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Abendblatt Newspaper Archives Nov 23 1894, Page 1

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Abendblatt (Newspaper) - November 23, 1894, Chicago, IllinoisHeransgezeben von der Illinois Staats-Zeitungs-Lo. - Lhicago, Freitag, 23. November 1894. Preis 1 Lent. 47. Jahrgang. No. 279. Ulevevvlick Und Kurzgefaßtes. Auch heule hält das schöne WetterNoch an, morgen wird's zwar kalt, bleibtaber klar. Luftzug aus Westen. Auf der New Porter Effektenbörsesind heule früh die Preise etwas zurückge- Sangen und zwar „Zucker" um 1 (dann wieder um Hc. gestiegen), „Cordage" um H Cent und „Manhattan" und „lowa Central" um ö Cent. Um zehn Uhr wich „Zucker" wieder um K Cent, doch festigte sich dann die Stimmung und „Pullman" gingen um 1 Cent, „Manhattan" um 1, „Northwestern" und „St. Paul" um Z Cent in die Höhe. Gegen Mittag war der Markt fest, doch wurde nur wenig umge- setzt. '— Ein Eisenbahnkrieg ist in Sicht. Die Rock Island Bahn und die Burlington «L Duincy haben ihre Fahrpreise zwischenKansas City und Chicago um ein Viertel herabgesetzt und die Wabash-Bahn ist dem Beispiel mit einer Preisermäßigung auf 5 Dollars zwischen St. Louis und Kansas City für die Hin- und Herfahrt gefolgt und der Wabash-Bahn wird's die Missouri Pacific-Bahn nachmachen. Gegen den Polizeirichter Divver in New Pork wurde im dortigen Common Plea-Gericht von 5 Grundbesitzern ein Ab- setzungsverfahren wegen Amtsmißbrauchs, Bestechung zum Zweck der Wahlfälschung und heimlichen Einverständnisses mit Bauernfängern, angestrengt. Präsident Clevctand leidet am Poda- gra und einer Fußverstauchung, und hat deshalb auch heute keine Kabinctssitzung abgehalten. Die Wcizenpreise sind heute aus der Börse im Maitermin von 581 auf 1 zurück- gegangen ; Mais ist per Mai von 48ij ans 2 gewichen und per Dezember von 48l ans 47H. Hafer ist matt und brachte Mai Schweinefleisch ging im Januartermin auf 11.95 zurück, Schmalz aus 6.90, Rippchen auf 5.971. General Booih von der Heilsarmeebeklagte sich gestern Abend im Auditorium darüber, daß er in Deutschland und Frank- reich keine besonderen Fortschritte machen könne. In Deutschland seien die Polizei- Vorschriften zu strenge und in Frankreich fürchte man, sich lächerlich zu machen. In Amerika und England ist weder das Erstere der Fall, noch fürchtet man Letzteres. Wenn die verschiedenen Zeugen, welche gegen O'Malley auszulreten haben, sich so benehmen, wie der Grieche Varalos, dann wird der Herr Senator aus seinem Trubel wie ein unschuldiges Opferlamm hervorgehen. Ein Mensch, NamenS A. H. Toole, hat dem Wirth Thomas Hart mit seinen Zähnen buchstäblich ein Ohr vom Kopf ge- rissen. Er sollte nach den Kannibalen der Südseeinseln geschickt werden. Telegraph Icke Depescken. Der Afrikaforscher Holub. Derselbe kommt auf besondere Einladung nach Rom. NcwPork, 23. Nov. Dr. Emil Holub, der österreichisch-un- garische Afrikareisende, ist mit dem Dam- pfer „Rhaetia" hier angekommen. Er kommt in Folge einer Einladung des Smithsonian-Jnstitutes und der Geogra- phischen Gesellschaft, und hat eine bedeu- tende Sammlung der Flora und Fauna des dunklen Erdtheilcs, sowie eine Menge Photographieen nnd Zeichnungen von Ein- geborenen der verschiedenen Stämme, die er während einer Reise von 3000 Meilen durch den ganzen Kontinent vom Norden bis zum Süden besuchte, mitgebracht. Dr. Holub ging in seinem 25.Jahre nach Afrika und von 1872 bis 1879 bereiste er einen großen Theil des Landes. Im Jahre 1880 kam er nach Europa zurück, wurde nach Wien eingeladen und dem Kaiser vor- gestellt. Im Jahre 1887 kehrte er nach Afrika zurück; in Begleitung seiner Frau, sechs österreichischen Offizieren, zwanzig schwarzen Dienern und 120 Trägern drang er vom Kap der guten Hoffnung nach dem Norden vor und kam nach fast zwei Jahren im nördlichsten Theile deS Reiches der Ma- schukulmmbe an. Durch diese Forschungs- reise bcreilcle er die Pläne England's zu Kolonisation der Gebiete der Maruthes, Maschnkuhumbc's und Matoka's vor. Von seiner zweiten und längsten Reise, von 1886 bis 1890, spricht der Doktor in begei- sterter Weise. Der nördlichste von ihm er- reichte Punkt war das von ihm sogenannte Franz Josephs-Gebirge, welches vorher nur von arabischen Elsenbeinhändlern besucht worden war. Beinahe todtgeschlagen. Ein Hülfsskcriff von einem Gefangenen bei- nahe ermordet. Freeport, Jll., 23. Nov. Gestern morgen wurde der Hülsssheriss Henry Silk von George Kirkwood, einem Gefangenen des Eonnlygefängnisses, ange- griffen und beinahe ermordet. Kirkwood befand sich unter der Anklage des Dieb- stahls Gefängnisse und sein Prozeß sollte im Dezember zur Verhandlung kom- men; mit ihm im Gefängnisse befand sich ein elfjähriger Junge, Namens Louis Ewe, den Kirkwood auf das Scheußlichste zumißhandeln pflegte. Als der Hülsssheriss Silk gestern Morgen den Jungen schreien hörte, war Kirkwood gerade wieder dabei, den Jungen zu prügeln; als er Silk's Be- fehl, den Jungen in Ruhe zu lassen, nicht befolgte, beschloß Silk, den rohen Patron in Einzelhaft zu bringen, und öffnete die Zelle. Kaum aber hatte er dieselbe betre- ten, als er von Kirkwood mit einem Back- stein niedergeschlagen wurde. Kirkwood wollte sich gerade auf Sitk stürzen, um ihn vollends lodl zn schlagen, als der Sheriff McNamara herbeieille, nnd Kirkwood mit gezogenem Revolver in Schach hielt, bis weitere Hülse zur Hand war und der Kerl, welcher verzweifelten Widerstand leistete, endlich überwältigt wurde. Air ilrille jiMilWe Armee. Dieselbe auf Transportschiffen heute abgegangen. Das Gebiet des tzcing-Tse-Kiang wahrscheinlich das Operations- feld derselben. Die wichtige Stadt Nanking bedroht. Nokohama, 23. Nov. Der Finanzminister hat die Bekannt- machung erlassen, daß eine weitere Kriegs- anleihe von 50,000,000 Pen, von der vom Parlamente autborisirten Anleihe von 100,000,000 Den, für Kriegszwecke ausge- nommen werden wird. Die dritte Armee ist auf Transport- schiffen von Ujinao abgegangen. Die Be- stimmung derselben ist nicht bekannt, aber Vom japanisch-chinesischen Kriege. Zur Verdeutlichung der Operationen der Japaner findet der Leser hier zwei Karten, eine größere, welche das ganze Gebiet des augenblicklichen Kriegsschauplatzes darstelll. und eine kleinere, welche die Thätigkeil vor Port Arthur speziell veranschaulicht. Auf der größeren Karte sieht man links unten den chinesischen Kriegshafen Weihai- wei, wohin sich die chinesische Flotte nach der Schlacht am Palu zurückzog, nebst dem wichtigen Handelshafen Chefoo oder Tsche fu, links in der Mitte, den Eingang zum Golf von Pctschili beherrschend, Port Ar- thur, in dessen Besitz sich zu setzen die Ja- paner jetzt die riesigsten Anstrengungen es heißt, daß ihr das Gebiet des Uang- Tse-Kiaug in China als Operationsfeld angewiesen ist. Der Fluß Pang-Tse-Kiaug hat eine Länge von 2500 bis 3000 Meilen, und bewässert mit seinen zahlreichen Nebenflüssen die sümmtlichcn mittleren Provinzen Chinas. Die Fiuth erstreckt sich bis zum See Poyang. 450 Meilen von der Mündung, und der Fluß ist aus 200 Meilen von seiner Mündung für die größ- ten Fahrzeuge schiffbar. Kohlen sind im Uebersluß den Ufern entlang vorbanden, und etwa 90 Meilen von der Mündung liegt Nanking, die südliche Hauptstadt Chinas, eine der wichtigsten Städte des Reiches. Hanking ist der Mittelpunkt eines aus- gedehnten Handels nnd steht vermittelst des großen Canales, welcher den Pang-Tse- Kiang etwa 50 Meilen östlich von der Stadt kreuzt, in direkter Verbindung mit Peking. Außerdem ist Hanking die Resi- denz eines Vicekönigs, welcher die Provinz Klang beherrsch!; der Pang-Tse-Kiang ist bei Hanking anderthalb Meilen breit und 25 Faden lief. Der von den Mandschn's bewohnte Stadttbeil ist von der chinesischen Stadt durch eine Mauer getrennt, und durch die Ausdehnung derselben wird die Vertheidigung der Stadt erschwert. Außer- dem wird es auf der Ostseite von Hügeln beherrscht, auf der Westseite erstreckt sich ein tiefer Canal vom Flusse aus bis dicht an die Mauern von Hanking, wodurch die Vertheidigung von dieser Seite aus ver- stärkt wird. Auf der Ostseite befinden sich drei Thore; das Land nach oem Flusse hin ist sumpfig und die nach den Thoren führenden Stra- ßen sind gepflastert. Das bcmerkcnSwer- theste Bauwerk in Nanking war der Por- zellanthurm, welcher in den Jahren 1411 bis 32 erbaut wurde uns alle anderen ähn- lichen Gebäude au Größe und Schönheit übertraf. Der Thurm hatte eine acht- eckige Form und war 261 Fuß hoch. Im Inneren befanden sich reich ausgeschmückte und vergoldete Räume; als Baumaterial hatte eine Art weißer, aus Porzellanerde hergestellter Backstein gedient. Die Bau- kosten sollen von 35 bis 40 Millionen Dollars betragen haben. Dieser prächtige Thurm wurde von den Taipings zerstört, welche Nanking von 1853—64 besetzt hatten. Die Stadt hal bedeutende Fabriken von Seidenwaaren, Atlas, Papier, künstlichen Blumen, chinesische Tusche, und hat dem unter dem Namen. „Nanking" bekannten Baumwollenzcug, welches in der ganzen Provinz angeserligt wird, den Namen ge- geben. Im Jahre 1842 lagen die britischen Truppen vom 10. bis zum 29. August vorNanking, an welchem letzteren Tage der Vertrag zwischen China und England ab- geschlossen wurde. Im Jahre 1853 nah- men die Taipings Nanking mit Sturm und machten es zn ihrer Hauptstadt, bis es im Jahre 1864 von den kaiserlichenTruppen zurückerobert wurde. Nanking ist außerdem auch einer der Verlragshäfen. Im Llend verkommen. Ihr Gatte aber wälzte sich mittlerweile im Golde. Vanco u b er, B. C., 23. Nov. Kürzlich starb Frau Marcus Cox, die Gattin eines Geizhalses, und wie heißt, war ihr Tod die Folge von Vernachlässig- ung und Hunger. Ein Mann, welcher zum Besuche in das Haus kam, fand sie auf bloßen Brettern vor, während ihr Galle im nächsten Zimmer Goldmünzen zählte. Cor wird unter der Anklage durchNachlässigkeit und Grausamkeit den Tod seiner Frau verursacht zu haben, in An- klagestand versetzt werden. machen, rechts oben die Küste von Korea mit der Palumündung, vor der am 17. September die Seeschlacht stattfand. Der schwarze Streifen aus dem Fcstlande be- zeichnet das allmähliche Vorrücken der ja- panischeil Landarmee, die Kämpfe um Wiju, den Uebcrgang der Japaner über den Ualu, die Schlacht von Kiulien und das Abdrängen der Chinesen von derSlraße nach Mukden südlich nach Antnng, nahe der Palu-Mündung; ferner die Straße nach Mukden, endlich das Vorrücken der japanischenFlotte und des zn Schiss trans- portirten japanischen Heeres, nachdem sich die Japaner auf der Insel Hai-yan-lao eine Operalionsbasis geschaffen halten. Leere Gerüchte. vorläufig noch kein Nachfolger des Ablegaten Satolli ernannt. Rom, 23. Nov. Betreffs des hier in Umlauf gesetzten Ge- rüchtes, daß Msgr. Lorenzelli, der päpst- liche Nuntius in Holland, zum Nachfolger des Ablegalen Satolli ernannt werden soll, heißt es, daß dasselbe aller Begrün- dung entbehrt. Aus guter Quelle wird berichtet, daß der Pfarrer Rooker, der Vice-Rektor des amerikanischen Colleges in Rom, als Nachfolger des Pfarrers Papi, zum Scklretär des päpstlichen Ablcgalcn in WLyington ernannt werden wird. Line Reise auf Umwegen. Furchtbare Stürme am Lap Horn zwangen , den Lapitän, einen östlichen Rurs einzu- ' schlagen um sein Ziel zu erreichen. San Diego, Cal., 23. Nov. Das britische Schiff „Harland," welches am Dienstag von London anlam, war mit dem amerikanischen Schisse „Sterling," Capl. Weldon, von Philadelphia nach die-sem Hasen bestimmt, znsammengetrossen. Beide Schisse halten am Cap Horn furcht-bare Stürme zu bestehen, durch welche der „Sterling" gezwungen wurde, zurückzu- segeln und nach den Faikland Inseln zu gehen, um seine Segel auszubesscrn. Der . „Harland" gab nach einem verzweifelten ! Kampfe mit den am Cap Horn wülyenden Stürmen den Versuch auf, aus diesem ! Wege sein Ziel zu erreichen, wandte sichöstlich, kreuzte den südatlamischen Ocean, i passirte das Kap der guten Hoffnung, und die zwischen Tasmanien und Ncu-Secland ! durehführende Straße, und gelangte, nach- idem er den Stillen Ocean durchsegelt hatte, endlich an sein Ziel. Die ungeheuere Strecke wurde in 183 Tagen zurückgelegt. Fährboot beschädigt, vier Passagiere unbedeutend verletzt. New York, 23. Nov. Als das Fährboot „Netherlands" von Hoboken an der Barclaystr. landen wollte, rannte es so heftig gegen den Dock an, daß ein Theil der Cajüle zerstör! wurde, und ! vier Passagiere Verletzungen davontrugen. , lieber dem Flusse lag zur Zeit ein dichter Nebel. , Vom Kriegsschauplätze. Die Armee des Feldmarschalls Oyama. Sein Ziel der Endpunkt der nach Tien Tsin führenden Eisenbahn. Shanghai, 23. Nov. Die Armee des Feldmarschalls Oyama marschirt in nördlicher Richtung gegen Ninchwang. Zur Einschließung von Port Arthur hat er zehntausend Mann zuruck- gelassen. Nach der Einnahme von Ninchwang wird sich Oyama gegen Shan-Hai-Kwang, dem Endpunkte der Eisenbahn nach Tien Tsin wenden. Die chinesischen Telegraphenbeamten ändern oder unterdrücken ganz offen De- peschen, die sich auf den Krieg beziehen. Die mongolischm und chinesischen Trup- pen in Jen Ho befinden sich in offenem Aufstande. Die kleinere Karte zeigt in vergrößertem Maßstabe die Landzunge, auf welcher Port Arthur liegt, und man sich! daraus, wo die Japaner zuerst Fuß aus dem Lande gefaßt haben. Nach den heutigen Nachrichten war die Armee auf der Laudseitc bis aus zwei Meilen von Port Arthur vorgedrungen, und die von der japanischen im Hafen von Port Arthur eiugeschlosscne chinesische Flotte hatte einen Ausfallsversuch gemacht. Ueber den Erfolg desselben wird man heule wohl Näheres hören. Ist er nicht gelun- gen, so werden die Japaner wohl bald im Stande sein, die chinesische Flotte vom Lande aus zusammcnzuschießen. Das gefährliche Erdgas. Line ganze Stadt in Gefahr niederzubreunen. Shclb yvi lle, Jnd., 23. Nov. Durch ein Versehen wurde gestern in den Hauptröhren der Erdgasleitung statt des gewöhnlichen Druckes Hochdruck ange- wandt, und um Mitternacht stellte es sich heraus, daß über 500 Oesen und Heiz- apparate in der Stadt in Folge der furcht- baren Hitze am Schmelzen waren, und daß in allen Gegenden der Stadt Häuser in Brand gcriethen. Die Feuerwehr wurde alarmirt, die Glocken wurden geläutet, Dampfpfeifen ertönten, nnd als die Bür- ger aus dem Schlafe erwachten, sahen sie zu ihrem Schrecken, daß sie sich mitten in einer gewaltigen Feuersorunst befanden. Glücklicherweise wurden nur drei Häuser eingeäscherl, wodurch allerdings den Eigen- lhümern ein bedeutender Verlust zugefügt wurde. Wäre der Feueralarm nur zwan- zig Minuten später gegeben, so wäre wahr- scheinlich die ganze Stadt ein Raub der Flammen geworden. Der Fälschung beschuldigt. Lin bekannter Arzt wegen Nainensfälschun- gen verhaftet. Dan ville, Jll., 23. Nov. Gestern Abend traf Sheriff John New- ton mit dem Dr. W. B. Eaubal hier ein, den er in Pensaeola, Fla., verhaftet Halle. Dr. Caubal wohnte früher in Sidell in diesem Counly, wo er ein Geschäft betrieb und zugleich als Arzt praktizirle. Er ge- riet!) in Geldverlegenheiten und floh nach Mexiko; später stellte es sich heraus, daß er aus mehreren von ihm ausgestellten Wechseln Namen gefälscht hatte, in Folge dessen Haftbefehle gegen den Doktor erwirkt wurden. Vermittelst eines derselben war er in Pensocola festgenommen und zurück- gcbracht worden. Nachdem er §4500 Bürgschaft gestellt hatte, begab er sich gestern Abend noch nach Sidell, seiner früheren Heimath. Lebensmüde. Die Frau eines Gas-Inspektore vergiftet sich. P i t t s b u r g , Pa., 23. Nov. Frau Graham, die Gattin eines Gas- Inspektors in AUegheny, nahm gestern Nachmittag eine Portion Rattengift und erlag um 11 Uhr Abends den Folgen des- selben. Sie weigerte sich, die Veranlassung zu dem Selbstmorde anzugeben. Line Rullionen-Lrbschaft. Lin angeblich gefälschtes Testament führt zn allerhand Verwickelungen. Boston, 23. Nov. Im nächsten Monat wird imNachlassen- schaftsgerichle in Sussolk County ein Auf- sehen crregcndcrFall, welcher die Nachlassen- schast des Millionärs Andrew I. Davis ans Montana betrifft, zur Verhandlung kommen. Davis starb vor ungefähr vier Jahren in Montana und seine Nachlassen- schaft wurde auf über §5,000,000 abge- schätzt, wovon sich über eine Million in diesem Staate befindet. Gleich nach seinem Tode wurden nach seinem Testamente Nachforschungen ange- stellt, aber es wurde kein's gefunden, und R. M. Morse in Boston und Richter Gideon Wells in Springsield wurden zu Verwaltern für den sich in diesem Staate befindlichen Theil der Rachlassenschast er- nannt. Später wurde, wie es hieß, Davis's Testament in Montana entdeckt; dasselbe wurde jedoch für eine Fälschung erklärt, und bei einem daraus erfolgenden Prozeß konnten sich die Geschworenen nicht einigen. Seitdem hat die Sache still gelegen, und das Testament wurde weder umgestoßen, noch anerkannt. In den Gewölben der ~Boston Safe Deposit Company" befinden sich heute über eine Million Dollars, die der Nachlassen- schaft angehören, und die Verwalter dessel- ben möchten gern, daß in irgend einer Weise darüber verfügt würde. Kürzlich wandte sich Morse an das Nachlassenschastsgericht in Snsfolk County, um die Angelegenheit, soweit cs dessen Jurisdiktion liegt, zn erledigen, und das Gericht wird die Sache am 17. Dezember zur Verhandlung bringen. Wahrscheinlich wird der Versuch gemachtwerden, das Gericht zn bewegen, die Ver- handlungen bis zur Eulscheidung der An- gelegenheit in Montana, zn verschieben. Kurze Flitterwochen. Nur vierzehn Tage dauerte das Glück, dann kniff er aus. Elwood, Jnd., 23. Nov. Das plötzliche Verschwinden des Dr. F. A. Ofcrall, der sich vor etwa vierzehn Tagen erst verbeiralhet hatte, hat selbst- verständlich hier eine mehr als gewöhnliche Aufregung hervorgerufen. Vor ungefähr sechs Wochen kam Dr. Oserall nach Ander-son, Jnd., wo er mit Frau Kate Barber von hier, der früheren Eigenthümerin des Barber Hotel, zusammentras und im Lock- wood Hotel noch an demselben Tage mit ihr getraut wurde. Daraus schlug das junge Ehepaar seinen Wohnsitz hier auf. In Anderson halte der Doktor angegeben, daß er von Chicago komme, wo er in einem chirurgischen Institute eine Anstellung ge- habt habe. Nach zweiwöchentlichem Zu- sammenleben mit seiner jungen Frau und nachdem er sich §6B von ihr gepumpt halte, reiste er ab und zwar wie er an gab, nach Knoxville, Tenn., wohin ihn dringende Geschäfte riesen. Seitdem aber hat man von dem Herrn Doktor weder etwas ge- sehen noch gehört. Lin schlauer Bankpräsident. Wie er einem Bankräuber eine Nase dreht. SPokane, Wush., 23. Nov. Von Nosalie, einer kleinen Ortschaft im östlichen Theile des Counties, wird tele- gcaphnch gemeldet, daß ein verwegener aber erfolgloser Versuch gemacht wurde, die Bank in jenem Orte auszuplündern. Es waren zwei Rener, und während der eine an der Thürc Wache hielt, ging der zweite in die Bank, hielt dem Präsidenten Wells einen Revolver entgegen, und verlangte sein Geld. Mit großer Geistesgegenwart er- widerte Wells, daß er daS Geld aus dem Geldschrauke holen wolle; statt dessen aber verschloß er denselben. Als der Räuber sah, da» ihm eine Nase gedreht worden war, raffte er das aus dem Zahlnsche liegende Geld nebst einige Privatpapieren zusammen, eilte zur Thüre hinaus, sprangaus sein Pferd, und riu mit seinem Kame- raden davon. Wells alarmirte daraus dte ganze Ortschaft, und sofort machte sich eine Schaar Bewaffneter zur Verfolgung der Räuber auf. Ziemlich mildes Nrtheil. Lin betrügerischer Schatzmeister mutz in's Zuchthaus wandern. Grandlsland, Neb., ) 23. Nov. s Der betrügerische frühere stüdlischeSchatz- meister John W. West, welcher im Jahre 1893 die Summe von §15,000 unterschla- gen halte, bekannte sich gestern des ihm zur Last gelegten Vergehens schuldig und wurde zit einer Zuchthausstrafe von zwei Jahren und vier Monaten verurtheilt. West ist über 50 Jahre alt und hal eine große Fa- milie. Er war von 1887 bis 1892 Schatz- meister von Grand Island gewesen. Grabschänder. Fünf Studenten der Medizin aus der That ertappt. Kansas City, Mo., 23. Nov. Fünf Studenten der hiesigen „Universily Medical College" sind heule Morgen in dem Oak Grove-Friedboie in Kansas City, Kansas, bei der Grabschändung abgesaßt und verhaftet worden. Die Namen der- selben sind A. C. Zimmerman, Durant, Hinlon, Klopper und Ryburn. Lin neuer Gesandter für Washing- ton. Bern, Schweiz, 23. Nov. Der Bundesrath hal den Herrn Pioda von Lugano zum Gesandten in Wash- ington ernannt; derselbe ist jetztLegalions- ralh in Rom. Revolution in Sicht. Dieselbe kann jeden Tag ans Bayti zum Ausbruch kommen. Porta uPr i n ce, Hayli, - Der Präsident Hippolyte hat eine Ver- schwörung des Generals Maginal entdeckt. Der Schwiegersohn des Präsidenten war bei dem Versuche, die Regierung zu stür- zen, betheiligt, weshalb er verhaftet und erschossen werden sollte; es gelang ihm jedoch zu entkommen. Auch Angehörige der deutschen Gesandtschaft und hohe Be- amte sollen an der Verschwörung betheiligt gewesen sein. Der Ausbruch der Revolution, welche schon seit einiger Zeit erwartet wurde, kann jeden Tag eintreten. Gewaltige Feuersbrunst. Line Menge Pferde und Straßenbahnwagen verbrannt. P ittsburg, Pa., 23. Nov. Heule Morgen, zu früher Stunde, brach in den Ställen der „AUegheny Traclion Company" Feuer aus, und 49 Pferde, sieben Pferdebahn- und sieben Wagen elektrischen Bahn sielen den Flammen zpi:r Opfer. Außerdem brannten noch drei be- nachbarte Wohnhäuser nieder. Der Ge- sammtverlust wird auf 75,000 Dollars abgeschützt. Chinesische Greuel. Zwei gefangene Dollmetfcber und ein Lorre- spondent von den Chinesen ermerdet. Hiroshima, 23. Nov. Ein soeben von Moji eingetrosfcner Dampfer berichtet, daß bis zum 19. Nov. kein Angriff auf Port Arthur gemacht wor- den war. Zwei Dollmelscher und ein Kriegscorrespondenl, welche der zweiten japanischen Armee folgten, sind von den Chinesen gefangen genommen und ermor- det worden. Städtisches. Das kDettec. Optiker Kleine, 76 Washington Str., berichtet für Chicago die folgenden Baro- meter- nnd Thermometerstände: Um 8 Uhr Morg. 40 Gr., um 9 Uhr 38 Gr., um 10 Uhr 38 Gr., um 11 Übr 42 Gr., um 12 Udr 42 Gr. Barometerstand um S Uhr Morg. 29.35,12 Uhr 29.45. Scheußliche Verletzung. A. ch. Toole beißt dem Schankwirth T. Hart das linke Ghr ab. Bei einer Keilerei, in die Thomas Hart heute früh mit A. H. Toole gerieth, verlor Jener sein linkes Ohr, eine Verletzung, die die schlimmsten Folgen nach sich ziehen kann. Hart ist eilt Schankwirth und be- treibt in dem Hause No. 189 Washington Boulevard eine Schankwirlhschaft. Kurz vor Mitternacht erschien Toole, der ein Metallarbeiter von Beruf ist, bei ihm und verlangte ein Getränk. Es wurde ihm ver- abreicht, und er setzte sich an einen in dem Lokale befindlichen Tisch. Nach Verlauf von einer halben Stunde erhob er sich wie- der, um zu gehen. Beim Zavlen gerieth er aber mit Hart in einen heftigen Wortwech- sel, der schließlich in Thätlichkeiten aus- arlcte. Hart war der Schwächere und wurde von Toole zu Boden geworfen. Dieser benahm sich darauf wie eine wilde Bestie. 'Nachdem er Hart durch Faustschläge halb betäubt hatte, biß er sich mit seinen Zähnen in dessen linkes Ohr fest und riß cs ihm vom Kopfe. Er wurde sofort verhaftet, während mau Hart einem herbeigernfenen Arzle übergab. Äugeln statt Aussöhnung. Joseph Silhanek betrieb vor einiger Zeit auf der Westseite, im Böhmen-Viertel, ein gutgehendes Groccricgcschäfl. Die schlecht- ten Zeiten brachten auch ihn zn Fall' und er mußte, mit §2OOO Außenständen und etwa ebensoviel Schulden sein Geschäft aufgeben. So lange er der wohlhabende Grocer war, lebte er mit feiner Frau Marie in voller Harmonie. Doch als er ein armer Schlucker wurde, gefiel cs Marie nicht bei ihm und sie ging zu ihrer in 905 Van Horn Slr. wohnenden Mutter zu- rück. Dies brachte Joseph zur Verzweif- lung. Er ergab sich dem Trunk und der Faulheit und thal absolut nichts, um eine Versöhnung mit feiner Frau wieder bcrbei- zuführen. begegnete er auf der Straße seinem Töchtecchen, und nachdem er mit demselben gesprochen, beschloß er, feiner Frau einen Besuch abzustalteu und den 'Versuch zu machen, sic wieder zum gemein-samen Haushalt zu veranlassen. Da er aber auf einen Korb vorbereitet war, rüstete er sich mit einem geladenen Revolver aus. Das Ehepaar gcrielh, nachdem es kaum zehn Minuten allein war, miteinander in Slreil, und in seiner Wulh schoß Silhaneckaus seine Frau. Ohne das Resultat der Schießerei abzuwarten, ergriff der Schicß-bold die Flucht. Die am Arm schwer ver- wundete Frau ließ ihren Manu unter der Anklage des Mordversuchs cinsperren. Richter Ebcrhardl änderte dieselbe in lhät- lichen Angriff und unordentliches Betragen um, und sandte den schießboldigen Ex- Grocer ans 202 Tage nach der Bridewcll. Loronersarbeit. Alexander Kcnkner, 'No. 25 Erittenden Straße siel am 21. November aus dem dritten Stockwerk des Hauses No. 256 Wabansia Ave. Er starb gestern Abend im Elizabeth-Hospital. Morlimer Russell wurde gestern Abend bei Evanston von einem Zuge der Chicago Milwaukee, L St. Paul Bahn nieder- gerannt und auf der Stelle getödlct. Abendblatt 1 Cent, 6 Cents die Woche. Unsicherheit aus der Uordseite. vier Ueberfälle mit Beraubung. In der Ost Chicago Ave. Polizeistation ging heute eine Meldung ein, daß verschie- dene Passanten der Wells Slr. von Strol- chen belästigt wurden. William Meyer, ein Fahrstuhlfahrer im Schiller-Gebäude wurde um halb ein Uhr Morgens an der Ecke von Wells- und Huron Slr. von vier Strolchen angchaltcn und niedergeschlagen. Er schrie um Hülse, woraus die Slraßen- räuber die Flucht ergriffen. Um 10 Uhrwar Hugh Docr, No. 154 Marlek Str. wohnhaft, ebenfalls von vier Banditen an- gegriffen worden. Er erhielt einen Hieb mit einem Todtschläger und wurde um §ls beraubt. Eine halbe Stunde später gingen S. F. Fraser, 9t. 1494 Noble Slr. wohnhaft, und Thomas Marks, No. 92 Huron Slr. wohnhaft, über die Wells Slr. Brücke in nördlicher Richtung, als aus der Dunkel- heit des Viaducles plötzlich vier Räuber hervorsprangen und mit vorgehallenen Re- volvern dem Marks §3O und dem Fraser §5 abnabmcn. Um 4 Uhr Morgens wurde ein Mann an der Wells- und Michigan Slr. ange- griffen, entkam jedoch, ohne beraubt zu werden. Bruder und Schwester. IVill ihre verwandten herausholen. Die steinreiche Margarethe Beyers von No. 4926 Indiana Ave. ließ gestern ihren Bruder, den Schmied Joseph Dugan von No. 118 W. Polkstr, und dessen Haus- hälterin Sarah Triplin wegen Ehebruchs und Unzucht cinsperren. Joseph Dugan Halle nach dem vor meh- reren Jahren erfolgten Tode seiner Frau zur Abwarlung seiner 6 kleinen Kinder die Jungfer Sarah Triplin, eine drallcßöbmin, als Wirtyichaslerut in sein Haus genom- men. Nach und nach lernte er Sarah auch lieben und würde, wenn sie nur nicht so schrecklich jähzornig und ein wenig liebe- voller zu seinen Kindern gewesen wäre, sie seyr bald zur Würde einer Frau Dugan erhoben haben. Die Schwester Beyers er- fuhr von diesem Berhältniß, und empört über dteie voraussichtliche Mesalliance, machte sie dem Bruder die bittersten Vor- würfe. Doch Joseph verbat sich dies und als sie mit ihren Ermahnungen nicht aushören wollte, verbot er ihr das Haus. Daraufhin machte die Tante den Verluch, die 6 Kinder oder wenigstens einige derselben zu sich zu nehmen. Als auch diesem Versuche ein entschiedenes „Nein" seitens DugauS und seiner Sarah entgegengesekt wurde und die Letztere entschieden erklärte, von ihrem Geliebten und Hausherrn nicht mehr lassen zu wollen, wandte sich die B-ycrS an dis Gerichte. Zuerst ließ sie das Paar wegen Unzucht und Ehebruchs cinsperren. Sie hofft dadurch Joseph in jeder Beziehung anderen Lünnes zu machen, und falls dies nicht geschehen tonnte, durch eine Verur- theiluiig. derselben die Aussicht über die Kinder (die sie dereinst beerben sollen) ge- richtlich zugesprochen zu erhalten. Auf Wunsch verschob Richter Eberhard! die Ver- handlungen der Anklage bis zum 27. nnd stellte die Angeklagten unter je §SOO Bürg- schaft. Das Programm des Rlayors. Mit immer größerer Bestimmtheit tritt die Ansicht auf. daß die von Mayor Hopkins geplante Reorganisation der Polizei nur der Anfang einer Reihe weiterer municipa- lcr Reformen sein wird. Es verlautet be- reits, daß der Mayor eine zweite Commis- sion ernennen wird, die ihm behülflich fein soll, das System der Straßenbahnen, des Beleuchtungswesens, des Telcphondienftes und ähnlicher Interessen unter die Conlrolle der Stadt zu bringen. Als Haupt dieser Commission wird bereits der bekannte An- walt Clarence S. Darrow, und als die an- deren Mitgliederderselben Anwalt Stephen S. Gregory und Ex-P ostmeister Serlon genannt. In welcher Weise auf dem an- gedeutetcn Gebiete die Reformen vollzogen werden sollen, ist noch nicht näher bekannt geworden, doch wird angenommen, daß sich die Einkünfte der Stadl Chicago durch die Ausführung der Pläne des Mavors für dre Zukunft sehr wesentlich erhöhen werden. Diphteritisgefahr. In der Nachbarschaft der Schule an der Augusta Slr., nahe der Ca- lifornia Ave., sind in den letzten Tagen zahlreiche Erkrankungen an Diphtcritis vorgckoinmen. Der Präsident des Hum- boldt Park Jmprovemcnt Clubs Halle für gestern Abend eine Versammlung der Be- wohner jener Gegend einberufen, um üver Mittel und Wege zur Eindämmung der Krankheit zu bcralhen. Die Versammlung ernannte ein Zehncrcomitc, welches den Schulraih veranlassen soll, Anordnungen zu treffen, daß Kinder aus Häusern, in welchen die Diphtcritis ausgebrochen ist, vom Schulbesuch serngchaltcn werden. Studenten suspendirt. Zwei Studenten der North Western Universität, welche bei einem letzthin ftatl- gcfundenen Examen ihre Lehrer hintcr- gingcn, indem sic die Antworten auf ver- schiedene Fragen von ihren Manschetten und kleinen Papierchcn, auf die sie das Nichtige vor dem Examen aus den Lehr- büchern gekritzelt hatten, ablasen, wurden gestern bis zum April des nächsten Jahres suSpendirl. Präsident RogcrS machte die 'Namen der Misscthätcr jedoch nicht be- kannt, sondern gab denselben nur unter der Hand zu verstehen, daß sic sich bis zum April nicht wieder in der Nähe der Univer- sität crbltcken lassen sollten. Das wäre, wie er meinte, eine genügende Demüthig- ung für die Herren. Viehmarkt. Schweine sind guter Dualität und um 5 Cents billiger. Schwere brachten 4.05(Zj4.85, leichte 3.80(«4.45, durchein- ander 4.20(tt 4.65. Rindvlcb und Schafe fest; crstercs um 5 Cenis billiger. Zufuhr 37,000 Schweine, 7000 Stück Rindvieh, 7000 Schafe.

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