Abendblatt Der Illinois Staats Zeitung Newspaper Archives Mar 31 1893, Page 1

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Abendblatt der Illinois Staats Zeitung (Newspaper) - March 31, 1893, Chicago, Illinois40. IctHr-garrg.—Uo. 5. OHioligo» Fr-eitcrg» 81. Wirr-z 1898. Hävers 1 Lerrt. DepesÄien. Die CtMlaw Wirren. Ein Gemetzel zwischen den rivali- sirenden Faktionen zu be- fürchten. Bundesmilitär nach dem Schauplatz der Un- ruhen unterwegs. W a s h ing ton, 31. März. Der Sekretär des Inneren, Hokc Smith, erhielt spät gestern Nacht die telegraphischeMeldung von dem Landkommissär Gibbonsin Athens, im Indianer Territorium, daßes, wenn sich das Bundesmilitär nicht in'sMittel lege, zwischen den rivalisirenden Faktionen der Choctaw Indianer unzwei- felhaft zu einem fürchterlichen Gemetzel kommen würde. Sekretär Smith setzte sichsofort mit dem Kriegssekretär Lamont in's Benehmen, und Letztere sandte daraufhin an den Befehlshaber des dem Schauplatze der Wirren zunächst belegenen Mililürpostcn die telegraphische Weisring, sich mit der: nöthigen Mannschaften unverzüglich in's Choctaw-Gebiet zu begeben und nach Gut-dünken im Interesse der Wiederherstellung der Ordnung vorzugehen. Der Bundes- Landagent Bennett im Muskogce I. T. wurde ebenfalls nach dem Schauplatz der Wirren beordert. Gewerbeaufschwung im Süden. IYB neue industrielle Uuternehmuugeu im letzten Vierteljahr. Washington, 31. März. Der zu Chatlanooga in Tennessee er- scheinendenFachzeitung „Isis Ti-uclsLinnn" zufolge sind im letzten Vierteljahr im Süden um 198 mehr neue industrielle Unter- nehmungen entstanden, als in dem gleichen Zeitraum des vorigen Jahres. Unter den neuen Unternehmungen befinden sich 75 Tuch- oder Baumwollsabriken, 59 Mahl- mühlen, 29 Einmachereien, 40 Oelmühlen, 32 Wasserleitungsnnstalten. Daß die großen Waldringen im Süden nicht nur Aufmerksamkeit erregen, sondern auch Kapital nnlocken, geht daraus hervor, daß im vergangenen Vierteljahr 195 Fabri- ken für die Holzindustrie angelegt wurden, gegenüber einer Gesammtzahl von 122 im ersten Viertel des Jahres 1892 und einer Gesammtzahl von 141 im ersten Viertel des Jahres 1891. Davor: .kommen aus Ten-nessee 33 und aus Nordcarolina und Georgia bezw. 23 und 24; doch sind auch die übrigen Staatei: im Südei: nach dieserRichtung hin gut vertreten, und der geringste derselben, Mississippi, hat deren sieben. Webereien sind während dieses Viertel- jahres 76 errichtet worden, d. h. 31 mehr als im Jahre 1891 und 48 inehr als im Porigen Jahre während des entsprechenden Zeitraums. Nur drei Staaten, nämlichArkansas, Kentucky und Westvirginien, sind dabei nicht mitvertreten. Obenan steht Alabama, 22; und in absteigender Linie Nordcarolina 16, Georgia 13, Südcarolina 8, Virginien 5, Mississippi 4, Texas und Tennessee je 3, Louisiana und Florida je 1. 32 Mahlrnühlen wurden gegründet, ge- gen 29 im Vorjahre. Die Banrnwollenöt- fabrikation wurde durch eine vermehrte Nachfrage nach Baumwollsamenöl und den Produktionen daraus, sowie durch erhöhte Preise in dem Maße angeregt, daß dieser Theil der Industrie einen mächtigen Auf- schwung glommen hat, wie sich aus der Anlegung von 40 Oelmühlen ergicbt, der im vorigen Jahre nur 10 und in: vorvori- gen nur 8 für das bctr. Quartal gegen- überstanden. Mehr als die Hälfte der neuen Oelmühlen kommen auf Texas, während die übrigen sich aus andere Baum- Wollstaaten vertheilen. Außerdem Werder: noch 12 Ziegeleien, 22 Baumwollpressen, 21 Elektrizitäts-Anstal- ten, 22 Gießereien oder Maschinenwerk-stütten, 7 Eisfabriken, 32 Wasserwerke und 93 Fabriken anderer Art aufgesührt. Brand einer Beleuchtungsanstalt. Der Schaden gegen rzoo,ooo Dollars- Mc Keesport, Penn., 31. März. Die Fabrik der „McKeesport Electric Light Company" ist heule Morgen um Uhr ii: Brand geralher: und bis ans der: Grund eingeüscherl worden; der Schaden cheläust sich auf 75,000 bis 100,000Dollars. Ein Arbeirer, der mit dem Schmieren der Maschine beschäftigt war, war dabei mit der Fackel der: auf einen Haufen liegenden Schmierlappcn zu nahe gekommen und hatte diese in Brand gesteckt und dadurch das Ex-plodiren des die Schmiere enthaltenden Fasses veranlaßt, dessen brennender Inhalt die Flammen nach jeder Seite hin verbrei- tete. Die Stadt wird heute Abend in Finsterbei: gehüllt sein, wenn es nicht ge-lingt, die Drähte vor: drei Privatbeleuch-tungs-Aanstallen, die sich hier befinden, mit mil den Trähten der Straßenbeleuchtung zu Buden. Auch die elektrische Straßen- bahnen uns durch den Brand in Stillstand geralher:. Nlit dem Srittrad um die Erde. St. Louis, 31. Mürz. Heute Morgen sind hier Thomas Fergu-son von Missouri und William Sachtle'benans Alton in Illinois von einer 3jährigen Reise um die Erde mit dem Trittrade an- gekommen. Die beiden jungen Leute Halter: in: Jahre 1890 die Washingtoner Universi-tät absolvrr: und waren dann, um sich nochweiter auszubilden, auf Reisen gegangen. Auf ihrer Reise wurde das ganze chinesischeReich in der Länge vor: 3200 Meilen mit den: Tritlrade durchkreuzt. Zun: Empfange der Touristen Halter: sichVertreter snmmtlicher hiesiger Trittrad- fahre, Verbindungen zu Rad eingefunden, welche dieselben in: Triumpf nach den:Elnbhause begleiteten. Wird morgen gelandet. New York, 31. März. Morgen soll das Krupp'sehe N iescn-geschütz non 123 Tonnen, das mit den: Dampfer „Longeil" von Hamburg kürzlichankam, in Sparrow Point bei Baltimore, Wo der Dampfer am Werft anlangte, an's Land gebracht werden. Das wechselnde Kriegsgliick. Diesmal die Aufständischen in Hon- duras die Gefangenen. Und Tatumbla zurückerobert. New York, 31. März. Dem „Herald" wird aus Panama Fol- gendes gemeldet: Aus Comaguuya traf ein amtliches Telegramm ein, worin gemeldet wird, daß der General Vasquez die Auf- ständischen angrifs und einen vollständigen Sieg errang. Eine Menge der letzteren be- deckten das Schlachtfeld, während der Ver- lust auf Seiten der Regierung gleich Null war. Später wird noch aus gleicher Quelle, die Wiedereinnahme von Tatumbla durch den General Vilella gemeldet. Zehn Tonnen Opium eingeschmug- gelt. Hochstehende Beamte dabei betkeiligt. Tacoma, Wash., 31. März. Die Zollbeamten am Puget Sund schei- nen bei den großartigen Zollschwindeleien, wie bei der Einschmuggclung von Chinesen und Opium, mit dem Capitün des Dam- pfers Haytien Republic und hohen Beam- ten im Bundesschatzamt, unter einer Decke gespielt zu haben. Vor einigen Tagen erst wurde eine Anzahl Chinesen an Bord des Dampfers in Haft genommen, in Folge dessen einige Zollbeamte ans dem Dienst entlassen wurden. Dies aber scheint nurder Anfang der Aufdeckung großartiger Schwindeleien zu sein, und in den nächsten Tagen schon soll nachgewiesen werden, daß die Eigenthümer des Dampfers im Verein mit hochstehenden Beamten des Bundes- schatzamtes die Schmuggelei im großartig- sten Maßstabe betrieben haben. Bei seiner letzten Anwesenheit des Dampfers in Van- couver mußte der Capitün desselben P4OO Strafe zahlen, weil er Opium in Canada an Bord genommen hatte, ohne dasselbe in die Frachtlisten einzutragen. Seit der Ankunft des Dampfers in ame- rikanischen Gewässern hat derselbe erwie- senermaßen auch nicht auf ein einziges Pfund Opium Zoll bezahlt. Als der Dampfer sich das letzte Mal in Victoria befand, wurde der Capitün dessel- ben, wie aus den Gerichtsakten ersichtlich, um 815,000 verklagt, weil er den Eigen- thümern zubereitetes Opium verkauft hatte, der nicht bezahlt war. Dann ging der Dampfer, nachdem der Capitün Bürgschaft gestellt hatte, mit jenen Chinesen nach dem Süden ab, welche später in Tacoma festge- nommen wurden. Während der letzten paar Monate sollen mit dem Dampfer unter den Augen und mit stillschweigender Zustimmung von hochstehenden Zollbeamten an die zehn Tonnen Opium eingeschmuggelt worden sein. Mehrere der letzteren sollen sich er- boten haben, bei der demnächst beginnenden Untersuchung als Staatszeugen auftreten zu wollen. Wie ein schlauer Nnlwaukee'r in Atlanta Geld erschwindelt. Atlanta, Ga., 31. März. Ein glattzüngiger junger Bürger von Milwaukee hat es verstanden, dadurch, daß er sich für einen angesehenen jungen Mann von Atlanta ansgab, einer vertrauensseligen Witlwe 81000 abzuschwindeln, und dies wurde gestern bei den Verhandlungen vor dem Polizeirichtcr festgestellt. Die Ge- schichte kam nämlich so: ein Mann, der seinen Namen als Harry E. Highlowers angab, sagte, daß er HIOOO brauche, und gab die Namen einer angeblichen Advo- kätensirma als Empfehlung an, woraus ihm die vertrauensvolle Wittwe das Geld einbündigte. Der wirkliche Name High- towers aber ist der eines hochangesehenen Geschäftsmannes in Atlanta. Gut für die „Buhmer". Tahlekah, I. T., 31. März. Gestern wurden die einleitenden Schritte getroffen, um eine große Berathung der fünf civilisirten Stämme zu Stande zu bringen. Gestern wurde von beiden Zwei- gen des Rathes ein Beschluß angenommen, wodurch ein Ausschuß von fünfen ernannt wurde, um mit dem erster: Häuptling zu beratheu und ein Schriftstück abzufasseu, um den Besitztitel der Cherokees zu dem „Outlet" auszugeben. Es bedarf nur kur- zer Zeit, um eine derartige Gesetzvorlage zu entwerfen. Straßenraub. Minneapolis, 31. März. Der Herausgeber der in Chicago erschei- nenden Wochenschrift „Vsts Xwericmn b'irruneisr", E. L. Blake, welcher sich zur Zeit hier im Nicollet Hotel aushült, wurde, als er. früh Morgens über die Central Avenue-Brücke ging, von 2 Straßenrändern angefallen, die den ahnungslosDahinschre- itenden hinterrücks niedcrschlugen, ihm die Taschen leerten und ihn seiner Diamanten- knöpfe beraubten. Von den Thätern hat man keine Spur. Nur tüchtige Leute werden augestellt. W a s h i n g t o n, 31. März. Der Sekretär Morton vom Ackerbau-De- partement hat einen Plan erdacht, um sich von der Fähigkeit von Kandidaten für Aenucr in seinem Departement, welche nicht dem Civildienstgesctz unterworfen sind, zuüberzeugen. JederKandidat muß bei Ein- gabe seines Gesuches gewisse Fragen über seine moralische und physische Tüchtigkeit beantworten, ebenso über die Arbeit, welche er zu thun wünscht. Dadurch wird der Sekretär in den Stand gesetzt, sich ein ge-naueres Urtheil über die Fähigkeiten der Kandidaten zu bilden, und sich gute Arbei- ter zu sichern. Neue Postmeister. W a s h i n g t o n, 31. März. 135 Postmeister 4. Ranges sind heute nannl worden und damit 59 bisherige Postmeister abgesetzt. Auf Indiana kom- men die meisten von diesen, nämUch 36 neue und 18 abgesetzt; dann aus Missouri 16 und bezw. 3, auf Tennessee 20 bezw. 7,aus Vermont 11 bezw. 10,auf Kentucky 9 bezw. 2, auf West Virginien 8 Anstellun- gen. Angriff auf amerikanische Studenten. Die Revolution in Uruguay. Ausländisches Silbergeld entwerthet. New York, 30. März. Der Correspondcnt des Herald in Val-paraiso telegraphirt folgendes: In LaPaz, Bolivia, wurde ein Angriff aus ame- rikanische Studenten gemacht, die sich auf der Reise nach Chicago befanden, während dieselben dem Bcgrübniß eines Chilenen beiwohnten, welches nach dem Ritus derFreimaurer stattfand. Von Priestern auf- gereizt, wurden die Studenten von einem Pöbelhausen angegriffen, und mehrere der- selben trugen schwere Verletzungen davon. Von Artigas kommt die Nachricht, daß die Truppen des Generals Teiles in Bage angekommen sind. Gen. Tavarez hat seine dortige Stellung aufgegeben, und zieht sichin der Richtung nach Tacuerembo zurück.Ein Deserteur von Saraiva's Armee sagt, daß die Verwundeten im Sande zu- rückgelassen wurden, um dort zu sterben. Die Revolutionäre schlagen ihren Gefange- nen die Köpfe ab. In Uruguay ist eine Verordnung erlas-sen, wodurch alles ausländische Silbergeld für werthlos erklärt wird. Die von Catamacanca nach Santa Rosasgesandten Truppen haben die Revolution dort mit Waffengewalt niedergeworfen. Aleiner Bahnunfall. Die javanische Lolonie tüchtig zusammen- gerüttelt. A mes , Ja., 31. März. Gestern Abend um acht Uhr fand bei Moinga, einer kleinen Bahnstation un- mittelbar westlich von Boom, ein Zusam- menstoß von zwei Bahnzügen statt, welcherjedoch glücklicher Weise keinen Verlust von Menschenleben zur Folge hatte. Der von Westen kommende Passagierzug hatte die ganze javanische Colonie an Bord, welche sich mit dem nötoigen Baumaterial ans der Reise zur Weltausstellung befand, um dort ein javanisches Dorf zu errichten und Vor- stellungen zu geben. Die javanische Ge- sellschaft bestand aus Tänzerinnen des Sultans von Solo auf Java, fünf mit Javanen besetzten Passagiercars und einem Orang-Utang. Die ganze Gesellschaft ver- ließ am 14. Februar Batavia auf Java und kam vor etwa einer Woche mit dem Dampfer „Gaelic" in San Francisco an. Von dort ging dieRene ohne Unfall nach dem Osten weiter, bis der Zug, welcher in Omaha in zwei Abtheilungen getheill war, in Moinga anlangte, wo der Lokomotiv- führer der zweiten Zugabtheilung die Con- trolle über seine Lokomotive verlor und in die Cabuse hineinfuhr, welche an den Schlafwagen gehängt worden war, in wel- chem sich die Javanen nebst ihren zwei amerikanischen Begleitern befanden. Die Cabuse wurde zertrümmert, während die braunhäutigen Javanen recht unsanft zu- sammengerüttelt wurden und der Sohn des Waldes, der Orang - Utang, ein mark- erschütterndes Angstgebrüll aussticß. Sonst hatte der Zusammenstoß keine bösen Folgen, und sämmtlicheReisende, die Weißen sowohl als auch die braunen einschließlich des Wald- menschen, kamen mit einem tüchtigen Schrecken davon. Nach kurzem Aufenthalt wurde dann die Reise nach der Weltausstellungsstadt fort- gesetzt. Großschlächterei in Texas. Boston, 31. März. Wie verlautet, hat ein hiesiges Consor-tium die Anlagen der Fort Worth Packing Company zu Fort Worth st: Texas, nebst der aus der Stadt nach dem in North Fort Worth gelegenen Etablissement führenden Straßenbahn käuflich an sich gebracht. Mitglieder dieses Consortiums sind der Präsident der Faneuil Hall Nationalbank Hierselbst. I. V. Fletcher, dessen Sohn I. H. Fletcher, Theilhaber der Firma I. V. Fletcher L Co., G. W. Simpson, D. I. McJntyre, und H. P. Harris von der Firma Simpson, McJntyre L Co., S. F. Woodbridge (Firma S. F. Woodbridge L Co.), B. F. Smith aus Omaha und W. O. Johnson aus Chicago, Advokat. Die Gesellschaft verfügt über ein Grundkapital von 3 Millionen Dollars. Neben den Schlachthäusern wurden 750 Acker Land, die unmittelbar daran stoßen, angetanst. Die Straßenbahn soll zu einer Gürtelbahn erweitert werden, um die Ver- bindung mit 10 Eisenbahnen die hier ein- münden, herzustellen und dem Schlacht- hause täglich ca. 1000 Stück Rindvieh und 2000 Schweine znführen. Auch wird ein Bankgeschäft errichtet, um die Geldgeschäfte der Gesellschaft zu besorgen. Zum Ge- schäftsführer der Gesellschaft in Fort Worth ist Elmer Washbnrn aus Chicago bestimmt. Die Chicagoer Schlächter dürfen sich aus eine scharfe Concurrenz gefaßt machen, da sofort mit der Versendung von Fleisch nachdem Osten und dem Norden begonnen werden soll. Die Viehzüchter in Texas aber werden in Zukunft ihr Vieh nicht mehr nach Omaha oder Chicago schicken, sondern dasselbe gleich im eigenen Staate schlachtenlassen, während auch die Fleischconsumen- ten in Texas ans dem nahen Bezug ihres Bedarfs ein bedeutender Vortheil erwächst. Angesehener Bürger gestorben. Mansfiel d, 0., 31. März. N. C. Smith, ein früherer Steuerein- nehmer der dritten Abtheilung des 11. Be- zirkes von Ohio, starb gestern Abend in seiner hiesigen Wohnung in Folge eines Schlagansalles. Smith wurde in Harris- burg, Pa., geboren und wurde 72 Jahre alt. Der Verstorbene war ein angesehener Bürger und wohnte seit fünfzig Jahren in Mansfield. Er hinterläßt sieben Kinder. Aleine Ernennungen. Washington, 31. März. D. N. Hall ans Maine wurde an Stelle von Henry Phelps, der vom Amte zurück- tral, zum „Property Clerk" des Ackerbau- ministeriums bestellt. Zu staatlichen Ver- tretern des Ministeriums wurden ernannt: in Illinois Frank A. Dilalush an S. D. Fishers statt, der abgesetzt wurde, und in Wyoming A. S. Mercer an Stelle des E. A. Slack, der abging. Historische Zlrlrunden. Die (Originale der Unabhängigkeits- Erklärung und der Bundes- verfassung Werden nicht auf der Weltausstellung figuriren. Washington, 31. März. Das Projekt, die Originale der Unab- hängigkeitserklärung und der Bundesverfas-sung auf der Weltausstellung znr Schau zu stellen, ist in Folge der energischen Proteste seitens einer großen Anzahl historischer Ge- sellschaften des Landes aufgegeben worden. Es wird nämlich allgemeut die Befürchtung ausgesprochen, daß die historischen Doku- mente auf dem Transport nach und von Chicago beschädigt werden oder gar verloren gehen konnten. Das Staats-Departement ist daher zu dem Schluffe gekommen, daßes besser ist, dieDokumente hier sicher hinter Schloß und Riegel zu behalwn. Es wird zwar behauptet, daß die Bewachung der Dokumente im Staats-Departement sehr viel zu wünschen übrig lasse. Irgend ein auf der Jagd nach Raritäten befindlicher Crank könnte am Hellen Tage den Glas- kasten, in welchem die Dokumente ausbe- wahrt sind, unter einem weiten Mantel verborgen, in aller Gemüthsruhe aus dem Gebäude forttragen. Die Aufmerksamkeit des Staatssekretärs Gresham ist auf die Sache gelenkt worden, und wird derselbe zweifelsohne für eine sichere Aufbewahrung der Dokumente, welche einen unschätzbaren historischen Werth besitzen, Sorge tragen. Schiffbruch. Die Bemannung rettet sich durch Schwimmen. Savannay, Ga., 31. März. Am Mittwoch Nachmittag strandete wäh- rend eines heftigen Sturmes der Schlepp- dampfer Marcett, Capt. Potter, bei Cum- berland, und die Bemannung war genö- thigt, überßord zu springen und an's Land zu schwimmen. Es gelang allen unter den größten Anstrengungen, die Küste zu er- reichen, außer dem Steward Bowen, welcher ertrank. Der Heizer Bogen brach völlig er- schöpft zusammen, als er den Strand er- reicht hatte, und da ihn seine Gefährten für todt hielten, machten sie sich ohne ihn aus den Weg nach dem zehn Meilen entfernten Cumberland Hotel. Das Wetter war kalt und die Leute litten schwer darunter. Nach Zurücklegung von vier Pfeilen wurde Capt. Potter ohnmächtig, und wurde die übrigen sechs Meilen von seinen fast völlig er- schöpften Kameraden auf den Schultern ge- tragen. Im Hotel angekommen siel der Captän und der Lootse Fader in eine tiefe Ohnmacht. Fader war der erste gewesen, der vom Dampfer über Bord sprang und an's Land schwamm. Durch seinen Hel-dcnmuth, daß er sich wieder in die Bran- dung stürzte, um seinen Kameraden Hülse zu bringen, rettete er mehreren derselben das Leben. Als gestern mehrere Personen nach dem Strand gingen, um die Leichen von Bowen und Boyen nach dem Hotel zuschaffen, begegnete ihnen Boyeu, der sichauf dem Wege dahin befand. Derselbe hatte sich, nachdem er 24 Stunden lang in bitterer Kälte und bei dem schweren Sturm am Strande gelegen hatte, wieder erholt. Bowen aber war todt. Satolli celebrirt ein feierliches Hoch- amt. Baltimore, 31. März. Mit dem ganzen großartigen Pomp der katholischen Kirche wurde gestern vom Erz- bischof Satolli, dem unmittelbaren Ver- treter des heiligen Vaters in den Ver. Staaten, in der Kathedrale ein feierliches Hochamt gehalten. Der Cardinal Gibbons wohnte demselben bei und bildete den Schluß der langen Reihe von Altardienern, Seminaristen und Priestern. Der Pfarrer Dr. Magmen, Rektor des Seminars von St. Sulpice von St. Mary, assistirte dem Msgr. Satolli. Die Bank wieder in Ordnung. New York, 31. März. Von Atlanta wird telegraphisch berichtet, daß die Einstellung der Untersuchung der Geschäftsführung der Gate City National- bank, welche auf Befehl des Generalanwal- tes Olney stattfand, eine Erklärung gefun- den hat. Die Großgeschworenen standen im Begriff zwei Beamte der Bank außer- dem Betrüger Redwine in Anklagezustand zu versetzen. Es befinden sich jetzt aber etwa 8400,000 in den Gewölben der Bank, welche eingetrieben wurden, nachdem die Bank geschlossen worden war. Dieser Be- trag nebst anderen Ausstünden würde ge- nügen, um den Depositoren Dollar für Dollar auszuzahlen, wenn das Geschäft ordentlich geführt worden wäre. Eine Anklage von weiteren Bankbeamten würde aber die Geldangelegenheiten der Bank ge- schädigt, und eine Wiedereröffnung dersel- ben unmöglich gemacht haben. Und da- durch wäre den Depositoren ein schwerer finanzieller Verlust zugefügt worden. Brieftauben im Seedienst. Philadelphia, 31. März. Bei der Flottenrevue im nächsten Monat sollen Brieftauben zur Verwendung kom- men, und als Beweis seiner Billigung des Versuches, und in der Ueberzeugung, daß Brieftauben als Boten von der See her be- nutzt werden können, und als Befürwortung des Planes nationale Tanbenschläge für den Seedienst anzulegen, hat Geo. W. Childs, derBesitzer des „Philadelphia Ledger" einen Agenten ermächtigt, für Andenken an das Ereigniß zu sorgen, denjenigen ähnlich, die er im letzten August gestiftet hatte. Ein bitterer Wahlkampf. Columbus, 0., 31. März. Die am nächsten Montag stattfindende Stadtwahl verursacht hier eine gewisse Auf- regung. Es , ist ein bitterer Kampf zwi- schen den Katholiken und der „American Protective Association", welcher Republi- kaner und Demokraten angehören, die sichverpflichtet haben, gegen jeden Katholiken, und jeden Freund von Katholiken zu stim-' men. Der Verein hat angeblich 10,000 Mitglieder, und wird, wenn er siegt,sümmt- liche Katholiken, welche als Lehrer an den öffentlichen Schulen angestellt sind, sofort entlassen. Die Katholiken arbeiten ans eine Lheilung des Schulfonds hin. Neues aus Cuba. Die Insel leidet unter großer Hitze und Wassermangel. Der Handel durch eine Ueberschwemmung mit spanischem Silber geschädigt. Havana, 31. März. Aus allen Theilen der Insel laufen Klagen über empfindlichen Wassermangel in Folge der großen Trockenheit der letzten Monate ein. Mensch und Vieh haben dar- unter schwer zu leiden. Die Handelsverhältnisse sind ebenfalls wenig befriedigend. Die Differenz zwischen Gold und Silber vergrößert sich von Tag zu Tag, und die Kanfleute suchen sich da- durch zu schützen, daß sie ihren Kunden für nahezu jeden Bedürfniß-Artikcl 25Prozcnt mehr als den eigentlichen Preis berechnen, wobei sie als Entschuldigung die Ueber- schwemmung des Geldmarktes mit spani- schem Silber ansühren. Die Cable-Gesell- schaft befördert Depeschen nur gegen Be- zahlung in Gold. Während des ganzen Monates März herrschte große Hitze; das Thermometer stand tagsüber selten unter 90 Grad im Schallen. Der allgemeine Gesundheitszu- stand ist jedoch befriedigend. Im Besitz von fünf lebendigen Wei- bern. Endlich vom Schicksal ereilt. Burlington, Ja., 31. März. Als vor einem Jahre Jennie Marsden von Gladstone hier I. M. Reufro hei- rathete, ahnte sie in ihrem Glücke nicht, daß demselben ein so schnelles Ende gemacht werden würde. Aber schon nach wenigen Monaten ermittelte sie, wie sie sagt, daß sie durchaus nicht die einzige Frau ihres Reufro sei, sondern daß noch vier andere Damen den gleichen Titel beanspruchen. Außerdem klagt die letzte Frau Reufro darüber, daß sie von ihrem Gatten :n Chicago verlassen wurde, nachdem er ihr ganzes Vermögen vergeudet hatte. Die Angelegenheit wurde gestern durch ein Telegramm dem Richter in's Gedächtniß zurückgerufen, welches voneiner anderen Frau Reufro, die sich jetzt in Chicago befindet, kam, und worin diese er- klärt, daß sie jetzt von der Niedertracht Renfro's überzeugt sei und dessen Verhaf- tung veranlaßt habe. Diese Frau Reufro soll eine DelroiterWittwe mit beträchtlichen Mitteln sein, der es auch nicht an Haarenans den Zähnen zu fehlen scheint. Sie er- suchte denRichter telegraphisch, den Aufent- halt der Frau Jennie Marsden Reufro zu ermitteln, und dieselbe autzusordern, nach Chicago zu kommen, um gegen den Vielbc- weibten als Zeugin aufzutretcn. Wie es heißt hat Reufro jetzt fünf lebende Frauen. Die erste wohnt in New York, die zweite in Rock Island, die dritte in Englewood, die vierte in Gladstone und die fünfte ist die Dame von Detroit, welche jetzt zeitweilig ihren Wohnsitz in Chicago ausgeschlagen hat, um den weiberfreundlichen Schwere- nöther zur Strafe zu bringen. Die pennsylvanischen Nulizen Werden während der Weltausstellung hierher- kommen. Harrisburg, Pa., 31. März. Die Nationalgarde von Pennsylvanien wird voraussichtlich während der Weltaus- stellung in der Nähe von Chicago ein ttager beziehen. General-Adjutant Greenland hat sich in diesem Sinne geäußert. Falls das Projcct sich verwirklichen sollte, wird das übliche Feldlager der pennsylvanischen Mi- liz in Mount Gretna während der Sommer- monate in diesem Jahre unterbleiben. Schmutzige Familienwäsche. New York, 31. März. Von Sioux Falls, S. D. wird an die Sun telegraphirt, daß Frau B. W. Dnn- ham, die Frau des früheren Congrcßabge- ordneten und des Präsidenten der Chica- goer Handelskammer, am Samstag die ge- setzliche Zeit in Süd Dakota zugcbracht hat, und sofort eine Scheioungsklage an- strengen wird. Frau Dnnham kam hier gegen Weihnachten in Begleitung des Ma- jors Allyn eines Banquicrs, an. Vor einer Woche begann Dunham in Chicago eine Scheidungsklage auf Grund von Ehe- bruch. Dies erregte die Entrüstung der Frau Dunham, und in den Papieren, welche sie morgen beim Gericht einreichenwird, werden eine Reihe von schweren Be- schuldigungen erhoben. Die Hauptgc- genklage wird auf Ehebruch lauten, und in der Klageschrift werden verschiedene Namen genannt. Die Ankunft des Dampfers „Hekla" durch Beschädigung der Wa- schine verzögert. New York, 31. März. Der Dampfe „La Normandie" von Havre ist angekommen. Der Kapitän berichtet, daß er am 27. März, Abends um halb sechsUhr, mit dem Dampfer „Hekla," Kapitän Thomsen, von Copenhagen nach New York, Srgnale gewechselt habe. Der „Hekla" hatte Beschädigung an seiner Maschine er- litten, den Schaden aber ausgebessert, und dampfte mit einer Geschwindigkeit von achl acht Meilen die Stunde seinem Ziele zu. (Opfer der eigenen Unvorsichtigkeit. Pittsburg, Pa., 31. März. Gestern, am späten Nachmittage, wurden drei t>lrbeiter Namens Honseman, Ryan und Kimmel, welche in Ryan L Brown's Steinbruch bei der Station Aetna, an der Piltsburg L Western Bahn beschäftigt waren, Opfer einer Dynamitexplosion. Die Leute hatten einen Zünder angesteckt und hatten sich in Sicherheit gebracht. Der Zünder aber brannte so langsam, daß sie glaubten, er sei erloschen, und sie gingen hin, um ihn wieder anzuzünden. Grade als sie znr Stelle waren, fand aber die Ex-plosion statt. Houseman starb schon wäh- rend der Nacht an den erlittenen Verletzun- gen, Ryan ist tödtlich verletzt, Während Kimmel wieder hergestellt werden wird. Houseman hinterläßt eine große Familie - Ryan ist der Sohn eines der Eigenthümer des Steinbruchs und verheirathet. Doch eine Pacificliaffn. Nlit demßau der „Lanada Western" Wird demnächst begonnen. Vancouver, B. C., 31. März. Frank Bakeman, von welchem das Pro- jekt des Baues der britischen Pacific-Eisen- bahn, seit einiger Zeit mehr unter dem Namen „Canada Western" bekannt, ausge- gangen ist, erklärt, daß die finanziellen Arrangements für den sofortigen Beginn des Bahnbaues nun getroffen seien. An der Spitze des hauptsächlich aus London'er Capitalisten bestehenden Consortiums steht Lord Thurlow, ein Mitglied des englischen geheimen Rathes. Das New Yorker Consortium ist durch E. N. Dickerson repräsentirt. Das Lon- doner Consortium verfügt überein Capital von H5,000,000. Der Bau der Bahn wird etwa kosten, welche durch Syn- dikate ausgebracht werden sollen. Dieselben haben sich bereit erklärt die auszugebenden Bonds auf der Basis von ungefähr 815,000 per Meile zu acceplircn. Dies würde eine Schuld von etwa HB,OOO bis HIO,OOO per Meile belassen. Hochwasser verursacht eine empfindliche Störung des Bahnbetriebes in Nord Dakota. Mandan, N. D., 31. März. Der Hart-Fluß ist seit gestern so gewal- tig gestiegen, daß der Betrieb auf der östli- chen Strecke der Missouri-Eisenbahn einge- stellt werden mußte. Die Eisenbahnbrückc über den Fluß in der Nähe von dieser Stadt wurde, da man ihre Zerstörung befürchtete, rechzeitig ent- fernt und alle nach dem Westen bestimmten Züge müssen hier Halt machen. Die Stadt selbst ist nicht bedroht. Räthselhaftes Verschwinden. S t. I o s e p h, Mo., 31. März. Am 13. ds. reiste Herr Robert Warring, der Kassirer der Mokaska Manufacturing Company Hierselbst, ein noch junger Mannvon 28 Jahren und ledig, zu kurzem Auf- enthalt nach Chicago, um dort mit dem früheren Geschäftsführer seiner Gesellschaft, eiipeir: Herrn Andrews, der sich mit seiner Frau auf der Reise nach dem Westen befand, zusammenzutrefsen. Daß er dort ange- kommen, weiß man, aber seitdem ist auch der junge Mann vollständig verschollen. Das Andrews'sche Ehepaar hat ihn nicht zu Gesicht bekommen, und kein Mensch weiß von dem Verschwundenen auch nur das Ge- ringste. Da er nur geringe Baarmittel bei sich führte und seine Kasse sich in bester Ordnung befindet, so kann von einem vor- sätzlichen Verduften nicht die Rede sein. Vermuthlich ist der Bedauernswerthe auf dem Wege vom Bahnhose nach dem Hotel beraubt und auf die Seite geschafft worden. Beschleunigter Postverkebr. W a s h i n g t o n, 31. März. Um denPostverkehr zwischen den StaatenWashington, Oregon, Moniana und 'Nord- Dakota einerseits und Yokohama, Sbangai und Hongkong andererseits zu beschleuni- gen, erließ das Generalpostamt eine Ver- fügung, wonach derPostmeister von Tacoma im Staate Washington angewiesen wird, den Postverkehr mit Yokohama in Japan und mit Shanghai und Hongkong in China durch die Dampfer, die zwischen jener Stadt und dem letztgenannten Hafen fahren, zu vermitteln. Die erste'Post geht von Tacoma am 18. k. M. ab. Die Unruhen i,n Indianergebiet. Autlers, I. T., 31. März. Gestern begab sich der Richter Duke mit fünfzehn Mann von Paris nach Talihina. Dort angekommen hielt Duke eine Rede, in welcher er sagte, daß Locke und seine An- hänger geschlagen werden würden. Heule wurden von beiden Parteien große Vorbe- reitungen für eine Schlacht getroffen. Heute Nachmittag passirten sechszchn beritteue Milizen auf dem Wege nach Goodland hier- durch. Auf dem südlich gehenden Zuge be- fanden sich 65 Mann Truppen. Außerdem befiudet sich in Goodland eine Abtheilung. Locke hat sich von der Stadt über den Fluß nach seiner Ranch, auf dem östlichen Uferdes Kiamitia Flusses, etwa drei Meilen nordöstlich vom Orte, zurückgezogen. Nie- mand kennt die Stärke seiner Anhänger, dieselbe soll aber bedeutend sein. Gouver- neur Jones wird morgen früh in Paris ankommen. Vorn Kriegsminister und dem Minister des Innern ist Hülse verlangt worden. Wurden zahlungsunfähig. Poplar Bluffs, Mo. 31. März. Gestern Abend wurde das Geschäft vonLyons «L Warner wegen Zahlungsforde- rungen im Betrage von 820,000 geschlos-sen. Die Ausstände beliefen sich auf etwa die Hälfte jener Summe. Jake Lyons, Bruder eines Mitgliedes der Firma ist der bedeutendste Gläubiger. Brauchte wehr Geld als er hatte. Oklahoma City, I. T., ( 31. Mürz, j Heute wurde W. L. Bradford, der Clerk von Oklahoma County, wegen Untcr- schleifnng von 86000 verhaftet, und unter 815,000 Bürgschaft gestellt. Städtisches. ln den 22. Straßen- und Canalport Ave. Polizeistationen hat abermals ein Beamtenwechsel statlgefunden. Vor eini- gen Monaten wurde derLieutenant Barrett von der 22. Straßen- nach der Canalport Ave.-Station versetzt und seine Stelle in der ersteren durch den Lieutenant Nehm ausgefüllt, Vorgestern wurde die Sache rückgängig gemacht, sehr zum Acrger des Lieut. Rehm, der gerne in der 22. Slraßen- Station geblieben wäre. Hilfs-Stadtcollector Barrett mußte heute Morgen auf Befragen zugcben, daß Alderman O'Brier: allerdings mit der Be- zahlung seiner Lizens sehr ini Rückstände sei und machte kein Entschnldigungsversuch.Dagegen erklärte er in Bezug ans County - Commissär Panoch, daß dieser, nachdem er sein Amt angetreten habe, die Wirthslizcns nicht in seinem eigenen Namen nehmen mochte, aber das Geld dafür deponier habe. wie man Polizist wird. Das Examen der Applikanten zu einem frechen Betrüge benützt. Der Schwindel endlich bemerkt. Der Sekretär im Polizeidepartcment, Johnson, welchem die Prüfung der neuen Applikanten obliegt, hat eine sehr interes- sante Entdeckung gemacht und ist nun in der Lage, einem Schwindel, der anscheinend schon seit einiger Zeit -betrieben worden ist, ein Ende zu machen. Die Prüfung derApplikanten fand bis seht in der Weise statt, daß ihnen ein Bogen mit verschiedenenFragen übergeben wurde, welche sie an Orl und stelle schriftlich zu beantworten batten. Aus irgend welchen Gründen, wahrschein- lich aus Bequemlichkeit des Prüfenden, waren diese Fragen schon seit längerer Zeit immer dieselben geblieben und hieraus hatte ein findiger Kopf seinen Plan gebaut. Sekretär Johnson hatte neulich einem Straßenbahn-Eonduktcur, A. H. Anderson, die üblichen Fragebogen übergeben und dieser sich einige Zeit damit beschäftigt. Zn seinem Erstaunen sah Herr Johnson, wie Anderson den Fragebogen einsteckte, einen anderen hervorholle und ihm dann mit der größten Seelenruhe den bereits ausgestellten Bogen überbrachle. Man erzählte sich bald daraus in der Nähe der Office, daß ein Eondukteur dieselbe mit sehr großer Hast verlassen habe. Vorher mußte er sich jedoch noch zu dem Geständniß bequemen, er habe die ausgesüllten Formulare von einem Con- dukleur der Lincoln Ave.-Linie erhallen, dessen Namen er jedoch nicht angeben wollte. Bei einer anderen Gelegenheit erhielt Herr Johnson ausgefüllte Papiere, aus denen die Antworten von anderer Hand geschrieben waren als der derjenige des Ap- plikanten. Als derselbe sich neulich erkun- digte, ob er das Examen bestanden habe, wurde ihm gesagt, er müsse das Examen noch einmal machen, da seine Papiere ver- loren gegangen seien. Zu diesem Zwecke erschien der Applikant heute wieder und wurde dabei abgefaßt, wie er das leere Formular mit den ausgefüllten vertauschen wollte. Eine Untersuchung soll eingeleitet wer- den, da nach Herrn Johnson's Erklärung noch mehrere ähnliche Schwindeleien vor- gekommen sind. Zunächst werden jedesmal neue Fragen gestellllwerden und ist dadurch dieser Betrug unmöglich gemacht. Der Andrang zur Polizei ist jetzt ein ungewöhn- lich großer, da nach der Bewilligung 300 neue Stellen zu besetzen sind. In kILZ-rantl abgefaßt. Joseph Lee leistet verzweifelten Widerstand. Richter Seversorr überwies heute Vor- mittag Joseph Lee unter HISOO Bürgschaft den Großgeschworenen. Lee war gestern Abend durch den Polizisten Wagner der W. Chicago Ave.-Station verhaftet worden, als er damit beschäftigt war, zwei Kisten mit Taoak, welche vor H. O. Dickinsons Tabaksgeschäst an Milwautee Ave. gestan- den halten, zu stehlen. Als Lee gefaßt wurde, wehrte er sich so verzweifelt, daß der Polizist sich genölhigt sah, ausgiebigen Ge- brauch von seinem Knüppel zu machen. NnglücklicherrFall. kV. Aruse wird zu Boden geworfen und bricht sich ein Bein. Vor Richter Woodman stand heute früh Henry Gehring unter der Anklage des An- griffs und wurde bis znm 10. April unter HBOO Bürgschaft gestellt. Er war gestern Abend kurz nach 11 Übr in der Wirthfchaslvon I. Friedmann, 57 W. Madison Slr., mit 'Wilhelm Krufe in streit geralhcn, der bald in Thätlichkeiten ausartele. Gehring ergriff Kruse und warf ihn zur Seitenthüre hinaus. Kruse stürzte so unglücklich zuBoden, daß er sich das rechte Bein unterdem Knie brach. Er wurde in das County Hospital gebracht und Gehring verhaftet. Gerechte Strafe. John Meisler bringt einen Polizisten in Lebensgefahr. John Meisler wurde heute von Richter Severfon um HSO und die .«osten gestraft. Er war gestern Nachmittag in vollem Ga- lopp über den Ashland Ave. Viadukt ge- fahren, so daß sich Polizist Cronin veran- laßt sah, die Pferde aufzuhalten und Meis- ler zu verhaften. Als der Blaurock in den Wagen gestiegen war, sprang Meisler plötzlich heraus, warf die Leinen auf die Erde und hieb mit der Peitsche auf die Pferde ein. Die erschreckten Thiere zogen an und rissen das leichte Buggy in wilden Sätzen hinter sich her. Der Polizist suchte die Leinen zu fassen, doch war ihm dies nichtmöglich. An Austin Ave. rannte der Wagen an einen Laterncnpfahl und Cronin wurde herausgeschlendcrt. Passanten hatten in- zwischen Meisler festgeballen und lieferten ihn dem Polizisten aus. Die Pferde liefen in einen Holzhos und wurden dort festge- halten. Der Polizist ist mit einigen Haut- abschürfungen davongekommen. Streitende Schwäger. Seth I. C. Luther, ein in Lamont wohn- hafter Farmer, machte gestern im Oberge- richl gegen seinen Schwager John Elsey widerrechtlicher Gefangenhaltung eine Schadenersatzklage von H15,000 an-hängig. Elfen, der schon seit mehreren Jahren mit seinem Schwager Luther auf .«riegsfuß staud, hatte Letzteren vor einigen Monaten wegen Angriffs verhaften lassen. Luther wurde jedoch damals von dem Rich-ter Adams sreigesprochen. Er behauptet jetzt, daß Elsey ihn nicht allein durch aller- hand Machinationen um sein Vermögen ge- - bracht habe, sondern ihm auch in jeder er-denklichen Weise das Leben zu verbittern suche. Klager sowohl, wie der Angeklagte sind über 70 Jahre alt. Abonnirt auf das Abendblatt der Illi-nois Staatszeitung. Nur 1 Cent.
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