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Abendblatt Newspaper Archives Nov 20 1894, Page 1

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Abendblatt (Newspaper) - November 20, 1894, Chicago, Illinoisvon der Illinois Ltaats-Zeitungs-To. Ttzicago, Dienstag, 20. November 1894. Preis 1 Tent. 47. Jahrgang. No. 276. Uevevvlick Und Kurzgefaktes. '— Heiteren Himmel verspricht uns für heute noch der Wettermann. . Der große Tonkünstler Rubinstein ist Peterhof bei St. Petersburg heute früh,rm Alter von 64 Jahren, einem HerzleidenErlegen. Der Weizenmarkt ist matt und diePreise sind gegen gestern um Z Cent ge- wichen ; der Maitermin wurde mit 60Z und später mit 60 notirt. Die Maispreise Singen im Maitcrmin von 491 auf 49, die Haferpreise von 321 auf 32H zurück. Schweinefleisch wich für Januar von 12.35 12.174, Schmalz von 7.15 auf 7.05, Rippchen von 6.20 auf 6.071. Der Telegraph bringt ein interessan- tes Gespräch mit Herbert Bismarck über die Beziehungen Hohenlohc's zu Bismarck und den jungenrussischen Kaiser. -—Die Finnländer weigern sich, Nikolaus11. den Treueid zu leisten. Der Czar soll die Aufhebung des Belagerungszustandes und der Hof-Geheimpolizei im Sinne haben und die Preßfreiheit gewähren wollen. Der ehemalige Vice-Präsident von Salvador, Ezeta, steht im Begriff, sich inSan Francisco mit einer Californierin zu verheirathen. ln Sonora haben Yaqui-Jndianer5 Menschen umgebracht. Der amerikanische Botschafter in Ber-lin hatte mit dem «Ltaatssekretär des Aus- wärtigen Amtes bezüglich des Einfuhrver- bots von lebendemSchlachtvieh aus Amerikaeine Unterredung, in welcher er noch mehr Urtheile von Sachverständigen gegen die Ansteckungsgefahr bei „tcxanischem Fieber" unterbreitete. Der Präsident der Louisiana-Lotte- riegesellschaft, Paul Conrad, ist gestorben. Die „Women's Christian Temperance Union" hat Fräulein Willard auf's Neue zu ihrer Präsidentin gewählt. Dem Vernehmen nach hat die Metro-politan Hochbahngcsellschafl durch Ankauf von Aktien sich die Kontrolle über die Alley Hochbahn gesichert. Es wird behauptet, daß Baron Yerkes nichts mir den beiden Hochbahnen zu thun habe. Das ist schwer zu glauben. Der Jnquest über Gustav Colliander wurde heute abermals verschoben, da kein genügendes Beweismaterial, die Thäter- schaft betreffend, vorhanden ist. Tekegrapinscke Dezrescüen. Der neue CM. §r beabsichtigt, verschiedene Neue- rungen einzuführen. Die Finnländer verweigern den Treueid. London, 20. Nov. Der „Daily News" wird aus Wien ge- meldet, daß der Czar Nikolaus in einer Berathung mit den Großfürsten erklärt hat, daß er die Absicht habe, die Geheimpolizei für den Hof abzuschaffen, und den Belage- rungszustand anfzuheben; außerdem be- günstigte er auch die Preßfreiheit. Er- jagte, wenn es sein Schicksal sei, ermordet zu werden, so könne ihn die Geheimpolizei auch nicht schützen. Es wird berichtet, daß Heyden, der Gou- verneur von Finnland, nach St. Peters- burg abgereist ist, um dem Czaren zu mel- den, daß die Finnländer sich weigern, ihm den Treueid zu leisten. Was passiven könnte. Die Türkei könnte Armenien ver- lieren, wenn sie nicht aufpaßt. Line leise Andeutung aus Berlin. London, 20. Nov. Der „Daily News" wird aus Berlin mitgetheilt, daß die „Vossische Zeitung" erklärt, daß wenn die Pforte nicht im Stande ist, der Unterdrückung der Arme- menicr Enthalt zn thun, die Mächte dies Ihun würden, und daß dann wahrscheinlich Armenien von der Türkei getrennt werden würde. Tod eines bekannten Lotterie- mannes. Der Präsident der Louisiana Lotterie-Gesell- schaft heute gestorben. New Orleans, 20. Nov. Heute ist hier Paul Conrad gestorben. Derselbe war Präsident der bekannten Louisiana Lotteriegesellschaft und der „Hon- duras Company", und sein Name war in den ganzen Ver. Staaten bekannt. Conrad war schon seit längerer Zeit bettlägerig ge-wesen. Von seinem Tabinet getadelt. Die Minister wollen nicht mehr mitthun. PortauPriüce, Hayti, f 20. Nov. s Das Cabinet hat dem Präsidenten Hippo- lyte ein Tadelsvotüm zukommen lassen, und die Minister reichen ihre Resignation ein. Schwer krank. Die älteste Tochter des Vizepräsidenten be- denklich erkrankt. Wa sh in gton, D. C., 20. Nov. tzs :st hier die Nachricht eingetroffcn, daß Mary Stevenson, die älteste Tochter des Bizepräsidenlen, schwer krank in Asheville, N. C-, darniederliegi, und daß dieMitglie- vt-r der Familie an das Krankenbett ge- rufen sind. Eine Unterredung mit Herbert Vismarck. Graf Herbert über seinen Bater, den Fürsten. Das Verhältniß des Fürsten Bis- marck zum neuen Kanzler. Passelöe kein sehr freundschaftliches. Deutschland's zwei Kanzler. London, 20. Nov. Die „Vall Mall Gazette" veröffentlicht heute Nachmittag eine Unterredung, welche einer ihrer Correspondenten mit dem Grafen Herbert Bismarck in Berlin hatte. Ueber die Gesundheit seines Vaters, des Fürsten Bismarck, sagte der Graf: „Sie müsfcn nicht wissen, daß mein Vater das biblische Alter überschritten hat; er hat manchen Sturm erlebt, und während sei- nes Lehens nicht viel Zeit zur Ruhe gehabt. Seine schlimmsten Leiden haben sich erst in den letzten vier Jahren eingestellt, gerade zu einer Zeit, wo alle Unannehmlichkeiten fern von ihm gehalten werden sollten. Dazu kommt sein lebhafter Geist, seine Sorge um Deutschlands Wohlfahrt, wel- cher er sein Leben gewidmet hat, der Tod von Freunden, und nun möchte ich wissen, ob irgend ein anderer Mann den Stürmen des Lebens besser widerstanden hat. Aber er wird schnell alt, und obgleich er mit keinem organischen Leiden behaftet ist, kann er doch selbst unter den größten Vor- sichtsmaßregeln nicht mehr lange mit- machen. Ueber die Freundschaft mit dem Fürsten Hohenlohe befragt, sagte Graf Herbert: „Wir sind der Lösung nicht näher als früher; natürlich ist der neue Kanzler ein vortrefflicher Herr, aber es befinden sich Faktoren in seiner Nähe, welche stets eine Meinungsverschiedenheit nothwendig machen." „Halten Sie die Ernennungen zum Kanzler und zum Statthalter von Elsaß- Lothringen für gut?" lautere die nächste Frage. „Jedenfalls," erwiderte Graf Bismarck, bleiben die Aemter in der Familie, und cs ist ein ähnlicher Fall von Vertheilung der Beute, wie er in Amerika vorkomml. Meine Ansicht darüber ist nur von geringer Wichtigkeit." „Aber Jedermann glaubt, daß zwischen dem Fürsten Hohenlohe und Ihrem Vater ein gutes Verhältniß herrscht?" fragte der Correspondent darauf. „Wenn das der Fall ist, so liegt keine Veranlassung tror, um den schönen Traum zu zerstören." Graf Bismarck soll darauf noch eine Be- merkung gemacht haben, welche den Korre- spondenten überzeugte, daß der Fürst Bismarck mit dem Fürsten Hohenlohe aus nicht sehr freundschaftlichem Fuße steht. lieber den neuen Czaren von Rußland befragt, sagte Gras Herbert: „Ein neuer, und besonders ein junger Monarch, nimmt stets Veränderungen vor, und diese richten sich nach der Gemnthsverfassung des Herr- schers. In Rußland's Fall darf man das Beste hoffen." Von einem langjährigen Freunde des Fürsten Bismarck, einer Persönlichkeit, welche dem baierischen Königshause sehr nahe steht, sagte der Correspondent der „Pall Mall Gazette": „Ich höre, daß, so lange Dr. v. Boetticher und der Freiherr v. Bieberstein ihren Einfluß in Negierungs- angelegenheiien behaupten, eine freundliche Annäherung mit dem Fürsten Bismarck unmöglich ist?" Darauf erwiederte Graf Herbert: „Wir sind von einer aufrichtigen Versöhnung noch ziemlich weit entfernt. Es wird stets zwei Kanzler in Deutschland geben, einen in Friedrichsruh, der den Schlüssel zum Herzen des Volkes in Händen hat, und einen in der Wilhelmstraße, welcher die Befehle seines Herrn ausführt." Will heirathen. Der frühere vicepräsident von Salvador hei- rathet eine californische Wittwe. San Francisco, 20. Nov. Heute Abend wird der General Antonio Ezela hier eintrcffen. Er ist angeblich mit dem Aufträge von Mexiko abgereist, für den in Aussicht stehenden Krieg zwischen Mexiko und Guatemala Kriegs- und an- dere Vorräthe hier einzukaufen; in der Wirklichkeit scheint aber der Zweck seiner Reise nach San Francisco nur darin zu bestehen, sich Ehefesseln anlegen zu lassen. Während er sich hier als Gefangener be- fand, verliebte er sich in eine hübsche Cali- fornierin; seine schleunige Abreise jedoch verhinderte denAbschluß der Licbescomödie. Die in Frage stehende Dame ist eine Frau Bessie Paxlon; dieselbe war währendEzelas Aufenthalt im California Hotel seineNac- hbarin, und durch einen blinden Sohn der Dame, welcher in Ezetas Zimmer zu kom- men pflegte, um dort Soldatengeschichten zu hören, wurde das Verhältniß auge- knüpft, welches demnächst durch die Hoch- zeit seinen Abschluß finden wird. Indianerqreuel. Line Bande Haqui-Judianer überfällt ein Landgut und ermordet fünf Personen Ures, Sonora, Mex., ) 20. Nov. s Soeben ist ein Bote aus dem südwestlich von hier, im Yaqui-Thale gelegenen Orte Sayopa, mit der Nachricht eingetroffcn, daß eine Bande Yaqui-Judianer in der Nähe jener Ortschaft Raub, Mord und Brandstiftung begangen hat. Die India- ner überfielen das Landgut von Ipedro Hernandez und ermordeten drei Frauen und zwei Männer. Hernandez selbst be- fand sich zur Zeit des Ueberfalles in Sa- gopa; nachdem die Indianer die Mord- tbaten begangen hatten, steckten sie die Ge- bäude in Brand und zogen sich mit einigen Hundert Stück Vieh in ihre Schlupfwinkel im Gebirge zurück. Der Winter tritt an. Im Nordwesten macht er sich bereits sehr bemerkbar. Das Thermometer dort unter Null gesunken. Sr. P aul, 20. Nov. Die Leute vom Wetterbürean erklären, daß dies das kälteste Wetter ist, das sie seit dem November 1883 erlebt haben. Mehrere Thermometer zeigten gestern Mor- gen zehn Grad unter "Null an, obgleich amtlich nur vier Grad angegeben waren. Während der Nacht herrschte ein orkan- artiger Sturm, der sich jedoch gegen Mor- gen legte. Auf dem Lande war die Kälte noch viel stärker, als in St. Paul und mehreren Berichten nach fiel das Thermo- meter dort auf vierzehn bis scchszehn Grad unter Null. In Manitoba herrschte noch eine größere Kälte als in Minnesota und laut Berich- ten von dort fiel das Thermometer auf zwanzig Grad unter Null. Ashland , Wis., 20. Nov. Die Chequamagon Bai war gestern Mor- gen von einem Ufer bis zum anderen zu- gefroren. In Ashland lagen acht und in Washburn drei Böte, welche jedoch, da während des Tages das Wetter milder wurde, im Stande sein werden, mit ihren aus Eisenerz bestehenden Ladungen den Hafen zu verlassen. In West Superior war die Bai auf der Wisconsiner Seite gestern fest zugefroren; das Eis war mehrere Zoll dick uud es sind Schleppdampfer in Dienst gestellt, um das innere Fahrwasser zwischen Duluth und West Superior vom Eise frei zu halten. Dom Kriegsschauplätze. Scharmützel in der Nähe von Port Arthur. Marsch der zweiten japanischen Armee nach Port Arthur. Tschi Fu, 20. Nov. Am letzten Sonntage fanden zwanzig Meilen von Port Arthur Gefechte statt. Die Japaner zogen sich in der Richtung nach Talienwan zurück; die Chinesen ver- loren hundert Mann, während die Japaner 200 Mann verloren haben sollen. Yokohama, 20. Nov. Die zweite japanische Armee ist am 2. d. M. von Kinchow abgegangen; dem Plane nach soll der Marsch nach Port Ar- thur von zwei Seiten aus beginnen; ehe Port Arthur angegriffen wird, muß der Feind auf dem Marsche dorthin geschlagen werden. Auf der Fahrt nach Talienwan ist ein Transporldampfer mit 600 Mann In- fanterie nnd 500 Kulis an Bord verbrannt; aber es sind dabei nur vier Kulis umge- kommen. Kampf mit Banditen. Die Looke'sche Räuberbande in der Nähe von Muskogee. Muskogee, I. T., 20. Nov. Ein Hülfsmarschall ist so eben einge- trofsen und berichtet, daß der Sheriff Brown von der Cherokee-Nation gestern Abend in der Niederung von Verdegris Mit Bill Cook nnd einem Thcile seiner Bande einen Kampf zu bestehen harte. Das Gefecht war noch nicht beendet, als er- den Kampfplatz verließ, um aus dem Orte Schießbedarf zu holen. Er sagt, daß Bill Cook seine Geliebte bei sich habe, und sich mit 15 Mann am Verdegris befinde, und daß der Kampf am Morgen wieder ausge- nommen werden würde. Der Ort Mus- logce befand sich gestern in großer Auf- regung, und auf den Hausdächern und an den Fenstern sind Scharfschützen postirt, um den Cooke'schen Banditen einen war- men Empfang zu bereiten, weil es hieß, daß dieselben die Absicht hätten, im Laufe des Tages dem Ort einen Besuch abzu- stattcn. Der Lebensversicherungsschwindler Holmes. Derselbe mit der Frau Pitzel nach Phila- delphia geschickt. Boston, Mass., 20. Nov. H. H. Holmes, welcher am letzten Samstag hier verhaftet worden war, weil er die „Fidelity Lise Insurance Co." in Philadelphia um HIO,OOO beschwindelt hatte, ist gestern Abend, um halb acht Uhr, unter Bewachung von Polizisten von hier abgereist. Die Abreise geschah in der Weise, daß sie die Geheimpolizisten trafen, welche die Frau Pitzel in Hast hatten, die in Burlington, Vt., verhaftet worden war, in aller Eite hierher gebracht wurde, und von dem Unionbahnhof, nach dem Bahn- hofe der New Yorker, New Haven L Hartford Bahn gebracht wurde, wo sie den Beamten, welche Holmes bei sich hatten, übergeben wurde. Im Interesse der Wissenschaft. Eine Gesellschaft von Forschunqsreisendcn beabsichtigt Hueatan zu besehen. NewUork, 20. Nov. Der Dampfer „Seneca" von der Ward- Linie, welcher gestern Abend von Progresso, Alex., hier ankam, hatte A. V. Armour aus Chicago an Bors. Armour hat sich m Yucatan aufgehalten, um zur Aufnahme von amerikanischen Reisenden Vorbe- reitungen zu treffen, welche binnen Kurzem die verlassenen Städte in Yucatan zu be- suchen beabsichtigen. Er hat Merida, die Hauptstadt von Yucatan, und mehrere klei- nere mexikanische Ortschaften besucht und ist überzeugt, daß der Besuch der Reisenden interessante Entdeckungen zur Folge haben wird. Anton Rullinstein gestorben. Derselbe erliegt in peterhof bei St. Petersburg einem Herzleiden. Mit ihm ist einer der bedeutendsten Eompo- nisten der Neuzeit aus dem Leben geschieden. St. Petersburg, 20. Nov. Heute ist Anton Gregor Nubinstein, der berühmte russische Pianist und Componisk, in dem benachbarten Pelerhof an einem Herzleiden gestorben. Rubinstein wurde am 30. November 1830 in Wechwotynetz an der Grenze von Ru- mänien geboren. Als Kind kam er nach Moskau und erhielt von Alexis Villoing Pianounterricht. In seinem achten Jahre trat er öffentlich auf; als er zehn Jahre alt war, ging er mit seinem Lehrer nach Paris, wo er zwei Jahre blieb, in verschiedenen Conzerten auftrat, und mit Liszt bekannt und von diesem ermuthigt wurde. Darauf besuchte Rubinstein England, Schweden und Deutschland; in Berlin stu- dirte er unter Dehn Kompositionslehre, worauf er in Berlin und später in Wien Unterricht ertheilte. Nach Rußland zurück- gekehrt, wurde er zum Pianisten der Groß- fürstin Helena ernannt, und später wurde er Direktor der 1359 gegründetenRussischen Musikgesellschaft, und des hauptsächlich durch ihn in's Leben gerufenen Conser- vatoriums. Im Jahre 1872—73 besuchte Rubinsteindie Ver. Staaten, kam bei der Gelegenheit auch nach der noch infolge des „Großen Feuers" in Trümmern liegenden Stadt Chicago, wo er mehrere Conzerte gab. Von seinen mit Beifall aufgenommenen Werken sind zu nennen: bic „Opern- Symphonic", die Oratorien: „Das verlo- rene Paradies", und der „Thurmbau zu Babel" ; ferner die Opern „Die Kinder der Haide". „Nero", und die „Makkabäer". Das Jubiläum seines Eintrittes in die Oeffentlichkeit wurde am 18. November 1839 in St. Petersburg festlich begangen. Seit 1867 zog sich Nubinstein aus der Oeffentlichkeit zurück, machte Reisen und componirte. Im Jahre 1869 verlieh Alexander 11. dem Komponisten den Adel, und im Jahre 1877 erhielt er von Frank- reich das Kreuz der Ehrenlegion. Begeht Selbstmord. Der posträuber William Kreutz schafft sich selbst aus der Welt. TerreHau le, Jud., 20. Nov. William Krentz von hier, der sich von Danville, JU., wo er einen Postwagen beraubt hatte, geflüchtet hatte, hat gestern Morgen in Jopliu, Neu., Selbstmord be- gangen. Frau Rosa Krentz, die verwitt- wete Mutter des Selbstmörders, wurde benachrichtigt und hat ungeordnet, daß die Leiche zur Beerdigung nach hier gesandt werde. Krentz war 23 Jahre alt und wohnte bis vor einem Jahre hier bei seiner Mutter; von hier begab er sich nach Dan- ville, wo er in Gemeinschaft mit einem anderen Manne, wegen Beraubung eines Postwagens verhaftet wurde. Während er sich auf einem nach Cairo gehenden Zuge befand, bewerkstelligte er fein Entkommen, indem er aus dem mit voller Schnelligkeit fahrenden Bahnzuge sprang. o Heirath auf dem Sterbebette. Advokaten um einen fetten Bißcn ge- kommen. Springfield, Jll., 20. Nov. Gestern verheirathete sich der Oberst George B. Richardson aus Riverton in diesem County, welcher an das Kranken- bett gefesselt ist und dasselbe wahrscheinlichlebend nicht wieder verlassen wird, mit Maria B. Necly. Er ist 72 und sie 54 Jahre alt; halte bereits viele Jahre zusammengelebl und die Heirath wurde vollzogen, um der Frau, welche ihmso lauge Jahre hindurch treu war, die be- deutende Nachlassenschast des Kranken zu- zuwenden. Richardson ist der Besitzer von 3000 Acker Land und hat außerdem noch ein beträchtliches persönliches Vermögen. O Von der Schwester erschossen. Dieselbe handelte, ihrer Angabe nach, aus Nothwehr. Sing Sing, N. Y., 20. Nov. Während eines Streites gestern Abend wurde William Sheehan, ein Schankwirth in Croton Dam, von seiner Schwester Mary erschossen. Sie handelte ihrer An- gabe nach aus Nothwehr und sagte, daß ihr Bruder getrunken habe, und sie über Haus- haltungssragen in Streit gerathen seien; er habe gedroht, sie zu ermorden, und versucht, sie zu schlagen; sie sei in ein anderes Zim- mer gelaufen, wohin er ihr gefolgt sei; dann habe sie ihres Vaters Pistole ergriffen, welche auf dem Kaminsims gelegen habe, und geschossen. Ihr Bruder sei darauf niedergestürzt und fast augenblicklich gestor- ben. Zeugen waren bei dem Vorfälle nicht zugegen. Angst vor Geheimpolizisten. Ein amerikanischer Expreßdieb flüchtet sich aus Honduras nach Guatemala. San Salvador, 20. Nov. Crawford, ein amerikanischer Flüchtling, der beschuldigt ist, die „Adams Expreß Co." um H41.000 beraubt zu haben, nnd sich nach Honduras geflüchtet hatte, hat sich nach Guatemala begeben. Er sagt, daß er Grund habe, sich vor amerikanischen Ge- heimpolizisten in Acht zu nehmen, welche, wie cs heißt, ihn verfolgen, obgleich er, als er im Jahre 1889 in Honduras verhaftet wurde, das Geld, welches er gestohlen haben sollte, ersetzt habe, und ihm zugleich die Versicherung gegeben worden sei, ihn nie wieder zu belästigen. Alle städtischen, in- und ausländischen Neuigkeiten im Abendblatt für 1 Cent per Nummer, oder 6 Cents per Woche. Türkische Christenverfolgung. (Ohne Veranlassung mit Atördern und Dieben zusammengesperrt. Scheußliche Willkür türkischer Behörden. London, 20. Nov. Die „Times" hat einen Brief veröffent- licht, worin gesagt wird, daß einer der besten Lehrer an dem St. Paul's Insti- tute in Tarsus, nebst vier Studenten von den Türken in Odona in ein scheußliches Gcfängniß geworfen wurden, wo sie mit Mördern und Dieben zusammengespcrrt wurden und zwar nicht weil sie irgend Etwas begangen halten, sondern aus reiner Wuth gegen die armenische Schule. Erst nach Bezahlung von zwölf Pfund, wurden sie auf Veranlassung eines hohen Beamten in Freiheit gesetzt. In dem Briefe heißt es Weiler, daß dies nur ein Beispiel von der Unterdrückung der Christen sei, welche in allen Theilen des türkischen Reiches vor- komme. In Aintasch und Marasch haben sich ähnliche Fülle ereignet. Tod unter den Rädern. Ein Knabe von der Lokomotive seines eigenen Vaters zermalmt. Los Angeles, Cal., 20. Nov. Tommy Peck, der achtjährige Sohn des Lokomotivführers Thomas H. Peck, ist von einer Lokomotive überfahren worden, auf welcher sich sein eigner Vater befand und trug Verletzungen davon, die seinen Tod zur Folge hatten. Die Lokomotive wurde als Rangirmaichiue benutzt und der Junge hatte sich mit Auf- und Abspringen ver- gnügt, als er plötzlich den Halt verlor und auf die Schienen fiel. Die Lokomotive ging über ihn hin nnd zermalmte ihn zu einer formlosen Masse. Städtisches. Das Wetter. Optiker Kl eine, 76Washington Str., berichtet für Chicago die folgenden Baro- meter- und Thecmomelerstände: Um 8 Uhr Morg. 36 Gr., um 9 Uhr 38 Gr., um 10 Uhr 44 Gr., um 1 Uhr 46 Gr., um 12 Uhr 48 Gr. Barometerstand um 8 Uhr Morg. 29.35, 12 Uhr 29.30. Mörderische Strolche. Sie berauben Henry Fürstenberg und feuern auf die Polizisten. Als Henry Fürsteuberg von No. 900 California Ave. heute Morgen zur frühen Stunde die Kreuzung derPolk Straße und Blue Island Ave. passirte, wurde er von 4 Wegelagerern angefallcn, welche ihm ihre Revolver entgegenhicllen und ihn zwangen, seine Baarschafl im Betrage von Hl6O und eine goldene Busennadel hcrzugeben. Eine Stunde darauf trafen die Polizisten Moo- ncy und Murray mit dem verbrecherischen Quartett zusammen. Da die Kerle ihnen verdächtig vorkamen, forderten sie dieselben auf, ihre Namen zu nennen. In diesem Augenblick zogen zwei der mörderischen Strolche ihre Revolver und feuerten. Die für Mooncy bestimmte Kugel flog vorbei, während Murray au der Schulter verwun- det wurde. Sobald sie die Schüsse abge- feuert hatten, liefen die Kerle davon, doch vermulhen die Polizisten, daß eine der nachgcsandten Kugeln einen der Flüchtlinge traf. Mehrere Polizisten der Maxwellstr.- Station sind jetzt auf der Suche nach den Strolchen. Wieder verschoben, wird der Jnquest über Gustav Lolliander. Inspektor Schaack will noch acht Tage, um Bcweismaterial zn sammeln. Wiederum waren gegen fünfzig Politi- ker, Anwälte, Geschworene und Neugierige heute Morgen in der Polizeistation der O. Chicago Ave. erschienen, uin dem Jnquest über den Todesfall von Gustav Colliander, welcher in der Nacht vom 6. zum 7. Novem- ber in dem Stimmplatz, 117 Oak Str.. von Mörderhand erschossen wurde, beizuwohnen. Nachdem Jnspector Schaack verschiedene geheime Berathungen mit Coroner McHale und dessen Begleiter Hülfscoroner Buckley abgehalten hatte, kündigte der Coroner an, daß die Leichenschau auf eine weitere Woche verschoben sei. Hülfscoroner Buckley begab sich mit den Geschworenen nach der Localitüt des Mor- des. Der Grund der Verschiebung war die Angabe des JnspectorS Schaack, daß er noch eine Woche Zeit daran wenden werde, ent- scheidendes Beweismalerial zu sammeln. Raubversuch ain heilen Tage. Ein überaus frecher Raubversuch wurde heute früh um 9 Uhr au der Ecke derKinzie und Paulina Straße verübt. Dort ging um die erwähnte Stunde F. M. Mourdy, ein Weichensteller der Pan Handlebahn vor- über, als plötzlich zwei Kerle auf ihn zu- kamen und, ihm einen Revolver vor die Brust haltend, ihn auffordcrten, mit seinen Halsteligkciten herauszurücken. Er that jedoch nicht wie ihm geheißen wurde, son- dern setzte sich ganz energisch zur Wehrund schlug schließlich die frechen Raubgescllen in dieFlucht. Während des Kampfes ent- lud sich aber der Revolver und fuhr die Kugel durch die rechte Hand Mourdy's. Die Verletzung ist bedenklicher Natur und muß Mourdy deshalb mehrere Tage lang sein Zimmer hüten. Lonvention dev P)olizeichefs. In Aurora, Jlls., findet am 27. d. M. eine Convention der Potizeichcfs der größe- ren Städte des Staates Illinois statt, an wetchcr auch Polizeichef Brcnnan Theil nehmen wird. Der Hauptpunkt der Con- vention ist die Erörterung der Frage, ob und wie die Polizei von der Politik losge- löst werden und eventuell im ganzen Staate einer besonderen unparteiischen Commission unterstellt werden könne. Auch soll in dieser Angelegenheit ein Comite er- nannt werden, das die nöthige, der Legis- latur zu unterbreitende Gesctzesvorlage ent- werfen soll. Angeblicher Schwindler undAtörder. Ist Holmes bringt seine Gläubiger uin viele Tausende, und wird jetzt eines Mor- des verdächtigt. Seit dem Verschwinden Harry H. Holmes aus Englewood ist auch die dort ansässige Frl. Minute Williams nicht mehr gesehen worden. Die Thalsache, daß sie grade gleichzeitig mit Holmes verschwand, läßt befürchten, daß ihr irgend ein Unglück zugestoßen ist, ja, daß sie vielleicht nicht mehr zu Lebenden zählt, denn Holmes be- findet sich jetzt in Boston nicht nur wegen umfangreicher Schwindel, die er angeb- lich begangen haben soll, sondern auch we- gen der, wie man annimmr, von ihm ver- übten Ermordung von B. F. P itizel in der Untersuchungshaft. Ein anderer Umstand, der höchst sonderbar erscheint, ist, daß Frl. Williams augenscheinlich ihr auf H50,000 geschätztes Vermögen im Stiche gelassen hat. Dieses Vermögen erbte sie von ihren Ellern, die schon mehrere Jahre todt sind. Frl. William hat aber trotzdem ihren Be- ruf als Stenographistin nicht aufgegeben, sondern demselben zum Zeitvertreib ferner- hin obgelegcn und zwar, als Angestellte des besagten Holmes. Letzterer war der In- haber der No. 701 63. Str. gelegenen Apo- theke. Vor etwa sieben Jahren trat er als Clerk in dieselbe ein und schon ein Jahr darauf, war er deren alleiniger Eigen- thümer. Nach Verlaus weniger Monate kaufte er das ganze Grundstück, auf dem die Apotheke stand, an, ließ diese abtragen und ein dreistöckiges Backsteingebäude auf- führen. Als die Wcllausstellungszeil her- anrückte, richtete er das Gebäude von oben bis unten ein und cröffnctc ein Hotel. Dieses lhat er Alles zum größten Theil auf Pump, da er nie einen bedeutenden Ueberschuß aus den Einnahmen in seiner Apotheke gewonnen hatte. Es gelang ihm jedoch immer wieder, sich seine Gläubiger vom Leibe zu Hallen, bis er vor Kurzem sein Geschäft einem Manne "Namens Jones verkaufte und nach Fort Worth, Texas, answanderlc. Dort etablirte er sich mit einem New Yorker, Namens Yaies, unter dem Namen Campbell als Möbel-Fabri- kant. Natürlich borgte er sich die dazu nö- thigen Gelder, doch ließen sich seine Gläu- biger dort nicht so leicht absertigen, wie hier in Chicago und so mußte er eines Nachts lautlos aus Fort Worth verschwin- den. Vor nicht gar langer Zeit nun wurde ein Mann, Namens B. F. Pitezel. der mit seiner Frau in dem Hause No. 6909 Pau- linastraßc gewohnt und viel bei Holmes verkehrt Halle, in dem Hause No. 1316 Callowellslraße in Philadelphia todt auf- gefunden. Allen Anzeichen nach war er ermordet worden, was um so glaubwür- diger erschien, als sein Leben für HIO,OOO versichert war. Nach den angestrengtesten Nachforschungen der Polizei wurde endlich der Verdacht auf Holmes gelenkt, infolge dessen dieser am letzten Samstag in Boston in Haft genommen wurde. Er leugnet na- türlich, irgend etwas von der Ermordung Pilezel's zu wissen, giebt aber zu, die Le- bensversicherung desselben erhoben und bis jetzt nur HSOO davon der Frau Pitczcl's zu- gewicsen zu haben. Letztere wird übrigens auch verdächtigt, über den Tod ihres Gatten Näheres zu wissen. Line Unterlassungssünde. Die Ernennung des Gberbaucommissärs Jones zum Eomptroller kann noch nicht inKraft treten, da der Mayor noch keinen Nachfolger für ihn ernannt. Der Umstand, daß Mayor Hopkins es unterlassen hat, einen Nachfolger für den zum Comptroller ernannten Oberbaucom- missär Jones zu ernennen, hat sowohl Herrn Jones, als auch Herrn Moody, der die Stelle des Qberbaucommissärs vor- läufig verwalten soll, in eine eigenthümliche Lage gebracht. Hütfs-Qbcrbaucommissär Moody, der nicht zum stellvertretendenden Oberbau- commissär ernannt worden ist, hat in Folge der Unterlassungssünde des Mayors nicht das Recht, amtliche Schriftstücke, die der Oberbaucommissär zu unterzeichnen hat, zu unterzeichnen. Bezügliche städtische Gesetze besagen, daß ein Beamter so lange im Amte bleibt, bis sein Nachfolger ernannt worden ist, so daß also Oberbaucommissär Jones noch auf seinen! Posten verbleiben muß, bis der Mayor seinenFehler gut gemacht und einen Nachfolger für ihn ernannt haben wird. Herr Ackerman wird daher demComptrol- lcrsamt noch bis zum nächsten Montag vorstehen müssen, bis Oberbaucommissär Jones durch die vom Mayor vollzogene Ernennung feines Nachfolgers von feinem Posten abgelöst sein wird. Sonderbares Familienverhältniß. Nach ZOjähriger Ehe beginnt Frau Lliza Gee ihren Gatten zu verfolgen. Heute Morgen kam vor Richter Kersten der mehrere Male verschobene Prozeß von Gee, Louise und Louis Nelson, W. Frederick und Frau W. Frederick gegen William Gee zur Verhandlung. Die Fa-milien bewohnen das Haus No. 679 Sedg- wickstraße; der Angeklagte ist der Gatte von Eliza Gee, Frau Nelson und Frau Fre- derick sind seine verhcirathetcn Töchter. Gee stand unter der Anklage, sich au Frau Louisa Nelson und Frau Frederick lhättich vergriffen und die Beiden, sowie seine eigene Frau mit dem Tode bedroht haben. William erklärte dem Richter, daß er dreißig Jahre mit seiner Frau verheirathel war, daß er während dieser drei Jahrzehnte drei Kinder erzogen und für dieselben und seine Frau gesorgt habe. Nun sei er alt und schwach und die Familie versuche ihn abznschütteln. Da der in der Anklage verübte Angriff durch überzeugendes Beweismaterial nach- gewiesen worden war, legte der Richter dein Angeklagten eine Strafe von H25 auf und stellte ihn unter eine Friedensbürgschaft von HSOO. Abendblatt 1 Cent, 6 Cents die Woche. Dreißig Zähre Zuchthaus Verhängt Richter Thetlain über John Burke. Ein Antrag auf Bewilligung eines neuen Prozesses. Heute Vormittag wurde vor Richter Chetlain die Anklage des Mordes gegen John Burke abgeschlossen. John Burke war angeklagl, am 2. März d. I. in der Wirthschast von B. Simon, No. 395 W.Taylor Str., den Schankkellner David Boiarski ermordet zu haben. Die Anklage war durch Hülfs-Staats- anwait Pearson mit dem ehemaligen Staatsanwalt Joel M. Longenecker als Beistand vertreten. Kickham Scanlan führte die Verteidigung und hatte aus eine Jury verzichtet. Der Angeklagte hatte sich des Todtschlags schuldig bekannt. Die Zeugen der Anklage erzählten, daß Burke mit seinem Freund John Butler nach der Wirthschast kam und daß cs zueinem Streit zwischen den Güsten und dem Schankkellner über die Zeche kam. Burke verließ die Wirthschast und Butler setzte den Streit mit David Boiarsky fort. Wäh- rend desselben wurde die Kunde dem vor der Wirthschast stehenden Burke gebracht, daß Butler von dem Schankkellner ange- griffen sei. Burke eilte in die Wirthschastzurück und schoß den Boiarsky ohne Weite- res nieder. Die Vertheidigung machte geltend, daß das Gesetz einem Dritten das Recht giebl,wenn er einen Menschen in Lebensgefahr sieht, einzuspringcn und um das Leben des Angegriffenen zu retten, selbst zur Waffe greisen dürfe. Der Schankkellner habe mit dem schweren Eisschaber ausgehotl, um Butler zu erschlagen, in diesem Augenblick schoß Burke. Dieses Zeugniß wurde von dem Wirts) B. Simon als unwahr hingestellt. Er er- klärte, daß er niemals einen Eisschaber oder eure Eisaxt oder irgend ein anderes den Tod herbeiführendes Instrument hin- ter dem Schanktisch gehabt habe; nicht ein- mal ein Revolver lag hinter dem Schank- tisch. Der Eismann zerkleinerte das Eis, wenn er es brachte und der Schankkellner hatte nur einen kleinen etwa drei Zoll lan- gen Stastlstift, mit welchem er die größeren Stücke zu zerstoßen pflegte. Andere Zeugen berichteten, daß Boiarsky dem Butler nur mit einem gefahrlosen Staubwedel in's Gesicht fuhr, als Burke den mörderischen Schuß abfeuerte. Die Frau, Mutter und Vater und viele Bekannte waren mit der Familie in dem Gerichtssaal erschienen, um beim Richter einen Eindruck zur Milde hervorzurufen. In seiner Entscheidung erklärte der Richter, daß kein Schimmer einer Noth- webr nach dem von ihm sehr sorgsam über- dachten Beweismaterial zu finden sei. Die Tödtung von David Bomrsky warein bru- taler Mord. Die Strafe soll aus 30 Jahre Zuchthaus festgesetzt sein. Wie vom Donner gerührt, standen die Angehörigen des Verurlheilten da; weinend sielen ihm Mutter, Vater und Frau um den Hals; das einer lebenslänglichen Zucht- hausstrafe fast gleichkommende Urtheil er- schien als ein vernichtender Schlag gegen das Lebcnsglück des Verurlheilten. Nachdem sich die Gemüther einigermaßen beruhigt hatten, stellte Verlheidiger Kick- ham Scanlan den Antrag, daß der Ange- klagte sein Lchuldbekenntniß zurückziehen dürfe, und vor einer Jury prozessirt wer- den sollte. Der Vertheidiger rief aus, daß er seinen Beruf als Rechtsanwalt aufgeben würde, wenn eine Jury gefunden werden köiinte, welche in dem vorliegenden Fall auf dreißig Jahre Zuchthaus erkennen würde. Anwalt Longenecker widersprach der Be- willigung des Antrages in einem wichtigen Argument. Richter Chetlain erklärte, daß derartige Fälle vorgekommen seien und er ließ sich schließlich bewegen, auf Morgen um 10Uhr Vormittag den Antrag Scanlan's zur Ver- handlung anzusetzen. Fielen eine junge Dame an. Als die in 406 W. Polk Str. wohnende Katie Stirn gestern Abend gegen 11 Übr ihrer Wohnung zuschreitcnd, sich der Ecke der Center Ave. und Polk Str. näherte, wurde sie von drei Strolchen angeredet, die ihr die Begleitung anboten. Fräulein Stirn lehnte dieselbe dankend ab und schritt ruhig weiter. Sie hatte sich noch nicht 25 Schritte von den Dreien entfernt, als diese sich umwandten, Einer derselben ihr den Schleier vom Gesicht riß, ein anderer sie würgte und der Dritte ihr das Portemo- naie, das nahezu HlO Geld und einen gol- denen Ring enthielt, aus der Tasche riß. Die Beraubte klagte ihr Leid dem nächsten ihr begegnenden Polizisten und gab diesem eine genaue Beschreibung der Banditen. Den Detectivcs Golden und Finerln gelang es heute früh auf Grund dieser Beschrei- bung William Basler, alias McAulifs, alias Ryan, sestzunehmen und unter der Anklage des Raubansalls, Angriffs, Aus- stoßens von Drohungen und unordentlichen Betragens dem Richter Eberhardt vorzu- führcn. Um den Detectivcs Gelegenheit zu geben, auch der beiden anderen Räuber- James und William Eollins habhaft zu werden, verschob der Richter den Fall bis zum 24. und stellte den Angeklagten unter PI2OO Bürgschaft. John W. Ela und Harry Rubens, zwei der Drei vom Mayor zu Mitgliedern der Polizei-Commission ernannte Herren, haben heute Vormittag bereits erklärt, daß sie sich sofort Morgen an die an sie gestellte Aufgabe heranmachen werden, und daß sic einen Plan für die Reorganisation der Polizei aus Grund eines Eivil-Dienst- Systems im Einklang mit den Ideen des Mayors entwerfen werden. Viehmarkt. Schweine sind besserer Qualität und um 5(«10 Cent billiger. Schwere brachten 4.50G4.95, leichte 4.00(«4.50, durchein- ander 4.25(Ä4.80. Rindvieh und Schafe fest; letztere um 5 (110 Cent theucrer. Zufuhr 35,000 Schweine, 8,500 Stück Rindvieh, 14,000 Schafe.

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