Order a high-quality 18"x24" poster print of this page. Add to Cart

Abendblatt Newspaper Archives Nov 24 1894, Page 1

Low-resolution version. To view a high quality image

Start Free Trial
Abendblatt (Newspaper) - November 24, 1894, Chicago, Illinoisvon der Illinois Staats-Aeitungs-To. Chicago, Samstag, 24. November 1894. Preis 1 Gent. 47. Jahrgang. Als. 280. Uevevvlirk Und Kurzgefa Btcs. Heute Abend wird's kalt, aber der bleibt klar. Morgen wird's wie- der warm und dabei behalten wir schönes-Wetter. Luftzug ans Westen. Port Arthur, dieses stärkste Bollwerk China's, ist gefallen und die Japaner treuen sich wie die Schneekönige. DieNachricht ist diesmal richtig, denn sie wirddurch unseren Gesandten in China be-stätigt. Die New Borkcr Fondsbörse setzte festan und die Preise gingen um pCt inbie Höhe. Dann aber trat eine weichende Tendenz ein, die den Kurs der North- tveftern Aktien um 1 pCI herabsetzle. Der Weizenmarkt war hier nicht sehrbelebt und die Stimmung eher matt, doch veränderten sich die Preise nur unmerklich.Im Maitermin ging der Preis von 381 auf 38ij hinauf und wieder auf 381 herab.Mais wurde im Maitermin mit (« 481 gehandelt. Hafer ging von 32-s auf 32Z zurück. Schweinefleifch war matt, Januar 12.071<Z12.00, Schmalz 6.9710 0-95, Rippen 6.00. In Omaha bringt die elektrische Bahndrei Menschen den Tod. New Borkcr, Londoner, Bostoncr undPhiladelphiaer Bankiers haben die ganze 50 Millionen-Anleihe gezeichnet und zwar zu einem Kurse, der ihnen noch einen hüb- schen Prosit abwirft. Die vorige Anleihe war mit knapp 181 untergebracht worden, die jetzige mit knapp 16:s. Das ist Car- lisle'sche Finanzkunst. Eine Million Dol- ' lars hat die Erhaltung des Goldes in der Schatzkammer gekostet! Ein recht netter städtischer Beamterscheint der Kessel-Inspektor Pickham zu sein. Zn verschiedenen Zeilen ist aus feine zweifelhafte Amtsführung aufmerksam gc- . macht worden, trotzdem aber hak er cs ver- standen, sich unter der Administration Washburne's, Harrison's und der gegen- wärtigen zu halten. Nach einer Berech- nung des Ex-Comvtrollers Ackerman schul- det er der Stadt 825,000. Es sieht jetzt so aus, als ob man was schon lange Hütte geschehen sollen dem guten Mann ein wenig auf die Finger klopfen werde. Eingezogenen Erkundigungen zufolge ist eine Erhöhung des Kohlenpreises, wel- cher jetzt 86 für die Tonne Hartkohlen be- trägt, im Laute dieser Saison nicht mehr zu befürchten. Die fromme Daily News illustrirt in ihrer heutigen Ausgabe verschiedene „fine Points" in der Kunst, seinen Mitmenschen, das Ebenbild Gottes, regelrecht durchzu- prügeln. Diese Anweisungen finden in Sporlkreisen gewiß ein dankbares Publi- WMm. Samuel Earson, der vor 15 Jahren dem Zuchthause in Jefserson, Mo., entfloh, nachdem er von seiner auf 8 Jahre lautenden Strafe 3 Jahre abgesessen halte, stellte sich gestern Hierselbst freiwillig den Behörden. Er war inzwischen reich ge- worden, hatte einen ehrbaren Lebenswandel geführt, aber das Gewissen ließ ihm keine Ruhe. Hätte doch jeder Verbrecher ein so zartes Gewissen! Tekel,rap in scire NepesLÜen. Schrecklicher Bnhnnnfall. Ein durchgegangener elektrischer Wagen verursacht den Tod von drei Personen. Vier andere schwer verletzt. Durch die Entgleisung eines nnlenkbar gewordenen lektrischen Wagens, die gestern Abend an der Kreuzung einer krummen Straße stattfand, trugen nicht allein der Führer des Wagens und zwei Passagiere tödtliche, sondern auch noch vier andere Passagiere ernstliche Verletzungen davon. Die Namen der tödtlich verletzten Personen sind: A. E. Clark, Führer des elektrischen Wagens, Frau D. A. Harde und A. A. McCoy. Schwer verletzt wurden D. O. Callman, Edward Hayden, I. Bruce und eine unbekannte Frau. Der Zug halte au Harncy Str. ungehal- ten, um zwei Passagiere aufzunehmen, und dann wieder an der Kreuzung der 20. und Farnham Str. Die Bremsen arbeiteten gut, und Alles schien in Ordnung zu sein; bei der letzteren Straßenkreuzung fällt die Straße steil ab, und der elektrische Wagen war käum einen Block weit gegangen, als sich die Schnelligkeit desselben in io bedenk- licher Weise vermehrte, daß schließlich der Führir des Motors dem Zugführer voller Angst miltheilte, daß der Zug durchgehe, und er so schnell als möglich die Hintere Bremse in Thütigkeit setzen solle. Dies geschah, erwies sich aber als nutzlos; mitt- lerweile sauste der Zug mit furchtbarer Schnelligkeit die steile Straße hinunter, sprang an der Kreuzung der Farnham mit der 20. Straße ans dem Geleise, Überschlag sich mehrere Male und blieb schließlich, nachdem er gegen einen Telephonpsosten gerannt war, liegen. Die verletzten Passa- giere wurden sofort aus ihrer bedenklichen Lage befreit und in eine benachbarte Apo- theke gebracht. Clark, McCoy und Frau Harde hatten schreckliche Verletzungen da- .uongetragen und müssen denselben erliegen, während die übrigen vier Personen mit dem Leben davonkommen werden. Die Anleihe genommen. Ein großes Syndikat verschlingt die ganze Lumme und macht ein brillantes Geschäft dabei. Das Hauptangebot für die Anleihe ist von einem Syndikal von Bankiers in New Bork, London, Philadelphia und Boston m-macht worden, und zwar für 50 Millio- nen Dollars zu 116.8898. Unter den Bie- lern befinden sich Drexel, Morgan L Co., die U. S. Trust Co. von New Bork und die großen New Yorker Banken. Die Einnahme von Port Arthur bestätigt. Der Schlüssel zum Golf von Pe- Tschi-Li im Besitze der Japaner. Gien-Tsin und 'Meking be- dvobL, Und das Ende des chinesisch-japanischen Krieges nahe. Bokohama, 24. Nov. Am Mittwoch, den 21. November, ist Port Arthur von den Japanern genommen worden und in Folge dessen herrscht hier- ein ungeheurer Jubel. Der Fall von Port Arthur wurde gestern Nacht von der Assoc. Presse in einer Depesche aus Tschi-Fn ge- meldet; Port Arthur siel nach achlzehn- stündigem Kampfe. Eine Depesche anS Tschi-Fu an die Lon- don Times berichtet, daß der Kampf um Mittag, den 20., begann, und bis Mittwoch Abend, den 21.. dauerte; die japanische Flotte nahm nicht an demselben Theil. ob- gleich die zur Flotte gehörigen Torpedo- boote in Thütigkeit traten, und die Auf- merksamkeit der Forts ans sich zogen, wäh- rend die japanischen Truppen in den Platz cindrangen. London, 24. Nov. Es wird mitgetheilt, daß der Earl von Kimbcrly, der Minister des Auswärtigen, vom britischen Gesandten in Tokio eine kurze Depesche erhalten hat, worin die Ein- nahme von Port Arthur bestätigt wird. Washington, 24. Nov. Das Staatsdepartement har vom Ge- sandten Denby eine Kabeldepesche erhalten, in welcher gesagt wird, daß Port Arthur am 22. v. M. genommen wurde und das Flottendeparlcment hat vom Admiral Car- pcnler, dem Befehlshaber des asiatischen Geschwaders, eine Depesche gleichen In- haltes erhalten. London, 24. Nov. Eine hier ans Shanghai eingetrosscne Depesche theilt mit, daß 23 japanische Torpedobole zu gleicher Zeit in den Hafen von Port Arthur eindrangen, während die japanischen Landtrnppen den Platz von der Landscite ans angrissen und zu derselben Zelt ein heftiges Geschützfener ans die chinesischen Forts eröffnet wurde. Die japanische Infanterie erstürmte eine Schanze nach der anderen und fanden von Seilen der Chinesen nur schwachen Wider- stand. schließlich bemächtigte sich der Chinesen eine Panik und die Japaner warfen Alles vor sich nieder. Eine Depesche an die „Times" aus Shanghai bestätigt dieDepesche der „Times"ans Tschi-Fn, welche gestern Abend aus- schließlich an die assoc. Presse gesandt wurde und worin es heißt, daß sich die japanischen Truppen in Port Arthur wie- der cinschissen. Eine zweite Depesche aus Shanghai sagt, daß die dritte japanische Armee, welche am 20. November Japan verließ, den Beseht erhallen haben soll, Wei Wai anzugreiscn, wo sich ein Theil der chinesischen Flotte be- findet. In der Depesche heißt es weiter, daß der Platz mit Leichtigkeit genommen werden wird, va die dortigen chinesischen Truppen zu Tausenden davonlauscn. Eine gestrige Depesche an die assoc. Presse ans Bokohama sagte, daß einem Gerüchte nach diese Armee nach dem Bang- Tse-Kiang bestimmt sei. Uergraliene Schätze. Bis heute wurden aus dem „Lone Wountain" 850,000 in Gold ausgegraben. Der Ligenthümer verlangt vom Gouverneur Schutz. Middlesb oro, Ky., 24. Nov. Die Aufregung über die wunderbaren Goldsunde in dem zwanzig Meilen von hier entfernten „Lonc Mountain" dauert ungcschwächt fort. Es befinden sich zehn tausend Personen dort, und gestern Abend spät wurden noch 85000 gesunden; dies macht im Ganzen 850,000. John Mc- Eampbell, auf dessen Grundstück sich der Hügel befindet, hat sich um Schutz an den Gouverneur Tnrney gewandt. Ein vielgesuchter Wann. Derselbe scheint es auf Versicherungsgesell- schaften abgesehen zu haben. Des Mo i n es, Ja., 24. Nov. Julius Bnrck, alias Randolph I. Guyal, welcher vor einer Woche in Davcn- port verhaftet und nach Des Moines ge- bracht wurde, um sich gegen eine von der „Metropolitan Insurance Co." erhobene, und ans Schwindel lautende Anklage zu veranlworlen, entpuppt sich als ein Mann, der von den Bebörden verschiedener E-laa- icn gesucht wird. Gestern kam I. E. Hnl- stead ans Topeka, Kan., hier an und iden- tisizirte Bnrek als den Mann, welcher unter dem Namen Gupal die „Phoenix Lise Insurance Eo." um 8900 beschwin- delte. Bnrek hat eine Frau hier, und soll auch noch eine zweite in Chicago haben. Leichte Erdstöße. Dieselben machen sich in der Nähe von New London bemerkbar. NewLondon, Conn., 24. Nov. Gestern Morgen, zwischen acht und nenn Übr, wurden in den Ortschaften Crolon, Mystic, Lynn und Nialic mehrere leichte Erdstöße wahrgenommen. Dieselben waren von einem donnerühnlichen Geräusch be- gleitet. Berichte von angerichtelem Schaden sind bis jetzt noch nicht eingelanfen. Mr verlWiuiW-Bt!M!l>M MMB. Die Uergangenheit der Schwestern Williams. Dieselben möglicher Weise schon vor einem Sahre ermordet. Die angebliche Reise nach Europa. New Orleans, La., 24. Nov. Minnie N. Williams und Nannic Wil- liams, deren Namen mit dem Versiche- rungsschwindler Holmes in Verbindung gebracht werden, waren Nichten des Pfar- res Dr. C. W. Black von hier, welcher der Herausgeber des „Methodist Christian Ad- vocate" ist. Ihr Vater verlor bei einem Eisenbahnnnfall das Leben, und die Mül- ler starb bald daraus. Dies war im Jahre 1872, als die jüngere Schwester Nannte erst ein Jahr alt war. Die Eltern starben arm, und hinterließen den Kindern nichts. Das jüngere Kind blieb bei ihrer Tante in Mississippi, und die Schwester ging nach Dallas zu ihrem Onkel, dem Dr. Williams, der sie adoptirle. Im Jahre 1880 wurde Minnie auf eine Erziehungsanstalt in Boston geschickt, wo sie drei Jahre blieb. Mittlerweile starb ihr Onkel, und hinter- ließ ihr Eigenthum im Wcrlhc von 820,- 000, welches aus Grundbesitz in Fort Worth bestand. Als Minnie von Boston zurückkahm, traf sie in Mississippi ihre Schwester, und beide begaben sich zu ihrem Onkel, den Dr. C.W. Black in Jackson, Miss., wo sie zum ersten Male seit ihrer frühesten Kindheit wieder znsammenlebtcn. Dies war im Jahre 1889; später gingen sie zusammen nach Texas. Nachdem Minnie daraus nochmals nach Boston zurnckgclehrt war, um ihre Studien zu vollenden, begab sie sich im Jahre 1890 nach Denver, wo sie Unterricht gab. Als sie im Jahre 1389 ihren Onkel Black in Jackson, Miss., besuchte, hatte sie das Bild eines jungen Mannes bei sich, den sie in Boston kennen lernte, und Harry Gordon hieß. Sie sprach von ihm als „Harry" und sagte, daß sie ihn sehr gern habe, da er hübsch und reich sei. Im Jahre 1889 ging die ällcre Schwester nach Chicago ; in den Depeschen bieß es, daß sie eine Maschinenschreiberin sei; aber Dr. Black bezweifelte dies, da sie eine gewanoke Rednerin war. Bald nach ihrer Abreise nach Chicago schrieb sie an ihre Schwester, sprach von Harry Gordon und fügte, daß sie ihn heiralhen werde; gleich daraus kam ein anderer Brief, in welchem sie mittheilie, daß sic vcrheirathel sei und Nannie emlud, nach Cbicago zu kommen, um die Welt- ausstellung mitziimachen. Daraus reifte Nannie im Juni von Texas nach Chicago ab. Am 4. Juli 1893 schrieb Nannie an ihre Tante, Frl. Lucy Marshal in Terrh, Miss., folgenden Brief: « No. 1220 Wrightwood Str., Chicago, Jll., 4. Juli, 1893. „Liebe Tante Lucy: ich schrieb Dir von Midlothian, und theilte Dir niit, daß ich hierher reise, habe aber noch nichts von Dir gehört. Ich habe die Ausstellung gründlich miigemachl, und mich vortrefflich amüsirl. Die Schwester, Schwager Harry und ich selbst, reisen mor- gen nach Milwaukee, und werden über die See'n und den St. Lawrence nach Old Orchard Bcach gehen. Dort wollen wir uns zwei Wochen aushalten, und dann nach New Bork reisen, wo ich mich in der Kunst ansbildcn will. Später werden wir über London und Paris nach Deutschland rei-sen. Gefüllt es mir dort, so bleibe ich und mache Kunststndien; andernfalls komme ich zeitig genug nach New Bork zurück, um Dich zu besuchen, ehe ich an die Arbeit gehe. Ich kann kaum begreifen, daß mir dies Alles, wonach ich mich schon so lange gesehnt habe, bcvorsteht. L>chwager Harry sagt, daß Du dich nicht mehr um mich ängstigen sollst, finanziell sowohl als auch in anderen Sachen; er und die Schwester werden sich meiner annchmen. Ich hoffe, daß unsere schlimme Zeit nun zu Ende ist; werde wieder schreiben, so bald ich Zeit dazu finde. Schreib' sofort und adressire den Brief nach Chicago, von wo die Briefe mir zugesandt werden. Deine Dich liebende Nichte Nannie Williams." Im Oktober begann Dr. Black einiger- maßen besorgt zu werden, da er außer jenem Briefe nichts wieder von ihnen gehört hatte; aber da er annahm, daß sie nach Europa gereist seien, so hörte er ans, sich um ihre Sicherheit zu beunruhigen. Als Nannie ans Texas abreiste, geschah dies so eilig, daß ihr der Koffer nach Chicago nachge- schickt werden mußte. Derselbe kam am 0. Juli dort an, ist aber bis jetzt noch nicht vom Bahnhose abgeholt worden, so daß Dr. Black zu dem Schlüsse kommt, daß die Mädchen wahrscheinlich am 5. Juli er- mordet wurden. Wieder Bürger geworden. Der Lrzuchthäusler Ferd. ward in seine bür- gerlichen Rechte wieder eingesetzt. Gencseo, N. N-. 24. Nov. Ferdinand Ward, der Exzuchthäusler, ist vom Gouverneur Flowcr in seineRechte als Bürger wiedereingesctzt worden, und wird jetzt sofort gerichtliche Schritte lhnn, um wieder in den Besitz seines Sohnes zu gelangen, der ihm angeblich widerrechtlich vorenthalten wird. Außerdem will er auch die „Franklin Trust Company" gerichtlich belangen, um gewisse, bei derselben hinter- legte Werthpapiere wieder zu erhallen, deren Auslieferung ihm verweigert wird. Ward hat jetzt eine verantwortliche Stellung im Nachlassenschastsgerichte von Livingston County in Geneseo. Feuerschaden. Ein großer Vorrath von Heu verbrannt. Laporle, Jnd., 24. Nov. Gestern traf hier die Nachricht ein, daß die Gebrüder Hnncheon, welche im süd- lichen Theile dieses Connlies ausgedehnte Ländereien besitzen, durch Feuer 3000 Ton- nen Heu cingebüßt haben. Der dadurch herbcigesührle Schaden betrügt 820,000. MM iW MillUailiksiKll. Gv-Keven irr Uerrexrreia. Eine fehlerhaft geladene Kanone und die Folgen davon. Errichtung einer neuen Aohlensiation. Panama, 24. Nov. Der verfassunggebende Konvent hat Ge- setze für die Gewährleistung der Preßfrei- heit angenommen. .In der Nähe von Tegucigalpa, in Honduras, sind durch das Zerspringen eines fehlerhaft geladenen Ge- schützes zweinndzwasizig Soldaten und Offiziere um'S Leben gekommen. In ver- schiedenen Provinzen von Venezuela sind mehrere Erdstöße wahrgcnommen worden. Die Ortschaft Carache wurde vollständig zerstört, obgleich der Verlust an Menschen- leben nur gering ist. Die Regierung von Nicaragua bat born Island auf fünfzehn Jahre an Lacayo, den früheren Commissär des Mosqnitogcbietcs, verpachtet; derselbe beabsichtigt, auf der Insel eine Kohlenstation zu errichten. Ein schön r Ptan. Ein Denkmal zu Ehren des verstor- benen Astronolnen Proctor, Welches seine Wittwe aus dem Gipfel des San Miguel zu errichten beabsichtigt. San Die g o, Cal., 24. Nov. Es ist jetzt ein Plan im Werke, um auf dem Berge San Miguel, ungefähr achtzehn Meilen von hier, eine Sternwarte mit dem größten Telcseop der Welt zu errichten, eine Sternwarte, an welcher alle civili- sirten Nationen nicht allein ein wissenschaft- liches, sondern auch ein finanzielles In- teresse haben sollen. Der Plan erscheint beim ersten Anblick so großartig, daß er nur in der Einbildung zu beruhen scheint; aber seit mehreren Jahren schon sind da- rüber Unterhandlungen gepflogen, und die- selben sind jetzt so weit gediehen, daß die Sache nicht länger geheim gehalten werden kann. Es war seit Jahren bekannt, daß die Frau des Sir Richard A. Proctor den Wunsch hegte, zu Ehren ihres verstorbenen Galten, welcher während seines Lebens eine Leuchte in der astronomischen Wett war, ein Denkmal zu errichten. Schließlich wählte Frau Proctor aus eigener An- schauung und Erfahrung den Gipfel des San Miguel dazu ans. Von allen civili- sirten Nationen, Regierungen und ein- zelnen Personen sollen Beiträge zur Errich- tung desselben erbeten Werden, ebenso wie für die spatere Unterhaltung desselben. Die praktischen Gründe der Frau Proctor zur Wahl des San Miguel sind die bemerkens- wcrlhe Klarheit der Atmosphäre, die Ab- wesenheit aller Nebel und die nnüber- lrosscne Menge von wolkenlosen Tagen und Nächten. Es wird ans das Bestimm- teste behauptet, daß nirgendwo ans der ganzen Erde ähnliche günstige Bedingungen zu erlangen sind. Don Heuern nusgelirochen. Waldbrände richten wiederum große Verheerungen an. Zehn Wohnhäuser und anderes Ligenthum zerstört. P a m a, Jll., 24. Nov. Die Waldbrände in den Niederungen am Flusse Okaw, südöstlich von hier, sind von Neuem ausgebrochen und wüthen ärger als je. Den Saaten und den Wiesen ist schwerer Schaden zngcfügt worden, da das Feuer über mehrere tausend Acker gegan- gen ist. Es sind bereits zehn Wolinhänscr niedergcbrannt, eine Menge Vieh hat Ver- letzungen davongelragen, und es scheint, als ob dem Feuer kein Einhalt gethan werden kann. Die Ansiedler in den Niederungen haben sich um Hülse an die benachbarten Ortschaften gewandt. Es waren Zwillinge. Der eine wurde hundert Fuß unter der Erde geboren, während der andere auf der Mberstäche das Licht der Welt ervlick'te. Belleville, Jll., 24. Nov. Ein ebenso wunderbarer, wie seltener Vorfall hat sich in und bei der Lenz'schen Kohlengrube, in der Nähe von Belleville, ereignet. Der Kohlengräber JohnSchmidt war hundert Fuß unter der Oberfläche an der Arbeit; er hatte seine regelmäßige Zeit gearbeitet und sollte nin Mittag von einer anderen Schicht abgelöst werden. Da die Eigenlhümer der Grube aber mit ihren Allstrügen im Rückstand waren, so beschloß Schmidt mit noch anderen Arbeitern, über die Zeit zu arbeiten, lind ließ seiner Frau sagen, ihm sein Mittagsessen zu schicken. Diese packle einen Korb voll Eßwaaren und machte sich damit ans den Weg nach der ziemlich entfernt liegenden Grube. Dort angekommen, beschloß sie, in den Schacht hinunter zu sabren, wie sie schon häufig getban halte, um mit ihrem Galten zu sprechen. Sie kam auch glücklich unten an, aber das Nächste war, daß sie gleich darauf einem strammen Jungen das Leben gab. Die Grubenarbeiter mit ihren ge- schwärzten Gesichtern und den Lampen an ihren Mützen, nahmen sich natürlich der Mutter und des kleinen Weltbürgers nach besten Kräften an, und sehr bald befanden diese sich wieder an der Oberfläche. Dort wurde nach einem Wagen und einem Dok- tor gesandt, um die Reise nach Hause an- zutrelen. Aber cbe der Wagen oder der Doktor zur Stelle war, erschien noch ein Brüderchen des in der Unterwelt geborenen Jungen, und dann erst ging es nach Hanse. Wie der Doktor sagt, befinden sich Mutter und Zwillinge den Umstünden nach äußerst wohl. Der Künstler Joseph Hoffman». Aus dem früheren Wunderknaben ist ein vollendeter Künstler geworden. Paderewski's polnische Fantasie mitGrchester- begleitung. London, 24. Nov. Joseph Hoffmann ist während der Sai-son nur ein rindiges Mal vor die Oesfent- lichkeit getreten, und zwar am letzten Dienstag in St. James Hall. Das Con- zert war recht gut besucht, erregte aber kein besonderes Aussehen. Hoffmann ist jetzt ein erwachsener Jüngling, und sieht Oskar- Wilde ähnlich. Sein Spiel war eine künstlerische Leistung, und die besten Kri- tiker stimmen darin überein, daß sich aus dem Wunderkinds ein vollendeter Künstler entwickelt hat. Der „Globc" äußert sich über Hofsmanns künstlerisches Talent folgendermaßen: „Gegenwärtig mangelt es ihm noch an Er-fahrung und Selbstbewußtsein, aber in an- derer Beziehung kann er den Vergleich mit den besten Künstlern Europa's aushallen." Padercwski hat für die letzten Wochen des Februar Arrangements für eine Reihe von Conzerten in Dresden, Leipzig und Wien, in welchen seine polnische Fantasie mit Orchcsterbcglcitung zur Ausführung kommen soll. Später hängt es dann von seinem Gesundheitszustand ab, ob er wäh- rend des kommenden Sommers noch wei- tere Arbeiten übernehmen wird. Augen- blicklich beschäftigt er sich ausschließlich mit Compofitionen. Aufstand gegen die Türken. Derselbe soll in van, der Scene der kürzlichen Metzeleien, ausgebrochen sein. Constant inop e l, 24. Nov. Von Vau, in Armenien, wo die kürz- lichen Metzeleien statlsauden, wird ein Aufstand gegen die türkische Herrschaft be- richtet. Derselbe wird dem Umstande zu- geschricben, daß es die Pforte versäumte, die armenische Nationalversammlung zur Wahl eines neuen Patriarchen an Stelle von Achikiam einznbcrufen, welcher sein Amt wegen einer Meinungsverschiedenheit mit der türkischen Regierung niederlegte. Auch die Patriarchen Locum und Tenes haben resignirt. Schiffsnachrichten. New Bork: Slavonia von Stettin, Saale von Bremen. Städtisches. Das Wetter. Optiker K l e i n e, 76 Washington Str., berichtet für Chicago die folgenden Baro- meter- und Thecmometerstündr: Um 8 Uhr Morg. 40 Gr., um 9 Uhr 40 Gr., um 10 Uhr 38 Gr., um 11 Uhr 38 Gr., um 12 Übr 40 Gr. Barometerstand um 8 Uhr Morg. 29.55, 12 Uhr 29.50. Die Lrerar-Bibiiothek. Der Verwaltungsrath der Crerar-Biblio- tbek war gestern Abend in der Privalwoh- nung des Herrn Marshall Field, No. 1905 Prairie Ave. in Sitzung zusammen. Die Herren Norman Williams und H. W. Jackson unterbreiteten der Versammlung einen Bericht, in welchem sic darauf hin- wiesen, daß in Chicago 20 große Biblio- theken bestehen. Der Bericht empfiehlt, daß für die neue Bibliothek ein Feld aus- gewählt werde, das von den anderen Bibliotheken noch nicht gedeckt sei, und er empfiehlt, daß z.'B. die Bibliothek beson- ders mit groyen Nachschlagewerken ver- sehen werden solle. Als Platz für die Bibliothek sei in dem Testament Crerars ausdrücklich die Südseite bestimmt worden. Der Bibliothek stehe die Summe von nahezu 82,500,000 zur Verfügung, so daß die Mittel zu einer guten, gediegenen Bibliothek vorhanden seien. Die Empfeh- lung des Berichtes, daß ein Füufcraus- schuß angewiesen werde, Vorschläge für den Charakter und den Inhalt der Bibliothek zu unterbreiten, wurde gutgehcißen, und die Herren Norman Williams, T. B. Blackstone, John M. Clerk, Edward G. Mason und H. W. Jackson wurden zu Mitgliedern dieses Comiles ernannt, das in einer noch einzubcrusenden Sitzung des Verwaltungsrathes berichteil soll. l E ln 2 e s a n d t.) Dank des Turnvereins Vorwärts. Der Turnverein Vorwärts fühlt sich verpflichtet, allen Denen, die zu dem herr- lichen Erfolg beigelragen haben, den der- selbe bei seiner letzten großen „Fair" zu verzeichnen hatte, hiermit seinen besten Dank abzustatten. Der Verein wird forl- fahrcn, immer neue Beweise dafür zu bringen, daß er eine solche Unterstützung verdient, indem er nie aushören wird, be- ständige Opfer zu bringen für das hohe Ziel, welches sich die Turnerci gesteckt hat. Er wird immerwährend und unentwegt sein Bestes versuchen, die Erziehung von körperlich kräftigen, und geistig gesunden Menschen fördern zu helfen. Achtungsvoll Das Fair-Comite des Turnverein Vorwärts. Aus dem Dieust gejagt. Polizist Blake von der Grand Crossing- Station wurde gestern Abend nicht nur aus dem Polizcidienst entlassen, sondern auch wegen eines angeblich von ihm verübten Angriffs mit der Absicht zu lödtcu, in einer Zelle cingesperrt. Am Dienstag Abend wurde er vom Polizisten Ryan verhaftet, als er mit einigen Anderen diesen angriff. Gestern Nachmittag sing er in der Schank- wirthschast von I. S. Huranka, 4501 Ashland Ave., Krakehl an, zog schließlich seinen Revolver und schoß auf Huranka. Glücklicherweise gingen die Schüsse fehl. Als man Blake kurze Zeit daraus verhaftete, war er so betrunken, daß er in einem Patrolwagcn nach der Station gebracht werden mußte. Jugendliche Einbrecher. Erbeuten zwei „Safe"-Sparkassen. Edward Clark, welcher bei einem Ein- bruch in die Wohnung von C. W. Robin-son, No. 300 Chicago Ave., abgcsaßt wurde, steht vorläufig nach der heute Mor- gen erfolgten Verfügung des Richter Whee- ler im Polizeigericht der Nordseite unter 81000 Bürgschaft. Die Verhandlung wurde verschoben, um das nöthige Beweis- material zu sammeln. Gestern Abend drangen zwei junge Bur- schen in die Wohnung von Karl I. Foß- burg, No. 250 Division Str. mit Hülse eines Dietrichs. Die Burschen raubten dort zwei kleine gußeiserne „Safes", in welchen Foßburg's Kinder ihre Ersparnisse sammelten. Als die beiden Jungen aus dem Haus kamen, bemerkte sie ein Polizist und eilte herzu. Einer derBurschen warf den kleinen gußeisernen Geldschrank gegen eine Hausmauer, so daß er zerbrach. Wil- liam Curran wurde jedoch eingeholt und verhaftet. Herr Foßburg bezeugte, daß sich in der dcmolirten Sparkasse 88.00 befan- den, welche von dem Polizisten auch gesun- den wurden. Außerdem hatte Curran eine goldene Brochc, die ebenfalls aus der Woh- nung des Klägers geraubt war, in seinem Besitz. Curran wurde unter 8500 Bürg- schaft dem Eriminalgericht überwiesen. Sein Genosse war entkommen. Eine böse Geschichte. In einer heutigen Morgenzeitung er- schien ein Artikel, in dem gesagt wurde, daß am vergangenen Mittwoch ein Detektiv der Central-Slation von einem Gast des Great Northern-Hotels eine Summe Gel- des durch die Drohung erpreßt zu haben, > daß er ihn verhaften würde, wenn er ihm nicht §25 gäbe. Ein Berichterstatter des „Abendblatt" fragte heule Morgen den Jnspeclor Shea, ob an der Sache etwas Wahres sei und der Beamte antwortete: „Ich fange an, zu glauben, daß cs sich so verhallen hat und glaube auch zu wissen, wer von meinen Leuten der Schuldige war. Ich habe Herrn Eden, den Besitzer des Hotels ersucht, hier- hcrzukommen und mir den Betreffenden zu zeigen. Ist er dazu im Stande, wie er behauptet,so gebe ich Ihnen die Versicherung, daß ich den Schuldigen nicht nur sofort entlassen, sondern auch dafür sorgen werde, daß er wegen Erpressung bestraft wird. Der Krieg gegen die Spielhöllen. D. K. Tenny, der Vorsitzende des Anti- Spielhöllen-Comites der Civic-Federation, hat gestern an den Manor ein Schreiben gerichtet, daß er zugleich der Presse zur Veröffentlichung übergeben bat. In die-sem Schreiben macht Herr Tenny den Mayor darauf aufmerksam, daß es nicht genügend sei, daß die Spielhöllen geschlos- sen werden, sondern daß cs erforderlich sei, daß die Spielgerälhschaflen zerstört werden, damit dieselben nicht nach einem anderen Lokale geschasst werden können, und überhaupt radikaler gegen die Spiel- höllen vorgegangen werden müsse. Herr Tenny constatirt ferner, daß er am 10. November dem Mayor eine Liste von 130 Spielhöllen, sowie eine Liste von chinesischen Spielspclunken und Lolterie- buden zugcstelll habe, und daß der Mayor ihm erklärt habe, daß seil dem 21. Sep- tember in Chicago öffentlich kein Glücks- spiel betrieben wurde. Diese Erklärung sei aber nicht zutreffend, denn die Spiel- höllen seien noch keineswegs ganz ausge- rottet. Der Schreiber spricht schließlich in dem Briefe die Hoffnung aus, daß der Mayor den Kampf gegen die Spielhöllen energi- scher als bisher fortsehen werde. Entrüstete Apotheker. Im Comitezimmer des Sherman House waren gestern Nachmittag fast sämmUiche Mitglieder des Chicago'er Apotheker-Ver- eins lChicago Relail Druggists Association) versammelt, um Vertheidigungsmaßregeln gegen die in der letzten Zeit gegen eine An- zahl Apotheker der Westseite wegen angeb- licher Ucbertretnng des sogenannten Dram- shop-Gesetzes erhobenen Anklagen zu treffen. Den Vorsitz in der Versammlung führte Herr T. V. Wooten, der Präsident des Apotheker-Verbandes, Herr Wooten machte geltend, daß den gegen die Apotheker an- hängig gemachten Anklagen offenbar nur Erpressungsversuche zu Grunde liegen, da bisher noch kein ernster Versuch gemacht worden sei, die Anklagen zu betreiben, und noch m jedem Falle ein Vergleich ans Grund der Zahlung der Kosten des Ver- fahrens habe erzielt werden können. Bei der Discussion der Angelegenheit be- tonte Herr Louis L. Bonheim die Noth- wendigkeit der Ernennung eines Comiles, das mit genügenden Geldmitteln versehen werden sollte, um gegen die Verfolger in den Gerichten energisch vorzugeben. Auf Antrag des Herrn Thumser wurden die Herren Arthur S. Bishop, L. M. Bon- bcim und Louis Lehmann zu einem Comile ernannt, das Anwälte zur Verlheidigung der angeklaglcn Apotheker engagiren soll. Unterbrochener Prozeß. Die Verhandlungen des von der Stadt gegen die Illinois Central Bahngesellschast anhängig gemachten Prozesses, um die letztere zu zwingen, ihre Drehkreuze an den verschiedenen Stationen zu entfernen, wer- den eine unliebsame Unterbrechung da- durch erfahren, daß Richter Ewing zum Dienst im Eriminalgericht für den nächsten Monat assignirl worden ist. Corpora- tionsanwalt Palmer will den Versuch machen, Arrangements zu veranlassen, daß Richter Ewing dennoch die Verhandlungen des für die Stadl sehr wichtigen Prozesses zu Ende führen kann. Apollo-Theater. Im Apollo-Theater, Ecke Blue Island Ave. und 12. Straße, kommt morgen Abend das vorzügliche Stück: „Rose Michel," oder „Unschuldig verurrheilt" zur Ausführung. Direktor M. Hahn hat in Bezug auf Besetzung der Rollen und Aus- irattung sich besondere Mübe gegeben, die sicher einen durchschlagenden Erfolg zur Folge haben wird. Aus dem Eriminalgericht. Der Prozeß gegen Vaclav Respe. Heute Morgen berief Vertheidiger S. H. Trude den Angeklagten Vaclav alias James Nespe auf den Zeugenstand. Respe erschoß August in seiner Wohnung No. 7825 Stormes Ave. in Süd-Chicago den Hausbewohner John Sladck. Aus dem Zimmer derRcspe-Familie drang ein lautes Gezänk und die Frau Nespe ries um Hülse. Sladek klopfte nach dem Zeugnis des Angeklagten an die Thür der Respe'- schen Wohnung. Nespe hielt die Thür zu und erklärte, daß Sladek nicht hereinkom- men, sondern sich um seine eigene Familie bekümmern solle. Sladek öffnete schließ- lich doch die Tbür und es kam zu einem Ringen um den Revolver, welchen Respe hervorgezogen hatte. Ein Schuß siel und Sladek sank in den Unterleib getroffen zu Boden. Respe erklärte, daß er die Waffe nicht abgcdrückt habe und er wisse nicht, auf welche Weise sich der Schuß entlud. Diese Verlheidigung schien keinen besonde- ren Eindruck aus die Geschworenen zu ma- chen. Gemilderte Urtbeile. Nicht immer wird im Eriminalgericht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Wenn ein höheres Zuchthaus-Urtheil ge- fallt wird, dann pflegen die Vertheidiger in der Regel um Milde nachzusuchen undin vielen Fällen mit Erfolg. So hob Richter Brentano heute Morgen das aus vier Jahre Zuchthaus lautende Urtheil gegen W. B. Cowing aus. Der Angeklagte war überführt, von der Klä- gerin ein Paar Ohrringe im Wcrthe von 8250 als Sicherheit für den Ankauf eines möblirtcn Flats No. 80 S. Eenrre Str. erhalten zu haben. Als sich die Käuferin wiederum nach dem Flat begab, um das Geld abzuliefern, war Cowing mit den Diamanten verschwunden. Richter Bren- tano setzte das Urtheil aus 18 Monate Correclionshaus herab. Malt Johnson, jener Canalarbeiter, welcher nach dem Befinden der Geschwore- nen vor Richter Dünne ohne jede Heraus- forderung einen Arbeitscollcgen mir einem Felsstück erschlug und zehn Jahre Zucht- haus erhielt, hat seine Freunde in Bewegung gesetzt, um Richter Dünne zu überzeugen, daß das Bcwcismaterial gegen ihn nicht den wahren Thalsachen entsprach. John-son wirb jedenfalls eine bedeutende Mil- derung des Unheils erhalten. Elizabeth MeLanc und Harro Roß, welche wegen Diebstahls zu je ein Jahr Zuchthaus vcrurtbeilt wurden, ließ Richter Dünne mit Milderen Strafen los. Eliza- beth wird drei Monate un Countygefängniß weilen und Roß gebt aus sechs Monate nach dem Correclionshaus. Silvia Niauana, welcher einem Wirtin schastsbesitzer einen falschen Hunderdollars- schein aufhängte, erhielt fünf Jahre Zucht- haus. Zum Schars Herlitz-Fall. Vor Richter Brentano erschienen heute Morgen der Feuerversicherungs-Inspektor Comie und Inspektor Conwap für die städtische Feuerwehr und befragten Richter Brentano, ob er einige weitere gegen Schars und Genossen noch anhängige Anklagen verhandeln würde. Der Richter erwiderte, daß die Fälle den regelmäßigen Laut im Kalender nehmen müßten. Der Aufent- halt von Hanmann und Wagner, zwei der Mitangeklagten, welche seiner Zeit nicht ge- funden wurden, soll der Polizei jetzt be- kannt sein. Erhält einen neuen Prozeß. Richter Cbetlain bewilligte heute Mor- gen den von Anwalt Kikham Scanlan für seinen Clienten John Burke gestellten An- trag, daß Burke sein Schuldbekenntnis, welches aus Todtschlag lautete, zurückzog und vor Geschworenen von Neuem pro- zessier werden wird. Der Fall ist ein höchst merkwürdiger; Richter Chctlain hatte das Zeugenmaicrial in dem Mord-Prozeß gegen John Burke angehört, den Angeklagten der Ermordung des Schankkellners David Boiarki schuldig befunden und die Thal als einen brutalen Mord characterisirt. Er verhängte eine Strafe von 30 Jahre Zuchthaus über den Schuldig Befundenen. W'.e eben angeden- let ist, hob der Richter sein eigenes Urtheil heute aus. aus seine Frau. Der Wirth R. E. Churchhill No. 337 Dearborn Str., machte in der verflossenen Nacht den Versuch, eine Meinungsverschie- denheit mit seiner Frau durch den Revolver auszugleichcn. Er feuerte, während sie hinter dein Zahllisch stand, drei Schüsseaus sic ab und einer derselben traf ihre Schläfe, der andere die rechte Schulter. Die Verwundete wurde nach dem Mercy- Hospital gebracht, wo die Aerzic erklärten, daß eine Genesung wahrscheinlich sei. Der Schicßbold sitzt. Schadenfeuer. Heute Morgen um halb zwei Uhr brach in dem zweistöckigen Holzhaus 447—!49 N. Clark Str. ein Feuer aus, welches dein Waarenlager des Cigarrcnhändlers W. Vorhauer, 449 N. Clarkstr., einen Schaden von 8500 zufüglc, das Gebäude um 81000 schädigte, in der Wirthschait von Thomas Burke einen Verlust von 8100 und an dem benachbarten Bäckergeschäsl einen solchen von 8200 verursachte. Geriet!) unter ein Fuhrwerk. Um halb sechs Uhr heule Morgen stieg das 18jährige Frl. Mertel von einem Ka- bclbahnwagen der Lincoln Ave. Als sie nach dem Seitenweg schritt, wurde sie plötzlich von einem Fuhrwerk niederge- rannt. Der Kutscher desselben war Henry Kiefer, 242 Nosworth Str.; die Räder gingen der jungen Dame über das rechte Bein. Sie wurde nach ihrer Wohnung, 738 Lincoln Ave., befördert. Viehmarkt. Schweine sind guter Qualität und ! theurer, thcils billiger. Schwere brachten j 4.40(5t4.75, leichte 3.75(aZ.25, durchcin- ! ander 4.10(a 4.00. Rindvieh und Schafe fest. Zusabr 21,000 Schweine, 8000 Stück I Rindvieh, 1000 Schafe.

Search all Chicago, Illinois newspaper archives

Explore other publications from Chicago, Illinois

All newspaper archives for November 24, 1894

Browse
Order a high-quality 18"x24" poster print of the page above.