Abendblatt Der Illinois Staats Zeitung Newspaper Archives Apr 1 1893, Page 1

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Abendblatt der Illinois Staats Zeitung (Newspaper) - April 1, 1893, Chicago, Illinois46. lahvgarrg.—Uo. 6. Chicago, Sarrrstag, 1. Apcii 1893. I Cent. Tekeflrapsiisctie Depesctien. Grauenhaft! Brand eines Hotels in jZennsyl- vanien und Entsetzlicher Verlust an Menschenleben. Bradford, 1. April. Heute früh um 20 Minuten nach Vier wurde iu dem in der hiesigen Mainstraße gelegenen „Higgins Hotel" ein Feuer ent- deckt. Im dem Hotel wohnten hauptsäch- lich Eisenbahnbcdienstete, deren bei Aus- bruch des Brandes wohl sünsundsiebzig in dem Hause schliefen. Ein großer Theil derselben stürzte sich aus dem Fenster in den vor dem Hotel vorbeiflicßenden Bach und entgingen auf diese Weise einem fürch- terlichen Tode. Der Bahnhof und der Güterschuppen der Buffalo, Rochcster und Pittsburger Bahn ist vollständig einge- äschert, wie auch der Lcroy'sche Grocerie- ladeu. Dreiundzwauzig Personen werden vermißt, und werden jetzt Nachforschungen nach denselben angestellt. Pittsburg, Pa., 1. April. Eine Specialdepesche von Bradford be- richtet folgendes: Zwanzig Minuten nachvier Uhr wurden daS Higgins-Hotcl, der Bahnhof der Buffalo, Rochester und Pitts- burg-Bahn, die Higgins'sche Cigarrenfabrik und der Grocerieladen nebst Gebäude von I. Leroy durch Feuer zerstört. Es sind wenigstens sechs Personen in den Flammen nmgekommen, und die Zahl der Verletzten beträgt von 20 bis 30. Die Leichen von sechs Verunglückten sind bereits aus den Ruinen herausgeschasft werden; dieselben sind bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Gestern Abend begaben sich 125 Personen in dem Gebäude zur Ruhe, und obgleich' man wußte, daß sich viele durch Herab- springen aus dem zweiten und dritten Stockwerke retteten, wird doch befürchtet, daß viele andere in den Flammen umka- men. Die erste Leiche wurde nach sechs Uhr gefunden; dieselbe war nicht erkenn- tar, und bestand nurZaus einer Masse ver- brannten Fleisches; auch die später aufge- fundcnen boten denselben Anblick. Die Nachsuchungen dauern noch fort, und es läßt sich zur Zeit noch mit gar keiner Be- stimmtheit angeben., wie viel Menschen dem Feuer zum Opfer fielen. Es wird be- fürchtet, daß manche von den Leuten, welcheaus den Fenstern sprangen, in den Bach stürzten und dort ertranken. Die Gäste des Higgins-Hotels wurden durch einen Mann ails dem «Lchlafe geweckt, der durch die Kor- ridore lies, an die Thüren pochte und den Alarm gab. Männer und Frauen stürzten aus ihren Zimmern auf den Corridor, wel- cher bereits von Rauch und Flammen ein- gehüllt war, und es ertönte das Geschrei: „Springt zum Fenster hinaus, rettet Euch." Viele befolgten den Rath, aber das Springen war gefährlich; vom oberen Stockwerk betrug die Höhe auf der West- seite 30 Fuß, mil einem hölzernen Fußweg unten. Alls der Ostseite war der Bach und die Höhe betrug 40 Fuß. Mehrere Perso- nen sprangen in den Strom und wurden gerettet. Herr und Frau Higgins ent- kamen aus dem brennenden Gebäude, nach- dem sie beinahe durch Rauch erstickt waren. Frau Higgins war schwer beschädigt und wurde nach dem Riddell House geschafft. Bradford, 1. April. Eine große Anzahl Menschen haben bei dem Brande des Higgins Hotels das Leben verloren und Viele sind schwer verletzt wor- den. Das „Riddell House" ist zu einem Nothhospital umgewandclr, und liegt hier in einem der Zimmer der Professor Neu- meyer, Mitglied des Jamison'schen Or- chesters. Demselben ist der linke Fuß zer- quetscht und hat auch innerlich schwere Ver- letzungen davongctragen. I. W. Osborne liegt in einem anderen Zimmer, mit beiden Beinen gebrochen und verletztem Rückgrat; und in noch einem anderen Zimmer befin- den sich zwei Männer, die am Kopf und innerlich schwer verletzt sind. Ferner be- finden sich unter den Verwundeten zwei Frauen, die an Händen und Gesicht mit Brandwunden bedeckt sind. Einer dieser Frauen verlor ihr Kind in den Flammen und jammert und wehklagt in wahrhaft herzzerreißender Weise. Ein Junge Namens John Johnson wurde angetroffen, wie er mit einem zwei-jährigenKinde aus dem Arme, dem Gesicht und Aermchen schwer verbrannt waren, auf der Straße herumwanderte. Die Entstehungsursache des Brandes ist Nicht ermittelt, doch soll das Feuer von einem Gasofen ausgegangen sein. Folgendes ist ein Verzeichniß der Ver- wundeten : Hal Rhodes, Fußverstauchuug. James Bryser, Schnittwunden im Ge- sicht Händen und Füßen. W. D. Drysdale aus Johnsonburg, in- nerliche Verletzungen. I. D. Cade aus Jamestown, am Kops verletzt. H. I- Campbell aus Bellwood, Arm- Lruch und Hüstenausrenkung. Harry Jones, Verletzungen am Kopf und an den Händen und im Gesicht. James Brisson, Kopfwunden. . W. I. Holliday, Reisender, Fuß ge- brochen. Frau Weaver, am Kopf und au dem Armen verbrannt; Mutter des Kindes, Welches vermißt wird. Juby Hanuon, ein Glasbläser, inner- liche Verletzungen und Schnittwunden am Kopf und an den Händen. Der Hotelclerk I. Cody, Brandwunden und Verletzungen die er sich beim Springen zuzog. W. I. Osborne aus Buffalo, amRücken verletzt; wahrscheinlich derRückgrat entzwei und die Verletzung tödtlich. Frau Niggins, Brandwunden und in- nerliche Verletzungen. I. W. Neumeyer, Beinbruch. Frau E. Tucker aus Elmira, nebst Kind; alle beide am Kopf und am ganzen Leibe schwer verbrannt. W. D. Dryscoll, innerliche Verletzungen. Richter Higgins, eine Hand gebrochen und mit Brandwunden bedeckt. Der Heizer Tad Burns von einer ein-gestürzten Mauer schwer verletzt.Der Nachlclerk F. Pickard, Beinbruchund innerliche Verletzungen. Der Koch McNabe, Gesicht und Hinter Kopf verletzt. Mike Collins, Verletzungen am Ober- körper. W. F. Hasted, innerliche Verletzungen. Aus den Trümmern wurden als Leichen hervorgezogen: Der Maschinist Parks, in der Werkstätte der Eisenbahn angestcllt. Der Lokomotivführer P. Havelin. Ein Fräulein G. Bond. Das waren bis um Zehn alle, die in den Trümmern aufgefunden wurden. Plan weiß noch, daß sich der Anstreicher Tom Cullen und das Kind der Frau E. Tucker unter dem Brandschutt befinden. Der Brandschaden dürfte sich auf 100,000 Dollars belaufen. Schwerer Eisenbahnunsall. Lin Frachtzug durchbricht eine hölzerne Bahn- brücke. Jug Tavern, Ga., 1. April. Gestern Abend brach Zug No. 11 der Gaiuesville, Jefferson L Southern Bahn drei Meilen von hier durch die unter dem Namen „The Trestle" bekannte Eisenbahn- brücke. Der Zug bestand aus acht Fracht- und zwei Passagiercars. Die letzteren waren mehr als gewöhnlich besetzt, aber trotzdem wurden nur sechs Passagiere schwer verletzt, während ein Bahnbedieusteter sofort seinen Tod fand. Folgendes ist die Liste der Todten und Verwundeten: Getödtet wurde der farbige Bremser Thomas Seth. Verwundet wurden: Der Zugführer C. F. Moß, wahrscheinlich tödtlich; zwei Unbekannte, ebenfalls allem Anscheine nach tödtlich; Judge Winburn, der Postbeamte, schwer am ganzen Körper zerquetscht; Frl. Alma Williams, 16 Jahre alt, von Social Circle, wahrscheinlich tödtlich; Pfarrer I. H. Wood von Jug Tavern, ebenfalls wahr- scheinlich tödtlich. Es ist als ein wahres Wunder zu betrach- ten, daß überhaupt Jemand lebendig da- vongekommen ist. Die zerbrochenen Balken des Brückengerüstes sind haushoch aufge- thürmt, und als die Opfer des Unfalls aus den Trümmern herausgeschasft wurden und noch Leben zeigten, wollten die Zuschauer kaum ihren Augen trauen. Die Brücke war vor neun Jahren aus Holz erbaut und wurde für vollkommen sicher gehalten. Der Hülfszug von Gaiuesville langte gegen halb elf Uhr mit einer starken Ar- beiterabtheitung an, und man begann sofort mit der Wcgfchafsung der Trümmer. Die kleine Bahn erleidet durch den Unfall einen Verlust von etwa HIOO,OOO. Die Bahn ist von der Georgia Ceutral-Bahn gepachtet. Diejenigen Verletzten, welche transpor- tirbar waren, wurden hierher gebracht, und von den Bahnärzten sofort in Behandlung genommen. Ein dankbarer Tramp Vermacht seinem Wohlthäter rz2,000. Pittsburg, 1. April. Menschenfreundlichkeit findet doch hier und da ihre Belohnung. Dies beweist der Fall des E. L. Kreißing von der „Home Dressed Bcef Company" dahier, dem von einem ehemaligen Tramp, dem er einmal Gutes erwiesen hatte und der kurz vor sei- nem Tode iu den Besitz eines hübschen Ver- mögens gelangte, volle H12,000 vermacht worden sind. Die mit diesem merkwür- digen Falle zusammenhängenden Umstünde sind folgende: Eines Tages, vor etwa einem Jahre, als Kreißing die Carsonstraße entlang ging, wurde er von einem völlig zerlumpten Tramp uni ein Almosen angesprochen. Das ganze Benehmen des ManneS zeigte, daß er einmal bessere Tage gesehen hatte und Kreißing konnte ihm sein Mitleid nicht ver-sagen. Er nahm ihn mil sich nach einem Restaurant und ließ ihm eine gute Mahl- zeit vorsetzen. Sein Interesse an dem Fremden wurde noch durch die Entdeckung erhöht, daß der Unglückliche sich völlig des Genusses von geistigen Getränken entstell, was bekanntlich nicht nur bei Tramps, sondern auch .wohlanständigen Menschen verhültnißmüßig eine Seltenheit ist. Kreißing kaufte schließlich dem Manne ein Ticket nach seiner Heimath, dem Städt- chen Kitanning in diesem Staate, und der- selbe trat, nachdem er seinem Wohlthäter unter Thränen gedankt, die Heimreise an. Vorher aber halte er sich zur großen Ver- wunderung Kreißing's, dessen Namen und Adresse aufschreiben lassen. Darüber ging ein Jahr in's Land und Kreissing hatte den Vorgang völlig vergessen. Man stelle sich das Erstaunen Kreißing's vor, als demsel- ben vor einigen Tagen von einem Advoka- ten aus Kitanning die Miltheilung gemacht wurde, daß jener Tramp kürzlich gestorben sei, und ihn beim Herannahen seines Todes zum Erben seines Vermögens im Betrage von etwa tz12,000, das ihm erst kurz vorher zugesallen war, eingesetzt hätte. Der interessante Vorfall wird dadurch noch um so merkwürdiger, daß ein anderer C. L. Kreißing, der in Lockhaven, Pa., wohnt, sich als den Wohlthäter des verstor- benen Tramp ausgiebt und aus dessen Hin- terlassenschaft Anspruch erhebt. Das neueste Luftschiff. rvenn's nur gehen wird. Kansas City, Mo., 1. April. Ein Herr A. A. Kellogg von Clinton, Mo., hat angeblich ein Luftschiff erfunden, über das die Besucher der Weltausstellungin Erstaunen gerathen sollen. Dasselbe soll Fuß lang und 20 Fuß breit werden; dem Aeußern nach wird es einem Rad- dampfer gleichen, und als Herstellungs- Material soll spanisches Rohr und Alumi- nium benutzt werden. Electricitüt soll die Triebkraft liefern. Die Weltausstellungs-Briefum- schläge. ' Washington,!!). C., 1. April. Heute wurden zum ersten Male die co- lumbischen gestempelten Briefumschläge in den Handel gebracht. Die Hauptkennzeichen derselben ist ein Adler mit ausgebreiteten Flügeln. Die Werthbezeichnung corre spondirt in der Farbe mil denen der Post- marken. Gxtva-Dittt. Dieselbe soll zmn September be- rufen werden. Sprecher Crisp vom Präsidenten davon benachrichtigt. And über feine Stellung ;ur L'ilber- nnd Zollfrage ausgeforscht. Wichtige Veränderungen in den Aus- schüssen. Holman und Springer sollen abgetakelt werden. Washington, 1. April. Die hiesige „Post" schreibt heute fol- gendes : Der Sprecher Crisp hat gestern mit dem Präsidenten betreffs Berufung einer außer- ordentlichen Congreßsitzung eine Unter- redung gehabt; der Präsident hat in dieser Unterredung Herrn Crisp die Versicherung abgefordert, daß er für die Politik des Prä- sidenten in Bezug auf Pensions-, Silber- und Zollgesetzgebung eintreten werde. Der Sprecher hat jene Versicherung ertheilt. Daraufhin ist ihm die Mittheilung gemacht worden, der Präsident werde zum Septem- ber den Eongreß einberufen, und möge er, Herr Crisp, sich sofort an die Zusammen-setzung der Ausschüsse machen. Da die Absicht besteht, Springer vom Vorsitz des Ausschusses für Mittel und Wege zu verabschieden, so ergiebt sich die Noth-wendigkeit, diesen Posten neu zu besetzen. Den zweiten Rang nach Springer nimmt McMillin unter den Mitgliedern des Aus- schusses ein; auch ist von Wilson die Rede. An Holman's Stelle, der im Budget-Aus- schuß den Vorsitz leitete, wird dem Verneh- men nach der Abg. Sayers treten. Im Ausschuß sür Aeußcres wird durch Blount's Austritt aus dem Eongreß die Vorsitzerstelle erledigt: Abg. Chipman wird dafür ge- nannt. Durch Herbert's Uebertritt ins Flotten- ministerium hat der Flottenausschuß seinen Vorsitzer eingebüßt und glaubt man, daß Amos Cummings gute Aussichten auf diese Stelle habe. Outhwaite soll des Vorsitzes im Militärausschuß enthoben werden. Der Vorsitz im Ausschuß für das Pen- sionswesen soll dem Abg. Tarsney aus Missouri von dem Sprecher Crisp gleich nach dessen Zusammenkunft mit dem Prä- sidenten angebolen worden sein, doch stellte derselbe für seine Annahme die Bedingung, daß der Präsident dem Eongreß seine Wünsche bezüglich der Pensionsgesetzgebung in einer Botschaft darlege und der „Ornncl ok klm ikepudlio" in dem Aus- schüsse nicht das Uebergewicht eingeräumt werde. Im Ausschuß für Einwanderung wird, wegen des Austritts Slumps, der Posten eines Vorsitzenden zu besetzen sein. Bedeutender Feuerschaden. Zwei Menschen verbrannt. Walnutßidge, Ark., 1. April. - Gestern Abend um acht Uhr brach in dem dritten Stockwerk des Star Hotels Feuer aus, in Folge dessen dasselbe gänzlich nie- derbrannte und auch mehrere benachbarte Gebäude eingeäschert wurden. Leider ist auch der Verlust von zwei Menschenleben zu beklagen. Als die Bewohner des Hotels die Straße erreicht hatten, fand man, daß der siebenjährige Sohn des Eigenthümers, Davidson, noch nn zweiten Stockwerk zu- rückgeblieben war; ein Irländer, Namens Fitzgerald, stürzte die brennenden Treppen hinauf, um das Kind zu retten, aber ehe er zurückkommen konnte, stürzten die Mauern ein und die Uebcrreste wurden mehrere Stunden später unter den Ruinen ausgefunden. Das Feuer verbreitete sich über die benachbarten Gebäude, und ehe es gelöscht werden konnte, lagen beinahe zwei Geschüstsgevierte des Ortes in Asche. Der Gesammtverlust wird auf H125,000 abge- schützt, dem nur eine Versicherung von tz30,000 gegeliüberstehl. Den Hauptverlust erleiden das Star Hotel mit HI0,000; R. Arndt-mit H12,000; Wm. Pauder «L Co., EUcnwaarenhandlung, mit H12,500; M. Rankin, Eisenwaarenhändler, mit H 5000; Sexton «L Andrews, Grocer, mit H3OOO, und der Hotelpächtcr Davidson mit GSOOO. Während die Geschäftshäuser hier nieder- brannten, brach auch in der Sägemühle der Kansas City L Southern Lumber Co. in Portia Feuer aus, welches einen Schaden von tz20,000 anrichtete. Vielleicht in Folge knabenhafter Liebe. Bingha m t o n, N. B-, 1- April. Gestern wurde Everelt Hine, der vier- zehnjährige Sohn von William Hine, einem jetzt in Chicago wohnenden Barbier, mil drei Kugelwiinden im Körper todt im Walde ausgefunden. Er war mit einigen Kameraden in den Wald gegangen, um Wintergrün zu suchen, und später machten sie mit einem Revolver, den Hine bei sich trug, Schießübungen. Als die Jungen sichans den Rückweg begaben, blieb Hine zurück und gleich darauf fielen zwei Schüsse, welche aber nicht weiter beachtet wurden. Später jedoch, als Hine nicht zurückkehrte, durch- suchte man den Wald und fand den Kna- ben, wie eben beschrieben, todt vor. Er war ein etwas überspannter Knabe und hatte sich in ein Mädchen gleichen Alters mit ihm verliebt, das er zu erschießen ge- droht hatte, wenn sie ihm untreu würde. Dies wird als Grund des Selbstmordes angegeben. Der Vater hatte seine Familie vor mehreren Monaten verlassen. Lorrespondenten-Flunkerei. Washington, 1.April. Der Staatssekretär Gresham erklärte heute Morgen, daß an dem Bericht, welcher von deni Berliner Correspondenteu an den Londoner „Standard" gesandt sei, wonach der amerikanische Gesandte in St. Peters- burg angewiesen sei, alle Unterhandlungen über den russischen Vertrag abzubrcchen, da-mit die ganze Angelegenheit nochmals die-ser Regierung unterbreitet werde, kein wah- res Wort sei. Schwerer EisenlmtMmfaU. Eine Acenae Verwundeter, jedoch kein Todter. Mehrere Lhicagoer Opfer des Unfalles. Leadville, Eol., 1. April. Der Passagierzug der Denver L Rio Grande-Bahn von San Francisco nach Denver, ging von hier dreißig Minuten nach der Fahrplanzcit ab, und entgleiste eine Meile unterhalb der Stadt. Es be- fanden sich über 200 Paßagiere auf dem Zuge, und derselbe bestand aus acht Passa- gier- und zwei Gepäckwagen. Das Un- glück wurde durch Spreitung der Schienen verursacht, und die beiden Schlascars ent- gleisten zuerst. Diesen folgten fünf Passa- gierwagen, von denen vier auf die Seite fielen, fodaß die Passagiere nach allenRich- tungen durcheinander geworfen wurden. Die Seitenwände der Cars, die Treppen und die Fenster wurden zertrümmert, die Lichter erloschen und es herrschte die furcht- barste Verwirrung. Es nahm jedoch nur kurze Zeit, um die Verletzten aus ihrer gefährlichen Lage zu befreien, und dieselben wurden sofort in den hiesigen Hotels untergebracht. Zu Tode kam Niemand, aber es fanden eine Menge Quetschungen statt, und siebzehn Personen wurden mehr oder weniger schwer beschä- digt. Bis elf Uhr befanden sich sämmt- liche Verletzte unter Dach und Fach. Folgendes ist die vollständige Liste der Beschädigten: Frau E. Butler von San Francisco, am Kopfe verwundet. I. T. Cahill, Los Angeles, Cal., Ver- letzung der Hüfte. I. B. Dolton von Chicago, schwer be- schädigt. Frau T. A. Guthrie von Oakland, Cal., Verletzungen am Gesicht.. Frau T. A. Haywood von Sacramento, Cal., Verletzungen am Kopfe und den Ar- men. I. E. Haywood von St. Cloud, Minn., Kopf- und Rückenverletzungen. H. I. Higgins von Leadville, Col., un- bedeutende Verletzungen am Kopfe. Annie Lynch, 15 Strong Place, Colvres, N. A., Quetschungen am ganzen Körper. Frau Henrietta Marlin vom Dublin, Irland, innere Verletzungen. T. N. Nye von New Jork, Bruch der Schulter. Frank Owens von Leadville, schwer durch Glassplitter verletzt. E. T. Perry von St. Louis, Verrenkung der Schulter. E. R. Pike von Chicago, Verletzung der Hüfte. Frau E. R. Pike von Chicago, leichte Verletzungen am Kopf. I. L. Wallace von Mercer, Pa., schwere Verletzung am Knie. C. H. Walling von Shepard, Mich., Bein beschädigt. Frau George Wilson von Chicago, Ver- letzungen am Kopf. lüDer Zug befand sich zur Zeit des Un- falles auf einer Biegung der Bahn, und es ist ein wahres Wunder, daß nicht mehr Unglück angerichtet wurde. Das Geleise wurde auf eine Strecke von fünfzig Pards aufgerissen, und die Schienen und Schwel- len wurden vollständig aus dem Bahnbelte: herausgeschleudert. Die Arisis in Frankreich. Meline mit der Bildung eines neuenLabinets betraut. Paris, 1. April. Unter allen politischen Gruppen herrscht eine unterdrückte Aufregung, und mit be- trächtlicher Besorgniß wird dem endlichen Resultat der Crisis entgegengeschen. Die Gerüchte darüber, wem der Präsident Car- not die Bildung eines neuen 'Ministeriums übertragen würde, sind durch die Mitthei- lung, daß sich M. Meline der Aufgabe un- terziehen wird, zur Ruhe gebracht. Meline ist Advokat, und wurde im Jahre 1838 ge- boren. Während der Belagerung von Paris war er Adjutant des Bürgermeisters des ersten Arrondissements. Im Jahre 1872 wurde er in die Deputirtenkammer gewählt, und im Jahre 1876 war er Uulerstaats- sekrctär im Justitsministerium. Im Jahre 1881 wurde er zum Ackerbauministcr er- nannt. Während seiner Amtszeit als sol- cher gründete er den Verdienstorden für Landwirthe. Im Jahre 1888 wurde er zum Prüsidlnten der Dcpuiirtenkammer er- nannt. In der Politik ist er Opportunist. Wußte sich drücken. .Hot Springs, Ark., 1. April. Die hiesige Polizei geht den Schleppern und Bauernsängern sehr scharf zu Leibe. Dem „Grand Central Pete", der aus New Pork stammt, war heute eine 24stündige Frist zum Verlassen dieser Stadt gegeben worden, und er hat sich dieselbe schleunigst zu Nutze gemacht. Die Polizei ist noch hinter anderen Burschen seines Gelichtersher, konnte aber derselben bisher noch nicht habhaft werden. Gut für Zagdliebhaber. M aco mb, Jll., 1. April. Gestern erhielt Dr. W. O. Blaisdell fünf Paar indischeRebhühner, welche von James Currie, dem amerikanischen Consul von Koracka, Indien, dem Doktor zugeschickt waren. Die Vögel kamen in gutem Zu- stande in 'Macomb an. Dr. Blaisdell hat die Absicht, die Fremdlinge in der illachbar- schast von Macomb auszusetzen. Diese in- dischen Rebhühner vermehren sich sehrschnell und binnen Kurzem wird daher Illinois ein neues edles Vogelwild aufzu- weisen haben. Die hiesigen Jagdliebhaber zeigen das lebhafteste Interesse an dem Unternehmen des Doktors. Dampfer. Havre, 1. April. Der Dampfer La Gascogne ist heute nach New Bork abgegangen. London, 1. April. Der Dampfer New Bork ist heute Früh um Sieben, auf der Fahrt von New Bork nachLouthampion begriffen, amLizard vor- beigefahren. New Bork, 1. April. Der „Paris" ist heute von Southampton in New Bork angekommen. Brecher Uaubversuch. Zwei Räuber festgenommen. Der Dritte erschossen. Tacoma, Wash., 1. April. Als am Donnerstag Abend John Peter-son, der Eigenthümer eines großen Coun- tryladens bei der 44 Meilen von hier gele- genen Bahnstation Palmer, beschäftigt war sein Geschäft zu schließen, erschienen plötz- lich drei maskirte Männer und verlangten mit gezogenen Revolvern die Auslieferung der Ladenkasse. Peterson betrachtete die Sache als einen von den benachbarten Ho- telleuten ausgehenden Scherz, und lachte die Leute aus. Sofort aber hielt ihm der Führer der Bande den Revolver vor die Stirn, worauf Peterson laut nach Hilfe zu rufen begann;' er wurde aber von den Räubern sofort niedergeschlagen und furcht- bar gemißhandclt. Mittlerweile aber war der Eigenthümer des Hotels, Samuel Rit- chie zu Hülse geeilt, und die Räuber flohen schleunigst dem Fluße zu. In wenigen Minuten hatte sich jedoch eine Anzahl Bür- ger zur Verfolgung ausgemacht, und einige Meilen von der Ortschaft wurden die Kerle eingeholt. Nach heftigem Kampfe wurden zwei derselben festgenommen; der dritte setzte seine Flucht fort, worauf ihm Schüsse nachgesandt wurden, von denen einer ihn in den Kopf traf, so daß er stürzte. Als man ihn aufhob war er todt. Man glaubt, daß die Leute einer organisirten Räuberbande angehören, die auch im letzten Herbst die Roslyn Bank beraubte, und später bei Hot Springs einen Passagierzug der Northern Pacific-Bahn überfiel. Einer von Denen, die nicht alle werden. Bezahlt dafür dreitausend Dollars. Kalamazoo, Mich., 1. April. Vor einigen Tagen wurde der Farmer Henry Bogert von Mutwille von einem ge- riebenen Schwindler um H3OOO leichter ge- macht. Ein Fremder von gewandtem Be- nehmen wollte eine Farm kaufen, da er ge- hört halte, daß Bogert eine zum Verkaufe habe. Dies stimmte, und am Donnerstag sollte das Gut besichtigt werden. Am Dienstag kam der Fremde in einem Mieth- wagen von White Pigeon, und die südlich von White Pigeon gelegene Farm wurde angesehen. Der Preis von H7OOO paßte dem Fremden, und da er gerade einen Bankdepositcnschein im Betrage von HIO,OOO bei sich hatte, so konnte, wenn Bogert ihm H3OOO herauszahlen wollte, der Handel gleich abgeschlossen werden. Bogert wollte; Alles wurde in Richtigkeit gebracht; der Fremde erhielt seine H3OOO, und Bogert ging mit seinem Depositenschein, kreuzfidel über den glatten Handel, nach Hause. Vor- her hatte der Käufer dem Herrn Bogert noch eine Kiste anvertraut, welche „werth- volle Papiere und Geld" enthielt, die Bo- gerl aufbewahren möchte.. Bogert that dies auch, bis er fand, daß die Kiste nur alte Zeitungen enthielt, und er zu derllebcrzeu- gung kam, daß er um H3OOO ärmer sei. Die BehringsDNeer Angelegenheit. Worüber sich Rußland beklagt. L ondon, 1.April. Der St. Petersburger Correspondent der Times sagt, daß die russische Regierung als -eine zeitweilige Vereinbarung mil Großbritannien in der Behrings Meer- Angelegenheit vorgeschlagen habe, eine Grenzlinie in einer Entfernung von zehn Meilen von der Küste des Festlandes und dreißig Meilen von den Inseln Comman- der und RobinS zu bestimmen. Die russi- schen Behörden erklären, daß der Fang der britischen Seehundsfänger aus 92 v. H. weiblichen Thicrcn beitche. Rußland beklagt sich darüber, daß der Streit zwischen Großbrilanien und den Ver. Staaten alle ausländischen Seehunds- sänger an die russische Seite des Behrings- Meeres getrieben habe, wodurch der Fang der russischen Gesellschaft von 30,000 im Jahre 1891 auf 20,000 im Jahre 1892 ver- ringert worden sei. Die Unterhandlungen zwischen England und Rußland würden übrigens in der freundschaftlichsten Weise betrieben, und die Beziehungen zwischen den beiden Regierungen waren nie besser. Acgr. Satolli will die Mstermesse celebriren. Bevorstehende Ankunft des Auditors Sberetti. Washington, 1. April. Die Ankunft des Mgr. Donago Sbcretti, des Auditors des geistlichen Gerichtshofes des Erzbischofs Satolli in dieser Stadl, wird erst am Momag erwartet. Mgr. Salolli's Gesundheitszustand ist durchaus kein befriedigender. Er hofft jedoch im Staude zu sein, am Ostersonntag in der St. Matthews-Kirche die Messe zu celebriren. Wahrscheinlich wird sich bei der Gelegenheit der größere Theil des diplo- matischen Corps, nebst anderen angesehenen Persönlichkeiten, in der Kirche einfinden. Die Bachlassenschaft des Pfarrers Atollinger. Pittsburg, Pa., 1. April. Die Kapelle, das Wohnhaus nebst sämmtlichen Zubehör, das die Nachlassen- schast des verstorbenen Pfarrers Mollinger bildet, wird demnächst in aller Form Rech lens dem Pfarrer Dufsner, dem jetzigen Pfarrer der Kirche zum heiligen Namen, von den Erben in Holland überantwortet werden. Der dafür bezahlte Preis betrügt P30,000. Bew Yorker Bankausweis. New I) or k, 1. April. Der neueste Wochenausweis der hiesigen Banken ergiebt gegen die Vorwoche folgende Veränderung: Reserve -D1,419,875 mehr; Darlehen H943,805 weniger; Gold und Silber HBOO weniger; Papiergeld P1,377,- 100 mehr, Depositen P 174,300 weniger, Umlauf P5700 mehr. In Banken befinden sich gegenwärtig P 10,603,070 mehr, als gesetzlich vorge- schrieben ist. Zu aller Stille Begibt sich ein Zollkutter auf die Suche Nach geschmuggeltem Opium. San Francisco, 1. April. ' Vor einigen Abenden verließ ein Zoll- kutler in aller Stille den hiesigen Hasen, um geschmuggeltes Opium, im Werthe von P40.000, welches irgendwo an der Küste, unterhalb Monieret) versteckt sein soll, aus- zusuchen. Dem Zollinspektor Patterson war gesteckt worden, daß 2000 Pfund des feinsten zubcrciteten Opiums in luftdicht verschlossenen Milchkannen von Victoria, B. E. abgegangen seien. Als Bestim- mungsort wurde San Francisco angege- ben, und die Landung sollte an einem ver- borgenen Platz in der Nähe des Leucht- thurms von Point Sur statrsinden. Der Zollbeamte versuchte den angegebenen Platz auf dem Landwege zu erreichen; da ihn dies aber nicht gelang, suchte er in Washington um die Erlaubniß nach, den Zollkutter zu benutzen, und dieser machte sich in Folge dessen bei Nacht und Nebel mit einer star-ken Bemannung am Bord auf die Reise, um womöglich die Schmuggler abzusassen. Da Opium mit H2O daS Pfund verkauft wird, so wäre der Fang schon der Blühe Werth. Der Fall Roach. Lin ähnlicher Fall im Jahre Z 876 vom Hause » entschieden. Washington, 1. April. Aus der Suche nach einem Präcedens für den Fall des Buudessenators Roach von Nord Dakota, der bekanntlich der Füh- rung eines falschen Namens und einer Reihe in früheren Jahren unter seinem wirklichen Namen verübter Schwindeleien bezichtigt ist, stieß man in den Sitzungs- Protokollen des Repräsentantenhauses vom Jahre 1870 aus einen Fall, der mit dem Roach's sehr viel Aehnlichkeit hat. Das Justiz-Comite des Hauses wurde nämlich damals beauftragt, zu ermitteln, welche Schritte zu ergreifen seien in Bezugaus einige Abgeordnete, gegen welche der Vorwurf erhoben worden war, daß sie be- vor ihrer Erwählung in den Eongreß, eine Anzahl Abgeordnete im Interesse einer Bill, welche die Errichtung einer Post- dampfer-Linie nach China bezweckte, besto- chen hätte. Dem Justiz-Comite gehörten damals Eppa Hunton, nun Bundessenator von Virginia, sowie die Herren Frpe und Hoar, nun Senatoren von Maine, bezw. Massachusetts an. Der Majoritätsbericht, welchem Hunton und Frve ihre Zustim- mung erthcillen, lautete dahin, daß die Bundesverfassung dem Eongreß nicht die Befugniß ertheile, über eines seiner Mit- glieder wegen eines von ihm vor seiner Er- wählung begangenen Vergehens zu Gericht zu sitzen, sondern daß dies nur, wie im Falle eines jeden anderen Bürgers, den Gerichten zustehe. Hoar dagegen Unter- zeichnete den MlnoritätSbcricht, in welchem die Ansicht vertreten wurde, daß die Thal fache der Anhängigmachung von aus das angebliche Vergehen der Mitglieder William S. King und John G. Schumacher bezüg- licher Anklagen in einem der Gerichte deS Districles Columbia, das Haus durchaus nicht der Verpflichtung enthebe, gegen die Betreffenden auf dem Disciplinarwege vorzugehen. Es werden in dem Minori- tälSbericht verschiedene ähnliche Fälle, wel che sich in früheren Jahren im Eongreß und in den Gesetzgebungen von New Bork und Kentucky ereigneten, und die mit der Aus- stoßung der betreffenden Mitglieder endig- ten, angeführt. Das Repräsentantenhaus schloß sich aber damals der Ansicht der 'Majorität des Justiz Comites an und die Anklagen gegen King und Schumacher verliefen wie das Hornberger Schießen. Begnadigt. Alban y, N. Y-, 1. April. Gouverneur Flower hat heute den zum Tode verurtheilten 'Mörder Michael T. Slincy zu lebenslänglichem Zuchthaus be- gnadigt. Sliney, dessen Geist zerrüttet ist, war der Ermordung des Bob Lyons in New Bork schuldig befunden wurden. Städtisches. Stadt-Zngenieur Geraldine verbittet sich entschieden die Einmischung der Politiker. Stadt-Ingenieur Geraldine hat positiv angekündigt, daß, so weit das Amt des In- genieurs in Betracht kommt, politische Ein- flüsse bei der Besetzung der Stellen keine Wirkung haben dürfen. Diese Ankündi- gung ist als eineFolge der Bemühungen ver schiedener Politiker, unter denen sich auch Staatsanwalt Kern befand, anzusehen. Dieselben wollen Herrn Geraldine veran- lassen, einen ihrer Schützlinge eine 'An- stellung in der Nordseile-Pumpstation zu geben. Herr Kern batte sich dieserhalb schriftlich an Ingenieur ParfonS gewendet und als Letzterer seinem Vorgesetzlen den Brief zeigte, beantwortete Herr Gerald ine das Schreiben dahin, daß Herr Kern ihm schon früher einmal einen ungenügenden Mann empfohlen habe und daß er sich jeg liehe Einmischung in seine Angelegenheiten verbitten möchte. Seinem Hülss-Ingenieure theille Herr Geraldine darauf mil, daß er keine Poli- tiker, sondern Leute anstellen müsse, die ihre Arbeit verständen und daß alle Appli kationen an ihn persönlich gerichtet sein müßten. Polizist P. Owens fand heute mor- gen um 8 Uhr an der Ecke der Houne Ave. und Divisionftr. die Leiche eines etwa 3 Tage alten Kindes, welche in Lumpen ein- gewickelt war. Er brachte die Leiche nach Sigmund's Morgue. D. W. Page und Frau von No. 120 Sherman Ave. in Evanston gaben gestern ihren Segen zu einem Bunde, der sehr gegen ihren Willen geschlossen worden war. Die jungen Eheleute sind Geo. W. Richard-son und Alice Marie Page, die sich heimlich in Racine am 26. Februar hatten trauen lassen, weil die Eltern die Hochzeit zu lange hinausgeschoben haben wollten. Ein Vorschlag zur Güte. (Kommissär Ware wendet sich an den Staat init dem Ersuchen, die In- spection der Emiaranten- züge zu übernehmen. Gouverneur Altgeld dem Plane geneigt. Von allen städtischen Aemtern ist das Gesundheitsamt durch die jährliche Ver- willigungsbill des Stadlrathes am schwer- sten betroffen worden. Der Stab dessel- ben, der voriges Jahr aus 39 Leuten be- stand, ist durch sie aus 11 herabgcschnuten worden, trotzdem die Arbeit eher mehr, als weniger geworden ist. Commissür Ware hat deßhalb vor einigen Tagen an Dr. Reilly vom Slaatsgesundheitsamt geschrie- ben und ihm unumwunden erklärt, daß er eine genaue Jnspectxon der Emigranten- züge unter diesen Umstünden nicht mehr lange werde durchsetzen können. Der Staat sei in der Sache ebenso sehr interes- sirt, wie die Stadl und es werde daher das Beste sein, wenn derStaat die Jnspcctions- Angelegenheit selbst und ausschließlich in die Hand nähme. Zu diesem Ende werde es vortbeilhast sein, an verschiedenen Punk- ten der Staatsgrenzen Stationen zu errich- ten und schon dort die Untersuchung der Emigranten vornehmen zu lassen. Diese Arbeit solle eigentlich schon aus demGrunde vom Staate verrichtet werden, weil derselbe die Macht habe, eine Quarantäne anzuord- ncn, falls er es für nöthig erachte. Dr. Reilly besprach die Angelegenheit gestern mit dem Gouverneur Allgeld und dieser äußerte sich sehr zu Gunsten der von Dr. Ware gemachten Vorschläge. Es ist daher sehr wahrscheinlich, daß der Staat die Sache in die Hand nehmen und die Stadt Ebicago von der großen Verantwortung befreien wird. Herr Kellogg äußerte sich heute Morgen folgendermaßen: „Wir haben nur elf Leute,aus denen die ganze Arbeitslast des Gesund- heitsamtes ruht. Diese elf Leute haben Fiebcrplakate an den Häusern anzubringen und wieder abzunchmen, Desinsieirungen auszusührcn und außerdem die Jnspicirung von Emigrantenzügen zu besorgen. Im Durchschnitt müssen wöchentlich 200 Pla- kate angebracht und ebenso viele wieder ab- genommen werden und durchschnittlich müssen jede Woche ungefähr vierzig Häuser desinficirt werden. Hellte Morgen zum Beispiel habe ich einen Mann ausgeschickt, um fünf Fiebcrzeichen aufzuhüngen. Diese Arbeit wird den ganzen Tag in Anspruch nehmen, da die Häuser, an denen es ge- schehen soll, iil fünf verschiedenen Wards liegen. Als wir noch für jede Ward einen Mann zur Verfügung hatteil, war dies na- türlich ein Leichtes, jetzt aber müssen elf die ganze Arbeit ihun und es wird uns daher nahezu unmöglich gemacht, Züge, die wäh- rend der Nacht einlrefsen, inspiciren zu lassen, denn wir können nicht verlangen, daß diese elf Leute Tag und Nacht arbeiten sollen. Der einzige Ausweg aus diesem Dilemma ist also der, daß der Staat die Jiispiciruiig von Emigrantenzügen in die Hand nimmt. Wir würden natürlich die vom Staat bierzu angestellten Beamten nach Kräften unterstützen und ihnen hier gern Qssicerüumlichkeiten zur Verfügung stellen. Dies würde überhaupt schon des- halb nöthig sein, weil die BahngeseUschaslen uns von dem Eintreffen aller Emigranleu- züge benachrichtigen. Gewaltthätige Chinesen. Richter Sbennon verschob beute die Ver- handlung der Klagen gegen Wing Lee und Top Nna aus den 10. d. M. und stellte sie unter je HSOO Bürgschaft. Die beiden Chi-nescn werden beschuldigt, ihren Lands- mann Wing Alou in einer Wäscherei, 311 Elark Straße, überfallen und mißhandelt zu haben. Wing Alou ist Hausknecht in der Hochschule in Evanston lind behauptet, der Ansall sei aus Rache ausgeführt wurden, weil er früher gegen die Beiden als Zeugen ausgetreten sei. Ein farbiger Schicßbold. Zwei Farbige, Green Ford und Frank EurliS gerielhen gestern Abend in Johnsens Wirthschasl, 104 State Straße, wegen eines Frauenzimmers in Streit. Fred zog einen Revolver und schoß EurtiS in die rechte Hüfte. Die Wunde stellte sich jedoch später als sehr leicht heraus. Ford wurde verhaftet und stand heute vor Richter Lyon. Dieser überwies ihn wegen Angriffs unter HISOO Bürgschaft den Groß- geschworenen und strafte ihn außerdem wegen Tragens verborgener Waffen uni H55 und die Kosten. Unschädlich gentacht. Charles Thompson, welcher vonßeamtender Central Station vor zehn Tagen in dem Hause No. 154 Saugamonstr. verhaftet wurde, stand bellte vor Richter Shennonund-wurde von diesem ans 203 Tage nach der Bridewell geschickt. In seinem Besitz batte sich eine vollständige Ausrüstung vonEinbrecher-Werkzeugen befunden, und er ist der Polizei schon lange aIS einer der ge- wandtesten Geldschranksprenger bekannt. Verlangt die Scheidung. Frau Louise Newberrn, die Frau desfrüheren Besitzers des Grand Palace Hotels, klagte heute aus Scheidung gegen ihren Mann und zwar wegen böswilligen Ver- lassens und Untreue. In ihrer Klage be- hauptet sic, daß Newberrp sie durch List ge-zwungen habe, ihn kur; nach dem Tode ihres ersten Mannes, Eol. Gore, zu heira-then. Er habe sich jedoch weniger für sie, als für den Nachlaß ihres Mannes, welcheretwa H500.000 betrug, interessirt. Da sieihm diesen nicht habe ausliefern wollen, habe er sich von ihr getrennt und nur 24 Stunden hätten sie als Mann und Frauzusammen gelebt. . O Bradp trug heute Morgen einen losthoncn Uebcrrock.daß SergeantEbappell, der ihm begegnete, sich nach der Art undWeist erkundigte, wie Mike zu dem schönenKleidungsstück gekommn sei. Diese Neu-giei nahm Mike so übel, daß er einen Re-volver aus der Tasche zog und abdrückcnwollte, als der Blaurock ihn entwaffnet«:und gefangen nahm. Jetzt brummt er in der LesplaincSstraßen-Station.
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