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Abendblatt Newspaper Archives Dec 29 1894, Page 1

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Abendblatt (Newspaper) - December 29, 1894, Chicago, IllinoisHeransgegeben von der Illinois Staats-Zeitungs-To. Chicago, Samstag, 29. Dezember 1894. Preis 1 Lenk. 47. Jahrgang. No. 308. U-b-rMick Hlrrd Kurz gefasstes. Der Wettermann prophezeit uns heute und morgen schönes Wetter. Der Wind springt von Südwesten nach Nordwesten um. ln Toledo ist heute für 300,000 Dol- lars Weizen verbrant. lieber das schauderhafte Brandunglllck bei einer Weihnachtsfeier in Oregon meldet der Telegraph Näheres. ln New York sind heute früh bei einem Fabrikbrande zwei Feuerwehrleute umge- kommen. Eine Feuersbrunst in Louisville hat Eigenthum im Werthe von 350,000 Dollars zerstört. Der Vankdieb Seekey tritt den Tag nach Neujahr seine Strafe an. Gladstone ist heute 85 Jahre alt ge- worden. Auf der heutigen Börse sank Weizen im Maitermin aus 57 und stieg ans die Nachricht von dem Brande von 500,000 Büschel Weizen inToledo anss7Z. Welsch- korn wich auf 47iG48, und stieg aus 48! und wich wieder auf 48; Hafer ging auf 312 zurück und erholte sich wieder, so daß um Elf der Preis aus 31!OZ stand. Schweinefleisch wurde im Mailermin auf 11.70, Schmalz auf 6.921, Rippchen auf 5.95 herunlergesetzt. Die Brauer haben sich reorganisirt und einen neuen Bund gegründet, der wahrschein- lich in einer am nächsten Montag abzuhalten- den Versammlung seinen osficiellen Namen erhalten wird. Frank E. Darrow aus Decatur, Jll., welcher gestern im Paxton Hotel, 102 Ran- dolph Straße, der Auszehrung erlag, hinter- ließ für den Fall seines Todes eine Ver- fügung, wonach dem Rush Medical College seine Leiche als Lehrobjekt zur Verfügung gestellt wird. Doch stellte er die Bedingung, daß zuerst eine Postmortem-Untersuchung abgehalten werde, um die Ursache seines To- des festzustellen. Der Countyrath hat insofern einen Schritt zur Civildienst-Reform gethan, als er mehrere Angestellte der alten Administra- tion in ihren Aemtern ließ. Es ist aber auch möglich, daß persönliche Rücksichtsnahmen dabei maßgebend waren. Eekegraplnfelre Dejresekell. > Stürmisches Wetter. Verspätete Vostdampfer. Ein Segelschiff untergeganqen. ! London, 29. Dez. barer Sturm, und die Postdampser sind ver- spätest In vielen Gegenden England's hat zum ersten Male in diesem Winter Schnee- fall stattgefunden. Die Brigantine Wood- ville ist auf der Fahrt von Dublin nach Liverpool untergegangen, und sechs Mannvon der Besatzung sind ertrunken. Ein erfrorener Einsiedler. Ein angeblicher Sohn des napoleonischen Ularschall's Lannes in einer abge- legenen Hütre erfroren. Wichita, Kas., 29. Dez. Gestern wurde Emil Lannes, welcher seit zwölf Jahren in einer Schlucht in Beaver County, in „No Mans Land" ein Einsiedlerleben führte, in seiner Hütte er- froren aufgesunden. In der einen Hand hielt er ein Kruzifix, und in der anderen / einen Rosenkranz. Er war 90 Jahre alt, und es hieß, daß er ein unehelicher Sohn des alten napoleonischen Marschall's Lan-nes sei. Die Hütte, in welcher er lebte, enthielt nichts als einen Tisch, ein Bett, einiges Kochgeräth und etwa fünfzig Bände religiösen Inhaltes in französischerSprache. Zwei Feuerwehrmänner umge- kommen. Eine Fabrik von Gas- und elektrischen Ge- räthschasten theilwclse zerstörst New York, 29. Dez. Der Bataillonschef der Feuerwehr, John I. Breslin, und der Feuerwehrmann John L. Rooney vom Leiterwagen No. 12, ver- loren heute bei dem Feuer in den Gebäuden No. 124 und 128 West 24. Str., in denen sich die Fabrik von Gas- und elektrischen Gerüchen von Cassidy <A Son befindet, durch den Einsturz eines Fußbodens das Leben.Der Feuerwehrmann Wm. Hennessy von derSpritze No. 18 erlitt einen Beinbruch, und drei andere Feuerwehrmänner trugen leich-tere Verletzungen davon. Der durch das Feuer angerichtete Schaden beläuft sich aufk 60,000. wahrscheinlich ein Raubaufall. Ein schwerverletzter Klann, fast erfroren, in einer Schneewehe gesunden. Pittsbu rg, Kas., 29. Dez. Frederick Trnster, ein aller Bürger vonPltlsvurg, wurde heute fast erfroren undmit schweren Verletzungen am Kopfe, in unmittelbarer Nähe der Ortschaft in einerSchneewehe gefunden. Er ist nicht im! Stande anzugeben, wie er zu den Ver-letzungen gekommen ist; allem Anscheinenach liegt ein Ranbanfall vor. Trnstermag möglicherweise seinen Verletzungen erliegen. Leichte Erdstöße. Das südliche Ealabrien wiederum von einem > Erdbeben bedroht. , - ) . . Rom, 29. Dez. i <Heute machten sich in der Gegend vonin der Provinz Calabrian, leichteErbstöße bemerkbar. Unter den Bewohnernherrscht in Folge dessen eine förmliche Panik. Grauenhaftes Unglück. Entsetzliches Ende einer Weih- nachtsfeier. Es entsteht Feuer in einer von Menschen gefüllten Halle, And einundvierzig Wenschen kom- men in den Flammen um. Fünf Personen tödtlich verbrannt. Klamath Falls, Ore., 29. Dez. Soeben trifft die Nachricht von einem furchtbaren Brandunglück in Silver Lake, Lake County, Ore., ein, bei welchem am Weihnachtsabend einundvierzig Personen ihren Tod fanden, und sechszehn Personenso schwere Verletzungen davontrugen, daß auch von diesen fünf denselben erliegen wer- den. Zur Feier des Weihnachtsabends hatten sich in der Halle der Gebrüder Christman eine Menge Menschen eingefunden. Als die Festlichkeit in vollem Gange war, stieg Jemand auf eine Bank, um den Saal besser übersehen zu können. Dabei stieß er mit der Hand an eine von der Decke hängende Lampe und warf diese um. Das Oel gerieth dann sofort in Brand, und da Alles in der Halle trocken war und aus leicht brennbaren Stoffen bestand, so stand der ganze Saal im Nu in Flammen. Irgend Jemand rief: „Macht die Thüre zu und seid ruhig; wir können das Feuer löschen." Mittlerweile war aber unter den An- wesenden eine Panik ausgebrochen, und Jeder versuchte, die Thüre zu erreichen. Frauen und Kinder wurden niedergetrten, und da die Halle nur eine Ausgangsthüre hatte und das Feuer sich zwischen dieser und dem größeren Theile derAnwesenden befand,so stürzten sich viele gerade in die Flammen hinein. Folgendes ist eine Liste der Umgekom- menen: Frau John Buick und zwei Kinder, Frau Owsley und zwei Kinder, I. I. Buick und Tochter, Frau Snelling, Frau Holand und zwei Kinder, W. O. Heart und Frau, Frau Coshow, Frank West nebst Frau und zwei Kindern, Ed. Bowen, Frl. McCanley, T. I. Labrie und Kind, FrauWard, Frau I. V. Abshir, Frank Horning, Frau Payne, Frau Nettie Williams und Kind, W. Clay Martin und Frau, einKind von Nay Ward, Frau Gustav Schroeder und Kind. Die Namen der tödtlich verwundeten Per-sonen sind: Frau T. I. Labrie, Frau Ro- bert Snelling und Schwester, und Edward Payne und Sohn. In dem zweistöckigen Hokzhause befand sich das Ladengeschäft der Gebrüder Christ- man, und im oberen Stockwerke befand sich die Halle, welche für derartige Versamm-lungen vermiethet wurde. Silver Lake ist eine kleine Ortschaft in Lake County, Ore., von etwa hundert Einwohnern, und ist 150 Meilen von der nächsten Telegraphenstation entfernt. Der fünfundachtzigste Giburtstag. Derselbe wird heute von Gladstone bei guter Gesundheit in Harvarden gefeiert. London, 29. Dez. In Hawarden feierte heute Gladstone sei- nen fünfundachtzigsten Geburtstag, und hat wie gewöhnlich zahlreiche Glückwunschtele-gramme erhalten. Gladstone's Augen sind vollständig wieder hergestellt, und sein Gesundheitszustand istgut. Er verbringt täglich mehrere Stunden mit theologischen und klassischen Studien. Außer einer Menge von Freunden, die ihn heute besuchen werden, wird Gladstone auch eine Deputation von armenischen Ver- einen aus London und Paris empfangen. Die bei dieser Gelegenheit veröffentlichten Glückwünsche der Toryblätter scheinen die Befürchtung zu enthalten, daß Gladstone be-wogen werden könnte, sich nochmals thätig am politischen Leben zu betheiligen. Auf den Tod verwundet. Eine verdächtige Bewegung kostet einem Landstreicher das Leben. Cuba, N. Y., 29. Dez. Der hier wohnende G. H. Harris brachte gestern Abend einem Landstreicher Namens Oliver Dickson, welcher in Columbus, Ohio, zu Hause zu sein behauptet, zwei Schüsse bei, die wahrscheinlich seinen Tod zur Folge haben werden. Dickson kam an Harris' Hausthür, und da dieser aus einer Bewegung desselben anzunehmeu glaubte, daß er einen Revolver ziehen wolle, schoß er zwei Mal aus ihn. Harris ist ein an- gesehener Geschäftsmann und derselbe Manu, welcher Vernon Moses, als derselbe am Donnerstag Abend in sein Haus cin- dringen wollle, mit einem Ballschläger nie- derschlug und gefangen nahm. Reiche Beute. Lin reicher Grundeigeathumshäiidler nieder- geschlagen und beraubt. Des Moines , Ja., 29. Dez. Gestern Abend, um sieben Uhr, wurde Jacob Shane, ein fünsundsünfzigjährigcr reicher Grundeigenthumshändler aus Coon Rapids, iir dem stark besiedelten Wohn- hausbezirk auf der Ostseite der Stadt, von zwei Straßenrändern beraubt. Dieselben erbeuteten einen Wechsel aus die „First National Bank" von Chicago, im Betrage von §IO,OOO, und §6OOO in Noten und Wechseln aus andere Banken. Die Räuber überfielen Shane als er sich auf dein Wege zur Wohnung eines Freundes befand, und versetzten ihm mit einem Koppelbolzen einen so furchtbaren Schlag, daß sie ihm fast einen Schädelbruch beibrachlen, und die Aerzte seine Herstellung für zweifelhaft er- klären. Von den Räubern hat man bis jetzt noch nicht die geringste Spur entdeckt. Cin!Msches Weihnachtsgeschenk. Die siebzigjährige Frau Reglid schenkt ihrem dreißigjährigen Gatten §75,000 zu Weih- nachten. Der letztere hieß, ehe er Schauspieler wurde, Dilger. NewNork, 29. Dez. Gestern ging mehreren hiesigen Zei- tungen die Mittheilung zu, daß Frau Franklin Reglid ihrem Gatten ein Weih- nachtsgeschenk gemacht habe, wie es wahr- scheinlich in dieser Stadt noch nicht vorge- kommen ist. Dasselbe bestand in einer Summe von §75,000 und enthielt die Be- stimmung, daß ihr Gatte fünf Jahre lang die Nutznießung davon haben und daß er nach Ablauf dieser Frist das Capital er- halten solle, unter der Bedingung, daß er nicht wieder zur Bühne zurückkehre. Als Herr und Frau Neglid in ihrer Wohnung darüber befragt wurden, weigerten sie sich,irgend welche Erklärung abzugeben. Am Donnerstag, den letzten 16. August, wurde Frau Adele Ronalds, die Witwe von Thomas Lorilliard Ronalds, durch den Pfarrer Davis in Avenal, New Rochelle, mit Charles Franklyn Reglid verheirathet. Reglid war früher Schauspieler und ein Mitglied der Truppe der Rosina Vokes und Stuart Robsons; er ist der Sohn eines Mannes, Namens Dilger, welcher früher an der oberen dritten Ave. ein Saluhnge- schäft betrieb. Nachdem der Sohn eine Zeit lang der Bühne anaehört hatte, wünschte er, seinen Namen zu ändern, und das Gericht erlaubte ihm, denselben rück- wärts zu lesen und sich Reglid zu nennen. Neglid ist etwa 30 Jahre alt, während seine Gattin deren etwa 70 zählt. Thomas Lo- rilliard Ronalds hinterließ ein großes Ver-mögen, und es wird allgemein angenom- men, daß seine Wittwe eine lebensläng- liche Nutznießung davon hat, und daß das- selbe nach ihrem Tode auf die gesetzlichen Erben übergeht. Ein bischen abenteuerlich, wenn wahr. Lin abhanden gekommener Bräutigam von seinem Schwiegervater und der Braut ge- sucht und auch glücklich gesunden. St. Louis, Mo., 29. Dez. John W. Morton, aus Brooklyn, N. P., ist in Begleitung seiner Tochter Ella, auf der Suche nach Charles W. Hill, dem Bräuti- gam der jungen Dame hier angekommen. Hill war vor etwa einer Woche in geheimniß- voller Weise aus Chicago verschwunden, wo er in einer Großhandlung als Clerk ange- stellt war, und sich ein kleines Vermögen von §SOOO erworben hatte. Am Weihnachtstage sollte die Hochzeit stattsinden, und er hatte seiner Braut mitgetheilt, daß er am 21. De- zember nach Brooklyn abreisen werde. Er that dies jedoch nicht an jenem Tage, erklärte aber am 22., daß es seine Absicht sei, nach dem Osten zu reisen, versah sich mit einerBankanweisung von einem ziemlich bedeuten- den Betrage verschwand. Seine Familieund seine Freunde geriethen seinetwegen in Besorgniß, daß ihm der Geldsumme wegen, die er bei sich führte, ein Unglück Angestoßen sei. Die Polizei wurde von seinem Ver- schwinden benachrichtigt, vermochte aber keine Spur von ihm aufzufinden. Schließlich, nachdem man bereits alle Hoffnung aufge- geben hatte, ihn jemals lebend wieder zusehen, erhielt sein Schwager, Edwin Guise in Chicago, folgendes Telegramm: „Ich be- finde mich wohl; ängstigt Euch nicht um mich." Dies war am Weihnachtstage; Frl. Mor- ton wurde sofort davon benachrichtigt und machte sich mit ihrem Vater auf dießerse nach Chicago, wo sie am Donnerstag eintraf. An demselben Tage erhielt Hill's Schwester in Chicago einen Brief von ihrem Bruder, des-sen Inhalt nicht bekannt ist. Der Brief war auf einem Briefbogen des Laclede Hotels ge- schrieben. Daraufhin machte sich der Schwiegervater mit seiner Tochter nach St. Louis'auf die Reise, wo er im Planters Hotel abstieg. Mor- ton fand Hill; beide hatten eine Unterredung, an welcher sich auch die Braut betheiligte, wo- rauf das Trio mit einem Bahnzuge, wie man glaubt, nach dem Osten, abreiste. John W. Morton soll ein reicher und einflußreicherBürger der .Kirchenstadt sein, und scheint das Abenteuer seines dereinstigen Schwiegersoh- nes als die Folge eines moralischen Katerszu betrachten, der sich bei dem jungen Manne einstellte, weil er angeblich den größeren Theilseines Vermögens durch eine verfehlte Spe-kulation verloren hatte. Hill selbst hat, wie es heißt, erklärt, daß es. nachdem er sein Geld verloren habe, seine Ab- sicht gewesen sei, an einem Orte, wo man ihn nicht kenne, ein neues Leben zu beginnen. Der Bankschwindler Seel^. Derselbe wird am nächsten Mittwoch nach dem Zuchthausembgesührt werden. New York, 29. Dcz. James L. Bishop, der Anwalt der „Shoe 6- Leathcr Bank", hat seit mehreren Tagen das Gefängniß in der Ludlowstr. besucht, wo mit Hülse eines Buchhalters der Bank und Samuel C. Secly eine genaue Prüfung der Bücher der Bank vorgenommen wird, um zu ermitteln, ob ein Theil des gestohle- nen Geldes aus dem Nachlasse Baker's wie- der erlangt werden kann. Dadurch hat Scely thatsächlich die Art und Weise, wie er den Betrug möglich machte, enthüllt und auch zugleich Baker's Theilhaberschast dabei klar gelegt. Danach hatte Baker während der letzten drei Jahre nicht einen Cent in der Bank dcponirt, während erTausende von Dollars zog und der ganze von ihm deponirte Be- trag, seitdem der Betrug begann, überstieg nicht die Summe von §SOOO. Daß Scely ein Geständniß gemacht hat, wodurch viele Personen der Mitschuld an- geklagt werden, wird von allen Betheilgleu geleugnet. Seeth wird am nächsten Mittwoch nach dem Zuchthause von Kings County gebracht werden. Gewaltige Keuersdriinste. Rlehrere große Geschäftshäuser zerstört. Der Verlust beträgt mehrere hunderttausend Dollars. . L o n i s v i l l e, Kh., 29. Dez. Heute morgen, zwischen zwölf und ein Uhr brach in Slucky, Brent L Co's. fünf- stöckigem Gebäude, au der 6lcn Straße, zwischen Main und Mäher, Feuer aus. Die gesammte Feuerwehr war binnen Kurzem zur Stelle, aber das Feuer ver- breitete sich schnell über das ganze Gebäude, und theilte sich auch dem fünfstöckigen Ge- bäude mit, in welchem sich das Schuhwaa- rengeschätt von I. H. Quast L Eo., und das Putzwaarengeschäst von Baresord, Lawson <L Co. befinden. In kurzer Zeit war auch das Gebäude vollständig in Flammen eingehüllt, so daß sich die Feuer- wehr daraus bcschrünkrn mußte, die an- grenzenden Gebäude zu retten. Robinson, Norton L Co.'s Ellen- waarengeschäft befindet sich in dem großen sechsstöckigen Gebäude unmittelbar neben dem Quast'schen Geschäfte, da aber der Wind aus Westen kam, so nahmen die Flammen eine östliche Richtung, sodaß Robinson L Co.'s Gebäude gerettet werden wird. Der bis heute Morgen angerichtete Scha-den vertheill sich auf folgende Geschäfte: Stocky, Brent L Co. §2OOO t durch Ver- sicherung gedeckt; I. H. Quast L Comp. §IOO,OOO, voll versichert; Baneford, Law-son «L Co. §40,000, ebenfalls versichert. Das Wetter war bitter kalt, und die Feuerwehrleute, die bei dem Kampf mit den Flammer in Wasserpfützen stehen muß- ten, hatten schwer darunter zu leiden. Gegen halb vier Uhr schien man des Feuers Herr geworden zu sein; Robinson, Norton L Co. verlieren etwa §70,000 an Waaren, welche in den niedergebrannten Gebäuden gelagert waren. Der Winter in Texas. Fn Dallas fällt das Thermometer bis auf fünf Grad über Null. Dallas, Tex., 29. Dez. Auch Texas hat einen Vorgeschmack von einem nordischen Winter erhallen, und ge- stern Morgen gab es eine Kälte, wie man sie hier seit zwanzig Jahren nicht erlebt hat. Vorgestern Abend, bei Sonnenunter- gang stand das Thermometer auf 42 Grad, um Mitternacht zeigte cs 15 Grad, und ge- stern Morgen bei Tagesanbruch stand cs auf 5 Grad über Null. Der Boden war hart gefroren und das Eis stark genug, um einen Alaun zu tragen. Aus allen Thei- len von Texas wird eine ungewöhnlich strenge Kälte gemeldet. Den Farmern ist die kalte Welle, wie cs scheint, äußerst er- wünscht, denn allenthalben haben sie sich an das Schweineabschlachtcn gemacht, und sind froh, daß ihnen der Wettermann eineso günstige Gelegenheit gegeben hat, einenso tüchtigen Vorrath von Fleisch einzu- legen. » Zwei abhanden gekommene Wänner. Ein Lcicheiibeftatter aus Laporte und ein Farmer aus Fowa plötzlich spurlos ver- schwunden. Laporte Jnd., 29. Dez. Vor einer Woche reiste der hiesige Leichen- bestatter John H. Hall in Geschäften nach Chicago; seine Absicht war, am nächsten Tage zurückzukehren, aber dies ist nicht ge-schehen, und Hall ist seitdem nicht wiedergesehen worden. Alle Versuche, ihn zu finden, waren bis jetzt vergebens, und seine Familie und Freunde befinden sich in höch- ster Besorgniß. Es wurde ermittelt, daß Halt an dem von ihm bestimmten Tage von Chicago abreiste und daß er in South Chi- cago über Nacht blieb, aber seitdem ist er verschwunden. Er hatte etwa §3OO bei sich und es wird befürchtet, daß er das Opfer von Slraßenrüubern geworden ist. Cr e st o n, Ja., 29. Dez. Vor vierzehn Tagen fuhr der in der Nähe von Aston wohnende I. S. Kendall nach Aston, brachte sein Gespann in cinemLeih- stall unter und verschwand, ohne die ge- ringste Spur zu hinterlassen. Seine Fa- milie und seine Freunde wissen sich das plötzliche Verschwinden des Mannes in keiner Weise zu erklären und glauben, daß ihm irgend ein Unglück passirt ist. Aus Nothwehr erschlagen. Verhängnißvoller Streit zwischen zwei Farm- Arbeitern. lacksonville, Jll., 29. Dez. Gestern Morgen wurde der Neger Bob Harris, ein Farmarbetter, von Robert Waeick, welcher auf I. B. Carringlon's Farm, östlichvon der Stadl beschäftigt ist, erschlagen. Harris schuldete Warick Geld, und als dieser dasselbe verlangte, bildete der ersterc sich einen Zorn ein, hotte einen Revolver hervor, und erklärte, daß er Wartet umbringcn werde. Als Warick sab, daß sein Leben ernstlich bedroht war, er-griff er einen schweren Knüppel, und zer- schmetterte mit einem wuchtigen Schlage dem Reger den Schädel, so daß derselbe so- fort niederstürzte. Warick wurde daraus verhaftet, um den Wahrspruch der Geschwo-renen abzuwarten. Tödtlicher Sturz. Zwei Grubenarbeiter stürzen in einen über fünfhundert Fuß tiefen Schacht. Telluride. Col., 29. Dez. Die Grubenarbeiter Nicholas Gerronsund James Vurns, fanden heute durch denSturz in den 550Fuß liefen Union-Schacht ihren Tod. Der Derriither Peirolo. Die Bevölkerung von Rio Janeiro wird aufgefordert, für peixoto die Waffen zu ergreifen. Zwei Flottenoffiziere verhaftet. Rio de Janeiro, 29. Dez. Unter den Hansthüren sind revolutio- näre Flugschriften gefunden worden, wo- rin die Bevölkerung aufgefordert wird, zu Gunsten des Generals Peixoto zu den Waffen zu greifen. Auch unter den Offi- zieren der Flotte und des Heeres wurven dieselben verbreitet. Wie es heißt, haben die Flottenoffiziere versprochen, sich der Verschwörung anzuschließen. Zwei der- selben sind verhaftet worden. Das Cabinet hat sich über die Lage bc- rathen. Der Präsident Moraes befürwortete eine Vorladung des Generals Peixoto, um sich zu verantworten, wurde jedoch überstimmt. Gen. Peixoto hat demPräsidenten Moraes die Versicherung gegeben, daß er mit der Verschwörung nicht das Geringste zu thun hat. Lord Ehurchill- Sein Zustand gestern scheinbar etwa; besser. London, 29. Dez. Lord Randolph Churchill war gestern zeitweilig bei Bewußtsein, unterhielt sich während der Nacht mit den anwesenden Aerzten, und verlangte seine Schwester, die Baronin von Ramsey, zu sehen. Trotz die-ser Besserung im Zustande des Kranken, glauben die Aerzte, daß dieselbe nur eine vorübergehende Erscheinung ist. Getreidespeicher niedergebranmt. Eine Bullion Busche! Weizen zerstört. Toledo, 0., 29. Dez. Heute Morgen, um 9 Uhr, ist der Dayton L Michigan Speicher B. vollständig nieder- gebrannt. In demselben waren etwa eine Million Büschel Weizen gelagert, dessen Verlust auf §300,000 veranschlagt wird. Der amerikanische Gesandte beim Sultan. Konstant inop e l, 29. Dez. Gestern hatte der amerikanische Gesandte Alexander W. Terrell eine Audienz beim Sultan. Schiffsnachrichten. Fn der Nacht gemeldet: New Port—„British Prince" von Ham- burg. Glasgow—„Hiberniam" von Boston. Rotterdam „Amsterdam" von New York. Bremerhaven —„Elbe" von New York. Städtisches. Das Wetter. Optiker Kl eine, 76Washington Str., berichtetfür Chicago die folgenden Baro- meter-und Thecmometerstände: Um 8 Uhr Morg. 18 Gr., um 9 Uhr 23 Gr., um 10 Uhr 25 Gr., um 11 Übr 26 Gr., um 12 Übr 28 Gr. Barometerstand um 8 Uhr Morg. 29.50, 12 Uhr 29.40. Zu Ehren des JNayors Sopkins. Im Richelieu-Hotel findet heute Abend zur Feier des Jahrestages des Amtsan- tritts des Mayors Hopkins ein Bankett statt, welches demselben zu Ehren von den städ- tischen Departementsvorstehern veranstaltet worden ist. An dem Festmahle werden au- ßer dem Festgaste und den Festgebern auch eine Anzahl speziell eingeladener hervorra- gender Bürger theilnehmen. Aus dem Eriminalgericht. Vor Richter Tuley argumentierte heute Anwalt Geeting für die Bewilligung eines neuen Prozesses für John Deeg, welcher vor einiger Zeit den Bäckermeister Holzermer, No. 175 Centre Str., in's Genick schoß. Die Geschworenen haben Deeg schuldig be- funden, Holze'rmer mit einer tödtlichen Waffe in der Absicht, ihm eine Körperverletzung beizubringen, angegriffen zu haben. Die Fällung des Urtheils wurde dem Richter überlassen, welche seine Entscheidung am nächsten Freitag abgeben wird. Der Richter wies den Antrag des Ver- theidigers des zu zwei Jahren Zuchthaus wegen Einbruchs verurtheilten Ed. Roach, die Strafe abzumildern, ab, und sprach das endgültige Urtheil aus. James Letcheu wurde vor Richter Chet- lain wegen Einbruchs zu zwei Jahr Zucht- haus verurtheilt. Gustav Noette wegen desselben Vergehens zu einem Jahr Zuchthaus. William Walsch, welcher wegen Unter- schlagung einiger Gelder als Agent der American Wringer Co. zu 90 Tage Ge- fängniß verurtheilt war, wurde heute Vor- mitag von Richter Chetlain unter Suspen- sion des Urtheils freigelassen. Ebenso Wm. McDaniels, welcher des Kleiderdiebstahls angeklagt war. Vielversprechende Wädchen. Elfte Müllen, 8, und Emma Sulanka, 14 Jahre alt, wurden gestern im „Boston Store" beim Einsacken von Werthsachen ab- gefaßt und in Hast genommen. In ihren Taschen fand man bei der Visitirung ge- stohlene Sachen im Werthe von über §4O. Elfte erzählte den Detectivs, welche sie ein- sperrten und heute dem Richter Bradwell unter Weinen, daß sie von ihrer eigenen Mutter zum Stehlen angehalten und zu die- sem'Zwecke in die verschiedenenGeschäfte ge- schickt werde. Die Mutter bestreitet dies und erklärt, daßElsie trotz ihrer Jugend ein durch und durch schlechtes Kind wäre. Dasselbe Zeugniß wurde der Emma Sulanka, deren Eltern in 1029 West 21. Str. wohnen, aus- gestellt. Der Richter ordnete die Ueberwci- sung der Mädel an dis Industrieschule für Mädchen an. Die wahlbehärde. Die Suche nach den Wahldokumenten erfolg- los. Schaffung neuer Wahlbezirke. Die Wahlcommissäre haben nunmehr die Durchsuchung des letzten bis dahin noch nicht durchsucht gewesenen Gewölbes nach den ver- schwundenen Wahldokumenten über die letzte Mayorswahl abgeschlossen, ohne daß sie eine Spur von den Dokumenten gefunden haben. Ebensowenig haben sie ermitteln können, wer für die Zerschneidung der Sie- gel einer Anzahl von Wahlpacketen in den Gewölben der Wahlbehörde verantwortlich ist- Gestern ernannte dje Wahlbehörde an Stelle des bisherigen Hlllfs-Chefcle'rks Frank Agnew den Sergeanten-at-arms des Stadtraths, Jsaac Powell. Derselbe trat sein neues Amt sofort an. Heute Nachmittag werden die Wahl- commissäre sich mit der Frage dre Schaf- fung einer Anzahl neuer Wahl-Prezinkte beschäftigen. Nach den vorgenommenen Zählungen bei der letzten Wahl sollen im Stadtbezirk 17 neue Prezinkte geschaffen werden, ferner 3 oder 4 neue Prezinkte im Town Cicero. Die Großqeschworenen Beschäftigen sich mit dem Föhn Powers-Lall. In der heutigen Untersuchung gegen Alderman John Powers von der 19. Ward, welcher beschuldigt ist, von Nett McCoull, einem Milgliedc der „American Tobacco Co.", §25,000 verlangt zu haben, um die Cigarretten-Vcrordnung zu unterdrücken, legten der oben genannte Herr und der Stenograph John W. Posrgale Aeugniß ad. Der Letztere hörte in einem angren- zenden Zimmer das Angebot, welches Powers dem McCoull machte. Powers erklärte bekanntlich, daß er McCoull und sämintliche andere Ziugen beschuldige, eine Verschwörung abgeschlossen zu haben, um seinen Namen zu ruinircn. Das wird seine Bertheidiguug kein, im Fall er unter An- klage gestellt wird. Zwei gefährliche Eharciktere. Unter der Anklage des Mordversuchs auf den Polizisten Pat. Ryan von der Canal- port Ave.-Station wurden heute Joseph und Thomas Carmody, Brüder des Gesetz- gebers „Hank" Carmody dem Richter Eber- hardt vorgeführt und von diesem bis zum. ! 4. Januar unter je §IOOO Bürgschaft ge- l stellt. Sie und noch drei andere Strolche! hatten sich auf dem Seitenwege vor dem ! Saloon an der Nordwestecke der 22. und! Halsted Str. lärmend betragen, Vier ge- trunken und waren dann, als sie der vorbei- passirende Polizist Ryan zur Ruhe verwies, über diesen hergefallen und hatten seinen Kops ganz fürchterlich mit ihren Fäusten und Stöcken bearbeitet. Die beiden Car- modys, die sich bisher aus alle nur denkbare Weise der Verhaftung zu entziehen gewußt hatten, gehören zu den gefährlichsten Rauf- bolden der Westseite und sind nicht allein von den Einwohnern, sondern auch Poli- zisten gefürchtet und gemieden. Ryan konnte nur mit großer Mühe dazu veranlaßt wer- den, klägarisch gegen die Beiden aufzu- treten. Er weiß ja doch, daß ihnen, den Brüdern des einflußreichen Politikers Car- mody. kein Haar gekrümmt werden wird. Es wird uns daher nicht Wunder nehmen, wenn auch diese Anklage beim Aufruf nie- j dergeschlagen wird. Merkwürdige Geschästspraxis. Joe Veffely, ein Contraktor in Anstrei- cher- und Malerarbeiten, besorgt zur Zeit derartige Arbeit in einem Neubau an der 18. Straße. Seine hierzu benöthigten Far- ben, jOele und Varnish .bezieht er von! Charles Nowack von 559 Blue Island Ave., bei dem er schon hoch in der Kreide steht. Da ihm Nowack mit Entziehung des Kredits drohte, kam er mit diesem überein, ihm die Arbeitslöhne, die er von dem Eigenthümer des Neubaues einzieht, zu übergeben. Doch Veffely hielt sein Versprechen nicht und zog ' am Mittwoch alles ihm zukommende Geld, bezahlte dann seine Arbeiter und behielt den Rest, über §IOO, für sich. Daraufhin ließ ihn Nowack wegen Erlangens von Waaren unter falschen Vorspiegelungen einsperren und Richter Eberhardt stellte ihn bis zum 3. Januar unter §SOO Bürgschaft. Veffely soll sich diese Art Brandschatzung von Geschäftsleuten schon wiederholt haben zu Schulden kommen lassen. Erhielt §FB,OOO zugesprocben. In der Klagesache der „Columbus Con- struction Co." gegen die „Crane Co.", die seit dem 3. Dezember vor dem Districts- richter Seaman verhandelt wurde, sprach heute Morgen nach 17stündiger Beraihung die Jury der klägerischen Partei die Summe von §48,000 zu. Die „Crane Co." hatte der „Columbus Eonstruction Co." eineRöhrenleitung von den Naturgasfeldern in Greentown, Jnd., nach Chicago geliefert. Zu der Arbeit soll so schlechtes Material ver- wandt worden sein, daß die klägerische Par- tei gezwungen war, Reparaturen mit einem Kostenaufwand«: von §256,749 vornehmen zu lassen. Diese wünschten nun die Kläger ersetzt zu haben. Mißtraut wohl dem Stadtrath. Mayor Hopkins hat sich bisher noch nicht dazu entschließen können, dem Stadtraths- beschluß nachzukommen, der ihn anweist, ein Fünfer-Comite zu ernennen, das die gegen den Alderman Powers erhobenen Anklagen untersuchen soll. Der Mayor hat zwar die Gründe seines Zögerns nicht direkt ange- geben, es scheint aber fast, als ob er den Stadtrath für die Vornahme einer solchen Untersuchung nicht für geeignet hält, oder daß es ihm schwer werde, fünf Stadtraths- mitglieder zu finden, denen er mit gutem Ge- wissen die Untersuchung anvertrauen kann. Der Mayor erklärte aber heute Vormittag, daß er die bezügliche Ordre des Stadtraths nicht ebenso ignoriren werde, wie die Ordre des Stadtraths, welche alle Amtshandlun- gen in Bezug auf die Polizei-Commission suspendiren sollte. Abendblatt 1 Cent, 6 Cents die Woche. Zwei bisherige Kreunde Entzweien sich wegen einer Schönen und der Eine UUrd von: Andern äuge) lohen. , Joseph Deersmith und Mattbew die beide inil ihren Litern an der S. fori,in 'ckoe. woimen. waren bi-:- beraana^^^W Tann'tag Abend gute freunde, Sie IW«8 Hörten viel init einander und die saben dies gern. Deck bei Gelegenbeir Balles harren sieh Beide in ein und holde Maid verliebk und sei:her sich nickt wehr so oft. (iw trat eine O'nrfremdnug zwischen ihnen ein. und i,W wachten einander mit d'lrqnsauaen. W^W B'eibnacht-abend rraren sich oie benbubler it, eiu.ein Saloon an Avenue und gccieiben dorr bald in Der Wirt!, !vie-: ne ans drin täte und wurde der Wortkampf dann der Straße weiter fortgesetzt. Sei es daß sich Swebla einer Aeußerung übe- Deernnith schuldig mach^WW oder etlvas anderes diesen außer brachte, denn kurz entschlossen zog er d^^B Schießeisen ans der Hasche und sagte seine»« bisherigen freunde eine Kugel in die ß Schwerverletzt wurde Sivehla in die nung seiner Eltern, 957 California geschafft. Dort liegt er zur Zeit schwer > krank darnieder. Den mit der Verhaftung 1 des leichtsinnigen Schützen betrauten Poli- ! zisten Clohoffy und Stich gelang es heute ' früh, dessen habhaft zu werden. Er stand i heute unter der Anklage des Mordversuchs > vor Richter Eberhards und wurde, da sein Opfer zur Zeit außer Stande ist, als An- kläger aufzutreten, bis zum 8. Januar unter §3OOO Bürgschaft gestellt. Abaesangcne Einbrecher kverdcn auf Anstisten eines Stadtvaters aus dem Strafverfahren entlassen. Unter der Anklage des Raubanfalls auf M. B. McDonald von 3773 N. Robey Str., Ravenswood, standen heute vor Richter Eber- hardt George Brown und John Woolay,zwei elegant gekleidete Dudes, die sich der ganz be- sonderen Freundschaft des Ald.Morrison von der 8. Ward erfreuen, und diesem auch heute ihre Freiheits-Wiedererlangung zu verdanken- i haben. McDonald kam gestern nach der Stadt, um sich den Elephanten anzusehen. Gegen 9 Uhr schwankte er die Blue Island Ave. entlang und stieß an der Ecke der 14. Str. auf die beiden genannten Strolche. 1 Diese nahmen den Betrunkenen in ihre Ob- hut und das erste, was sie mit ihm thaten, war, daß sic den sinnlos Betrunkenen nach dem nächst gelegenen Gäßchen s:h!?vvten und dort um §4O Geld, seine golden 'Uhr und Kette, Ueberzieher und Hut erleichterten. McDonald klagte sein Leid c,nem ihm begeg- nenden Polizisten, welcher den Fall nach der Maxwell Str.-Station berichtete. Bon vort aus wurde der Detectiv Golden den Räubern auf die Fersen gehetzt und vielem gelang es bald darauf Brown aüzufasscn. Einige Stunden darauf wurde auch Woolay einge- I bracht. McDonald, dem in der Station Ge- I legenheit zum Ausschlafen seines Rausches W gegeben wurde, identificirte Brown sofort als einen seiner Angreifer. Detectiv Golden ließ Brown und Woolay darauf wegen Rau- bes und unordentlichen Betragens buchen. Doch kaum war dies geschehen, als der von > der Verhaftung Vrown's benachrichtigte Al- deman Morrison in der Station erschien und von dem Detectiv die Zurückziehung der An- klage gegen Brown erst erbat und als dem nicht Folge gegeben wurde, durch Drohungen l zu erzwingen versuchte. Doch Detectiv Gol- Dden, der ein tüchtiger Geheimer ist, und schon M manchen Einbrecher und Dieb nach Joliet M hatte bringen helfen, ließ sich weder durch den 1 Zorn noch durch die Drohungen des Alder- mans einschüchtern und bestand darauf, daß die Anklage bestehen bliebe. Doch heute früh war ein wenig knieschwach geworden. Dir Polizisten wissen nämlich ganz genau, daß vorläufig der Einfluß des Ward-Aldermans bedeutend größer ist, als der der Polizei- Commission und daß weder ein hoher Pro- l zentsatz bei der Prüfung noch die besten Em- ! pfehlungen Jemand nicht imAmte haltenkön- nen,wenn derHerrAlderm. seinen,,Kopf" ha- ' ben will. Doch wurde dem Detectiv der Rückzug erleichtert. Während er sich näm- lich zu Haus in Morpheus-Armen lag, hatte sich Ald. Morrison des McDonald an- genommen und diesen durch Ueberredung da- hin gebracht, daß er sich weigerte die schrift- liche Anklage (complaint) zu unterschreiben. Als nun heute der Fall vor Richter Eberhardt aufgerufen wurde, glänzte McDonald durch Abwesenheit und konnte auch keine beschwo- rene Anklage vorgelegt werden. Darauf be- antragte der Hilfspolizeianwalt die Nieder- schlagung der Anklage, was auch geschah. Diese Art Justizpflege ist nichts weiter > als eine Verhöhnung der Gesetze und mutz die Polizei total demoralisiren? Selbst die I besten Polizisten geben es auf, Verbrecher DI einzufangen. Denn möglicherweise ist einer derselben ein Schützling des Aldermans in seiner Ward, den er sich dadruch zum un- versöhnlichen Feinde machen und um seine Stelle kommen könnte. Diese Niederschla- gung von Prozessen ist in der jüngsten Zeit vielfach dazu angewandt worden, um den Befehl des Mayors, keinerlei von den Poli- zeirichtern Verhängteen Strafen niederzu- schlagen, zu umgehen. Während früher die polizeigerichtlichen Delinquenten-Listen eine i Menge Vermerke zeigten: Auf Antrag des l Polizeianwalts die Strafe niedergeschlagen, findet man heute die Vermerke: „Non suitby people." Niederschlagung der An- klage. Also, auch hier zeigt es sich, daß derdiesbezügliche Befehl einfach für die Katz'war. Viehmarkt. Schweine sind heute fest und Preise um10,Cent höher. Schwere brachten 4.35 G1.<«i, leichte durcheinandergrobe zum Pökeln 4.10V4 50„Prg5"2.50(Z4.10. Rmdoieh im Preise unverändert. Schafeum s(cklo Cent gefallen. ' Zufuhr 12,000 Stück Schweine, 1000Rindvieh, 5000 Schate.

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