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Abendblatt Newspaper Archives Nov 19 1894, Page 1

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Abendblatt (Newspaper) - November 19, 1894, Chicago, Illinois-Herausgegeben von der Illinois S>taats-Aeitungs-Eo. Ehicago, Nlontag, 19. November 1894. Preis 1 Tent. 47. Jahrgang. BlO. 275. Uevevvlirk Htnd Krrrzgefaßles. Wir behalten heute und morgen nochSonnenschein, und morgen nimmt auch dieKälte etwas ab. ln Petersburg hat heute die Bei-setzung der Leiche Alexanders 111. in St. Peter und Paul stattgefunden. In Berlin wohnte der Kaiser einem Trauergottes- dienst in der Kapelle der russischen Bot- schaft bei. - In der italienischen Provinz Cala-brien fanden gestern und in der Nacht wiederum Erdbebenstöße statt, die indessen keinen Schaden mehr anrichteten. Die Verlustliste schwillt immer mehr an. Der Vulkan Colima in Mexikoist wieder in voller Tbätigkeit und die seinem Krater entsteigende Feuersüule er- hellt die Umgegend meilenweit in der Runde. ltalien lehnt eineEinmischung seiner-seits in den Streit zwischen Japan undChina ab. Auf Lombok hat es wieder einenblutigen Strauß zwischen Holländern und rebellischen Eingeborenen abgesetzt. Auf der New Aorker Fondsbörse sind die Preise heute um pCt. gewichen und um Elf war die Haltung matt. Hier stieg Weizen im Maitermin von 61Z auf 61<, ging aber wieder auf 611 zurück. Mais sank von auf Hafervon 32ij auf 32>. Schweinefleisch ging auf 12.65 und 12.75 hinauf, Schmalz auf 7.30 und 7.35, Rippchen auf 6.42 j und 6.45. Der Jnquest über die Leiche von Gu-stav Colliander wird morgen abgehalten. Es wird sich dabei Herausstellen, ob die Kugel, welche dem Leben des Schweden ein Ende machte, aus einem 38kalibrigen Re- volver oder aus einem andern kam. Im ersteren Falle werden die Freunde der ver-dächtigen Strolche geltend machen, daß Polizist Michels, der bekanntlich selber verwundet wurde, den Schuß abfeucrte. Die betreffende Kugel befindet sich angeb-lich im Besitz des Coroners. Einen elenden Sündenlohn verdienen verschiedene Coutractoren am Abwasser- kanal dadurch, daß sie ihren Arbeitern mo- natlich 50 Cents für ärztliche Pflege in Krankheitsfällen abziehen, dann aber die erkrankten Arbeiter nach dem Cüunty-Hospital schicken, wo sie auf Regiments- Unkosten verpflegt werden. Die betreffen-den Behörden wollen diese Sache unter- suchen. Wenn O'Malley sich wirklich in einerErnüchterungsanstalt in Hyde Park, nicht aber in Newark befand, wie er behauptet, dann kann man es ihm fast nicht verübeln, daß er den Ort seines Stilllebens verheim- lichte. Selbst der ärgste Schnapstrinker behauptet gewöhnlich, daß er allein mit seinem Rausch fertig werden kann. Tekegruplnscke Depeschen. Feuer in einem Eourthause. Die Bücher des Schatzmeisters und Assessors verbrannt. Shelbyville, Jll. 19. Nov. Gestern morgen gegen drei Uhr, wurde in der Office des County Clerks Feuer bemerkt; dasselbe war neben der Office des Schatzmeisters zum Ausbruch gekommen. Das Gebäude mar im Jahre 1878 mit einem Kostenaufwands von 4100,000 er- richtet worden und beinahe feuerfest. Die Ofsic des Countyclerks brannte vollständig aus, und auch alle westlich vom Corridor gelegene Zimmer wurden durch die Flam- men schwer beschädigt. Sämmtliche Assessors- und Collektorsbücher, außer denen von sechs Townships verbrannten. Der Ursprung des Feuers ist unbekannt, aber wahrscheinlich entstand dnsselbe durch eine schadhafte Dampfröhre. Der Verlust beläuft sich auf etwa 425,000. Lohnherabsetzung. Neunhundert Arbeiter um 20 v. H. ihres Lohnes beschnitten. P it ts b u rg, Pa., 19. Nov. Etwa 900 Arbeitern der „Westinghouse Air-Brake Works" in Wilmerding ist eine Lohnherabsetzung von etwa 20 v. H. ange- kündigt worden. Dieselbe soll von beute an eintretcn. Man glaubt, daß die Leute dieselbe annehmen, und bei der Arbeit blei- ben werden. Die brennende PAeife im Bette. Eine alte Negerin das Opfer ihrer Unvor- sichtigkeit. Kansas City, Mo., 19. Nov. ; Phelinda Lovuig, eine alte Negerin, No. s 1010 West 20. Str. wohnhaft, ging gestern i Abend mit brennender Pfeife zu Bette. Die l Folge war, daß das Bettzeug in Brand ge- s rieth und die alte Frau in den Flammen l ihren Tod fand. s Vulkanische Belechtung. Der Vulkan Eolima liefert auf viele Meilen ! im Umkreise freies Licht. Mexiko , Mex., 19. Nov. * Eine mehrere hundert Fuß hohe Flamme steigt aus dem Krater des Vutkaues Co- tjma empor, und beleuchtet die Gegend auf viele Meilen im Umkreise. Die Bevölke- rung wird dadurch in Angst und Schrecken l gesetzt. , Schiffsnachrichten. In der Nacht anqekommen: Havre „La Bourgogne" von New ti Z)ork. b Southampton „Trave" von New Dort, v Liverpool „Loch Marie" von Char- c leston. ff New Aork „La Touraine" von Havre, u Beisetzung des verstorbenen E?aren. h Dieselbe fand heute Morgen in der Kathedrale von St. Peter und St. Paul statt. r Die Metropolitane von St. Petersburg und - Moskau leiteu die Todtenfeier. St. Petersburg, 19. Nov. I Heute fand die Beisetzung der Leiche des verstorbenen Czaren, Alexander 111., in der Kathedrale von St. Peter und St. Paul ° statt. lieber der Stadt lag ein dichter Nebel, ) aber die Bevölkerung war schon zu frühere Stunde auf den Beinen, und zugleicher - Zeit begannen die zur Theilnahme an derr Feierlichkeit kommandirlen Truppen ihre Stellungen einzunehmen. . Die Kathedrale war von Menschen ge- -> füllt, einschließlich aller Vertreter der kai- serlichen und königlichen Familien von Europa. Die Feier fand unter der Leitung der Metropolitane von St. Petersburg und Moskau statt. Der erstere geleitete die Czarin zu ihrem Platze in der Nähe des ) Sarges, welcher in der Mitte der Kathe- -1 drale aufgebahrt war. Der Czar, die Großfürsten und die Mil- glieder der anwesenden königlichen Fa- ! milie nahmen zur Rechten des Sarges Aufstellung, während die vielen anwesen- - den Offiziere sich hinter den Sarge aufstell- ) ten. Zur Linken des Sarges befanden sich die . auswärtigen Gesandten mit den Ministern und zahllose Abordnungen aus russischen und auswärtigen Städten, einschließlich mehrerer Delegationen aus Frankreich, be- . fanden sich in verschiedenen Tyeilen der Kathedrale^ Der Trauergottesdienst begann um halb elf Uhr und dauerte bis vier Uhr. Mehr . als dreißig Mitglieder der königlichen Fa- milien Europas hatten sich mit glänzendem j Gefolge zu der Todtenfeier eiugefnnden. Nach Beendigung des Gottesdienstes warfen die Czarin, der Czar und andere l Anwesende noch einen letzten Blick auf die - Leiche Alexanders 111., worauf der Czar ' den kaiserlichen Mantel über den Sarg l ausbreitete, welcher sodann von ihm und : mehreren Großfürsten zur Gruft getragen wurde. peiroto's Dankbarkeit. Eine Menge Offiziere des Heeres und der Flotte befördert. Rio de Janeiro, 19. Nov. Eine der letzten Handlungen des Generals Peixoto als Präsident war, einer gewal- tigen Menge von Armee- und Flotten- Offizieren einen höheren Rang zu ver-leihen, weil sich dieselben während der Re- volution als treu erwiesen hatten. Obgleich dadurch die Ausgaben für das Heer und die Flotte verdoppelt werden, wird sich der Congreß, da es geschah, um die Loyalität der Betreffenden zu belohnen, nicht weigern, die Ernennungen zu be- stätigen. Am 14. November, dem letzten Tage sei- ner Negierung, belegte Peixoto eine Gesetz- vorlage zur Verminderung des Heeres mit seinem Veto. Der Congreß wird jedoch demnächst eine ähnliche Bill annehmen, da Präsident Moraes nicht die Absicht hat, ein großes stehendes Heer beizubehaltcn. Unangenehme Ueberraschung. Der Passagier eines Dampfers in Halifax verhaftet. Halifax, N. S., 19. Nov. In Folge einer Depesche von England ist William Croker Coward, ein Passagier des Dampfers „Labrador" von Liverpool, bei seiner Ankunft in diesem Hasen verhaf- tet worden. Die Polizei in Moville, Ir- land, wo der Dampfer nach seiner Abfahrtvon Liverpool anlegte, hatte das Schiff durchsucht, aber den Mann nicht gefunden. Coward wird beschuldigt 42500 gestohlen zu haben. Bei seiner Verhaftung fand man über 47000 bei ihm. Vor einigen Jahren wandertc Coward von England nach Texas aus, verkaufte dann seine dor- tige Farm, und kam nach England zurück, um mit seiner Frau zusammen zu treffen. Er befand sich auf der Reise nach Britisch Columbia, und erklärt, daß er im Stande sei, seine Unschuld zu beweisen. Unruhen in Venezuela. Der Präsident will resigniren und das Land verlassen. Caracas, Venezuela, 19. Nov. Es heißt, daß der Präsident Crespo, da- durch, daß es ihm nicht gelungen ist, die Ruhe im Lande herzustellen, cnlmuthigt ist und zu resigniren und nach Europa zu gehen beabsichtigt. Der General Pades oll Crespo erklärt haben, daß die Regie- rung, wenn sie dauernden Frieden wün- sche, alle annehmbaren Forderungen der Opposition bewilligen müsse. Der Ge- neral Monsticattino, der Chef der Ar- tillerie, welcher an der letzten Verschwörung bethciligt war, ist verschwunden. Einige Personen glauben, daß er erschossen wor- den ist, während er sich nach Ansicht An- derer zu den Rebellenführern begeben hat. - Noch zwei Leichen gefunden. Meckere Opfer der Waldbrände vom z. Sep- tember. Minneap 0 lis, Minn., 19. Nov. Von Dulnth wird gemeldet, daß im nördlichsten Theil des abgebrannten Ge- ietes weitere zwei Opfer der Waldbrändeom 1. September aufgefundcn sind. Die leine Leiche war die des Capt. L. Brook aus Pine Cily, Minn.; die zweiteLeiche konnte z nicht idenlisizirt werden. Das Erdbeben in Italien. Gestern wurden noch mehrere schwa- che Erdstöße wahrgenominen. Zwei heftige Erdstöße auf der nördlichen Küste von Sizilien. > R 0 m , 19. Nov. Depeschen aus der vom Erdbeben heim- gesuchten Provinz Reggio di Colabria , melden, daß dort gestern noch mehrere ' schwache Erdstöße verspürt wurden. Ob- ' gleich kein weiterer Schaden ungerichtet Wurde, befinden sich die Einwohner immer noch in großer Angst und fliehen aus den j Ortschaften in das offene Land. In Se- . minara sind dreizehn Personen umgekom- j men und über 50 trugen Verletzungen da- j von; fast die ganze Ortschaft wurde zer- ' stört. In Palmi, wo fast sämmtliche Häuser eingestürzt sind, fanden sieben Personen ihren Tod und wurden 50 verletzt; in Malochio und Tcrranuovo wurden viele Häuser zerstört und die Bevölkerung bat ' sich, obgleich Niemand dort um's Leben i gekommen ist, in's Freie geflüchtet. Die Truppen in der Provinz Reggio di Calabria leisten der bedrohten Bevölkerung allen möglichen Beistand. Gestern Abend fanden in Milezzo, auf i der nördlichen Küste von Sizilien, zwei heftige Erdstöße statt. Die Bewohner flohen aus der Sladt und übernachteten auf dem freien Felde. M Fidele „Lowboys." Sie besteigen im Jndianergebiet einen Bahn- zug und halten ein Saufgelage ab. Sedalia, Mo., 19. Nov. Gestern wurden die Passagiere eines Zu- ges der Missouri, Kansas und Texasbahn nn Jndianergebict durch ein Dutzend „Cow- boys" in Angst und Schrecken gesetzt. Die Burschen bestiegen den Zug an einer kleinen Station, und machten es sich sofort in ei- nem Wagner'scheu Schlafwagen bequem. Das erste war, daß sie Schnaps verlangten, worauf ihnen jedoch erwicdert wurde, daß kein Schnaps an Bord sei, weil es ungesetz- lich sei, im Jndianergebict Spirituosen zu verkaufen. Darauf aber wurde dem „Por- ter" kurzer Hand bedeutet, daß wenn er nicht sofort Getränke herbeischaffe, es ihm einigermaßen schlecht gehen würde, und das half natürlich. Dann tranken die „Boys" für 419 Schnaps, bezahlten merkwürdiger Weise auch dafür, machten aber einen so furchtbaren Skandal dabei, daß den Passa- gieren Hören und Sehen verging. Schließ- lich wollten sie auch noch im Schlafwagen ein Wettschießen beginnen, liefen sich aber endlich bereden, ihre Schießübungen drau- ßen und zogen dann, ohne wei- teren Schaden anzurichten, von dannen. Werden warm empfangen werden. Bahnräuber brauchen Geld und planen einen neuen Ueberfall. Visalia, Cal., 19. Nov. Die Beamten der Southern Pacific Bahn haben in Erfahrung gebracht, daß auf der Station Alilia wiederum einßahn- raub in's Werk gesetzt werden soll. Es ist dies derselbe Ort, wo die Dalton'sche Bande vor mehreren Jahren einen Ueber- fall machte. Es ist eine verlassene Sta- tion, denn die Bewohner verließen denOrt, als die Bahngesellschaft ihre dortige Agentur aufgab, und eignet sich vorzüglich zu einem Raubanfall. Es fehlt meilenweit nach allen Richtungen hin an einer tele- graphischen Verbindung, und für Bahn- ränber könnte es kein günstigeres Terrain geben. Angesichts dieser Mitthcilung werden die Bahnzüge jetzt vom Sheriff von Tulare County mit einer starken, bis an die Zähne bewaffneten Truppe begleitet. Recht so! Der neue brasilianische Präsident spricht mit seinen Offizieren ein vernünftiges Wort. Rio de laneir0 , 19. Nov. Präsident Moraes hat die höheren Offiziere der Flotte und des Heeres vor sichbeschieden und ihnen in Gegenwart des Kriegs-und Flottenministers erklärt, daß er sie für Unruhen zwischen den Soldaten und Seeleuten verantwortlich machen wird. Will nichts damit zu thun haben. China und Japan sollen allein mit einander fertig werden. London, 19. Nov. Von Nom wird gemeldet, daß Italienden Mächten mitgetheilt hat, daß es keiner Art der Einmischung zwischen China undJapan seine Zustimmung geben wird. Legen ihr Amt nieder. Oer Minister de Giers und derKriegsminister haben ihre Resignation eingereicht. B e r l i n, 19. Nov. Die Frankfurter Zeitung sagt, daßde Giers, der russische Minister desAcußercn, und der General Wannowski, der russische Kriegsminister, resignirt haben. Der Präsident hat resignirt. Er hält sein Leben für gefährdet und Hot sich eine Leibwache augeschafft. / ' Buen 0 sAires, 19. Nov. j Der Präsident Saens Pena hat dem Con- , greß seine Resignation zugesandt. Seine j Freunde hatten sich geweigert, dieselbe vor- l zulegen. Pena witterte die Gefahr und hat 1 sich Mit einer Leibwache umgeben. j Deutsche Kriegsdressur. - was die Japaner in Deutschland gelernt haben. 1 Mittheilungen eines amerikanischen Seeoffi- ziers darüber. Pro vin cet 0 wn, Mast'., 19. Nov. - Ein Offizier des Bundesschisses „Con- i cord" macht in einem aus Chemulpo in : Korea vom 7. Oktober datirten Briefe fol- gende Mittheslungen über die Schlacht am ' Palu: „Die Japaner sind treffliche Sol- - datcn; in der Schlacht vom 17. September 1 haben die Chinesen 15,000 Tootc verloren, während der Verlust der Japaner nur 300 Mann betrug. In Geschwindigkeit und - gutemManöveriren übertrefsen die Japaner ' Alles, ivas ich je gesehen habe. Innerhalb zweier L-tunden schlugen sie eine Schiffs- - brücke über den Fluß, und hatten 20,000 Mann mit schwerer Artillerie auf das an- dere User übergesetzt. Jeden Tag werden ! Truppen gelandet, die den Marsch nach Peking antreten." „Am 27. September nahmen sie einen Platz, erbeuteten 4300,000 und machten, dem Berichte nach, jeden Chinesen im Orte nieder. China mag Millionen Soldaten in's Feld stellen, aber mit den Japanern können sie keinen Vergleich aushalten. Ein Sieg der Holländer. Die Festung Tjakranegara auf Lom- bok erstürmt. Der rebellische Rajah jedoch entkommen. Batavia, Java, 19. Nov. Die Holländer haben die Festung Tjakra- negara auf Lombok erstürmt; dieBalinesen leisteten verzweifelten Widerstand, und die Holländer verloren 150 Mann an Todten und Verwundeten. Vom Rajah und seinen Schützen wurde keine Spur gefunden. Das Wrack eines Schooners. Der Dampfer „Etona" passirt einen ent- masteten Schooner, und das obere Deck eines anderen Fahrzeuges. NcwYork, 19. Nov. Der Dampfer „Etona" von Buenos Aires berichtet, daß er am 16. Novemberaus 31.50 Breite und 69.20 Länge, den verlassenen Schooner „St. John", von St. John, N. 8., gesehen habe, dessen Rumpf sich in gutem Zustande zu befinden schien. Was aus der Bemannung des Schooners geworben ist, weiß man nicht. Das Wrack liegt gerade im Kurs der von Westindien nach New Aork gehenden Dam- pfer und geführte! die Schifffahrt. Gestern passirte die „Etona" auf 37.48 Breite und 72.20 Länge ein großes Stück des oberen Deckes eines Schiffes; dasselbe war 50 bis 60 Fuß lang, 15 bis 20 Fuß breit und roth angestrichen. Es hatte sich noch nicht lange im Wasser befunden, da die Farbe noch frisch war. Schnaps war schuld daran. Nach einer langen Sauftour griff er zum Revolver. Nashville, 19. Nov. Charles Robinson, früher Hauptmann einer hiesigen Artilleriecompagnie, beging gestern Morgen Selbstmord, indem er sicheine Kugel durch den Kopf schoß. Er warfünf und dreißig Jahre alt und hatte mehrere Wochen lang mehr Schnaps ge- trunken als er vertragen konnte. Die gefährlichen Zündhölzchen. Ein Kind in Abwesenheit der Mutter ver- brannt. St. Joseph, Mo., 19. Nov. Gestern schloß Maggie Walker, eine armeFrau, ihre beiden Kinder, im Alter von drei und sechs Jahren, in ihrer Wohnungein, um in der benachbarten Grocerie etwas zu kaufen. Als sie zurückkam, stand das Haus in Flammen und eins der Kinder war verbrannt. Die Kinder hatten mit Zündhölzchen gespielt und dabei waren die Kleider des einen in Brand gerathen. Eine neunzigjährige Selbstmörderin. Sie durchschncidet sich mit einem Rasirmesser den Hals. Galesburg, Jll., 19. Nov. Die neunzigjährige Frau Isaak Paden, welche seit einigen Tagen bettlägerig war, stand gestern Abend auf, holte sich das Ra- sirmesser ihres Mannes und brachte sich eine tiefe Schnittwunde am Halse bei. Sie hatte die Absicht, sich die Kehle abzu- schneiden, aber Alter und Krankheit hatten ihre Kräfte gelähmt. Obgleich die Wunde nicht gerade tödtlich ist, wird sie derselben aller Wahrscheinlichkeit nach doch erliegen. Ihr 94jhriger Gatte ist über die verzwei- felte That seiner Frau untröstlich. Tod eines Politikers. Der Staatssenator Roß heute gestorben. B 0 y lest ou, Pa., 19. Nov. Heute ist hier der Staatssenator Geo. ! Roß in seinem 53. Lebensjahre an der > Brigbr'schen Krankheit gestorben. In den Jahren 1884 und 1888 war er Congreß- ! kandidat im siebenten Congreßbezirk, wurde aber von seinem republikanischen Gegner i geschlagen. Sein Vater, Thos. Roß, ver- ' trat von 1847 bis 1853 die Counties Bucks , und Lehigh im Congreß. Der Verstorbene 1 h interlüßt eine Wiltwe und sechs Kinder. ! Trauergottesdienst in Berlin. > Zu Ehren des verstorbenen Ezaren Alexander 111. - Der Kaiser, die Kaiserin und das ganze diplomatische Eorps wohnt dem- selben bei. Berlin, 19. Nov. l Heute fand in der Kapelle der russischen : Botschaft zu Ehren des verstorbenen Czaren 1 Alexander 111. ein eindrucksvoller Gottes- dienst statt. Die Geschäfte in der Nach- ' barschaft waren während des Gottesdienstes , geschlossen, und außerhalb des Gebäudes > war eine Ehrenwache aufgestellt. Der » Kaiser Wilhelm in russischer Uniform, fuhr ' in Begleitung derKaiserin in einem offenen > Wagen zum Botschaftsgebäude, und wohnte der Feier bis zum Ende bei. Das ganze l diplomatische Corps, einschließlich des ame- rikanischen Botschafters Theodore Runyon, und viele hochstehende Persönlichkeiten hat- ten sich zu der Feier eingefunden. Städtisches. DasWetter. Optiker Kleine, 76 Washington Str., berichtet für Chicago die folgenden Baro- meter- und Thermometerstände: Um 8 Uhr Morg. 14 Gr., um 9 Uhr 16 Gr., um 10 Uhr 18 Gr., um 1 Uhr 18 Gr., um 12 Uhr 20 Gr. Barometerstand um 8 Uhr Morg. 29.35, 12 Uhr 29.35. Briefkasten. A. Z. Mount Vernon. Frage 1: Sie können Ihren Paß abermals um 2 Jahreverlängern lassen. Frage 2: Wenn Sie vor Ihrem 17. Jahre Deutschland ver-ließen, später in Amerika Bürger wurden und wieder zurückkehren, dann können Sie nicht mehr zum Militärdienst gezwungen werden. Frage 3: Ein amerikanischer Bürger kann in Deutschland ein Geschäftbetreiben, doch muß er nach Ablauf zweier Jahre entweder Bürger werden oder das Land verlassen. C. H. — Unter Rohseide ist abgehas- pellc Seide zu verstehen. Seidenraupen werden in den Ver. Staaten gezüchtet und zwar, unseres Wissens, in Alabama, Kan-sas und Nebraska. Wegen des Preises von Cocons müssen wir Sie an Charles A. Stevens L Bros. 111 State Str. ver- weisen. Nein Gemeinschaden. Die Kalkbrennerei an der ty- und Lincolnstr. soll in Betrieb bleiben. Dem stadträthlichcn Comite für Gesund- heitswesen lag in seiner heute Vormittag abgehaltenen Sitzung der Bericht des von ihm ernannten, und den Ald. Finkler, Chopman, Deist und Ballow bestehenden Subcomitcs vor, welchen die Untersuchung über die von den Bewohnern der Nachbar- schaft der Lincoln und 19. Straße über der Chicago Union Lime Work erhobenen Be- schwerden übertragen worden war. Die Bewohner jener Gegend hatten den Stadt- rath das Gesuch unterbreitet, den ferneren Betrieb der Kalkwerke zu verbieten, da durch die in der Anlage vorgcnommenen Steinsprcngungen die Häuser in der Nach- barschaft schwer geschädigt und außerdemdie Bewohner stark durch den aus den Schornsteinen der Anlagen strömenden stinkenden Rauch belästigt würden. Das Subcomite des Comiles für Ge- sundheitspflege hat sich nun persönlich nachder Gegend an der 19. und Lincoln Straße, sowie nach der Kalkbrennerei selbst begeben und es will dabei ermittelt haben, daß die Sprengungen dort ganz ohne Gefahr für Eigenthum und Leben der Anwohner voll- zogen werden, wie auch, daß von einem stinkenden Rauch dort nicht die Rede sein könne. In Anbetracht dieser Ergebnisse seiner Untersuchung, sowie des Umstandes, daß die Kalkbrennerei dort schon über 30 Jahre bestehe und daß sie über 200 Per-sonen Arbeit giebt, empfahl das Subcomite, daß das Gesuch der Bewohner jener Gegend um Schließung derKalkwerfe zu den Akten gelegt werde, und daß der Betrieb der Kalk- werke nicht gestört werde. Dieser Empfeh- lung stimmte das ganze Comite bei, trotz- dem mehrere Anwohner der Kalkwerke nochmals gegen Gemeinschaden in ener- gischer Weise zu protestiren versuchten. Verwegener Raubversuch. Am Samstag Nachmittag betraten zwei Strolche das Juwclengeschäft von G. Dilgen, 419 West Chicago Ave. und ver- langten von diesem die Herausgabe sämmt- licher Werthsachen, die er dort liegen hatte. Dilgen ließ sich aber, trotzdem einer der Kerle einen Revolver in der Hand trug, nicht von ihnen einschüchtcrn, sondern griff nach seiner unter dem Ladentisch liegenden Schießwaffe und drückte dieselbe auf die Eindringlinge ab. Die Waffe versagte jedoch den Dienst und sah er sich deshalb genöthigt, sich auf andere Weis? zu verthei- digen. Er thal dies indem er mit einem schweren Stock auf die Kerle eindrang. Diese wollten es auf eine Schlägerei nicht ankommen lassen und ergriffen daher die Flucht. Als sie aber aus dem Laden heraus- kamen, liefen sie den Polizisten Nasheun und Ryan m die Arme, welche sie sofort in Hast nalunen und nach der West Chicago Ave.-Station brachten, wo sie sich Robert Good und T. Moore nannten. Ersterer wurde heute früh von Richter Severson unter 46500, und Letzterer unter 43000 Bürgschaft dem Criminalgericht über- wiesen. Vorladung für den Kläger. Eugene C. La Mont, welcher Joseph Battles in einer Wirthschaft an der Wells L>tr. durch die linke Brust schoß, wurde heute Morgen von Richter Kersten unter 42000 Bürgschaft gestellt. Der Polizist Tallowitz berichtete, daß Battles erklärt habe, er würde nicht als Ankläger gegen seinen Freund auftreten. Richter Kersten erließ jedoch eine Vorladung gegen Battles und wird am 27. November eine Verhand- lung in der Sache ab halten. Vielleicht Sanders' Wörder. Drei berüchtigte Strolche sollen angeblich an der Ermordung des Londucteurs Sanders betheiligt gewesen sein. Drei geriebene Gauner, Namens Cohle, Marek und Smith, welche augenblicklich in verschiedenen Polizeistationen der Stadt sitzen, verdächtigt man, an der Ermordung des Conducteurs am 1. d. M. auf einem Frachtzuge der Great Western-Bahn theil- genommen zu haben. Die Kerle gehören zu den gefährlichsten Bahnräubern, welche seit langer Zeit hier in Chicago ihr Un-wssen getrieben haben, und beläuft sich derVerlust, den sie den verschiedenen hier cin- laufenden Babnen verursacht haben, aus mindestens 46000. Am Freilag vor einer Woche verhafteten die Polizisten Whalen und Du Lee Smith, als dieser mit drei anderen in einen an der Kinziestr. und Western Ave. stehenden Frachtwagen cinzubrechen versuchte. Darauf gelang es den Geheimen Egan und Haycr von der Hinmanstr.-Station, Joseph Marek abzufassen, der einer Anzahl von Bahn- räubcreicn verdächtigt wurde. Coule ver- haftete man am vergangenen Freitag in feiner Wohnung an der Spaulding Ave. a uf eincnHustbcfchl eines dcrßahnangestcll- ten hin. In der Wohnung fand man ge- stohlenes Gut im Wcrthe von 41000 aus. Der Rtayor und die „Eivic Federation." Mayor Hopkins hat in einem ausführ- lichen, an die Herren D. K. Tenney, Adolph Nathan und W. I. Onahan adres- sieren Schreiben den genannten Herren, welche das „Anti-Gambling"-Comile der „Civic Federation" zusammcnsetzen, seinen Standpunkt klar gemacht. Er weist darin mit aller Entschiedenheit den ihm ge- machten Vorwurf, daß es ihm nicht Ernst sei mit seiner Erklärung, daß er mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln gegen die Spielhöllen Vorgehen würde, zu-rück, und übt zugleich eine scharfe Kritik über das Vorgehen der „Civic Federation" aus. Des Weiteren erklärt der Mayor in feinem Schreiben, daß er den Rest seiner Administration einer Reorganisation des PolizeidepaNcmcnts an Haupt und Glie- dern widmen, und darauf hinarbeiten werde, die Polizei vollständig von dem verderblichen Einflüsse der Politik zu trennen. Für die heutige Stadtrathssitzung. Mayor Hopkins wird heute Abend dem Sladtralh die nachfolgenden Ernennungen unterbreiten: Oberbaucommissär Jones zum Nachfolger des Comptrollcrs Acker- man und I. Mayo Palmer, bisher erster Gehülfe des Corporationsanwalts Rubens, zum Nachfolger des Letzteren. Die Stelle des Oberbaucommissär Jones wird vor- läufig von Hülfs - Oberbuu-Commissär Moody versehen werden. Degradirte Beamte. Durch einen Generalbefehl ordnete Po- lizeiches Brennan am Samstag Abend „aus Sparfamreitsrücksichten" die Degradirung von acht Geheimpolizei-Sergeanten zu ein- fachen Detcktives an. Unter den Degra- dirten befinden sich die drei deutschen Be- amten Hirsch, Zabel und Almerdinger, drei von den acht deutschen Detektive-Ser- geanten, die sich unter den 60 Beamten dieses Ranges befanden. Pneumatisches Uhren-System. Ein interessantes System von pneuma- tischen Uhren wird gegenwärtig im neuen Criminalgcrichts-Gebäude angebracht. In dem Maschinenraum befindet sich eine Cen- tral-Uhr von gewöhnlicher Konstruktion, welcher durchpneumatische Röhren milden Uhren in den verschicdcnenGerichtszimmern verbunden sind. Die Central-Uhr ist mit einer Hebelverrichtung versehen, welche jede Minute einmal ein in einem Cylindcr spie- lendes Piston in Bewegung setzt. Durch die Bewegung dieses Pistons wird die Luft in den Verbindungsröhren comprimirt, wodurch der Gang der Uhren, welche mit der Ccntraluhr in Verbindung stehen, regu- lirt wird. Der Zeiger der einzelnen Uhren rückt daher jede Minute einmal vor, und dementsprechend der Stundenzeiger. Tarbolsäure. Der 35jährige Louis Nehr, No. 3850 Armour Ave., erlag gestern Vormittag einer Dosis Karbolsäure, die er in selbst- mörderischer Absicht genommen. Er lebte anscheinend in glücklicher Ehe mit seiner ihm vor drei Monaten angetrautcn Frau, hinterließ aber an die Letztere einen Brief, in welchem er erklärte, daß er nicht längermit ihr zusammen leben könne. Gestern Abend nahm die 19jährige Wanda Poung ebenfalls Karbolsäure, wie angenommen wird, aus Liebeskummer. Sie wird mit dem Leben davonkamen. Ein anscheinend diebisches Ehepaar. Vor Richter Foster standen heute unter der des Diebstahls Robert C. James und Frau. Das Ehepaar hatte bis zum 7. Oktober in dem fashionablen Kost- Hanse der Frau Julia Longeor, 382 Wa- bash Ave., gewohnt. Als ste die Wohnung anfgabcn, verspürte die Wirthin den Ver- bot sehr wcrthvoller Pelz-Garnituren. Ihr Verdacht fiel sofort auf die James', und veranlaßt«: sie, als sie gestern dessen gegenwärtige Wohnung ermittelte, die Ver- haftung des Ehepaars. Von den gestohle- nen Sachen konnte bisher nichts gesunden werden. Richter Foster stellte das Ehepaar bis zum 27. Nov. unter 4800 Bürgschaft. Der Prohibitionsbezirk auf der Nordseite. Das stadträthliche Licenz - konnte er- nannte heute Vormittag ein aus den Ald. Finkler, Kaller und Rhode bestehendes Sub- comite, welches bel' ~cagl wurde, zu unter- suchen, ob die Schaffung eines Prohibi- tionsbezirks auf der Nordseile, in der Näheder Webster und Sheffield Ave., empfch- lenswerth sei oder nicht. Die Mitglieder des Licenzcomites sind sich bis jetzt noch nicht darüber klar geworden, ob dieses derFall ist oder nicht. Weitere Wahlgesetz - Verletzungen. i John Harringlon unter risoo an's Lrimi- nalgericht verwiesen. r? 5 Strafe wegen Tragens verborgener Waffen. Phillip Lrimble unter rsooo Bürgschaft gestellt. Die Aufspürungen von Wahlgesetz-Ver- letzungen durch den Marquette-Club wer- den mit Eifer fortgesetzt. Heute Morgen erschien Charles E. Anthony, der Anwalt des Clubs, als Vertreter der Kläger H. I.Fink, No. 66 Huronstraßc wohnhaft,' und H- I. Harms, No. 391 Eriestraße, vor Richter Kersten. Fink bezeugte, daß ervon John Harringlon in den Leib getreten wurde, als er sich nach dem 6. Prccinkt der 23. Ward zur Stimmenabgabe begab. Harringlon fluchte und sagte unter An- derem, daß er ein Dutzend Republikaner unschädlich machen werde. Von dem Stoß, welchen Fink in den Unterleib erhielt, bei- nahe besinnungslos gemacht, sank Fink in die Kniee und jetzt brachte ihm Harringlon mehrere Hiebe mit dem Revolver über den Kopf bei. Ein Arzt vernähte die Wunden. H. I- Harms beschwor ebenfalls, daß er von Harringlon niedergeschlagen wurde. Der Letztere wurde wegen des Angriffs unter 41500 Bürgschaft dem Criminalgc- richt überwiesen und wegen Tragens ver- borgener Waffen um 75 bestraft. Als ein weiterer Thcilnehmer an dem Mordangriff auf C. M. Dixon, den repu- blikanischen Challenger in dem Stimm- platz des 17. Precincles der 24. Ward, No. IT3 Jllinoisfiraßc gelegen, wurde Phillip -rrimble heute Morgen von Richter Kersten unter 45000 Bürgschaft gestellt. Aus dem Eriminalgericht. Angeblich qeistesumnachtet. In dem Prozeß gegen John Fowler, welcher seiner Schwester Bridget Boyd am 19. August in der gemeinschaftlichen Woh- nung, No. 53 Alexander Slr., den Halsabfchnilt, führte Vertbcidigcr Burres heute Vormittag Michael Murphy, William Buckhordl, einen Locomotivenhcizer, Robert Foster, John Gapinski, 11 Woleott Str. wohnhaft und Abe Cornwall, No. 2223 L>. Halsted Str. wohnhaft, als Zeugen vor. Dieselben behaupteten, daß der An- aeklagte zu Zeiten geiftesumnachtet war. Seine Mutter sei als Insassin des County- Asyls für Irrsinnige in Dunnung gestor- ben. Des Todtschlags schuldig. Vor Richter Chetlain bekannte sich heuteMorgen John Burke, ein junger Mann, des Todtschlags schuldig. Am 2. März d. I. begab sich John Burke mit einem Be- kannten in die Wirthschaft von B. Simon, No. 395 W. Taylor Slr. Die beiden Gäste geriethen mit dem Schankkellner David Boiarsky in Streit und Burke zog in dessen Verlauf seinen Revolver hervor, und erschoß Boiarskp. Heute Morgen begann die Zeugenvor- nahme vor Richter Chatlain; der Verthei- diger Kickham Scanlan hatte auf eine Jurn verzichtet. Mehrere Augenzeugen berichte- ten den Vorgang und nach diesen Aussagen erschien die Erschießung des David Boiarsky als ein brutaler Mord. Der Unterschlagung beschuldigt. Als Angeklagter vor Richter Adams saßgestern James F. Forfyth, welcher von James John, dem Sekretär der Masonic Building Loan L Saving Association, als dessen Hülsskassirer und Buchhalter 43000 unterschlagen haben soll. In der Vormit- tagsitzung begann die Auswahl der Geschwo- renen. Einem „Eonsidenzler" das Hand- werk gelegt. Der 19jährige Tagedieb Wm. Wilson beschäftigt sich seit einiger Zeit mit dem Rupfen von Passagieren auf Eisenbahn- zügen. Zu diesem Zwecke kaufte er auf den respectiven Bahnhöfen Tickets nach dennächsten Stationen, verläßt aber die Züge gewöhnlich schon vorher. Seine Geschäfts- Praxis besteht darin, daß er den ersten besten Passagier, bei welchem er Geld wittert, darum angeht, einen 10- oder 20-Dollar- schein zu wechseln und dann nicht nur mit dem Kleingeld, sondern auch den zu wech- selnden Schein vom Zuge abspringt, oder sich sonst irgendwo verborgen hält, bis der Zug sich einer Bahnkreuzung nähert, und entweder zum Stehen kommt oder lang-samer fährt. Dieses Manöver führte er bisher dutzende Male ungehindert aus. Doch am vergangenen Samstag wurde er auf einem Durchgangzuge derßurlington- Bahn dabei abgefaßt und eingcsperrt. Wilson ersuchte nämlich den I. G. Savage von 18. und Halsted Str. (der sich auf einer Reise nach Nebraska befand), ihm einen 420-Schein zu wechseln. Bereitwil- willig holte dieser fein Portefeuille heraus und zählte Wilson verschiedene 41-, 42- und .P5-Scheine vor. Eben wollte er (der Zug näherte sich in langsamer Fahrt der Kreuzung der 18. Str. und Western Ave.) wieder das alte Manöver ausführen, als er von dem auf dem Zuge befindlichen Polizisten August festgehalten und nach dem nächsten Alarmkasten ge- schafft wurde. Da Savage noch nicht von seiner Reise nach Nebraska zurückgekehrt ist, verschob Richter Dooley, dem Wilson heute unter der Anklage, ein „Confidence- Man" zu fein, vorgeführt wurde, die Ver- handlungen des Falles bis zum 23. und stellte Wilson bis dahin unter 4600 Bürg- schaft. Selbstmordversuch. Heute Morgen um halb zwei Uhr brachtesich die 22jührige Lena Olson in ihrem im Avoca Hotel No. 36 N. Clark Slr. gelege- nen Wohnzimmer in selbstmörderischerAb- sicht vier Schnitte am Halse bei. Dr.' Burson wurde gerufen und verband die Wunden. Er erklärte dieselben für nichtlebensgefährlich. Viehmarkt. Schweine besserer Qualität sind um 10 Cent theuerer. Schwere brachten4.50G5.10, leichte 4.10(g4.60, durchein- ander 4.30(Z4.90. Rindvieh und Schafe fest. Zufuhr 50,000 Schweine, 21,000 Stück Rindvieh, 8,000 Schafe.

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