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Abendblatt Newspaper Archives Nov 1 1894, Page 1

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Abendblatt (Newspaper) - November 1, 1894, Chicago, IllinoisHerausgegeben von der Illinois S>taats-Aeitungs-Eo. Chicago, Donnerstag, 1. November 1894. j?reis 1 Cent. 47. Jahrgang. No. 260. Ueber-Vlrck Hlnd Kurzgefaßles. -f— Der Abend soll uns Regen und laue Lüfte bringen, der morgige Tag auch Re-gen, aber rauhes Wetter. Südostwind. Depeschen aus Petersburg und Liva- dia melden den heute Vormittag um zehn (nach hiesiger Zeit) erfolgten Tod des Gzaren Alexander 111. Der Czar hatte noch nicht ausgelitten und schon wollte man in Petersburg einer Verschwörung zur Ermordung des Czare- witsch auf die Spur gekommen sein. Diese russische Polizei schasst ordentlich Nihi-listen. Der Kaiser von China ist über seine Statthalter und Vizekönige, die das kleine Japan seine Truppen links und rechts verhauen ließen, ernstlich böse. Er hat deshalb Rechenschaft von denselben gefor- dert und Befehl ertheilt, endlich einmal dem Kinderspiel ein Ende zu machen. Henri Nochefort soll wegen Beleidi- gung des französischen Richterstands in Frankreich eine dreimonatliche Strafe ab- sitzen. Vorläufig sitzt er noch in London die Wirthshausbünke ab. Aus Rom wird die Ankunft Emil Zola's daselbst gemeldet. Möge der Aufent- halt in der ewigen Stadt läuternd auf seinen Geschmack wirken. Guatemala nimmt Vernunft an und geht ernem Streit mit Mexico aus dem Wege. Drei Verlarvte haben heute früh um Eins einen Personcnzug der Kansas City, Memphis «L Birmingham-Bahn in Mis- sissippi angehalten und beraubt. Voll den Thütern hat man keine Spur. Die Nyan'sche Fraktion der Popu- listen hat ihr County-Ticket ausgegcben, d. h. ihre Anhänger aufgefordert, sür den anderen Flügel der Populisten zu stimmen. „Nicht ohne unserem persönlichen Stolz ein Opfer gebracht zu haben", wie es in der Erklärung heißt. Gallus Müller, der auch in Chicago wohlbekannte Geschäftsführer des Zucht- hauses zu Joliet, beging heute Morgen Selbstmord. Das Motiv der Tont ist un- bekannt. Der Verstorbene war von Geburt ein Schweizer. lm Stadtrath wurde gestern eine Ordinanz cingercichr, welche den Bau einer elektrischen Bahn an Belmont Ave. auf der ganzen Strecke zwischen Milwaukee Avenue und Halsted Straße, bezweckt. Wahrschein- lich ist Herr Werkes der Unternehmer, ob- gleich sein Name nicht genannt wurde. Depescsien. Kgchefort soll brummen. Ern Pariser Gerichtshof verurtheilt ihn zu einer Freiheitsstrafe, Die ihn aber einstweilen kalt läßt. Von Paris wird Folgendes gemeldet: Wegen Beleidigung des Richterstandcs im „Jntransigeant" ist heule Henri Rochefort vom Assisenhof der Seine zu dreimonat- licher Gesängnißstrafe verurtheilt. Rochc- iort, der sich in London aufhält, hatte sich nicht zum Verhör gestellt. Oer Schiffbruch des „wairaipa"' Gewaltiger Verlust von Menschenleben. London, 1. Nov. Nach späteren Berichten ans Ankland and Sidncy wurden 81 Passagiere und 40 Mann von der Besatzung des gescheiterten Dampfers „Wairaipa" gerettet. Der Ca- litän, 58 Passagiere und 20 Mann von der Besatzung sind ertrunken. Von Passagieren sind weitere Einzel- heiten über den Schifsbruch des Dampfers Wairaipa milgetheilt worden. Der Dam- pfer stieß bei schlechtem Wetter und hoher See um Mitternacht gegen die Klippen. Die Passagiere wurden durch den Stoß aus ?em Schlafe geweckt und eilten voller Schrecken aus Deck, wo Rettungsgürtcl zusgetheilt wurden und die Rettungsböte klar gemacht wurden. Die Frauen und Kinder wurden zuerst in Sic Böte gebracht, von denen jedoch mehrere öei'm Hcrunterlassen umschlugen. Dann iwgann die Bemannung mit der Herstellung eines Flosses, und mit großer Schwierig- keit wurde ein Tau an's Land gebracht. Vermittelst desselben wurden viele Personen gerettet, die sonst ertrunken wären. Als d-e Passagiere sahen, in welcher Ge- fahr sie sich befanden, bemächtigte sich der- selben der größte Schreck, und herzergrei- fende Austritte fanden statt, besonders zwis- chen Eltern und Kindern, aber es entstand 'eine Panik. Nur milder größten Schwierigkeit könn- en die Böte heruntergelassen werden, da ,ie Wellen fortwährend über das Schiss chlugcn und dasselbe sehr bald theilweise -- -ersauk, wodurch das Netlungswerk bedeu- tend erschwert wurde. Vermittelst der Ncttungsflösse gelang cs, Viele Personen zu retten. Als die Passa- giere an Deck eilten, versuchten viele, sich auf der Brücke zu retten, wurden jedoch von den schweren Slurzsee'n über Bord geris- sen; andere kletterten in die Takellage, wo sie bis Tagesanbruch blieben. Unzweifelhaft hätten viel mehr Passa- giere den Tod in den Wellen gefunden, wenn nicht zwei hcldenmüthige Matrosen eine Leine au Land gebracht hätten, wodurch die Schiffbrüchigen an Land ge- bracht wurden. Fast alleGercttcten erreichten dasLand in dürftigster Kleidung. Einige derselben blieben dreißig Stunden laug auf den Fel-sen, und erhielten sich durch Apfelsinen, welche vom Wrack durch die Wellen an das User geworfen wurdet;, am Leben. Bei Anbruch des Tages kamen „Maris" mit ihren kleinen Böten, und brachten eine Anzahl der Verunglückten anLanö. Schließ- lich kam von Port Fityßoy Hülfst, und die Ueberlebenden vom Schisfbruche des „Wairaipa" wurden dorthin gebracht. MMa 111. Heute Vormittag um 10 Vhr Uorr seinen Korden er- löst. Die Nachricht kommt aus Livadia Und wird aus St. Petersburg bestätigt. Livadia, 1. Nov. Der Czar ist heute Nachmittag um drei Uhr (nach unserer Zeit etwa 10 Uhr Mor- gens) gestorben. Paris, 1. Nov. Eine hier aus St. Petersburg einge- trosfene Depesche bestätigt die Nachricht vom Tode des Czaren. Berlin, 1. Nov. Angesichts der ernsten Nachrichten aus Livadia, welche heute morgen hier cintrafen, hat Kaiser Wilhelm die Jagd, welche er all- jährlich am Hubertustage, welche in diesem Jahre aus den Samstag fällt, abzuhalten pflegt, abbestellt. Livadia, 1. Nov. Folgendes Bulletin ist heute Morgen um 10 Uhr veröffentlicht worden: der Czar hat eine schlaflose Nacht gehabt. Die Heczthätigkeil vermindert sich rasch; der Zustand seiner Majestät ist ein äußerst bedenklicher und die Athmungsbeschwerdcn dauern fort. Nach der hier allgemein herrschenden Ansicht hat der Todeskampf bereits begon- nen und wird der Czar kaum das Ende des Tages erleben London, 1. Nov. Der „Daily News" wird durch eine Spezialdepeschc aus Livadia gemeldet, daß der Czar heule morgen gestorben ist, aber in der russischen Gesandtschaft war heule Nachmittag tun 4 Uhr noch keine Bestäti- gung der Nachricht eingetroffcn. London, 1. Nov. Seit der Veröffentlichung des beunruhi- genden Bulletins ausLivadia heute Morgen über den bedenklichen Zustand des Czaren, sind Gerüchte von seinem Tode im Umlauf, aber bis jetzt sind keine amtlichen Nach- richten eingetroffcn. London, 1. Nov. Die russische Gesandtschaft theilt mit, daß sie eine Depesche erhalten hat, wonach sich der Zustand des Czaren bedeutend ver- schlechtert hat, und das Ende nahe bevor- steht. St. Petersburg,!.. M)v. Die Nachricht vom Ableben des Czaren ist heute Abend um Sechs in Petersburg bekannt gegeben worden. Etwas für Ausflügler. Die Anlage einer elektrischen Bahn nach dem Gipfel des Mount Lowe eine beschlossene Thatsache. LosAngeles, Cal., 1. Nov. Professor Lowe, der Erbauer von Pafa- deua'S Gebirgsbahn, ist von Chicago zu- rückgekehrt, wo er Geschäfte zum Abschluß gebracht hat, wonach jene Bahn vom Echo Berge, ihrem jetzigen Endpunkte, bis nach der höchsten Spitze des Mount Loweweitcr- geführt werden soll. Diese Strecke soll eine elektrische Bahn mit dem „Trolley"- System erhalten, und wird sieben Meilen laitg werden. Das Geleise wird sich um die Seiten des großen Bergkegcls, der den Namen des Erbauers der Bahn führt, hcr- umwindcn, und von dort wird sich dem Auge eine der großartigsten Aussichten bieten, welche der amerikanische Continent aufzuweisen hat. Der Bau der Bahn wird sofort in die Hand genommen und mit dem größten Eifer betrieben werden. Feuerschaden. Lin großer Getreidespeicher theilweise einge- ä schert. Milwaukee, 1. Nov. Gestern brach in dem großen Getreide- speicher der „Milwaukee Malt L Grane Company", No. 376 bis 380 Fiflh Str., Feuer aus, dessen Ursprung nicht ermittelt werden konnte. Der Präsident Asmuth schätzt den Gesammlverlust aus etwa H70,- 000; derselbe ist jedoch vollständig durch Versicherung gedeckt. Es waren etwa 100,- 000 Büschel Gerste in dem Speicher gela- gert, und ein großer Theil davon ist durch Feuer, Wasser und Rauch beschädigt, wor- den. Ueberschwemmung im nördlichen Frankreich. Biele Fabriken dadurch zur Linstellung ihres Betriebes gezwungen. Paris, 1. Nov. Die schweren Regengüsse während der letzten Tage haben im nördlichen Frank- reich Ucbcrschwemmungen verursacht. In den Departements Pas de Calais und Nord stehen Tausende von Ackern unter Wasser. Die Fabriken in Noubait und an- deren Städten haben in Folge der Ueber- schwcmmung ihren Betrieb eingestellt, und fast 100,000 Arbeiter sind dadurch beschäf- tigungslos geworden. Die Eisenbahuge- leise sind meilenweit unterwaschen, und die Züge laufen äußerst unregelmäßig. Allent- halben haben sich in dem überschwemmten Gebiete viele Uuglückssälle ereignet. Schiffsnachrichten. Angekommen: Bremen: „Aller" von New Dort. G enua: „Werra" von New 3)ork. London: „Massachusetts" von New York. Ein Derriitsier im französischen Generalstabe. Hauptmann Dreifus der schwersten militärischen Verbrechen beschuldigt. Lr soll Mobilisirungs- und Festungspläne an Italien und Deutschland verkauft haben. Paris, I.Nov. Die Verhaftung des Haupnnann's Alfred Dreifus, vom Generalstabe, unter der An- klage des Hochverrathes bildet das Tages- gespräch. Der Hauptmann gehörte zur Organlsirungs- undMobilisirungs-Abthei- lung des Generalstabes, und hatte in dieser Eigenschaft Gelegenheit, sich mit den wich- tigsten Dokumenten über die Pläne zur Mobilisirung der französischen Armee ver- traut zu machen. Der Verdacht gegen Dreifus wurde durch seine Vertrautheit mit einem italienischen Offizier rege gemacht, und General Mcrcier, der Kricgsminister, sandte Geheimpolizisten nach Monaco und Italien, deren Berichte die Verhaftung des Offizieres zur Folge hatten. Hauptmann Dreifus hat, wie cs heißt, jenem italienischen Offizier, welcher ein Agent der italienischen Regierung sein soll, die Pläne zur Mobilisirung des 15. Armee- corps, welches die Departements der See- alpen, Ardcche, Bouches duRhone, Corsika, Gard, Var, Vaucluse und Marseille um- faßt, sowie die Pläne zur Mobilisirung der bei Briancon, der Alpenfeste, stehenden Truppen milgetheilt. Ferner wird er be- schuldigt, dem italienischen Agenten die Pläne von zahlreichen Befestigungen in der Umgebung von Briancon, welche durch unterirdische Gänge mit der Stadt in Ver- bindung stehen, übergeben zu haben. Briancon ist ein Platz von der größten Wichtigkeit, besonders aber angesichts der Möglichkeit eines Vorrückens der italieni- schen Armee gegen Frankreich. Briancon beherrscht die Straße über den Mont Genevre in den Coltischen Alpen, von Frankreich nach Italien. Der Ort hat eine natürliche feste Lageaus einem fast 3000 Meter über der Mee- resfläche liegenden Berggipfel, und rst nach den neuesten Regeln der Kriegskunst be- festigt. Alle Außenwerke stehen durch unterirdische Gänge untereinander und mit dem Orte selbst in Verbindung. Haupt- mann Dreifus soll alle diese, während der letzten Jahre auf das sorgfältigste ausgear- beiteten Pläne zur Vertheidigung der Alpen, welche für ein' unüberwindliches Bollwerk gegen einen Angriff von Italien galten, an die italienische Regierung aus- geliesert haben. Außerdem heißt es, daß er sie auch an Deutschland verkauft, und Deutschland und Oesterreich die Namen sümmtlicher französischen Offiziere ver- rctthcn habe, welche kürzlich im geheimen Dienst in das Ausland geschickt wurden. Hauptmann Dreifus ist mit der Tochter eines reichen hiesigen Diamantenhändlers verheirathet. Der Panama Lanal. Die Arbeiten sollen mit aller Lnergie be- trieben werden. Panama, 1. Nov. Es heißt, daß die jetzt an der Culeb ra Abtheilung des Panama Canals beschäftig- ten Arbeiter demnächst zu einer Stärke von 1000 Mann gebracht werden sollen. Das große Erdbeben. Großes Llend in den von demselben heimge- suchten Provinzen. BucnosAires, 1. Nov. Die Berichte von der großen Ausdehnung des kürzlichen Erdbebens werden bestätigt. Das in den Provinzen San Juan und Rio Janeiro augerichtete Elend ist sehr groß, und besonders in der letzteren Provinz, wo die Bevölkerung sehr arm ist. Es werden hier von Zeit zu Zeit immer noch leichte Erdstöße verspürt, wodurch die Besorguiß rege erhalten wird. Für den Empfang des Lzaren. In Korfu wird alles sür seine Ankunft vor- bereitet. Korfu, I.Nov. Der König von Griechenland wird in nächster Woche von Athen hier eintreffen. Er hat für die hiesigen Paläste Möbel im Werthe von 200,000 Franken bestellt. Im Palaste Mourcpos schreiten die Vorberei- tungen zum Empfange des Czaren ihrer Vollendung entgegen. Durch Schreck dem Tode nahe. Lin großer, schwarzer Hund schuld daran. Akron, O-, 1. Nov. Vorgestern Abend sprang aus Mary Wion ein großer schwarzer Hund los, wo- durch sie so erschreckt wurde, daß sie be- wußtlos niedcrstürzle. Jetzt, nach vier- undzwauzig Stunden, hat das Mädchen das Bewußtsein noch nicht wieder erlangt und es wird befürchtet, daß es nicht mit dem Leben kommen wird. Gegen den Lzarewitsch. Line Verschwörung gegen das Leben desselben in St. Petersburg entdeckt. L o n d o n, 1. Nov. Laut einer hier aus St. Petersburg ein- getrosfenen Depesche ist dort eine Ver- schwörung gegen das Leben des Czarewitsch entdeckt worden. ES heißt, daß die Polizei schon seit mehreren Tagen, mit der Verhaf- tung von Nihilisten beschäftigt ist. Unter den Verhafteten befinden sich einige Stu- denten; die Polizei bat eine Menge beschul- digender Schriftstücke in ihrem Besitze. Deutscher Anternelimungstzeist. Line deutsche Gesellschaft will die Dampfer der „South Steam- ship Lo." ankaufen. Lin südamerikanischer Lardinal in Aussicht. Valparaiso, Chile, 1. Nov. Das englisch-chilenische Tribunal hat die Entscheidungen der italienisch-chilenischen Commission anerkannt. Bei der Annahme des Budgets sür das Jahr 1805 hat der Kongreß für die „South Sleamship Co." keine Geldunterstützung bewilligt und cs heißt, daß sich eine deutsche Gesellschaft er- boten hat, die Schiffe jener Gesellschaft zu kaufen. Einem Gerüchte nach, soll der Erzbischofvon Santiago zum Cardinal ernannt wer- den. Wenn dies geschieht, so wird er der erste Cardinal in Südamerika sein. Vielleicht das Gpfer eines Ver- brechens. Der Jnquest über die Leiche von Smithson aus Minneapolis. T o ronto, Ont., 1. Nov. Bei dem Jnquest über I. M. Smithson aus Minneapolls, welcher hier unter ver- dächtigen Umständen starb, sagte ein Zeuge aus, daß er gesehen habe, wie Smithson am Montage mit einem Frauenzimmer trank, welches angeblich von Clcveland kam. An jenem Tage hatte Smithson eine Bankanweisung von HSOO, welche jetzt nicht gefunden werden kann. Schon nicht mehr schön. Lin Lountyrichter und Liner der es werden will, verhauen sich. Galena, Jll., 1. Nov. Gestern trafen sich Countyrichtcr Wil- liam T. Hodson und Dr. M. H. Eleary, welcher jetzt Candidat sür dasselbe Amt ist, auf einem Balmzuge und im Laufe der Unterhaltung gcrielhen die Beiden in Streit. Derselbe wurde schließlich so hitzig, daß Richter Hodson seinen Gegen- kandidaten einen Lügner nannte, worauf dieser ihm mit seinem Stock einen so hef- tigen Schlag versetzte, daß derselbe zerbrach. Durch das Dazwischentreten von Freunden wurde eine weitere Prügelei verhütet. Hodson ist Republikaner, während Cleary der demokratischen Partei angehöri. Postsäcke gestohlen. Dieselben enthielten eingeschriebeue Briefe mit drei tausend Dollars. Kingston, Ont., 1. Nov. Gestern Morgen wurden auf dem Bahn- hofe der Grand Trunk-Bahn zwei Post- säcke mit registrirten Briefen gestohlen. Der in den Briefen enthaltene Betrag an Geld betrügt nach Angabe der Postbeamten H3OOO. Guatemala nimmt Vernunft an. Die Truppen ans dem bestrittenen Grenz- gebiete zurückgezogen. Mexiko, 1. Nov. Es ist hier die Mittheilung eingetroffen, daß die Regierung von Guatemala nach alter Gewohnheit einen ausländischen Di- plomaten in der Stadt Guatemala über den mexikanischen Zwist um Rath gefragt hat. Der Diplomat soll erklärt haben, daß die Stellung Guatemalas unhaltbar sei, in Folge dessen die Regierung jenes Landes ihre Truppen aus dem bestrittenen Grenz- gebiete (aus Agua Azul) schleunigst zurück- gezogen hat. Bahnraub. Die Kansas Lity Bahn bei New Albany von Bahnräubern überfallen. S t. L o u i s, Mo., 1. Nov. Von Bloomington, Ala., wird berichtet, daß in der Nähe von New Albany, Miss., auf her Kansas City Bahn ein Bahnraub staltgefundcn hat. Dynamitattentat. Lin Italiener versucht seinen glücklicheren Nebenbuhler mit Dynamit indie Lust zu sprengen. Pough ke cp sie, N. A., 1. Nov. In Clinton Point legte Michael Sal- vator unter das Haus, in welchem Eugene Geneva mit seiner Frau schlief eine Dyna- mitpatrone. Daraus feuerte er vier Schüsse durch das Fenster ab, trat aber Niemand; Geneva erwachte nach dem ersten Schuß, und es gelang ihm, mit seiner Frau gerade in dem Augenblicke das nächste Zimmer zu erreichen, als die Dyuamitpatroue explo- dirtc. Ein Theil des Hauses wurde zer- stört. Der Mann und die Frau wurden durch die herumfliegenden Trümmer schwer verletzt. Salvator war in Italien ein Nebenbuhler Genevas gewesen, und war dem Paare nach Amerika gefolgt. Einst- weilen ist cs dem Attentäter gelungen, sich der Verhaftung durch die Flucht zu ent- ziehen. Lin Zeitungsmann gestorben. Der Redakteur des „Reichsanzeiger" plötzlich abberusen. New I) or k, 1. Nov. Eine Depesche aus Berlin meldet, daß Klee, der Redakteur des „Reichsanzcigcr" gestern Plötzlich gestorben ist. städtisches. Stimmt sie nieöer! Die Viermillionenfrage für den pro- jektirten Eourthaus-Bau. Ansichten bekannter Bürger. Das „Abendblatt" hat es vorgezogen, sich an dem gegenwärtigen Kampf um die politischen Aemler nicht zu betheiligen und cs dem Urtheil seiner Leser allein zu über- lassen, ob sie für diesen oder jenen Kandi- daten ihre Stimmen abgebcn wollen. Nur in Bezug auf eine wichtige, nicht politische Frage, welche den Slimmgebern ebenfalls am nächsten Dienstag zur Erledigung vor- gelegt wird, haben wir Stellung genom- men. Wir meinen die Frage, ob für den Bau eines neuen Courthauses H4,000,000 bewilligt werden sollen. Unsere Ansicht darüber, welche die Bewilligung entschieden verwirft, ist an ediloricller Stelle mehrfach begründet worden. Wir begnügen uns deshalb damit, die Ansichten bekannter Bürger unseren Lesern nachstehend mitzu- theilen, wobei zu bemerken ist, daß nur eine verschwindend geringe Minderheit das Projekt befürwortet. MayorHopkins erklärte ganz kurz und bündig,,daß ergegen die Errichtung eines neuen Countygebändes unter den gegenwärtigen Verhältnissen, nach dem Plane der County-Commissäre sei. Corporations a n w a l t N u b e n s sprach sich sehr entschieden und sehr energisch gegen die Viermillionen-Anleihc zum Bau des neuen Countygebäudes aus. Er bezeichnte den Plan des Countyraths, auf dem Grundstück des jetzigcnCountygebüudes neben dem jetzigen Ralhhause einen sech- zehnstöckigen Bau auszuführen, als Hellen Wahnsinn und meinte, Platz würde genug frei werden, um alle städtischen und die meisten County - Ossiccn unterzubringen, sobald die öffentliche Bibliothek nach ihrem neuen Gebäude übergesiedelt fein werde. Auch, meinte Herr Rubens, sei cs wahn- witzig, 4 Millionen Dollars für eine Sacheauszuwcrsen, ohne daß sür dieselbe genaue Pläne vorhanden sind. O ber b a uco m m is s ä r Jones er- klärte sich gegen die Bewilligung der H4,000,000. Er meinte, wenn gebaut wer- den solle, dann solle wenigstens so lange gewartet werden, bis die Stadt im Stande sei, ein neues Ralhhaus gleichzeitig und architektonisch übereinstimmend mit dem neuen Gebäude zu bauen. Sta dting en ie u r Artingstall sprach sich fast ganz genau ebenso aus, wie Herr Jones, mit dem Hinzusügcn, daß die Uebersicdelung der städtischen Bibliothek den für die städtischen und Countyofsices nöthigen Raum frei machen werde. loe Grünhut, der städtische Sta- tistiker, bezcichnete den Versuch des County- raths, jetzt das Volk zur Verausgabung von H4,000,000 zu veranlassen, direkt als eilten Versuch, an demPublikum eincnMillioncn- diebstahl zu begehen. Staatsanwalt Kern erklärte, jetzt sehr entschieden gegen die H4,000,000-Vor- lage zu sein, wenn er auch der Ansicht sei, daß der Bau eines neuen Counlyaebäudes eine Nothwendigkeit sei. Jetzt sollten die Steuerzahler lieber ihr Geld in der Tasche behalten, bezw. einen Theil davon lieber für nolhwendigere Verbesserungen, wie sür Verbesserung der Straßen u. s. w. ver- wenden. Richter George Kersten: Die Stadt und das County sind gegenwärtig derart verschuldet, daß die Erhebung einer Vier - Millionen - Anleihe als eine un- zulässige Extravaganz gellen muß; ich bin entschieden gegen die Anleihe. Richter Brentano: Ich bin gegen die H4,000,000-Anleihc. I. H. Gilbert, Sheriff von Cook County und Präsident der „Garden City Banking L Trust Co.": „Ich kann mich, mit der Idee nicht einverstanden erklären, wenigstens nicht in der Form, in der sie dem Publikum zur Abstimmung vorgelegt ist. Man hätte zunächst genaue Pläne an- fertigen und genaue Kostenanschläge machen sollen, damit die Steuerzahler doch wissen, wofür die große Summe, die sie hergeben sollen, verwendet werden soll. Wie die Sache jetzt liegt, werde ich sür meine Per-son dagegen stimmen." Bankier Wasmandorss: „Mir scheint das Csurthouse noch nicht so bau- fällig, daß es schon jetzt durch ein anderes ersetzt werden müßte. Die Steuerzahler sind genug belastet; man bedenke nur, daß tz20,000,000 ausgebracht werden müssen, um die Kosten für den großen Drainage- Canal zu decken. Fehlt cs an Raum in dem jetzigen Gebäude, so sollten sich die Herren Beamten etwas cinzuschränken ver- suchen. Wir Geschäftsleute müssen das auch thun, wenn wir kein Geld haben, um uns größere Räumlichkeiten zu bauen. Ich habe von mancher Seite gehört, daß die Arbeiter im Allgemeinen mit dem Bau eines neuen Eourthauses gauzeinverstanden seien, weil sie hofften, sür den Winter- Arbeit zu erhalten. In dieser Voraus- setzung dürften die Leute sich sehr täuschen, denn erstens ist es kaum auzunehmen, daß man sofort mit dem Abbruch beginnen wird und zweitens wird der größte Theil desßau- matcrials nicht aus Chicago, sondern aus anderen Städten bezogen werden, wie z. B. die Eisenarbeitcn aus Pittsburg." Max Stern: Wir brauchen ein neues Courlhaus und darum sollte es auch gebaut werden. Das jetzige ist nicht nur so bau- fällig, daß cS eines Tages Zusammenstür- zen kann, sondern cs ist auch viel zu klein. Ich bin aber der Ansicht, daß wir ein Courthaus errichten, das nicht nur zweck- entsprechend, sondern auch ein so imposan- ter Bau ist, daß Chicago stolz darauf sein kann. Ob es eine Million mehr oder oder weniger kostet, sollte keine Nolle spie- len. Ich werde dafür stimmen, denn je eher die Sache in Angriff genommen wird, desto besser, schon weil viele Leute dadurch während des Winters Arbeit und Verdienst erhalten. George Claussenius: Ich werde ganz entschieden dagegen stimmen. Die Idee, einen Himmelstürmer zu bauen, um aus den oberen Stockwerken Geld zu ver- dien, das zur Abtragung der durch den Bau contrahirtcn Schuldsumme verwandt werden soll, Ist einfach absurd. Chicago ist nicht io arm, daß es die Kosten sür einenunserer großen Metropole würdigen Bau nicht erschwingen könnte; wenn man also dsc Summe für ein anständiges Gebäude, oas ausschließlich sür County- und Muni- zipal-Ossices bestilnmt ist, nicht aufbrin- gen kann, so soll inan das Bauen vorläufig bleiben lassen. Mit einem Himmelsstür- mer, wie man ihn in Vorschlag gebracht hat, würden wir uns vor der ganzen Welt blamiren. H. C. Zul te rmei ste r, Grundeigen- thumshändler, Jncasso L Passage-Ge- schäft: Ich habe eigentlich der Angelegen- heit der neuen Bondsausgabc noch nicht meine volle Aufmerksamkeit geschenkt. Wohl bedürfen wir eures geräumigeren Eourthauses, aber ich fürchte, daß die riesige Summe, welche eventuell sür den Bau ver- wandt wird, zu viel Versuchung sür Un- regelmäßigkeiten bietet. Herr Lober, Mitinhaber der Ellcn- waaren-Firma John S. Z)ork: Ich glaube nicht, daß die gegenwärtigen schweren Zeiten es gestalten, den Steuerzahlern eine neue Steuerlast von H4,000,000 auszubürden. Der Steuerzahler hat genug zu thun, um alle regulären Steuern aufzubrin- gen. Es wird gesagt, daß der Bau des neuen Eourthauses vielen Hun- derten von Arbeitern Beschäftigung bringen soll. Wenn cs sich nur darum handelt, Leute zu beschäftigen, so ist genug Arbeit da, sür welche die Steuerzahler ohnehin schwere Steuern ansbringen, die aber zu anderen Zwecken als sür diese Arbeiten verwendet werden. Wir haben Straßen zu pflastern, zu. zu reinigen, Alley's in Stand zu setzen, Schulhäuser zur Aus- nahme Tausender von Kindern (welche wegen Mangels an Raum in den überfüll- ten Schulen nicht Aufnahme finden kön- nen), zu bauen und andere wichligcßauten. Der Ban des neuen Eourthauses ist vor- läufig nicht nothwendig und die Steuer- zahler sollten es sich sehr überlegen, P 4,000,000 für etwas Unnöthiges zu bewilligen. Richter Mar Eberhardt: Ich habe osfengestanden der Sache bisher fast keine Aufmerksamkeit geschenkt. Es sind meines Erachtens nach bei der Beur- theilung dieser Angelegenheit zwei Dinge in Betracht zu ziebcn: 1) ist der Bau des Courthauses eine so dringende Nothwcndig- keit und 2) können die Steuerzahler diese neue Last ertragen? Beioes möchte ich mit „Nein" beantworten. Das neue Crimi- nalgerichtsgebäude bietet sür viele Gerichte und andere Counlyämtcr Raum und ent- lastet dadurchdießaum-Capazitüt des alten Eourthauses. Ist dann noch nicht genug Raum, dann könnte durch Aussehen zweier neuer Stockwerke, (auf welche das Funda- ment milbcrechnet sein soll) genügend Platz geschasst werden. Die Steuerzahler sollten nicht aus dem Auge lassen, daß uns das nächste Jahr ohnehin mehr Steuern bringen wird, nömlich die Bundes-Einkommen-steuer, möglicherweise auch aus Empfehlung des Comptrollcrs Ackerman eine Aendcrung der Steuergesetze, welche eine größere Be- steuerung des Grund- und persönlichen Eigenthums ermöglicht und wer weiß, was sonst uns noch beschicden wird. Ich bin daher gegen die Bondsausgabe. Rudolf Seifert: Ich bin gegen den Bau eines neuen Courthauses, weil das County ohnedies mit Schulden überbürdet ist und wir überhaupt nicht wissen, was mit dem Gelde geschehen wird, wenn wir es be- willigt haben. Chas. H. Fleischer, von der Firma Rohde, Staab L Fleischer: Wir sind zu gescheidt,"unseren professionellen Politikern, gleichviel welcher Partei dieselben angehö- ren, eine Summe von vier Millionen Dol- lars anzuvertrauen, selbst wenn wir das Geld augenblicklich entbehren könnten und wenn es absolut nothwendig wäre, ein neues Courthaus auszubaucn. Es ist aber nicht absolut nöthig. Vor allen Dingen sollte der Augiasstall gründlich gereinigt werden und nach statlgehabler Reinigung, d. h. Entfernung von ungefähr einem Drittel Faullenzern, sollten die anderen zwei Drittel 8 Stunden täglich stramm arbeiten und wie andere Menschenkinder ihren Unterhalt ver- dienen. Erstens wäre dann für Alle ge- nügend Raum und zweitens würden sowohl die Bürger, die dort zu thun haben, als auch die Angestellten eine reinere Luft ath- men. Außerdem könnte cs nicht schaden, wenn etwas mehr darauf gesehen würde, Tausende von Individuen aus dem Gebäude fernzuhaltcn, die absolut nichts dort zu thun oder zu suchen haben. Man begegnet dort heutzutage vielen Bassermann'schcn Gestalten und Verbrccher-Physiognoinieu sind an der Tages-Ordnung. Wenn die Arbeiter sich bei der bevorstehenden Wahl dadurch verblenden lassen, daß sie sür den Bau eines neuen Eourthauses stimmen, da- mit so viel mehr Arbeiter Beschäftigung finden, so sind sie ihrerKurzsichtigkeit wegen zu bedauern. Sind sie doch schließlich Die- jenigen, die den größten Theil davon in direkten und indirekten Steuern bezahlen müssen. Die Herren, die sich durch den Bau des neuen Eourthauses in den Raub zu theilen gedenken (den man, nebenbei be- merkt, wohl auf zwei Millionen Dollars veranschlagen kann), kümmern sich blut. wenig um das Wohlergehen der Arbeiler- Jeder Bürger sollte sollte sich auf seine eigenen, unabhängigen Füße stellen und der Korruption einsürallemal Halt gebieten und bei Wahlen nur das Gemeinwohl im Auge haben. Sein eigenes Wohl kann er aus keine andere Weise besser fördern. Henry Thorwart, von der Firma Thorwart und Roehling: Ich habe michzwar bis jetzt noch nicht eingehend mit der Frage befaßt, bin aber von vornherein der Ansicht, daß die Chicagoer in Anbetracht der vielen anderen Steuern welche sie für andere bereits unternommene öffentliche Arbeiten während der kommenden Jahre zu zahlen haben werden, diese neue Schul- denlast von H4,000,000 nicht tragen kön- nen. Ich werde daher ganz entschieden gegen die Vorlage stimmen. Philipp Henrici: Unter den ob- waltenden Umständen würde ich niemals meine Einwilligung zu der Errichtung eines neuen Eourthauses geben. Sollte ein solches durchaus gebaut werden, müßte es meiner Idee nach erstens am Seeufer Platz haben, und zweitens ein Monumen- talbau sein, dessen die Stadt sich rühmen dürfte, und nicht ein solch' gräßliches Un- gethüm, wie die Fuller'schen Pläne veran- schaulichen und wie cs wahrscheinlich aus- fallen würde, wenn man jetzt blindlings das Geld dazu hergebe. Bankier Leopold Mayer: Mei- ner Meinung nach und wir als pflichtge- ! treue Bürger und Steuerzahler der Stadt unter den gegenwärtigen Verhältnissen,— ich meine das mit Hinblick aus die vielen anderen Steuern und Schulden die ausuns lasten, gezwungen die Errich- tung eines neuen Eourthauses zu vereiteln. Bank ier Maurice Kozm in s ki: Jede östentlichcArbeit sörderl das Wohl der arbeitenden Klasse und ist zugleich die beste Vertheilung desKapitals. Dieser Umstand, sowie die Thatsache, das; der alte Bau so hinfällig geworden ist, daß ein neues Ge- bäude irgend welcher Construction von Vorlheil sür die Stadt sein würde, be- stimmen mich, die Vorlage in ihrer jetzigen Form aus jeden Fall zu befürworten. Bankier Edward Drei, er: Na- türlich bin ich entschieden gegen den neuen Eourthausbau und läßt es sich der Real Estate Board, dem ich angchöre, ganz be- sonders angelegen sein, daS Vorhaben zu vereiteln. Man kann die steuerpflichtigen Bürger Ehicago's nicht oft genug dagegen warnen, denn man darf nicht vergessen, daß die Besteuerung keinen Unterschied kennt zwischen sehr reichen und nicht wohl- habenden Steuerzahlern, und daß letztere daher im Verbültniß viel schwerer zu tragen haben, als die anderen, was gerade gegen- wärtig, da so vielen anderen Dingen Rech- nung zu tragen ist, ein wichtiger Punkt ist. Was die Arbeiter betrifft, so sollen diese sich auch nicht allzu große Hoffnun- gen machen, denn die Hälfte der 4,000,000 würden sür sie schon gar nicht in Betracht kommen.' Ja man kann sogar rechnen, daß H 2,000,000 wahrscheinlich sür Material u. s. w. erforderlich sein, also der Stadt ganz verloren gehen würden. Und wie viel dann nach Abzug vieler anderer Spesen für die Handwerker und Arbeiter übrig bleiben würde, ist sehr fraglich; jedenfalls nicht annähernd so viel, wie man letzt annimmt. Ich ralhe daher Jeden, gegendie Vorlage zu stimmen. Herman Felsenlhal, Präsident der Bank os Commerce: Die Zeit für die Errichtung eines Eourthauses ist schlecht gewählt worden; die Stadt hat augen- blicklich Nothwcndigeres und Dringenderes zu thun, als daß sic sich überhaupt um der- gleichen kümmere. Adolph Loeb: Wir brauchen gegen- wärtig kein neues EourlhauS, könnten, übrigens gar kein neues errichten, ohne jeden steuerpflichtigen Bürger auf Jahre hinaus schwer zu belasten, was um so un- angenehmer sür Jeden wäre, als gerade während der kommenden Jahre so viele andere Ausgaben Vorlieben, z.B. die Drai- nage Canal Steuer, Einkommensteuer u. s. w. loh nB. Grommes: Ich bin abso- lut gegen das neue Courthaus und werde auch dagegen stimmen, aus dem einfachen Grunde, weil die Vorlage in ihrer jetzigen Form keine Garantie dafür ist, daß die H4,000,000 auf vortheilhaflc Weise ange- legt werden. George L. Schaar, von der Beurk- und Grundergenthumshändler - Firma. Schaar, Koch L Co. Ich bin für die Ausgabe der H4,000,000 Bonds. Erstens, weil wir ein neues geräumiges Courthaus brauchen; zweitens, weil der Bau desselben vielen Arbeitern Beschäftigung geben wird, und drittens die Steuerzahler im Großen und Ganzen diese Steuer kaum merken. Würden wir ein anderes, ehrliches Sleucr- Einschätzungs-Systcm haben, dann könnte die Summe (welche sür den Bau eines neuen Eourthauses gebraucht wird), leicht im gewöhnlichen Wege der Verwaltung aus den eingehenden Steuern ausgebracht wer- den. Nicht allein werde ich dafür stim- men, sondern auch meine Freunde veran- lassen, ein Gleiches zu thun. Chas. Schlacks, Mitinhaber der Firma United States Boiler Works. Wir sind ge g e n die Ausgabe der Bonds. Erstens, weil wir übersteuert genug sind und der „Job" zu vielen Versuchungen für nicht sattelfeste Politiker bietet. Wenn das gegenwärtige Courlhaus nicht mehr groß genug ist, dann können ja mehrere Stock- werke drausgesetzt werden. A. Kcttering, Apotheker, Ecke der 26. und Halstedstr.: Ich bin gegen die Bondsausgabc. Geld ist jetzt sehr knapp und die Zeiten schlecht. Die Bondsausgabe würde daher doppelt drückend gespürt wer- den. Wohl brauchen wir ein neues Court-haus, aber einige Jahre (d. h. bis wir an- dere gute Zeiten haben) können wir nochmit dem gegenwärtigen fertig werden. Nach Europa. Jules Reese, seit einer Reihe von Jahren Steward des Washington Park Club, hat das Weite gesucht. Er soll seine Stellung benutzt haben, um bedeutende Unlerschleife zu machen. Wie hoch sich dieselben be- - laufen, weiß man nicht, doch glauben die Clubmitgliedcr nicht fehlzugreisen, wenn sie annehmcn, daß er nach und nach etwa H15.000 einsteckle. Er soll indeß wenig davon übrig behalten haben, da er sehr flott lebte. Als er merkte, daß man Miß- trauen gegen ihn faßte, verbrannte er alle Bücher und Belege, welche auf seine Trans- aktionen ein Licht werfen konnten, und ließ sich nicht mehr sehen. Jetzt befindet er sich bereits aus einem Dampfer nach Europa. Alüssen auf ihr Gehalt warten. Das stadträthliche Finanzcomile. dem der Stadtralh es überlassen hat, die Mittel und Wege zu finden, wie das zur Aus- zahlung der Gehälter und Löhne der städti- schen Angestellten nöthige Geld beschafft werden soll, hat gestern den Comptroller angewiesen, das ihm zur Verfügung stehende Geld zunächst für die Ablöhnung der städtischen Straßen- und anderer Tag- lohn-Arbcilcr zu verwenden. Die übrigen städtischen Angestellten, einschließlich der Polizisten und Feuerwehrleute, werden sich diesmal etwas länger wie gewöhnlich ge- dulden müssen, da das Finanzcomile sicherst in seiner nächsten Sitzung am Freilag darüber schlüssig werden wird, wo das zur Auszahlung der Gehälter nöthige Geld hcr- genommen werden soll. Viehiuarkt. Schweine sind fest im Preise, und und brachten schwere 4.45(«4.85, leichte4.30(a4.65, durcheinander 4.35G75. Rindvieh und Schafe fest. Zufuhr 15,000 Stück Rindvieh, 32,000 Schweine und 14,000 Schafe.

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