Abendblatt Newspaper Archives Oct 27 1894, Page 1

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Abendblatt (Newspaper) - October 27, 1894, Chicago, IllinoisHerausgegeben von der Illinois Staats-leitungs-To. Chicago, Samstag, 27. Oktober 1894. Preis 1 Cent. 47. Jahrgang. No. 256. Uevevvlick Und Kurzgefaßles. Heute und morgen Regen und morgenAbend kalt. . Der Czar erwachte heute früh nacherner leidlich verbrachten Nacht mit ziemlichgutem Appetit, doch Halle sich sein Befin-den, mit Ausnahme der Behebung der gestern eingetretenen Schwäche, nicht ver- ändert. „ Der Fürst von Hohenlohe-Schillings-iürst ist aus Straßburg in Potsdam an- gekommen und hat mit dem Kaiser wegen Nebernahme des Kanzleramtes eine Be-sprechung gehabt. Der Fürst von Hohenlohe, Statthal-ter von Elsaß Lothringen, har die Annahme des Reichskanzleramtes angeblich abgelehnt. Der Hamburger Senat hat die Ein- fuhr von Rindfleisch und von lebendigem Schlachtvieh aus Amerika aus an anderer Stelle angegebenen Gründen verboten. Auf der Höhe von Tsche-fu steht eineSeeschlacht bevor. Die chinesische Regie- rung unterhandelt in London wegen einerA- ihe im Betrage von 8 Millionen Dol- — In New York ist heute früh amBroadway ein fünfstöckiges Gebäude abge- brannt; der Brandschaden beläuft sich auf 150,000 Dollars. Leiblichen Schaden hat niemand genommen. —.ln Seattle kamen zwölf Menschenbei einem Holelbrande um's Leben. ln New York eröffnete der Effekten- mark fest, aber still. Die Aktien der Koh- len-Eisenbahnengingen gleich bei den ersten Geschäften um pCI. zurück und Schnapsaktien, die um i pCt. gestiegenwaren, wichen um H pCt. Nicht den Strumpf, sondern einen Topf hatte Frau Christian, No. 94 George Straße, zur Aufbewahrung ihres Vermö- gens im Betrage von tzÜOOO benutzt, aber auch diese „Bank", welche noch dazu im Keller vergraben worden war, erwies sich nicht als zuverlässig, denn eines schönenTages war ihr Schatz verschwunden. Zu große Vorsicht ist auch nicht immer am Platze. Auf Veranlassung Les Architekten- Verbandes ist eine Bewegung ins Leben gerufen worden, welche die Verschönerung der Stadl znm Ziel hat und alle öffentlichen Gebäude nach dem Seeufer verlegen will. Die Reinlichkeit der Straßen ist auch eineVerschönerung. Wie wäre es, wenn die geehrten Herrschaften ihr Augenmerk dar- auf zuerst richten würden? Unsere verschiedenen öffentlichen Be- amten sind augenblicklich fleißig an der Arbeit für ihre resp. Parteien. Die Geschäfte, für deren Erledigung sie erwählt wurden, werden nur noch nebenbei besorgt. Tekegrapkliscsie Depesesisn. Nachrichten ans dem hohen Norden. Treffliches Gedeihen der sibirischen Renthiere in Alaska. Entdeckung von reichen Goldlagern. PortTownsend, Wash., - 27. Okt. s Pfarrer Sheldon Jackson, der Unter- richtscommissür in Alaska, ist vom Norden hier angckommen. Derselbe berichtet, daß die sibirische Renthierheerde in Port Cla- rence sich um 700 Thiere vermehrt hat, daß sie vortrefflich gedeiht und sehr wenig Thiere starben. Die lapländischen Kolonisten, welche im letzten Frühjahr dort angesicdelt wurden, unterrichten die Eingeboren in der Zucht . und Dressur der Tbiere. Frau John Hvlly, deren Gatte der Geschäftsführer einer Transportations - Gesellschaft auf dem Yukon ist, ist kürzlich vom „Forly Mile Creek" angekommen. Sie sagt, daß die canadifche Regierung in diesem Sommer zwei Zollbeamte gesandt habe, um Ein- fuhrzölle für Maaren zu erheben, welche bei den Minen am „Forty Mile Creek", einem kleinen, zu Canada gehörigem Ge- biete, gelandet wurden. Am Minuka und Birch Creek sind reiche Goldlager entdeckt worden. Der britische Schooner „Winnisred", welcher im letzten Jahre wegen Seehundswilddiederei mit Beschlag belegt wurde, ist in Sitka für H7OO verkauft worden. Trauriges Lnde eines jungen Mannes. Lr wird aus Notbwebr durch einen Schuß todt niedergestreckt. Nock 5 ord, Jll., 27. Okt. Gestern Aberch wurde John van Valkrn- burg von Hermann Theil, einem bekannten jungen Manne in Durand, erschossen. Zwischen Herden bestand schon seit Jahren eine gewisse Erb tter nZ gestern kau- van Balkenburg betrunken rn ein Speisehauß und belegte Tneil, den er dort trat, mit bösen Schrrnp'worten. Es entstund k n, Prügele:, Lei welcher sich Theil's Revolver entlud, und van Veit kenburg durch den Schuß wdt nnwerge- streckt wurde. The l wurde heute Morg.u nach Rockford -n das CounEgescingniß ge- bracht. Er lagt, daß er auw Nwhwrhl geschossen habe de- Vc-.-'ar z» Aussehen erregt, »a beide PeEoucu wohl bekannt sind. Lhina brauch) yl. Unterhandlungen über »in» A-st r.ve, don im L o nd o n. 2? Okt. Etz wird behauptet, duß Vho : e - don Über eine Anleihe von ach! M . -Dollars unterhandelt. Diejelb»- w-d »stcbenpeozcntige Sitberanleihe stm und, wie es heißt, mit9B in den Markt romm-m Die Anleihe wird durch die Zölle l« ven Bertragshäfen sichcrgestellt sein. 1!nWM««lN Hwmck Wahrscheinlich durch dieCrplofion einer Kerosinlampe verur- sacht. Wenigstens zwölf Menschen in den Flammen umgekommen. wunderbare Rettung einzelner Hotelgäste. Seattle, Wash., 27. Okt. Heute Morgen gegen 1 Uhr brach in dem „West Str.-House", an der Ecke der Co- lumbiastraße, ein Feuer aus, bei welchem wenigstens zwölf Personen ihren Tod fan- den. Die Umgekommcnen sind bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, und der Coroner hat beschlossen, die Leichen an dem Piaffe zu lassen, wo sie gefunden wurden, in der Hoffnung, daß der Eigenthümcr des Hotels sie möglicher Weise durch den Fundort identifizirl, da dasFremdenbuch des Hotels gerettet wurde. Das Feuer brach so plötzlich aus und griff so schnell um sich, daß unter dev Be- wohnern des Hotels sofort eine Panik aus- brach und Männer undFrauen zu den Fen- stern hinaussprangen. S. F. Butler, ein Sohn des Eigen- thümers, hörte in der Küche, im Hinteren Theile des zweiten Stockwerkes, eine hef- tige Explosion und gleich darauf wurde die innere trockene Holzwerkbekleidung des mit gewalztem Eisenblech umkleidetenGebäudes von den Flammen ergriffen. Butler alar- mirte die zahlreichen Gaste, die sofort Ret- tung in der Flucht suchten. Der Alarm kam keine Minute zu früh, denn das Feuer griff riesig schnell um sich, und die langen engen Corridore standen im Nu in Hellen Flammen. Unterdessen hatte auch der Polizist Bryant die Feuerwehr alarmirt, welche nach wenigen Minuten ans der Brand- stätte erschien, und wandte seine ganze Auf- merksamkeit der Rettung der Gäste zu, welche an allen Fenstern erschienen, um sich vor den sie verfolgenden Flammen zu ret- ten. An einem Fenster an der Weststraße stand Frau Susie Allen mit ihrem zwei- jährigen Kinde, und rief um Hülse. Bryant rief ihr zu, das Kind fallen zu las-sen; sie that es, und der brave Polizist fing es sicher in den Armen auf. Darauf lehnte er eine Planke gegen das Haus, auf wel- cher die Mutter herabglitt ohne irgend welche nenncnswerthen Verletzungen davon- zutragen. W. F. Butler, der Eigenthümcr deS Hotels, lag beim Ausbruch des Feuers im Bette, und entkam in seinen Nachtklei- dern. Sein Sohn, welcher den Posten eines NachlklerkS bekleidete, ist der Ansicht, daß das Feuer durch die Explosion einer Kerofinlampe in der Küche entstand. Das- selbe griff so schnell um sich, daß es den Gästen über den Hals kam, ehe sie recht ans dem Schlafe erwacht waren. Dann be- gannen sie auf beiden Seiten des Gebäudes aus den Fenstern zu springen, während ihnen die Flammen bereits auf den Hacken saßen. W. C. R. Louis, welcher sich im Zimmer „A" befand, sprang zwanzig Fuß hoch herunter und kam glücklich davon. Joseph A. May, welcher sich im Zimmer 64 befand, band die Bettlaken zusammen und ließ sich an denselben auf die Straße hinunter. E. B. Glast wagte den Sprung aus dem Fenster erst, nachdem ihm bereits das Kopfhaar versengt war. Er fiel aus deu Rücken und wurde mit zwei anderen Verletzten in ein Hospital gebracht. Einer der Gäste, dessen Persönlichkeit bis jetzt nicht feftgestelll werden konnte, wurde auf der nach der West Str. führenden Treppe von den Flammen und dem Neruche übcr- mannt. Die Feuerwehrmänner versuchten die Flammen von seinem Körver fern zu halten, mußten aber dem Elemente weichen und den Unglücklichen feinem Schicksale überlassen. Es fand ein unbegreiflicher Verzug statt, um genügend Wasser zu er- langen, weil das Feuerboot nicht schnell genug Dampf erzeugen konnte. Nachdem endlich hinreichender Druck vorhanden war, stand bereits das ganze Gebäude in Hellen Flammen und Alles was gethan werden konnte, war das Feuer auf den Block zu beschränken, in welchem es ausgebrochen war. Die erste Leiche, welche yeransgeschaff't wurde, befand sich in einem Zimmer über dem Geschäftsladen der „Hill Syrup Co." ; das eine Bein steckte in den Hosen und die Schuhe waren Halb zugeschnürt. Lin entlarvter Frönimling. Derselbe entpuppt sich als großartiger Aaffe»« dieb. Hartford, Conn., 27. Okt. Gestern Abend wurde I. Allen Francis, der Zahlklerk der City Bank, und einer der angesehensten Bürger der Stadt, auf Be trieb der „American Security Company", welche für ihn HIO,OOO Bürgschaft gestellt halte, in Hast genommen. Nach seinem eigenen Geständnis; hat er durch falsche Eintragungen die Bank um K 23.985 be- stohlen. Der Kastendiek ist 61 Jahre alt, eui ougeseheues Kicchenmitglied, und war s" 'ün' > -'.do-e>ß!g Jahren in der Bank an- et't»". Senre Verhaftung hat in Finanz- Eeifeu große Aufregung hervorgcrusen. '.c.,- Verhaftete stch, irgend welche A'-.gab,übe» Pen 'Verbleib des Geldes zu Mu-chcü, deult! «-her an, daß er es Frenn- v> i i >' C 'U-oriUng geliehen habe, daß sic er zurücker-statlen würden. Alle gerettet. - V,r..ck' »' et 'lchkittet« Grubenarbeiter UN- verletz: an's viage- licht geschafft. Mi l w«u kc c, Ms., 27. Okt. Vö' MUten», Much-, wird ae- - - . ~,,, -chr.'-..... «L, > lr-narbe:--.'.- tv oer Pensdi. ' r.->...... .-w>- '.chc ... .. -.»b>. z.c.r w..uche SömuiUich» ! W» KhW VNWh -r. V...ksHiMKM ÜE'HVKEöWDW, Wih MMhL! ooe -cki '.che . Die japanische Armee ans dem Marsche nach Norden. Heftige Kämpfe bei der Feste Aiuren. Die zweite japanische Armee bei Port Arthur l gelandet. Yokohama, 27. Okt. . Hier eingetroffene Depeschen bestätigen die Berichte über die Schlacht zwischen den Chinesen und Japanern, nachdem die letz- teren den Yalu überschritten hatten. Die l ganze japanische Armee rückte in nördlicher - Richtung vorwärts und griff die von einer t starken chinesischen Truppenabtheilung be- - setzte Feste Kiurcn von allen Seiten an. .- Die Chinesen leisteten verzweifelten Wider-c stand und der Kampf war ein äußerst hef- l- tiger. Die Chinesen sollen 20,000 Mann - stark sein. > Eine andere Depesche bringt von Neuem l die Nachricht, daß die zweite japanische ! Armee an der Ostküste der Halbinsel Kin- Tsu, ans welcher Port Arthur liegt, eine > Landung bewirkt hat. Diesen Depeschen nach hat die japanische Armee die Spitze der Halbinsel inBesitz und dadurch die Ver- bindung des Hafens mit dem Arsenal und dem Festlande abgeschnilten. Yokohama, 27. Okt. Die japanische Armee hat bei Kiuren über 17,000 Chinesen einen entschiedenen Sieg errungen. Der Feind floh in der - Richtung nach Antung. Die Japaner ha- ' ben 30 Geschütze, 300 Zelte und eine Menge Proviant erbeutet. Die Chinesen verloren 200 Mann und eine Menge Verwundete fielen in die Hände der Sieger. —> Die brasilianischen Rebellen. ' Die Rebellenführer voller Hoffnung. Linige Bedingungen derselben. ! . M o n t ev i d e o , 27. Okt. Der Admiral da Gama sagt, daß ob- gleich die zweiten Siege der brasilianischen Rebellen insofern nicht wichtig sind, als kein Gebiet dadurch erlangt wurde, sie doch : Peixolo und Moraes gezeigt haben, daß die Rebellion noch lange nicht todt ist. Er ! glaubt, daß die Rebellen ihre jetzige Stel- lung behaupten und sich bis zum 1. No- ? vember rubig verhalten werden, zu welcher t Zeit die Leiter der Rebellion über die später einznschlagende Politik hier eine Beralhung i abhalten werden. Dieselben sind Willens, das Anerbieten einer unbedingten Amnestie und die Gewährleistung der Sicherheit au- zunehmen, verlangen aber auch Preßfrei- heit und daß keine weiteren politischen Ver- haftungen vorgenommen werden. , Von der Tollwuth befallen. Lin junger Mann vor mehreren Wochen von einem fremden Hunde gebissen. New York, 27. Oct. Gestern Abend wurde der sechszehnjährige Joseph Norman in vollständig tobsüchti- gem Zustande in einer Ambulanz aus sei- ner Wohnung wrggcbracht. Der junge Mann war, wie es heißt, eine Zeit lang an den Kohlenwersten als Verlader beschäftigt gewesen. Vor einigen Woch:n kam ein jfremder Hund an die Werft, wo er be- schäftigt war; Norman spielte mit ihm, bis der Köter ihn plötzlich in die Hand biß. Die Wunde war nicht gefährlich, und nur die Spitze des dritten Fingers zeigte eine kleine Bißwunde. Norman beachtete die- selbe nicht weiter, bis sich vor einigen Tagen Schmerzen einstellten: gestern Abend als Norman von der Arbeit nach Hause kam, aß er ein tüchtiges Abendbrot» und oefand sich anscheinend ganz wohl, begann jedoch bald über Hitze zu klagen, und fiel plötzlich wie vom Fiebertrost geschüttelt zu Boden. Seist Bruder George und Joseph N. Russell eilten ihm zu Hülse, konnten sich ihm aber nicht nähern, weil er wüthend nach ihnenbiß, während er wie ein Hund bellte. Ein Polizist bestellt« eine Ambulanz, aber ehe diese zur Stelle war, wurde der junge Mann tobsüchtig, und der Polizist und die beiden anderen Männer konnten kaum ver- hüten, daß er sich selbst ein Leid anlhat. Schließlich kam ein Arzt vom Belleview Hospital mit einer Ambulanz lierbet, wel- cher dem Unglücklichen eine Morphiumein- spritzung machte, woraus derselbe nach dem Hospital gebracht wurde. Die Mutter sagt, daß die Kameraden ihres Sohnes da- durch viel dazu beigelragen haben, die Toll wuth znnl Ausbruch zu bringen, daß sic ihm stets derartige Geschichten erzählten. Wahrscheinlich ein Raubmord. Lin Brückenmärter mit zerschmettertem Schädel aufqefunden. Iran Mountain, Mich. 1 27. Olt. s Gestern Morgen wurde Charles E»g- strom, ein Brückenwärter an der Chicago L Northwestern Bahn unter dem Ballen- gcrüst bei der Chapin Grube mit einge- schlagenem Schädel aufgefunden. Er haltegestern seinen Lohn ausbezahlt erhalten, und man glaubt deshalb, daß er das Opfer eines Verbrechens ist. Feuerschaden. Der Myres Block, Ecke Broadway- und Lecmardstraße eingeäschert. N e w York, 27. Okt. Heut« Monge,» wurde der Myres-Block, - u ru,>s;!ü.rrg<2 Gebäude, an der Ecke von und vrouaidslraße, vollständig . C», Verlust wird auf H150,- übg,f.hätff So weil bis jetzt ermittelt ,'l, wurde wiemuyd bxi drin Brande ver- o.ei Stockwerken des Gebäudes i -..fMiden f,ch Rchautauonen. Der Zustand des C;aren. Derselbe ist im Allgemeinen unver- ändert. Lr hat in letzter Nacht gut geschlafen und heute morgen mit Appetit gefrühstückt. St. Petersburg, 27. Okt. Folgendes Bulletin ist heute Morgen um 10 Uhr veröffentlicht worden: Der Czar hat eine gute Nacht gehabt und sein Appetit war heule morgen zufrieden- stellend. Die gestrige Müdigkeit ist ver- schwunden; sonst ist sein Zustand im Allge- meinen unverändert. Das Bulletin ist von den behandelnden Aerzten unter- zeichnet. Nachfragen in amtlichenKreisen haben ergeben, daß die gestern in den Ver. Staa- ten verbreiteten Nachrichten, daß der Czar einen Rückfall erlitten habe, und daß eine erfolgreiche Operation an ihm vorgenom- men worden sei, jeder Begründung ent- behren. Lin Falschmünzer aus guter Fa- milie. Lin ganzes Falschmünzernest von Onkel Sam's Geheimpolizisten entdeckt. Ander s o n, Jnd., 27. Okt. Gestern verhaftete der Bundcsgeheim- polizist E. B. Carter in Elwood den in Red Key wohnhaften Charles Shepherd unter der Anklage der Falschmünzerei. Seil den letzten sechs Monaten hatte eine Falschmünzerbande, deren Anführer Shep- -I)erd ist, die ganze Gegend mit vorzüglich nachgemachtcn halben und ein Dollar- slücken überschwemmt. Als Shepherd gestern verhaftet wurde, fand man bei ihm mehrere Hundert Dollars in falschem Gelde. Gestern Abend begab sich Carter mit seinem Gehülfen nach Red Key, um die übrigen Mitglieder der Baude fcstzunehmcn. Der junge Shepherd bewegte sich in der besten Gesellschaft und ist der Sohn desDr. Shep- herd, des angesehensten Arztes in Red Key. Fürst Hohenlohe in Potsdam ange- kommen. Lr wird vom Kaiser zu einer sofortigen Be- rathung vom Bahnhof abgeholt. Potsdam, 27. Okt. Fürst Hohenlobe-Schillingsfürst, der Gouverneur von Elsaß-Lothringen, dem das von Caprivi niedergelegte Kanzleramt angeboten wurde, ist heute Morgen von Straßburg in der Station Wildpark an- gekvmmen. In seiner Begleitung befand sich Herr von Köller, Unterstaatssekretär und Minister des Innern für Elsaß-Loth- ringen. Kaiser Wilhelm empfing diesel- ben am Bahnhose, und fuhr in einen offe- nen Wagen mit dem Fürsten Hohenlohe nach dem neuen Palais. Herr v. Köller mit dem Oberst v. Moltke, dem Flügel- Adjutanten des Kaisers, folgte im zwei- ten Wagen. Nach Ankunft im Palais hatte derKaiser mit dem Fürsten Hohenlohe eine Be- sprechung über die Ministerkrisis. Lehnt ab. Fürst Hohenlohe wünscht nicht Laprirn's Nachfolger zu werden. London, 27. Okt. Der Fürst Hohenlohe hat es, wie aus glaubwürdiger Quelle berichtet wird, abge- lchnt, die mit dem Kanzleramte verbundene Verantwortlichkeit zu übernehmen. Einfuhrverbot von amerikanischem Vieh. Unter den letzten Sendungen hatte sich kran- kes Vieh befunden. Hamb ur g, 27. Okt. Der Senat hat heute eine Verordnung veröffentlicht, wonach die Einfuhr von amerikanischem lebenden Vieh, und fri- schen! Rindfleisch verboten wird, weil sich unter zwei soeben eingetrosfenen Ladungen Vieh befand, welches am Texasfieber er- krankt war. Sendungen, welche nachweis- lich vor dem 27. Oktober von Amerika ab- gingen, sind von dieser Verordnung aus- geschlossen, aber die Thiere müssen gleich nach ihrer Ankunft in dem Schlachthause gelobtet werden. Die mittelamerikanische Republik. Lin neuer plan zur Gründung derselben. San Jos e, Costa Rica, 27. Okt. Der neueste Plan, eine mittelamcrika- nische Union zu Stande zu bringen, ist, daß jede der fünf Republiken am 1. November zwei Delegaten hierherschickl, um den ersten provisorischen Congreß zur Errichtung einer provisorischen Republik zu bilden. Der Präsident einer der Republiken soll durch das Loos zum Präsidenten der ver- einigten Republiken gewählt werden. Die- ser Congreß soll auch einen BundeSbczirk innerhalb der Jurisdiktion des Präsiden- ten errichten zur Regulirung der Bundes- stcuern für jede Republik, und zur Bestim- mung des zur Bundcsarmee zu stellenden Conlingcntes einer jeden Republik. Line zweite Seeschlacht bevorstehend. Die chinesische und die japanische Flotte vor dem Hafen von Tschi-Fu. L o n d o n, 27. Okt. Der Correspondent der „Pall Mall Gazette" in Tschi Fu berichtet, daß sich die chinesische und japancsische Flotte vor dem Hasen befindet und daß binnen Kurzem eine Schlacht erwartet wird. Die Krisis in Deutschland, was die „Times" in London darüber denkt. London, 27. Okt. Die „Times" weist heute Morgen in einem Leitartikel über die Lage in Deutsch- land die Annahme zurück, daß die Krisis die Rückkehr des Kaisers zur Annnahmc von ungewöhnlich drückenden Gesetzen be- deute, weil dies dem Geständnisse gleich käme, daß die Entlassung des Fürsten Bis- marck ein Fehler und daß seine eigene Po-litik eine irrige gewesen sei. Die „Times" sagt, daß. was auch durch reaktionäre Be- einflussung zeitweilig erlangt werden möge, die Folgen für Deutschland zu schwer- wiegend seien, um nicht die sorgfältigste Beachtung zu finden. Lin alterProzeß wieder aufgesrischt. Zum zweiten Male wegen Nordes verhaftet. San Pierre, Jnd., 27. Okt. Gestern Morgen wurde John Eckert von hier von Polizisten aus Valparaiso unter der Anklage verhaftet, vor beinahe zwei Jahren Ambrofe Rüde im Kankakee-Flusse ertränkt zu haben. Er war damals in Haft genommen worden, da aber nicht hinreichende Beweise gegen ihn Vorlagen,so wurde der Prozeß vom Gericht verscho-ben, und Eckert in Freiheit gesetzt. Seit- dem hat er gegen verschiedene seiner Nach-barn Schadenersatzklagen wegen Verleum- dung eingcrcichl, und diese haben sich, um nicht vor Gericht erscheinen zu müssen, mit verschiedenen Summen mit ihm abgefun- den. Eckerl war bei seiner Verhaftung so- eben von Indianapolis 'zurückgekehrt, wo er zwei neue Klagen angestrengt hatte. Ein weiblicher Geheimpolizist, welcher sich seitdrei Wochen hier aufgehalten hat, hat. wie es heißt, genügende Beweise gegen ihn er- mittelt, um ihn des Verbrechens, dessen er beschuldigt ist, zu überführen. Schiffsnachrichten. Anqekommen: New York: „Zaandam" von Amster- dam. Städtisches. Das Wetter. Optiker Kleine, 76 Washington Str., berichtet für Chicago die folgenden Baro- meter- und Thecmometerstände: Um 8 Uhr Morg. 54 Gr., um 9 Uhr 54 Gr., um 10 Uhr 56 Gr., um 11 Uhr 58 Gr., um 12 Übr 58 Gr. Barometerstand um 8 Uhr Morg. 29.35,12 Uhr 29.35. Ab" Für folgende Personen liegen Briefe auf der Office d. Bl.: AugustKirchner aus Württemberg, Frl. Ottilie Semler, John Kuerten, George H. Mueger und Joseph Lämmle. Thas. powell's Tod. Die unter der Anklage des Mordes verhaftete Schwester behauptet ihre Unschuld. Charles Powcll, den man am Abend des 24. Oktober mit einer Kugelwunde in der Schläfe nach dem Countyhospital brachte, ist heute Morgen daselbst gestorben. Da er nicht wieder zur Besinnung kam, konnte kr- auch nicht angeben, wer den tödtlichen Schuß abseuerlc. Bekanntlich erhielt er die Todeswunde in der Wohnung seiner Schwester, Frau Sweetman, No. 320 Nobeystr. Frau Sweetman, welch- in Hast genommen wurde, behauptet ihre Unschuld und macht geltend, daß ihr Bruder sich selbst erschoß. Die Polizei mißt dieser Behauptung kei- nen Glauben bei, weil alle Anzeichen darauf hindeuten, daß die Kugel nicht aus nächster Nähe abgefcuert wurden. Der Streit zwischen den (Organi- sationen der Zimmerleute. Auf den Antrag der Anwälte John F. Gceting und James C. McShane setzte Richter Tulcy heule Vormittag die Ver- handlung in Bezug auf den von der J.ru- nlMmnteä ok 6cu pentsrs unä üoin6i-8 und den „Knights os Labors" des Carpenters Councils gegen den United Brotherhood of Carpenters District Coun- cil des Gewerkschaftsraths erwirkten Ein- hallsbcfehl auf heute über zwei Wochen fest. Durch den erwähnten Einhaltsbefehl war der United Brotherhood und jedem ein- zelnen Mitglied- des Gewcrkschattsraths und der zu dem letzteren gehörigen Gewerk- schaften im Allgemeinen, und A. Catler- mull, H. McCormack, I. I. Ryan, D. Carmody, V. D. Carroll und I. Lynn im Besonderen verboten worden, durch ir- gend welche Mittel die Mitglieder der und äoiners bei der Erlangung von Arbeit Hindernisse in den Weg zu legen. Der Einhaltsbefehl war am 27. Juli er- lassen worden und die Brüderschaft der Zimmerleute hat seitdem sich bemüht, eine Auslösung dieses Einhaltsbefehls zu er- wirken auf Grund verschiedener technischcr Bedenken. Bedeutende Nebertragung. Eine der größten Grundeigenthums- übertragungcn der letzten Monate wurde gestern zum Abschluß gebracht. Es ist dies der Verkauf des Grundstücks No. B—l 2 Washingloustraße, welches eine Front von 81i und eine Tiefe von 120Fuß hat. Auf dem Grundstück steht ein siebenstöckiges Ge- bäude, für welches die „Tobcy Furniture Company" eine Jahresmiethe von H20,000 bezahlt. Der Käufer ist John B. Drake, Verkäufer ist die Michigan Stove Company in Detroit und der Kaufpreis beträgt P300,000 in Baar. Das daneben liegende Grundstück an der Ecke der Wabash Ave. und Washingtonstraße ist ebenfalls von einem siebenstöckigen Gebäude eingenom- men und ebenfalls Eigenthum des Herrn Drake. Der Letztere wird möglicherweise beide Gebäude in ein Hotel verwandeln, wenn er seine Lease in Bezug auf das Grand Pacific Hotel nicht erneuert. Lin Schifffahrtshinderniß. Die Schutzpfähle an der Van Buren Str. sind den Schiffsinterefscnten unbequem und sollen entfernt werden. Oberbaucommissär Jones ist gestern von dem Chef des hiesigen Bundesingenieurs- amtes, Capt. W. L. Marshall, aufgefordert worden, sofort Anordnungen zu treffen, daß die durch den Bau der neuen Van Buren Str. - Brücke entstandenen Schifsfahrts- hindernisse aus dem Flusse entfernt werden. Diese Verkehrshindernisse bestehen aus einigen Holzpfeilern, die in den Fluß ein- gelrieben wurden, um die nach dem Flusse zu bclegenen Theile des Mauerwerks der beiden Brückenzufahrten vor Beschädigun- gen durch vorbeipassirende Schiffe zu schützen. Diese Pfähle engen angeblich das Flußbett an dieser Stelle um nahezu 20 Fuß mehr ein, als nach den Bauplänen für die Brücke gestattet ist. Die Brücke selbst mit ihren Zufahrten überschreiten nicht die in den von der Bun- desregierung enthaltenen Plane vorgesehe- nen Größcnverhältnissc. Die Brücke ist eine zweitheilige Auszugsbrücke ohne Mittel- pseiler und sie läßt eine Fahrrinne von 100 Fuß offen. Die zum Schutze der Zugänge eingeschlagenen Pfähle sollen nun die Fahrrinne so einengen, daß zwei größere Schiffe nicht aneinander vorbeifahren kön- nen. So behauptet wenigstens Capl. Dunham von der „Dunham Towing Co.", auf deren Betriebe hin hauptsächlich Capt. Marshall an der Angelegenheit Stellung genommen. Oberbaucommissär Jones erklärte heute Vormittag, daß er die Angelegenheit unter- suchen werde und daß seine Maßnahmenvon dem Ergebniß der Untersuchung ab- hängen werden. Fair des „Vorwärts." Beginnend am z. November. Der Turnverein „Vorwärts", welcher in- folge der Verdienste, die er sich um die Turnerei erworben hat, zu denjenigen Ver- einen des nordamerikanischen Turnerbundes gehört, die an der Spitze marschiren und der deshalb die Sympathie, die Mitwirkung und Unterstützung des Publikums in vollem Maße verdient, hält zu Gunffen seines Bausands eine Fair ab, die am 1. Novem- ber beginnt und bis zum 4. November dauert. Das Bestreben des Vereins ist von jeher darauf gerichtet gewesen, sich mit ausgezeichneten Lehrkräften zu versehen und dadurch sowohl den Erwachsenen als auch den Kindern die beste Gelegenheit zur freien körperlichen und geistigen Entwicklung zu geben. Wir machen speziell darauf aufmerksam, daß der bekannte Dekorationsmaler Louis Kindt für die Ausschmückung der Halle und die verschiedenen scenischen Ueber- raschungen mit gewohnter Meisterschaft Sorge tragen wird. Wer die Fair des Turnvereins „Vorwärts" besucht, erfüllt nicht nur eine Pflicht gegen den allezeit strebsamen Verein, sondern wird sich, so ganz nebenbei auch noch vortrefflich unterhalten, da das Programm jeden Abend abwechselt und stets neue Uebcr- raschungen bietet. Am Sonntag, den 4. November, kommt die Fair mit einem Con- zert am Nachmittag und einer Verloosung am Abend zum Abschluß. Ist nicht geisteskrank. In den Scheidungsgcrichten passiven mitunter recht sonderbare Geschichten. Eine solche Geschichte kam heute Vornnttag in Richter Hortons Gericht an die Oefsent- lichkcit. Vor einigen Monaten unterbrach der Stichter ganz plötzlich die Verhandlung des Scheidungsprozesses der Frau Emma Parsons gegen ihren Gatten Philipp. Alle im Gerichtssaale anwesenden Personen wunderten sich damals sehr über die An- ordnung des Richters, und Frau Parsons protestirle energisch, aber erfolgslos gegen den Aufschub der Verhandlung. Sie wird die Ursache jener richterlichen Anordnung vielleicht erst erfahren, wenn sie die heutigen Zeitungen liest. Sie wird dann erfahren, daß Richter Horton damals während den Verhandlungen zur Ueberzeugung ge- kommen war, daß sie nicht geistesgesund war. Der Richter war durch die Aussage der Frau Parsons selbst zu der Ueberzeugung von der Unzurechnungsfähigkeit der Kläge- rin gekommen. Er berief die beiderseitigen Anwälte zu einer Conferenz und es wurde beschlossen, Frau Parsons auf ihren Gei- steszustand untersuchen zu lassen,»und zwarin einer Weise, daß sie dieses nicht merke. Gestern stattete der Arzt, dem die Be- handlung der Frau Parsons anvertraut war, Dr. Converse, dem Richter den Be- richt ab, daß Frau Parsons völlig geistes- gcsund sei, daß sie aber in Folge ihres ehe- lichen Trubels etwas nervös abgespannt sei. Frau Parsons wird voraussichtlich diegewünschte Scheidung erhalten. Sie be- hauptet, daß ihr Gatte ihr oft in das Ge- sicht gespieen habe und daß er außerdem vor ihren Augen eiu Liebesverhältniß mit ihrem Dienstmädchen anzuknüpfen versucht habe. Das Dienstmädchen bestätigte die Aussagen der Frau Parsons, während Parson die gegen ihn erhobenen Anklagen in Abrede stellt. Parsons ist ein junger wohlhaben- der Farmer in Desplaines. Noch nicht entschieden. Die County-Wahlrevisionsbehörde been- dete gestern Nachmittag die Beweisauf- nahme über die Frage, welcher der beiden Flügel der populistischen Partei als die Vertretung der „People's Party" anerkannt werden solle. Dießehörde, welche bekanntlichaus dem CountyrichterScales, dem County- clerk Wulff und dem Staatsanwalt Kern besteht, wird ihre Entscheidung nicht vor- dem nächsten Montag abgeben könne, da sie sich noch durch eine größere Anzahl von Dokumenten, die sich auf den Fall beziehen, hindurchzuarbeiten hat. Sollte übrigens der Nyan'sche Flügel als die rechtmäßige Vertretung der popu- listischen Partei anerkannt werden, so wird die Morgan'sche Partei, wie ihr Anwalt Jesse Cox erklärt, ein Mandamus-Ver- fahren anhängig machen, um die Wahl- commissäre zu verhindern das Nyan'sche Ticket auf den Walstzettel unter der Rubrik People's Party abzudrucken. Utopische Pläne. Line Organisation für die Verschönerung der Stadt Chicago in das Leben gerufen. Lin plan des Architekten patton für Errichtung aller öffentlichen Gebäude im Seeufer-Park. In denRäumen des Kunstinstituts wur- den gestern Nachmittag die vorbereitenden Schritte zu der Organisation eines stehen-den, vereinigten Comites aus Vertretern aller Zweige der Kunst und Wissenschaft in Chicago gethan. Der Hauptzweck der Or- ganisation soll der sein, für die Ver- schönerung der Stadt Chicago, soweit öffentliche Gebäude, Straßen, Boulevards, öffentliche Plätze u. s. w. in Betracht kom- men, zu wirken und den Sinn für das Schöne und die die Kunst überhaupt in der Stadt zu erwecken und zu pflegen. Anstoß zu der Gründung der Organisa- tion gab vor einigen Wochen das JllinoiserKapitol des amerikanischen Architekten- Jnstituls, als dieses mit dem von uns seinerzeit besprochenen Plane an die Ocffcnllichkeit trat, daß die öffentlichen Gebäude Chicagos als Monumental- bezw. Prachtbauten auf einem einzigen großen Platze im Centrum der Stadl vereinigt werden sollten. Damals wurde von dem Architcklen-Verbaude ein aus den Herren Norman S. Patton, S.B. Wight und S. A. Trcal bestehendes Comite ernannt, wel- ches beauftragt wurde, sich mit anderen Organisationen zur weiteren Erörterung jenes Planes in Verbindung zu setzen. Auf die Einladung dieses Comites haben nun die Grundeigcntlnlmsbörse, die Civic Federation, die Bauborse, der Verband der Chicagoer Künstler und die Western Society of Engineers durch Ernennug von Comites entsendet. Diese Comites hielten gestern eine Sitzung ab und beschlossen eine permanente Organisation mit dem oben angedeutetcn Zwecke zu gründen. Joseph Donnersberger wurde zum temporären Vorsitzenden, Herr Patton zum temporären Sekretär erwählt. Die permanente Organisation wurde auf den 20. November anberaumt. Der Architekt Patton legte nach Erledi- gung dieser ersten Frage den Anwesenden einen Plan für die Verschönerung der Lakcfront durch die Errichtung der öffent- lichen Gebäude an derselben vor. Der Plan des Herrn Patton sieht eine Auf- füllung des Seeusers zwischen der Ran- dolphstraße und des Park Now vor, ferner eine vollständige Reproduktion des Ehren- hofes der Weltausstellung auf dem direkt am Seeufer gelegenen Theile des gewonne- nen Areals, sowie die Errichtung eines Nathhauses und Countygebäudes, eines Postgebäudcs und anderer öffentlicher Bauten auf dem unmittelbar östlich von der Michigan Ave. gelegenen Theile des Seeuserparks. Die städtische Finanzklemme. Der Rechenschaftsbericht des Comptrollers und die Aufgabe des Finanz-Lomites. Wie wir unsern Lesern bereits gestern kurz mitthcilten, hatte Comptroller Acker- man für die gestrige Extrasitzung des Stadtraths, bezw. für die Nachmittags- sitzung des stadtrüthlichcn Finanz-Comites, einen sehr eingehenden Rechenschaftsbericht über die städtischeFinanzverwaltung aus- gearbeitet. Der Bericht, dessen wesent- lichen Inhalt unsere Leser bereits kennen, ist thatsächlich eine vollkommene Recht- fertigung nicht nur des Comptrollers, son- dern der ganzen gegenwärtigen städtischen Verwaltung, da er den unwiderleglichen Be- weis erbringt, daß unter allen städtischen Verwaltungen seit zwanzig Jahren An- leihen ausgenommen wurden, um die Stadl aus vorübergehenden Finanzklemmen zu ziehen. Zum Schluß seines Berichtes macht der Comptroller das Finanzcomite darauf auf- merksam, daß es irgend welche schritte thun müsse, um Gelder aufzubringen, mit welchen die am 1. November fälligen Gehälter und Rechnungen bezahlt werden können, da durch die Beanstandung der Berechtigung des Mayors, des Vorsitzers des Finanzcomites und des Comptrollers zu dem von ihnen eingcschlvgenen Ausweg dieselben in ihrem Bestreben, den Credit der Stadt aufrecht zu erhalten, erheblich be- hindert worden seien. Sollte das Finanz- comite es unterlassen, die nöthigen Gelder zu beschaffen, dann stände die Stadt vor einer Krisis, für welche sicherlich Niemand die Verantwortung übernehmen würde. Das stadträthliche Finanzcomite beschloß gestern Nachmittag nach mehrstündigen Be- rathungen, den Comptroller zu ermächtigen, zur Beschaffung der für die Bezahlung der Gehälter nothwcndigen Gelder die ihm zur Verfügung stehenden Fonds in Anspruch zu nehmen. Die Fonds, aus welchen der Comptrollerdie nöthigen Gelder entnehmen könnte, reichen dazu nun aber bei Weitem nichtaus, da es ihm nicht gestaltet ist. über die Fonds, welche die größten Summen ent- halten, den Spezialstcucrfond, den Schul-, Schulsteuer- und Bibliorhckssond, zu ver- fügen. Es ist bis dahin daher noch nicht abzusehen, woher das unbedingt nölhige Geld genommen werden soll. Augusta Frauen-Loge No. 5. Morgen, Sonntag Nachmittag 2 Uhr, findet in Gus Wahle's Halle, Ecke Burling Str. und North Ave., die Jnstallirung dieser neu gegründeten Frauen-Loge vom Orden der Hermanns-Söhne statt. Alle Brüder undSchwestcrn sowie derenFreunde sind eingeladen. (eichenfund. Die Leiche eines Unbekannten wurde heute Morgen an der Lake Str.-Brücke im Fluß gefunden und nach der Morgue, No. 11 Adams Str.. gebracht. Viehmarkt. Schweine sind im Preise um 5 Cent gewichen und brachten schwere 4.35(A4.75, leichte 4.20(«)4.60, durcheinander 4.25(g- --4.70. Rindvieh und Schafe fest. Zufuhr 1500 Stück Rindvieh, 14,000 Schweine und 2,000 Schafe.

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