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Abendblatt Newspaper Archives Nov 14 1894, Page 1

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Abendblatt (Newspaper) - November 14, 1894, Chicago, IllinoisHeransgegeben von der Illinois Staats-Aeitungs-To. Chicago, Mittwoch, 14. November 1894. Preis 1 Cent. 47. Jahrgang. -- No. 271. Uevevvlicir Und Kurzgefaßtcs. Schönes warmes Wetter, das auch Morgen noch anhält, wird für den Rest des-t-ages prophezeit. Südwind. 3OOO armenische Christen wurden in Türkisch-Armcnien von den Kurden nieder- gemacht und 25 Dörfer derselben zerstört. So wenigstens behauptet eine Depesche aus Kvnstantinopel. Die chinesisch- Regierung hat Eng-land wegen Angriffs auf ein britisches Schiff Genugthuung geleistet. Die Weizcnpreise gingen hier im Maitermin auf 60Z in die Höhe, die Mais- Prerse auf 50Z, und die Haferprcise Schweinefleisch wich auf Per Januar, Schmalz auf 7.10, Rippchen auf 6.10G6.15. Kaiser Wilhelm hat das Entlassungs- gesuch des Justizminisicrs v. Schelling angenommen und das Portefeuille dem Dr. Schoenstedt übertragen. Der französische Senat hat die Ro- sinenzölle erhöht. Kurse setzten auf der New Aorker Effektenbörse um eine Kleinigkeit niedriger an und eryolten sich im Laufe des Vor- mittags nur in vereinzelten Fällen, um alsbald wieder den Rückzug anzutreten. Die Stadt Portland in Oregon bc- herrbergt einen Telegraphen-Arbeiter, der sich rühmt der Urenkel des Königs George IV. von England zu sein. Dr. Cazier, welcher sich gelegentlich der Erkrankung eines Familienmitgliedes im Blatternhospital aufhielt, erklärt, daß in den drei Monaten August, September und Oclober, 224 Personen nach der er- wähnten Anstalt gebracht wurden und daß das Hospital den berechtigten Erwartungen bei Weitem nicht ensprüche. Die nächste Staatsgesetzgebung wird sich mit mehreren Vorlagen zu beschäftigen haben, welche eine Revision der Wahlge- setze und des Spezialsteuersystems und eine Trennung der Polizei und Feuerwehr von der städtischen Regierung befürworten. Der Bericht der Strikcommission an den Präsidenten paßt den Eisenbahnge'ell- schaften gar nicht. Sie fühlen sich sehr ge- troffen und lassen durch ihr Organ „Rail- way Age" erklären, daß der Bericht ent- stellt und deshalb werthlos sei. Sie fühlen sich also getroffen! Cekegrapinscüe Depescüen. Ein Urenkel George SV. Derselbe wohnet in portland, Greg., und ist als Arbeiter bei der „Western Union" angestellt. Er hat angeblich unantastbare Beweise für seine Abstammung in Händen. Portland, Oreg., 14. Nov. James L. Ord, ein bei der „Western Union Telegraph Company" angestellter Mann, hat Papiere und Dokumente in Händen, wodurch er Nachweisen kann, daß er ein Urenkel von George IV., dcm frühe- ren Könige von England ist. Als Prinz von Wales heiratbcte George IV. die Frau Maria Anna Fitzherbert, eine schöne Wittwe. Die Kinder aus die-ser Ehe waren von der Thronfolge ausge- schlossen, weil Vater und Mutter nach katholischem Ritus getraut waren, und die Mutter ein gläubiges Mitglied der katho- lischen Kirche war. Unter diesen Umstän- den war der aus dieser Ehe hervorgegangene Sohn eine stete Drohung für die Gemüths- ruhe des künftigen Königs. Schließlich wurde jener Sohn nach Amerika geschickt, wo er in seinem fünfundneunzigsten Jahre in Omaha starb. Er hinterließ sieben Kinder, von denen das jüngste, John S. Ord, in Santa Cruz, Cal., ist, dessen zweiter Sohn aber ist der jetzt in Portland, Greg., wohnende James L. Ord. Die Flucht des Sohnes nach Amerika ist eine historische Thatsache. Die Dokumente, welche seine Legitimität Nachweisen, be- finden sich in London, in Coalt's Bank, wo sie im Jahre 1883 vom Herzog von Wellington niedergelcgt wurden. Es wer- den jetzt Schritte gcthan, um die Bank zu zwingen, die Papiere zur Durchsicht vorzu- legen. Der Großvater des jungen Ord trat bei seiner Ankunft in Amerika während des Krieges von 1812 in die Bundesarmce, und wurde in England für einen Verräther er- klärt. Eine Schwester des jungen Mannes nst die Frau von S. W. Holliday, einem Advokaten in San Francisco. James L. Ord, welcher sich jetzt in Portland befindet, ist 24 Jahre alt, von mehr als mittlerer Größe, und ein gut aussehender Mann. lustizniinister Schelling abgetreten. Dr. Schönstedt zu seinem Nachfolger ernannt. Berlin, 14. Nov. Kaiser Wilhelm hat die Resignation des preußischen Justizministcrs Dr. Hermann v. 'pchelling angenommen, und den Dr. Schönstedt, früheren Präsidenten des Appellationsgerichtcs in Celle, zu seinem Nachfolger ernannt. Dr. Schönstedt ist Katholik und seine politischen Ansichten sind nicht bekannt. Es heißt, daß die Con- servativen mit der Ernennung einverstan- den sind. Dr. v. Schelling ist durch die Verleihung des Großkreuzes des rothen Adlerordens mit Diamanten geehrt worden. Angst vor dem Rebellen Rlanigat. Hippolyte schließt mit feinem Nachbar Hcn- reux einen Vertrag ab. P ort au Prin 'ce, Haiti, ) 14. Nov. s Der Präsident Hippolyte hat mit Heu- reur, dem Präsidenten von San Domingo, einen Vertrag abgeschlossen, wonach dem General Manigat nicht gestattet werden soll, in San Domingo zu landen. DieWdensgeschichte -es alten Clay. Wie iliin feine Kinder die itinen erwiesene Liebe kolinte». Sem nichtsnutziger Verwalter und Lehen Frau. Verleumdungen über Verleum- dungen. Seine schließliche Heirath mit Dora Ri- chardson. Lexington, Ky>, 14. Nov. In einer Unterredung mit dem General Cassius M. Clay, welcher die kleine Dora Nichardson heirathetc, erzählte derselbe fol- gende sensationelle Geschichte aus seinem häuslichen Leben: „Seitdem ich von meiner Frau, welche mit ihrer ganzen Verwandtschaft meiner Anli-Sklavereithätigkeit wegen, gegen mich eingenommen war, die Scheidung erlangt hatte, wurde Alles daran gesetzt, um mich davon abzuhalten, mich wieder zu verhei- rathen. Als ich das Kind, welches jetzt Lonnie Clay heißt, von Rußland mit- brachte, thal ich nicht, was Andere thaten, daß ich mein eigen Blut und Fleisch vcr- leugnetc, sondern ich adoptirte das Kind und stellte es auf dieselbe Stufe wie die meiner anderen Kinder, als Miterbin dieses großen Besitzthumes. Sie müssen wissen, daß mein Vater, Green Clay, wel- cher während des Krieges von 1812 ein tapferer Soldat war, mir diesen großen Grundbesitz nur zur Nutznießung hinter- ließ, und es meinen Kindern vermachte. Ich hätte die Einkünfte bis zu meinemTode genießen können, aber ich liebte meine Kinder und vertheilte die Ländereien unter sie, während ich selbst nur dies Haus, wel- ches ich aus eigenen Mitteln und mit einem Kostenaufwands von §IOO,OOO baute, und 360 Acker Land für mich behielt." „Um ein für meinen Bedarf genügendes Einkommen zu haben, lasse ich mir von meinen Kindern eine jährliche Pacht von einem Dollar den Acker bezahlen. Diese verpachten ihr Land zu §8 bis §l2 den Acker, und Sie sehen also, daß sie den Nutzen aus dem Lande ziehen, welches bis zu meinem Tode thatsüchlich mir gehört." „Als Lonnie hierher kam, trat sofort eine systematische Verschwörung gegen ihn in's Leben, und es wurde ihm langsam wirken- des Gift beigebracht. Das ist der Grund, weshalb er nicht größer ist, als Sie ihn jetzt sehen. Er ist 26 Jahre alt, und scheint nicht mehr als 18 Jahre alt zu sein. Sein Wachsthum wurde künstlich gehemmt, und sie versuchten ihn auf geheimnißvolle Weise bei Seite zu schaffen: als ihnen dies nicht gelang, ließ eins ihrer Werkzeuge den Jungen, als er noch klein war, aus dem zweiten Stockwerke dieses Hauses zum Fen- ster hniausspringen, und nur durch ein Wunder wurde sein Leben gerettet. Ich habe den Mann, welcher den Jungen um- zubringen versuchte, unschädlich gemacht, indem ich zwei Schüsse aus meiner Pistole auf ihn abfeuerte, von denen ihn jeder ein- zelne getödtet haben würde. Die Umstände sprachen so stark zu meinen Gunsten, daß keine Anklage von Seiten der Gerichte gegen mich erhoben wurde." „Mehrere Male, als ich im Begriffe stand, mich wieder zu Verheiratlien, legten sie mir Hindernisse in den Weg, und hin- tertricben meine Verheirathung. „Diese letzteren Schwierigkeiten entstan- den vor etwa drei Monaten. Bis dahin hatte ich S. C. Moore und dessen Frau, bezw. als Verwalter und Haushälterin in meinem Dienst. Die Leute wurden aber so frech, daß es schien, als ob sie die Herren und ich der Diener bin. Das konnte ich mir natürlich nicht gefallen lassen. Außer- dem noch verbreiteten sie das Gerücht, daß ich mit Mary Lee Bowling, welche in der Haushaltung half, und mit Dora, meiner jetzigen Frau geschlechtlichen Umgang habe. „Dies aber war eine scheußliche Lüge, an welcher, so wahr Gott mein Zeuge ist, kein wahres Wort war. Es gelang ihnen aber doch dadurch Mary zum Fortgehen zu be- wegen, und sie wurde später an einen jun- gen Burschen verheirathet." „Dann versuchten sie Dora gegen mich einzunehmen, aber auch dies gelang ihnen nicht, und als ich von diesen Umtrieben hörte, jagte ich sie davon. Dies war je- doch keine leichte Arbeit, denn nachdem sie euva dreißig Mann unter ihren Freunden zusammengebracht hatten, versuchten sie einen Angriff auf mein Haus. „Ich war aber vorbereitet und als sie sahen, daß ich Jeden niederschießcn würde, der mich angrcisen sollte, zogen sie ab und sind auch nicht wiedcrgekommcn. „Ich hatte mein Gewehr geladen und hätte die Bande das Haus angegriffen, so wären mehrere Leichenbegängnisse die sichere Folge gewesen. Als sie nun sahen, daß sie mir durch Gewalt nichts anhaben konnten, so theilten sie mehreren meinerKinder mit, daß ich im Begriffe stehe, die kleine Dora zu heirathen. Das machte die Kinder wü- lhend und sie legten uns alle nur denkbaren Hindernisse in den Weg. Sie überredeten den Richter John Cyenault, uns nicht zu verheirathen, nachdem ich bereits am letzten Freitag den Heirathsschein erwirkt hatte. Daraus ersuchte ich den Friedensrichter Green B. Million, uns zu verheirathen und dieser versprach es auch, aber meine Kinder erhielten Wind davon und überredeten ihn, sich nicht mit der Sache zu befassen. Gestern ahnte ich, daß sie einen Einhaltsbcfehl er- wirken würden, um mich zu hindern, das Mädchen zu heirathen. „Sic glaubten, daß sie mich wie eine Ratte in der Falle Hütten und daß ich nicht im Stande sei, mich aus der mir von ihnen gelegten Schlinge herauszuzlehen. Ich aber beschloß sofort, ihre Pläne unter allen Umständen zu durchkreuzen. Gestern Abend, nach Einbruch der Nacht, bewaff- nete ich McClelland Nichardson, Dora's Bruder, und Borlow Clark, einen meiner Arbeiter und schickte sie acht Meilen über Land zum Friedensrichter Jsaac Newton Douglas. „Squire" Douglas, ein guter Christ und ein gutherziger Mann, welcher Mitgefühl mit mir hatte, stand in der Nacht auf und legte den Weg zu Pferde zu- rück, um noch zur rechten Zeit hier einzu- lreffen." „Gestern Morgen, vor zehn Uhr, fand die Heirath statt, und gerade in dem Augen- blick, als die letzten Worte gesprochen wur- den, welche uns als Mann und Frau er- klärten, traf mein Enkel, Green Herrick, der Sohn meiner Tochter Mary B. Clay, welche von ihrem Gatten geschieden wurde, und den Namen Clay annahm, und sich auch Green Clay nennt, am Hause ein. Ich ahnte, daß er zu dem Zwecke gekommen sri, um meine Heirath durch einen Gerichts- besehl zu Hintertreiben, und befahl ihm so- fort, den Platz zu verlassen, und sich ohne Einladung nicht wieder bei mir sehen zu lassen. Ich sagte ihm, daß ich ihn nieder- schießen würde, wenn er uncingeladcn wie- dcrkäme, und darauf zog er ab." „Jetzt sehen Sie, wie ich von denen be- handelt wurde, die mich lieben und zu meinem Glücke beitragen sollten. Sie haben mich derartig behandelt, daß sie thal- sächlich aus mir ein wildes Thier gemacht haben, und ich würde gerade so schnell einen dieser Verschwörer niederschießen, wie mei- nen schlimmsten Feind, denn sie sind meine Feinde. Aber so lange ich noch meine Ge- sundheit und Kraft habe, werde ich ihnen Trotz bieten." Tausende von Armeniern nieder- gemetzelt. Drei Tausend Männer, Frauen und Ainder von den Aurden nieder- gernacht. Fünfundzwanzig armenische Dörfer zerstört. Sophia, Bulgarien, 14. Nov. Die am 12. Nov. aus Constantinopel an die Londoner „Daily News" gesandte De- pesche, daß in der Gegend von Sassoun, in der Nähe von Moosh, in Türkisch-Arme- nien, bei einem Uebersalle der Kurden 3000 Armenier, einschließlich von Frauen und Kindern niedergemetzelt wurden, wird an- scheinend durch die kürzlich in Varna ein- getroffene Nachricht bestätigt, daß eine Schaar Bashi Bossuks mehrere armenische Dörfer überfallen, und 6000 Personen ge- tödtet und verwundet habe. In der betref- fenden Depesche an die „Daily News" hieß es, daß die Kurden 3000 Personen ermor- det, und fünfundzwanzig Dörfer zerstört hätten. Die türkischen Beamten in Con- stantinopel erklärten die Nachricht für un- wahr, und sagten, daß dieselbe durch einen kleinen in der dortigen Gegend vorgekom- Aufstand entstanden sei. Es wird hinzugefügt, daß der britische Gesandte in Constantinopel weitere Nach- forschungen über die Angelegenheit veran- laßt hat. Aainps um den Tountysitz. Lureka zur Hauptstadt von lvoodford County ausersehen. Eureka, Jll., 14. Nov. Woodford County war gestern der Schauplatz eines hitzigen Wahlkampfes; es wurde nämlich über die Frage abgestimmt, den Conntysitz von Metamora nach Eureka zu verlegen. Beide Ortschaften sind natür- lich von grimmigem Neid gegeneinander er- füllt; als Metamora zum Countysitz aus- ersehen wurde, war der östliche Theil des County's nur sehr sehr dünn bevölkert; bald aber entstanden andere Ortschaften, und Metamora halte fortwährend zu käm- pfen, um seinen Ehrenplatz zu behaupten. Dies ist das erste Mal, daß es der Ort- schaft Eureka gelang, die Frage zur Ab- stimmung zu bringen, und der Kampf war ein ungewöhnlich heißer. Bis jetzt haben die Wahlberichte ergeben, daß Eureka mit einer guten Mehrheit gesiegt hat und daß Metamora den bisher innegehabren Ehren- platz demnächst wird aufgeben müssen. Schießerei. Lin lvisconsiner Politiker als Schießbold. Sparta, Wis., 14. Nov. Gestern feuerte Frank Hooker, der Clerk des Wisconsiner Abgeordnetenhauses, auf Allen Thistlewood eine Kugel ab; dieselbe drang in den Hals und verursachte eine schwere, wenn nicht tödtliche Wunde. Hooker wurde in Haft genommen; er sagt, daß er ohne Veranlassung von Thistlewood angegriffen und geschlagen worden sei, und aus Nothwehr geschossen habe. Der Ver- wundete wurde in seine Wohnung gebracht und dort verbunden. Keiner der Beiden will sich über die Veranlassung zu dem Streite äußern. Geschmacksverirrung. Lin hübsches weißes Mädchen heirathet einen Vollblutneger. Belleville, Jll., 14. Nov. Gestern fand hier die Hochzeit von W.H. Blackburn mit JennieRoberts, beide aus St. Louis, statt. Das wäre nun an und für sich kein außergewöhnliches Ereigniß, wenn nicht der Bräutigam ein Vollblut- neger und die Braut ein hübsches, junges weißes Mädchen gewesen wäre. Näheres ist über das sonderbare Ehepaar nicht be-kannt. Früher wurde bei derartigen Fällen die Ausstellung eines Heirathsschcines ver- weigert, aber in letzterer Zeit scheint manin der Befolgung des allen vernünftigen Herkommens einigermaßen nachlässig ge- worden zu sein. Höherer Zoll. Derselbe betrifft jedoch nur Rosinen. Paris, 14. Nov. Der Senat nahm heute ohne Debatte die Gesetzvorlage zur Erhöhung des Zolles auf Rosinen an. Die „Cymig King"-Angelegen- heil. Die Lhinesen fügen sich den For- derungen der Engländer. Der „Chung Ring" von den Taku Forts salutirt. TienTsin, 14. Nov. Die chinesischenßegierungsbeamten reich- ten heute bei der britischen Regierung die von derselben verlangten Entschuldigungen ein wegen der von chinesischen Soldaten an Bord des britischen Dampfers „Chung- King" im letzten August begangenenSchand- thalen. Der „Chung King" wurde durch Salutschüsse von Heu Taku Forts geehrt, und die verlangte/.Entschuldigung wurde dcm britischen Gesandten unterbreitet. Am 16. Oktober meldete eine Depesche aus Shanghai, daß dem Vizekönig über die „Chung King"-Angelegcnheit ein Ultima- tum zugcstellt worden sei. In demselben wurde verlangt, daß binnen sieben Tagen der Befehlshaber der Truppen seines Ran- ges enthoben, daß der „Chung King" von den Taku Forts mit einundzwanzigSchüssen begrüßt werde und daß die Eigcnthümer des „Chung King" eine Geldcntschädigung erhallen. Im Falle der Weigerung dieser Forderungen drohten die brilischenßeamtcn, daß die Flotte unter dem Befehl des Ad- mirals Frcmantle Repressalien ergreifen würde, und man glaubte, daß Schritte ge- than worden seien, um die wichtige Insel Chusan, welche den Seeweg zwischen den nördlichen und südlichen Provinzen Chinas beherrscht, zu besetzen. Die Engländer hat- ten während des ersten Krieges zwischen China und England, im Jahre 1841, die Insel besetzt, und es gelang China erst durch Abtretung der Insel Hongkong, Chusan wieder zu erlangen. Die Schulden der Provinz Buenos Aires. Präsident Peixoto schmollt. Befehl der britischen Admiralität an den Be- fehlshaber des britischen Geschwaders. Buenos Ai r es, 14. Nov. Im Abgeordnctcnhanse wurde eine Ge- setzvorlage angenommen, wodurch der Provinz Buenos Aires eine zehnjährige Frist gegeben wird, um ihre Schulden zu bezahlen. Die ganze Thätigkeil des Kongresses ist durch die Ministerkrisis brach gelegt wor- den. Von Rio Janeiro wird gemeldet, daß während der kürzlichen Festlichkeiten die portugiesische Flagge wiederholt beschimpft wurde. Die Abwesenheit Peixoto's von allen Festlichkeiten hat Veranlassung zu Bemer- kungen gegeben. Es heißt, daß er sich am Donnerstag zur Vereidigung des gewählten Präsidenten Moraes nicht elnsinden wird. Die Rede des argentinischen Gesandten Meron bei einem Bankett, in welcher er sagte, daß zwischen Argentinien, Uruguay und Brasilien ein Bund nöthig sei, um jeden Versuch zur Tyrannei in einer der drei Republiken mit Gewalt zu unter- drücken, hat viel Gerede verursacht. Die britische Admiralität hat dem Be- fehlshaber des britischen Geschwaders von London aus den Befehl zugehen lassen, sich zu sofortiger Abfahrt bereit zu halten. Die neue Anleihe. Dieselbe wird in London mit Freu- den begrüßt, Und die Bonds werden wie die bekannten „warmen Semmeln" abgehen. London, 14. Nov. Hiesige Finanzleute sind äußerst erpicht auf die amerikanischeAnleihe von §50,000,- 000, um einen Theil derselben zu über- nehmen. Die Aktienbörse wird irgend einen Theil davon mit Vergnügen über- nehmen. In Morgan's Bank wurden im Laufe des Tages bereits eine Menge Er- kundigungen eingezogen, und die Anleihe wird den Leuten hier, welche überflüssiges Geld haben, äußerst willkommen sein. Die Rothschilds haben der asfoc. Presse mitgethcili, daß sie die Bondausgabe nach Kräften fördern werden, und an den Ban- kier Belmont lelcgraphirt haben, in ihrem Namen sofort auf die neue Anleihe zu subscribiren. Schrecklicher Tod eines Schuljungen. Cr wird durch ein auf seinen Hals fallendes Fenster langsam erwürgt. Marion, Jll., 14. Nov. Gestern Nachmittag kam der zwölfjährige Sohn von R. I- Morray, in dem einige Meilen südlich von hier gelegenen Schul- hause in ebenso eigenthümlicher wie schreck- licher Weise zu seinem Tode. Als er von der Schule nach Hause gekommen war, be- merkte er, daß er seine Handschuhe im Schulhause vergessen habe, uno machte sich sofort auf den Weg um sie zu holen, fand aber die Hausthürc verschlossen. Allem Anscheine nach holte sich der Junge dann einen dünnen Balken, den er gegen die Mauer lehnte, um auf demselben durch das Fenster in das Haus zu gelangen. Als er einige Stunden darauf gefunden wurde, hing der Körper des Knaben vom Fenster herunter, während der Hals zwischen dcm Fenster und dem Fensterbrett eingeklemmt war. Er war jedenfalls auf den Balken bis zum Fenster hingeklettert, hatte das- selbe in die Höhe geschoben, um in das Zimmer zu gelangen, als er an den Halt unter seinen Füßen verlor, das Fenster dann herunterficl, seinen Hals aus das Fensterbrett niederdrückte, und dadurch den Erstickungstod herbeiführte. Der unglück- liche Junge hotte sich nach Kräften bemüht, sich aus der Falle zu befreien, das bewiesen seine Stiefel, die er sich bei dem Kampfe um das Leben, von den Füßen abgestram- pelt hatte. Angebliche Niederlage der brasilia- nischen Rebellen. Der Verlust der Regierunastruppen dreimal so groß als der der Rebellen. Montevideo, Uruguay, > 14. Nov. s Von Rio Grande do Sul wird berichtet, daß der brasilianische Rcbcllenführer L>al- gado bei Lima in einer neunstündigen Schlacht geschlagen wurde. Die Ncgie- rungStruppcn sollen 181, und bie Rebellen 63 Todte verloren haben. Mehrere der gefangenen Rebellen wurden von den Nc- gierungslruppen erschossen, während den gefangenen Negierungssoldaten freigestellt wurde, erschossen zu werden, oder sich den Rebellen anzuschließen. Alle entschlossen sich, zu den Rebellen überzugehen. Schiffsnachrichten. New Nork: „Circassia" von Glasgow. Städtisches. Das Wetter. Optiker Kleine, 76 Washington Str., berichtet für Chicago die folgenden Baro- meter-und Thecmometerstände: Um 8 Uhr Morg. 36 Gr., um 9 Uhr 38 Gr., um 10 Uhr 42 Gr., um 11 Übr 44 Gr., um 12 Übr 46 Gr. Barometerstand um 8 Uhr Morg. 29.50, 12 Uhr 29.50. Nächtlicher Uebersall. Charles Herman vergreift sich an einen Restaurantbesitzer. Unter §SOO Bürgschaft überwies Richter Kersten heute Morgen Charles Herman dem Criminalgericht. Derselbe war mit einem Genossen nach 12 Uhr Nachts in das Restaurant von A. G. Keane, No. 111 O. Kinzie Str., gekommen und hatte Oysterstew bestellt. Nachdem derselbe ver- zehrt war, wollte Herman nicht zahlen und verübte einen Skandal, welcher den Eigcn- thümer Klane aus dem Bett scheuchte, um seidcm Nachtaufwärtcr zu Hülse zu kommen. Herman, der ein Schiffsverlader ist, ging aufKeane los und brachte demselben mit seinem Vcrladungshaken eine erhebliche Wunde bei. Endlich erschien ein Polizist auf der Bildfläche und Herman und sein Genosse Daniel O'Connor wurden festge- nommen. Bei der Abführung zerschmet- terte Herman mit seinem Haken noch das Schaufenster. Bei der Verhandlung vor Richter Kersten ergab es sich, daß O'Con- nor versucht hatte, Herman von den Ge- waltthätigkeiten abzuhalten. Er wurde deshalb frcigesprochen. Harte Buße. Hpn F. Tufts, ein früher Postangestellter, wegen Diebstahls zu 3 Jahren Zuchthaus verurtheilt. Im Bundes-Districtsgerichl stand heute Morgen vor dem Richter Allen Ben F. Tukts unter der Anklage, seit zwei Jahren Briefe und Postanweisungen unterschlagen zu haben. Die Verhandlung war kurz, da Tufts seine Schuld voll eingestand uno es sich daher nur um das Strafmaß handelte. Sowohl Jnspector Stuart, als auch der Ex-Districtsanwalt Milchrist plaidirten in dringender Weise für den Angeklagten, der 22 Jahre im Dienste gewesen sei und wahr- scheinlich nur aus Noth zum Diebe ge- worden sei. Der Mann habe acht Kinder zu versor- gen und wenn jemals ein Angeklagter ein mildes Urtheil verdient habe, so sei es Tnfts. Richter Allen erklärte, daß er gerne Gnade walten lassen würde, doch kämen seine persönlichen Gefühle hier nicht in Be- tracht. Seine Pflicht sei es, das Gesetz, das für derartige Vergehen sehr bestimmt laute, streng cinzuhalten und er könne mit gutem Gewissen keine Ausnahme machen. Das Urtheil lautete auf 3 JahreZuchthaus und als dies Tufts verkündet wurde, fiel er seinem ältesten Sohne, der im Gerichts- zimmer war, schluchzend in die Arme. Fragt Euren Grocer nach „The Heißler L Junge Co.'s" „Quaker Brod", das schmackhafteste „Home Made Brod", das je von einer Bäckerei geliefert wurde. Bei der That abgefaßt. Als der in Diensten der Fort Wayne- Bahn stehende Privatpolizist Oscar Coon heute früh nach 7 Uhr seinen District am 18. Straßen-Viaduct abpatrouillirte, sah er einen mit einem schweren Sack beladenen Mann aus einem Eisenbahnfrachtwagen heraussteigen. Von der sehr richtigen An- sicht ausgend, daß er es mit einem Wagen- plünderer zu thun hätte, ging er auf den Kerl zu und erklärte ihn für verhaftet. Davon wollte der Mann aber nichts wissen und setzte sich zur Wehr. Er warf die Beute von sich und sich aus den Polizisten, ihn auf's Brutalste mißhandelnd. Es wäre dem Wächter Coon herzlich schlecht gegangen, wenn nicht ein städtischer Polizist, Jos. O'Donncll von der Canalport Ave.-Sta- tion, ihm zu Hülse gekommen wäre. Diesem gelang es, des Einbrechers Herr zu werden und ihn kaltzustellen. Er und der weggcworfene Sack, in welchem sich feine seidene Tücher und Handschuhe im Werthe von über §IOO befanden, wurden nach der Canalport Ave.-L>lation gebracht und dort gab der Dieb seinen Namen mit James Farrell an. Er ist ein bekannter Spitzbube und pflegte seine Räubereien in Gemeinschaft mit Paddy McDonald, der gestern wegen Einbruchs auf drei Jahre nach Joliet gesandt wurde, auszuführen. Da die Zeugenaussagen sehr belastend waren, überwies Richter Dooley den Farrell unter der Einbruchsanklage und unter §BOO Bürgschaft dem Criminal- gerichl. Heute früh um 3 Uhr wurde eine in dem Hause No. 12 Greenstraße befindliche Opiumhöhle ausgehoben und 6 Insassen, weiche sich in derselben befanden, um je §5 und die Kosten bestraft. Etwas sonderbar. Die Aktion des stadträthlichen Lomites für die Neubenennung der Straßen. Wie wir unsern Lesern seinerzeit mit- theilten, hat der Superintendent des Kartenamts, Wm. Reiscnegger, auf Veran- lassung des stadträthlichen Spczialcomites für die Neubenennung solcher Straßen, deren Namen in der Stadt Chicago sich als Straßenbezeichnung wiederholen, oder welche, weil sie ähnlich lauten, leicht zu Verwechselungen Anlaß geben, eine genaue Liste dieser Straßen ausarbeitcn und eine Karte von Chicago anfertigen lassen, welche die Lage dieser Straßen zeigt. Bei dieser Arbeit waren mehrere Angestellte des Straßcndepartements nahezu sieben Mo- nate beschäftigt gewesen, denn es handelte sich um etwa 1200 verschiedene Straßen, deren Namen umzuändern sein würden. Um die von Herrn Reisenegger vor eini- gen Wochen bereits soweit fertiggestellte Arbeit, daß nur noch die Auswahl der den betreffenden Straßen zu gebenden Namen übrig bleibt, zu Ende führen zu können, hat das Spezialcomite vom Stadtralh die Summe von §250 bewilligt erhalten, mit der Ermächtigung, nach eigenem Urtheil über die Summe für den genannten Zweck Verfügung zu treffen. Das Nächstliegende wäre nun gewesen, daß das Comile dem Karlenamt diese Summe zur Vollendung der Arbeit zur Verfügung gestellt hätte, da das Kartenamt einzig und allem im Besitz des authentischen amtlichen Materials für die Arbeit ist. Dem Spezialcomite, dessen Vorsitzer Ald. Hepburn ist, und zu welchem außer- dem die Aldermen Mann, Gallagher, Kah- ler und Conway gehören, lag diese einzig richtige Idee nicht nahe, denn es hat die Arbeit an zwei ehemalige städtische Ange- stellte, Frank Davcnport und Allen C. Toole, die besonderen Proteges des Ald. Hepburn vergeben. Wie es scheint, steht hinter Davcnport und Toole die Landkar- ten-Verlagsfirma Blanchard L Co., welche sich bereits vor einigen Monaten um die Arbeit bemüht hatte, später aber znrückge- Lrctcn war, weil ihr der aus den Unterneh- men erhoffte Gewinn nicht groß genug schien. Was die Vergebung der Arbeit an Pri- vatleute, denen kein offizielles Material zur Verfügung steht, im Gefolge haben wird, ist nichts Gutes, denn es ist klar, daß die von diesen angefertiglen Karten keinen Anspruch auf Genauigkeit werden machen können. Im übrigen hätte das Spezialcomite ganz leicht selbst die vom Kartenamt soweit fertig gestellte Arbeit auch vollständig been- den können, da es sich, wie bereits erwähnt, nur noch darum handelt, den der Neube- nennung bedürfenden Straßen eben neue Namen beizulegen. Johnson in der Alemme. Wohut er in Chicago oder außerhalb der Stadt ? Peter T. Johnson befindet sich in einer eigenthümlichen Lage. Das städtische Licenz-Deparlcment sagt, er wohne in Chicago, das Wasserdepartcment meint aber, er wohne nicht in Chicago. Das erstere Departement scheint der Wahrheit näher zu kommen, als das letztere. John- son betreibt am Fuße der Jndianastraße eine Wirlhschaft. Vor Jahren batte er ein Badebaus gebaut, welches sich im Michigan See, etwa einen Block vom Lande entfernt, befand. Allmählich wurde der See zwischen dem Ufer und dem Badchause aufgcfüllt, und jetzt ist die Auffüllung des Sees bis nahezu 350 Fuß jenseits des Badehauses gediehen. Johnson baute vor einigen Jah- ren sein Badchaus um und elablirte in demselben eine Schankwirthschaft. Es machte ihm keine Schwierigkeiten, eine Licenz zu erhalten, und er bezahlte regel- mäßig die Licenzgebüdren. Vor einiger Zeit beschloß Johnson, sein Haus mtt Chi- cagoer Leitungswasscr versehen zu lassen. Er ließ die nöthigen Lcilungsröhren legen, als aber alles für den Anschluß an die städtische Wasserleitung fertig war, trat das Wasscramt mit der Erklärung hervor, daß der Anschluß nicht erfolgen kann, da das Haus Johnfon's sich außerhalb der Sladlgrenze befinde. Auf dieses Argument hin weigerte sich Johnson, seine Wirtds- liccnz weiter zu bezahlen. Er argumen- lirte, daß die Stadt kein Recht habe, von ihm Licenzgebühren zu verlangen, wenn er außerhalb der Stadtgrenze wohne. Er wurde verhaftet und stand gestern vor dem Richter Hamburgher, dessen Geschworene zu der Ansicht gelangten, daß Johnson die Licenzgcsetze übertreten habe. Er wurde mit einer Strafe von §lO und die Kosten belegt, erklärte aber, daß er beim Criminal- gcricht gegen die Entscheidung des Richters Hamburgher Appellation einlcgen werde. Auf dem Riff. Der Propellor „Monteagle", welcher gestern aus dem Fluß dampfte, um nach Süd-Chicago zu fahren, ist auf das Riff seewärts von der 50. Straße, welches unter i dem Namen „Morgan's Rees" bekannt und etwa 2>l Meilen vom Ufer entfernt ist, gerathen. Capt. Griffin hatte infolge des dichten Schneegestöbers nicht genau feine Richtung innegehalten und als er sich der Gefahr bewußt wurde, war es schon zu spät. Er signalisirte um Hülse und ver- schiedene kleine Schleppdampfer bemühten sich, den Propeller aus seiner gefährlichen Lage zu befreien, doch ohne Erfolg. Es entstand bald ein Leck und die Pumpen mußten in Anwendung gebracht werden. Heule Vormittag um 10 Uhr verließ der große Schleppdampfer „I. C. Pcrrelt" den Fluß, um das Schiff aus seiner gefähr- lichen Lage zu befreien. Der Werth des Propellers, welcher Eigenthum von W. C. Cummings in Oswego ist, wird auf §75,000 geschätzt. Der Marquette Club hat eine Anzahl von Haftbefehlen gegen Personen erwirkt, welche Betrügereien oder sonstige Ver- brechen bei der letzten Wahl begangen. Ebenso befindet sich der Club im Besitze von Beweismaterial, welches bei dem be- vorstehenden Jnquest über Gustav Collian- der benutzt werden wird. Machten gute Beute, wurden dieselbe aber bald los. Der Grocer I. F. Weinheimcr von Ecke Clinton und Jefferson Str. hörte am Montag Morgen gegen 12Uhr Geräusch in dem unter seiner Wohnung befindlichen Laden. Statt nun sofort hinunterzugehen, drehte er sich aus die andere Seite und schlief weiter. Vorbeipassirende fanden die Ladcnthür offen und theiltcn dies dem ersten ihnen begegnenden Polizisten Le Blanche mit. Dieser weckte Weinheimcr. Als Letzterer nach dem Laden kam, fand er sofort aus, daß er bestohlen worden war, und zwar zu der Zeit, als er durch das Ge- räusch in seinem Schlaf gestört wurde.Er hielt Umschau im Laden und ermittelte, daß ihm Provisionen, Groceries, Taback, Butter und Eier im Werthe von über P2OO gestohlen worden waren. Le Blanche be- richtete den Fall auf der Maxwell Straßcn- Station, und wurden von dort aus eine Menge Deteclives abgesandt, um den Ver- bleib der Beute und den Versteck der Diebe zu ermitteln. Denselben gelang die Ausführung ihres Auftrages sehr schnell und gut. Sie fan- den das ganze gestohlene Zeug in der Gro- cerie des Italieners Silvestro Martini, 114 Ewing Str., und um dieselbe herum saßen 6 andere Lazzarouis, die Brüder Do- nali und Dominica Bellusi, Carmenico Malfeso, Jos. Vitalo, Michaela Cuissii und Pasgualo Prcssi. Der Grocer wurde unter der Anklage der Hehlerei und die 6 Beisitzer als Einbrecher verhaftet. Heute sollten sie sich vor Richter Eberhard! ver- antworten, nahmen aber sofort einen ok v«mus" zu Richter Dooley, welcher den Fall dahin erledigte, daß er die ganze Sippschaft unter je §SOO Bürgschaft zum Prozeß fcsthielt. Schwer verwundet. Der Leichenbestatter Antonio Sbarbero unter rzo,ooo Bürgschaft gestellt, wegen lNord- angriffs auf John panglughi. Der bekannte Lcichenbestatter Antonio Sbarbero, dessen Leichenbestallungsräume nahe der Südost-Ecke von Wells- und Su- periorstraße liegen, war heute Morgen von Constablerßaierle vor Richter Hamburgher unter der Anklage des Mordangriffs ge- bracht worden. Sbarbero wurde unter §IO,OOO Bürgschaft gestellt, da der Zustand seines Opfers ein hochgefährlicher sein soll. Der von Sbarbero Verwundete ist John Panglughi, ebenfalls ein Spanier; er hat im Angesicht des Todes bereits die Sakra- mente genommen. Der Streit zwischen den Beiden ereignete sich in der Wirtschaft No. 59 N. Market Str., welche Sbarbero als Nebcngefchäft führt. Am Abend des Wahltages, am 0. November, gerieihen beide in Streit über Politik; Sbarbero schlug mit demKolben seines Revolvers sei- nen Gegner über den Kopf, eine gefährliche Wunde verursachend. John Panglughi liegt in seiner Wohnung No. 43 Michigan Str. darnieder. Sein Bruder erwirkte den Verhattsbefehl. Dr. Lagorio, dessen Office sich No. 65 Randolph Str. befindet, behandelt den Ver- wundeten und hat festgestellt, daß der Ver- letzte mehrfache Schadelbrüche davontrug, und daß er eine Wiederherstellung aufge- geben hat. Aus dem Triminalgericht. Nach Chester geschickt. Oscar Felsch, welcher am Morgen des 7. August an der Ecke von Clybourn Ave. und Clevelaud Ave. den 22jähr:gen Wcch- fclbcrger erschossen hatte, weil derselbe sein Familiengiück durch den Umgang mit Frau Felsch vernichtet hatte, wurde gestern von Richter Chctlain nach dem Zuchlhause für irrsinnige Verbrecher in Ehester, Jll., geschickt. Felsch wird dort einige Monate bleiben und dann als geheilt entlassen werden. Die Ueberweisung nach Chester ist also nur ein kleiner Umweg der Frei- sprechung. Müssen Strafe zahlen. Vor Richter Adams war heute Morgen der Raubprozcß gegen den Farbigen Alex- ander Hill als erster Fall zur Verhandlung angcsetzt. Hill hatte einen gewissen John Oakcy an der 16. Straße in der Nähe des j Tattcrsall-GcbäudeS überfallen und dcn- ! selben um eine goldene Uhr im Werthe von §SO und §ls baares Geld beraubt. Der Richter balle beinahe bis elf Uhr gewartet, als die Hauptzeuaen, Polizist Birming- ham von der Decringstr.-Station und John Oakeh, derKläger, endlich einlrafen. Die beiden Veripätcten wurden mit §5 Strafe wegen Mißachtung des Gerichts be- legt. Blassenentlassungen im Polizei-De- partement. Polizeichef Brennan wird vielleicht noch im Laufe des heutigen Tages, spätestens ! aber morgen durch einen Generalbefehl die ! Entlassung an, wie cs heißt über hundert ! Polizisten von verschiedenem Range und von fast allen Stationen der Stadt anord- ncn. Die Entlassungen sollen bereits mor- gen, am 15. November, in Kraft treten. Der Polizeichcf erklärt, zu dieser Massen- enllassung gezwungen zu sein, damit er mit der für dieses Fiscaljo.hr für das Polizei- Departement festgesetzten Summe auskom- men kann. Ob es bei dieser euren Masscn- entlassung bleiben wird, oder ob weitere ähnliche Generalbefchle folgen werden, läßt sich noch nicht sagen. Zunächst werden diejenigen Beamten den Laufpaß erhalten, die in den letzten Sitzungen des Polizeiunlcrsuchungsraths irgend welcher Vergehen für schuldig be- funden wurden. Gestern gegen Abend erhielt Herr Brennan auch die von seinen Inspektoren eingeforderten Listen der Beamten ihrerrcsp. Bezirke mit Angabe derjenigen, die am leichtesten entbehrt werden können. Ob sich unter den zunächst zu entlassenden Be- amten auch höher im-Range stehende Be- amte befinden, wollte der Polizeichef noch nicht verrathen. Alle Neuigkeiten im Abendblatt für nur 1 Cent.

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