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Abendblatt Newspaper Archives Dec 28 1894, Page 1

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Abendblatt (Newspaper) - December 28, 1894, Chicago, IllinoisHeransgegeben von der Illinois Staats-leitungs-Eo. Chicago, Freitag, 28. Dezember 1894. Preis 1 Cent. 47. Jahrgang. No. 307. Uevevvlick Und Kurzg es a f;les. Der Wind schlägt nach Süden um und warmes klares Wetter wird uns prophe- Zeit. Eine Tochter des verstorbenen Ge- schichtsschreibers Bancroft hat sich heute in Boston mit dem schwedischen Flottenkapi-tän Flasch vermählt. Eine Feuersbrunst hat in Buffalo ein an der nordöstlichen Ecke des Broad- way und der Fillmore Avenue gelegenes Gebäude, in welchem sich die Geschäfte von Eckhardt L Comp., Oswald Tinkler und Carl Weißmann befanden, nebst umliegen- den Gebäulichkeiten eingeäschert; der Scha- den soll sich auf 300,000 Dollars belaufen. Der Aktienmarkt in New Hork ist fest und Chicago Gas- und Schnapstrustakticn sind beziehentlich um 2 und Z pCt. in die Höhe gegangen. Die Getreidebörse eröfsnete matt und Weizen wurde um j Cent billiger verkauft, als gestern am Schluß. Im Maitermin wich der Preis von 571 auf 57! und stieg wieder auf 57A. Welschkorn brachte im Maitermin4B(L4BZ und 48s, Hafer3l3(chs und 31H. Schweinefleisch wurde per Mai mit 11.571G11.60, Schmalz mit 6.90(K 6.921, Rippchen mit 5.90(g 5.92 H gehandelt. Ald. Powers hat es in der gestrigen Stadtrathssitzung durchgesetzt, daß der Mayor beauftragt wurde, ein Comite zu ernennen, welches die gegen ihn erhobene Anklage der Bestechung untersuchen soll. Seiner Erklärung zufolge ist er vollständig unschuldig und ein Opfer der Kabale. Es ist möglich, daß das betreffende Comite der- selben Ansicht ist. Es ist aber auch möglich, daß die Grandjury, welche die Angelegen- heit ebenfalls untersuchen wird, anderer An- sicht ist. Wer weiß? Der Stadtrath nahm gestern einen Beschluß an, wonach der Mayor ange- wiesen wird, alle Amtshandlungen, welche auf die von ihm ernannte Polizei.Com- mission Bezug haben, zu unterlassen. Der Mayor wird sich schwerlich an diesen Be- schluß kehren. Ex-Senator O'Malley ist von dem Droschkenkutscher Sheppard auf H60,000 Schadenersatz verklagt worden. Sheppard wurde bekanntlich von O'Malley verwundet. lm verflossenen Jahre haben 16,000 Paare den Bund für's Leben geschlossen. Die Menschen verstehen es, sich über die schlechten Zeiten hinwegzutrösten. Eekegrapknssüe Depeschen. Dem Tode entronnen. Ein armenischer Zögling des ame- rikanischen College in Ntarso- van aus Ellis Island an- gekommen. Wie zwanzig Zöglinge von den türkischen Soldaten ersäuft wurden. New Aork, 28. Dez. Der interessanteste Ankömmling auf Ellis Island war gestern Abend Diogenes Me- nipve, ein junger Armenier, dem es gelang, sich gerade noch zur rechten Zeit vor der Wuth der Türken zu retten, und welcher fast als nicht wünschenswerther Einwanderer zurück-geschickt worden wäre. Die Einwande- rungsbeamten erlaubten ihm jedoch schließ-lich, nach gründlicher Untersuchung seines Falles, an Land zu gehen. Menippe ist nur18 Jahre alt und war Zögling des amerika- nischen College in Marsovan, in Armenien. Nachdem er gesehen hatte, wie zwanzig seiner Schulkollegen ermordet wurden, und zweivon den Professoren eingekerkert und zum Tode verurtheilt wurden, beschloß er, zu ent- fliehen und er verließ heimlich die Stadt. Menippe ist ein aufgeweckter junger Mann und spricht ziemlich gut englisch. Dies kam ihm zu Statten, als er in Constantinopel an- kam, wo er sich für einen Ausländer ausgab. Seine Eltern sind bei der amerikanischen Bi- bel-Gesellschaft in Marsovan angestellt und sind , da sie unter dem Schutze der amerika- nischen Flagge stehen, niemals belästigt wor- den. Sie versorgten ihn mit Geld zur Ueber- sahrt, aber bei seiner Ankunft hier hatte er nur noch H 6 und gehörte deshalb zu der Klasseder nicht wllnschenswerthen Einwanderer. Seine Flucht aus Marsovan sagte er, war mit vielen Gefahren verknüpft. Die ganze Stadt wurde von türkischen Truppen durch-zogen, die, wenn sie nichts anderes zu thunhatten, eine Abtheilung nach dem College schickten, um mit einem Zöglinge ein Verhör anzustellen. Dies bestand meistens darin, daß derselbe aus dem College fortgeführt wurde, daß man einen Stein an seinem Halse befestigte und ihn in den Fluß warf. Auf diese Weise wurden, seiner Angabe nach, in zwei Jahren zwanzig von den Zöglingen bei Seite geschafft. Zwei von den Professoren waren verhaftet worden und wurden nach einem Scheinpro- zeß zum Tode verurtheilt. Ehe das Urtheilzur Ausführung kam, wandte sich Dr. Her-rick, ein englischer Professor des College,direkt cm seine Regierung, um für die beiden Män- ner einzutreten, worauf die türkische Re-gierung die Freilassung derselben anord- nete. Zwei von den Gebäuden wurden von den türkischen Truppen verbrannt. Vertriebene Posträuber. Sie wollten sich am Weihnachtsabend der Postsachen des Prinzen von Wales bemächtigen. London, 28. Dez. Die „Daily News" sagt, daß am Weih- nachtsabend zwei Männer den Versuch ge- macht Hütten, denKutscher des Postwagens, welcher die Postsachen des Prinzen von Wales nach Sandringham House, der Wohnung des Prinzen beförderte, mit einem Lasso zu überfallen. Der Lasso ver- fehlte sein Ziel; der Kutscher wehrte seine Angreifer mit der Peitsche ab, und traf mit seinen Postsachen sicher in Sandring- ham House ein. Die Polizei ist mit der Untersuchung des Falles beschäftigt. -Ml lll»erjklll>Wer Lm- milsiir siir Amenik». Türkische Reformpläne siir das Land. Vier Provinzen sollen zu einer Pro- vinz vereinigt werden, Welche später christliche Gouverneure erhal- ten soll. K o n st a n t i n o p e l. 28. Dez. Es scheint jetzt endgültig entschieden zu sein, daß Alexander Terrell, der amerika- nische Gesandte, nicht beabsichtigt, irgend Jemand abzusenden, um eine unabhängige Untersuchung der von den Türken in Ar- menien verübten Greuel anzustellen. Der Grund dafür ist, wie man glaubt, in der Thatsache zu suchen, daß Berliner Vectrags- mächte, besonders England, die von der tür- kischen Regierung angeordnete Untersuchung übernehmen werden. Im letzten Ministerrath wurden mannig- fache Reformpläne für Armenien berathen, und es heißt, daß folgende Vorschläge im Princip zur Annahme kommen werden: Die Provinzen Erzerum, Wan, Bitlis und Mush sollen zu einer Provinz vereinigt wer- den; der erste Gouverneur soll ein Muha- medaner sein, seine Nachfolger jedoch Chri- sten, aber keine Armenier. Die Gensdar- merie soll unter dem Befehle eines Divi- sionsgenerals stehen, welcher vom Sultan ernannt wird. Die in der Provinz erhobenen Steuern sollen in der Provinz verbraucht werden, und die öffentliche Schuld und das Ta- baksmonopol sollen davon jährlich eine feste Summe erhalten. Die Richter sollen ge- wählt werden, aber der Präsident des Rich-tercollegiums soll nach dem alten System ernannt werden. Schließlich sollen zwei Regierungsabtheilungen errichtet werden, nämlich eine Abtheilung für die öffentlichen Arbeiten, und eine andere für den öffent- lichen Unterricht. Während aber die Re- formarbeiten in Konstantinopel vor sich gingen, trafen Nachrichten von weiteren Un- ruhen aus der Provinz Sivas ein, bei denen eine Menge Armenier das Leben einbüßten, oder schwer verwundet wurden. Die Armenier im Bezirke Wan sollen sich in einer traurigen Lage befinden; viele derselben werden fortwährend von den Tür- ken aus ihren Dörfern vorgeladen und dann als Zeugen festgehalten, so daß sie nicht im Stande sind, ihr Land zu bestellen, weshalb im Jahre 1896 nur dürftige Ernten erwar- tet werden. Auf der Reise nach Japan. Zwei chinesische Friedensconrmiffäre nach der japanischen Hauptstadt unterwegs. Der eins derselben wird von der japanischen Regierung wabrscheinlich wieder nach Hause geschickt werden. Shanghai, 28. Dez. Der Friedenscommissär Tschang-Ain- Hoan ist von Tien-Tsin nach Tshi-Fu abge- reist, wird mit seinem Kollegen Shao-Aao- Lien am 6. Januar hier Zusammentreffen, und dann mit diesem die Reise nach Tokio antreten. Tshang-lin-Hoan ist Präsident der Steuerbehörde, Mitglied des Reichsrathes, und war vor einigen Jahren chinesischer Ge- sandter in Washington. Shao-lao-Lien ist stellvertretender Gouverneur der chinesi- schen Provinz Huan; er war früher Gou- verneur der Insel Formosa und setzte als solcher eine Belohnung von HIO.OOO für die Zerstörung eines großen japanischen Kriegs- schiffes aus, während er für die Zerstörung von kleineren japanischen Kriegsschiffen eine Belohnung von H6OOO bot. Außerdem ent- warf er noch eine besondere Preisliste für die Einbringung von tobten oder lebenden japanischen Soldaten; für den Kopf eines japanischenOffiziers bezahlte er H2OO, wäh- rend ein gemeiner Soldat bei ihm nur einen Werth von HIOO hatte. Aus diesen Gründen wird sich, wie behauptet wird, die japanische Regierung weigern, den Herrn Shao-Aao- Lien als Friedenscommissär zu empfangen. Bedeutende Feuersbrunst. Mehrere große Geschästsläden eingeäschert. Buffalo, N. Y., 28. Dez. Gestern Nacht brannte der dreistöckige Vacksteinblock an der Ecke von Broadway und Fillmore Ave .nieder. Das Gebäude war Eigenthum von John Kennedy in Binghamton, und es befanden sich in dem- selben die Geschäftsläden von Eckhardt L Co., Oswald Tinkler, und Charles Wis- man. Das Feuer dehnte sich über den gan- zen Block aus, sprang über den Broadway, und ergriff auch den Backsteinblock an Fill- more Ave. und Gibson Str., wo John H. Eckhardt's Möbelgeschäft, der Laden der Atlantic L Pacific Tea Company, Kakur's Grundeigenthumsbureau, und Stover's Grocery eingeäschert wurden. Der Verlust beträgt H30Ö.000. Da die Hydranten ein- gefroren waren, dauerte es eine halbe Stunde, ehe die Feuerwehr das nöthige Was-ser zur Verfügung hatte. Dampfkesselexplosion. Drei Personen lebensgefährlich verletzt. Kansas City, 28. Dez. Gestern Abend exvlodirte im Midland Hotel der Dampfkessel, und zwei, und vielleicht drei Personen erlitten dadurch lebensgefährliche Verletzungen. Dieselben sind der erste Maschinist Fred. Patton, der Heizer John Alba und der Elektriker Riley Möwen. Die zahlreichen Hotel- gäste kamen mit den bloßen Schrecken da- von. Der Einzug des Mittlers. Derselbe macht sich durch einen Tem- peraturwechsel von etwa HO Grad einigermaßen be- merkbar. Im Allgemeinen hat im Staate nur ein ge- ringer Schneesall stattgefunden. " Springfield, Jll., 28. Dez. Vom Morgen, halb acht Uhr bis nach ein Übr fand hier bei ziemlich heftigen Nordwestwind ein leichter Schneefall statt. Am Nachmittag begann das Thermometer bedeutend zu fallen, und heute Morgen hat es den Nullpunkt erreicht. Alton, Jll., 28. Dez. Innerhalb der letzten vierundzwanzig Stunden hat hier ein Temperaturunterschied von 50 Grad stattgefunden. Am Morgen schneite es bei heftigem Nordwind ein we- nig, und allem Anscheine nach wird das Thermometer binnen wenigen Stunden ge- fallen sein. Decatur, Jll., 28. Dez. Gestern Morgen siel das Thermometer bis auf 12 Grad über Null und auch am Nachmittage nahm die Kälte stetig zu. Der Sangamon ist zugesroren, aber es hat kein Schneefall stattgesunden. Champaign, Jll., 28. Dez. Gestern Morgen stand das Thermometer auf 14 Grad über Null, etwa 20 Grad niedriger als je vorher in diesem Jahre; dabei hat ein tüchtiger Schneefall siallge- sunden. Quinch, Jll., 28. Dez. Gestern Abend fiel das Thermometer auf 16 Grad und die Kälte ist im Steigen be- griffen. Das Wetter war klar, und der Schiteefall sehr unbedeutend. Galesburg, Jll., 28. Dez. Seit vorgestern ist das Thermometer um 40 Grad gefallen; gestern Abend stand esaus Skull, und heute Morgen hatte es bei heftigem Nordwind den Nullpunkt weit überschritten. Der augenblicklich hier herr- schende Wassermangel giebt zu mancherlei Besorgniß Veranlassung. Bloomington, Jll., 28. Dez. Hier begann der Schneesall schon vor- gestern Abend, und derselbe hielt während der ganzen Nacht und des gestrigen Tages an. Das Thermometer ist auf 5 Grad unter Null gefallen. Peoria, Jll., 28. Dez. Seit gestern herrscht hier starke Kälte, und das Thermometer hatte heute Morgen nach Mitternacht den Nullpunkt überschrit- ten. Es hat kein Schncefall stattgefunden, und cs sind auch keineAnzcichen vonSchne- ewetter vorhanden. Rockford, Naperville, Elgin und Wauke- gan hatten ebenfalls unter dem plötzlichen Witterungswechsel zu leiden, und in all diesen Ortschaften war das Thermometer heute Morgen bis unter Null gefallen. Dabei wehte ein heftiger Nordwind, der jedoch keinen oder nur sehrgeringen Schnee- fall im Gefolge hatte. Die armenischen Greuel. Eine Stimme aus dem südlichen Rußland darüber. Liue Einmischung der Mächte empfohlen. London, 28. Dez. Von Odesia wird der „Daily News" ge- meldet, daß ein südrussisches Blatt erklärt, daß hinreichende Beweise für die armeni- schen Greuel vorliegen, um die Mächte zu der Forderung zu berechtigen, daß die kur- dischen Regimenter und die Hamidie Reite- rei ausgelöst und entwaffnet werden. Diese Forderung wäre nur eine verspätete Genug- thuung für die von den Mächten gezeigte Nachlässigkeit, daß sie der Türkei überhaupt erlaubten, diese aus unverbesserlichen Ban- diten bestehenden Truppen iu Dienst zu stellen. Eine sonderbare Geschichte. Wie Jemand durch eine „Erscheinung" bei heftigem Scbneeacstöber zu einer sechs Meilen langen Fußwanderung veranlaßt wurde. De r b y, Conn., 28.Dez. Gestern Abend um 11 Uhr stand John Connors, ein Mann von fünfzig Jahren, im Begriff, zu Bette zu gehen, als er plötz- lich anderen Sinnes wurde und ohne ein Wort an seine Familie, barfüßig und bar- häuptig, und nur mit seinem Nachtzeug be-kleidet, durch den fußtiefen Schnee und bei heftigem Schneegestöber, den Weg nach der sechs Meilen entfernten Wohnung seines Onkels, Michael McEnerney, in Orange, antrat. Dieser war durch das Erscheinen seines Neffen auf dasHöchste erstaunt, und dies Er- staunen steigerte sich noch, als Connors ihm den Grund dafür angab. Er sagte näm- lich, daß er gerade als er zu Bette gehenwollte, eine Erscheinung gehabt habe, die ihm mittheilte, daß seine Tante, die FrauMcEnerny, ernstlich erkrankt sei und daß ersich deshalb sofort auf den Weg zu ihr ge- macht habe. Um 10 Uhr, eine'Stunde ehe Connors aus Derby hatte Frau McEnerney einen schweren Schlag-anfall, der unzweifelhaft ihren Tod zur Folge haben wird. Connors liegt jetzt an den Folgen seinernächtlichen Wanderung durch Sturm und Schnee todtkrank im Bette. Tod eines indischen Fürsten. Der Maharajah von Mysore an der Diph- therie gestorben. Calcutta, 28. Dez. Ehamrajendra Wadiar Bahadur, der Maharajab von Mysore, einer der ange- sehensten eingeborenen indischen Fürsten, welcher sich hier wegen eines diphlheriti- schen Leidens in ärztlicher Behandlung be- fand, ist gestorben. Die Juden in Rußland. Die Verbesserung der Lage derselben von der russischen Regierung berathen. Was ein Korrespondent des „Jewish Lhronicle" darüber sagt. Londv'N, 28. Dez. Das „Jewish Chronicle" veröffentlicht den Brief eines Korrespondenten, welcher mit den in russischen Beamlenkreisen herr- schenden Ansichten bekannt ist, worin der Verfasser erklärt, daß wenn die Juden im westlichen Europa mehr Geduld und Ver- trauen auf die guten Absichten der russi- schen Regierung setzten, sie die Rathgeber des Czarcn so eifrig als sie selbst finden würden, um die Lage der Juden zu ver- bessern. Die Jndignationsversammlun- gen in London haben der jüdischen Sache mehr geschadet, als alle antisemitischen Wühlereien. Vor einem Jabre seien pri- vatim Befehle zur mäßigen Handhabung der bedrückenden Gesetze erlassen, und es werde beabsichtigt, noch weitere Zuge- ständnisse zu machen. Aber die Aufgabe ist eine gewaltige, und wird durch be- dauernswerthe soziale Umstände, welche selbst durch Verleihung von gesellschaftlichen Rechten nicht wirksam gehoben werden können, noch schwieriger gemacht. Eine Re- form kann deshalb nur allmählich ein- trelen. Die Frage über die Errichtung von neuen Negierungsämtern mit direkter Berücksichtigung der jüdischen Frage wird deshalb bereits berathen, aber bis jetzt ist noch nichts darüber entschieden. Das „Jewish Chronicle" sagt, daß seit- dem der Brief geschrieben wurde, die in demselben gemachten Andeutungen theil- weise durch den Gouverneurswechsel in Warschau und Kiew eine Bestätigung ge- sunden hätten. Das „Chronicle" sagt weiter, daß es den Angaben des Korrespondenten so lange kei- nen unbedingten Glauben schenken könne, als nicht wirkliche, direkt darauf bezügliche Thatsachen berichtet würden, und fügt hin- zu, daß so lange Pobjedonoszew an der Spitze der russischen Synode steht, religiöse Toleranz kaum erwartet werden dürfe. Erfahrungen eines amerikani- schen Bürgers. Wie es einem hier naluralisirten Armenier in Aonstantinopel erging, Und wie er vom amerikanischen Gesandten behandelt wurde. Hartford, Conn., 28. Dez. S. Radigan, ein bekannter Vostoner Photograph, hat kürzlich einem hiesigen Be- kannten brieflich mitgetheilt, wie er vom Gesandten Terrell in Konstantinopel be- handelt wurde. Radigan reiste im letzten August von hier ab, um einen Verwandten in Harpul, Armenien zu besuchen. In seinem Briefe sagt er, daß er gleich nach seiner Landung in Konstantinopel in Haft genommen wurde. Er verlangte, den Ge- sandten Terrell zu sehen, und die Polizei begleitete ihn dahin. Der Gesandte sagte ihm, daß er nur Bürgern Schutz gewähren könne, die in Amerika geboren seien, und rieth ihm, nach den Ver. Staaten zurllck- zukehren. Radigan, der neun Jahre in Boston gewohnt hat, und naturalisirter amerikanischer Bürger ist, sagte Terrell: „Weshalb werden Sie von der Regierung bezahlt, wenn Sie hiesige amerikanische Bürger nicht beschützen wollen?" Terrell erwiderte, daß ihn dies nichts an- gehe, und befahl ihm, sich aus dem Bureau zu entfernen. Darauf begab sich Radigan nach der russi- schen Grenze; in Vartum in Rußland er- langte er einen russischen Paß und damit war er im Stande, zu seinen Verwandten in Harpul zu gelangen. In seinem Briefe heißt es weiter : „Ein russischer Paß beschützt mich, aber meine, amerikanischen Papiere sind nutzlos." Der Hr. Aghamalian wird diese That- sachen dem Staatssekretär Gresham mit- theilen und den Senator Hawley ersuchen, die Angelegenheit dem Senatsausschuß vor- zulegen. Soll vorgeladen werden. Ver Polizeichef Byrnes wird wahrscheinlich als Zeuge vor dem Lexow-Lomitc zu erscheinen haben. New Nork, 28. Dez. Goss, der Anwalt des Lexow-Comites, theilte gestern Abend einem Berichterstatter mit, daß er entweder heute oder morgen den Polizeichef Byrnes als Zeugen werde vor- laden lassen. Der Polizeichef wurde später befragt, vom Comite eine Vorladung erhalten habe, und erwiderte, daß er keine erhalten habe, und daß es auch nicht nöthig sei, ihm eine Vorladung zuzustellen. „Ich bin und war stets bereit," sagte er, „Aus- sagen vor dem Comite zu machen, und es be- darf nur eines Wortes von Seiten des Hrn. Goss, um mich bei demselben einzustellen." Fünfund;wanzigjähriges lubi- - läum. Dasselbe wurde gestern vom Pfarrer Westorp in Llgin gefeiert. Elgin, Jll., 28. Dez. Gestern bat der Pfarrer Bernard Westorp von der hiesigen deufchen katholischen St. Josephskirche, sein fünfundzwanzigjähri- ges Jubiläum als Priester gefeiert. Ilm zehn Uhr am Morgen wurde der Jubilar von seiner Gemeinde zur Kirche geleitet, wo unter Mitwirkung der Pfarrer Bangen aus East Aurora, Pfarrer Kirch aus Mc Henry und Pfarrer Rhodes aus Frcmont Center ein feierliches Hochamt celebrirt wurde. Das Psarreramt an der hiesigen St. Josephskirche hatte Pfarrer Westorp am 15. Juli 1887 übernommen. Revolutionäre Umtriebe in Rio. § Die dort ftationirten Truppen in offener Der Ausbruch einer neuen Revolution nicht unwahrscheinlich. Montevideo, 28. Dez. Laut Berichten aus Rio de Janeiro herrscht dort eine Panik, und die Truppen weigern sich nach dem Süden zu gehen. Der Präsident Moraes hat entdeckt, daß die Armee zu Peixoto hält; die früheren Ossizierc weigern sich, Befehlshabcrstellcn anzunchmen um in Rio Grande do Sul in's Feld zu rücken, und das ganze Land scheint unmittelbar vor einer Revolution zu stehen. Mehr als 200 Offiziere sind verhaftet worden, und befinden sich unter scharfer Bewachung in den umliegenden Forts. Einem Gerüchte nach soll von subalternen Offizieren der Versuch gemacht werden, ihre Kameraden aus der Haft zu befreien. Dagegen sind aber Vorsichtsmaßregeln ge- troffen worden. Der Präsident Moraes wagt nicht energisch aufzutreten und Peixo- to's Verhaftung «nzuordnen, weil ec be- fürchtet, dadurch den Ausbruch von ernst- lichen Unruhen zu beschleunigen. plötzlicher Tod. Lin alter Zeitungsmann stürzt auf der Straße todt nieder. La Crosse, Wisc., 28. Dez. Gestern Morgen, gegen neun Uhr, stürzte John Ulrich plötzlich todt aus der Straße nieder. Der Verstorbene war 66 Jahre alt, in der Schweiz geboren, und von 1857 bis 1881 Eigenthümcr des deutschen Blat- tes „Nordstern". Er war semer Zeit Vorsteher des Bundeslandamtes, Alder- man, Schulrath und Supervisor. Städtisches. Das Wetter. Optiker Kl ei ne, 76Washington Str., berichtet für Chicago die folgenden Baro- meter- und Thecmometerstände: Um 8 Uhr Morg. 0 Gr., um 9 Uhr 2 Gr., um 10 Uhr 5 Gr., um 11 Uhr 8 Gr., um 12 Übr 12 Gr. Barometerstand um 8 Uhr Morg. 29.65, 12 Uhr 29.70. Briefkasten. A. F. Wenn Sie Zeugen für Ihre Be- schuldigung haben, müssen Sie einen Advo- katen mit der Einreichung einer Scheidungs- klage in den hiesigen Gerichten beauftragen. Der Fall Eapt. T. T. Aane. Auf den 7. Januar verschoben. Kane's Mißachtung des Gerichts. Will kein Geld von Spruhan haben.—Gegen- beweise. Heute Morgen gewährte Richter Goggin dem Polizei- Captain T. C. Kane von der Desplainesstr.-Station einen Aufschub in der Spruhan - Angelegenheit bis zum 7. Januar. Kane ist an der Lungenentzündung erkrankt und sprach die Drohung aus, daß er den Richter Goggin tödten werde, wenn er ihn zwänge, in's Gericht zu kommen. Diese Bemerkung ist dem Captain wohl nur in der Verzweiflung seiner Krankheit entfahren und die Ausführung der ist kaum anzunehmen. James Spruhan und seine Frau Mary Spruhan, ein Ehepaar, in den sechziger Jahren stehend, wurden zur Zeit der Weltausstellung wegen angeblichen Taschendiebstahls verhaftet; der Fall kam nicht zur Verhandlung, weil keine Zeugen auftraten. Spruhan behauptet, daß ihm Kane damals H97 und eine goldene Uhr und Kette abnahm. Kane will von der Uhr und Kette nichts wissen und behauptet, daß er kein Geld der Spruhan's in seinem Besitz habe. Am 11. Dezember erließ Richters Goggin den Vorführungsbefehl gegen Kane, welcher nicht gesunden werden konnte. Am nächsten Tag kam er in's Gericht und be- hauptete, er habe kein Geld der Spruhan's. Dieselben beschworen ihrerseits, daß ihnen der Captain sagte, er habe H94 ihres Geldes in seinem Besitz. Der Richter ließ entrüstet einen Mißachtungsbefehl gegen Kane aus- stellen, welchen der Beamte ebenfalls ig- norirte. Heute kam die Kunde von seiner Erkrankung und der Richter setzte die Ver-! Handlung auf den 7. Januar fest. Spruhan war heute Morgen und erzählte, kaltlächelnd, daß er im Jahre 1860 wegen! eines Mordes in Californien fünf Jahre! Zuchthaus dortselbst abbüßte. Col. James vertritt Spruhan's Sache. Kane wird von Dr. McDonald behandelt. Friedensrichter Porter erklärte, daß er bei der Ueberwei-sung des Spruhan-Ehepaares an das Cri- minalgericht dem Capt. Kane H94 übergab. Neujahrsball. Der Turnverein Vorwärts wird am 31. Dezember seinen üblichen Neujahrsball ab- halten, auf welchem es, wie gewöhnlich, sehr vergnügt hergehen wird. Wer die Vor- wärtsler kennt, weiß auch, daß es ein Ge- nuß ist, in ihrer Gesellschaft das alte Jahr zu beschließen und das neue anzufangen. Abgenonnnene Beute. Henry White, welcher gestern von den Detectivs Halpin und Morgan an der Ecke der Morgan und Lake Str. mit einem Koffer Kleidungsstücken, Uhren und anderen Schmucksachen, die er aus dem Hause 1661 Milwaukee Avenue gestohlen hatte, abge- faßt worden war, wurde heute von Richter Foster unter H4OO Bürgschaft an das Cri- minalgericht verwiesen. Der Eigenthllmer der gestohlenen Gegenstände, L. Grabowsky, hatte dieselben in der Centralstation sofort als sein Eigenthum identificirt. Selbstmord. Ein Mann Namens Kaufrensky erschoßsich gestern Abend in seiner Wohnung Ecke North Ave. und California Ave. Arbeits- losigkeit und Hunger trieb ihn in den Tod. Ungerechtfertigte Anklage Gegen einen achtbaren Mann. In eine unangenehme Situation brachte sich die Ecke der Ogden und Western Ave. wohnende Frau Jas. Merry durch die durch nichts gerechtfertigte auf Diebstahl lautende Anklage gegen den Milchhändler Fred.Schelp. Demselben wird von vielen Seiten, insbe- sondere von seinem früheren Brodherrn, dem Grocer John Campbell von 676 Marshsield Ave., (bei welchem er 6 Jahre als Kutscher und Clerk gearbeitet hatte), das beste Leu- mundszeugniß ausgestellt. Frau Merry be- schuldigt ihn nun, sie während der dreimo- natlichen Milchablieferung zweimal bestohlen zu haben, und zwar soll er ihr am 21. Sep- tember ein Portemonnaie mit HlO und am 21. Dezember ein solches mit HU Inhalt und ihres Mannes goldene Uhr gestohlen ha- ben. Diese Diebstähle soll er dadurch began- gen haben, daß er sich, während sie (dieMecry) bei einer in demselben Hause wohnenden FraU-Smith sich aufhielt, mittels eines Nach- schlüssels die aus dem Corridor nach dem Schlafzimmer führende Thür öffnete, die gestohlenen Sachen aus dem Kloset holte und dann, man höre und staune, mittels desselben Schlüssels die Thür wieder geschlos-sen zu haben. Als Frau Merry ihre Woh- nung durch die Küchenthür betuat, merkte sie anfangs nichts Auffälliges. Doch, als sie das Geld suchte, und nicht fand, fiel ihr Verdacht zum zweiten Male auf den Milchmann und de"r, trotzdem sie die sämmtlichen Thüren verschlossen fand und der Schlüssel zu der Thür, durch welche Schelp sich Eingang verschafft haben sollte, noch immer im Zimmer auf der Schwelle lag, wohin sie ihn gelegt hatte. Eine ihrer Zeuginnen, Frau Smith, sagte aus, daß während die Merry bei ihr zu Besuch war, sie wiederholt äußerte, es geschehe in ihrer Wohnung z. Z. etwas Fürchterliches; aber sie wollte nicht Nachsehen, ob dem auch so sei. Schelp, der einen ungemein guten Ein- druck auf den Richter machte, wurde von den Detektivs Hogan und Hennessey auf seiner Rundfahrt zu den Kunden verhaftet. Der Richter sprach Schelp von der Anklage frei und verfehlte nicht, der Klägerin gehörig den Kümmel zu reiben. Er wies daraus hin, daß ihm eine solche, durch nichts be- wiesene und gerechtfertigte Anklage schon lange nicht beschäftigt hätte. Die neuen lvasserbonds. Wie unsere Leser aus dem Stadtraths- bericht an anderer Stelle dieses Blattes er- sehen, ist gestern vom Stadtrath die Ver- ausgabung von sechsprozentigen Wasser- bonds zum Betrage von einer halben Mil- lion Dollars endgiltig beschlossen worden. Das aus dem Verkauf der Bonds erzielte Geld soll zunächst dazu verwendet werden, Wasserbonds, die bereits am 1. Dezember d. I. fällig kourden, zum Betrage von H333.000 einzulösen, sowie die Zinsen für weitere noch nicht fällige Bonds zum Be- trage von H667.000, welche sich auf H16.000 belaufen, zu bezahlen. Der Rest der H600,- 000 ist dazu bestimmt, fällige Hyde Parker Wasserbonds einzulösen. Comptroller Jones erklärte heute Vor- mittag, daß die neuen Bonds sofort ge- druckt und auf den Markt gebracht werden sollen. Er glaubte annehmen zu können, daß die Absetzung der Bonds gar keine Schwierigkeiten bieten werde, und daß die- selben allgesammt in Chicago selbst abge- setzt werden können. Zur Sicherung der „Eribs". Stadtingenieur Artingstall unternahm gestern Nachmittag eine Ausfahrt nach den verschiedenen Wasserwerks-Cribs, um sich davon zu überzeugen, ob dort alles für den Winter in Ordnung sei. Der hochgehende Michigan-See gestattete Herrn Artingstall ! zwar an keiner der Cribs die Landung, er gewann aber schon von außen her die Ueber-! Zeugung, daß es an der Zeit sei, die Be- mannung der Cribs zu verstärken. Die Folge seiner Beobachtungen war die, daß er heute früh vier Mann nach der Zweimeilen- Crib, zwei Mann nach der Viermeilen-Crib und ebenfalls zwei Mann nach der Crib gegenüber der 68. Straße hinausschickte, um dort den Winter über zu verbleiben und die Wassereinlaßschachte frei von Eis zu halten. Soweit Herr Artingstall beobachten konnte, hat der gestrige Schneesturm an den Cribs keinen Schaden angerichtet. Jugendlicher Posträuber. Vor dem Hlllfs-Bundescommissär Kemp stand heute Morgen ein fünfzehnjähriger Bursche, Namens Erwin McLain, unter der Anklage, am 7. und 20. Dezember in das Postamt in Fulton, Wis., eingebrochen zu sein und mehrere Briefe, in denen er Geld vermuthete, sowie eine Menge Postmarken gestohlen zu haben. Er wurde auf Veran- lassung des Postmeisters von Fulton, Wis., O. P. Murwin, der ihm hierher gefolgt war, heute Morgen auf dem Union Lahn- hofe von dem Polizisten Gibbons verhaftet. Hülfscommissär Kemp stellte ihn unter HSOO Bürgschaft und verwies ihn an die Behörden von Wisconsin. Er wird noch heute von einem Postamts-Inspektor nach Madison gebracht und im dortigen County- gefängniß abgeliefert werden. McLain macht übrigens gar kein Hehl aus seiner Schuld. Chicago im Schnee. Ein schöner, klarer, wenn auch recht kalter Wintertag folgte heute dem gestrigen schwe- ren Schneesturm. Wenn auch in den öst- lichen Staaten noch bedeutend mehr Schnee fiel, so können wir auch uns über ein Zu- wenig nicht beklagen, obgleich sich das Wet- ter um 4 Uhr gestern Nachmittag bereits aufhellte. Prof. Moore, welcher in Chi- cago das Wetter macht, stellt eine intensive Kälte in Aussicht, die mindestens drei Tage andauern soll. Obgleich die Straßenbahngesellschaften zeitig mit ihren Schneepflügen an Ort und Stelle waren, um eine Anhäufung des Schnees auf den Geleisen zu verhindern, ! konnten doch verschiedene Verkehrsstörungen . nicht vermieden werden. Es waren na- mentlich die Pferdebahnlinien, welche da- runter zu leiden hatten. Ernste Unfälle wur- den nicht gemeldet, doch hatten die Passa- giere einmal wiederGelegenheit, über schlechte Heizung der Wagen zu klagen. Gegen den Staats-Anwalt Beginnt die Untersuchung deute Morgen. Adolph Kraus und drei „Times-Repor- ter als Zeugen. Mayor Hopkins, Lhes Brennan, Kipley und Shea vernommen. Heute Morgen um Punkt zehn Uhr er- schien Arthur I. Eddy, welchen Richter Tu- ley gestern mit der Großgeschworenen-Unter- suchung gegen Mißverwaltung des Staats- Anwalts Jacob Kern betraute, vor denGroß- geschworenen. Nach einem gestern von der Grandjury gefaßten Beschluß werden die Berichterstatter nicht mehr in das Zeugen- zimmer zugelasten. Hülfssheriff Solomon sitzt als Cerberus an der Außenthür und erfüllt den Befehl, da ihm alle Berichterstatter bekannt sind. Um Information zu erhalten, bleibt den Berichterstattern also nichts ande- res übrig, als die Zeugen abzuwarten und Mittheilungen von denselben erlangen ZU suchen. Als Zeugen machten heute Vormittag Adolph Kraus, Chefredakteur der „Times", der Berichterstatter Charles Lincoln Rhodes und zwei andere Berichterstatter der Times Aussagen. Ihr Zeugniß bestätigte die von der Times erhobenen Beschuldigungen, Daß Kern verfallene und eingezogene gelder seinem Privatvermögen gutscyr»b. Unter den weiteren Zeugen befanden M Mayor John P. Hopkins, Hülfschef ley, Polizeichef Brennan und Geheimpolizei ches Shea. Jedenfalls berichteten diese Be- amten über die Streichung von Prozessen in widerrechtlicher Weise. Der Staats-Anwalt beharrt auf seiner Versicherung, daß er das Amt in gewissenhafter Weise führte. Ein eifersüchtiger Ehegatte Macht seiner Ehehälfte das Leben zur Hölle. Ein undankbarer Ehegatte ist, wie es den Anschein hat, der in No. 663 S. Western Ave. wohnende James Tuthill. Aus Dank dafür, daß ihn seine Mary (eine allerdings schon verblühte Schönheit) dreimal wöchent- lich barbirt, 2 mal im Monat die Haar schneidet, die Füße wäscht, Kleider flickt und reinigt, Stiefel putzt, gutes Essen vorsetzt, stets dafür sorgt, daß er sein Bier auf dem s Tisch hat und nach dem Essen sein ge- stopftes Pfeifchen vorfindet, behandelt er sie t mit der rücksichtslosesten Rohheit. Er ist ohne allen Grund auf sie eifersüchtig und beschuldigt sie des Ehebruchs mit dem Grocer, Fleischer, Bäcker, kurz irgend einem Manne, mit dem sie spricht. Dabei soll er selbst ein Ausbund von Lüderlichkeit sein und im Punkt ehelicher Treue es gar nicht genau nehmen. Oft genug findet sie, wenn sie seine Kleider putzt und flickt, verwelkte Blumenbouquets in seinen Taschen und stellt sie ihn diesbezüglich zur Rede, so wird er grob und mißhandelt sie. Doch das würde sie noch ertragen, wenn er sie, die seit'Jah- ren an Neuralgie leidet, nur nicht, wenn sie über Schmerzen klagt und sich auf's Bett wirst, von dort hinabwürfe und sich in sei- nen schmutzigen Arbeitssachen auf das reine Bett würfe. Da er schrecklich lange Beine hat, so müsse er sich seitwärts legen und ' dadurch ruinire er mit seinen schmutzigen Stiefeln das Bett total. All ihr Pro- testiren sei zwecklos. Seine Lüderlichkeit bewies sie heute vor Richtr Dooley dadurch, daß sie diesem mittheilte, daß er während des großen Streiks Deputymarschall war , und am Tage, als er seinen Gehalt (etwa H9O) zog, mit 10 Cents in der Tasche heim- kam und ihr einzureden suchte, daß er be- raubt worden wäre. Als sie aus ihrem Lager vor neuralgischen Schmerzen sich windend, ihn ob dieser Lüge zur Rede stellte,warf er sich aufs Bett und be- arbeitete dies derartig, daß sie hinausfiel und sich schwer verletzte. Am Weihnachtstage ar- beitete er nicht und sagte, er wolle sich einmal im häuslichenKreise amüsiren. Doch bestand dieses Amüsement in nichts weiter als Zan- ken und Streiten. Dies veranlaßte die Frau das Haus zu verlassen und sich zu ihrer Schwester zu begeben. Dort blieb sie aller- dings 36 Stunden. Als sie am Abend des 26. Dezember heimkam, warf er ihr wieder ihre Untreue vor und sagte ihr auf den Kopf, daß sie sich mit Männern Herumgetrieben und mißhandelte sie, als sie sich zu rechtfertigen versuchte, aufs Brutalste. Nachdem die Schlacht beendet war, war das Schlachtfeld mit zerbrochenen Möbeln und die Frau mit einer Unmenge Wunden bedeckt. Nunmehr verwandelte sich ihre Liebe zu James in gäh- rend Drachengift und sie ließ ihn wegen thät- lichen Angriffs und unordentlichen Betra- gens einsperren. Die Aussagen der beiden Zeugen vor Richter Dooley waren derartig, daß dieser sowohl als auch die Zuhörer, nicht aus dem Lachen herauskamen. Da T'uthill in einer Windmühlenfabrik arbeitet,so meinte Mary, kämpfe er gegen Windmühlen und sähe in jedem Mann einen Nebenbuhler in ih- rer Liebe zu ihm. Der Richter gab dem Ehepaar durch Verschiebung des Prozesses bis zum 7. Januar Gelegenheit, es noch ein- ! mal miteinander zu versuchen, und stellte Tuthill bis dahin unter H7OO Bürgschaft. Dieselbe wurde von der klagenden Frau ge- stellt, und Arm in Arm verließen diese unter dem homenischen Gelächter der Zuhörer- schaft den Gerichtssaal. In bangem Zweifel. Polizeichef Brennan erklärte heute Vor- mittag Frage, wie er sich zu dem gestrigen Sradtrathsbeschlusse verhalten werde, welcher anordnet, daß bis auf Wei- teres alle Amtshandlungen, welche auf die Polizei-Commission Bezug haben, unter- lassen werden sollen, daß er darüber nichteher etwas sagen könne und wolle, als bis er mit dem Mayor Rücksprache genommen habe.Er erklärte, auch noch nicht mit Bestimmt- heit sagen zu können, ob die auf morgen Nachmittag angesetzte Prüfung der Poli- zisten der Nordseite stattsinden werde oder nicht. . Viehmarkt. 8 Schweine ,ind heuie flau und Preise un->verändert. Schwere brachten 4.25(a4.70M leichte durcheinander 34.60, grobe zum Pökeln 3.95(L4 20W „Pigs" 2.35G3.95. ' V Rindvieh im Preise unverändert. SckafMfest. * N Zufuhr 10,000 Stück Schweine. 700ülRindvieh, 11,000 Schafe. I

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