Order a high-quality 18"x24" poster print of this page. Add to Cart

Abendblatt Newspaper Archives Nov 26 1894, Page 1

Low-resolution version. To view a high quality image

Start Free Trial
Abendblatt (Newspaper) - November 26, 1894, Chicago, Illinoisvon der Illinois Staats-Aeitungs-Lo. Lhicago, Montag, 26. November 1894. Preis 1 Cent. 47. Jahrgang. No. 281. Uevevvlick Und Kurzgefaßles. Rauhes Wetter prophezeit uns der Wettermann auf morgen, indem sich derWind von Südosten nach Nordwestendreht. ' — In St. Petersburg wurde heute die Vermählung der Prinzessin Alix mit dem Kaiser Nikolaus vollzogen. Die Weizenpreise sind heute früh auf der hiesigen Börse um eine Kleinigkeit ge- stiegen; der Maitermin ging von 58Z aus 59Z und H in die Höhe und der Dezember- termin von 532 auf 544. Dagegen warMais weichend und ging um Z Cent zurück, indem Mais per Mai mit 482 und per Dezember mit 462 notirt wurde; Hafer dielt sich im Maitermin auf 32z<A321. Schweinefleischwaaren waren weichend: Schweinefleisch (Januar) 13.02ä(Z13.05, Schmalz 6.97Z07.00, Rippchen 6.00<S 6.02z. Die türkische Regierung hat den Zei-tungen aus Amerika ihrer Stellungnahme in der armenischen Angelegenheit wegen, an der Grenze den Einlaß verweigert. Auf der New Aorker Fondsbörse setz-ten dieKurse fest und stellenweise höher an, doch erlitten die Aktien des Zuckertrusts alsbald einen Rückgang um 1 v. H. und auch Chicagoer Gastrust-Aktien wurden um 1 v. H. herabgesetzt, und gegen Mittag war die Stimmung durchweg weichend. Der Schauspieler Nat. Goodwin trat gestern in einer neuen Rolle auf. Er er- schien nämlich unerwartet aus der Bühne des Chicago Opera Hauses, woselbst sein College Robsou im „Öeap auftrat. Robson wußte sich nicht anders zu helfen, als ihn dem Publikum vorzustellen, worauf er ihn zwischen die Coulissen zurückschob. Natürlich befand sich Goodwin in ange- heitertem Zustande. Die hiesigen Russen hielten gestern eine Massenversammlung ab und nahmen Resolutionen an, in welchen der Czar er- sucht wird, dem Lande eine Constitution zu geben und gemeinsam mit dem Volk das Land zu regieren. Das sind fromme Wünsche, um die sich das eben zur Re- gierung gelangte „Väterchen" wenig küm- mern wird, wenn es sie überhaupt zu Ge- sicht bekommt. General Booth von der Heilsarmee erklärte gestern während einer Erweckungs- Versammlung auf der Westseite, daß das Weinen eines mit seiner Mutter anwesen- den Kindes ihn nervös mache, woraus die Mutter sich mit dem Kinde entfernte. Daß ein Mitglied der Heilsarmee, welche be- kanntlich im Lärmen ihre größte Stärke findet, noch dazu deren General, durch die Stimme eines zarten Kindes nervös wird, sehr befremdend. Te!el;rttptttse!ie in einem Keller gefunden, liegt ein Selbstmord vor. E'M Eldora, Ja., 26. Nov.Gestern Morgen wurde in einem Keller, eine Meile östlich vom Orte, die Leiche von Ernst Wisner, einem Deutschen, aufgefun- den. An seinem Halse und am linken Handgelenk befanden sich Schnittwunden.Augenscheinlich liegt ein Selbstmord vor, da Wisner am Tage vorher wegen eines Angriffs aus seinen Schwager unter Frie- oensbürgschasl gestellt worden war. Einige seiner hiesigen Landsleute suchen das Ge- rücht zu verbreiten, daß Wisner ermordet wurde. Die Greuel in Armenien. » Die Lommission zur Untersuchung derselben. London, 26. Nov. Eine Depesche aus Constanlinopel sagt, daß durch die Absenduug einer Commission zur Untersuchung der Nicdermetzelung der tzlrmeuier, die örtlichen Beamten erfahren werden, daß ihre Handlungsweise von den auswärtigen Gesandten beobachtet wird. Der Bericht der Commission wird aller- dings nur geringen Werth haben. Der Mufti in Moosh hat einen Orden erhalten, obgleich er einer der Beamten ist, welche an der Metzelei betheiligt waren. Die Lage in dem Bezirke von Sassoun giebt zu der größten Besorgnitz Veranlassung. Unter einer Lawine begraben. sämmtliche verschüttete außer einem gerettet. Monte Christo, Wash., ) 26. Nov. s Am letzten Freitage wurde das große Trockenhaus der „Pride of the Mountains"- Grube, in welchem sich zehn Personen be- fanden, unter einer Schneelawine begraben. Sämmlliche Arbeiter wurden sofort alar- Niirl, und siebzig Mann machten sich sofort an's Werk, um die Verschütteten zu retten. Sechs derselben hatten mehr oder minder schwere Verletzungen davongetragen, wäh- rend einer derselben, Namens Louis Erick- son, als Leiche unter den Trümmern her- vorgezogen wurde. Nach dem Muster des Aufschlitzers Jack. Die Leiche einer ermordeten Frau in einer lebhaften Straße gefunden. - London, 26. Nov. ' Um Mitternacht wurde in einer lebhaften Straße, in der Nähe der Holland Villas Road in Kensington, die Leiche einer etwa vierzig Jahre alten, gut aussehenden Frau, der Klasse der Unglücklichen angehörend, gefunden. Der Hals war von einem Ohr vis zum andern durchschnitten, und einige hiesige Zeitungen sind der Ansicht, daß wiederum ein Verbrechen nach Art des Zack des Aufschlitzers" vorliegt. Der C;ar Nikolaus 11. verheirathet. Kanonendonner von der Feste S>t. Peter und St. Paul ver- künden das Lreigniß. Die Straßen von einer enthusiasti- schen Menschenmenge angefüllt. Der Hochzeitszug. St. Petersburg, 26. Nov. Heute Nachmittag, um halb zwei Uhr, verkündeten die Kanonen der Festung, daß die Trauung des Ezaren Nikolaus 11. mit der Prinzessin Alix von Hessen-Darmstadt staltgesunden hat und während diese De- pesche abgesandt wird, nimmt das junge Ehepaar die Glückwünsche der Hochzeits- gäste im Palaste entgegen. Vor sieben Uhr heute morgen schon strömte eine gewaltige Menschenmasse auf dem Newsky Prospekt zusammen, um Ge- legenheit zu haben, den kaiserlichen Hoch- zeitszug zu sehen. Auf der ganzen Strecke vomAnitchow Palast bis zum Winterpalaste war von Truppen ein Spalier gebildet. Der Tag brach trübe und kalt, aber trocken an, und binnen kurzer Zeit waren die Straßen von einer zahllosen Menschen- menge angefüllt, so daß ans dem Newsky Prospekt und dem Platze vor dem Winter- palaste kein Stehplatz mehr zu erlangen war. Der Korrespondent der assoc. Presse hatte in der Mille zwischen den beiden Pa- lästen einen Platz gefunden, von welchem aus ihm hinter dicht verschlossenen Fenstern ein voller Anblick auf die Staaße gestattet war. Die meisten Geschäflsläden waren ge- schlossen und in den Fenstern waren far- bige Portraits vom Ezaren und der Prin- zessin Alix ansgestellt. Kurz nach elf Uhr ertönten aus der Ferne die Töne der Natio- nalhymne und der ganzen Strecke entlang entblößten sich in Erwartung der Ankunft des Hochzeitszugcs die Häupter der zahl- losen Menge. Bald daraus erschien ein offener, von vier Schimmeln gezogener Staatswagen, in welchem sich der Czar und sein Bruder, der Großfürst Michael, be- fanden. Beide trugen die Uniform der Garde-Husaren und wurden mit nicht endenwollendem Jubel begrüßt. Vor und hinter der Equipage ritten Abtheilungcn der Leibgarde, der Garde-Husaren und Ulanen in Parade-Uniform. Dann folgte ein prachtvoller Landauer, ebenfalls von vier Schimmeln gezogen, in welchem sich die Prinzessin Alix lind die Ezarin befanden. Denselben wurde, wenn dies möglich gewesen wäre, fast ein noch größerer Jubel entgegengcbracht, als dem Ezaren selbst. Hüte und Taschentücher wurden in der Luft geschwenkt und allent- halben gab sich der größte Enthusiasmus kund. Dem Wagen der Prinzessin und der Ezarin folgte eine lange Reihe von Equi- pagen mit den fürstlichen Güsten, ein- schließlich des Prinzen und der Prinzessin von Wales, der Prinzessin Irene von Preußen, der Großfürstin Sergius und anderen Mitgliedern der kaiserlichen Fa- milie nebst sümmtlichen Hochzeitsgästen. Aus verschiedenen Punkten zwischen den beiden Palästen waren Militärkapellen ausgestellt und von jeder einzelnen wurde der Hochzeitszug mit der Nationalhymne begrüßt. Um ein Ulir 15 Min. erreichte der Hoch- zcitszng den Wintervalast, in welchem sich sämmlliche zur Hochzeitsfeier eingcladenen Gäste einsanden. Die Straßen boten einen prächtigen An- blick dar; tausende von Truppen, Neicerei und Infanterie bildeten Spalier, hinter welchen sich die unbewegliche Menge der Zuschauer befand, welche geduldig aus die Rückkehr des FcstzugeS ans dem Winter- palaste wartete, bei welcher Gelegenheit die kaiserliche Gesellschaft ausstcigt und sich in die Kathedrale von Kasan begiebt, wo für den neuen Ezaren und die Ezarin der Schutz des Allmächtigen erfleht wird. Die gewöhnlichen Theater erhielten heute die Erlaubniß, die Vorstellungen wieder zu beginnen. Einem Gerüchte nach hat der Czar da- durch unter den Hofbeamten eine gewaltige Bestürzung hervorgerufen, daß er den Pa- last ohne Begleitung verließ und in einen Militärmantel gehüllt, durch die Straßen ging, wobei er den Arm des ersten Of- fiziers ergriff, der ihn erkannte. Am Samstag machte der Czar mit drr Prinzessin Alix einen Spaziergang, trat in einen Laden vor dem Anilchkow'- schen Palaste und machte mehrere Ein- käufe. Als er den Laden verließ, wurde er von der Menge erkannt und mit Enthu- siasmus begrüßt. Er hat auch die Mi- nister aus das freundlichste empfangen. Als de Giers, der Minister des Auswär- tigen, seine Resignation einreichte, sprach der Czar die Hoffnung ans, daß er noch lange mit ihm zusammen arbeiten werde. Darauf erwiderte de Giers: „Aber Maje- stät, betrachten Sie meine Füße; sie können mich nicht mehr tragen," worauf der Czar antwortete: „Ich will nicht Ihre Füße, sondern ihren Kops haben." Etwas für Bäcker. In Reading, j)a. muß von Neujahr an das Brod nach dein Gewichte verkauft werden. Reading, Pa., 26. Nov. Der Marktcommissür hat unter den hie- sigen Bäckern durch eine Bekanntmachung, daß nach dem 1. Januar 1895 das Brod nach dem Gewichte verkauft werden muß, eine kleine Aufregung hervorgernfen. Es geschieht dies aus Grund eines alten, im Jahre 1797 angenommenen Gesetzes, wel- ches vorschreibt, daß alles Brod dem Ge- wichte nach verkauft werden soll, und für jede Verletzung dessen eine Strafe von 510 verfügt. Da das Gesetz seit Menschen- altern ein todter Buchstabe war, so wird die Jnkraftlretung vermuthlich in dem Bäckergewerbe eine kleine Umwälzung Her- vorrufen. Der große MMiek Beesey. Derselbe bis jetzt noch auf freien Kitzen. Während sein Mitschuldiger Baker todt in seinem Landhause liegt. Niemand weiß, wo das Geld geblieben ist. New York, 26. Nov. Schaaren von Geheimpolizisten befinden sich auf der Suche nach Samuel C. Seeley, welcher die „Shoe L Leather Bank" um 5354,000 bestahl, können ihn aber nicht finden. Der Mann welcher nur 511,000 von jener großen «Lumme einsteckte, ist wahrscheinlich am Leben, wird aber ver- mißt. Frederick Baker, sein Spießgeselle, liegt todt in Sands Point, L. 1., und die Geheimpolizisten brauchen nicht nach ihm zu suchen, der, wie der Anwalt der Bank milgetheilt bat, Seeley's Verbündeter war. Seeley lebte scheinbar wie ein Mann,der eine Wochcneinnahmc von 536 hat, und war, allem Anscheine nach ein guter Gatte und Vater. In der Wirklichkeit aber, suchte er, trotz seines unscheinbarenAeußeren, Eroberungen von Frauen in den Straßen zu machen; er hatte, während er seine Bücher fälschte, immer noch Zeit, mit Mädchen, welch: an den Fenstern der Bank vorbeigingen, Blicke zu wechseln. «Leine Frau war ihm zur Flucht behülf- lich, und jetzt, da er sich in Freiheit befin- det, ist sie zusammengcbrochen. Baker dagegen war unstet; er und seine Frau waren im Stande, sofort eine Reise nach Europa zu unternehmen, und ebenso plötzlich znrückzukehren. Baker brauchte 530,000 das Jahr, während Seeley allem Anscheine nach, mit 536 die Woche aus- kam. Wo ist Baker's Geld geblieben? Viel- leicht wurde es sicher angelegt; vielleicht ging es in Spekulationen, an denen auchSeeley bclheiligt war, verloren. Während der ganzen letzten Nacht waren die Bankbeamten an der Arbeit, um Seeley's gefälschte Hauptbücher mit den Bankbüchcrn der Depositoren in Einklang zu bringen. Diejenigen, welche Seeley kennen, sagen, daß cs für ihn unmöglich gewesen sei, für sich selbst irgend eine bedeutende Summe zu verbrauchen. Vor mehreren Jahren kaufte er ein bescheidenes Häuschen, No. 422 Halsey Str., in Brooklyn, und bezahlte 55000 dafür. Auf demselben lag eine erste Hypothek von H3200, und eine zweite von 81200. Um die zweite Hypothek abzube- zahlen, borgte er von der Frau Bennett, seiner Schwiegermutter, Geld; ebenso borgte er zur Einrichtung des Hanfes Geld, und im Ganzen schuldete er ihr 51900. Am letzten Donnerstag übertrug er das Eigenthnm an die Frau Bennett und er- hielt von derselben, dessen Werth im Gan- zen auf 52100 veranschlagt war, noch 5200 herausbezahlt. Er steckte das Geld mit der Bemerkung cm, daß dasselbe grade jetzt eine große Hülse für ihn sein würde. Nichts deutet darauf hin, daß Seeley auch nur einen Theil des gestohlenen Geldes für sich ver- braucht habeil könnte. Die Untersuchung gibt der von ihm dem Advokaten Angel gemachten Angabe, daß er nur 511,000 behalten, und daß Frederick Baker den übrigen Theil der Gelder erhal- len habe, einen Schein von Wahrheit. «Leit 25 Jahren war Frederick Baker als ein erfolgreicher Advokat bekannt, welcher sich hauptsächlich mit Grundeigenthnm be- faßte. Er hatte ein prächtiges, großes Steinhaus in West 70. Straße, einen hüb- schen Landsitz in Sands Point, und sein Ruf war der beste. Als die Bank den Diebstahl erfuhr, be- mühte sie sich, die Diebe zu entdecken, und den Verbleib der gestohlenen Gelder zu er- mitteln. Die Bankbeamten waren er- staunt, als sie fanden, daß Seeley nichts hatte. Dann wandten sie ihre Aufmerk- samkeit dem Advokaten Baker zu; sie forsch- ten Tage lang nach, lind fanden nichts auf Baker'S Namen. Alles was sie fanden, war ein Haus in hiesiger Stadt, wahr- scheinlich dasselbe, in welchem die Familiewohnte, und dies war auf den Namen der Frau Baker eingetragen. Aber innerhalb der nächsten vierund- zwanzig Stunden machte I. C. Bishop, der Anwalt der Bank, eine Entdeckung. „Ich will nicht sagen, daß irgend etwas von Baker's Eigenthum gefunden ist," er- klärte er mit einem gewissen Nachdruck, der darauf schließen ließ, daß er darüber etwas in Erfahrung gebracht halte. „Ich habe keine positive Gewißheit darüber, was mit dem Gelds geschehen ist; ich glaube nicht, daß irgend etwas davon in der „Boynton Bicycle Electric Railway" angelegt ist. Ich habe demGerüchte nachgesorscht, konnte aber nichts Gewisses ermitteln, und glaube, daß dasselbe völlig unbegründet ist." Verwegene Brandstifter. Diebsgesindel versucht eine ganze Stadt nieder- zubrennen. Zanesville, Ohio, 26. Nov. Gestern Abend wurde die Entdeckung ge- macht, daß ein systematischer Versuch ge- macht worden war, die Stadt niederzn- brennen. Um sechs Uhr wurde die Feuer- wehr nach der achten Ward gerufen; wäh- rend dieselbe zur Brandstätte eiUe, kam ein Feueralarm ans der siebten Ward, wo in einiger Entfernung vom ersten Feuer eine große Scheune in Flammen stand. Fünf Minuten darauf entstand in einem anderen Theile der Stadt in einem leerstehenden Hause Feuer, und um halb sieben Uhr kam noch ein Feueralarm aus einer entfernten Ward. Die Feuerwehr war außer Stande, allen diesen Fcuersbrnnsten ihre Aufmerk- samkeit zu schenken, und von William Müller wurde eingeäschert, wäh- rend ein anderes durch die Flammen be- schädigt wurde. Glücklicher Weise konnten die Flammen in allen Fällen schnell ge- löscht werden, ehe sie weiter um sich griffen, aber es herrscht eine gewaltige Aufregung, weil allem Anscheine nach ein Versuch vor- lag, die Stadt an verschiedenen Stellen in Brand zu stecken, um dieselbe dann auszu- plündern. Das arme Brasilien. Italien droht mit der Absendung einer Flotte, um seine For- derungen durchzusetzen. Der Rebellenadmiral da Gama. Lin monarchistischer Aufstand befürchtet. Rio de Janeiro, 26. Nov. Es beißt, daß Italien, da sich Brasilien geweigert hat. die schwebende Frage schieds- gerichtlich entscheiden zu lassen, beschlossen hat, eine Flotte hierher zu schicken. Ob-gleich die Handlungsweise der Regierung hier volle Anerkennung findet, wird der Präsident Moracs neue Vorschläge ma- chen und dieselben der italienischen Regie- rung übermitteln. Die Ver. Staaten wer- den möglicherweise ersucht werden, das Schiedsrichteramt zu übernehmen. Ein Theil der brasilianischen Flotte ist mit versiegelten Befehlen abgegangen. Einem Gerücht nach, sind dieKriegsschiffe gegen da Gama ausgesandt, welcher jetzt acht Taufend Mann unter seinem Befehle hat. Es wird berichtet, daß die Monarchisten einen allgemeinen Ausstand planen, und es wird befürchtet, daß die Regierung nicht im Stande sein wird, demselben Widerstand zu leisten. In Folge dessen stehen unruhige Zeiten in Aussicht. Trotz der „Goldkur". Lin kurirter Saufbold wird rückfällig und beinahe Zuchthauskandidat. Den v er, 26. Nov. Nachdem Walter E. Hall, der Stenograph in Richter Glynn's Gerichtshöfe, dieSäufer- kur nach dem Keeley'schen System durch- gemacht, aber sich trotz alledem gleich darauf wieder mit neuen Kräften in den Suff ge- stürzt hatte, bemerkten seine Freunde, daß bei dem rückfälligen Saufbolde eine Schraube locker geworden war. In diesem Zustande bildete er sich ein, daß er noch ein fidcler Junggeselle sei, obgleich er Frau und Kind in Holyoke, Col., halte, »und verlobte sich mit Mattie L. Miller von hier. Gestern Abend sollte die Hochzeit stattfinden, aber zum Glück für Hall wurde nichts daraus. Richter Glynn hatte nämlich Wind von der Angelegenheit bekommen und erschien grade noch rechtzeitig in der Wohnung der Frau Miller, um den Pfarrer Tnpper zu ver- hindern, das entscheidende Wort auszu- sprechen, durch welches Hall zum Bigamisten geworden wäre. Statt der Hochzeit wurde sodann eine Verhaftung vorgenommen. Hall ist ein Sohn von W. P. Hall, einem angesehenen Advokaten in Holdredze, Neb. Reiche Beute. Die Japaner erbeuten in Port Arthur gewal- tige vorräthe aller Art. Tschi - Fu, 26. Nov. Es wird hier berichtet, daß der Spezial- correspondent des Reuter'schen Telegra-phcnburcaus, welcher sich in Port Arthur befand, von den Japanern zum Gefange- nen gemacht wurde. Von Shanghai wird telegraphirt, daß die Japaner in Port Arthur Lebensmittel und Kricgsvorrälhe erbeutet haben, welche für eine zweijährige Belagerung hingereicht hätten. Guatemala und Mexiko. Sie werden sich wahrscheinlich wieder ver- tragen. Guatemala, 26. Nov. Es heißt, daß der Gesandte Delone die Hoffnung hegt, die mexikanische Regierung von der Gerechtigkeit der Forderungen Guatemalas zu überzeugen. Sollte ihm dies aber nicht gelingen, so will er die Ver- mittelung irgend einer von Mexiko vorge- schlagenen Macht annehmen. Lndlich gelöscht. Die in Brand gerathenen Kohlen im Nelson Schachte gelöscht. Shamokin, Pa., 26. Nov. Das Feuer welches seit 62 Stunden in dem Gange No. 10, im Nelson Schachte, gewüthet halte, wird in einigen Stunden gelöscht sein. In dem Gange befanden sich zwei hundert Wagen mit Kohlen und die ganze Maße war in Brand gerathen. Das Werk des Löschens war wegen der Hitze und den tödtlichen ausströmenden Gasen eine äußerst gefährliche und an- strengende Arbeit. Verbot amerikanischer Zeitungen. Dieselben mit Berichten über die armenischen Metzeleien in der Türkei nicht zugclassen. Konstant inop e l, 26. Nov. Durch die kürzlich erlassene Verordnung zur Beschlagnahme von auswärtigen Zei- tungen, welcheBerichte von den armenischen Metzeleien enthalten, an der türkischen Grenze, wird die Beförderung jeder ameri- kanischen Zeitung nach der Türkei verboten. Dieser Beschluß der türkischen Regierung wird der Haltnng zugeschrieben, welche die amerikanische Presse in der armenischen Frage eingenommen hat. Schiffsnachrichten. In der Nacht anqekommen: New Nork „Lucauia" von Queens- town. New Port: „Scandia" von Hamburg und Havre; „Rhynland" von Antwerpen. Havre: „La Champagne" von New Aork. Begnadigt. Oer Redakteur des „Kladderadatsch" vom Kaiser begnadigt. Berlin, 26. Nov. Kaiser Wilhelm hat den Dr. Polstorff, den Redakteur des „Kladderadatsch" be- gnadigt. Derselbe war am letzten 1. Okt. wegen eines Duelles mit dem preußischen Gesandten in Hamburg und früheren Vor- steher des Preßbureaus des auswärtigen Amtes, Kidderlen-Wächter, zu einer vier- monatlichen Gefängnißstrase verurtheilt worden. Angenommen.. Oas Angebot dos Stewart'schen Syndikates vom Sekretär Larlisle angenommen. Washington, D. C., 26. Nov. Der Sekretär Carlisle hat beschlossen, das Angebot des Stewart'schen Syndikates für die ganze dreiprozentige Anleihe von 550,000,000 anzunehmen. Das Syndikat hatte ein Angebot von 117.077 gemacht. Gnkel Sam und Japan. Lr kann bei dem Friedensqbschluß helfen, sobald Lhina um Gnade bittet. . Rom, 26. Nov. Aus Tokio ist hier eine amtliche Depesche eingetrossen, worin es heißt, daß Japan angedeutct hat, daß es, sobald China Frie- densvorschläge macht, die Vermittelung der Ver. Staaten bei den Unterhandlungen mit Peking aunehmen wird. Städtisches. Das Wetter. Optiker K l e i ne, 76 Washington Str., berichtet für Chicago die folgenden Baro- meter- und Thecmometerstände: Um 8 Uhr Morg. 44 Gr., um 9 Uhr 44 Gr., um 10 Uhr 44 Gr., um 11 Uhr 48 Gr., um 12 Übr 54 Gr. Barometerstand um 8 Uhr Morg. 29.35.12 Uhr 29.15. Für Herrn Alexis Schickedantz und für Frau Mathilde Ristow liegen Briefeaus der Office d. 81. Lin Dutzend Anzüge Rauben vier Spitzbube» aus H. A. Feather- stone's lvohuung. John Anderson, John Wells, James Malloy und Richard Cosgrove, wurden heute Morgen von Richter Kersten unter je 51000 Bürgschaft dem Criminalgericht überwiesen. Sie waren überführt, aus der Wohnung von H. A. Featherstone, No. 354 N. Halstcd Str., ein ganzes Waaren- lager von Kleidern geraubt zu haben. Polizist John F. Walsh traf die vier An- geklagten, als sie in verdächtiger Weise ein Faß fortschleppten. Er hielt sie fest und rief den Patrouillcwagen, welcher die Ge- sellschaft nach der Polizeistalion brachte. Hier wurden in dem Faß wenigstens ein Dutzend von Anzügen des. Herrn H. A. Featherstone, welcher einen großen Luxus in der Bekleidung zu betreiben scheint, ge- funden. Die Röcke, Hosen und Westen zä'hlten ungefähr vierzig Stücke; sie waren von Kundenschneidern gearbeitet und Herr Featherstone gab den Werth auf ungefähr 5400 an. Sein Name war in den ein- zelnen Anzügen aus einem Band eingenäht. Böswillige Verleumdung. Dem Herausgeber und den Redakteuren der böhmischen Zeitung, „Chicagsky Obcan", Carl Neumann, Hermann Avena- rius und Emil Edmond Fischer, ist die- selbe Ehre widerfahren, wie dem Vorsitzen- den des republikanischen Staats-Central- Comitcs John R. Tanner. Sie wurden unter derselben Anklage (Verleumdung) von demselben Constabler (JameS S. Mc- Jnerney) am Samstag verhaftet und von Richter Fester bis zum 3. Dezember unter je 5800 Bürgschaft gestellt. Die Zeitung war ursprünglich eine populistische, wurde aber kurz vor der Wahl von den Re- publikanern Woodman und Andrew ange- kauft. In einer ihrer Ausgaben behauptete nun das Blatt, daß Christian Walleck, einer der demokratischen Candidaten für die Legis- latur, ein Dieb wäre und sich vieler krum- men geschäftlichen Lransacttonen schuldig gemacht hätte. Walleck und seine böhmi- schen Freunde statteten darauf der Redac- tion einen Besuch ab und verlangten unter Drohungen den Widerruf der Verleum- dung. Davon wollte weder der Heraus- geber noch die Redacteure etwas wissen und jagten die ganze Gesellschaft aus dem Sanctum. Walleck wurde trotz dieser Verleumdungen gewühlt und das Blatt ging bald nach der Wahl an der galloppi- renden Schwindsucht der Abonn.enten-Liste ein. Auf Veranlassung seiner Freunde geht nun Walleck criminalgerichtlich gegen die Herausgeber und die Nedacteure der Zeitung vor. Lin Alderman im Dilemma. Alderman Ballard von der zweiten Ward befindet sich in einer eigenthümlichen Ver- legenheit. Er hat sich in der 32. Ward ein hübsches Wohnhaus bauen lassen und möchte begreiflicher Weise in demselben auch wohnen. Nach dem Gesetz muß der Alderman aber in derselben Ward wohnen, die er im Stadtrath vertritt. Ald. Ballard wird sich voraussichtlich dadurch aus der Klemme ziehen, daß er in der zweiten Ward irgendwo ein möblirtes Zimmer miethet und dasselbe für seine eigentliche Wohnung ausgiebt, wenn er auch in Wirklichkeit in der 32. Ward wohnt. Theodor Bcslecesky von No. 147 Bunker Straße wurde gestern Abend von Polizisten der Maxwell Str. Station nach dem County-Hospital befördert. Er hatte einen Stich im Unterleibs und sagte, daß ein Weißer und ein Neger ihn auf dem Viadukt der 12. «Ltraße angegriffen und ausgcplündert hätten. Aus dem Lriminalgericht. Freigesprochen. In dem Mordprozeß gegen James Respe, der am 8. August im dein Hause No. 7525 Stormstraße in Grand Crossing den Joseph Sladek erschoß, gaben die Ge- schworenen am Sonnabend Abend um Mitternacht ein sreisprechendes Urtheil ab. Ncspe hatte einen Streit mit seiner Frau und Sladek drang in die Wohnung Respe's ein, obwohl ihm dieser von Innen zuries, er solle sich um seine eigene Familie kümmern. Zwischen Sladek und Respe entstand ein Ringen um den Revolver, welchen Respe in der Hand hatte. Es siel ein Schutz und Sladek brach, in den Unterleib getroffen, zusammen. Respe bezeugte, daß er den Revolver während des Ringens nrcht abgedrückt habe. Ferner führte Vertheidiger S. H. Trude Gesetze an, nach denen Sladek kein Recht hatte, in die Familieuwohnung eines Anderen ein- zudringen. Richter Chetlain war per Telephon um Mitternacht nach dem Crimi-nalgericht berufen worden. Lin neuer Mordprozeß. Vor demselben Richter begann heute Morgen der Prozeß gegen FrederickSchenick, welcher am 2.October einen Mann Namens Edward Shay in der Opium-Spelunke No. 271 W. Madisonstraße erschoß. Die Kugel drang dem Getroffenen in die Brust, verurtheilt. Richter Brentano wies heute Morgen den Antrag aus Bewilligung eines neuen Prozesses für John Fowler ab und sprach das endgültige Urtheil der Zuchthausstrafeaus Lebenszeit. Der 26 jährige John Fowler schnitt seiner Schwester Bridget Bohle in der gemeinschaftlichen Wohnung No. 53 Alexander Str., die Kehle durch. Das Verbrechen war ein unerhört brutales. Falsches Kartenspiel Führt in Geo. Hildebrecht's llvirthschaft zu Schlägerei und Revolverschüssen. Zwei verletzte im Alerianer-Hospital. Kurz nach zehn Uhr am Sonnabend saßen Alfred Kennedy, William Gray, Edward Prescolt und Andrew Anderson in der Wirthschait von George Hildebrecht, No. 122 N. Clark Str. beim Kartenspiel. Den Spielern kam das Glück, welches Gray halte, unbegreiflich vor und ein Aus- stand brach natürlich los, als Arthur Hilde- brecht, ein Bruder des Wirlhschastsbesitzersentdeckte, daß Gran Karlen aus den Kniecn liegen hatte, aus denen er seine Handkartc immer zu der Vortheilhastesten ergänzte. Die Spieler gingen auf Gray los und cs entspann sich eine Schlägerei, bei der es blutige Köpfe setzte. Gray zog einen Re- volver und schoß aus George Hildebrecht; die Kugel ging jedoch fehl und Hildebrecht schoß nun seinerseits. Die Kugel drang Gray in die Hüfte. Kennedy und Gray wurden von Dr. T. F. Lynott verbunden und nach dem Alcxianer-Hospital gebracht. Auf der Liste des Polizeigerichts der O. Chicago Ave.-Station standen alle die oben Genannten als Angeklagte. Die Ver- handlung wurde aus den 5. Dezember ver- tagt, da Gray und Kennedy nicht erscheinen konnten. Lin unheimlicher Gast. Als der Milchhändler Joseph Prasnac von 389 W. 17. Str. in der Sonntag Nacht gegen §1 Uhr die Loomis Str. ent- lang fahrend, sich der 22. Straße näherte, bat ihn ein an der Ecke stehender Mann um die Erlaubitiß, eine Strecke weit mitsahren zu dürfen. Obwohl der Mann etwas un- heimlich aussah, nahm er ihn doch mit. Kaum waren sie eine Strecke weit gefahren, als der unheimliche Gast seinen Kutscherausfordcrte, seine Hände in die Höhe zu schnellen und sich in aller Ruhe die Taschen revidiren zu lassen. Um seiner Aufforde- rung noch etwas Nachdruck zu verleihen, Holle der Kerl aus seiner Tasche ein Rastr-messer hervor und fuchtelte mit demselben vor dem Milchmann umher. Doch dieser war nicht so ohne Weiteresbereit, sich dem Ausraubungsverfahren zu unterwerfen, nahm schnell seine Peitscheund hieb mit dem unteren, dicken Theile,so lange auf den vvoulä-bs-Räuber los, bis dieser zum Wagen hinaussprang. Prasnac rief, trotzdem er den Kerl loS war, noch um Hilfe und dies brachte den Blau-rock Schroeder herbei. Dieser nahm den Kerl nach dem nächsten Alarmkasten. Aus der Station wurde derselbe sofort als ein alter Bekannter, Namens Charles Mitchel, erkannt. Richter Dooley sandle den Strolch, dem die Delectives das denk- bar schlechteste Leumundsattest ausstellen und der selbst eingcstehcn mußte,wiederholt bestraft worden zu sein, nur unter einer 525-Strafe nach der Bridcwell. Line bescheidene Gesellschaft. Dem stadträthlichen Comite für Bcleuch- tungswesen lag heute Vormittag die Ordi- nanz der „Norwood Construclion L Electric Co." vor, welche einen Freibrief für die Ge- sellschaft verlangt, der ihr gestalten soll, eine elektrische Anlage zu errichten und von derselben aus die ganze Stadt mit elektrischem Licht und elektrischer Betriebs- kraft zu versorgen. Die Norwood Con- ftruction <L Electric Co. will ihre Leilungs- drähte in einen geschlossenen Kanal legen, der in den Randsteinen der Straßen zu liegen kommen soll. Das Comite beauf- tragte ein aus den Ald. Schendorf, Chad- wick und Dorman bestehendes Subcomite, die Ordinanz eingehend zu prüfen und an das Comite zurückzuberichlen. Feuer auf der Westseite. Heute früh um 2 Uhr kam in dem ersten Stockwerk des Hauses 674 und 676 Austin Ave. ein Feuer zum Ausbruch, das sich mit solch' rasender Schnelligkeit über das ganze 3 Stock hohe Gebäude verbreitete, daß dieses bis auf den Boden abbranntc, ehe die Feuerwehr wirksam eingreisen konnte. In dem ersten Stock des Gebäudes betrieb F. Bird eine Schankwirthschaft, an der er nunmehr 5500 verloren hat. Das Gebäude selbst gehört einem Herrn Walsh und er- leidet dieser einen Verlust von 53000, der nur theilweise durch Versicherung ge- deckt ist. Für die heutige Stadtrathssitzung. Muthmaßliche Ernennungen durch den Mayor. Oie Ligaretten-Licenz- Vrdinanz. Mayor Hopkins ist heute Vormittag von seiner Erholungs- bezw. Besuchsreise nach Buffalo zuriickgekehrt, um an der heute Abend stattfindendenSiadtrathssitzung theil- nehmen zu können. Er wird dem Stadtrath heute Abend zu-nächst den Namen des Nachfolgers des zumComptroller ernannten bisherigen Ober- baucommistärs Jones unterbreiten. Ei wird für das Amt entweder den bisherigen Straßenamts-Superintendenten John Mc- Carthy. oder den bisherigen Hülfs-Ober- baucommifsär Moody ernennen. Die Er- nennung wird beweisen, ob es dem Mayor mit seinen Reformbestrebungen auf der Ba- sis des Civildienstsystems Ernst ist oder nicht, denn nach dem Prinzip des Civildien- stes müßte der Mayor Herrn Moody zu dem Amte ernennen. McCarthy selbst erklärt, daß es für ihn kaum möglich sein würde, sich in der kurzen Zeit bis zum Ablauf des Amtstermins in das Amt des Oberbaucom- missärs hineinzuarbeiten. An die Stelle des Straßenamsvorstehers McCarthy würde, wenn dieser zum Ober- baucommifsär ernannt würde, entweder Pa- trick McCarthy.der bisherige Assistent des Straßenamtsvorstehers, der übrigens mit John McCarthy n i ch t in einem verwandt- schaftlichen Verhältniß steht, oder aber der Ex-Alderman Schumacher aus der zehnten Ward treten. Wer die Stelle des Gebäudecommissärs Eisendraht, dessen Resignation sich bereits in den Händen des Mayors befindet, erhalten wird, ist noch ungewiß; wie es scheint, haben der bisherige Chef-Gebäudeinspektor O'Shea und der Sekretär des Gebäudeinspektors James McAndrews die meisten Aussichten dafür. Das Licenzcomite beschloß in seiner heute Vormittag abgehaltenen Sitzung, das Gesuch einer Anzahl von Grundeigentümern nm Schaffung eines Prohibitionsbezirks auf der Nordseite, in dem Bezirk zwischen Fullerton, Garsield, Seminary Ave. und Bissel Str. zu den Akten zu legen, bezw. dem Stadtrath heute Abend eine dahingehende Empfehlung zu machen. Von Corporationsanwalt Palmer lag dem Licenzcomite ein Gutachten über die von Alderman Coughlin seinerzeit eingebrachte Ordinanz, welche auf den Verkauf von Ci- garretten, um denselben vom Standpunkte des Sanitätswesens aus zu regeln, eine Licenzgebühr von 5600 gesetzt wissen will, vor. Das Gutachten des Corporations- anwalts sprach sich zu Gunsten der Ordi- nanz aus und das Licenzcomite beschloß ein- stimmig, dem Stadtrath die Annahme der Ordinanz zu empfehlen. Wtchtiq für Viehhändler. Line Entscheidung des Richters Großcup zu ihren Gunsten. In der Klagesache William T. Keenan gegen die Atchison, Topeka L Santa Fe- Bahn hat Richter Großcup für den Ersteren entschieden. Keenan hatte von Kansas City Vieh nach Chicago geschickt und die Bahn hatte ihm für die Ablieferung in den Stoä- Aards 40 Cents per Wagen extra berechnet, während dies früher nicht geschehen war. Die Stoü-Aards können nämlich nur über den Schienen der Union Stock Aards und Transit Co. erreicht werden, und die Santa Fe muß für die Benutzung derselben Miethe bezahlen. Dafür war den Versendern früher nichts, seit Juni 1894 aber 40 Cents per Wagen mehr berechnet worden. Keenan wandte sich darauf an die Gerichte und er- suchte diese, die genannte Bahn, die ja be- kanntlich von einem gerichtlichen Sachwalter verwaltet wird, anzuweisen, diese Mehr- berechnung fallen zu lassen. Richter Groß- cup hat nun erklärt, daß die Bahn die ein- mal übernommene Sendung ohne weitere Unkosten, als die regelmäßigen Frachtraten an dem Vestimmungspunkte abliesern müsse. Verwegene Burschen. Joseph Plewa, ein bereits zweimal im Zuchthaus gewesener Bursche und sein Kum- pan, John Konetzky, hatten beschlossen, dem Polizisten John Baginsky, der ihnen vor einiger Zeit etwas unsanft auf die Hühner- augen getreten und zu einer ziemlichen Geld- strafe verholfen hatte, das Lebenslicht aus- zublasen. Plewa und Konetzky gehören zu den gefährlichsten Charakteren des Polen- Viertels an der Südwestseite, und Plewa wurde vor einiger Zeit wegen Mißhandlung und schwerer Verletzung des Polizisten Kris dem Criminalgericht überwiesen, aber von der Grand-Jury laufen gelassen. Gestern Nachmittag um 2 Uhr rüsteten sie sich mit scharfgeladenen Revolvern aus und begaben sich nach der Wohnung des genannten Poli- zisten in 631 W. 17. Str. Um Baginsky, der aber zufälligerweise zur Zeit im Dienst war, aus seiner Wohnung zu locken, schossen sie in der Vorhalle zwei Schüsse ab. Diese fuhren in die Wand und brachten statt des gewünschten Baginsky den in dem Hause wohnenden Stanislaus Lubelka auf dießild- fläche. Kaum wurden die beiden Mord- buben seiner ansichtig, als sie ihn zur Ziel- scheibe ihrer Schüsse machten. Ein Schuß traf Lubelka an der Stirn, glitt aber dort ab, ohne ihn schwer zu verletzen. Damit noch nicht genug, bearbeiteten die Beiden Lubelka noch mit ihren Revolverkolben, ihn schwer verletzend. Auf Lubelka's Hilferufe eilte der im Nachbarhause wohnende Zeitungsexpe- dient I. R. Krull herbei und hielt die beiden Hallunken so lange fest, bis die beiden Poli- zisten Rezensky und Lavin herbeikamen und die Schießbolde einsperrten. Heute standen sie vor Richter Dooley, welcher sie bis zum 30. unter je 51700 Bürgschaft stellte. Nicht weniger als 30 Zeugen sollen in dieser An- gelegenheit vernommen werden, und unter denselben befinden sich die verwegensten Bur- schen der Westseite. Die Detektives des Maxwellstr.-Distrikts hoffen unter denselben einige langgesuchte Bekannte zu finden. Polizeichef Brennan reist morgen früh nach Aurora, Jll., ab, um an der dort ragenden Convenlion der JllinoiserPoli- zeichefs theilzunehmen. Der Zweck der Convention ist die Beralhung über die Frage, wie die Polizei von der Politik losgelöst werden könne.

Search all Chicago, Illinois newspaper archives

Explore other publications from Chicago, Illinois

All newspaper archives for November 26, 1894

Browse
Order a high-quality 18"x24" poster print of the page above.