Abendblatt Newspaper Archives Oct 24 1894, Page 1

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Abendblatt (Newspaper) - October 24, 1894, Chicago, IllinoisHeransgegeben von der Illinois Staats-Aeitungs-Coinpagnie. Chicago, 2Nittwoch, 24. Oktober 1894. Preis 1 Tent. 47. Jahrgang. No. 253. Uevevvlilär Und Kurzgefa Btes. Der Himmel bleibt heute trüb und die Luft wird warm. Der Wind schlägtvon Norden nach Südosten um. In Wis- consin und in Michigan gicbt's Regen. Der Zustand des Czaren hat sich heute wieder verschlimmert und der Kaiser bat die Thronfolge für den Fall der Kin- derlosigkeit des Czarewilsch geordnet. Der deutsche Reichstag tritt am 15. d. Mts. wieder zusammen und findet an diesem Tage auch die Grundsteinlegung zum neuen Reichstagsgebäude statt. ln Cincinnati sind die „Asbestos Works" der „Philip Manufacturing Com- pany" mit 50,000 Dollars Schaden abge- brannt. ln Raton in New Mexico äscherte eine Feuersbrunst das „Central Hotel" ein und sind bei dem Brande drei Eisenbahn- angestellte: James La Point, James Mc- Cool und Al. Kennedy in den Flammen umgekommen. Aus Ellis Grove im County Ran- dolph gelangten im Staatsgesundheits- amte in Springfield heute 16 Erkrankungen und 4 Todesfälle infolge der Diphtheritis zur Anzeige. Eine Jury hat Van H. Pritchett in Nashville in Tennessee von der Anklage des Mordes freigcsprochen. Derselbe hatte am 22. Juli d. I. seinen Vater, als derselbe mit drohender Geberde auf seine Frau zu- ging, erschossen. Der Präsident ist heute Vormittag mit den Scinigen von Greenwich in Connec- ticut nach New Bork weitergcreist. -- Der Preis des Silbers ist in London auf Pence die Unze zurückgegangen. Der Effektenmarkt setzte in New Aork fest an, doch gingen die Preise alsbald um 4(A2 Proz. zurück; nur 23,000 Stück Aktien wurden in der ersten Stunde um- gesetzt. Eine Pariser Zeitung wärmt 'mal wieder das Gerücht von einer vor den Kronstadtcr Festlichkeiten im Geheimen ge- troffenen französisch-russischen Abmachung für ein gemeinsames Vorgehen in gewissen Eventualitäten auf. Auch die Northwestern-Bahn Kat sich nunmehr der Noth gehorchend, nicht dem eigenen Trieb bereit erklärt, mit der Höherlegung ihrer Bahngeleise zu beginnen und zwar sollen die Arbeiten zuerst an der Galena-Division in Angriff genommen werden. Der gestrige zweite Registrirungstag hat die Zahl der Stimmgcber auf 323,090 gebracht. Während am ersten Registri- rungstage sich 239,422, am zweiten aber nur 83,668 Männer registrircn ließen, war das Vcrhältniß bei den Frauen ein anderes. Am ersten Registrirungstage ließen sich 10,378, am zweiten 13,434Frauen in die Wählerliste eintragen. Wie es scheint, hat hier das Beispiel Früchte getragen. DepeUren. Die Thronfolge in Rußland. Großfürst Michael, der dritte Sohn des Czaren, durch einen kaiser- lichen Erlaß Zum Thronfolger ernannt. St. Petersburg, 24. Okt. Heute wurde ein kaiserlicher Erlaß ver- öffentlicht, wodurch der Großfürst Michael, der dritte Sohn des Czaren, als Nachfolger seines Bruders, des Großfürsten Nikolaus, des Czarewilsch und jetzigen Thronfolgers, zum Thronfolger erklärt wird. Der Groß- für Georg, der zweite Sohn, hat, ange- sichts der Thalsache, daß sein Gesundheits- zustand als hoffnungslos betrachtet wird, auf das Recht zur Thronfolge verzichtet. Gefundenes Fressen für Advokaten. Die Auszahlung von Legaten im Betrage von fast einer Million beanstandet. SanFrancisco, Cal., 24. Okt. Die von I. V. Delaveaga ausgesctzten Legalen für Wohlthütigkeitszwecke im Be- trage von §775,000 werden beanstandet werden, weil dieselben mit dem Paragra- phen 1313 des Civilgesctzes vonKalifornien im Widerspruche stehen, worin es heißt, daß der Gesammtbetrag von Legaten ein Drittel der Hinterlassenschaft des Erblassers, wel- cher gesetzliche Erben hat, nicht übersteigen darf. Wo dies nicht der Fall ist, schreibt das Gesetz vor, daß die Legate derartig be- schnitten werden, daß die Gesammtsumme nur einem Drittel der Hinterlassenschaft gleichkommt. Die ganze HinterlassenschaftDelaveaga's wird auf §900,000 abgeschätzt, wovon der größere Theil zur Errichtung einer Anstalt für Taubstumme, Blinde und Gelähmte in Santa Craz bestimmt ist. In die Luft geflogen. Ein schwedischer Schooner auf derRhede von peterhead mit einer Ladung Pulver in die Luft geflogen. Aberdeen, Schottland, ) 24. Okt. s hier von Peterhead, einem etwa25 Meilen von hier gelegenen Seehafen, enlgetr.o.ssene Depesche meldet, daß der schwedische Schooner „Alene", welcher eineLadung Schießpulver an Bord hatte und in der Rübe von Peterhead vor Anker lag, in die Luft geflogen ist. Zwei Minutennach der Explosion soll von dem Schoonernichts weiter gesehen worden sein, als einpaar zersplitterte Planken. Die ganze Be-mannung des Schooners ist ertrunken. Schiffsnachrichten. New Uork: „Mazestie" von Liver- pool. Vom ZstiegsslijauMtzk!. Postnachrichtcn aus Japan und China. Unsicherheit der Ausländer in China. Li-Huuq-Lhang in Ungnade. Victoria, B. C., 24. Okt. Der Dampfer „Empreß of Japan" hat folgende, bis zum 12. Oktober reichende Nachrichten vom Orient überbracht: GanzJapan erwartet mit fieberhafter Aufregung Nachrichten von der Expedition des Gen. Oyama, welche gegen einen Punkt an der chinesischen Küste, innerhalb des Golfes von Pe-Tschi-Li gerichtet ist. In japani- schen Zeitungen wird bereits von einer Landung in Port Arthur, Wei-Hai-Wei und anderen Plätzen gesprochen. Der amtliche Bericht des Admirals Jto über die Schlacht in der Nähe des Hafens von Tai Kosan ist veröffentlicht worden. Derselbe enthält vielfache Lobeserhebungen über die in der Schlacht bewiesene Tapfer- keit der Offiziere und Mannschaften der ja- panischen Flotte. Die Regierung hat zwei Correspondenten von japanischen Zeitungen erlaubt, sich an Bord des Admiralsschiffes in den koreani- schen Gewässern zu begeben. Falls das- selbe Recht auch auf ausländische Corre- spondenten ausgedehnt würde, würde dies für das Publikum von großem Vorthcile sein. Betreffs der Gerüchte, daß Japan beabsichtige, im Auslande eine Anleihe zu machen, ist der Correspondent derAssociir- tcn Presse zu der Erklärung ermächtigt, daß eine derartige Maßregel nicht beabsich- tigt wird, und daß die Negierung überzeugt ist, daß die einheimischen Hülfsmittel allen Anforderungen genügen werden. Am Abend des 7. Oktober wurde die Bevölkerung von Tokio und Aokohama durch ein Erdbeben in Augst und Schrecken versetzt. Dasselbe stand dem Erdbeben vom 20. Juni an Dauer und Heftigkeit nicht nach, obgleich der Schaden geringer war, nnd so weit bis jetzt bekannt ist, keine Menschenleben verloren gingen. Die Lage der Ausländer im Inneren von China, besonders im Norden wird aIS ungemein gefährlich betrachtet. Selbst die Ausländer in Shanghai halten es fürnoth- wendig, die Befehlshaber der europäischen Flotten auf die Gefahren aufmerksam zu machen, von denen sie bedroht werden würden, wenn die Negierung noch weitere Niederlagen erleidet, und die in Peking zurückgebliebenen Fremden haben viel ernst- licheren Grund zur Bcsorgniß. Das Ansehen von Le-Hung-Chang, wel- cher sich früher der Ausländer annahm, ist derartig geschwächt, daß man sich auf seine Versprechungen von Schutz nicht mehr ver- lassen kann. Niemand kann die Hauptstadt jetzt mit einiger Sicherheit verlassen, da eS auf den Landstraßen von zügellosen Banden von Truppen wimmelt und die Landbevölkerung durch Noth und Hunger zur Verzweiflung getrieben ist. Die Anwesenheit von Marinetruppen zum Schutze der Gesandtschaften, und zur Unterdrückung von Ausschreitungen von Seiten des Pöbels, der nur auf einen Vor- wand wartet, um sich gegen die Europäer und Amerikaner zu erheben, ist zu einer dringenden Nothwendigkcit geworden. Die Berufung des Prinzen Kung zum Ministerpräsidenten ist ein weiterer Beweis vom verminderten Ansehen Li-Hung- Chang's. Seiner Berufung folgte sofort die Ernennung des Generals Sung zum Oberbefehlshaber der nördlichen Armeen, und dies ist gleichbedeutend mit der Ent- hebung Li-Hung-Chang's von dem Ober- befehle über die Land- und Seemacht. Der früher veröffentlichte Bericht, daß die chinesische Flotte absichtlich keine Net- tungsböte gehabt habe, wird bestätigt. Fast die sämmtlichen Mannschaften der ver- lorenen Schiffe sind mit nur wenigen Aus- nahmen umgekommen, und die Zahl der Ertrunkenen wird auf siebenhundert Mann abgeschätzl. Auf den nach Port Arthur zurückgekehrten Schiffen wurden etwa hun- dert Mann getödtet und zweihundertund- fünfzig verwundet. In einem kaiserlichen Erlaß wird ein wahrheitsgetreuer Bericht über die Schlacht bei Phyong Dang eingefordert. Der Kaiser erklärt, daß die Niederlage, durch die Un- einigkeit und die Eifersüchtelei der Generäle berbeigeführt wurde, und daß die schuldigen Personen schwer bestraft werden würden. Es ist eine Bekanntmachung erlassen worden, worin britische Soldaten gegen Anerbieten zur Anwerbung gewarnt werden. Die „Merchants Steam Navigation Com- pany" tährt fort, ihre Schisse, welche früher die chinesische Flagge führten, unter den Schutz der deutschen Flagge zu stellen. England und Nicaragua. Nicaragua soll für sein Verhalten im Ulos- quitoqebiete büßen. New York, 24. Okt. Dr. Wolfrcd Nelson von hier, welcher früher in Panama wohnte, ist von einer Reise durch Westindien mit dem Dampfer „Alene" von Kingston, Jamaica, zurück- gekehrt. Dr. Nelson sagt, daß in Kingston die Ansicht herrscht, daß England von Nicara- gua, wegen seines Verhaltens im Mos- guitogebiete einen Schadenersatz von §7,- 000,000 verlangen werde. Nicaragua habe, wie es heißt, die Bestimmungen des Vertrages von Managua vollständig miß- achtet. Ferner heißt es, daß England die Mosguito-Jndianer auf britisches Gebiet zu verpflanzen beabsichtige und daß Britisch Honduras dazu ausersehcn sei. Der britische Kreuzer „Mohawk" befand sich noch in Blueficlds und der amerika- nische Kreuzer „Columbia" wurde am 18., zwei Tage uach der Abfahrt des „Alene", in Kingston erwartet. Es ist Costa Rica gelungen, in London eine Anleihe aufzunehmen um den Bau der beabsichtigten Eisenbahnen damit durch- zuführen. Gerücht von einem Siege der Chinesen. Chinesische Generäle, denen es an den Aragen gehen wird. Die chinesische Flotte soll den Feind an- greifen. i Sbanghai, 24. Okt. Die chinesischen Beamten berichten, daß zwischen den Chinesen und Japanern in der Nähe von Wei-Jn am Montag ein Kampf stattgefunden habe und daß sich die Japaner auf dem Rückzuge nach dem Sü- den befinden. Auf beiden Seiten sollen 3000 Mann geblieben sein. Der iLorrespondent in Ticn Tsin meldet, daß die chinesische Flotte am Montag Wei Hei Wei mit dem Befehle verlassen solle, die Japaner anzugreifen. Die Generäle Beh-Chi-Chao und Wri- Au-Kwei, welche früher in Korea befehlig- ten. sind zur Bestrafung den betreffenden Behörden übergeben worden. Wahrschein- lich werden sie enthauptet werden. Der erstere wird der Feigheit beschuldigt und für die Ermordung des französischen Mis- sionärs Joreau verantwortlich gemacht. General Wei-Z)u-Kwei ist der Erpressung und der Feigheit angeklagt. Der französische Gesandte hat dem Tsung Li-Uamen, oder das Ministerium des Auswärtigen, mit ernstlichen Folgen ge- droht, wenn die vielen, demselben vorge- legten Aniprüche nicht demnächst erledigt werden würden. „Ja, die Wilden sind doch bessere Menschen." Reiseabenteuer eines indianischen Pfarrers. Und wie er unter der Livilisation der Blaß- gesichter zu leiden hatte. New York, 24. Okt. Der Pfarrer James Sotle ist ein Voll- blut-Indianer, 74 Jahre alt und predigt seinen Rassegenossen in Manitoba das Wort Gottes. Vor einer Woche machte er sich aus die Reise, um dem Erzdiakon Kirk- ley in Rye, N. U. , den er kennen gelernt hatte, als derselbe Missionär in Canada war, einen Besuch abzustatten. Auf der Reise nach Chicago traf er einen „guten Freund", der ihm sein Geld abnahm, so daß er ohne einen Cent in der Tasche in Chicago ankam. Dort fand er glücklicher Weise denPfarrerßawson, den ervon früher her kannte, und dieser versorgte ihn mit Geld, um nach New Uork zu kommen. Als die biedere Rothhaut dort eintraf, wußte er nicht, wie er nach dem Grand Central Depot kommen solle, und erkundigte sich deshalb bei einem Polizisten nach dem Wege dahlm. Statt ihn aber nach dem ver- langten Bahnhöfe zu bringen, brachte ihn der nach der Polizeiwache, wo der rothe Pfarrer bis zum nächsten Morgen cingesperrt wurde. Am nächsten Tage wurde er von einem Manne nach dem Bahnhofe gebracht, der ihm auch eine Fahr- karte kaufte und ihm noch 50 Cents Reise- geld mitgab, wofür er sich von dem harm- losen Geistlichen dessen Uhr als Pfand ausbat. Der Mann versprach zwar, die Uhr bei dem Pfarrer Kirkley in Rye wieder abzuliefern, hat dies aber bis jetzt noch nicht gethan. Eine diebische Aostmeisterin. Wie sie Duke! Lam's Einnahmen verkürzte. Grandßapids, Mich., 24. Okt. Gestern Abend wurde Frau Addie B. Hollan, die Postmeisterin in der Vorstadt North Grand Rapids, unter der Anklage, die Regierung bestohlen zu haben, in Haft genommen; auch ihr Sohn F. M. Hollan wurde als Mitschuldiger verhaftet. Frau Hollan hatte seit sechs Jahren das Amt be- kleidet; sie hatte Postanweisungen im Be- trage von §25 bis §IOO auf benachbarte Postämter ausgestellt und das Geld von ihrem Sohne erheben lasten. Außerdem wird behauptet, daß sie für alle möglichen Maaren mit Postmarken bezahlt und diese dann in betrügerischer Weise dem Onkel Sam angerechnet habe. Allem in Grand Haven soll sie auf diese Weise §I2OO ergau- nert haben. Im letzten Monate berichtete sie, daß das Postanit um §4OO bestohlen worden sei. Der Sohn hat eingestauden, daß er der Einbrecher war und daß er es nur gethan habe, um feine Mutter aus den ihr drohenden Ungelegenheiten zu retten. Einige Lebensmüde. Kette, Strick und Gift als Mittel zur Abreise benutzt. Nockford, Jll., 24. Okt. L. H. Lowe, einer der ältesten Farmer der hiesigen Gegend, in der Nähe von Holcomb wohnhaft und ein Mann in guten Verhältnissen, hat sich gestern vermittelst einer Kette ins Jenseits geschasst. Er hatte die Kette an einemßalkeu in seiner Scheune befestigt, das Ende derselben um seinen Hals geschlungen und war dann von einem Wagen gesprungen. Die Ursache zu der That konnte nicht ermittelt werden. Vandalia, Jll., 24. Okt. Gestern Abend nahm Frau Fred. Mor- ton, eine hiesige junge, verheirathelc Frau in selbstmörderischer Absicht eine Portion Morphium und wurde nur durch schnell ber- beigeholte ärztliche Hilfe amLeben erhallen. Häuslicher Zwist soll die Veranlassung zu der verzweifelten That gegeben haben. Bloomington, Jll., 24. Okt. Gestern beging Frank Trevitt aus To- namanda in diesem County Selbstmord. Er befestigte das eine Ende eines Strickes an einem Bcttpfosten, legte sich eine Schlinge um den Hals und sprang dann zum Fenster seines im oberen Stockwerke gelegenen Schlafzimmers hinaus. Trevitt war 40 Jahre alt und ein Farmarbeiler. Der Gesundheitszustand des Czaren. Die Nachrichten darüber einiger- maßen widersprechend. Den letzten Nachrichten nach stetst der Tod des Kranken unmittelbar bevor. Paris, 24. Okt. Dem „Figaro" wurde von Odessa um Mitternacht telcgraphirt, daß das Ende des Czaren nahe bevorsteht und daß bereits eine bedenkliche Schläfrigkeit eingelreten ist. St. Petersburg, 24. Okt. Laut heule Morgen hier aus Livadia ein« getroffenen Depeschen ist in der Krankheit des Czaren wieder eine Wendung zum Schlimmeren eingelreten. Folgendes amtliche Bulletin ist heute Morgen um 10 Uhr veröffentlicht worden: „Der Czar hat in letzter Nacht einige Stun- oen geschlafen; heute Morgen ist er nicht schläfrig und hat etwas Appetit." Das Bulletin ist von den Aerzten Lehden, Szacharin, Popoff, Beljaminofs und Hirsch unterzeichnet. Berlin, 24. Okt. Der Korrespondent der „Neueste Nach- richten" in St. Petersburg berichtet, daß ein hoher Hofbeamter folgende Depesche aus Livadia erhalten habe: „Man glaubt nicht, daß der Tod des Czaren innerhalb der nächsten achtundvierzig Stunden erfolgen wird, und cs ist wahrscheinlich, daß das Leven Sr. Majestät noch aus viel längere Zeit erhalten bleiben wird." Paris, 24. Oct. Der Petersburger Korrespondent telegra- Pbirt an den „Gaulois", daß er von einem Mitglieds des kaiserlichen Hofes zu der Er- klärung ermächtigt sei, daß die Einschrum- pfung der Nieren des Kranken nicht so ernstlich ist, als berichtet wird, und daß die Aerzte Sr. Majestät die berechtigte Hoff- nung haben, eine dauernde Besserung ihres Patienten herbeizuführen. Paris, 24. Okt. Eine aus Livadia von einem Ncgierungs- bcamten abgesandte Depesche sagt, daß der Tod des Czaren stündlich zu erwarten sei. In französischen Regierungskreisen ist die Aufregung im Zunehmen begriffen. Bevorstehende Eröffnung des Reichstages. Grundsteinlegung zu dem neuen Aeichstagsgebäude. Kaiser Milhelm besucht,den russischen Bot- schafter. Berlin, 24. Okt. Es ist beschlossen, den Reichstag am 15. November zu eröffnen; zu gleicher Zeit soll an jenem Tage die formelle Grundstein- legung zum neuen Reichstagsgebäude, wel- ches jetzt beinahe vollendet ist, stattsindcn. Der Kaiser wird bei der Gelegenheit eine Rede halten. Gestern hat Kaiser Wilhelm den General Schuwalow, den russischen Botschafter, be- sucht, und eine halbe Stunde bei ihm zu- gebracht. Finanzschwierigkeiten in Italien. Lin gewaltiges Defizit, welches theilweise durch neue Steuern gedeckt werden soll. N o m, 24. Okt. Die Lage der Minister wird angesichts der bevorstehenden Eröffnung der Deputir- tenkammer augenscheinlich eine schwierige werden. Das finanzielle Problem ist noch immer ungelöst, und das Defizit wird auf 60,000,000 Lire abgeschätzt. In halb- amtlichen Kreisen heißt es, daß die Regierung beabsichtigt, 20 Millionen davon durch weitere Ersparnisse, und 40 Millionen durch neue Steuern zu decken. Der Theil derPresse, welcher dem Minister- präsidenten freundlich gesinnt ist, erklärt, daß nur ein durchgreifender Deceutrali- sationsplan Rettung aus der finanziellen Schwierigkeit schaffen kann, während die ihm feindlich gesinnten Blätter dieselbe mit Freude begrüßen, weil sie daraus auf den baldigen Sturz deS Ministeriums schließen. Postamt beraubt. Die Diebe erbeuten an Post- und Geldinarken annährend tausend Dollars Lebanon, Jll., 24. Okt. Gestern Morgen wurde das hiesige Post- amt um eine ziemlich bedeutende Summe in Baar und in Postmarken beraube. Die Diebe stahlen aus einem benachbarten Leih- stall Pferd und Wagen und fuhren nach dem Postamt, wo sie den Geldschrank voll- ständig ausleerten. Ihre Beute bestand in §350 in baarem Gelde, §4OO in Zwei- Cents-Marken und einer Menge 3,4, 5, 8 und 10 Centsmarken, deren Gesammtbetrag noch nicht ermittelt ist. Die beiden Diebe werden als junge Männer im Alter von 25 bis 30 Jahren geschildert. Der Stadt- marschall Stone benachrichtigte sofort die Polizei in East St. Louis von demRaube. Expedition gegen aufrührerische Malaien. Die mächtigsten Häuptlinge zur Unterwerfung gezwungen. Madrid, 24. Okt. Die Regierung hat vom Generalgouver- neur der Philippinen eine Kabeldepesche er- halten. worin gemeldet wird, daß die gegen die Malaien auf der Insel Mindo gesandte 1000 Mann starke Expedition am linken Ufer des Flusses Agut angekommen ist, und dort Befestigungen angelegt hat. In der Depesche heißt es feruer, daß sich die mäch- tigsten Häuptlinge unterworfen haben. Der „Ivanhoe" wahrscheinlich un- tergegangen. Die Passagiere und Mannschaft möglicher - Meise gerettet. Port Townsend, Wash., ) 24. Okt. s Der Schleppdampfer „Pioneer" ist von einer Kreuzfahrt an der westlichen Küste von der Insel Vancouver zur Aufsuchung des Schiffes „Jvanhoc" zurückgekchrt. Die Küste ist sorgfältig abgesucht woroen, aber cs haben sich keine Schiffstrümmer gesun- den. In der Nähe des Clayoquoit Sun- des wurden die Ueberbleibsel von vier alten Wracks gesunden, aber von dem „Jvauhoe" konnte nichts in Erfahrung gebracht wer- den. Man glaubt, daß die Schiffstrüm- mcr durch den letzten großen Sturm nach Süden hin getrieben wurden. Der „Jvau- hoe" wird als verloren aufgegeben, obgleich die Passagiere und Mannschaft von einem westlich segelnden Fahrzeuge gerettet sein mögen, in welchem Falle sie auf Honolulu gelandet werden. Der Buudeskutter Grant, welcher am Samstag auslief, und sich an der Auf- suchung des „Jvanhoe" betheilizte, ist noch nicht wieder zurückgekehrt. Städtisches. Das Wetter. Optiker Kleine, 76 Washington Str., berichtet für Chicago die folgenden Baro- meter- und Thecmometerstände: Um 8 Uhr Morg. 58 Gr., um 9 Uhr 58 Gr., um 10 Uhr 58 Gr., um 11 Übr 64 Gr., um 12 Übr 66 Gr. Barometerstand um 8 Uhr Morg. 29..60 12 Uhr 29.60. Lief noch gut ab. Entsetzliches Unglück im Tunnel um ein Haar verhütet. Die lüderliche und rücksichtslose Weise in der die Z)erkcs'schen Cabelbahnen unse- rer Stadt betrieben werden, hätte gestern Abend beinahe zu einem entsetzlichen Un- glück im Washingtonstr.-Tunnel geführt. Um 6 Uhr gestern Abend befand sich ein Milwaukee Ave.-Cabclbahnwagen bis auf den letzten Platz gefüllt, mitten in dem er- wähnen Tunnel. Kaum war aber die schräge Auffahrt, welche zu dem westlichen Eingang hinaufführte, erreicht, als der Führer des Zuges bemerkte, daß die Greif- zange außer Ordnung war. Er zog die- selbe fester an, aber es gelang ihm nicht, das Cabel fest zu packen. Nur langsam bewegte sich der Zug aufwärts. Mit Noth und Mühe gelangte man bis auf wenige Schrille vor dem westlichen Eingang des Tunnels. Da fühlte der Zugführer Plötz- lich, wie das Cabel der Grcifzange völlig entschlüpfte und der ganze Zug sich nach rückwärts zu bewegen begann. Er gab so- fort das Signal zum Bremsen, bemerkte aber zu seinem nicht geringen Schrecken, daß die Hauptbremsen an dem Greiswagen versagten. Man mußte sich auf die Breln-sen der angehänglcn Wagen verlassen. Zum Glück waren diese in Ordnung und der Zug konnte, nach dem er etwa hundert Schritte weit mit stets wachsender Ge- schwindigkeit in den Tunnel zurückgeglitten war, zu Stillstand gebracht werden. Wäre er noch einige Schritte weiter gekommen,so hätte eine Collision mit einem nachfol- genden Madisonstr.-Cabclzug stattgefun- den, welche unbedingt eine große Anzahl Menschenopfer gefordert Hütte. So wurde aber glücklicherweise noch ein erhebliches Unglück verhütet. Viele Passagiere des Zuges sollen aber trotzdem leichten Schaden davongetragen haben, als sie in ihrem Schrecken von dem Zuge absprangen. Der ganze Cabelverkehr auf der Westseite erlitt durch den Unfall eine anderthalbstündige Unterbrechung. Verunglückte Ehen. Burton A. Branch, ein reisender Passa- gier-Agent der Erie-Bahn, ist von seiner Gattin Edna wegen angeblichen sträflichen Umgangs mit Rosa W. Bell auf Scheidung verklagt worden. Inzwischen hat er sich aber, um sich den gerichtlichen Scheidungs- Verhandlungen zu entziehen, mit seiner Gattin gütlich auscinandergesetzt, und die Scheidungsklage wird nicht zur Verhand- lung kommen. Annie Croßman Fawcett, die Tochter des Generals Croßman von New Uork und die Schwester der Schauspielerin Henriette Croßman, beschuldigt ihren Gatten George D. Fawcell, einen Schauspieler, des zu freien Umgangs mit anderen Damen und will daher von ihm geschieden werden. George S. Weltes, der ehemalige Super- intendent des städtischen Straßenreini- gungs-Departements, liegt mit seiner Gat- tin Ella in einem Scheidungsprozeß. Er ist beschuldigt, die letztere grausam miß- handelt und gezwungen zu haben, sich von ihm zu trennen. Richter Tuley wird zu entscheiden haben, bei wem von den beiden Eheleuten die beiden Kinder verbleiben sollen. An das Eriminalgericht verwiesen. Unter §4OO Bürgschaft wurde der Herr- gottsschnitzer Emil De Bary heute Morgen von Richter Kersten dem Eriminalgericht überwiesen. Als Kläger trat der Händler- in Altarwaaren Anton Deschermeier, No* 159 Hudson Ave., auf. De Vary, No. 328 Clybourn Ave. wohnhaft, war beschuldigt, ein Crucisix von §8 Werth sich aus dem Lager Deschermeier's angeeignet und an den Rev. Konnin von Hawthorne für §3 verkauft zu haben. Eine Delegation von Grundeigen- thümern aus der West Harrisonstraße wollte beute'Vormittag bei dem Oberbau- Commissär Jones Protest einlegcn dage- gen, daß die Westseite Straßenbabngesell- schast die Straße durch seitlich aufgestellte Trolley-Pfosten verunstalten will. Sie verlangen die Anbringung von Träger- pfosten zwischen den beiden Geleisen. Da Commissär Jones zum Bcgräbniß des Exmayors Heath gegangen war, mußte die Delegation unverrichteter Sache abziehen. Die letzten Ehren. Lr-lNayor Monroe Heath zu Grabe geleitet. Mayor Hopkins, die meisten städtischen DeparlementSvorstcher und der Stadtrath in eonpono sowie die Er-Aldcrmen Swi- gart, Lyke, Hammer, Vierling, Cullerton, Ellert. Hstdrelh, Buyler, Calvin, begaben sich heute Vormittag um zehn Uhr zusam- men nach dein Hause des Herrn W. Heath, No. 6744 Rosalie Court, um von dort aus der Leiche des verstorbenen Ex-Mayors Monreo Heath das Geleite nach der Ersten Baptistenklrche zu geben, woselbst um 11 Uhr eine einfache aber erhebende Trauer- fcier zu Ehren des Tobten unter der Lei- tung des Rev. Dr. Henson statlsand. An dem Trauerzuge nach dem Oakwood- Fricdhofc, wo die sterblichen Reste dcS Verstorbenen der kühlen Erde übergeben wurden, nahmen nur die Angehörigen und nächststehenden Freunde des Verstorbenen, sowie der Apollo Commandery des Frei- maurer-Ordens Theil, nach dessen Ritus auf dem Friedhofe noch eine kurze Trauer- feicr statlfand. Steht vor einem Räthsel. Die Polizei möchte gerne Näheres über einen Gefangenen, Namens Andrew Smith, in Erfahrung bringen. Die Polizei lappt im Dunkeln übereinen Vorgang, der sich am Dienstag Morgen um1 Uhr in dem Hause No. 2722 Cottage Grovc Ave. abspielte. Zur angegebenen Zeit kam der in einem kleinen Hause hinter dem Flatgcbüude No. 2722 Cottage Grove Ave. wohnhafte MicthSkutschcr John Mc Cabe zu dem in jenem Revier stationir- ten Polizisten Jones und theilte mit, daß in dem an seine Wohnung anstoßenden Vorderhause ein gewisser Arthur Taylor von den Gebrüdern Smith ausgeplündert werde. Der Beamte ging mit nach dem erwähnten Hause und fand dort drei gulgc- kleidete Herren bei einem Zechgelage. Taylor, der schon schwer bezecht war, wurde gefragt, ob man versucht habe, ihn zu berauben. Er verneinte dies ebenso wie die Gebrüder Smith, worauf der Po- lizist seiner Wege ging, da kein Grund zu weiteren Einschreiten vorlag. Kaum hatte er das Haus verlassen, als Andrew Smith, der Aeltere der Brüder, dem Kutscher McCabe auf den Leib rückte und diesen für seine Dcnunziatiou schwere Rache zuschwor. McCabe revangirte sich dadurch, daß er sich schon früh Morgens von dem Richter Fostcr einen Haftsbefebl ausstellen und Smith einsperren ließ. Letzterer hat sich dadurch besonders verdäch- tig gemacht, daß er zuerst behauptete, früher ein Polizist gewesen zu sein. Als ihn die Unwahrheit dieser Behauptung be- wiesen wurde, erklärte er, als Reporter an einer englischen Zeitung angestellt zu sein, was auch nicht wahr ist. Zudem soll Tay- lor am nächsten Tage gesagt haben, er sei um §6OO bestohlen worden und er halte die Smith's für die Thäter, doch werde er ge- gen dieselben nicht gesetzlich Vorgehen, da es ihm an Beweisen mangele. Die Po- lizei hat auch den jüngeren Smith verhaf- ten wollen, doch ist derselbe spurlos ver- schwunden. Freisprechung Bei der positiven Identification gestohlenen Ligenthums. Jda McMahon und Minnie Daly wur- den heule Morgen vor Richter Kersten von der Anklage, aus dem Putzgeschäst von Frl. T. M. Keeling an der Oak Str. am 4. Juni zwei Damenhüte zu je §3 ent- wendet zu haben, freigesprochen. Jda Mc- Mahon wies nach, daß sie den Hut, welchen die Geheimpolizisten Hiott und Cudmore in Minnie Daly's Wohnung gesunden halten, selbst herstellte und identisicirte den- selben trotz aller Kreuzverhöre des ehemali- gen Alderman Sexlon und des Anwalts Donnohue positiv als ihr geraubtes Eigen- thum. Die Entscheidung des Richter Ker- stcn blieb deshalb unverständlich. Der Leichengräber. Der Zimmermann Michel Wolfs hat sichfest vorgenommen, künftig keine Leichen-gräberci mehr zu betreiben, da cs sich nicht bezahlt. Gestern kam er nach TonyKaiser's Wirst,schast, Ecke Nandolph und La Salle Str., und fragte den Sohn des HerrnKaiser, ob nicht Jemand einen Brief für ihn hintcrlassen habe. Dies war wirklich der Fall. Michel nahm seinen Brief, ging mit demselben in die entfernteste Ecke des Schankzimmers, öffnete ihn sorgfältig und fand in demselben nichts. Sein Gesicht verlängerte sich bis zum obersten Westenknops, er zerknüllte das Couvert in seinen Händen und entfernte sich, unverständliche, doch keineswegs wie Segenswünsche klingende Worte vor sich hinmurmelnd. Dies war der Schlußakt einer tragi- komischeil Geschichte, in welcher Michel eineNolle spielte. Einige Spaßvögel, unter denen sich ein Student der Medizin befand, halten ihn gebeten, eine Leiche für sie zubesorgen, und er hatte sich dazu bereit er-klärt, nachdem ihm für seine Mühe §25 versprochen worden waren. Das Geld wurde in seiner Gegenwart in ein Couvert , gesteckt. d. h. er glaubte, daß es hincinge- steckt wurde, in der Wirihschast zur Aufbe- wahrung gelassen und ihm gesagt, daß er nach gethaner Arbeit sich seine Belohnung holen könne. Man bestieg dann eine Kutsche, um angeblich nach dem Friedhof Graceland zur Leichengräberei zu fahren, da cs aber sehr dunkel war und man außer- dem die Vorsorge traf, unterwegs in ver- schiedenenWirtschaften cinzukchrcn, merkte Michel es in seiner Unschuld nicht, daß man ihn im Lincoln Park ablud, wo man ihm die Stelle bezeichnest, an weicher er nach der Leiche zu graben habe. Dann ließ man ihn allein und er machte sich mulhig an die Arbeit. Sein Fleiß wurde leider nicht belohnt, er fand keine Leiche, doch be- schloß er, sich den ausbedungenen Lohn zu holen. Strohbürgschaft. George McGee stellte eine Bürgschaft von Ziooo für John Bntterly und ver- schwindet darauf mit diesem. Das Verschwinden von JohnA. Butterst)Ir., der beschuldigt wird, §IO,OOO von den Geldern der Firma, der Tcarborn Foundrx Co., deren Angestellter er war, unterschla- gen zu haben, zeigt wieder einmal rech deutlich, welcher Schwindel bei dem Bürg schaitstellen professioneller Bürgschafts steller betrieben wird. Butterst), der kann 32 Jahre alt ist, war fast zehn Jahre lan, Angestellter der erwähnten Firma und ge noß als solcher das Vertrauen und die Ach tung aller seiner Vorgesetzten. Auch wa» er eine bekannte Größe in den geselligen Kreisen der Stadt und lebte in einer rei- zenden Villa an der 66. Straße mit seiner Frau aus großem Fuß. Vor etwa 3 Wo- chen erkrankte er am Tvphus und durfte nicht in das Geschäft gehen. An seiner Stelle übernahm Sekretär C. T. Cushing dtk Führung der Bücher des Geschäftes. Da ergab sich, daß falsche Eintragungen gemacht und aus diese Weise rund §IO,OOO unterschlagen worden waren. Als man wahrnahm, daß diese Eintragungen von Buttcrlp herslammlen, wollte man cs erst nicht glauben, da man ihn stets für außer- ordentlich ehrlich gehalten hatte. Man ließ deshalb einen Schristcrpcrten kom- men, dessen Zeuguiß aber Butterst) mit dem Vergehen belastete und so schritt man denn zu des Letzteren Verhaftung. Präsi- dent Erastus Foot von der Firma machte im Kreisgcricht eine Schadenersatzklage aus §IO,OOO gegen Butterst) anhängig. Dieser wurde von Constable Geißler verhaftet und vor Richter Everett geführt, welcher aber eine zeitweilige Freilassung des Gefangenen nur bewilligen wollte, wenn dieser §IOOO Bürgschaft stelle. Geißler erinnerte sich eines professionellen Bürgschaststellers Namens McGee, mit dem er verschiedene Male unter einer Decke gearbeitet hatte, und ließ denselben deshalb kommen. McGee zeigte sich bereit, die Bürgschaft sürßutterlp zu stellen und alsSicherheit ver- schrieb er dafür verschiedenes Grundeigen- lhum, welchen er angeblich in der Stadt besaß. Da er sich von den Richter ver- eidigen ließ, nahm dieser an, daß es mil dem Grundcizenthum seine Richtigkeit habe und stellte Butterst) auf freien Fuß, der atzer für diesen Dienst wahrscheinlich lheucr bezahlen mußte, denn Geißler erhielt für seinen Theil von McGee allein §B. Gestern Nachmittag nun sollte der Fall vor Richter Everett zur Verhandlung kommen, aber wer nicht da war, war Vittterst). Er soll sich angeblich aus dem. Wege noch Europa befinden. Und McGee, ist auch ver- schwunden. Er hat weder hier in Chicago eine Wohnung, noch kennt ihn irgend Je- mand außer Geißler, und was das in den BürgschaflSpapiercn angegebene Grund- cigenlhum betrifft, so hat man ermittelt, daß auch nicht ein Zoll breit ihm jemals gehört hat. Wäre Bullerst) nun nicht ent- flohen, so Kälte McGee seinen plumpen Schwindel aus jene Weise ruhig weiter be- treiben können. Vielleicht kann er cs trotz- dem? Die §600,000-An!eihe. Am Freitag Nachmittag wird eine Sitzung des städträthtichen Finanzcomites stattsindcn, in welcher Comptroller Ackcr- man die von Ald. Kent verlangte Erklä- rung über die von der Stadt gemachte An- leihe zum Betrage von §600,000 abgeben wird. Ald. Kent verlangt zu wissen, von welchen Banken die Stadl jenen Betrag ge- borgt hat, wie viel Zinsen dafür bezahlt werden, und wer den Comptroller authori- sirte, die Anleihe auszunehmen. Wie wir bereits am Mouiag dargethan haben, sollen die §600,000 dazu dienen, die schwebenden Rechnungen der Stadt zu bezahlen, bis die der Stadl zukommenden Sleuerbcträge ein- getricben sind. Während nun Aid. Mad- den, der Vorsitzer des stadträthlichen Finanz- Comiles, die Erhebung einer Anleihe für dergleichen Zwecke für durchaus correkt er- klärt, behaupten die Ald. Kein und O'Neill, daß der Comptrollör nur mil Zustimmung des Stadtraths zu der Erhebung der An- leihe berechtigt gewesen wäre. DasFinanz- Comite wird sich m der Sitzung am Frei- tag voraussichtlich über die Angelegenheit ein klares Urthefl bilden. Schrei.ich verbrüht. Michael McLaughlin und andere Arbei- ter in dem Schlachthruse von Libby, Mc- Neill L Libby befanden sich gestern Nach- mittag auf der hölzernen Brücke, die sich über den Fässern befindet, in ' eichen das Fleisch abgekocht wird. Plötzlich brach die nur leicht gebaute Brücke und die Arbeiter stürzten hinunter. Während McLaugblin in das kochende Wasser stürzte und unter- tauchte, hielten sich die anderen Arbeiter so lange am Rande des Behälters fest, b.s man ihnen zur Hülse kam. Auch Mc- Laughlin wurde in Sicherheit gebracht, doch erst, nachdem er so schrecklich verbrüht war, daß man sein Wiederaufkommen be- zweifelt. Er ist 20 Jahre alt, vcrhcirathet und wohnt in No. 3015 Archer Ave. Suchte freiwillig den Tod. Aus dem Armensriedhosc bei Cyatia- nooga, Tenn., ruht did Leiche von Hulda Marino, einer Frau, die seiner Zeit großeBekanntschaften unter den aristokratischen Familien der Südseite kultivirle. Frau Marino begab sich vor einigen Wochen nach Chattanooga, nnd beging dort in ihrem Hotel Selbstmord, indem sie eine Dosis zu sich nahm. Zu der Identification der Leiche führte ein in ihrem Koffer gefunde- nes, von Richter Shephard ausgcserligtcs Scheidungsdekret, das vom 26. September 1886 datirt war. Unglück in ihrer Ehe mit Joseph Ma- rino, der sie im Jahre 1870 in England gc- heiralhet hatte, wird als Grund ihres Selbstmords betrachtet. Viehmarkt. Schweine sind im Preise um 5(AlOc. gewichen und brachten schwere 4.50(ck4.90, leichte 4.30(14.75, durcheinander 4.40(W. 4.85. Rindvieh und Schafe fest und Rindvieh um 5(AlOc. tbeuerer. Zufuhr 7,000 Stück Rindvieh, 32,000 Schweine und 1,000 Schafe.

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