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Abendblatt Newspaper Archives Nov 5 1894, Page 1

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Abendblatt (Newspaper) - November 5, 1894, Chicago, IllinoisHerausgegeben von der Illinois Lhicago, Nlontag, 5. November 1894. Preis 1 Cent. 47. Jahrgang. No. 263. Uevevvlirk Und Kurzgefaßtes. Der Wettermann prophezeit uns heute Sonnenschein und heute Abend frostiges Wetter. Luftzug aus Nordwesten. Die Londoner Polizei giebt sich Mühe, die Verüber des in vergamgencr Nacht dort- selbst stattgehabten Bombenattentats zu er- mitteln, bisher freilich ohne Erfolg. Der Gouverneur Flower hat der dummen „Ente" von der Begnadigung des lammanhtischen Wahlgauners McKane kunstgerecht den Hals umgcdreht. Die New Docker Börse verhielt sich in Anbetracht der morgigen Wahl still, und einzelne Aktien, wie die St. Paul, Wabash, Zuckertrust, Burlington, Eric und Eric L Western, wurden um Proz. höher, New Dork Central aber um 1s Proz. niedriger notirt. ln Liverpool schloß der Weizenmarkt bei mäßiger Nachfrage fest und auch auf dem Maismarkte behaupteten sich die Preise. 59,000 „Quarters" (8 Bushcl gehen auf das „Quarter") Weizen und 8700 „Quar- ters" Mais sind in voriger Woche aus Amerika dort angelangt. Der Bundesbezirksrichter Foster hat die Frage, ob bei der Wahl eines neuen Verwaltungrraths für die Santa Fo-Bahn, das Cumulytivverfahren statthaben könne, endgültig verneint, und die jetzige Verwal- tung hat damit gegenüber dem Schutz- Comite der Aktionäre einen durchschlagen- den Sieg errungen, womit die Wiederwahl des jetzigen Verwaltungsraths in der heute Nachmittag stattsindenden Aktionärsver- sammlung gesichert ist. Dem bedauernswerthen Vice-König Li-Hung-Tschang sollen jetzt die Amts- sieget abgenommcn, d. h. er soll seiner Würde als Vice-König entkleidet werden; er soll aber den Befehl über die chinesische Armee übernehmen. Die hiesigen Nnterlhanen des russi- schen Czars begehen eine Trauerfeier für den verstorbenen Alexander 111. und beten für Nicholas 11. Sie Plauen eine Massen- versammlung, um über die für die Zu- kunft Rußlands nöthige Politik zu bcra- then. Die Chicagoer deutschen Vereine haben gestern vorbereitende Schritte ge- troffen, um Gelder zur Linderung dcr Nolh der von den Waldbränden in Minne- sota und Wisconsin Heimgesuchten aufzu- bringen. Aus Pullman, dem „Arbeiter-Para- dies", begann gestern ein Exodus. 34 Familien, deren Ernährer dort keine Arbeit finden konnten, fuhren nach Hiawatha, Kas., um sich dort ein neues Heim zu gründen. - Ein kleines Feuer in der Druckerei 1321 W. 22. Straße wurde heute früh für einen alten Mann, Namens JuliusPink- ler, verhängnißvoll. Derselbe wurde vom Rauch überwältigt und als Leiche heraus- getragen. Tekegraptnscke Depesekreru Der Dampfer „Gaelic". Derselbe von den japanischen Behörden wie- der freigcgeben. Aokohama, 5. Nov. Der britische Dampfer „Gaelic", Capt. Pearne von San Francisco, welcher von den japanischen Behörden unter der Be- schuldigung, Kriegscontrebande an Bord zu haben, mit Beschlag belegt worden war, hat die Erlaubniß erhalten, seine Fahrt fortzusetzen, da es sich ergeben hat, daß der Verdacht unbegründet war. Dcr „Gaelic" sollte gestern Mittag nach Hong Kong abgehcn; er war am 16. Oktober von San Francisco abgegangen. Lin kleiner Junge verunglückt. Er wird beim Auslesen von Kohlen von einer Lokomotive überfahren. Spring Valley, Jll., 5. Nov. Gestern Nachmittag wurde Charles Gib-son, der sechsjährige Sohn eines Gruben- arbeiters, von einer Lokomotive der Rock Island-Bahn überfahren, wobei ihm ein Arm und ein Bein abgeschnittcn wurden. Das verunglückte Kind war von den Eltern ausgeschickt worden, um auf den Bahn- geleisen Kohlen aufzusuchen; es wird seinen Verletzungen erliegen. Ankunft des Lzaren in St. Peters- burg. Derselbe wird sich auf seiner Reise dahin einige Tage in Moskau aushalten. London, 5. Nov. Der Correspondent der „Daily News" in St. Petersburg sagt, daß die Ankunft des Czaren Nikolaus gegen Ende der Woche in der Hauptstadt erwartet wird. Derselbe wird sich einige Tage in Moskau aufhalten, um dort die Huldigung der Beamten und hervorragender Bürger cutgegenzunehmen. Sümmtliche Wirchshäuser in Moskausind geschlossen worden. Tödtlicher Unfall. 2luf der Jagd durch zufällige Entladung des Gewehres erschossen. CedarNapids, lowa, 5. Nov. Gestern Nachmittag fand Edward Kanaß in der Nähe der Team-Brücke durch einenunglücklichen Zufall seinen Tod. Er be- fand sich auf der Jagd und halte sich er- müdet auf einen Baumstamm gesetzt, wäh- rend er sein Gewehr neben sich hinlegte. Auf irgend eine Weise rutschte dasselbe hinunter und entlud sich dabei; der Schuß fuhr Kanaß in die Seite und hatte in we- nigen Stunden dessen Tod zur Folge. Vom.lstÜMschauMtze. Das Vorrückm dcr japanischen Armee gegen Peking. Die chinesische Armee in einem Gebirgspasse verschanzt. Li-Hnng-Lhang soll seiner würde als vice- König entkleidet werden. Shanghai, 5. Nov. Die chinesische Armee unter dem General Sung, welche Tschin-Lien-Tscheng ge- räumt hat, befindet sich in einem an der Landstraße nach Peking gelegenen Gebirgs- passe, und cs ist der strengste Befehl gegeben worden, denselben unter allen Umständen zu vertheidigen. Eine japanische Truppcnabtheilung dringt mit der Absicht nach Norden vor, Gen. Sung's Stellung zu umgehen, da mehrere kleinere Bergpässe südlich von Marien-Ting unvertheidigt sind. In Tien-Tsin heißt es, daß japanische Truppen vierzig Meilen nördlich von Shanghai-Kwang gelandet sind. Es wird erwartet, daß Ausländer amt- lich aufgefordert werden, binnen vierzehn Tagen Peking zu verlassen. In Nanking ist ein kaiserlicher Erlaß eingetroffen, worin der Vicekönig der Pro- vinz Lian-Kiang aufgefordert wird, sich sofort nach Tien-Tsin zu begeben, und dem Vicekönig von Petschili, Li-Hung-Cbang, die Amtssiegel abzunehmcn. Aokohama, 5. Nov. Laut hier eingetroffencn Nachrichten, haben nördlich von Port Arthur heftige Gefechte staltgefunden. Es scheint, daß dcr Fcldmarschall Oyama sein Heer ge- theill hat; während eine Division auf der Ostküste, nördlich von Talienwan, lan- dete, wurde eine zweite Abtheilung mit dem Befehle abgesandt, in der Nähe von Kin Tschau eine Landung zu bewirken und sich dann mit dem Hauptkörpcr der Armee zu vereinigen. Dieser Plan hatte den besten Erfolg. Die Japaner begegneten keinen chinesischen Kriegsschiffen und die Transportschiffe erreichten Kayenko und landeten Truppen, Geschütze und Munition in Sicherheit. Sofort wurde die befestigte Stadt Kin- Tschan, welche wie angenommen wurde, eine starke Garnison hatte, angegriffen und nach kurzem Widerstande von Seiten der Chinesen, genommen. Mittlerweile hatte die japanische Flotte, welche die Trans- portschiffe geleitet hatte, ein heftiges Feuer auf Tolien Wan und Kayenko eröffnet und unter dem Schutze desselben griffen die Landtruppen Tolien Wan an und nahmen die Stadt in Besitz. Wie die Depeschen sagen, war der Ver- lust auf beiden Seiten ein bedeutender. In denselben wird auch von einem Seegefecht gesprochen, welches am Samstag stattfand, aber es wird nichts Genaues darüber mit- getheilt. Am 3. November war der zweiundvier- zigste Geburtstag des Mikado, und heule fand eine große Feier über die bisher er- rungenen Siege der japanischen Heere statt. Die Armee des Feldmarschalls Z)ama- gota dringt immer weiter siegreich vor. Die Division unter dem General Tatoumi hat Fang-Wang-Tsching genommen, und der Feind flieht in der Richtung von Tako- san, Kaiyoa und Hotenfu. Fung-Wang- Tsching ist ein befestigter Platz, und steht an Wichtigkeit nur der alten Kaiserstadt Mulden nach. Die chinesische Bevölkerung, welche von den chinesischen Soldaten aus- plündert wurde, bewillkommnete die ja- panische Armee. Die Japaner haben bis jetzt 55 Kanonen, 1500 Gewehre und ge- waltige Mengen von Munttion erbeutet. London, 5. Nov. Von Tien Tsin wird der „Times" ge- meldet, daß Prinz Kung, der Onkel des Kaisers, zum Diktator ernannt ist. waS eine weitere Centralisation der Macht be- deutet. Die Mandschu-Prinzen begün- stigen Reform, während die Chinesen sich dagegen erklären. Aus Shanghai kommt die Nachricht, daß Li-Hung-Chang den Befehl über die erste chinesische Armee übernehmen wird. . Der Vicekönig von Nanking wird Vice- könig von Petschi-Li. Der Richter Huyaff und der Oberst v. Hannccke haben den Be- fehl erhalten, eine neue Armee nach deut- schem Muster aufzubringen, welche dcr Kern einer großen chinesischen Armee wer- den soll. Unbedeutendes Feuer. viele Personen durch unvorsichtige Arbeiter verletzt, eine derselben tödtlich. P i t t s b u r g, Pa., 5. Nov. Heute Morgen brach in den Ställen von Booth L Flinn Feuer aus, und es ver- brannte eine Menge Heu in denselben. Mehrere Arbeiter warfen das brennende Heu zum Fenster hinaus, und zwölf Per-sonen trugen durch die herunterfallenden Heuballen Verletzungen davon. James Harrison wurde am Rückgrate verletzt, und wird möglicherweise sterben; die anderen Personen wurden weniger 'schwer verletzt. Der durch das Feuer angerichletc Verlust ist nur unbedeutend. Nach zwölf Jahren. Lin in Mexiko ansässiger Amerikaner soll wegen eines in Illinois vor zwölf Jah- ren begangenen Vergehens ausge- liefcrt worden. Monterey, Mex., 5. Nov. Unter den hiesigen Amerikanern hat die Verhaftung von John Horley, in Folge eines Befehles aus der Stadt Mexiko, eine beträchtliche Aufregung hervorgerufen. Dieselbe fand in Folge einer allen Anklage' statt, welche seit zwölf Jahren in Illinois gegen ihn schwebt. Es heißt, daß die An- klage nach so langer Zeit jetzt wieder gegen ihn aufgefrischt wird, weil er bei der Aus- lieferung Butlers aus Austin eine Hand im Spiele hatte. Eine geyeimnißvolle Bombe. Dieselbe wird in der Nähe der Woh- nung des Runisters des Innern, Asquith, zur Lxplosion gebracht. Das Motiv des Attentäters bis jetzt noch in Dunkel gehüllt. London, 5. Nov. Mehrere Geheimpolizisten der Scotland Pard sind emsig mit der Untersuchung einer Bombenexplosion beschäftigt, welche gestern Abend kurz nach 11 Uhr bei der Wohnung von Reginald Brett in Tilney Str. statt- fand, zwei Tbüren von der Wohnung des Sir Henry Hawkins, eines der Criminal- richter der Queens Bench Abtheilung des Gerichtshofes, für welchen, wie angenom- men wird, die Bombe bestimmt war. Zuerst ging die Polizei von der Ansicht aus, daß die Explosion von einer Person herbcigefübrt wurde, welche sich für eine Entscheidung des verstorbenen Lord Esher, des Vaters von Reginald Brett, rächen wollte. Die zweite Annahme war, daß sich Brett in irgend einer Weise die Feindschaft des Attentäters zugezogen hatte. Die drille Annahme ist, daß das Attentat das Resultat des kürzlich angekündigten Entschlusses der „irländischen Partei der Thal" war und daß die Explosion eine Art v«n Warnung für denMinister des Innern, Henry Asquith, gelten tollte, dessen Woh- nung an die des Herrn Brett grenzt, in welcher jedoch Horace West, Asquith's Sekretär, wohnt. West selbst mag sich die Feindschaft der Anarchisten zugezogen haben, weil er sich geweigert halte, Asquith mit anarchisti- schen Adressen zu behelligen, oder ihm die Forderungen von Mitgliedern der irländi- schen Nevolutionspartei zu übermitteln. Bis heute Mittag ist die Polizei noch zu keiner entschiedenen Ansicht über den Zweck der Explosion gekommen, mit der Aus- nahme, daß es die Absicht der „irländischen Partei der Thal" sei, den Feldzug sofort zu beginnen. Diese Thätigkeit wurde, wie behauptet wird, durch die Antwort von John Morley, dem ersten Sekretär für Irland, welche er der Deputation gab, die in letzter Woche bei ihm war, um die Frei- heit der Irländer zu verlangen, welche sich jetzt in Folge des Hochverralhsgesetzes in England in Gefangenschaft befinden, her- vorgcrufen. Dann aber ist noch die Annahme vor- handen, daß die Schandthat von Anarchi- sten herrührl, und daß die Bombe dem Richter Hawkins galt, welcher nicht allein die Wall-Sall Anarchisten verurtheilte, sondern auch die Mehrheit der Anarchisten, welche während der letzten zehn Jahre vor seinen Richtcrstuhl kanten, verurtheilt hat und dem seit dem Prozesse der beiden ita- lienischen Anarchisten Guiseppi, Farnero und Franceso Polti, welche am letzten 4. Mai zu bezw. 20 und 10 jähriger Gefäng- nißstrafe verurtheilt wurden, häufige Droh- briefe zugegangen waren. Gedenkfeier im Windsor Theater. Dreitausend Russen geben ihrer Freude über den Tod Alexander 111. Ausdruck. New Pork, 5. Nov. Im Windsor-Theater, in der Bowery, Wurde gestern Abend der Tod Alexander 111. von dreitausend Russen festlich began- gen. Der Advokat Lewis Miller bediente sich einer heftigen Sprache, welche von den Zuhörern mit Enthusiasmus ausgenom- men wurde, lieber den neuen Czaren sagte Miller: „Sein Thron ist auf einem Blut- strome errichtet, welcher dem Inhaber, dessen Blut sich mit demselben mischen soll, über den Kopf gehen wird." Abraham Cahan, der Redakteur der „Arbeiterzeitung" tadelte die amerikanische Presse, weil sie den verstorbenen Czaren nicht abschreckend genug geschildert hat. Es wurden Beschlüsse angenommen, worin fast Alles, was unter der Regierung Alexan- ders geschah, verdammt, und erklärt wurde, daß Rußland nur durch Anerkennung von Menschenrechten, wie dieselben in diesem Lande anerkannt würden, glücklich werden könne. Antworten auf Huldigungsadressen. Der Czar an den Senat und die heilige Sy- node. St. Petersburg, S. Nov. Die Antworten des Czaren auf die Huldigungstelegramme des Senates und der heiligen Synode sind veröffentlicht wor- den. Dem Senate erwiderte er: „Ich bin von den Gefühlen der Ergebenheit, welche der Senat mir ausgesprochen hat, überzeugt, und bezweifle nicht, daß er mir im Dienste meines theueren Landes und in dem mir von meinem ewig betrauerten Vater vorge- zeichuetem Pfade hülfreich zur Seite stehen wird." Der Synode erwiderte der Czar Folgen- des: „Ich danke Ihnen herzlich für das mir in diesem Augenblicke des tiefsten Schmerzes, welcher durch die glühende Liebe für meinen verstorbenen Vater her- vorgerufcn wird, ausgesprochene Beileid. Ich werde meine ganze Kraft dem Dienste meines theuren Landes und der orthodoxen Kirche widmen." Nichts mehr von Lhina befürchtet. Die Torpedos in der Bai von Tokio entfernt und die Schifffahrt wieder frei. L-o nd on, 5. Nov. Eine Spezialdepesche von Tokio sagt, daß die Idee eines chinesischen Angriffes auf diejapanische Küste vollständig aufgegeben ist und daß der Befehl gegeben wurde, die Torpedos aus der Bai von Tokio zu ent- fernen. Die Schifftahrt im Hafen ist wieder vollständig freigcgeben und die Ver- fügung, wonach der Verkauf von Schieß- pulver in Japan verboten wurde, ist auf- gehoben worden. Abreise des C;aren nach Moskau. Die Leiche Alexander 111. dort am Sonntage auf dem paradebett ausgestellt. Die UeVerführung der Leiche nach St. Peters- burg beginnt am Montage. London, 5. Nov. Aus Livadia wird der „Pall Mall Ga- zette" berichtet, daß die Prinzessin Alir in einem weißen Kleide in die kaiserliche Ka- pelle trat, und von der Czarin geführt wurde. Sie las die Glaubensartikel mit lauter Stimme, worauf sie niederkniete und vom Popen Pinitschew gesalbt,wurde, welcher ihr darauf den Namen Alexandra Feodorowna gab. Nach der Feierlichkeit nahmen der Czar, die Czarin und die Prinzessin Alix das hei- lige Abendmahl. Die Czarin sah ange- griffen aus. Die Prinzessin von Wales war seit ihrer am Samstag Abend erfolg- ten Ankunft in Livadia stets in der Nähe ihrer Schwester, der Czarin, und Beide be- wohnen dieselben Gemächer. Der Czar wird mit dem Prinzen und der Prinzessin von Wales am Donnerstag Mittag von Livadia abreisen und am Samstag in Moskau eintreffen, wo die Leiche des verstorbenen Czaren während des Sonntages auf dem Paradebelt liegen wird. Von Moskau, wird die Leiche am Montage nach St. Petersburg übergeführt, wo sie sieben Tage lang auf dem Parade- bette liegen wird. Saubere Butterhändler. Sie nehmen eine Menge von leichtgläubigen Farmern ihre Butter ab, und dann selbst französischen Abschied. Philadelphia, 5. Nov. Im letzten April eröfsnete M. Brow- ning mit einem jungen Manne, dessen Na- men nicht bekannt ist, in No. 137 Marga- rethastraße in hiesiger Stadt, ein Bultcr- geschüft. Browning besorgte das Ladenge- schäft, während sein Geschäflstheilhaber den Einkauf im Lande unter sich hatte. Er kam mit einer Menge Namen auf seiner Liste zurück und bald darauf trafen auch Sendungen von Butter ein, für welche bei Ablieferung Zahlung geleistet werden sollte. Vor etwa drei Wochen aber verließ Brow- ning die Stadt, und am letzten Dienstag reiste auch sein Geschüststheilhaber ab, nachdem er vorher das Geschäft geschlossen hatte. Seit dem Verschwinden der beiden Geschäftsleute wurde jedoch in Erfahrung gebracht, daß die Firma Farmern in Illi- nois und im südlichen Wisconsin, beson- ders im Jefferson County, für gelieferte Butter im Ganzen etwa H25,000 schuldig geblieben war, und es wurden deshalb so- fortige Schritte gethan um der flüchtigen Schwindler habhaft zu werden. Man glaubt, daß man auch von weiteren Opfern der sauberen Butterhändler hören wird. In geheimnißvoller Weisejabhanden gekommen. Lin junger, reicher Kentucky'er in Laliforltien verschwunden. Lexington, Ky., 5. Nov. In einem Briefe aus Stocklon, Cal., theilt Frau Kate G. Ernest dem Dr. C. E. Mooney in Lexington mit, daß George Washington Johnson, ein Neffe des Oberst Richard Johnson, welcher im Jahre 1830 Candidat für die Vize-Präsidenlschafl war, aus ihrem Hause, in welchem er mehrere Wochen gewohnt hatte, in gcheimnißvoller Weise verschwunden sei und daß man seit- dem nichts wieder von ihm gehört habe. Er hatte viel Geld bei sich, und seiner An- gabe nach ein Vermögen von P250,000; außerdem hatte er mitgetheilt, daß er in Scott County, Ky., eine große Farm be- sitze. Auch eine Gedächtnisfeier. Most und Genossen über den Tod Alexander des Dritten. New Pork, 5. Nov. Gestern Abend hat Johann Most im Adler-Theater eine seiner charakteristischen Reden vom Stapel gelassen. Der Zweck der Versammlung war, wie vorher bekannt ge- macht worden war, einen öffentlichen Dank für den Tod des Czaren Alexander 111. zum Ausdruck zu bringen. Most sprach deutsch; er sagte: „Freunde, ich befinde mich heute einigermaßen in Verlegenheit; ich weiß nicht, ob ich Gott oder dem Teufel für den Tod des Czaren danken soll. Es sollten hunderttausende von Versammlun- gen, wie die, abgehalten werden, um der Freude darüber zu erkennen zu geben, daß eine so ungeheuerlicheBestie, wie Alexander der Dritte gestorben ist. Es ist die Pflicht eines Jeden, wenn wir die von den Czaren angerichtetenßlutbäder betrachten, zu wün- schen, daß sie alle todt wären. Wir brauchen auch nicht nach Rußlandzu gehen, um einen Czaren zu finden, denn wir haben deren auch in Amerika." G. Gordon sprach noch heftiger als Most. Er sagte: Erhebet Euch, Russen, zertretet die Hyänenbrut der bestialischen Romanows. Nieder mit ihnen; sie sollten wie das Vieh abgeschlachtet werden." Trauriger Abschluß eines Rausches. Lin Wortwechsel mit tödtlichein Ausgange. Streator, Jll., 5. Nov. Gestern Nachmittag wurde Williams Huggans, der bei den Wasserwerken in Streator angestellte Maschinist, von dem Neger William Guthie erschossen. Huggans war des schlechten Schnapses voll und hatte mit Guthie auf der Straße Streit angefangen, welcher da- mit endete, daß dieser den Maschinisten durch eiiren Schuß todt niederstreckte. Guthie bewerkstelligte darauf seine Flucht und ist bis jetzt noch nicht verhaftet worden. Das Gewissen. Lin von Gewissensbissen verfolgter Mörder begeht Selbstmord. C i n c i n n a t i, 5. Nov. Im letzten Winter geriethen Charles Miller nnd Dock Martin, zwei junge Män- ner, in einem Schlachthause am Wcstendein Streit, der in eine Prügelei ausartcte. Henry Miller, ein Bruder von Charles, wollte die Beiden trennen, worauf er von Martin erstochen wurde. Martin hat sich seitdem der Verhaftung zu entziehen ge- wußt. Gestern fanden zwei Knaben in der Nähe des Little Miami unter einem Steine ein Papier, auf welchem sich unter dem Datum des 21. Oktober folgende Mitthei- lung befand: „Wer dies findet, benachrich- tige gefälligst den Polizeichcf Deitfch in Cincinnati. Ich bin es müde, von der Polizei gehetzt zu werden, und habe be- schlossen, meinem Leben im Flusse ein Ende zu machen. Ich bin bestraft; Gott sei mir gnädig. Dock Martin, der Mörder von Henry Miller." Nachforschungen nach der Leiche sind bis jetzt vergeblich gewesen. Line Lüge. McKane immer noch innerhalb der Mauern des Zuchthauses in Sing Sing. Albany, N. Z)., 5. Nov. GouverneurFlower leugnete die heute in einer New Porter Zeitung veröffentlichte Nachricht, daß er John P. McKane be- gnadigt habe, aus das Entschiedenste ab. Flower sagte: „Die Nachricht ist eine ab- solute Lüge, und die Idee, McKane zu be- gnadigen ist mir niemals in den Sinn ge- kommen." Line Lobrede auf den verstorbenen Lzaren. Dieselbe wird vom vice-präfidenten der fran- zösischen Kammer gehalten. Paris, 5. Nov. Die Mitglieder der Deputirtenkammer hatten sich heute vollzählig eingefunden, als Burdeau, der Vizepräsident der Kam- mer, eine Lobrede auf den verstorbenen Kaiser von Rußland hielt. Als Zeichen der Trauer vertagte sich sodann die Kam- mer. Städtisches. Das Wetter. Optiker Kleine, 76 Washington Str., berichtet für Chicago die folgenden Baro- meter- und Thecmometerstände: Um 8 Uhr Morg. 40 Gr., um 9 Uhr 40 Gr., um 10 Uhr 42 Gr., um 11 Uhr 42 Gr., um 12 Übr 44 Gr. Barometerstand um 8 Uhr Morg. 29.50,12 Uhr 29.55. Ohne Bürgschaftszulassung wird Thomas McLanley wegen Mordan- griffs auf Joseph McLaughlin in der Gst Chicago Ave.-Station festgehalten. Ohne Zulassung von Bürgschaft wird Thomas McCanley, No. 104 Ost Huron- straße wohnhaft, gegenwärtig in der Ost Chicago Ave.-Stauon festgehalten. Er führte auf Joseph McLaughlin, einem 21- jährigen jungen Burschen, mit einem stum- pfen Instrument einen Angriff aus, welcher den am Kopf schwer verletzten McLaughlin dem Tode nahe bringt. Der Verletzte liegt im Alexianer-Hospital und die Aerzte zwei- feln daran, ihn retten zu können. Liner Schauspielerin Lhe - Erfah- rungen. Elvina Ward, eine Schauspielern die in Hoyt's Posse „I. Trip Io Otiinulown" eine der Hauptrollen inne hat, erhielt heute Vormittag von Richter Dünne ein Dekret, durch welches die Ehefesseln, die sie bisher an Thomas H. Ward banden, durchschnit- ten wurden. Elvina hatte Thomas H. in Boston am 7. August 1893 geheirathet. Sie spielte mit ihm bei derselben Truppe, hatte ihn dabei aber wohl nur oberflächlich kennen gelernt, denn bereits sieben Wochen nach der Heirath kam sie zu der Ueberzeugung. daß sie mit der Heirath einen Jrrthum be- gangen hatte. Ward nahm zunächst alle ihre Schmucksachen an sich und trug die- selben zum Pfandonkel. Dann zwang er sie, ihm ihre Einkünfte aus ihrer Thätig- keit auf der Bühne, G64 wöchentlich, aus- zuliefern. Das Geld pflegte er in Ge- tränken anzulegen. Dann hatte Ward jedoch noch nicht genug, denn er begann sogar, die beiden Kinder seiner Gattin aus erster Ehe, um ihre Habseligkeitcn zu berauben, um die- selben zu Geld zu machen. Als Frau Ward sich einmal weigerte, ihm ihr Salär auszuliefern, mißhandelte er sie so grau- sam, daß sie bewußtlos liegen blieb. Weiter erzählte Frau Ward dem Richter, daß sie ihren lustigen Gatten einmal in einem Hotel mit zwei gänzlich unbekleideten Frauenzimmern in seinem Zimmer über- rascht habe, während er selbst im Bett ge- legen habe. Außerdem soll Ward früher einmal sich bereits einer Brandstiftung schuldig gemacht haben, doch legte die Klägerin aus diese Sache keinen besonderen Werth, weil das von ihm damals angelegte Feuer keinen Schaden entrichtete. Jetzt ist Frau Ward den Muster-Ehe- mann los und kann sich nach einem dritten Gatten nmsehen. Der erst 17jährige, aber bereits viel- bestrafte Gco. Petersen von 732 Hinman Straße wurde gestern Nachmittag nach 5 Uhr von zwei Wächtern der Pan Handle Bahn in einer Maaren- und Werkzeug- Remise an der Rockwell Straße, nahe der 18. Straße, abgefaßt. Er hatte sich den Eingang dadurch verschafft, daß er das Schloß zur Remise abriß. Trotz dieses klaren Beweises eines Einbruchs legte ihm Richter Dooley nur eine Strafe von H25 auf. Ordre des Polizeichefs. Instructionen für die Polizei in Betreff des Wahltages. Polizeichef Brennan hat geeignete Vor- kehrungen zum Empfang der Wahlresultate getroffen und zu gleicher Zeit an die ver- schiedenen Inspektoren eine Special-Ordre erlassen, die diese ihren Mannschaften zu übermitteln haben. Die Ordre lautet: „Die Inspektoren haben morgen, als am Wahltage nach allen in ihren betreffenden Divisionen liegenden Stimmplätzen eine hinreichende Anzahl von Polizisten zu schicken, um den Frieden und die Ordnung aufrecht zu erhalten. Allen diesen Poli- zisten ist auf das Schärfste einzuprägen, daß sie sich keinerlei Einnnschung in poli- tische Angelegenheiten erlauben dürfen, sondern sich lediglich darauf zu beschränken haben, ihr persönliches Stimmrecht auszu- üben. In der Aufrechterhaltung des Frie- dens und der Beobachtung der Gesetze haben sie obne Rücksicht auf Person oder politi- sches Bekenntniß vorzugehen. Die Inspek- toren werden für die strenge Befolgung dieser Order verantwortlich gemacht. Line gefährliche Gegend. Garfield park und Western Ave. von Wege- lagerern überlaufen. Die Gegend der Western Ave. in der Nähe des Garfield Park ist in jüngster Zeit der Schauplatz mehrerer verwegener Raub- anfälle gewesen. Auch am letzten Samstag Abend ereignete sich wieder ein solcher an der Ecke des Washington Boulevard und Franciscostraße und Samuel Walson, der Leiter des Armour'schen Fleischlagers an der Rockwell- und Madisonstraße, war diesmal das Opfer desselben. Er ging gegen 112 Uhr am Samstag Abend an jener Ecke des Washington Boulevard vorüber, als zwei Männer ihn überfielen, zu Boden schlugen und beraubten. Nach Verlauf einiger Minuten erholte er sich von seiner Betäubung soweit, daß er um Hülse rufen konnte, doch war von dem Thäter keine Spur mehr zu entdecken. Auch am Abend vorher wurde an der Ecke der Rusvell- und Madifonstr. ein Mann auf dieselbe Weise beraubt, und ein Herr Sears der gestern Abend an der Park- und Kedzie Ave. vorüberging, hat es nur seinen flinken Beinen zu verdanken, daß er einer ebensolchen brutalen Behandlung zweier roher Burschen entging. Winnie, die Räuberin. Minnie May, die berüchtigte Diebin, ge- gen die z. Z. nicht weniger als 2 Anklagen wegen Straßenraubs im Criminalgericht schweben, stand heule schon wieder unter der Anklage des Diebstahls vor Richter Foster. Die schöne Minnie batte vor etwa 3 Wochen bei einem Stelldichein dem A. R. Brooks etwa H360 in Gold und Banknoten aus der Tasche escamolirt. Brooks merkte den Diebstahl' erst, als er Minnie bereits verlassen hatte und meldete selbstredend den Verlust sofort auf der Central-Station. Aus den Bildern im Verbrecheralbum identifizirte er Minnie sofort als die Die- bin. Doch konnte sie erst gestern verhaftet werden, da sie mit dem Brooks gestohlenen Gelde eine Vergnügungsreise angelreten hatte. Richter Foster gewährte ihr auf Wunsch eine Vertagung der Verhandlungen bis zum 10. und stellte sie bis dahin unter PBOO Bürgschaft. Unfall aus der Kabelbahn. Wm. P. Feaney aus 185West Madison- straße kam heute früh um 7 Uhr nahe da- ran fein Leben zu verlieren. Er wollte an der Ecke der Desplaines- und Madison- straße einen nach der Stadt zu fahrenden Cabelbahnwagcn besteigen, als er von einem, von der entgegengesetzten Richtung heran- kommcnden Zuge getroffen, zu Boden ge- worfen und eine Strecke weit geschleift wurde. Er wurde dabei, zwar nicht lebens- gefährlich, doch immerhin sehr schwer am Kopfe verletzt. Wüthende Wesserbolde. Adam Rick und Herinan Specht versäbeln sich ihre Gesichter. Adam Rick und Herman Specht, welche gemeinschaftlich in dem mit einer Wirth- schasl verbundenen Kosthaus 299 Mohawk Str. wohnen, geriethen gestern in Streit und vermesserten sich gegenseitig in ganz gefährlicher Weise. Rick erschien mit meh- reren Schnittwunden im Gesicht vor Rich- ter Kersten. Lieut. Stift von der Halsted Str.-Station berichtete, daß Specht von Rick eine gefährliche Schnittwunde am Hals entlang unter dem rechten Ohr erhal- ten habe und im Alexianer-Hospital dar- niederlicgc. Die Hauptader am Hals sei nicht durchschnitten. Rick wurde unter PISOO Bürgschaft gestellt und die Verhand- lunö auf den 8. November verschoben. Erhalten Gelbstrafen. Thomas English, welcher Frau Florence Mowrry, No. 135 Clarkstr. wohnhaft, bei einem Spaziergang an der Clarkstr. an- hielt, wurde mit H 5 Strafe belegt. John Daniels wird eine Strafe von Gls in der Bridewcll absitzen wegen gewohn- heitsmäßiger Mißhandlung seiner Frau Annie Daniels. Das Ehepaar wohnt No. 89 Chicago Ave. Minnie Fisher, eine unrettbar dem Trünke ergebene alte Frau, wurde heute Morgen von Richter Kersten unter H 75 Strafe nach der Säufcr-Wahnsinns-Ab- lheilung der Bridewell gesandt. Lob unter den Rädern. John Dcvlin wurde heute Morgen an der Newberry und Halstedstr. von einem Zug der Chicago North Pacificbahn über- fahren und auf der Stelle getödtet. Dev- lin wohnte 286 West 15. Straße. L. Severson aus Washego, Minn., wurde gestern auf einem Bahnzug bei Chi- cago Heights beim Durchgehen des Zuges von der Platform durch einen Windstoß vom Zuge geschleudert und von einem aus entgegengesetzter Richtung kommenden Schnellzug auf der Stelle getödtet. vier Lriminalgerichts-Aunden. Beraubung, Diebstahl und rohe Gewalt- thätigkeit. Unter HIOOO Bürgschaft wurde der ju- gendliche Edward Lally heute Morgen von Richter Kerstcn an das Criminalgericht verwiesen. Er war der Beraubung des No. 84 Milton Ave. wohnhaften Charles Lindhold um H 4 überführt. Polizist C. L. Westpbal nahm die Verhaftung Lally's vor und Charles Lindhold beschrieb genau die Münzen, welche die H 4 zusammenictzten. Eswaren zwei Silber- und zwei Papierdol- lars; auch waren in dem Raub zwei Drei- centstücke und eine schwedische Münze von Stockholm mit inbegriffen. Lindhold idenlificirte diese letzteren Münzen. Unter der Anklage des Fuhrwerk-Dieb- stahls wurde Jennie Goodman auf die Veranlassung von Alex. Friend, No. 150 La Salle Str. wohnhaft, gegen §SOO Bürg- schaft heute Morgen von Richler Kersten dem Criminalgericht überwiesen. Sie hatte das vor dem Hause No. 12 N. Green Str. stehende Buggy des Herrn Friend in Besitz genommen und eine Spazierfahrt unternommen. August Kling, welcher in der Wirthschasl von Nels Ncwman, No. 120 Chicago Ave., gestern Abend mit dem Fuß eine Spiegel- scheibe von hohem Werth eiustieß, wurde unter HSOO Bürgschaft von Richter Kersten dem Criminalgericht überwiesen. Ein weiterer Kunde für das Criminal- gericht war W. G. Felton, genannt der California Bill. Felton hat schon mehrere Bridewell-L>trasen abgearbeitel. Gestern Abend schlug er das Schaufenster der Wirthschasl von A. Hughes, No. 486 N. Clark Straße ein. Richter Kersten sandte den muthwilligen Zerstörer unter H4OO an das Criminalgericht. Verhängnisvolles Feuer. Julius pinkler erstickt bei einem kleinen Brande in der Druckerei ZZ2Z w. 22. Str. Ein kleiner Brand, der heute früh kurz nach 6:20 Uhr in der Druckerei 1321 West 22. Straße ausbrach, wurde für einen An- gestellten der Druckerei verhängnißvoll, während der durch das Feuer angerichletc Schaden kaum erwähnenswerth ist. Auf den ersten Alarm, der für das Feuer abgegeben wurde, erschien in wenigen Mi- nuten eine Dampsspritze aus der Brand- stätte. Als die Feuerwehrleute sich Zugang zu der Druckerei verschafft hatten, entdeckten sie den Herd des Feuers in einem Hausen Papierabfällen, die in einem Winkel auf- gespeichert waren. Das Hans war stark mit Rauch ungefüllt, was den Feuerwehr- leuten die Arbeit sehr erschwerte. Nachdem das Feuer gelöscht war und der Rauch sich verzogen hatte, entdeckte derPo- lizist Dudley von der Lawndale-Polizeista- tion ans einem Feldbette in einer Ecke der Druckerei die Gestalt eines Mannes liegen. Eine Untersuchung ergab, daß der Mann todt war. Der Ambulanzwagen brachte die Leiche des Mannes, der als Julius Pinkler identisizirl wurde, nach der Mor- gue. Herr Wing, der Eigenthümer der Druckerei, erklärte, daß Pinkler in der Office des Etablissements zu schlafen pflegte. Er schilderte ihn als einen fleißi- gen und nüchternen Mann, und meinte, daß das Feuer wohl durch Selbstentzün- dung entstanden sei, und daß der Ranch Pinkler Wohl bereits vor der Ankunft der Feuerwehr überwältigt gehabt habe. Das Gebäude 1321 W. 22. Str. ist ein hölzerner Bau. Die Druckerei-Office be- fand sich im Kellergeschoß. Der materielle Verlust beläuft sich aus etwa H25. Verhängnisvolle Schlägerei. Gestern Nachmittag kurz nach 3 Uhr fanden sich ein halbes Dutzend Italiener in der Schankwirthschaft, No. 71 West Jndianastraße, zum Kartenspiel ein, unter ihnen G. Gentilo aus 44 West Ohiostraße, und Angustino Cantanzaro. Im Verlaufe des begonnenen Spieles geriethen diese Beiden in Streit, bei dem es bald zu Thätlichkeiten kam. Als Can- tanzaro gewahrte, daß er den Kürzeren ziehen würde, ergriff er plötzlich ein zur Hand liegendes Beil und erlheilte seinem Widersacher damit einen wuchtigen Hiebaus den Kops. Betäubt und blutüber- strömt sank der Getroffene zu Boden, wäh- rend alle Anderen, auch Cantanzaro, ent- setzt flohen. Doch fast im selben Momente erschienen die Polizisten Fitzgerald und Cummingsaus dem Schauplatze und cs gelang ihnen den Thäter somit noch zu erwischen. Der- selbe wurde heute früh vor Richter Sever-son geführt, welcher jedoch das Verhör bis zum 15. d. M. verschob und Cantanzaro bis dahin unter H2OOO Bürgschaft stellte, da Gentilo augenblicklich im bedenklichen Zustande im County Hospital darnieder liegt und man noch nicht weiß, auf was hin der Angeklagte prozessirt werden soll, denn es kann aus dem Vorfall schließlich noch ein Mord entstehen. Line erregende Scene Rust May Gosling im polizcigericht der Nordseite hervor. Unter erbarmungswürdigem Weinen und Schreien nahm die etwa sechszehnjährige May Gosling eine Strafe von Gls ent- gegen, welche sie in dem Hause zum guten Hirten gemäß der Entscheidung des Richter Kersten abbüßen wird. Die Schwester der Verklagten, Maggie Gosling, sagte aus, daß May die elterliche Wohnung No. 202, Franklin Str. verließ und aus der West- seite mit einer Dirne zusammen hauste. Sie habe sich ihr Haar kurz schneiden lassen, um unter die „Chippies" zu gehen. Geheimpolizist Braxton von der Dcs- Plainesstraßcn-Slation faßte gestern früh Chas. McDermott dabei ab, als derselbe einen, vor dem Laden von Henry Wayne, 78 West Randolph Straße ausgestellten Anzug, zu stehlen versuchte. McDermott wohnt 91 Desplaines Straße und erfreut sich keines besonders guten Rufes. Heule früh vor Richter Doyle geführt, verzichtete er auf ein Vorverhör und wurde unter P3OO Bürgschaft dem Criminalgericht über- wiesen.

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