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Abendblatt Newspaper Archives Nov 27 1894, Page 1

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Abendblatt (Newspaper) - November 27, 1894, Chicago, Illinoisvon der Illinois Staats-Aeitungs-Lo. Lbicago, Dienstag, 27. November 1894. Preis 1 Cent. 47. Jahrgang. No. 282 1 Uevevvlick »ln d Krr rzg es ast Les. Heute Abend soll kaltes Wetter ein- reteii und bis morgen dauern. Sechsund- Stunden laug soll der Wind mit Zollen Backen aus Nordwesten blasen. lieber den heute früh gemeldeten Tod Fitt-stt., Bismarck liegen aus Berlin noch neuere Nachrichten vor. Den Fürstenhat der Schlag lief uiedcrgeschmetlcrl. / ln Spanien werden Hinrichtungen ? «ortan nur unter Ausschluß der Oesseut- lichkeil stttttsinden. i Die Dresdener wollen Bismarck ein Denkmal setzen. Die Königin Liliuokalani geht jetzt an europäischen Häsen um ihre verlorene Krone betteln. Ein Kriegsgericht soll über die Schuld6- Kotze's aburtheileu. ' Heftige Erdstöße sind heute wieder in , Italien verspürt worden. Die Verurteilung des WahlfälschsrsMcKane wurde vom Obcr-Appellcttious- flerich' des Staates New Z)ork heute be-stätig:. > Die Gctrcidcprcise sind hier matt. / Weizen erholte sich von einem Rückgänge ' und stand Mittags per Mai aus 60j. Mais wich ans Hafer aus 32j. Schweine- fleisch fest, per Januar 12.15, Schmalz<.O7Z, Rippchen 6.10. ln der gestrigen Stadtralbssitzung reichte Ald. McGillen abermals eiue Or- diuanz ein, welch? aus der Umgegend des McCormick'schi'il Seminars, Ecke Halstcd Straße und Fallcrton Avenue, einen Pro- > hibiliousbczirk machen soll. HoffentlichW werden die anderen Vertreter der nörd- ' liehen Wards diese Marotte endlich ein- mal gründlich ablhun. —- Die Grandjury möchte gerne wissen, ob die demokratische Administration Geldvon den Spielern erhielt. Warum wendet ste sich nicht au Herrn Tanner, der be- kanntlich behauptet hat, daß Mayor Hop- kins das Laster besteuerte? Daß nicht alle Hochbahnuntcrneh-mungeu den gewünschten finanziellen Er- folg haben, beweist die Alley Hochbahn. ' Sie soll täglich §IOOO zusetzen. Tekegrnpkifelis Depesekeru Ein neuer Aufstand in Rio. Die Rebellen erhaltenVerstärkungen. Der Ex-Präsidsnt Heixoto will mit 5000 M Mann frischer Truppen in s Feld rücken. i Rio de Janeiro, 27. Nov. ' Heute fand wiederum ein Aufstand statt, bei welchem mehrere Personen getödlet ! wurden. Die Erbitterung gegen die Por- tugiesen ist eine äußerst heftige; seitdem st bekannt geworden ist, daß die Rebellen die 4 Friedensvorschläge der Regierung zurück- gewiesen haben, herrscht hier eine große > Aufregung. Die Rebellen werden durch Zuzüge aus Rio Janeiro, Rio Grande do Sul und Pernambuco verstärkt. Es heißt, daß hier eine Verschwörung besteht, weichezum Zweck hat, die Stadt zu zerstören, und die Polizei fahndet nach den Verschwörern. Es wird berichtet, daß der Ex-Präsident Peixoto, aus Wunsch des Präsidenten Mo- , raes mit 5000 Mann frischer Truppen in's > Feld rücken wird. Einem Gerüchte nach ist zwischen Melo und da Gama ein Streit über den Ober- befehl ausgebrochen. , Denkmal für den Alt-Reichskanzler. Dasselbe soll in Dresden errichtet werden. Dresden, 27. Nov. In einer hier abgehaltenen öffentlichen Versammlung ist beschlossen worden, zu Ehren des Fürsten Bismarck ein großes Denkmal zu errichten, und es sollen zu diesem Zweck öffentliche Beiträge gesam- melt werden. Furchtbare Lxplosion. Eine Fabrik von Feuerwerkskörpern in die Luft geflogen. E a ft S t. L o u i s, Jll., 27. Nov. Gestern Abend fand in den „East St. Louis Fireworks" eine furchtbare Explosion statt, und die Folge davon war, daß der Wächter Charles Simon jetzt in bedenk- lichem Zustande in seiner Wohnung dar- niederliegt und daß fast sämmtliche Ge- bäude in Firetown in Trümmern liegen. Die Fabrik liegt etwa drei Meilen von East St. Louis und in derselben wird nur bei Tage gearbeitet; cs werden dort alle Arten von Fenerwerkskörpern hergestellt, und gegenwärtig befand sich ein bedeuten- der Vorrath dort. Die Explosion fand in dem Hanse statt, in weichem die Sterne für die römischen Lichter angcfertigt wer- den und der ganze Vorrath, im Werthe von §SOOO flog zu gleicher Zeit in die Luft. Der Wächter befand sich etwa 300 Fuß von dem Gebäude, wurde uiedergeworfen und durch den furchtbaren Luftdruck verletzt. Die andern Gebäude brannten bis ans den Grund nieder; die Explosion wurde meilen- weit gehört. Hätte dieselbe bei Tage statt- gefunden, so wären fünfzig Menschenleben unrettbar verloren gewesen. Liliuokalani's Gesandter. Derselbe hat eine Unterredung mit dem Staatssekretär Bieberstein. Berlin, 27. Nov. Richter Weidmau, welcher nach seiner erfolglosen Mission für die Exkönigin criliuokalani von Hawaii in England, hier cingelrossen ist, bat heule Mittag mit dem K-reitierrn Marschall von Bieberstein, dem Staatssekretär für auswärtige Angetegen-Aten, eine Unterredung gehabt. Der Tod der liirstin Bismarck. Derselbe kam nicht ganz uner- wartet. Sie hatte schon seit längerer gekränkelt, Und befand sich seit einigen Wochen fast fort- während in ärztlicher Behandlung. Berlin, 27. Nov. Die Fürstin Bismarck, welche heule Mor- gen um fünf Uhr starb, Halle schon seil längerer Zeit gekränkelt, und seit den letz- ten zwei Monaten hatte sich ihr Zustand stetig verschlimmert. Der Tod ihrer lang- jährigen Freundin, die Frau Eugeuie Reckow, der Vorsteherin der Anstalt für uuverheirathete Damen in Stolpe, halte sie lies ergriffen. Vor drei Wocüen wurde Dr. Schweuinger nach Fricdrichsruhe ge- rufen um sie bei einem schweren Anfall von Neuralgia zu behandeln, und seitdem be- fand sie sich fast fortwährend unter ärzt- licher Behandlung. Es wird befürchtet, daß der Tod seiner Frau, angesichts seiner vorgerückten Jahre, und seines nicht sehr festen Gesundheitszustandes, auf den Fürsten Bismarck ein», bedenkliche Wirkung aus- üben wird. Gestern bereits war der Zustand der Fürstin besorguißerregcud; sie Halle einen Rückfall erlitten, und der Fürst und die Umgebung der Fürstin befürchteten das Schlimmste, so daß die ganze Familie so- fort an das Krankenbett gerufen wurde. Gras Herbert Bismarck kam gestern Abend in Varzin an und war bei dem Tode seiner Mutter zugegen. Obgleich befürchtet wird, daß der Tod seiner Frau für den Fürsten ein zerschmet- ternder Schlag sein wird, so dient es eini- germaßen zur Beruhigung, daß der Alt- Reichskanzler sich in letzter Zeit recht wohlbefand, und seine täglichen Spazierfahrten wieder ausgenommen hat. ' - Lin Kriegsgericht einberufen. Durch dasselbe will der frühere Leremonien- meister v. Kotze seine Unschuld beweisen. Berlin, 27. Nov. Das Vorverhör des früheren Ceremo- nienmeisters v. Kotze, welcher aus den Verdacht verhaftet worden war, der Ur- heber einer Reihe von Skandatbricfcn zu sein, die anonym Mitgliedern der höchsten Aristokratie zugeschickt wurden, ist abge- schlossen und es ist die sofortige Einsetzung eines Kriegsgerichtes angeordnet worden. Das Kriegsgericht findet auf Ersuchen Kotze's statt, da dasselbe als das einzige Mittel betrachtet wird, seine Unschuld an den gegen ihn erhobenen Anklagen zu be- weisen. Lr beschwindelte Versicherungsge- sellschaften. Schließlich brannte er noch mit einem jungen Mädchen durch. Indianapolis, 27. Nov. Gestern Abend wurde Anthony L. Amer aus Zanesville. 0., unter der Anklage des Unterschleifes hier verhaftet, und wird bis zur Ankunft der Behörden von Ohio fest- gehalten werden. Er wird beschuldigt, die „Phoenix Insurance Co." uon Hartford, Conu., um §B3O, und die „German" in Frecport, Jll., um §SOO beschwindelt zu haben. Bei seiner Verhaftung fand man noch etwa §6OO bei ihm. Ais er Zanesville verließ, verschwand auch em deutsches Mädchen Namens Mary Dietenbach mit ihm; Amer hatte eine Menge Zeitungs- ausschnitte, welche sich auf seincUitterschleife und sein Durchbrcnnen mit Mary Dieten- bach bezogen, bei sich. » -- Der verschwundene Lx - Longreß- Abgeordnete. Immer noch keine Spur von demselben ent- deckt. Oelwein, lowa, 29. Nov. Das geheimnißvolle Verschwinden von Wall H. Butler, dem früheren Congreß- Abgcordnclen, ist immer noch in ein tiefes Dunkel gehüllt. Heute wird sich eiue Ab- theilung Bürger auf die Suche nach dem Verschwundenen begeben. Derselbe hat eine Menge Freunde hier, welche weder Geld noch Mühe sparen werden, den ab- handen gekommenen Mann aufzufinden. Gestern traf Frau Butler mit ihrem Sohne Walter von West Union hier ein und be- rieth sich mit Freunden Butler's über die besten Mittel und Wege, eine Spur von ihrem Gatleit zu entdecken. Vorläufig sind nach allen Richtungen hin Telegramme ausgesandt worden. Da Butler zur Zeit seines Verschwindens eine bedeutende Geld- summe bei sich trug, so ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß er das Opfer eines Verbrechens geworden ist. Der Lzar an sein Volk. Lr erklärt, weshalb seine Vermählung be- schleunigt wurde. St. Peters b u rg, 27. Nov. Der Czar sagt in seinem Manifeste an das russische Volk Folgendes: „Die Be- sorgniß um das Geschick meiner neuen Re- gierung hat mich veraulaßl, die Erfüllung meines Herzenswunsches, das mir von meinem jetzt in Gott ruhenden Vater hin- rerlassene heilige Vcrmächtniß, und die Verwirklichung der freudigen Erwartungen meines ganzen Volkes nichf zu verzögern, daß meine Vermählung ourch den Segen niemer Ellern gebciligt, und daß sie durch das Sakrament der heiligen Kirche gesegnet werde. Eine Heirat!) im Wartezimmer. Sie kam von auswärts zugereist, und Lr erwartete sie auf dem Bahnhöfe. Das Uebrigc mar brieflich und photographisch besorgt worden. St. Louis, 27. Nov. Eine Hochzeit, welche erst gestern Abend bekannt wurde, und einer gewissen Ro- mantik nicht entbehrt, hat im Union- Bahnhofe zwischen zwei jungen Personen, die sich erst einige Minuten vor der Trau- ung zum ersten Male gesehen hatten, statt- gesunden. Die betreffenden Betheiligten waren George W. Malone von hier, und Frau Sadie Hamei ans Sl. Joseph, Mo. Als am Sonntag Morgen um 9 Uhr der Zug der Bnrlington-Bahn im Babnhote angekommen war, stieg eine junge, hübsche, nett gekleidete Frau ans demselben, und wandte sich der nach Außen führenden Pforte zu. Kaum hatte sic die Straße be- treten, als ein mit einem Prinz Alberl- Nock bekleideter Herr ans sie znlral und sie anrcdele. Sic schaute iyn einen Augen- blick an, das hübsche Gesicht bedeckie sich mit einer zarten Röthr, und sie streckte ihre Hand ans, welche von dem Herrn sofort unter seinen Arm geschoben wurde, woraus sich das Paar mit einem glücklichen Lächeln in das Wartezimmer für Damen begab. Dort wurde es von R. L. Malone, dem Vater des Herrn im Prinz Alberl-Rocke; Leslin Malone, einem Bruder desselben; der Frau Frazer, der Ansscberin des Warte- zimmers; dem Hülssrekorder mit einem Heiralhsschein, und dem Pfarrer H. H. Sphier, in Empfang genommen. Tie junge hübsche Dame und Braut wurde ihren künftigen Verwandten vorge- stellt, und nachdem sie noch mit der Frau Frazer eine kurze Berathnng gepflogen hatte, erklärte sie sich zu der Feierlichkeit bereit. Während draußen die Lokomotiven mit heiserem Stöhnen vorbeifuhren, und und deren Glocken laut durch den großen Bahnhof tönten, waltete der Herr Pfarrer seines Amtes und segnete das Pärchen ehelich ein. Nach dem Schlüsse der Trau- ung, und nachdem das junge Paar die Glückwünsche der Anwesenden entgegenge- nommen hatte, wurde die Fahrt nach der Wohnung des jungen Ehemannes in der 21. Straße angetrelen, wo mittlerweile ein opulentes Hochzeitssrühstück bereitet worden war. Wie Eingangs gesagt, entbehrt diese Hochzeit einer gewissen Romantik nicht, denn Braut und Bräutigam haben sich bis zu ihrer Begegnung ans dem Bahnhofe nie vorher gesehen. Die Braut war eine ver- trante Freundin von Verwandten des Bräutigams, und die Namen Beider waren von denselben häufig erwähnt worden. Dadurch wurde eine Eorrespondenz ange- bahnl, welche Beiden Vergnügen gewährte; später wurden Photographien ansgetauscht, und schließlich erfolgte ein Heiralhsanlrag, welcher angenommen wurde. Die Braut und jetzige junge Frau ist in St. Joseph, wo sie viele Jahre gewohnt hal, wohl bekannt, und hat einen großen Kreis von Freunden und Verwandten, während der junge Mann in St. Louis eiue wohlbekannte Persönlichkeit ist. Unter Trümmern begraben. Sechs Arbeiter durch eine einstürzende Mauer verletzt, einer derselben tödtlich. Springfield, Jll., 27. Nov. Während gestern Arbeiter die Trümmer des am Samstag Morgen abgebrannten Leihstallks wcgräumten, stürzte eine Mauer ein, und begrub sechs derselben unter sich. Man glaubte anfangs, nachdem die Ver- unglückten aus den Trümmern herausgc- schafst waren, daß wenigstens zwei oder drei derselben ihren Verletzungen erliegen würden, aber gestern Abend waren sic noch sämmtlich am Leben, und wahrscheinlich werden sie alle, bis auf einen, wiederherge- stellt werden. Die Namen der Verletzten sind: die Neger Nelson Mitchell und Jver-son Carter; ferner John George, William Botin,Frank «Lttopvelworth und Benjamin Womack. Mitchell wird wahrscheinlichsterben, da er mehrere schwere Schüdel- brüche erlitten hat; die anderen Leute wa- ren schwer, aber nicht lebensgefährlich ver- letzt worden. Von der Brooklyner Brücke. vom höchsten Punkte der Brücke in den Flußgesprungen. New Y o rk, 27. Nov. Heute morgen, kurz vor Tagesanbruch, soll Parry Meiner, ein junger Engländer, mit Hülse eines Fallschirmes von dem höchsten Punkte der Brooklyner Brücke in den Fluß gesprungen sein, ohne irgend welche Beschädigung erlitten zu haben. Die Sache wurde unter den Auspizien einer Sportzeitung unternommen. Die Brücken- polizei sagt, daß sie nichts von dem Vorfallweiß, und bezweifelt die Wahrheit der Nachricht. Vier neue Kreuzer. Dieselben sollen für die brasilianische Regie- rung inKiel gebaut werden. Kiel, 27. Nov. Die brasilianische Negierung hat vier Kreuzer bestellt, welche in den Schiffsbau- höfen der Germania Gesellschaft gebaut werden sollen. BlcKane muß brummen. Und wird seine Zebrauniform nicht so bald ansziehen. Albany, N. U., 27. Nov. Das Appellalionsgerichl hat das Urtheil in Sachen des Wahlschwindlers John Z). McKane bestätigt. Schwere Anklage. Zwei angesehene Bahnbeamte des Blondes angeklagt. Sie werden beschuldigt, einen pullman'schen Zugführer erschossen zu haben. Fort Smik h, Ark., 27. Nov. Die Verhaftung von zwei angesehenen Eisenbahnbeamten unter der Anklage des Mordes ries gestern Abend in Fort Smith eine mehr als gewöhnliche Aufregung her- vor. Die Verhafteten sind W. I. McKce, der Betriebsdirektor der Missouri, Pacisic- Bahn und der Bahninspektor Walsh; zu gleicher Zeit wurden wegen desselben Ver- brechens der Porter Jacob Barker, ein Neger, und Jerry Nans, der Koch von McKee's Prival-Bahnwagen in Haft ge- nommen. Außerdem sind Haftbefehle er- wirkt gegen den Porter von McKee's Wagen und einen unbekannten Mann, wel- cher sich in der Nacht, in welcher das Ver- brechen begangen wurde, in der Gesellschaftvon Mc.Kee und Walsh befand. Alle diese Personen werden beschuldigt, am Morgen des 19. Nov., einige Minuten nach vier Uhr, den Pullman'schen Zugfüh- rer John Brown ermordet zu haben. Brown war ein neuer Zugführer, und scheint sein Schicksal geahnt zu haben, weil er an jenem Abend sagte, daß wenn er lebend nach Kansas Cily gelange, er nie wieder diesen Theil der Bahn befahren würde. Ehe der Zug in Fort Smith eln- traf, kam die Mitlheiiung, daß in Handou oder McKay ein Bahnübcrfall erwartet werde. In Fort Smith, von wo der Zug am Montag Morgen um 3 Uhr abging, kamen Wachen an Bord. Um 4 Uhr 10 Minuten befand sich der Zug bei der Wasserstatton, etwa eine halbe Meile von McKay. Brown legte sich nach Abgang des Zuges von Fort Smith nn Hinteren Ende des Schlafwagens zur Ruhe nieder; hinter demselben befand sich der Privatwagen, in welchem sich Mc- Kee, Walsh, noch ein dritter Herr, und die Bedienung befanden. Der Führer des Zuges ging zur Zeit durch den Schlafwagen und Brown stand ans seiner Koje auf und fragte, ob irgend etwas passirt sei. Der Zugführer bemerkte, daß er aufgeregt war, und erwiderte: „Nichts ist passirt." Das war das letzte Mat, daß Brown von dem Zugführer gesehen wurde. Als der Zug in McKay eintraf, siel im Hinteren Ende des Zuges ein Schuß, aber Niemand achtele daraus, als der Zugsübrer Morgan, welcher, nachdem sich der Zug wieder in Bewegung gesetzt halte, dort hin- ging und den Revolver des Pullman'schcn Porters, Baker, untersuchte, und denselben vollgeladen fand. Zwei Bürger von McKay sagen, daß sie gesehen haben, wie Brown's Körper, nach- dem der Schuß abgesenerl worden war, vom Zuge geworfen wurde. Es wird angenommen, daß Brown, während er auf einer Platform zwischen dem Privat- und Schlafwagen stand, zu- fällig erschossen wurde. Der Koch und der Porter befinden sich im Gefängnisse, und McKee und Walsh stehen unter je §SOOO Bürgschaft. Der große Bankdieb Seeley. Derselbe hält sich in der Nähe von New tzork auf Und hat beschlossen, sich den Behörden zu stellen. New Yor k, 27. Nov. Es sind gute Gründe zur Annahme vor- handen, daß sich Samuel C. Seeley. der Buchhalter, welcher die „Shoe und Leather" Bank um §354,000 beschwindeln hals, innerhalb der nächsten acht und vier- zig Stunden in den Händen der Polizei befinden wird. Er hat beschlossen, sich den Behörden zu stellen und ein volles Gcständniß von seinem Antheil an dem Diebstahle abzulegcn. Wenn man den Worten eines wohlbe- kannten Arztes Glauben schenken darf, so befindet sich Seeley innerhalb dreißig Mei- len vom Rathhause und ist auch niemals seit seinem Verschwinden vor einer Woche, weiter entfernt gewesen. Der Flüchtling ist geistig und körperlich völlig znsammengcbrochen, wie der Arzt sagt nno mag nur noch wenige Monate zu leben haben. Lrderschütternngen. Vberitalien von Erdstößen heimqesucht. Rom, 27. Nov. In Brescia, 60 Meilen von Mailand, wurde heute Morgen um 6 Uhr 15 Min. ein heftiger wellenförmiger Erdstoß wahr« genommen; ein ähnlicher, aber weniger starker Erdstoß wurde um 6 Uhr 9 Min. in Bologna und um 6 Übr 4 Min. in Verona verspürt. In letzterem Orte wurde zwei Minuten nach der ersten Erschütterung ein zweiter Erdstoß wahrgcnommen. Zn gleicher Zeit wurden in Damo d'Össola, Mantua, Pavia, Parma, Ber- gamo und in anderen Plätzen Erdstöße ver- spürt. In dieser Stadt wurden die zu Messungen von Erdbeben benutzten Instru- mente in Bewegung gesetzt. Schlimme Beschuldigung. Frühere städtische Beamte der Brandstiftung anqeklagt. Denver, Col., 27. Nov. Der frühere hiesige Wassercommissär Nicholas E. Miller ist unter der Anklage der Brandstiftung verhaftet worden, und die Polizei fahndet auch ans Waller S. Schemerhorn, den früheren Archer. Beide werden beschuldigt, das Pochwerk des frübercn städtischen Ingenieurs I. A. McJntyre, in Srinset. welches, wie ver- lautet, hoch versichern war, niedergebrannt zu haben. Miller war Geschäftsführer des Pochwerkes. Li-liung-Lhang in Ungnade. Tr bleibt jedoch--trotzdem immer noch Vize- König. Kopenhagen, 27. Nov. Eine heute hier aus Shanghai einge- lrossene Depesche bringt die Nachricht, daß Li-Hung-Chang durch einen kaiserlichen Erlaß seiner sämmllichen Würden entklei- det ist, daß es ihm aber gestaltet ist, seine jetzige Stellung beizubehalten. Städtisches. Das IVetter. Optiker Kleine, 76 Washington Slr., berichtet für Chicago die folgenden Baro- meter- und Thecmometerstände: Ilm 8 Uhr Morg. 39 Gr., um 9 Uhr 41 Gr., um 10 Uhr 44 Gr., um 11 Übr 46 Gr., um 12 Übr 50 Gr. Barometerstand um 8 Uhr Morg. 29.16, 12 Uhr 29.35. Fährt in den Fluß. H. L. Grimm stürzt mit einem Buggy in den Fluß, wird jedoch gerettet. In der verflossenen Nacht gegen 11 Uhrfuhr H. L. Grimm, ein Anstreicher aus Wilmette, an der Halstedstraße mit einem Buggy in den Fluß. Das rothe Licht, welches die Brücke als geöffnet bezeichnet, brannte, und auch die Straßenlaternen er- hellten die Localität derart, daß Jedermann sehen konnte, daß die Brücke offen war. Grimm wurde glücklicher Weise durch die Mannschaft eines den Fluß passirenden Schleppdampfers gerettet; das Pferd und der Wagen versanken in die Tiefe. Vor der Grand-Jury Legen Peter Kiolbaffa und Andere Zeugniß über die Holen der Zü. ward ab. Vor den Großgeschworcnen erschienen heute Morgen Peter Kiolbassa, der ehe- malige Sladtschatzmeister und Vertreter der Polen von Chicago, Thomas Fitzpatrick von der 12. Ward und der republikanische Alderman Dahlmann, um über die gc- waltthätige Verhaftung der vierzehn Polen am Abend vor der Wahl Zeugniß abzu- legen. Allerhand Sünder In den Polizeigerichten der Nordseite. Eugene C. La Mout, welcher vor acht Tagen in der Wirthschaft No. 93 Wells- straße seinem Freunde JosephBattles eine Kagelwundc beibrachte, ließ heute Morgen seinen Prozeß von Richter Kcrsten zu Richter Hamburgher verlegen, welcher eine Strafe von §2O über ihn verhängte. Haltie Nichmond war von Polizist D. O'Eonnell sinnlos betrunken an der N.- Clarkstraße aufgesuuden worden. Als sie der Polizist sortsühren wollte, spie sie ihm iu's Gesicht. Richter Kersten ahndete daS Vergehen mit §lO Strafe. Frank Williams, welcher stark betrunken an der 9k. Clark- und Kinzieslraße einen Höllenspektakel verübte und die Passanten in Angst und Schrecken setzte, kam mit einer Strafe von §5 davon. Line wichtige Lonferenz. Mayor Hopkins hat auf heute Nachmit- tag eine Conterenz mit Comptroller Jones und Ald. Madden anberanmt, um mit denselben die Schritte zur Ausführung des gestrigen Stadlralhsbeschlusses, das zur Auszahlung der Gehälter der Polizisten und Feuerwehrleute nöthige Geld aufzu- bringen, zu besprechen. Ohne Zweifel werden sich die drei Herren darin Überein- kommen, daß der einzige Weg der ist, das Geld von Banken zu borgen. Schießerei, wahrscheinlich das Opfer eines Rachsüchtigen. Eine etwas unglaubliche Geschichte er- zählte heute früh der 24jährige, mit seiner Mutter in 547 S. Union Str. wohnende Thomas Clynch dem Sergeanten der Max- well Str.-Station. Er will vergangene Nacht gegen 1 Uhr in den Saloon von James Roach, 293 W. 12. Str., gegangen sein, um dort seine Nothdurft zu verrichten. Während er in dem Verschlage war, öffnete ein ihm fremder Mann die Thür und feuerte zwei Schüsse auf ihn ab. Eine der Kugeln hätte sein, Clynch's, Kinn, und die andere den fleischigen Theil des linken Arms getroffen. In der Apotheke, Ecke der 14. und Halsted Str., wären die Wunden verbunden worden. Die Polizei untersucht die Afsaire. Clynch's Vater wurde vor etwa 7 Jahren bei einer Frau Shay, in Berlin Str., die er besuchte, von einem Manne erschossen, und der Bruder der Shay in Clynch's Hause von dem Bruder des Thomas Clynch im Verlaufe einesStre- ites ebenfalls erschossen. Clynch's Bruder wurde hierfür zu 10 Jahren Zuchthaus ver- urtheilt, erhielt aber später einen neuen Pro- zeß. Dieser Prozeß wurde bisher nie aufge- rufen und stolzirt der Mörder unter §2OOO Bürgschaft in der Stadt umher. Lin Vergleich. Der dienstthuende Oberbaucommissär Moody schloß gestern im Namen der Stadt mit der International Wells Packing Co. einen Vergleich ab. Sie verlangte von der Packing Co. die Summe von §BOOO als Ab- gabe für städtisches Wasser, für welches die Packing Co. keine Wassersteuern gezahlt hat. Es hat sich herausgestellt, daß die Schlacht- hausfirma die Stadt nicht absichtlich um die ihr zutommende Wasserabgabe geschädigt hat und auf Grund dieser Thatsache ging Herr Moody aus einen ihm von Anwalt Levy Mayer im Namen der Firma unter- breteten Compromißvorschlag ein, durch welchen die Packing Co. zur Nachzahlung von §ISOO an Wassssersteuern sich bereit erklärt. Große und kleine Sünder vor den Richtern im Marwellstraßen-Poli- zeigericht. Frank Mohr und Paul Rausch, zwei etwa 30jährige Bassermann'sche Gestalten,die schon seit Monaten sich nicht gewaschen, ein Schuhwerk besaßen, das ihren Zehen volle Gelegenheit gab, sich nach auswärts zu begeben und statt in Kleidern in Lum- pen paradiren, passirten gestern Nachmit- tag den (Lchuhladen von Cbas. Salz, No. 569 Blue Island Ave. Dort sahen sie eine Menge der prachtvollsten Schuhe und Stiefeln vor der Thür ausgestellt. Sie griffen sie sofort nach dem Schuhzeug. Wahrscheinlich nun, um auch noch an- dere m Noch befindliche Kollegen mit dauer- haften Schuhen für den Winter zu ver- sorgen, stahlen sie jeder mehrere Paare. Doch einer der Clerks Salz's hatte das Manöver bemerkt, und ihnen nachgehcnd, machte er den ihm begegnenden Polizisten Dünn auf die Diebe aufmerksam und be- antragte deren Verhaftung. Richter Doolcy, dem die beiden armen Schlucker unter der Anklage des Diebstahls vorgeführt wurden, gab ihnen Gelegenheit für etliche Wochen, sich im Hotel Crawford aus Kosten der Stadl zu reinigen und genügend zu essen. Michael I. McDawcll, ein etwa 40- jähriger Clerk, der an der Laslinstr. nahe Harrisonstr. wohnt, begab sich gestern Nachmittag gegen 7 Uhr nach dem Saloon von Louis I. Hall, No. 160 Laslinstr., woselbst er sonst immer verkehrte, und goß dort verschiedene Schnäpse hinter die Binde. Als er den Saloon betrat, hatte er, wie Hall und seine Schankkellner be- haupten, keinen Ueberzieher an seinein Kör- per. Als er sich nach mehrstündigem Aufenthalt heimbegebcn wollte, bemerkte einer der Schankkellner, daß er einen feinen ueberzieher anhatte. Denselben näher betrachtend, schien es ihm als ob derselbe Eigenthum seines Principals wäre. Er ries Hall herbei und dieser erkannte sofort in dem Ueberzieher, den, welchen er tagszuvor für §4O gekauft hatte. Hall machte McDowell aus diesen Jrrthum aufmerksam und ersuchte seinen diebischen Kunden sreundlichst den Ueber- ziehcr wieder dorthin zu hängen, wo er ihn hergenommcn. Als aber McDowell be- hauptete, daß der Ueberzieher ihm gehöre, ließ Hall einen Polizisten herbeiholeu und den Ueberzichermarder einsperrcn. Richter Dooley stellte ihn bis zum 4. Dezember unter §3OO Bürgschaft. Dasselbe geschah mit James Crane, einen angcblichenKutscher, der am Freitag in Ge- meinschaft mit zwei anderen ehemaligen Angestellten des Leihstallbcsitzcrs William Richardson, von 1066 W. 12. Str., in dessen Stall eingebrochen war und von dort mehrere sehr werthvolle Geschirre und Decken gestohlen hatte. Crane wurde im Besitz eines Theils der gestohlenen Sachen gefunden und eingesperrl. Die Deteclives Hennessey und Mäher von der 13. Str.- Slation gedenken die beiden Anderen heute abzusassen. Wir berichteten vergangene Woche be- reits, daß es den Deteclives der Maxwell Slr.-Station gelungen wäre, drei der Diebe, welche systematisch mit Seidenstoff und anderen werthvollen Waarcn beladene Wagen der Pan Handle, Milwaukee <L St. Paul, Burlington und Baltimore L Ohio-Bahnen ausplündcrten, cinzusperren. ! Dieselben, Anton Smith, Peter Marcck und William Cayll wurden bereits auf 5 Anklagen des Einbruchs hin unter je §SOOO Bürgschaft und einer Anklage aus Mord- versuchs unter je §ISOO Bürgschaft, dem Criminalgericht überwiesen und haben sich am Samstag auch ans 6 andere Einbruchs- anklagen'zn verantworten. Den Bemühungen einiger Detectivs der genannten Bahnen und der Marwellstr.-. Station ist cs nunmehr auch gelungen, die! Plätze zu ermitteln, an denen die bei den! Raubzügen gemachte Beute versteckt Heule wurden von Richter Dooley Hans- suchungsbefehle gegen die folgenden Häuser herausgenommen: 652 S. Jesfcrsou Str., obere und untere Stock, 32 Fisk Slr. und 123 W. 16. Str. Die Detectivs haben einen Wink bekommen, daß diese Häuser ! nichts weiter als „Fenccn" wären und Smith und Genossen dorthin ihre Beute gebracht hätten. Line treulose Gattin. Der Schließer Palmer sucht nach seiner Frau „Mollie", die ihm mit seinem ganzen Hausrath durchgebrannt ist. „Charley" Palmer, ein Zellenwärter der Harrisonstraßen-Station, ist in Verzweif-i lung. Seit einigen Tagen ist nicht nur seine !Frau, sondern auch seine ganze Hausein-! richtung verschwunden und alle schungen sind bisher vergeblich gewesen. Frau Palmer hieß früher Mollie Walker, war Wiltwe und führte einem Herrn Giegel von 26/ W. Madisonstraße die Wirthschaft. Am2. Dezember 1893 wurde sie aus Veran-! lassung von Mary Giebel unter der Anklage des Diebstahls und Mißbrauchs von anver- >trautem Gute verhaftet und in der Des- ! Plainesstraßen-Station eingesperrt. Am folgenden Tage wurde sie dem vor mehreren Wochen verstorbenen Richter Scully vorge- führt, der ihr Verhör aus Zehn Tage ver- schob. Da sie keine Bürgschaft stellen konnte,so mußte sie in ihrer Zelle verbleiben undso kam es, daß sie mit Palmer, der damals! Schließer in der Desplainesstraßen-Station! war, bekannt wurde. „Charley" hatte schon voin ersten Tage an ein bedeutendes In-! teresse für die stattliche 35jährige Wittwe gezeigt und ihr manche Vergünstigung zu j Theil werden lassen. Als sie dann von der Anklage freigesprochen wurde, bat er, sie hie und da besuchen zu dürfen und erhielt auch! die gewünschte Erlaubniß. Das Resultat war, daß er am 30. Januar 1894 mit ihr einen Bund für's Leben schloß und sich mitihr in einem Flat an der W. Harrisonstraße häuslich einrichtete. Bald nach der Hochzeit wurde er nach der Harrisonstraßen-Station versetzt, und als er vor einigen Tagen um Mitternacht nach Hause kam, war seine Frau verschwunden und das Flat stand leer. Pal- mer meldete den Vorfall in der Station, doch bis jetzt hat man von der treulosen Mollie keine Spur entdecken können. Verwegener Einbruch. George Williams dringt mit einem Genossen in die Stein Hauerei No. 570 N. Water- straßc. Lr verbirgt sich mit dem Raub in einem Wagen der N. W.-Balm. Unter einer Bürgschaft von §2500 wurde George Williams heule Morgen von Rich-terKcrsten dem Criminalgericht überwiesen.D. H. Dlckensen, welcher No. 570 N. Waterstr. eine Atarmor-Steinhauerei be- treibt, und der Nachtwächter des Platzes, John Hertel, rdenlifiziricn einen schweren Hammer, einen schmalenSchmiedebammer mit langem Griff, einen Drillbohrer und eine Zange als das Eigenthum der Arbeiter in der Sleinhauerei. George Williams war in dem Besitze dieser Werkzeuge angctrossen worden. Ueber die Verhaftung legten John Her-tel, Andrew Hammerstein, 105 Sedgwick- ftraße, Spezialpolizist Wm. Culkon von der North Western-Bahn und Polizist I. Neihagen von der O. Chicago Avenue- Station einen Bericht ab. Zwei Männer wurden in dem Gebäude der Sleinhauerei gesehen, Culkon, Hertel und Neihagen be- setzten alle Ausgänge. Die beiden Ein- brecher sahen sich beobachtet und stiegen dieTreppe hinaus aus das Dach des Hauses. Von hier sprangen sie aus einer Höhe von etwa 23 Fuß hinab und, unversehrt unten angclangt, liefen sie davon. Nach langerJagd wurde George Williams in einem Eisenbahnwagen der North Wcstern-Babn gesunden. Der Beamte Culkon bezeugte, daß Williams das Siegel des Waggons er- brach und so Zutritt erlangte. Der Genosse des Williams entkam. Aus dem Lriminalgericht. Der proceß gegen die Brüder Meadowcrosl. Als heute Morgen vor Richter Brentanoder Proceß gegen Charles I. Meadowcroslund Frank R. Meadowcrosl ausgerufen worden war, überraschten die Verlheidiger den Staatsanwalt mit der Erklärung, daß sie den Antrag, die Anklagen niederzu- schlagen, zu argumenliren wünschten. Die Meadowcrofls stehen unter vier An- klagen crimineller Natur, welche daraus lauten, Depositen entgegengcnommen zu haben, obwohl sie wußten, daß der hoff- nungslose Bankerott eine vollendete That- sache war. Der Bankerott erfolgte am 5. Juni 1093 und folgenden Klägern hatte die Bank am Tage zuvor Depositen abge- nommen: Frederick W. Bipper §9OO, Sa- muel T. White §7OO, John D. Collins §2OO und Charles Carpenter §3OO. Der Proceß wird aus beiden Seiten mit den besten Juristen in der Arena geführt werden. Der Hauptanwalt der Verlhei- digung ist Edwin Walter mit Anwalt Eddie als Gehülfe. A. S. Trude und Hülssstaatsanwalt Morrison vertreten die Anklage. Den Antrag auf Niederschlagung 'der Anklage begründete Edwin Walker auf die Thalsache, daß der Prozeß seit drei Ter- minen liegen geblieben sei und die Ange- klagten deshalb zu ihrer Entlassung berech- tigt gewesen seien. Herr Morrison führte als Gegenargu- ment an, daß un vorliegenden Fall die Angeklagten gegen Bürgschaft aus freiem Fuß waren; daß der Staat in allen drei Terminen aufrics und aus Ersuchen der Angeklagten die Verhandlung vertagte. Richter Brentano wies deshalb den An- trag aus Niederschlagung der Anklagen ab und ordnete die sofortige Auswahl der Ge- schworenen an. Dieselbe wird wahrschein- lich einige Tage in Anspruch nehmen. verurtbeilunqen. Albert Edwards, welcher ein Dutzend Cliecks aus die Union Trust Co. mit den Namen von Leuten fälschte, welche gute Kunden der Grocery-Geschaste an N. Clark Slr. und Wells Ltr. waren, wurde von Richter Adams zu zwei Jahren Zuchthaus verurtheilt. Vor demselben Richter gab heute Morgen eine Jury ein aus drei Jahre Zuchthaus lautendes Urtheil gegen Myrtle Howard ab, welche in der Halle des Hauses 374 State Slr. den Charles Marblc um §24 baares Geld irnd einen Depositenschein für §BSO beraubte. Laura Johnson, die Ge- nossin der Farbigen Mnrtlc, wurde als Mitangeklagte sreigesprochen, da der Poli- zist McNulty von der Harrison Str.-Sta- tion denRaub nn Besitz der Myrtle Howard vorfand. Richter Goggin verhängte über Charles Williams, der sich des Einbruchs schuldig bekannte, fünf Monate Gesängniß. Bichtswürdiczer Racheakt. Dem Richter Eberhardt wurde heute früh unter der Anklage des Einbruchs und der Vermögensschädigung William O'Brien, ein alter Lump, vorgeführt und bis mor- gen unter §ISOO Bürgschaft gestellt. O'Brien war bis vor Kurzem ein Kutscher in Dien- sten des Leihstallbesitzers C. I. McGeeney, 353—355 S. Halsted Str. Da er zu viel der Flasche zusprach, wurde er entlassen, und schwor seinem Er-80ß Rache. Als McGeeney gestern früh aus seiner über dem Stall ge- legenen Wohnung nach der Wagen-Remise hinuntcrkam, wäre er vor Schreck beinahe zu Loden gestürzt. Dis sämmilichen ihm ge- hörenden Equipagen und Droschten waren mittelst eines spitzen Messers kreuz und quer zerkratzt worden, ebenso die Kissen im Innern der Wagen. Der McGeeney zuge- fügte Schaden beziffert sich aus über §IOOO. Sein Verdacht fiel sofort aus O'Brien und einen von ihm zu gleicher Zeit entlassenen Mann, William Williams. Er nahm Hasts- befehle gegen die Beiden heraus, und wur- den dieselben gestern früh in einem Stall an Polt Straße festgenommen. Heute früh legte O'Brien, in die Enge getrieben, vor Lieutenant Mahoney ein umfassendes Ge- ständniß ab ,wonach er allein den Racheakt verübt hätte. Morgen wird ihn Richter Eber- hardt an das Criminalgericht verweisen. Viehmarkt. Schweine sind guter Qualität und um 5 Cent gestiegen. Schwere brachten 4.40(14.80, leichte 3.65(a4.30, durchein- ander 4.10(^4.65. Rindvieh und Schafe fest. ! Zufuhr 27,000 Schweine, 3500 Stück» Rindvieh, 7000 Schaf-

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