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Abendblatt Newspaper Archives Nov 3 1894, Page 1

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Abendblatt (Newspaper) - November 3, 1894, Chicago, IllinoisHeransgegeben von der Illinois Staats-Aeitungs-To. Lbicago, Samstag, 3. November 1894. Preis 1 Gent. 47. Jahrgang. No. 262. » Uevevvlirtr Hlnd Kurzgefaßtes. Schönes, sonniges Wetter wird uns heute und den Sonntag prophezeit. Luftzug aus Süden. In Mexiko haben heftige Erdstöße,die ungefähr 2 Minuten andauerten, statt-gesunden. Der Schaden ist nicht unbe-deutend. Dem Andenken Grant's soll jetzt endlich auch in San Francisco im dortigenGolden Aale Park ein Denkmal errichtet tverden. Die New Borker Effektenbörse er-osfnete fest, doch herrschte nur wenig Kauf-lust und in den Preisen trat eine nennens- tverthe Aenderung nicht ein. ln Rußland hat die Polizei wieder alle Hände voll zu thun. Die Studentenstehen namentlich unter scharfer Bewachung. .st- In Duluth in Minnesota ist heutefrüh der Schnee in wenigen Stunden 3 Zoll hoch gefallen. ln New Aork ist heute eine FrauAnnie Thompson aus Chicago, die sich mit ihren beiden Kindern auf der Reise nachEuropa befand, von einem schlimmen Un-fälle betroffen worden. Dieselbe rutschte, indem sie sich an Bord des Dampfers „Lucania" begab, auS und in den Lager- raum des Schiffes, wobei sie einen Schä- delbruch erlitt. Man brachte sie nach dem St. Vincent-Spital, die Kinder wurden in Polizeiliche Obhut genommen, und der Mann der Frau Thompson telegraphischvon dem Vorfälle in Kenntniß gesetzt. — In Indianapolis hat eine Feuers- ff brunst heule früh Eigenthnm im Werthevon 200,000 Dollars, darunter das große Freimanrergebäude, cingeäschert. In unserer Vorstadt Austin brachgestern Abend ein nicht unbedeutender Brand aus, und nur mit Mühe und Nolh konnten zwei Menschenleben durch die wackere Feuerwehr dem Verderben entrissen werden. Die Aktionäre des Leinöltrusts haben gegen die Beamten desselben, welche an- geblich durch ihre hohen Gehälter denganzen Profit einstecken, eine Anklage er- hoben. Zugleich soll nachgewiesen werden, daß der Geschäftsbetrieb unter dem Anti-Trustgesetz ein ungesetzlicher ist. Rev. Clarke kündigt an, daß er nach der Wahl den Kampf gegen oie Spieler mit erneuerten Kräften weiter führen wird. So lange er nicht den Eigenthümern der Spielhöllen die Maske abreißt, wird der fromme Herr wenig ansrichten. Phillip A. Hohne, seit einer Reihe von Jahren Blindes-Commissär in Ehi- L cago, starb heute Morgen um 3 Uhr in » seiner Wohnung, No. 3211 Rhodes Ave. Er war 70 Jahre alt. Aus Eifersucht verwundete George Kirk die von ihm geliebte Frau Florence Schultz und tödlete sich dann selbst. Te?egr«p!nWs DepeWen. Gegner einer Beileidsadresse. Nlehrere ungarische Blätter gegen die Annahine eines Beileids- votums über den Tod des Ezaren. Dasselbe wird aber wahrscheinlich doch ange- nommen werden. Budapest, 3. Nov. Verschiedene ungarische Zeitungen drin- gen darauf, daß gegen das vorgeschlagenc Bcileidsvotum über den Tod des Czaren, welches imParlament angenommen werden M. soll, Einwand erhoben werde. Als GrundI dafür wird angegeben, daß Rußland kein I Parlament habe, welchem die Beileids- adresse übermittelt werden könnte. Die I Liberalen jedoch beabsichtigen den BcilcidS- ' anlrag zn unterstützen, welcher vom Pre- mierminister Dr. Wekcrle cingcreicht wer- den wird, und man glaubt, daß derselbe angenommen werden wird. Etwas überschwänglich. Beileidstelegramme des französischen Rrieqs- uiid Flottenministers an Nikolaus 11. Paris, 3. Nov. Der Kricgsmiilister General Mercicr hat an den Czaren folgendes Telegramm ge- sandt: „Sire, die ganze französische Armeelegt zn den Füßen Ihrer MaMät und Ihrer hohen Mutter die Versicherung des tiefsten Kummers nieder. Wir weinen j mit unseren Kameraden von der russischen Armee. Das Andenken an ihren hohen / Chef, welcher so grausam abbernfen wurde, / wird in unseren Herzen ewig leben." Der / Floltenminister Felix Faure, Hai folgendes tclegraphirt; „Die französische Flotte theiltRußlands liefen Schmerz. Dieselbe wirdsich stets dankbar des Empfanges erinnern, welcher derselben von dem Herrscher gege- ben wurde, dessen Tod sie beweint. — Lin Vetter des großen Bismarck. Derselbe kommt von Alaska und hält die Der. Staaten für ein „großes Land". Newßork, 3. Nov. Gras Bismarck, ein Vetter des großen deutschen Staatsmannes, befindet sich imhiesigen Victoria Hotel. Befragt, welchepolitische Wirkung der Tod des Czaren auf Europa auSüben werde, erklärte er, daß er nichts darüber zn sagen habe. Er sagte, A daß er Alaska besucht habe und daß er über die Bergwerksarbeilen, welche er dort ge- sehen habe, erstaunt sei. Nach seiner An- sicht ist Amerika ein großes Land und je wehr er davon sehe, um so besser gefalle cs ihm. Vor seiner Abreise in die Heimath will er nach Cuba und den Bahamas einen Besuch abstatten. Abendblatt 1 Cent, 6 Cents die Woche. Große Keucrsbrunst. Drei große Gebäude eingeäschert. Eine Menge werthvoller Dokumente verbrannt. Der Gesamintschaden §200,000. Indianapolis, Jnd. 3. Nov. Die verheerendste Feuersbrunst, welche seit vielen Jahren die Stadt heimgesncht hat, brach heute Morgen, kurz nach drei Uhr, in dem von der „Indianapolis Natu- ral Gas Company" geeigneten und als Ge- schäftslokal benutzten Gebäude an der Ecke der South Pennsylvania und Maryland Str. aus. Die Flammen traten bei dem herrschenden starken Winde mit solcher Ge- walt auf, daß die Hülse der gesammten Feuerwehr nolhwendig wurde, und vor vier Uhr waren fast ein Dutzend Spritzen auf der Brandstätte in Thätigkeit. Sehr bald wurde das „IndianaMedical College" von den Flammen ergriffen, und von dort ver- breiteten sie sich über das „Scothish Rite Building", welches unmittelbar nördlich davon liegt. Das letztere war das größte derartige Gebäude des Landes und hatte ursprünglich HIOO,OOO gekostet, während kürzlich noch H25,000 auf Verbesserungen verwandt worden waren. Ein Viertel nach vier Übr war es klar, daß die drei Gebäude dem Untergange geweiht waren, und um halb fünf Uhr stürzten die Mauern deS „Scottish Rite Building" zusammen, und Dokumente von unersetzlichem Werthe, die mit Geld nicht wieder erkauft werden kön- nen, wurden unter den Ruinen begraben. Um fünf Uhr waren das Gebäude der Gas- gejellschaft, das „Medical College", welches miKchemselben in Verbindung stand, und das „Scottüh Rite Building" ein Hansen rauchender Ruinen. Ein Feuerwehrmann, Namens Samuel Meier, fiel aus dem drillen Stockwerke des „Scottish Building" und wurde schwer ver- letzt, und auch der Chef der Feuerwehr, Wcbota. wurde durch hernnterstürzende Backsteine am Arme beschädigt. Der Gesammtverlust wird etwas über H200,000 betragen; die Gasgesellfchafl verliert K 60,000, bei einer Versicherung von H21,000. Der Verlust des „Medical College" beträgt HIOOO, ist aber durch Ver- sicherung gedeckt. Der „Scottish Rite" verliert HIOO,OOO, bei H75,000 Versiche- rung. Unter den werthvollen freimaurerischen Dokumenten, welche mit dem „Scotlisch Rite Building" zu Grunde gingen, befan- den sich die Hacker'sche Bibliothek, eine der besten der Welt, und eine freimaurerische Sammlung von etwa lausend Photogra- phien. Durch den Einsturz der Gebäude wurden mehrere andere kleineGcbäude zertrümmert, einschließlich des „Plumbergeschäftes" von Clark L Sons, deren Verlust HSOOO be- trägt, und nicht versichert ist, und einer Buchhandlung. Außerdem wurde benach- bartes Eigenthnm, im Werthe von HIO,OOO beschädigt. Um halb acht Uhr hatte sich das Feuer ausgebrannt. In dem „Medical College" halten sich achtzehn in Spiritus aufbewahrte menschliche Leichen befunden, welche fämmllich verbrannten. Ein alter Wann gefoltert. Drei Räuber dringen in seine Wohnung und mißhandeln ihn in der entsetzlichsten weise. Sayler Springs, Jll., > 3. Nov. s Gestern Nacht wurde Clem Miller, ein alter Mann, welcher östlichvon hier wohnt, von drei unbekannten Personen, welche ihn berauben wollten, scheußlich gcmißhan- delt und gefoltert. Die Räuber brachen ihm einen Arm, zerschlugen ihm drei Rip- pen und brachten ihm außerdem noch ge- fährliche Brandwunden bei. Miller sagt, daß schon vor etwa einem Jahre drei Män- ner iir sein Haus entbrachen und ihn zwan- gen, ihnen tzl7oo anszulieferit, wobei sie ihn mit dem Tode bedrohten, wenn er ein Wort davon erwähnen würde. Ans Furcht, ermordet zu werden, hatte er auch damals geschwiegen. Die Bürger haben jetzt sofort Geld aufgebracht, um die Schurken zn ent- decken, und jedenfalls bekomnck Richter Lynch Arbeit, wenn es gelingen sollte, das Gesindel zu ermitteln. Die Leute hier sind überzeugt, daß sich die Schuldigen in der Nachbarschaft anfhalten, weit von den Farmern bereits zahlreiche Fälle von Räu- bereien berichtet wurden. Millcr's Zustand ist ein sehr bedenklicher. Aus reiner Niedertracht. Spielende Rinder von einem jähzornigen Trank zusammengeschossen. St. Joseph, Mo., 3. Nov. Gestern Abend spielte eine Schaar klei- ner Jungen und Mädchen in Sevcrance, Kan., in der Nähe der Wohnung von Daniel Wood, auf der Straße. Dabei ging es natürlich nicht ohne bedeutenden Lärm ab, wodurch Wood derartig in Wuth gc- rielh, daß er mit einer Schrotflinte auf die Kinder feuerte. Das Resultat war, daß Willie Wood und Rosa Delaney tödtliche Wunden davontrngen, während LizzieCor- coran leicht verwundet wurde. Wood wurde sofort vom Marschall Hall verhaftet, und war 'nahe daran, von der wüthendeu Menge gelyncht zu werden. Ilm ihn in Sicherheit zu bringen, und Gewaltlhaten zn verhüten, wurde er sofort nach Troy ge- schafft. I Der Enke'sche Lomet. Derselbe wird vom Prof. Lerulli in Italien gesehen. Kiel, 3. Nov. Ter Enke'sche Comel ist auf seiner Rück- kehr vom Professor Cernlli in Teramo ge- sehen werden. Der Comet erscheint nur schwach. JestgotLesLienst in der St. Isaaks Kathedrale Zur Feier der Thronbesteigung Nikolaus lk. Die ganze Gemeinde leistet dort den Treueid. St. Petersburg, 3. Nov. Um den russischen Minister des Auswär- tigen, de Giers, welcher sehr beschäftigt ist, und sich nicht der besten Gesundheit er-freut, zu schonen, hat der amerikanische Ge- sandte Breckenridge, als er das Beileids- telegramm des Präsidenten Clevcland unterbreitete, auch die Vertretung sümml- licher anderer Gesandten in St. Peters- burg, außer dem britischen Gesandten, über- nommen, welcher selbst dem Minister des Auswärtigen einen Besuch abstaltele. Der Gottesdienst in der Kathedrale war höchst eindrucksvoll. Gegen Ende desselben nahm der Metropolit die Mitra ab, und verlas bciKerzenlicht Stellen ans der Bibel, welche sich auf die Pflicht des Gehorsams gegen den König bezogen. Die ganze Ge- meinde kniete dabei nieder und gelobte dem Czaren Nikolaus Treue. Nach der Kirche drängte sich eine Anzahl der Anwesenden um die kleinen Tische und Unterzeichneten ihren Namen, womit sie sich verpflichteten, ihren letzten Blutstropfen für den Czaren und das Land zu vergießen, und die ihnen anvertranlen Staatsgeheimnisse zu be- wahren. Die Feierlichkeit dauerte über eineStunde, und zeichnete sich sowohl durch die Pracht der juwelengeschmücktenKleiderder Geistlichkeit, als auch durch die kostbaren Kleider der Beamten und der Damen ans. Von Anfang bis zu Ende fanden keine Aenßernngen von Trauer statt. Beim Schluß derFeierlichkeit wurden in der Feste von Alt-St. Petersburg 101 Kanonen- schüsse abgeseuert. Große Volksmassen hatten sich bei der Jsaakslathedrale einge- funden, um die Ankunft und Abfahrt der hohen Persönlichkeiten zu sehen. Nach dem Schluß des Gottesdienstes war die allgemeine Trauer wieder an der Tages- ordnung. Ilm sechs Uhr wurden in allen Kirchen der Hauptstadt Litaneien für den Todtcn gesungen und heute Abend bietet St. Petersburg das Bild einer ansgestor- benen Stadt. Erdbeben in MeMo. Heftige Erdstöße haben in der Stadt Nleriko bedeutenden Scha- den angerichtet. Das Erdbeben erstreckt sich über ganz Süd- Amerika. Mexiko, Mex., 3. Nov. Heute Morgen um 6 Uhr 34 Min. fand hier seit 1857 das heftigste Erdbeben statt. Die Erderschütterung hatte eine Dauer von zwei Minuten; es wurden drei Erdstöße wahrgenommen; es stürzten mehrere Häu-ser ein und der angerichtete Schaden ist sehr beträchtlich. In der Provinz Pernambaco wurden leichte Erderschütterungen gespürt. Wie berichtet wird, hat sich das Erdbeben auch in Brasilien, Argentinien und Uru- guay bemerkbar gemacht. Der Dampfer „Paris" in Sicht. Stürmisches Wetter hatte seine Ankunft ver- . zögert. New Bork, 3. Nov. Heute Morgen um 10 Uhr 45 Min. kam der amerikanische Dampfer „Paris", Capt. Walkins, östlich von Sandy Hook in Sicht. Der Dampfer ging Samstag, den 27. Oktober, von Southampton ab, und pafsirte um 1 Uhr 45 Min. die „Needles". Zur Einhaltung der früheren Fahrge- schwindigkeit von 6 Tagen, 9 Stunden und 37 Min. hätte die „Paris" gestern Abend zweiundzwanzig Minuten nach 6 Uhr an der Barre ankommen müssen. Der Dampfer hatte ohne Zweifel dasselbe stür- mische Wetter, welches von den Dampfern „Columbia" und „Germanic", die gestern hier ankamen, berichtet wurde. Der Dampfer „Columbia" von der Hamburg- Amerikanischen Linie hatte fast während der ganzen Fahrt schwere Stürme und hohe See. Der Dampfer „Germanic" von der „White Slar"-Linic, von Liverpool und Oueenslown, kam heute Morgen nm l Uhr bei der Quarantäne an und hatte einen schweren Sturm zu bestehen, welcher sechs- unddreißig Stunden anhielt. Zur Feier der Thronbesteigung. Festlicher Gottesdienst in der Schloßkirche in Livadia. Livadia, 3. Nov. Zur Feier der Thronbesteigung des Czaren Nikolaus fand heute in der Kirche des Palastes ein besonderer Gottesdienst statt. Demselben wohnten der Czar und die Czarin bei, außerdem die Königin von Griechenland, die Herzogin von Sachien- Kobnrg, die Prinzessin Alix von Hessen- Darmstadt, die sich jetzt in Livadia anf- halteiiden Großfürsten und Großfürstinnen und die hohen Beamten des Bezirkes. » Ein Wortwechsel zwischen Ehe- leuten. Derselbe durch zwei gutgezielte Schlisse beige- legt. lala pa, Mex., 3. Nov. James Wasson, ein Amerikaner, welchervor einigen Jahren von Missouri hierher- kam und in der Nähe eine Kaffeeplantage kaufte, auf welcher er seitdem gewohnt hat, gericth mit seiner mexikanischen Frau in Streit und endete denselben dadurch, daß er seine Frau erschoß und sich dann selbst eine Kugel durch den Kops jagte. Butzlands Zukunft. Ein englisches Blatt über den neuen Lzaren. Und ein Win? für die von ihm zu befolgende Politik. London, 3. Nov. Die „Daily News" sagt beute Morgen in einem Leitartikel, daß der Czar Niko- laus seine Regierung nicht hätte besser be- ginnen können, und daß es gut für Ruß- land und Europa sein werde, wenn er den Fußtapfcn seines Vaters folgt. Es habe Amerika einen Bürgerkrieg gekostet, um die Sklaverei los zu werden, und cs sei ein Glück für Rußland gewesen, das ohne Blutvergießen zn erreichen. Es sei dies einer der zufälligen Vortheile gewesen, welche zuweilen das Bestehen des Despo- tismus der Menschheit gegenüber entschul- dige, und es werde für Rußland ein Leich- tes sein, wenn man es sich selbst überlasse, die Zustände zu überwinden, durch welche Despotismus irgend welcher Art entschul- digt werden könnte. Clemenceau über die europäische Lage. Kaiser Wilhelm und der Lzar Nikolaus. Er hofft auf die Fortdauer der Freundschaft zwischen Frankreich und Rußland. L o n d o n, 3. Nov. Der Pariser Korrespondent der „Times" sagt, daß Clemenceau, obgleich er niemals großes Vertrauen zu dem französisch-russi- schen Bunde hatte, zugiebt, daß der Empfang in Kronstadt den Frieden gesichert habe. Er sagt, daß dem politischen Gleichgewicht der Mächte jetzt ein großer moralischer Ein- fluß mangele. Kaiser Wilhelm, fügte er hinzu, steigt vom zweiten ans den ersten Platz, denn der junge Czar kann ihm gegenüber keine Autorität geltend machen. Politische Nothwendigkeiten sind stärker, als der menschliche Wille, und deshalb muß man hoffen, daß der Czar Nikolaus die Friedens- und Freundschaftspolitik mit Frankreich enthält. Odessa in Trauer. Feierliches Todtenamt in der Kathedrale. Deroffentlichunq eines Manifestes der Partei der Dolksrechtler. Odessa, 3. Nov. Die Stadt hat Trauerschmuck angelegt. Heute Morgen wurde in derKathedrale ein feierliches Todtenamt abgchalten, welchem innerhalb und außerhalb derKirche hundert- tausend Menschen beiwohnten. Morgen früh werden der Prinz und die Prinzessin von Wales hier eintresfen; sie haben als besonderen Wunsch ausgesprochen, daß ihnen kein öffentlicher Empfang bereitet werde. Die Veröffentlichung eines Manifestes der Partei der Volksrechtler hat Ver- anlassung zu vielfachen Verhaftungen ge- geben. Die Liften der Personen, an welche das Manifest durch die Post befördert wer- den sollte, sind der Polizei übergeben wor- den. Fast sämmtliche Studenten der Uni- versitäten in Odessa, Kiew, Charkow, Moskau und St. Petersburg stehen jetzt unter polizeilicherLlilfsicht. Große Mengen des Manifestes werden heimlich verbreitet. Wie,in Erfahrung gebracht werden konnte, macht der gemäßigte und vernünftige Ton des Schriftstückes einen tiefen Eindruck. Schweres Unwetter. Ein »rkanartiger Sturm richtet im Südwesten bedeutenden Schaden an. Brenha m, Tex., 3. Nov. Gestern wurde die hiesige Gegend von einem aus Nor'oosten kommenden Orkan schwer hcimgesuchl. Häuser, Scheunen, Zäune und Bäume fielen der Gewalt des Sturmes zum Opfer, und eine Menge Personen wurden durch hernmfliegcnde Trümmer und znsammenstürzende Häuser schwer beschädigt, obgleich ein Verlust an Menschenleben bis jetzt noch nicht berichtet wurde. Laut Nachrichten aus der weiteren Umgegend war das Unwetter ein allge- meines, und der den noch nicht eingebrach- ten Feldfrüchten zngcsügte Schaden ist ein sehr bedeutender. Shreve po rt, La., 3. Nov. In der ganzen hiesigen Umgegend hat gestern ein verheerender Sturm gcwülhet. Die Geschwindigkeit desselben betrug über vierzig Meilen die Stunde, und den Be- richten nach sind Hunderte von Ballen Baumwolle in den Feldern vernichtet wor- den. Auch ist durch nmstürzende Bäume viel Vieh erschlagen worden; eine Menge Scheunen, Wohnhäuser und Lagergebände wurden umgeworfen und zerstört. Ver- luste an Menschenleben sind, den letzten Nachrichten nach, nicht vorgekommen, ob- gleich eine Menge Personen Verletzungen davontrugen. . Schneegestöber. Lalumet und Umgegend unter einer drei Zoll hohen Schneedecke. Calumet, Mich., 3. Nov. Gestern fand hier ein heftiges Schnee- gestöber statt; das Thermometer fiel aus 34 Grad, und die ganze Gegend ist in eine drei Zoll hohe Schneedecke eingehüllt. Galena, Jll., 3. Nov. Gestern herrschte hier während des gan- zen Tages ein hefttges Unwetter mit Schnee- gestöber. Der Schnee schmilzt jedoch bald wieder. Aus Berliner Blättern. Wie dieselben sich über den Tod Alexanders 111. äußern. Die Proklamation des Lzaren Nikolaus gün- stig veurtheilt. Berlin, 3. Nov. Der „Neichsanzcigcr" sagt: Die hier bis zu später Stunde gestern Abend herrschende Bestürzung legte Zeuguiß von dem großen Bedauern ab, welches die Bevölkerung von Berlin über den Tod eines Herrschers fühlt, welcher wegen seiner Friedensliebe in hoher Achtung stand und welcher wegen seiner schweren kürzlich:!! Leiden tief betrauert wird." Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" sagt, daß, obgleich der Tod des Ezaren nicht unerwartet war, Kaiser Wilhelm doch aus das schmerzlichste davon berührt wurde. Dies deuten die Befehle an, welche Se. Majestät für die besondere Trauer erlassen hat. Weitere Beweise seines tiefen Bei- leides werden binnen Kurzein folgen. Die Zeitung zollt der Friedensliebe deS Czaren großes Lob, und erklärt, daß Rußland wäh- rend seiner Regierung seine religiöse Mis- sion in Mittelasien erfüllt habe. Das „Tageblatt" sagt, daß die Prokla- mation des Czaren Nikolaus eine Verzicht- leistung aus alle panslavistischeu und chauvi- nistischen Ziele ist, und einenBruch mit der Politik einer blinden religiösen Verfolgung und gewaltsamen Unterdrückung der Deut- schen, Polen und Finnländer bedeutet." Die „Vossische Zeitung" erklärt, daß die Proklamation in Rußland und auch im Anslande günstig ausgenommen werden wird. Bei dem Gouverneur von Warschau. Angesehene Polen drücken ihr Beileid über den Tod des Lzaren aus. Warschau, 3. Nov. Heute stellte sich eine Deputation von an- gesehenen Polen bei dem Gouverneur von Warschau ein, um ihr Beileid der kaiser- lichen Familie über den Verlust, den sie durch den Tod des Czaren erlitten, auszu- sprechen. Städtisches. Das Wetter. Optiker Kleine, 76 Washington Str., berichtet für Chicago die folgenden Baro- meter- und Thecmometerstände: Um 8 Uhr Morg. 42 Gr., um 9 Uhr 42 Gr., um 10 Uhr 46 Gr., um 11 Übr 48 Gr., um 12 Uür 50 Gr. Barometerstand um 8 Uhr Morg. 20.20,12 Uhr 29.30. Briefkasten. B. 8., La Crosse, Wis. Der Grund- stein zu dem jetzigen Connthgcbändr von Cook County wurde am 4. Juli 1877 von C. P. Holden gelegt. Bezogen wurde das Gebäude im Sommer 1882. Ihren Schlußbericht Unterbreitet die Grandjury des Getobe» Termins. Die Großgeschworenen des October- Termius unterbreiteten beute Mittag dem Richter Ehctlaiu ihren Schlußbericht. Sie haben 547 Fälle untersucht und 54 Be- schwerden. Erhoben wurden 291 Anklagen und in 294 Fällen wurden Anklagen wegen Mangels an Beweisen niedergeschlagen, 16 Fälle gehen an die nächsten Großgcschwore- nen. Die Grandjury besuchte das Ge- fängniß und findet dasselbe trotz der Ucber- füllnng gut verwaltet und die Kost gut. Viele Knaben werden im Gefängnisse auf unbedeutende Klagen bin festgehalten. Das Irren- und Armenhaus in Dnn- ning steht ebenfalls unter der besten Ver- waltung. Die Großgeschworencn empfehlen, daß das Gehalt des Grandjury-GerichlSdieners auf die Höhe eines der Hülfssheriffs festge- stellt werde. Der Bericht ist von Obman John A. Bell, einem Republikaner und H. C. Bolland, Sekretär, einem Demokraten, unterschrieben. Line Entscheidung gegen die Steuer- zahler. Das Staalsobergericht hat in einer von James F. Kceney gegen die Stadt Chicago geführten Klage eine Entscheidung abge- geben, welche für Grundeigcnrhümer von großer Wichtigkeit ist. In dem Prozesse handelte es sich um die Bezahlung eines Rabattes auf Spezialstenern, welche für die Pflasterung der Ohiostraße, von der Clark bis zur St. Clairstraße erhoben worden waren. Die bezügliche Verordnung für diese Spezialstener bestimmte, daß die Steuer von den Grundeigenthümcrn in vier Ratenzahlungen erhoben werden sollte, und daß die Eoittraktoren in zinstragenden Anweisungen bezahlt werden sollten. Als die Pflasterung fertig war, stellte es sich heraus, daß den Grundeigenthmern H873.57 mehr an Steuern auserlegt wor- den waren, als die ganze Arbeit gekostet halte. Die Steuerzahler, bezw. Herr Jaines F. Keeney als Vertreter derselben, verlangte nun. daß diese Summe von P873.57 von den später fällig werdenden Ratenzahlungen abgezogen würden, wäh- rend die Stadt davon zunächst die an die Eonlraktorcn für ihre Zahlungsanweisun- gen znkommendcn Zinsen in Abzug brachte. Das Obergericht hat nun entschieden, daß die Stadl zum Abzug der Zinsen und Un- kosten der Stenereintrcibung von der Na- battsnmme berechtigt sei. Freiberg's (Opernhaus. „Die Straßen von New Bork" ein volks- thümliches amerikanisches Schauspiel, ge- langt morgen Abend in Freiberg's Opern- haus zur Aufführung. Eine abgerundete Vorstellung steht zn erwarten, da die ver- schied enen Rollen mit guten Kräften besetzt sind. Wer trägt die Schuld? Mehrere Personen bei einem Zusammenstoß zwischen zwei Zügen zu Schaden ge- kommen. Zwischen einem Passagierzuge derPitts- burg-, Fort Wahne- «L Chicago-Bahn und einem Zuge der Calumet L Blue Island- Bahn fand gestern Abend um 71 Uhr an der 05. Straße ein Zusammenstoß statt, bei dem folgende Leute zu Schaden kamen: Harry Pa yne, Coudukleur des Personcuzuges, No. 134 West 12. Slraße wohnhaft, leichte Verletzungen im Rücken. A. Barl, Bremser, No. 400 S. Clin- ton Slr. ausassig, Rippenvruch und schmerzhafte Verletzungen am Kopf und im Rücken. G. W. Ben nett, Expreß-Bote, von No. 92 Hüll Str., rechte Schulter ver- renkt und rechter Arm zerquetscht. Der Lokomotivführer des Persouenzuges, Frank Simons, und der Heizer I. Bonnd jr. sprangen noch im letzten Moment ab und kamen ohne Verletzung davon. Wo- durch der Unsall herbeigeführt wurde, ist bis jetzt noch unaufgeklärt. Die Beman- nung des Passagierzuges behauptet, daß der Kohleuzug ohne Siguallichter auf dem Hauptschieneiistrange stehen gelassen wor- den sei und daß auch Niemand au dem letzten Wagen postirt worden sei, um auf das Hcraunahen eines anderen Zuges aus-zupassen. Beides wird von der Beman- nung des Kohlenzuges in Abrede gestellt. Sie behauptet, daß au dem letzten Wagen eine rothe Laterne gehangen habe und auch sonst alle üblichen Vorsichtsmaßregeln be- obachtet worden seien. Der Passagierzug, in dem sich nur einige Reisende befanden, fuhr mit einer Schnel- ligkeit von ungefähr 30Meileu per Stunde. Der Lokomotivführer Simons sah den Kohlenzug, gab sofort Gegendampf und spraua daun mit dem Heizer ab. Im näch- sten Augenblick erfolgte der Zusammen- stoß, doch war die Kraft desselben durch den Gegendampf bereits gebrochen. Es wurde sofort uach der South Chicago Polizei- Station telephonirl und nach wenigen Mi- nuten war ein Palrolwagen mit mehreren Beamten zur Stelle. Die Verletzten wur- den verbunden und nach ihren betreffenden Wohnungen gebracht. Ohne Geld um die Wett. Dr. August Stuhr's abenteuerliche Weltreise. Zweiundzwanzigtauscnd Meilen in nur wenig über sechs Monaten wird ein junger Däne, Namens August Stuhr, der sich augenblicklich in Chicago aushäll, znrück- gelcgt haben, wenn er wieder an seinen Ausgangspunkte, der Stadt Kopenhagen, angekommcn sein wird. Stuhr ist ein junger,blonder, intelligen- ter Mann, der in feiner Heimarh seine Prüfung als Arzt bestanden hat. Er trat seine Reise um die Welt am 22. April auf Grund einer mit einem Club, dem er an- gehört, abgeschlossene Welte ein, welcher zu Folge er HIOSO baar erhält, wenn cs ihm gelingen sollte, in acht Monaten eine Reife um die Welt ohne Geld in der Tasche zu haben, und am Ende feiner Reise HBOO baar zu besitzen. Soweit hat er feine Wette bereits gewonnen, denn er braucht erst am 10. November von New Bork abzureisen, um zur rechten Zeit in Kopenhagen zu sein. Auf feiner Weltreise hat Herr Stubr natürlich allerlei Abenteuer zu bestehen ge- habt. In der Nähe von St. Petersburg wurde er von der russischen Polizei ansge- halteu und er fürchtete schon, uach Sibirien gebracht zu werden, bis es ihm schließlich gelang, die Behörden von seiner Harm- losigkeit zu überzeugen. Seine Reise brachte ihn von St. Peters- burg über Berlin uach Hamburg, von hier nach Melbourne, dann nach Honolulu, San Francisco und uach Chicago. Von hier will er über New Port nach der Hei- mat!) absegelu. Falls Stuhr seine Welle verlieren sollte, so könnte dann nur der Umstand schuld sein, daß es ihm vielleicht nicht gelingen wird, die HBOO vorzuweiscu, die er bei seiner Ankunft in seinem Besitz haben soll. Wollte sich tödten Weil er um gebracht wurde. An der Ecke der South Park Ave und 55. Straße wurde heute um 6 Übr Mosfal G. Musgrave in schrecklichem Zustande ausgesunden. Zwar waren keine äußer- lichen Verletzungen an ihm zu entdecken, doch waren seine Gesichlszüge so verzerrt und sein Körper, augenscheinlich infolge innerer Krämpfe derartig zusammenge- krümmt, daß er einen ganz entsetzlichen Anblick bot. Polizist Ludwig, der ihn zuerst sah, brachte ihn in die nächste Apo-theke, wo ein sofort herbeigerufener Arzt seststellte, daß er Laudanum zu sich genom- men halte. Es gelang ihm, ihn wieder zn sich zu bringen, allein sein Zustand bleibt nichtsdestoweniger ein bedenklicher, da ein RücksaU der den Tod unbedingt mit sich ziehen würde, jedenMoment einlrelen kann. Als Beweggrund zn der Thal führte Musgrave in einem Schreiben an A. P.T. Eldcr, 3855 Ellis Ave., an, daß er um H3OOO beschwindelt worden sei und es ihm au dein uölhigen Lebensunterhalt fehle. Er kam vor Kurzem erst von Cincinnati uach Chicago und stand hier mit dem Busineß College vonWaterS inVerbindung. In einer Tasche feines Nockes fand mau einen Zettel, ans dem geschrieben stand: „Bitte meine Uhr und Kelle mit ins Grab zn legen. Ich bin durch Dich vollständig ruinirl worden und habe weder Geld noch Freunde. Anbei ein Check für die Reise- tasche. Moffat G. Musgrave." Dieser Zettel sei für A. P. Eldes bestimmt ge-wesen und die Summe, um die mau ihn beschwindelt Hütte, belief sich auf P3OOO EldeS wurde bereits vor einem Jahre eines schweren Postschwindels angeklagt, doch scheint die Sache wieder vergessen worden zu sein. Paul Pomm, welcher in No. 202 50. Straße ein Fleifchergeschäft betreibt, jagte sich gestern Nachmittag eine Kugel in die rechte Schläfe. Blau brachte ihn in kriti- schem Zustande nach dem Mercy-Hospital. Aus dem Eriminalgericht. Der Scharff. Berlitz - Nelson Brandsnftungs- Prozess. Vor Richter Bretitano argumcntirte heute Anwalt John F. Gceting. welcher von Sem Vcrtheidigcr Anwalt Richard John herbei- gezogen war, über den Antrag der Bewilli- gung eines neuen Prozesses gegen die ver- urtbeiltcn Brandstistungs - Bcrschwörcr Herman Scharst und Genossen. Gerling brauchte eine sehr scharfe Beweisführung, die ihm öfters eine Zurechtweisung des Richters eintrug. Gr beöauvlele, das; in dem Prozesse drei Verschwörer waren, nämlich der Staatszeugc Clement Schnell, der Feucrversichrrniigs - Insvector F. G. Cowie und der Fcnermnrschall M. W. Conwav. Richter Brentano verwies dem Redner diese Bemerkung. Gccting verlas dann ein Dutzend von obergcrichtlichen Entscheidungen, nach denen er beweisen wollte, daß die Verschwörung in dem vor- liegenden Fall nicht erwiesen sei. Richter Brentano wird erst in einigen Tagen ent- scheiden. Gegen Frank Williams. Der Prozeß gegen Frank Williams, welcher vor Richter Eherlain des Picrde- diebsrahls angcktagr und nach dem strengen Gesetz für rückfällige Verbrecher geführt wird, wird heule abgeschlossen werden. Der Hülss-Staatsanwalt hielt heule Vor- mittag die Eröffnungsrede, worauf Ver- thcidiger Taylor antwortete. Gegen §20,000 Bürgschaft frei. Der Polizist Eonstantin Waleeynski, welcher wegen der unberechtigten Ermor- dung eines Mannes an der Milwaukee Ave. ohne Zulassung von Bürgschaft an die Großgeschworencn verwiesen war, wurde heule Morgen von Richter Eherlain gegen H20,000 Bürgschaft ui Freiheit gesetzt. Richter Dünne halte ein ähnliches Gesuch abgelchnt. verschiedenes. Am Montag wird Richter Goggin den O.nasi-Eriminal-Kalender, welcher 600 bis 700 Fälle zählt, zum Aufruf bringen. P Philip A. Hoyne. y Kurz uach 3 Uhr heule Morgen starb Bundescommissär Philip A. Hoyne in sei- ner Wohnung 3211 Rhodcs Ave. am Herz- schläge. Mit ihm scheidet ein allgemein bekannter, beliebter Mann und zugleich eiirer der ältesten Ansiedler Ehicago's aus dem Leben. Hoyne kränkelte schon seit drei oder vier Jahren, doch sein Befinden wurde erst bcsorgnißerregend, als inx April dieses Jahres seine Frau, mit der er über vierzig Jahre in äußerst glücklicher Ehe gelebt hatte, starb. Von diesem Schlage konnte er sich nicht erholen, er erfüllte zwar nach wie vor füglich seine Amtspflichten, doch klagte er häufig über Unwohlsein und war stets in gedrückter Stimmung. Vor unge- fähr zwei Wochen nahm er Urlaub und ging nach West Baden, Jnd., von dessen warmen Bädern er sich eine gute Wirkung versprach. Diese blieb jedoch nicht nur aus, sondern er kehrte sogar kränker von dort zurück. Seitdem hat er das Belt nicht mehr verlassen und heute Morgen verschied er sanft in den Armen seines ältesten Soh- nes William. Philip A. Hoyne wurde am 20. Novem- ber 1824 in New Bork, N. B-, geboren, wo »er bis zu seinem vierzehnten Jahre öffentliche und Privatschulen besuchte. Im Jahr 1841 kam er nach Chicago, das da- mals erst 4500 Einwohner halte und kleiner Wie Galena war. Hier studierte er die Rechte zusammen mit seinem Bruder Thomas Hoyne, der den Posten eines Sladtclerks bekleidete. Da die Geschäfte hier sehr schlecht gingen, so siedelte er im Jahre 1842 nach Galena über, wo er bei dem Auctionar und Kommissionär Wm. Wm. Moutgomery als Buchhalter in Dienst trat. In Galena verblieb er bis zum Jahre 1852. Dann wandte er sich aber- mals nach Chicago, wo er im März 1853, als hier das Recorders Gericht eingerichtet wurde, als dessen erster Clerk erwählt wurde. Ehe sein Termin ablief, wurde er im Januar 1855 von dem Richter Drum- mond zum Bundescommissär des Staates Illinois ernannt, da es damals hier nur einen District gab. In dieser Stellung verblieb ec bis zu seinem Töde. Ein Geizhals bestraft. George Pelletier, ein canadischer Fran-zose, stand heute vor Richter Eberhardt un- ter der Anklage, von dem Neubau des Hau-ses Ecke Laflin und 12. Str., systematisch Holz gestohlen zu haben. Der Bauunter- nehmer behauptet, daß ihm nahezu HSOO Werth Bauholz gestohlen worden und ec sich genöthigl sah, um diesen Diebereien auf die Spur zu kommen, einen Privalwächlcr anzuftcllen. Dieser faßte nun gestern Abend gegen 7 Uhr den besagten Pelletier dabei ab, als er ein 16 Fuß langes Brett auf seine Schultern lud und damit abging. Annehmcnd, daß er den lauge gesuchten Dieb endlich gefangen habe, ließ er ihn ein- ! sperren und heute dem Richter vorführen. Da der Werth deS gestohlenen Brettes kaum H 2 betrug, so konnte selbstredend von einer Ueberweisung an die Graudjury keine Rede sein. Der Richter legte ihm eine Strafe von H2O und die Kosten auf. Pelletier will das Brett nur genommen haben, weil er es zur Reparatur seines Seitenwegs benutzen konnte, leugnet aber entschieden, auch das andere Holz gemaust zu haben. ln Bartel s Hotel, Ecke State und Harrison Straße, fand man gestern Nach- mittag die Leiche eines Mannes Namens R. Weil aus New Bork. Derselbe hatte dadurch Selbstmord begangen, daß er sich eine Kugel in die Schläfe schoß. In seinen Taschen fand man lein Geld, wohl aber ein Verzeichn iß der Nennen, aus welcher Thatsachc der Schluß gezogen wird, daß er sein Geld bei den Rennen verlor und sich aus Verzweiflung über seine Verluste daS Leben nahm. Viehmarkt. Schweine sind um s<Zloc gestiegen und und brachten schwere 4.45(»;4.80, leichte 4.15(5t4.60, durcheinander 4.25(« 70. Rindvieh und Schafe fest. Zufuhr 800 Stück Rindvieh, 10,000 «Schweine und 3,000 Schafe.

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