen der genannten Linien nach der Stadt wollen, an der Kreuzung der Wentworth Ave. aus- steigen und bis nach der Armour Ave. zu Fug gehen. Dort steigen sie dann entweder in die Wentworth Ave.-Wagen um, welche an Clarkstr. in nördlicher Richtung fahren, oder in Wagen, welche an der 19. Straße deuStatestr.-Kabelzügcn angchäugl werden. Dies verursacht außer Unbequemlichkei- ten zum Mindesten eine Verzögerung von 20 Minuten, manchmal sogar (wenn keine Transfer-Wagen zur Stelle sind), eine solche von -l—ij Stunden. Am Tage ist diese Passage allenfalls noch erträglich. Aber Abends diese Stelle (die ohnehin miserabel beleuchtet ist), zu passircn, ist mit großer Gefahr verknüpft. DaS überall umhcrliegende Baumaterial, das heraus- gerissene, nur leichthin ausgestappelteHolz- pflaster, lausende von Brettern, die niedrigen Holzpfcilcr," über welche die eiserne Spannung gelegt wird und alles das nur schlecht durch rothe Warnungs- lichter beleuchtet, sind reine Menscheu- sallen. Und cs darf nicht Wunder nehmen, wenn bis zur Fertigstellung dieser Straßcn- Unter- und Babn-Uebcrsührung dort mehr Menschen verunglücken werden, als in Folge der Grad-Kreuzungen. Und diese Zustände werden nicht Wochen, sondern Monate audaucrn. Außerdem sammelt sich dort allabendlich (besonders in der Zeit von 12—4 Uhr Nachts, wenn nur alle Stunde ein Straßenbahnwagen an der Archer Ave. verkehrt), eine Gesellschaft von Leuten an, die man gemeinhin mit Strolchen bezeichnet und die Jeder- mann vorläufig allerdigs nur insultireu, bei günstiger Gelegenheit aber ausraubcn dürften. Man hat wohl in der Gegend Unannehmlichkeiten in Folgen Höherlcguug der Geleise erwartet, aber die Sladlbehörde sollte doch wenigstens dafür sorgen, daß diese aus ein Minimum reducnt werden und diese Gegend Nachts wenigstens ge- nügend beleuchtet und polizeilich bewacht wird. » Es ist durchaus nicht nothwendig, daß sich beispielsweise an der Kreuzung der 19. und Stale Str. und Archer Ave. s—B5 —8 Po- lizisten aufhaltcn (statt ihren Distriel ab- zupatrouilircn) und an der oben beschrie- benen gefährlichen Stelle fast gar keiner zu sehen ist. Die Archer Ave.-Slraßeubahn- Linie ist nach Mitternacht die einzige süd- liche Croß-Town-Linic bis zur 43. Straße und wird stark von 'Arbeitern, die von und nach den Schlachhöfen und anderen Fabri- ken, in denen Tag und Nacht gearbeitet wird, sich begeben, benutzt wird. Diese sind doch sicherlich ebenso zu Schutz berech- tigt, als die Herrschaften in Aristokralen- Vierteln. Noch eins wollen wir hier er- wähnen. Noch ist, wie wir bereits sagten, nicht ein halber Block weit das Geleise höher gelegt, ja cs dürfte vielleicht noch Wochen eehiuen, bis cs so weil sein wird, aber schon lassen die beiden Bahugcsell- schaften, welche diese Geleise benutzen, auchaus der weltlichen Seite derselben eine hohe Stein-Blauer errichten. Diese soll angeb- lich als Schutzmauer für die westlichen Ge- leise dienen. Da nun aber vorläufig erst die östlich liegenden Geletsc höher gelegt werden sollen und diese Arbeit vielleichtein und ein halbes Jahr in Anspruch neh- men wird, so können sich die in der Gegend Wohnenden durchaus nicht erklären, warum auch die andere des Bahubettes schon durch eine chinesische Schutzmauer abge- spcrrt werden soll. Wahrscheinlich hatdies nur den Zweck, dem Publikum die Folgen der Gcleiscerhöhuug von der unan- genehmsten Seite zu zeigen. Eine Abstel- lung dieser Ucbclstäud? ist dringend noth- wendig. Der streik entschieden. Beide Flügel der'Populisten-partei bekommen ihre Kandidaten auf Petitionen hin auf den Wahlzettel. Die County-Wahlrevisionsbchördc gab heute Nachmittag ihre Entscheidung in Sachen des Streites zwischen dem Mor- gan-O'Bricn'schen und dem Ryan'schen Flügel der populistischen Partei um den Platz ans dem Wahlzettel für die bevor- stehende Wahl ab. Die Entscheidung, zu welcher sich zwei Mitglieder der Wahlrevisionsbehördc. Rich- ter Scales und Staatsanwalt Kern, ge- einigt batten, besagt, daß keine der beiden Parteien auf Grund der Nomination auf einer Convention das Recht beanspruchen könne, daß beiden Parteien das Recht zu- ftche, daß ihre Candidalen auf Grund von Petitionen auf den Wahlzettel gesetzt werden. Wer Arbeiter irgend welcher Art braucht, der schicke eine Anzeige an das Abendblatt. Preis 10 Cents, wenn nicht mehr als 10 Wörter, jedes weitere Wort 1 Cent. Tin Nachtstück. George Reed von John Dillon mit einer Flasche qetödtet. Der 25jährigc George Need starb beute Morgen um 4 Uhr an den Folgen Wunde, die dadurch verursacht wurde, daßihm der Wirth John S. Dillon, No. 210W. Randolphstr., eine Flasche au den Kopf warf. Gestern Abend um 8 Uhr begab sich Reed in Gesellschaft eines Frauenzimmers 'Na-mens Nellie Mulcaby in die genannic Wirthschafl. bestellte Getränke und bezahlte für dieselben. Dann machte Reed ebenfalls eine Bestellung, doch Dillon wei- gerte sich, ohne vorherige Bezahlung Ge- tränke zu bringen. Need ärgerte sich darü- ber und entfernte sich. Um 10 Uhr kam ermit Edward Burns und einem anderen Manne zurück. Das Trio hatte verschie- dene Getränke und Reed machte seinem Zorne gegen Dillon in bitteren Worten Luft. Dillon befahl ihm, das Lokal zu verlassen und als Reed nicht ging, warf ermit mehreren Sodawasscrflaschen nach ihm, ohne ihn zu treffen. Als Reed immer noch keine Miene machte zu gehen, ergriff Dillon einen Revolver. Need verhöhnte ihn und sagte, er Hütte nicht den Mulh, zu schießen. Dillon legte seinen Revolver weg und warf Reed eine Seltzcr- Wasser-Flasche an den Kops. BurnS zog seinen verwundeten Genossen aus dem Lokal und übergab ihn Dr. McGralb. der die Wunde verband und meinte, daß sie nichtviel zu bedeuten habe. AberReed verlor bald darauf die Besinnung und starb um 4 Uhr. Dillon wurde verhaftet und nach der Desplainesstr.-Station gebracht. Außer- dem wurden Wm. Shclp, Edward Burns, Kate Kelly und Chas. Kelly als Zeugen in Haft genommen. Dillon behauptet, in gehandelt zu haben. Allerlei Tündcr Im polizeigcricbt der Ost Lhicaao Ave.- Station. Nels Swan wurde heute Morgen vor Richter Kersten von seiner Frau Eelia Swan der gewohnheitsmäßigen Mißhand- lung und des andauernden Rausches angc- klagt. Swan wird eine Strafe von Hl 5 in der Bridemell abarbeitcn. Dieselbe Strafe verhängte der Richter gegen Gustav Storck, welcher nach seinem Zeugniß zwei Jahre mit Kate Hambold, No. 178 Ontariostraße, zusamniengcleb: hatte. Kürzlich erlhciltc ibm seine Genossin den Laufpaß und gestern Abend erschien Storck plötzlich wieder im Haus und züch- tigte seine Kate in nachdrücklichster Weise. Die beiden Straßendirnen Marn White und Mary Smith erhielten wegen An- sprechens von Straßeupasianten je HL Strafe zudiclirt. Der jugendliche Joseph Roscnthal stand durch W. W. iLeotl, einen Agenten der „Tribüne", heule Morgen vor Richter Ker- slen unter der Anklage, vor dem Hause 261 Oulariostraßc und den beiden Nebcn- häusern gestern Morgen drei Zeitungen ge- raubt zu haben. Des Angeklagten Vater ging den Richter um Gnade an und erhielt dieselbe bewilligt, indem Joseph mit einer Verwarnung entlassen wurde. Im Wieder- holungsfall wird die Strafe mit voller Strenge aussallcn. Zu viel Rauch. Gin Gemeiuschaden in der tO. ward. Dem stadträthlichen Comite für Gesund- heitspflege lag heute Vormittag eine mit mehreren Tausend Unterschriften bedeckte Petition des „West Side Lime Kiln Jm- provemcnt Club" vor, in welcher die Pe- tenten den Stadtrath ersuchen, den Ge- meinschaden abzustellen, den die „Chicago Union Lime Works", welche in dem Bezirk zwischen der Wood- und Nobcy- und der 18. und 19. Straße liegen, sich dadurch zu Schulden kommen lassen, daß sic die ganze Atmosphäre in jener Gegend beständig mit einem die Gesundheit und das Leben der Umwohnenden gefährdenden Rauch er- füllen. Zur Unterstützung der Petition hatten sich zahlreiche Anwohner der Union Lime Kiln Works vor dem Connle eiugesunden. Außer über den aus den Schornsteinen strömenden Rauch beschwerten sich die Pe- tenten auch noch ganz besonders über die in der Kalkbrennerei von Zeit zu Zeit vor- gcnommencu Sprengungen von Gestein vermittels Dynamit, welches den Häusern in der Nachbarschaft angeblich sehr uach- theilig ist. Auf Antrag des Ald. Chapman beschloß das Comite, die Ald. Chapman, Ballard und Deist, und den Vorsitzenden Ald. Finkler mit einer Untersuchung der Ange- legenheit an Ort und Stelle zu beauftra- gen. Das bezeichnele Subcomilc soll daun an das Comite zurückberichten. Seltener Besuch. Postmeister Hesing halte heute Morgen hohen Besuch. Im Lause des Morgens ließen sich nämlich bei ihm melden: F. D. Nich, derPostmeister von Liverpool, Lewin Hall, Ass. Sccrelär des Generaipostamls in London und James I. Cardin, eben- falls ein Beamten des Pojtamls von Lon- don. Die Herren befinden sich auf einer Vergnügungsreise und benützen die Gele- genheit, mit ihren amerikanischen Collegeu bekannt zu werden, sowie den hiesigen Post- betricb aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Marks Jackson, 78 Jahre alt, der Vater des ehemaligen Alderman Philipp Jackson, starb heule Morgen plötzlich in seiner Wohnung No. 2648 Calumet Ave. Viehmarkt. Schweine sind fest im Preise, und schlechte Qualität im Preise um 5 Cent gewichen und brachten schwere 4.35(«:4.75, leichte 4.15(Z4.6Ü, durcheinander 4.70. Rindvieh und Schafe fest. Zufuhr 19,000 Stück Rindvieh, 35,000 Schweine und 1,000 Schafe.

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