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Abendblatt Newspaper Archives Nov 12 1894, Page 1

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Abendblatt (Newspaper) - November 12, 1894, Chicago, IllinoisHerausgegeben von der Illinois Staats-leitungs-To. Ehicago, Montag, 12. November 1894. Preis 1 Cent. 47. Jahrgang. No. 269. Uevervlick Hlnd KurzgefaßLes. Es giebt Schnee heute, und die Kältenimmt ab. Für morgen steht Regen und Schnee und für den Abend wieder empfind- liche Kälte in Aussicht. Der Wind dreht sich morgen von Südwesten nach Nord- westen. Die in den letzten Tagen gemeldete und dann wieder in Abrede gestellte Aus- gabe von 50 Millionen Bonds, soll nun- mehr, dem Vernehmen nach, doch erfolgen. Die Einnahme von Port Arthur durch die Japaner bestätigt sich, und Ver- treter der Mächte beeilen sich, nachPekin zu gelangen, um die Sache nicht zu weit kom-men zu lassen. ln einem Telegramm aus Washing- ton finden sich interessante Mittheilungenunseres Generalkonsuls in Berlin über das neue Diphtheritismittel. ln einer böbmischen Kohlenzeche sind durch schlagende Wetter 20 Menschen ums Leben gekommen. Zwischen Japan und denVer. Staaten sind die Unterhandlungen, welche die Ver- mittelung der letzteren zum Gegenstände haben, noch nicht zum Abschlüsse gelangt. Verschiedene deutsche Vereine und Logen haben für die durch die WaldbrändeBeschädigten in Minnesota bis jetzt §740zusammengcbracht. Der Schwede Gustav Coliander, wel- cher ermordet wurde, weil er den Stimm- kasten gegen Verbrecher verthcidigt halte, wurde gestern unter großer Betheiligung begraben. Ald. Coughlin will dem Stadtrath eine Ordinanz vorlcgen, wonach der Bcod- preis herabgesetzt und das Gewicht des Brodes rcgutirt werden soll. Er null den Beweis liefern, daß die Bäcker au jedem Faß Mehl, wofür sie §3 bezahlen, einen einen Profit von §4,60 machen. —lm Gegensatz zu den Anarchisten, welche gestern die Gräber ihrer „Märtyrer" besuchten, hielten die Sozialisten in der Vorwärts-Turnhalle eine Versammlung ab und erklärten, daß sie nicht durch Dynamit, sondern durch den Stmimkaften ihre Ziele erreichen würden. TekeslrnptnsAe Depeschen. Der Etapellanf des Dampfers „Et. Louis". Frau Eleveland wird die Taufe desselben vollziehen. Washin gko n, 12. Nov. Der Präsident nebst Frau uud die mei- sten Mitglieder des Cabinets und deren Familien, sind heute Morgen um 8 Uhr 15 Min. mit einem Sondcrznge der Penn- sylvaniabahn nach Cramp's Schisfsbanhof abgercist, nin dem Stapellanf des Dam-vsers „St. Louis", welcher von der Frau Eleveland getauft werden soll, beizu- wohnen. P h i l a d e l p h i a, 12. Nov. Der „St. Louis" ist heute Mittag um Eins glücklich voin Stapel gelassen worden. Interessant für Aerzte. Zeitweilige Erblindung eines kleinen Mäd- chens. New Yor k, 12. Nov. Der Fall von Emma Zimmermann, der vierzehnjährigen Tochter von JohnZimme- rmann von Bay 13. Straße in Bath Bcach erregt allgemeines Interesse. Der Fall ist ein eigenlhüutticher. Vor einem Jahre, als das Kind ans der Straße spielte, erhielt cs von einem anderen Kutde ein Stück Kuchen, und fast unmittelbar, nachdem sie denselben gegessen hatte, erkrankte die Kleine; sie klagte über heftige Schinerzen in den Augen. Ein Arzt verschrieb ihr etwas dagegen, und sie wurde besser. Einige Wochen tpäter bemerkte Frau Zimmer- mann, daß sich, nachdem das Kind Einge- machtes gegessen hatte, eine weiße Haut ciuf den Angen desselben bildete. Zuweilen ist dieselbe deutlich sichtbar, während sic zu an- derer Zeit kaum zn bemerken ist. Schließlich wurde Dr. Hermann Knapp, der New Yorker Spezialist, zn Rathc ge- zogen. Derselbe ordnete eine gewisse Diät für das Kind an und gelangte endlich zu der Neberzengung, daß die zeitweilige Erblindung durch das Esten von Kuchen und Eingemachtem herbeigesnhrt wurde. Emma ist kaum alt genug, um ihr Unglück zu begreifen; sic ist ein lebhaftes Kind mit blauen Augen und blondem Haar. Als Frau Zimmcrmann am Freitag einen Apfel brieft schlich sich Emma herbei und nahm ein Stück davon. Die Folge war eine so- fortige Erblindung. Dr. Knapp beobachtete den Fall auf das Sorgsamste und wartet weitere Er- scheinungen ab. Als Dr. Schmitzer, ein Spezialist in Brooklyn, befragt wurde, was er von dem Falle denke, sagte er: „der Fall ist ein sehr eigenthümlicher und in meiner ganzen Praxis ist mir etwas derartiges von Er- blindung noch nicht vorgekommcn. Grubenexplosion. Zwanzig Hersonen umgekommen. Budapest, 12. Nov. Laut einer Depesche ans Brüx in Böhmen sind durch eine Explosion m einem Kohlen- bergwerke in der Nähe von dort zwanzig Personen nm's Leben gekommen. Eoll vergrößert werden. Beschäftigung für fünf hundert Arbeiter. P ittsburg, 12. Nov. Die Carnegie'schen Stahlwerke sollen demnächst mit einem Kostenaufwand von einer Million Dollars vergrößert werden. Dadurch werden weitere fünf hundert Ar- heiter Beschäftigung finden. Die Kebergabe von Dort Arthur. Die Thinesen leisten nur schwachen Widerstand. Die befehlshabenden (Offiziere hatten den Platz schon vor einer kvoche verlassen. London, 12. Novc. Von Shanghai wird gemeldet, daß die Japaner gestern Morgen, nach nur gerin- gem Widerstande von Seiten der Chinesen, Port Arthur genommen haben. Vorher war Port Arthur bombardirt worden. Die Chinesen legten ihre Waffen nieder und ließen sich gefangen nehmen. Die befehls- habendcn chinesischen Offiziere hatten Port Arthur bereits in der Nacht des 6. Novem- ber verlassen. Es heißt, daß sich einige Vertreter der auswärtigen Mächte sofort nach Peking be- geben werden. Washington, 12. Nov. Die japanische Gesandtschaft hatte bis heule Mittag noch keine amtliche Bestäti- gung von der Einnahme von Port Arthur erhalten. Die Beamten sagen aber, daß, wenn Port Arthur wirklich gefallen ist, dies der schwerste Schlag sein würde, den China bis jetzt erhalten hätte. Der An- walt Stevens von der Gesandtschaft theilte mit, daß Port Arthur von den besten deut- schen Sachverständigen im Seewesen für uneinnehmbar erklärt worden sei. Li Hung Chang hatte dort Geschntzfabriken anlcgen lassen, welche den Vergleich mit den Krupp'fchen Fabriken aushatten konn- ten. Port Arthur gleicht gewissermaßen den Schiffsbanhöfen in Brooklyn und Nor- folk, mit dem Unterschiede, daß es drei Mal so groß ist. Außerdem hatte Li Hnng Chang dort den Kern der chinesischen Armee versammelt. Wenn sich die Ein- nahme des Platzes bestätigt, so tritt die Frage auf, ob die Truppen gefangen ge- nommen wurden, und ob die Besiegten den Versuch gemacht haben, die Stadt vor der Uebergnbe in die Luft zu sprengen. Unter allen Umständen sind große Massen von Kriegsmaterial und Werkzeugen zur Her- stellung desselben in die Hände der Sieger gefallen. Es wird übrigens darauf hingewiesen, daß dieEinnahme des Platzes hauptsächlich deshalb von Wichtigkeit ist, weil die Ja- paner dadurch in China eine Festung er- halten, aus welcher sie nicht wieder Ver- trieben werden können. Die Japaner würden unzweifelhaft den Platz zu ihrer Operationsbasis machen, und der Hafen würde auch der japanischen Flotte Schutz gewähren, während die Geschütz-Fabriken, auf welche Li Hnng Chang hauptsächlich sein Vertrauen setzte, für die Zukunft den Japanern zur Verfügung stehen würden. Ein Balmräuber kaltgestellt. „Cowboys" verdienen sich das Fanggeld. Los An ge les, Cal., 12. Nov. Der angebliche Bahnrüuber John, alias „Kid" Thompson, welcher in Roscoe den Bahuraub beging und die Bahnpolizisten und E-Heriffsbcamten geraume Zeit an der Nase herumführle, indem er sie auf eine falsche Führte in die Sandwüsten von Arizona lockte, befindet sich endlich hier hinler Schloß und Riegel. NachdemThomp-san von „Cowboys" eingesangen worden war', wurde er nach Phoenix gebracht, und von dort wurde er, da er cs nicht der Mühe Werth hielt, ans Ausliefernngspapiere zu warten, sofort hierher lransportirt. Auf die Einsaugung des Verbrechers war eine Belohnung von §I7OO ansgesetzt worden. Vielleicht nur ein Gerücht. Oie Regierung soll die Verausgabung von Bonds beschlossen haben. NcwAork, 12. Nov. In Wall Str. wird heute im Vertrauen berichtet, daß die Regierung eine neue Bondsansgabe beschlossen hat. Dem Ge- rüchte nach hat der Sekretär am Samstag Abend Mittheilnng von den Abmachungen erhallen, welche oer Präsident mit New Borkcr Bankiers getrosten hat. Einen Be- schluß des Congresses darüber abzuwarten, würde eine zn große Zcitvcrsäumniß in sich schließen, während außerdem noch das Re- sultat eilt zweifelhaftes wäre. Von seinen Genossen ermordet. Lin vagabundirender Steinhauer mit einem Aoppelbolzen erschlagen. Boone, lowa, 12. Nov. Eine Schaar von Landstreichern, welche sich unmittelbar vor der Stadl ein Feuer angezündet hatte, gcrieth sich, nachdem sie gehörig der Schnapsflasche zngesprochcn hatte, gehörig in die Haare. Dabei wurde einer von der Bande, ein etwa fünf und fünfzigjähriger Mann, todtgeschlagen. Um das Verbrechen zu verdecken, wurde der Leichnam in das Feuer geworfen. Gestern Morgen jedoch wurde die Sache von der Polizei entdeckt und es gelang derselben auch, sechs Mann von der Gesellschaft zu verhaften. Der Ermordete soll ein Stein- hauer, Namens Hcndricks fein, und war mit einem Koppelbolzen erschlagen worden. Die Kleider waren ihm vom Leibe ge- brannt, aber der Tod war nicht durch das Feuer verursacht worden. Richtete sich selbst. Ein lUuttermörder erhängt sich im Gefäng- nisse. Nov. Der dreiundvierzigjährige James Foley, dessen Prozeß wegen der Ermordung feiner alten Mutter, die er in der Trunkenheit zn Tode getreten hatte, demnächst bevorstand, hat sich gestern im Gefängnisse erhängt; den Strick hatte er sich aus feinem Bettzeug zusammengedreht. Kann keine Minister finden. Der Präsident von Argentinien in Heller Verzweiflung. verdächtige Haltung des Heeres und der Flotte. Buenos Aires, 12. Nov. Die politische Krisis dauert nicht allein fort, sondern hat sich sogar noch bedeutend zngespitzt. Aller Wahrscheinlichkeit nach kann ohne Zustimmung Roea's kein Ca- binet zn Stande kommen. Der Präsident weiß kaum, was er thnn soll, aber eine Lö- sung der Schwierigkeit mag sich heute noch finden. Die Haltung der Befehlshaber des Heeres und der Flotte ist eine derartige, daß mit Zustimmung des Congresses demnächst der Belagerungszustand erklärt werden wird. Mehreren Politikern sind Stellen im Ca- binet angeboten worden, aber alle haben abgeiehnr. Gegen Balsour ist von einem Engländer Namens Bothwick eine zweite Klage wegen Betruges angestrengt worden. Wenn er dessen schuldig befunden wird, während die anderen Klagen gegen Balsour noch schweben, so dürfte seine Auslieferung nach England um zwei oder drei Jahre verzögert werden. Schlimmer als Sklaverei. Neger von einer Guano-Insel nach Hause gebracht. New Aork, 12. Nov. Gestern Abend ist in Perth Amboy mit der Barkantine „Robert S. Patterson" eine Ladung Neger angetommen. Die Passagiere waren Leute, welche für die „America Phosphate Company" von Bal- timore auf der Insel Navafsa gearbeitet hatten. Der Kapitän John Barton mel- dete sofort den Gcsundheltsbehörden, daß der Gesundheitszustand feiner Bemannung ein guter sei, und daß unter feinen Passa- gieren keine Krankheiten herrschen. Die Barkantine ging vor vierzehn Ta- gen von Navafsa nach Cartenet ab; wäh- rend das Fahrzeug seine Ladung einnahm, baten die Neger den Capitän, sie „um Gottes Willen" nach Hause zn bringen. Einige von ihnen waren ein ganzes Jayr lang auf der Insel gewesen, andere kür- zere Zeit, aber alle betrachteten den Auf- enthalt dort als eine Tortur. Ihre Nah- rung bestand meistens ans gesalzenem Schweinefleisch und hartem Brod. Die Insel ist ein nackter Felsen und das dort aufgefangene Regenwasser nicht trinkbar. Die Leute arbeiteten ohne Schutz unter der brennenden Sonne, und erkrankten schnell. Der Capitän Barlon nahm 74 der armen Leute mit, und während der Fahrt starben vier derselben am Skorbut, während viele schwer daran erkrankten. Das Schiff wurde hier unter Quarantäne gehalten. Störung in einer Rirche. Lin katholischer Renegat öffentlich der Lüge beschuldigt. Decatur, Jll., 12. Nov. Gestern Nachmittag kam es in der hiesi- gen „Free Methodist Chnrch", in welcher Patrick Welch, der sich angeblich vom katholischen Glauben hatte bekehren lassen, einen Vortrag hielt, zu einem bösen Skandal. Welch behauptete nämlich, daß cs keine einzige richtige katholische Bibel gebe, und daß er, che er nach Amerika kam, überhaupt keine Bibel gesehen habe. Es hatten sich in der Kirche mehrere Katho- liken eingefundcn, um Welch zn hören, und als er jene Bemerkung über die Bibel machte, sprang eine Frau ans, und erklärte ihn für einen Lügner. Dadurch entstand natürlich eine allgemeine Störung, und es war nahe daran, daß der Gottesdienst zum Schauplatz einer allgemeinen Keilerei ge- worden wäre; unter den Katholiken im Orte hat die Sache eine allgemeine Ent- rüstung hervorgernfcn. Wieder in Freiheit. Sie mußten sich aber eidlich verpflichten, wäh- rend desKrieges Lhina nicht zu unterstützen. Nokohama, 12. Nov. Es wird berichtet, daß John Wilde, ein Amerikaner, und Cameron, ein Schotte, welche an Bord des französischen Dampfers Sidncy unter der Bcichuldigung in Haft genommen worden waren, daß sie beabsich- tigten, die japanischeFlotte durch Torpedos zu zerstören, wieder in Freiheit gesetzt wor- den sind, nachdem sie unter Eid erklärt batten, daß sie während der Dauer des Krieges China in keiner Weise unterstützen wurden. Der Chinese C. H. Moore, bis vor Kur- zem der Dolmetscher der chinesischen Ge- sandtschaft in Washington, weicher mit Wilde L Cameron verhaftet worden war, ist nach Hiroshima gesandt worden. Endlich abgefaßt. Lin langgesuchter Bauernfänger endlich ding- fest gemacht. Los Angeles, Cal., 12. Nov. Matt. Reece, einer der frechsten und er- folgreichsten Bauernfänger Californiens, ist hier verhaftet worden. Derselbe wird sofort nach Leadvillc, Colorado, transpor- tirt werden, wo ihm wahrscheinlich eine längere Zuchthausstrafe bevorsteht. Seit mehreren Monaten schon saß ihm die Poli- zei auf den Fersen, und sobald die Auslie- serunspapiere eingctrofsen fein werden, wird er die Reise nach Leadvillc antretcn. Tod unter den Hufen eines Pferdes. SPringfield, Jll., 12. Nov. Gestern Abend wurde Edward Docrfler, der zehnjährige Sohn der Frau Fred. Doerfler, vom Pferde geworfen und von den Hufen desselben erschlagen. Ein interessantes Experiment in Aussicht. Der nächste vermittelst Elektrizität Hingerich- tete Verbrecher soll wieder lebendig ge- macht werden. Syrakuse, N. Y., 12. Nov. Dr. P. I. Gibbons zeigte gestern Abend dem Vertreter der assoc. Presse eine De- pesche, wonach der Gouverneur Flower sich bereit erklärt hat. zn gestatten, daß mit dem nächsten zum vernrlheilten Verbrecher Versuche angestellt werden, um ihn in's Leben zurückzurufen. Dr. Gibbons ist der Mann, welcher zu- erst behauptete, daß ein Mensch vom Elek- lrisirtode wieder in's Leben zurückgerufen werden kann und welcher einen theilweise erfolgreichen Versuch mit dem Mörder Taylor im Zuchthause in Auburn an- stcllte. Dr. Gibbons sagte, daß er überzeugt sei, daß er mit seiner Behauptung Recht habe und daß dann der Gouverneur wahrschein- lich derartig werde Vorgehen müssen, daß er die Todesstrafe in lebenslängliche Zucht- hausstrafe nmwandclt und nur anznordncn habe, daß die darauf bezüglichen Papiere gleich nach der Hinrichtung einlrcsfen. Erlangt dann der Delinquent sein Be- wußtsein wieder, so würde die Begnadigung des Gouverneurs in Kraft treten, während anderen Falles die Papiere zn spät cin- trcssen würden, um das Leben des Ver- urtheillcn zu retten. Der Doktor glaubt nicht, daß es nothwendig sei, die Gesetze betreffs der Hinrichtnngsmethode vermit- telst des elektrischen Schlages abzuändern, va er der Ansicht ist, daß durch einen fort- dauernden elektrischen Strom von genügen- der Stärke, der Tod hervcigcsührt werden kann. Dr. Gibbons erklärte, daß die Weige- rung des Ebarles F. Wilson, den Versuch an sich machen zn lassen, nichts zu bedeuten habe, da der Staat das Recht habe, über die Leichen der vermittelst Elektrizität Hin-gerichteten' Verbrecher, nach Belieben zn verfügen. Ein Rampf um die Ranzel. Zwei Geistliche, von denen ein jeder das Wort Gottes predigen möchte. San Jose, Cal., 12. Nov. Zwei Geistliche beanspruchen die Predi- gerstellen an der deutschen lutherisch-evan- gelischen Kirche, und jeder wird von einem Theile der Gemeinde unterstützt. Wm. Braunworth, war seit sechs Jahren der Prediger der Gemeinde, während das Kir- cheneigcnthnm auf den Namen seines Schwiegersohnes, O. H. Buren eingetra- gen war, da derselbe zur Abtragung der Schuld Geld vorgeschossen halte. Die Mitglieder der Gemeinde behaupteten, daß der Pastor keinen Versuch gemacht habe, seinem Schwiegersohn das Geld znrückzah- len, und daß drnselven deshalb schließlich das Kircheneigenthum zufallen werde. Deshalb wurde Pastor Brannworth seines Amtes enthoben, und A. D. Denninger zn seinem Nachfolger ernannt. Brannworth aber setzte sich ans die Hinterbeine, entließ den Gemeindcschreibcr, und strich die Na- men seiner Gegner aus der Liste der Kir- chenmitgliedcr. Jeder der beiden Geist- lichen wollte nun predigen, und da Den- ninger zuerst ans der Bildfläche erschien, so behauptete er einstweilen das Feld. Brann- worth jedoch hat den Kampf noch lange nicht aufgegeben, sondern erklärt, daß er seinen Gegnern die Hölle heiß machen werde. o Verfehlte Spekulation. wie der Gouverneur von St. Helena zu Gun sten seiner Freunde in postmarken spckulireu wollte. New York, 12. Nov. Von der Insel St. Helena wird berichtet, daß Wm. Henry Wilson, der dortige Gou- verneur, vermittelst einer Spekulation in Postmarken die Einkünfte feiner Freunde zn vermehren trachtete. Er vcranlaßte einige seiner Freunde sämmtliche im Post- amts vorrälhigen Postmarken anzukanfcn, außer den fünf Schilling, sechs „Penny", vier „Penny" und anderhalb „Penny" Marken. Er sagte leinen Freunden, daß,so lange er Gouverneur der Insel bleibe, die Marken nicht wieder erneuert werden würden. Als die 'Nachricht davon aber nach England kam, befahl Lord Ripon, der Chef des Coionialamtes, dem Gouver- neur, deu Leuten, welche die Marken ge- kauft hatten, das Geld znrückzugebcn, und ordnete sofort an, daß etwa zehntausend Bogen von derselben Markensorle nach St. Helena gesandt würden. Außerdem machte Lord Ripon durch die Zeitungen bekannt, daß die Postmarkcn von St. Helena im Postamte der Insel für den einfachen Werth derselben gekauft wer- den könnten. Orkanartige Stürme. (Ozeandampfer haben schwer darunter zu leiden. P h i l a d e l p h i a, 12. Nov. Der deutsche Dampfer „Donau", Capt. Segel, von Hamburg via Dartmonth ist gestern Nacht, wie ein vollständiges Wrack anssehend, hier cingetrossen. Die „Donau" hatte sich drei Tage in einem Orkane be- funden. Der amerikanische Dampfer „Sonth- wark", Capt. Pafsan, ist gestern nach einer äußerst stürmischen Ncise, dreißig Stunden überfällig, von Liverpool und Qnecnslvwn angekommen. Die Offiziere des Dampfers sagen, daß es die stürmischste Fahrt war, die sic nach je mitgcmacht haben. Der „Sontbwark" hatte 300 Zwischendecks- und 66 Cajütenpassagiere an Bord. Die Einwandernngscommtssüre haben fünf junge Leute, welche vollständig mittel- los waren und vou denen man glaubt, daß sie von Hause wcggclaufen sind, zurück- gehalten. Das Antidiphtherie-Serum. Die Herstellung desselben in Schering bei Ber- lin, und die Wirksamkeit desselben. Washington, 12. Nov. Unter den dem Staatsdepartement von unseren auswärtigen Konsuln zugesandlen Berichten über das neue Mittel gegen die Diphtherie, befindet sich einer von Gcneral- consul Chas. De Kay in Berlin, welcher die Wirksamkeit des Mittels durch Ver- gleich schildert. Er sagt, daß das Etablisse- ment in Schering, in der Nähe der Jung- fcrnheide, vierzig Pferde zur Herstellung des Serums in Behandlung hat, daß aber die Nachfrage so stark war, daß der Vorrats; des Hospitals im September erschöpft war. Dies aber hatte einen cigcnlhümlichen Ein- fluß auf die Sterblichkeit. Während in Diphiheriefällen bei Kindern unter vier Jahren sich die Sterblichkeit bis auf 11 v. H. verringert halte, stieg sie in: Oktober wieder auf 60 v. H. Das Serum ist theuer, da cs nur wenige Einrichtungen zur Herstellung desselben gicbt, welche viel Zeit in Anspruch nimmt und so frisch als mög- lich gebraucht werden muß. Es heißt, daß es wenigstens einen Zeitraum von 9 Mo- naten und zuweilen von einem Jahre nimmt, um die Thiere, welche sümmllich weniger als drei Jahre alt sind, in die j nöthige Verfassung zu bringen. Ein Thier ! gicbt zur Zeit nicht viel Blut, vielleicht zwei Quart; betreffs der Zwischenräume der Aderlässe muß die größte Sorgfalt be- obachtet werden, und da zuweilen das Blut nicht mehr die nöthige Heilkraft hat, so wird es nothwendig. den Prozeß der Ba- cillenerzeugung von Neuem zu beginnen. Onkel Sam als Vermittler. Japan hat noch keine Entscheidung über das Anerbieten getroffen. Washington, 12. Nov. Bis heute Mittag halte Japan das An- erbieten der Ver. Staaten, als Vermittler auszulrcten, noch nicht angenommen. Es werden jedoch zwilchen der japanischen Hauptstadt und Washington lange De- peschen gewechselt, und eine schließlich- Entscheidung ist sehr bald zu erwarten. In einem Kabelgramm, welches heule Morgen cintraf, verlangten die japanischen Be- hörden genauere Einzelheiten. Darauf wurde eine längere Antwort ab- gcschickt, die nicht nur erbetene Einzelheiten enthielt, sondern auch die Sache der japa- nischen Negierung noch eindringlicher vor- stellle. Die chinesische Negierung erklärte sich Herrn Gresham gegenüber bereits in aller Form bereit, Korea's Unabhängigkeit an- zuerkcnnen und eine Kriegsentschädigung in baarcm Gcldc zu erlegen. Schiffsnachrichten. In der Nacht anqekommen: New Aork: „Adrialic" von Liverpool; „La Champagne" von Havre, „City of Para" von Colon. Havre: „La Bretagne" von New 3)ork. Qneenstown: „Aurania" von Liver- pool nach Bork' Gibraltar: „Werra" von Genua nach New Aork. Heute gemeldet: New I)ork; „Äugusta Victoria" von Genua, „Vanderze" von Rotterdam. Städtisches. Das Wetter. Optiker Kleine, 76 Washington Str., berichtet für Chicago die folgenden Baro- meter- und Thecmometerstände: Um 8 Uhr Morg. 30 Gr., um 9 Uhr 30 Gr., um 10 Uhr 30 Gr., um 11 Übr 30 Gr., um 12 Übr 30 Gr. Barometerstand um 8 Uhr Morg. 29.25, 12 Uhr 29.25. Noch kein Nachfolger für Herrn Ackerman. Für das Amt des Comptrollcrs an Stelle des Herrn Ackerman hat der Mayor bisher noch keinen geeigneten Mann finden können. Oberbaucommissär JoncS, dessen Name mit der Nachfolgerschaft für Herrn Ackerman in Verbindung gebracht wird, er- klärte heute Vormittag, daß er sich kaum dazu würde versieben können, das Amt an- zunehmen, zumal er seine jetzige Stellung besser ansfüllen zn können glaubt, als die eines Complrollers. Außer Herrn Jones wird noch Herr Harper, der vom Mayor beschäftigte sach- verstündigcßuchhalter, als eventueller Nach- folger AckermanS genannt. Neue Vuntpmaschinen. Im Obcrbaucommissarial wurden heute Vormittag die für die Lieferung von neuen Pumpmaschinen sür die Pumpstationen in Lchte View, an der 14. Straße und an der Chicago Ave. cingegangenen Angebote, ge- öffnet. Für die Lieferung der Pumpmaschinen sür die Chicago Ave. Pumstalion, sür zwei vertikale Compound-Maschinen mit einer Leistungsfähigkeit voll je 15,000,000 Gal- lonen in 24 Stunden, und den dazu gehö- rigen Dampfkesseln, war die „Holly Msg. Co." mit einem Angebot von §90,268 die niedrigste Bielerin, während die Firma Crnmp L Sons für den „Job" §155,000 verlangt. Die niedrigste Bieterin für eine dreifache Expansions-Pnmpmaschinc sür die Station all der 14. Straße mit einer Leistungsfähig- keit yon 30,000,000 Gallonen in 24 Stun- den mar die E. P. AlliS Co. mit §93,000. Die Firma Crnmp L Sons verlangte für dieselbe Maschine §135,720. Für zwei horizontale Compound Pump- maschinen mit einer Leistungsfähigkeit von je 14 Millionen Gallonen in 24 Stunden für die Pumpstation in Lake View verlangt die Firma Crnmp L Sons §7O, !00, wäh- lend Henry R. Worlhington dieselbe für §38,400 zn liefern sich erbietet. Die Vergebung der Contraktc wird erst nach einer sorgfältigen Prüfung der Ange- bote erfolgen, da es sich um bedeutende Geldausgaben handelt. Die Großgeschworenen Für den Novembertermin von Richter Lhet- lain vereidigt. —Energische Instructionen gegen das Spielunwesen und die Ivahlbe- trügereien. Richter Chetlain vereidigte heute Mor- gen die Großgeschworencn für den Novem- ber-Termin. In eindringlicher Weise machte er es den Geschworenen zur Pflicht, die Untersuchung gegen die Spieler noch- mals auszunehmen, da die letzte Verfolgung derselben so kläglich verlaufen war. Fer- ner schärfte er den Großgcschworenen ein, die Anklagen wegen Wahlbetrügercien, welche ihnen in großer Anzahl vorgelegt werden würden, zu untersuchen. Sie seienberufen, die Reinheit der Stimmenabgabe aufrecht zu erhalten. Die Wahlbetrügereien beraubten das Volk ihres höchsten Nechrcs. Sie sollten in der Untersuchung jede Rücksicht, welche sie als Mitglieder der einen oder anderen Partei Hütten, bei Seite lassen und nur über die Verletzungen des Wahlgesetzes nach den bestehenden Gesetzen entscheiden. Die Großgeschworenen sind: Oscar Geyer, 184 59. Slr.; Win. Lally, 778 Jackson Boul.; M. I. La Bounty, 3655 Grand Boulevard; F. S. Mitchell, 1567 W. Huron Slr.; Theo. F. Brown, 77 29. Str.; Norris F. Blanc, 74 W. 13. Str.; S. Eishenbcrgcr, 270 Clvbourn Ave.; I. P. Flynn, 174 O. Madison Str.; Chas. O'Brien, 107 S. Peoria Str.; Anthony Murphy, 472 W. Kon- greß Str.; Wm. H. Kisselburg, 1221 Van Buren Str., Nie. P. Miller, Wilmeltc, Fred. Junge, 1566 Clybourn Ave., Thos. Fox, 74 Cyprcß Str., O. Behrend, 807 S. Halsted Str., Stephen W. Coaklcy, 170 Osgood Str., I. W. Marwood, Kolze, T. E. Durland, La Grange, John Dilg, Monlon, Jean Wiener, 1496 W. 22. Str., Joseph Noble, Blue Island, Wm. See- bura, Arlington Heigls, Wilson Brooks, 1305 Adams Slr. Obmann ist Wilson Brooks. Die Großgcschworenen begannen ihre Arbeiten sofort. Entlassungen ini Polizei - Departe- ment. Polizeichef Brennan bat den ihm unter- gebenen Jnspcctoren aufgegeben, ihm bis spätestens morgen eine Liste aller der Be- amten und Polizisten zuzustcllen, die am ehesten entbehrt werden können, ohne daß der Polizeidienst darunter leide. Herr Brennan hat ausgerechnet, daß der Etat seines Departements um §40,000 über- schritten werden würde, wenn sämmtliche Beamte, die jetzt imDienst sind, beibehalten werden, und daß deshalb eine Reduktion der Polizeiforce nothwendig sei. Wahr- scheinlich werden auch mehrere höhere Be- amte über die Klinge springen müssen. Guter Fang. Vergangene Nacht gegen 2 Uhr wurde die Maxwell Str.-Station davon benachrich- tigt, daß in das Groccricgcschüft des C. F. Weinheimer, 407ClintonSir., eingebrochen worden wäre. Sofort wurde eine Abthci- tung Polizisten nach dem Hause abgesandl und diese ermittelten, daß sich der oder die Einbrecher durch Einbrcchen der Hinlcrlhür Eingang in den Laden verschafft und dort gehörig gehaust Hallen. Der Bestohlene schätzte ansangs nach einer oberflächlichen Uebersichl seinen Verlust auf mehrere Hun- dert Dollars, ging aber nach und nach auf §IOO herab. Die Herren Ritter der Nacht hatten unter den Grocerics Auswahl ge- troffen. Kisten mit Eiern, Butter, Einge- machtem, Provisionen und was man sonst fürs Halis braucht, hatten sie mitgenom- men. Nachdem diePolizisten sich darüber oricntirl, begannen sie die Suche nach der Bellte und den Dieben. Dem Polizisten L. Blanch gelang cs heute früh, nicht nur den größten Theil der gestohlenen lachen zu finden, sondern auch der Diebe, 6 an der Zahl, habhaft zu wer- den. Er folgte nämlich einer von Wain- heimer's Grocerie nach der des Silvestro Marlnio, Ecke Ewing und Jefferson Str., ! führenden Spur von ausgelaufenen Eiern! und fand in dem letztgenannten Laden! einen Theil der dem Weinheimer gestohlc- ! neu Gegenstände. Ilm diese herum saßen 6 Italiener, Dometo Bullusi, Dominica Bullusi, Carmlinico Malfeio, James Vi- talst Michaels Cucsi und Pasquato Putsi. ! Das Sextett wurde unter der Anklage des ! Einbruchs und Marlino unter der der ! Hehlerei festgenommen und hellte von Nich- ! ler Ebcrhardl bis zum 14. unter je §BOO ! Bürgschasl gestellt. Die Polizei glaubt in den Verhafteten eine Bande Kerle verhaftet Izu haben, welche teil Monaten die Gro- cerieS im Italiener Viertel der Westseite, zwischen Polk und 12.und Canal und Hal- sted Str., beraubt haben. Raubanfall auf einen Straßenbabn- Ronducteur. Als der Kondukteur Dennis Madrigan voll der Ogden Ave.-Straßenbahnlinie vergangene Nacht nach 12 Uhr auf seiner letzten Fahrt nach dem Stalle sich dem Ogden Ave. Viaduct näherte, sprang ein blutjunger Mann auf die Hintere Plalform des Wagens lind forderte, ihm (Madrigan) einen Revolver vor das Gesicht hallend, die sofortige Herausgabe seines Geldes. Mad- > rigan, der etwa §35 bei sich Halle, und der- ' "rftll.c Abenteuer bereits durchgemacht hatte, ließ sich nicht so leicht in Furcht bringen.Mit einem festen Griff packte er den Ban- diten bei der Gurgel und riß ihm dann den Revolver aus der Hand. Dann rief er 3 iin Wagen eingeschlum- merlc Passagiere zu Hilfe uud hielt mit diesen den Räuber so lange fest, bis er auf den den Diftrict patrouillircnden Poli- zisten Cornelius Crowley stieß. Der veonld-l-S Räuber wurde verhaftet, gab sei- nen Namen mit John Fray, sein Aller mit 19 Jahren und feine Wohnung Ecke der Western Ave. und 14. Str. an. Dem Rich- ter Dooley suchte er heute einzureden, daß er stcrnyagelvoll gewesen, nicht wisse, was er gelhan, und den Revolver von einem guten, ihm aber trotzdem unbekannten Freunde erhalten hätte. Diese faden- scheinige Ausrede zog selbst beiDooley nichtund wurde Fray unter §BOO Bürgschaft dem Criminalgericht überwiesen. Geisttsmrmllchtmlg Wird für Oscar Felsch geltend ge- macht. Das Zcugniß von Christian Ackermann. In dem Prozeß gegen Oscar Felsch, welcher am Morgen des 7. August den 22- jährigen George Wcchselbergcr nicderschoß, führte die Verthcidignng, vertreten durch den Anwalt S. L. Trude in der Person von Christian Ackermann heute Morgen ihren ersten Zeugen vor. Ackermann wohnt No. 114 FremontStr., ist verdeiralhct und einBarbier. Cr kannte den Angeklagten von Philadelphia her und beide arbeiteten in den Palast- wagen von Personcnzügen zwischen Phila- delphia und New Aork und später zwischen New Aork und Chicago. Ackermann und Felsch ließen sich später in Chicago nieder und der erstere ist seither in dem Barvicr- laden des Palmer House thätig gewesen. Die Bekanntschaft zwischen Ackermannund Felich bestand hier fort. Clwa zwei Monate vor dem 7. August erschien Felsch bei seinem Freund und erklärte ihm daß er durch die Erlebnisse in seiner Familie in einem derartigen Zustand der Nervösiläl verfallen sei, daß er den Beruf als Barbier nicht mehr ausführen könne. Seine Hand zittere derart, daß erdaß Messer nicht mehr halten könne. Im Laufe der nächstes Wochen steigerte sich der Zustand Felsch derart, daß Ackermann, denH Felsch zu veranlassen suchte, eine andere Arbeit auszunchmcn und sich zu beruhigen. Felsch fuhr dann einige Zeit einen Wäschc- reiwagen. In den letzten zwei Wochen kam er fast täglich zu Ackermann und er- klärte demselben, daß er Selbstmord be- gehen würde. Er wies eine kleine Flasche vor und sagte, daß ihn die Flüssigkeit von seinem Leiden heilen werde. Seine Frau lebe mit einem anderen Manne zusammen und mit seinem Dasein sei cs aus. Ackermann erzählte weiter, daß Felsch verschiedene Male Abschied nahm mit der Erklärung, daß ihn Ackermann nie mehr lebendig Wiedersehen würde. Als der Perthcidigcr nunmehr die Frage dem Zeugen vorlcgtc, ob er Felsch zu jener Zeit für gcistcsnmnachtel hielt, entspann sich zwischen dem Vertheidiger Trude und dem Hülls-Staatsanwalt Pcarson eine längere Debatte. Der Letztere argumenlirle, daß nach dem Gesetz nur einExpert über den Geisteszustand des Angeklagten, sur welchen Jrrsnrn geltend gemacht würde, Aussagen machen könne, nach welchen sich die Ge- schworenen ein Unheil bilden könnten. Hr. Trude führte dagegen aus, daß cs ein alter Brauch sei, solche Leute, welche mit einem angeblich wahnsinnigen Angeklagten lange bekannt waren, ebenfalls zur Feststellung einer Meinung zuzulassen. Der Richter entschied zu Gunsten des Perthcidigers und Ackermann erklärte, daß er seinen Freund Oscar Felsch zur Zeit seiner Selbstmord- Phantasien sür geistcsumnachtel hielt. Im Gerichtssaal war heute Frau Felsch und eine Schwester derselben anwesend. Aus Vew Bork zurückgeholt. Michael Joyce, (der am 29. September während der Mittagszeit in die Office des Bilderrahmcnsabiikanten S. Franklin, 498 Morgan Slr., einbrach und dort Brillan- ten im Werthe von §6OO und §l2O baarcs Geld stahl) wurde heule dem Richter Doo- leh unter der Anklage des Einbruchs vor- gesührt. Da unterdessen die Grandjury Jovce unter Anklage gestellt Halle, wurde die vor Richter Dooley niedergeschlagen. Joyce hatte die Beraubung der Franklins mit dem Laufburschen desselben, Jsaac Feinbcrg, geplant. Dieser allein außer Franklin wußte wo die Brillanten, (die als Pfand übergeben worden waren) lagen. Als der Einbruch verübt war, er- zählte der Bengel seinem 80ß, daß drei maskirte Männer in die Office gekommen waren, ihn unter Drohungen gezwungen, sich ruhig zu verhallen und dann die Schub- lade ausgeräumt hätten. Anfangs glaubte ! Franklin diese Geschichte. Doch als er durch Zufall hinter Unehelichkeiten des ! Feinbcrg kam, ließ er ihn cinspcrrcn und ! in der Zelle gestand derselbe dann die ganze Dicbsgcschichtc. Er versprach als Slaatszcuge auszulrcten und wurde daher nur die Einbruchzanklage gegen Joyce erhoben. Als der Fall vor ! Richlcr Dooley vor euva 14 Tagen aufge- ruseii wurde, beantragte und erhielt Jovce eine Verschiebung von 10 Tagen. Während er nun atii Bürgschaft frei war, gab er Feinbcrg genügend Geld zu einerRene nach New Bork. Als dann der Fall wieder aus- gerufen wurde, war der Staats- und ! Hauptzcuge nicht anwesend. Cnpt. Barcall, der unterdessen nach New rstork lclegraphirt ! und dort die Verhaftung des Femberg er-- ! möglicht Halle, ließ nochmals den Fall ver- ! schieben. Feinbcrg wurde hierher und ! direct nach Hotel Gilbert geschasst. Am j Samstag erschien er vor der Grandjnry und > legte vor derselben Zeugniß gegen seinen j Coniplicen Joyce ab. Doch auch er wurde, i um ihn sür die Prozesiirung als Zeugen sicher zu Hallen, unter Euibruchsanklage ge- ! stellt. — Die Arbeiten an der Metropolilan- Hochbahn werden gegenwärtig Tag uno Nacht gefördert, und zwar aus der ganzen Haupllinic, so daß die Ingenieure glauben, daß am 1. Januar des nächsten Jaares der Betrieb wird ausgenommen werden kön- nen. Die Hauptlinie der Bahn läuft be- kanntlich von dem Sladlcenlrum bis zur West 48. Straße. Auch der Bau des gro- ßen Maschinenhauscs, welches die clectrische Betriebskrast sür dieBahn liefern soll, aus dem Grundstück zwischen der Throop- und Loomissiraße, Congreß und Van Buren- straße wird schnell gefördert, und soll das- selbe bis zum Anfang des nächsten Jahres fix und fertig dastehen. Viehmarrt. Schweine sind heute fest und um s<Zloc. theurer. Schwere brachten 4.95(«4.90, ! leichte 4.15(ch4.60, durcheinander 4.2E<ü ! 4.70. Rindvieh ist fest, Schake sind um 5(« 10c. j billiger. ! Zufuhr 45,000 Stück Schweine, 21,000 jRindvieh, 24,000 Schafe.

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