Abendblatt Newspaper Archives Oct 26 1894, Page 1

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Abendblatt (Newspaper) - October 26, 1894, Chicago, IllinoisHerairsgegeben von der Illinois Staats-Zeitungs-To. Thicago, Freitag, 26. Oktober 1894. Preis 1 Tent. 47. Jahrgang. No. 255. Uevervlirk Mrrd Kurzg efa Kies. '— Es soll heute Abend wirklich kalt werden, aber morgen schon wieder warm. Nach dem uns für heute Nachmittag ange- drohten Regen, auf den heute Abend ein klarer Himmel folgen soll, sieht im Augen- blick der Himmel nicht aus. Das Befinden des Czaren hat sich momentan gebessert, und er soll jetzt doch nach Korfu gebracht werden. Der Häuptling der Bande, die den Eisenbahnraub bei Aquia Creek verübt hat, bat sich als ein zweiter Jesse James ent- puppt. Das amerikanische Kriegsschiff „Chi- cago" traf in Lissabon ein. Der Sozialistentag in Frankfurt be- faßte sich heute mit der Landfrage. lieber den Mann Goerdler mit der fixen Idee wird heute aus New Aork Nähe-res mitgetheilt. ln Berlin hat heute der Kaiser für die Genesung des Czaren ur der russischenKapelle gebetet. ln Denver hat I. I.Reithmann mit 750,000 Dollars Schulden und einem an- geblichen Vermögen von 2 Millionen Dol- lars, die Zahlungen eingestellt. Nicht die Japaner, sondern die Chi-nesen, haben jenseits des Z)alu gewaltige Hiebe bekommen. Der New Norker Effektenmarkt war anfänglich matt und flau und dann lebhaft und fest. Mulei Amin, der vom Sultan von Marokko ausgcsandt worden war, um die mit Spanien vereinbarte Grenzregulirung den Riffmauren gegenüber zu erzwingen, schlug diese schon beim ersten Zusammen- treffen auf's Haupt. Eine Untersuchung der Verwaltung der Anstalten in Dunning hat erwiesen, daß Insassen beim Bau eines Abwasser- kanals beschäftigt wurden. Diese Arbeit geschah zu Gunsten eines Comraktors. ln unserer Ortschaft Maywood ma- chen die Bürger, welche von Einbrechern heimgesucht werden, mit den ungebetenen Gästen kurzen Prozeß. Sie schießen mit Schrotslintcn und Revolvern auf dieselben und der Erfolg ist ein ausgezeichneter. Die November-Grandjury wird mit den Herren Strohbürgen ein ernstes Wort sprechen und dadurch einem lange gefühlten Bedürfniß abhelfen. Der Preis der Kohlen wird am 1. November von H5.75 die Tonne auf H6.00 gesteigert werden. Tekegrupknfröre Depescüerr. Das Gefecht am Mn. Die Thinesen mit Verlust aus ihren Verschanzungen vertrieben. Feldmarschall Hcnnagata bereitet sich zu einem vernichtenden Schlage gegen die Chinesen vor. Chemulpo, 26. Okt. Die letzten Depeschen aus Wi-Z)u ent- halten weitere Einzelheiten über die am nördlichen User des Z)alu zwischen den Ja- panern und Chinesen stattgefundene Schlacht. Die japanischeArmee hatte am Donnerstag vor Tagesanbruch ohne Unfall den 3)alu überschritten, worauf der Oberst Sato mit einer Recoguoscirungsabtheilung vorging, und den Feind in einer befestigten Stellung am rechten Ufer des I)alu, der Nähe des Dorfes Fusyang vorfand. Ob- gleich Sato keine Artillerie bei sich hatte ging er sofort zum Angriffe vor, und es entspann sich ein heftiges Gefecht. Die Chinesen hielten anfänglich tapfer stand, und zogen sich erst gegen Mittag in großer Unordnung nach Kuhienchas zurück. Innerhalb der Befestigungen von Tus- hang wurden zwei hundert gefallene Chi-nesen gefunden. Unter den gefangenen Chinesen befand sich auch ein Offizier, welcher sagte, daß die Stellung von acht- zehn Bataillonen chinesischer Truppen be-setzt gewesen sei. Die Japaner verloren fünf Offiziere und 90 Mann an Todten und Verwundeten. Es heißt, daß der Feldmarschall Pamo- gata seinen Feldzugsplan bis auf's kleinste Detail ausgearbcitet hat, um demnächst einen vernichtenden Schlag gegen die Chi-nesen zu führen. - Z)okohama,26. Okt. Spätere Depeschen von Ajalu melden, daß in der gestrigen Schlacht zwischen denChinesen und Japanern, auf chinesischer Seite 3500 Mann aller Truppengattungen vollständig aufgerieben wurden. Dynamitexplosion. Ein Hotel in die Luft gesprengt. Rochest er, Ja., 26. Okt. Gestern Morgen um sechs Uhr wurdedas große, von Bradley Bernhart geführte,aus Backsteinen gebaute Hotel durch Dyna-mit in die Luft gespringt. Die Verüber der Schandlhat, sowie die Veranlassung zuderselben sind nicht bekannt. Der ganze Ort wurde durch die Explosion in Schrecken versetzt. Schweinecholera. Dieselbe wüthet in mehreren Eounties im mittleren Illinois. Bloomington, Jll., 26. Okt. Das Auftreten der Schweinccholera hatin der hiesigen Gegend große Besorguiß verursacht. Die Seuche wüthet unter den Schweinen in Kappa, im Woodford County; in Lanesville. Dewitt County und Mackinaw, Tazewell County. Viele Farmer haben von zehn bis fünfzig Stück verloren und einem Farmer sind von 125 nur fünf übrig geblieben. Ausfuhrzoll auf Kaffee. Die brasilianische Regierung braucht Geld. Ein neuer Ansbruch des Gelben Fiebers in Rio befürchtet. Gründung einer amerikanischen Bank in Montevideo. Buenos Aires, 26. Okt. Von Rio de Janeiro kommt die Nach- richt, daß die Regierung des Staates an- geordnet hat, daß nach dem 15. November aller zur Verschickung dort eintreffende Kaffee für jedenSack eine Steuer zu errich- ten habe. Der Voranschlag für die Bun- desregierung für das Jahr 1895 zeigt ein bedeutendes Defizit, und fünfzehn Millio- nen Dollars müssen entweder durch Aus- fuhrzölle, erhöhte Besteuerung oder durch eine Staatsanleihe gedeckt werden. Von Montevideo wird gemeldet, daß die britischen Kriegsschiffe Sirius und Barra- conta, und das spanische Kriegsschiff Me- nario von Rio angekommen sind. .In Rio Janeiro wird ein Ausbruch des Gelben Fiebers befürchtet. Eine Depesche von Montevideo sagt, daß der Präsident Borda erklärt hat, daß die Summe von 400,000 Pfund zur Grün- dung einer amerikanischen Bank für die Handelsbcdürfnisse nicht ausreichend sei; außerdem muß die Bank auf einer Goldba- sis, und nicht, wie vorgeschlagen wurde, auf einer Silberbasis gegründet werden. Es heißt, daß Consul Schram diejenigen Per-sonen vertritt, welche die Gründung der Bank befürworten. Mr die Wiederherstellung des Czaren. Feierlicher Gottesdienst in der Ka- pelle der russischen Gesandt- schaft. Der Kaiser wird demselben mit glänzendem Gefolge beiwohnen. Berlin, 26. Okt. Heute Nachmittag wird in der Kapelle der hiesigen russischen Gesandtschaft ein be- sonderer Gottesdienst abgehalten werden, um für die Wiederherstellung des Czaren zu beten. Der Kaiser Wilhelm hat die Absicht ausgesprochen, an derselben theil- zunehmen und Hat befohlen, daß sich auch die königlichen Prinzen, die Ftügeladju- danten, die Regimentscommandeure, der Stab der Berliner Garnison und die Offi- ziere des Alexander-Regiments dazu ein- finden. Der Gottesdienst wurde programmge- mäß um 1 Uhr abgehalten, und war sehr eindrucksvoll. Unter den bereits ange- führten Persönlichkeiten befanden sich auch der Kanzler Caprivi, der Graf zu Eulen- burg, der preußische Ministerpräsident, sämmtliche andere Minister, und fast das ganze diplomatische Corps. Wegen Fälschung in's Zuchthaus. Wie aus einem anständigen Farmer ein Ver- brecher wurde. Jo l ie t, Jll., 26. Okt. William F. Moore, welcher noch vor drei Jahren ein erfolgreicher Farmer in Will County war, ist gestern wegen Fäl- schung zu dreijähriger Zuchthausstrafe ver- urtheilt worden. Vor zwei Jahren ver- kaufte Müore sein Vieh und seine Farm- geräthschaften an den Meistbietenden, und nahm als Zahlung Wechsel. Von diesen Wechseln nahm er Duplikate, versilberte dieselben mit den echten, machte sich jedoch, ehe sie fällig wurden, aus dem Staube. Vor zwei Monaten aber kam er zurück, um seine hier wohnende Familie zu besuchen, und bei der Gelegenheit wurde er festge- nommen. Der Tonvent der Sozialisten. Die agrarische Frage in das Programm aus- genommen. Frankfurt a. M., 26. Oct. In der heutigen Sitzung des Sozialisten- convents nahmen die Abgeordneten einen Antrag an, wonach die agrarische Frage als nothwendiger Bestandtheil des sozialistischen Programmes anerkannt wird und wonach dieselbe nur dadurch gelöst werden kann, daß den Produzenten, welche jetzt als be- zahlte Arbeiter den Boden bebauen, derselbe mit den Mitteln zur Arbeit zurückgegebcn werde. Der nächste Sozialistenconvent wird mit Bezug auf Ländereien ein politisches Pro- gramm entwerfen. Der Zustand des Tzaren. Der Lzar soll sich heute Morgen bedeutend besser befunden haben. London, 26. Okt. Laut Depeschen, welche heute bei der rus- sischen Gesandtschaft ans Livadia einge- troffen sind, befindet sich der Czar bedeutend besser und bat derselbe mit Appetit sein Frühstück eingenommen. Russische Werthpapiere. Aufhebung des gegen dieselben gerichteten Gesetzes. Berlin. 26. Okt. Es heißt, daß das Gesetz, wonach cs derReichs-Bank verboten ist, auf russischeWerlhpapiere Geld vorzustrecken, widerru- fen werden soll. Jedenfalls ein "Trank/' aber ein nngefäyrlicher. Die fixe Idee, um eine Erbschaft be- trogen zu sein, hat ihm eine Schraube gelockert. Die Behörden sollten sich seiner annehmen. New Zjork, 26. Oct. Richard Goerdler, der Mann, welcher gestern den Präsidenten Cleveland sprechen wollte, und welcher dadurch die Aufmerk- samkeit auf sich gelenkt hatte, daß er den Kaiser Wilhelm zum Zweikampf und zwar auf Pistolen hcrausgefordert hatte, indem er behauptete, daß er als amerikanischer Bürger ebenfalls ein Monarch sei, und also denselben Rang einnehme, wie der Kaiser, ist in Marienwerder, in der Provinz West- preußen geboren. Vor etwa zwanzig Jah- ren wunderte er nach den Ver. Staaten aus und wurde in Kentucky amerikanischer Bürger. Im Jahre 1882 wurde Goerdler von Henry Billard (Hilgard) als Agent der Northern Pacific Bahn nach Berlin gesandt. Als solcher organisirte Goerdler eine Gesellschaft von angesehenen Deutschen, welche eingeladen wurden, an der Feier zur Eröffnung jenerBahn theilzunehmcn. Einige Zeit darauf starb Goerdlers Va- ter in Deutschland, und es entstand unter den Erben ein Rechtsstreit über die Erb- schaft. Richard Goerdler hielt sich durchseinen Bruder für benachtbeiligt, aber die Gerichte entschieden gegen ihn, worauf er dieselben der Verschwörung beschuldigte und die Entscheidung beanstandete. Als auch der preußische Justizministcr seine Entscheidung gegen ihn abgab, wurde er von Goerdler der Theilnahme an der Ver- schwörung bezichtigt, und schließlich sandte er dem deutschen Kaiser eine Forderung. Es wurde dann ein aus Aerzten bestehendes Geschworenengericht einberufen, um Goerd- ler's Geisteszustand zu untersuchen; er wurde sür hoffnungslos irrsinnig erklärt, während er zugleich von der Anklage eines Majestätsverbrechens frcigesprochen und einer Privatirrenanstalt übergeben wurde. Sein Bruder trug eine Zeit lang die Ver- pflegungskosten daselbst, als aber die Zah- lungen eingestellt wurden, benachrichtigten die Beamten der Anstalt die amerikanische Gesandtschaft, daß, da Goerdler ein ameri- kanischer Bürger sei und der Gemeinde zur Last falle, sie ihn aus der Anstalt entlassen würden, und fragten zugleich an, ob der Einwandcrungs-Commissär in New Aork etwas dagegen einwenden würde, wenn sie ihn nach den Ver. Staaten zurückschickten. Die Angelegenheit wurde auf irgend eine noch nicht aufgeklärte Weise, verschoben, und Goerdlers Bruder begann wieder für die Verpflegung seines Bruders in der Irrenanstalt zu zahlen, bis eines Tages die Zahlungen von neuem eingestellt wurden, und die Frage, Goerdler nach den Ver. Staaten zurückzuschicken, wieder in den Vordergrund trat. , Das Staatsdepartement in Washington entschied schließlich, daß man Goerdler als amerikanischen Bürger, die Landung auf amerikanischem Boden gestatten müsse, und in Folge dessen wurde er im letzten Jahre als Kajütcnpassagier des Dampfers Havel zurückgesandt. Die Reisekosten wurden theils von seinem Bruder, theils von der preußischen Negierung bestritten, und die letztere machte zugleich der amerikanischen Gesandtschaft von Goerdler's Zustand Mittheilung, damit derselbe, bei seiner Ankunft hier die nöthige Verpflegung finde. Ehe Goerdler aus Deutschland abreiste, drohte er, zurückkommen zu wollen, um, wie er sagte, sein Recht zu erkämpfen. Im letzten Monat kam die Mittheilung, daß Goerdler in Berlin massenhafte Flug- schriften mit dem Titel "Kuck jusbilia" habe verbreiten lassen, in welchen er seine Erfahrungen bei dem Versuche schilderte, in Hamm in Westphalen, eine Erbschaft zu erlangen. Elf Grubenarbeiter verschüttet. Der Unfall durch den Einsturz der Decke eines Gruöenganges verursacht. Jron Mountain, Mich., ) 26. Okt. s Gestern verlor in der Pennobic-Grube ein Mann sofort das Leben, während elf Arbeiter verschüttet wurden. Das Unglück Wurde durch den Einsturz des Sandstein- lagers, welches die Decke des Ganges bil- dete, in welchem die Leute arbeiteten,*her- beigeführt. Der Name des umgekommenen Arbeiters ist Frank Galiora. Unter den Verschütteten befinden sich, so weit ermittelt werden konnte, Jobn Farrell, Peter Ucll- berg, William Rickard und William Tho- mas. Der Unfall ereignete sich gestern Nachmittag um drei Uhr im vierten Gange des Schachtes No. 1. Es wird achtzehn stunden Zeit nehmen, ehe die Verschütteten aus ihrer gefährlichen Lage befreit werden können, da in dem engen Gange nur eine geringe Rettungsmannschaft arbeiten kann. Der Aufseher Brown hofft sämmtliche Ver- unglückte lebend an die Oberfläche zu schaf- fen ; eine vollständige Liste derselben konnte noch nicht erlangt werden, und nur die oben angegebenen Namen wurden vorläufig ermittelt. Nluß dafür hängen. Ein Mörder, der sich schuldig bekennt, zum Tode verurtheilt. Masco utah, Jll., 26. Okt. Gestern bekannte sich George Centril im Countygericht von St. Clair County schuldig, am 7. August Frederick Kahn er- mordet zu haben, '.vorauf er vom Richter Wilderman verurtheilt wurde, sein Ver- brechen am 30. November am Galgen zu büßen. Centril hatte lebenslängliche Ein-sperrung im Zuchthause erwartet, und war nicht wenig überrascht, als ihm das Todes- urtheil verkündet wurde. Das von dem Verurtheiltcn begangene Verbrechen war ein scheußlich rohes, und der Mörder wurde bei der That von der Frau des Ermordeten unterstützt. Diese letztere sieht ihrer Nie- derkunft entgegen, weshalb ihr Prozeß erst in einigen Monaten stattfinden wird. Morgan, alias Morgansield. Der Bandit von Aquia Ereek seit zwei fahren ein ruhiger Bürger des Städtchens Neeleyville. Er galt dort allgemein als ein vermögender Mann. Neeleyville, Mo., 26. Okt. Als die Bewohner dieser kleinen ruhigen Stadt eine Schilderung von dem verwege- nen Exprcßräuber bei Aquia Creek lasen, hatten sie keine Ahnung davon, daß der Häuptling derBanditen einer ihrer eigenen Mitbürger war. Charles A. Morgan hatte mit seiner hübschen jungenFrau seit zwei Jahren in Neeleyville gewohnt. Morgan war häufig auf die Dauer eines Monates oder länger abwesend, aber man glaubte allgemein, daß er ein vermögender Mann sei, der hin und wieder eine Vergnügungs- reise mache. Der erste Verdacht, daß zwi- schen Morgan und Morgansield eine ge- wisse Verbindung bestehe, regle sich bei dem Polizeichef Charles Flanagan, als Mor- gansield mit einem zerbrochenen Beine in der Nähe von Cincinnati gefunden wurde, und er that sofort Schritte, um der Wahr- heit auf den Grund zu kommen. Die Identification war eine vollständige, als er vom Polizeichef von Cincinnati eine Photographie von Morgansield erhielt, wie sich derselbe als Patient im städtischen Ho- spital befand. Morgan war vor etwa zwei Monaten von hier abgereist, und selbst seine Frau wußte nicht, wo er sich befand, und halte seil seiner Abreise nichts von ihm gehört. Frau Morgan ist im wahren Sinne des Wortes eine Dame, und war über die gegen ihren Gatten erhobenen Beschuldigungen auf das Höchste betrübt. Seit Morgan hier seinen Wohnsitz auf- geschlagen hat, hat er sich eine Menge Freunde erworben, und die Leute wollen es kaum glauben, daß er eine so nichts- würdige That begangen hat. Obgleich sie zugeben, daß Morgan und Morgansield ein und dieselbe Persönlich- keit ist, sind sie immer noch der Ansicht, daß irgend ein Jrrthum vorliegt, und daß er mit dem Raube nichts zu thun hatte. Während sich Morgan in seiner Heimath aufhielt, führte er ein exemplarisches Leben und bezahlte seine Schulden prompt. Man glaubt, daß er beträchtliches Vermögen be- sitzt. Sturm bei Coney Island. Gewaltige Strecken vom Strande weggerissen. Die „Sea Breeze" Avenue fast ganz zerstört. New York, 26. Okt. Bei Coney Island hat seit den letzten achtundvierzig Stunden ein Sturm ge- wüthet, wie er seit dem bemerkcnswerthen Jahre 1887 sich nicht in der Stärke gezeigt hat. Das Unwetter begann am Mittwochmit Regen, welcher von einem aus Nord- osten kommenden orkanartigen Winde be- gleitet war. Eine Hochfluth folgte, und mit derselben stellte sich ein Wellengang ein, wie er bei Coney Island selten gesehen wurde. Gestern Nachmittag, gleich nach 4 Uhr erreichte die Fluth ihren höchstenStand; zu der Zeit war die Oberfläche des Oceans noch ruhig und glatt, bis sichplötzlich gewaltige Wogen entwickelten, welche mit schrecklicherGewalt dem Strande zugctriebcu wurden, und sich dort an den Bollwerken vor den Oriental, Manhattan und Brighton Beach Hotels mit einer so furchtbaren Gewalt benahm, daß das don- nerähnliche Geräusch weit nach dem Innern der Insel hin vernehmbar war. Jede zurückweichende Welle nahm ein Paar Fuß vom Strande mit, rüttelte an den Pfeilern und Planken, die ihr cntgegenstanden. und unterminirte die kleinen Pavillons in der Nähe des Ufers. Zwischen Sea Breeze Avenue und dem Ocean liegt ein zur Stadt Brooklyn ge- hörender Streifen Land, welches unter der Verwaltung des Park-Departements steht, und gestern wurde ein Ingenieur von Brooklyn gesandt, um Mittel und Wege zu finden, um das cstück Land gegen weitere Eingriffe des Oceans zu schützen. Der Ingenieur jedoch fand, daß nichts weiter zu retten war als Sea Breeze Ave., und davon auch nur noch sehr wenig. Der übrige Theil des prächtigen Strandes ist von den Wellen losgcrissen und weggeführt, um die unter dem Namen „Nockaway Bar" bekannte Sandbank, ' welche von Jahr zu Jahr Sandy Hook näher rückt, vergrößeren zu helfen. Ein besserer Zwilling wie Tochter. Sie zerbricht ihrem Vater drei Rippen und erschießt sich dann. Trenton, Mo., 26. Okt. Als John Sprouts, ein in Grundy County wohnender Farmer, gestern seinen siebzehnjährigen Sohn züchtigte, kam dessen Zwillingsschwester hinzu, um ihn vor wei- teren Prügeln zu retten. Da sie jedoch nicht im Stande war, ihren Vater von dem Jun- gen wegzuzichen, fing sie an, den Alten so gewaltig mit ihren Füßen zu bearbeiten, daß derselbe jetzt mit drei gebrochenen Nip- pen im Bette liegt. Nachher aber bekam sie Gewissensbisse darüber, nahm ein Ge- wehr, schoß sich die Ladung in die linke Brust und war wenige Stunden darauf eine Leiche. Dem Tode nahe. Der Pfarrer Lhiniquy das Opfer einer schwe- ren Erkältung. Montreal, 26. Okt. Der Pfarrer Chiniquy, der frühere Prie- ster, ist dem Tode nahe. Er hatte sich auf der Nü.ckreise von Albany eine starke Er- kältung zugezogen und sein hohes Alter macht seine Wiederherstellung fast zur Un- möglichkeit. Kanzler Caprivi und der Dundes- raty. Kaiser Wilhelm mit der Politik deL Kanzlers einverstanden. Graf Lulenburg angeblich noch in der Oppo- sition. London, 26. Okt. Von Berlin wird der ,;Times" berichtet, daß der Kanzler Caprivi heute mit dem Bundesrath eine Berathung hatte. Da sichder Kaiser Wilhelm mit der Politik des Kanzlers einverstanden erklärt hat, so istcs nicht wahrscheinlich, daß Meinungsver- schiedenheiten entstehen werden. Die Geg- ner des Kanzlers hegen die Hoffnung, daß eine Krisis eintreten werde, wodurch er ge- zwungen werden könnte, sich vom öffent- lichen Leben zurückzuzichen. In einigen Kreisen wird noch immer behauptet, daß der Graf zu Eulenburg, Präsident des preu- ßischen Ministerrathes, seine Opposition noch nicht aufgegebcn hat, obgleich die von ihm empfohlenen scharfen Maßregeln zur Unterdrückung des Sozialismus schließlich abgelehnt wurden. Unter den obwaltenden Umständen wird er kaum einen Standpunkt behaupten wollen, der nur zu seiner Ab- dankung führen könnte. Der politische Horizont ist noch bewölkt, obwohl die Aus- sichten klarer sind, als sie vor einigen Tagen waren. Anti-Diphtheritis-Serum. Die erste Sendung aus dem Laboratorium des Prof. Behring hier eingetroffen. New Nork, 26. Okt. Eine Sendung des Heilmittels, welches augenblicklich die Aufmerksamkeit derAerzte der ganzen Welt beschäftigt, ist soeben im Zollhause eingetragen worden. Es ist dies eine kleine Quantität des neuen Mittels gegen Diphtherilis, das Anti-Diphtherilis- Serum, das erste, was aus dem Laborato- rium des Professors Behring, desErfinders des Heilmittels in Berlin, nach diesem Lande gesandt worden ist. Das Heilmittel ist für Dr. George E. Shrady, den Herausgeber des „Medical Record", und für Dr. Louis Fischer, eben- falls von hier, bestimmt. Die eingetroffene Quantität ist nur sehr gering. Das Serum, welches vor dem Eintreffen dieser Sendung hier gebraucht wurde, kam aus dem Laboratorium desProfessors Aronson. Das Serum des-Prof. Behring soll kräf- tiger sein, und sich länger halten, als das früher hier eingesührte. Auf der Fahrt nach Livadia. Die Pacht „Polarstern" von Plymouth ab- gegangen. Plymouth, England, 26. Okt. Die kaiserlich-russische Aacht „Polar- stern" ist von hier nach Livadia adgegangen, wo sie den Czar und die kaiserliche Familie an Bord nehmen und nach Korfu über- führen wird. Scheint wieder ganz wohl zu sein. Der Emir von Afghanistan wieder im Dienst. Calcutta,26. Okt. Unter dem 20. Oktober ist von Kabul in Simla die Nachricht eingetroffen, daß der Emir von Afgnanistan wie gewöhnlich den Regierungsgeschäften obliegt. Städtisches. Das Wetter. Optiker Kleine, 76 Washington Str., berichtet für Chicago die folgenden Baro- meter- und Thecmometerstände: Um 8 Uhr Morg. 56 Gr., um 9 Uhr 56 Gr., um 10 Uhr 58 Gr., um 11 Uhr 58 Gr., um 12 Übr 58 Gr. Barometerstand um 8 Uhr Morg. 29.15, 12 Uhr 29.15. ZM" Für folgende Personen liegen Briefe auf der Office d. Bl.: AugustKirchner aus Württemberg, Frl. Ottilie Semler, John Kuerten, George H. Mueger und Joseph Lümmle. Veränderungen im polizeidienst. Nach einer gestern Abend von Polizeichef Brennan ausgegebenen Spezial-Ordre ist der stellvertretende Capilün Martin HaycS nach der Desplainesstraßenstation versetzt worden, damit er bis zur Genesung des an einem Lnngenübel erkrankten Capt. Kane das Kommando im zehnten Polizeibezirk führe. Hayes versah bisher im ersten Be- zirk die Stelle eines stellvertretenden Ka- pitäns. Sein bisheriger Platz wird durch Lieutenant Badens ausgefüllt werden. Ein Gerücht, daß Capt. Kane dazu aus- erschen sei, der Nachfolger des Capt. Shea als Chef der Geheimpolizei zu werden, wird von Polizeichef für gänzlich unbe- gründet erklärt. Verfaultes (Obst. Frau Paul, die von der Civic Federation angestellle und besoldete Sanitütsinspekto- rin machte gestern den Gesundheitscom- missär darauf aufmerksam, daß von den Fruchthändlcrn große Massen von verfaul- ten, zumGenutz völlig untauglichenFrüchten zum Verkauf ausgeboten werden. Sie zeigte dem Commissär zum Beweise ihrer Behauptung ein ganzes Packet solcher Früchte vor, die sie beim Händler an der State Straße gekauft hatte. Als sie den Händler darauf aufmerksam machte, daß der Verkauf solcher verfaulter Früchte ver- boten sei, wurde sie von demselben grob an- gefahren. Daher erhob sie bei dem Ge- sundheits-Commissär Beschwerde und die-ser machte den Polizeichef darauf aufmerk-sam. Polizeichef hat darauf einen Generalbefehl an seine Mannen erlassen, in welchem er sie anweist, auf die Frucht- händler ein wachsames Auge zu haben. Die städtischen Finanzen. Der Bericht des Lomptrollers für die heutige Stadtrathssitzung. Comptroller Ackerman gab heute Nach- mittag feinen für die heute Abend statt- findende Extrasitzung vorbereiteten Rechen- schaftsbericht über die Finanzverwaltung der Stadt bekannt, dem wir folgende An- gaben entnehmen: Der Comptroller stellte in Beantwor- tung der ihm von dem Finanzcomite vorgelegten Fragen zunächst fest, daß die Stadt thatsächlich gezwungen war, bei den Banken, mit denen sie in Geschäftsverbindung steht, Anleihen aus- zunehmen, damit die Gehälter für die städtischen Beamten ausbezahlt werden konnten, und daß Corporationsanwalt Rubens in einem Gutachten die Berechti- gung der Stadt zur Ausnahme solcher An- leihen dargethan habe. Im Weiteren weist der Comptroller nach, daß die Auf- nahme solcher Anleihen unter allen anderen früheren städtischen Verwaltungen stattgc- funden habe, und daß Niemand bisher da- ran Anstoß genommen habe. Der Bericht des Comptrollers ist sehr sorgfältig,' auf die Einzclnheiten eingehend, ausgearbcitet, und umfaßt neun mit Ma- schinenschrift bedruckte Folioseiten. Aus dem Lriminalgericht. Unterschlagungsproceß. Vor Richter Brentano begann heute Morgen der Proceß gegen Ransom I. Willse, welcher als Agent der United Sta- tes Expreß Co. derselben GllOO unterschla- gen haben soll. Die Verhaftung Wiltse's erfolgte am 28. Juli in Grand Rapids, Mich. Der Beraubung beschuldigt. Edward Ford und John Owens werden gegenwärtig vor Richter Goggin unter der Anklage processirt, Arthur Barrett am 5. September in einer Wirthschaft an der 83. Slr. und Vincennes Ave. um eine gol- dene Uhr im Werthe von H 75 beraubt zu haben. Endlich gefunden. Richter Eberhard überwies heute den 18jährigen Geo. Johnson und den 15jäh- rigen Chas. Train alias John Shorty wegen Diebstahls eines Bicycles unter je H4OO Bürgschaft dem Criminalgericht. Beide sind Faullenzer und möchten dabei immer gut leben. Da sie aus ihren Ange- hörigen nichts herausschinden konnten, kamen sie auf die Idee, sich ein Bicycle zu leihen, dieses zu verkaufen und den Erlös theilen. gethan. Johnson begab sich am 8. August zu dem Bicycleverleiher Chas. Sterner an W. Harrison- nahe Van Buren- ftraße, entlieh dort auf einen Tag ein Stahl- rad und deponirte das Leihgeld. Da er seine genaue Adresse angab, wurde kein An- stand genommen, das Bicycle zu verabfol- gen. Statt cs aber wiederzubringen, über- gab es Johnson dem durchtriebenerenTrain, und dieser verkaufte es für H 25 an einen Polizisten im Jackson Park, Chas. Turner. Nach einigen Tagen verkaufte es dieser wieder an einen anderen, und dieser sah sich genöthigt, es Reparaturen halber nach einerReparaturwerkstätte an Wabash Ave. zu bringen. Dort sah es Sterner, als er nach dem Johnson geborgten aber nicht wiederge- brachten Rad suchte. Nacheinander wur- den Turner, Johnson und Train wegen der Dieberei verhaftet, doch schließlich stellte es sich zur Evidenz heraus, daß Johnson und Train diejenigen waren, die den Vortheil aus der Dieberei zogen. Da- her ihre Neberweisung an das Criminal- gericht. Johnson war einige Wochen außerhalb der Stadt und kam erst zurück, als er dachte, daß Sterner des ewigen Suchens müde wäre. Geffentliche Verbesserungen. Im Oberbau - Commissariat wurden heute Vormittag die Angebote für die Legung von Wasserverbindungs- röhren in einer Anzahl von Stra- ßen in verschiedenen Stadttheilen ge- öffnet. Die Straßen, welche von den Verbesserungen profitiren, sind die folgen- den : Clifton Park Ave., von Ogden Ave. bis Douglas Ave.; Ems, von Leavittstr. bis Western Ave.; 58. Str., von Stewart Ave. bis Halsted Str.; 46. Str., von Drexel Ave. bis Woodlawn Ave.; Lincoln Ave., von Monlrose Boulevard bis St. Joe Str.; Mattisonstr., von Wallacestr. bis zu den Geleisen der Union Stock Aards Bahn; 91. Str., von Cottage Grove Ave. bis South Park Ave.; Ohiostr., von Ho- man Ave. bis Harding Ave.; Park Ave., von Erwitt Ave. bis Centreftr.; Rebecca Str., von Nockwellftr. bis Western Ave.; Sheridan Ave., von Bloomingdale Road bis Armitage Ave.; Schoolstr., von 39. Slr. vis Rootstr.; 69. Slr., von Wood- lawn Ave. bis zu den Geleisen der Illinois Centralbahn; Sacramento Ave., von Divisionstr. bis Augustastr.; Troystr., von Kinziestr. bis Chicago Ave.; Wardstr., von Clybourn Ave. bis Fullerlon Ave.; Western Ave., von Belmont Ave. bis Roscoestr. und Borktownstr., von der 35. Str. bis zum Illinois und Michigan Canal. Nimmt den Betrieb wieder aus. Der städtische Statistiker I. Grünhut berichtet, daß die Bindefadenfabrik der United States Cordgge Co., deren Etab- lissement auf dem Grundstücke 1083 Cly- bourn Avenue seit mehreren Wochen ge- schlossen war, wieder den Betrieb ausge- nommen habe. In der Fabrik finden 240 Personen, 100 Männer und 140 Frauen eine lohnende Beschäftigung. Von den früheren Arbeitern in Pull- man haben viele sich entschlossen, sich im südlichen Alabama als Colonisten anzu- siedeln. Gestern Abend fand in Kensing- ton eine Versammlung von Auswandc- rungslustigen statt, welche eine Resolution annahm, wonach wenn möglich bereits innerhalb 14 Tagen 500 Familien dicßeise antreten. Valentin Koch ist der Leiter des Unternehmens. Verheerende Ilammcn Brechen über das Waarenhans der von Wm. Teering herein. Der nördliche Theil vollständig zerstört. Das Waarenhaus zwischen Llvde und Fuller-ton Ave. gelegen. Heroische Arbeit der Feuerwehr. — 23 Dampfspritzen und das Feuerboot „Hosemite" in rastloser Tä- tigkeit.—Verlust 5(73,000. Eine verheerende Feuersbrunst zerstörte heule Vormittag das ausgedehnte Waaren- haus der Fabrik von Ackerbau-Geräth- schaften von William Deering, in dem Di- strict von Clybourn Ave. und Fullerlon Ave. nordwärts gelegen. Um 8 Uhr 20 Min. berief ein Doppel- alarm die Feuerwehr nach dem Brandplatz; eine halbe Stunde später wurde weitere Hülse herbeigerufen und um 9 Uhr waren 23 Dampfspritzen, vier Haken- und Leiter- Compagnien mit dem Feuerboot „Aose- müe" an dem Brand lhätig. Die dreizehn Compagnien der von der Deering Co. selbst eingerichteten Feuerwehr leisteten den Feuer- wehrmannschaften die möglichste Unter-stützung. Das dreistöckige Ziegelgebäude ist 350 Fuß lang, von Norden nach Süden lau- fend, mit einer Querfront von 150 Fuß; es liegt nahe am Fluß, sodaß auch das Feuerboot in Thätigkcit treten konnte. Nachdem die Feuerwehr die Flammen durch ungezählte Ströme erstickt hatte, begann ein verzweifelter Kampf gegen den Rauch, wel- cher jetzt in mächtigen Wolken aus dem Brandherd emporsticg und die im Inneren weiterbrcnnenden Feuerherde verhüllten. Von drei Seiten bekämpfte die Feuerwehr den Brand und stundenlang ergossen sich unermeßliche Ströme von Wasser in das Flammenmeer. Um halb elf Uhr stürzten die Mauern der nordwestlichen Ecke krachendzusammen und derBrand schien, durch die plötzlichen hochaufsteigcndcn Rauchwolkengekennzeichnet, wiederum stärker vorzu- dringen. Zweifellos wird die Feuerwehr bis in die Nachmittagsstunden zu arbeiten haben, um den Brand endgültig zu löschen. Das Feuer soll im Erdgeschoß des Waa- renhauses ausaebrochen sein, wo ein reiches Lager von Hanfballen lag, aus welchem die Fabrik selbst ihre Verpackungsstricke fabrizirt. Die Flammen griffen schnell um sich und drangen nach den oberen Stock- werken durch. Das Gebäude war mit au- tomatischen Feuerlösch-Apparaien wohl ausgerüstet, aber dieselben konnten dem verzehrenden Element keinen Einhalt thun. Außerordentlich gefährlich war die Lage der Feuerwehrleute, welche auf den Riesen- leitern die hohe Mauer erstiegen hatten und von hier aus die Wasserströme in den Brandplatz lenkten. Ein Wasserthurm spie stundenlang Wassermengcn durch ein Fenster des obersten Stockwerkes und im rechten Augenblick erkannten die auf dem Dach weilenden Feuerwehrleute den Mo- ment, in welchem das Dach zusammen- brach; sic flüchteten sich auf die Leitern zu- rück, um später wiederum zu dem Mauer- rand vorzudringen. Der Verlust wurde auf tz175,000 an fertigen Landwirthschaftsgeräthschaften ab- geschätzt. Das Waarenhaus soll im Be- trage von tz300,000 versichert sein. Am schlimmsten ist das Nordende mitgenom- men worden, wo die Mauern einstürzten. Der nördliche Theil des Gebäudes hatte eine Versicherung von K7BOO und H190,000 an den Maaren; der südliche Theil hat H7BOO Versicherung am Gebäude, D 114,000 am Lager und H90,000 an der Maschinerie. Lin jugendlicher Pferdedieb. Andrew Enk wird es in Zukunft bleiben lassen, herrenloser Pferde sich anzunehmen oder dieselben nach den mit dem Pferde- markt an der W. 12. Straße verbundenen Stallungen zu schaffen. Am Abend des 7. October wurde dem in No. 65 Bunker- straße wohnenden Hausirer Louis Levy ein etwa H 75 werther Gaul nebst Geschirr aus seinem hinter dem Hause befindlichen Stall gestohlen. Er meldete den Verlust in der Maxwellstr.-Station und Detcctiv Horo- wich wurde mit der Aufarbeitung des Fal- les betraut und dieser postirte sich am Mitt- woch Vormittag auf dem genannten Pferdemarkt in Gemeinschaft mit dem Be- stohlenen. Es dauerte auch nicht allzulange, so er- schien Enk mit dem Pferde und dem Ge- schirr und versuchte es zu versilbern. Enk wurde verhaftet und heute unter der Pferdc- diebstahlsanklage dem Richter Eberhardt vorgeführt. Diesem suchte der noch ziem- lich jugendliche Pferdedieb einzurcden, daß er den Gaul herrenlos auf der Strotze ge- funden und ihn nur der Sicherung wegen nach den Pfcrdemarkt-Slallungcn gebracht hatte. Er war gerade auf dem Wege nach der Polizei - Station, als er verhaftet wurde. Da Richter Eberhardt bekanntlich ein ungläubiger Thomas ist, so nahm er diese Vertheidigung als das, was sie in Wirklichkeit war, als faulen Zauber und sandte Enk unter einer HSOO Bürgschaft nach dem Criminalgericht. An das Triminalgericht verwiesen. Michael Ryan, welcher am 15. Oktober in dem Bäckerladen derFrau Jennie Asher, No. 303 Wellsstr., H3.50 aus der Ladenkasse stahl und nach einer verzweifelten Jagd von dem Alderman Larson dingfest gemacht wurde, wurde heute Morgen von Richter Kersten unter HSOO Bürgschaft an das Cri- minalgericht verwiesen. Der Fall war so lange aufgefchoben, weil Ald. Larson ver- reist war. Viehmarkt. Schweine sind im Preise um 5 Cent gestiegen und brachten schwere 4.40(24.85, leichte 4.25(A4.65, durcheinander 4.70. Rindvieh und Schafe fest und um S(H 10c. tbeuerer. Zufuhr 6,000 Stück Rindvieh, 26,000 Schweme und 8,000 Schafe.

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