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Abendblatt Newspaper Archives Dec 26 1894, Page 1

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Abendblatt (Newspaper) - December 26, 1894, Chicago, Illinois-Heransgegeben von der Illinois Ltaats-leilungs-Eo. Ehicago, Nlittwoch, 26. Dezember 1894. Preis 1 Cent. 47. Jahrgang. No. 305. Mevevvlick And Knrzg es a ktes. ln Süd-Illinois steht heute ein star- kes Schneewetter zu erwarten und auch für die Nacht wird dichter Schnee angesagt. Morgen wirds kalt und klar. Nordostwind, der heute Abend nach Nordwesten umschlägt. Schnee steht auch für Indiana, Michigan, Missouri, lowa und Minnesotta auf demProgramm. --- Bei Waxahatchie in Texas, hat ein Zusammenstoß von zwei Passagierzügen stattgefunden, wobei sechszehn Personen Verletzungen davontrugen. Der vom Lexow'schen Ausschuß ent- larvte New Yorker Polizeibeamte Stephen-son ist wegen Bestechlichkeit zu einer Zucht- hausstrafe von drei Jahren und neun Mo- naten und PIOOO Geldbuße verurtheilt wor- den, und das wegen Annahme von 4 Kör- ben Pfirsiche! Die Weizenpreise eröffneten hier für Lieferung per Mai mit 58, stiegen auf 58Z und wichen auf 581. Welschkorn geht per Mai auf 47E zurück, steigt aus 48Z und hält sich auf diesem Preise. Hafer steigt auf 311 nnd hält sich auf 311. Schweine- fleisch ist matt; im Maitcrmin 11.9210 11.85, Schmalz 6.9HG6.92i, Rippchen 6.021<15.971. Wenn die vom Townclerk der Süd- seite, Abraham Jacobs, aufgestellten Be- hauptungen wahr sind, dann sind seine Mit- Townbeamten damit beschäftigt, ihre Mit- bürger durch Berechnung ungesetzlicher Ge- hälter über den Löffel zu barbieren. Jacob S. Coxey, der große Tramp- Anführer, ist augenblicklich in Chicago. Die Gartenstadt wird die Ehre seiner Anwesen- heit nicht lange genießen, da er sich auf dem Wege nach St. Louis zur Populisten-Con- vention befindet. Er und sein Freund und Mitstreiter Carl Browne werden auf die-ser Convention verschiedene weltbeglückende Ideen vom Stapel lassen. —Am gestrigen ersten Weihnachtstage wurden zwei Mordthaten und eine Anzahlblutiger Angriffe verübt, von denen mehreremöglicherweise ein böses Ende nehmen wer- den. Eine nette Feier. Telegraplnsclii: Depeschen. Beim Papste. Die Offiziere des Bundeskreuzers „Detroit" iu Audienz beim hl. Vater. NachSchluß derselben machen sie dem Staats- sekretärRampolla ihre Aufwartung. Rom, 26. Dez. Der Papst ha! heute im Ehrensaale des Vatican die Offiziere des Bundeskreuzers „Detroit" empfangen, welcher kürzlich mit den auf der Weltausstellung inChicago aus- gestellten vaticanischen Reliquien in Neapel angekommen war. Unter den anwesenden Offizieren befanden sich der Befehlshaber Newell, der Lieutenant Rogers und Mar- shall, der erste Ingenieur des Detroit; der Arzt und Zahlmeister, die Fähnriche Evansund Blakely, der Hülfsingenieur und der Cadet Huggins. Die amerikanischen Offi- ziere wurden von Mgr. O'Connell vorge- stellt, welcher in ihrem und dem Namen des Präsidenten Cleveland den Dank für die Theilnahme des Papstes an der Chicagoer Ausstellung ussprach. Der Papst erwiederte in warmen Worten, und lobte den Fortschritt, die Thätigkeit und die Freiheit der Ver. Staaten. Die Audienzwährte eine halbe Stunde und nach Beendi- gung derselben begaben sich die Ofsiciere zum Cardinal Rampolla, dem päpstlichen Staatssekretär, und machten demselben ihre Aufwartung, später speisten die Offiziere im Amerikanischen College, dessen Facade und Speisesaal mit amerikanischen Flaggen geschmückt waren. Unter den Personen, welche an dem Mittagsmahle theilnahmen, befand sich auch der amerikanische Botschafter. Ein ganzes Heer von Falschmünzern. Zweihundertundachtzig Mitglieder derselben bereits in Haft. Mexiko, Mex., 26. Dez. Die Behörden, welche hier in der Stadt auf Falschmünzer fahndeten, haben dieEntdeckung gemacht, daß sich in der Stadt eine mehrere hundert Personen starke Colo- uie von Falschmünzern befindet, welche das falsche Geld anfertigt und auch in Umlauf bringt. Innerhalb der letzten Wochen sind tausende von falschen Dollars ausgegeben worden, und es befinden sich bereits 280 Mitglieder derBande im Gefängnisse. Trotz dieser Massenverhaftung haben die Falsch- münzer ihre Thätigkeit noch nicht cinge- Gourko's Nachfolger. Gras Schuwalow zum Militär-Gouverneur von Marschau ernannt. Petersburg, 26. Dez. Graf Schuwalow, der frühere russischeGesandte inßerlin, ist als derNachfolger deS Generals Gourko, welcher an: 1. Dezember seine Resignation eingcreicht hatte, zum Militärgouverneur von Warschau ernanntworden. Der „Figaro" hat eine Idee. Die Dampfer sollen den Fischerböten auf den neufundländischen Bänken aus dem Mege gehen. Paris, 26. Dez. Der „Figaro" befürwortet heute die Ab- haltung eines internationalen Conventes, um den atlantischen Dampfern zur Ver- mcidung von Zusammenstößen zu verbie- ten, während der Fischzeit ihren Weg über die neufundlündischeii Bänke zu nehmen. Die Zerstörung des Miss Hause. Der Eigentümer Sutro beabsich- tigt an derselben Stelle einen Prachtbau aufzuführen. Selbst die Seehunde durch die Flammen von ihren Felsen verjagt. San Francisco, 26. Dez. Die Ruinen von zwei Schornsteinen, der steinerne Löwe, welcher auf der in das un- tere Stockwerk fübrenden Treppe Wache hielt, verkohlte Balken und Aschenhausen, ist Alles was vom Cliss House, dem Eigen- thum des erwählten Bürgermeisters Sutro, übrig geblieben ist. An Stelle des zerstörten Gebäudes soll mit Aufwand von einer Million Dollars ein Prachtbau aus Stahl und Stein er- richtet werden. Das Feuer war in Folge einer fehlerhaf- ten Heizungsröhre entstanden, und hatte sich zwischen den Wänden schnell verbreitet. Als es endlich entdeckt wurde, hatte es be- reits solchen Umfang gewonnen, daß an ein Löschen desselben nicht zu denken war. Es wehte zur Zeit ein heftiger Nordostwind, oer den Rauch und dieFlammen direkt den Seehundsselscn zutricb; als der Wind noch heftiger wurde, gingen die Flammen in horizontaler Richtung dem Ozean zu, und auf die sich am Strande brechenden Wel- len fiel ein unaufhörlicher Regen von Fun- ken. Selbst den Seehunden auf ihren Felsen fing die Sache an, unangenehm zu werden, und einer nach dem anderen flüchtete sich in die See. Es wurde behauptet, daß auch Sutro's Bäder, die schönsten in der Well, welche unmittelbar bei dem Cliss House liegenden Flammen zum Opfer fallen würden, aber glücklicher Weise ging der Wind nach der anderen Richtung hin, so daß die Bäder gerettet wurden. „Ich bedauere natürlich, daß das Ge- bäude abgebrannt ist," sagte Adolph Sutro. denn es war zu einem Wahrzeichen der paci- fischen Küste geworden, und es sind in dem- selben eine ganze Menge angesehener Per- sönlichkeiten bewirtbet worden." „Drei amerikanische Präsidenten haben von den Balkonen aus, die jetzt von den Flammen zerstört sind, Stunden lang, dem L>piel der Seehunde aus den Felsen zuge- schaut. „Grant war der erste, nach ihm kam Hayes, und der dritte war Harrison." „Außer diesen Berühmtheiten haben aber auch viele angesehene europäische Persön- lichkeiten das Cliss House besucht, darunter der Marquis von Lorne, während er als Generalgouverneur von Kanada San Fran- cisco einen Besuch abstatleic." „Jetzt, nachdem es zerstört ist, wird wahr- scheinlich der Bau des geplanten Hotels auf Point Lobos beschlcungt werden, obgleich noch nicht gesagt werden kann, wann damit begonnen werden wird." „ES war meine Absicht, das Hote! etwas weiter hinaus und ein Paar hundert Fuß näher an das „Goldene Thor" hin zu bauen, aber jetzt wird es vielleicht auf dem Grunde des alten Cliss House errichtet werden. Dasselbe wird eine Neuerung erhalten, und zwar in Gestalt eines Fahrstuhls, wodurch die Gäste vom Strandwege aus auf die Klippe befördert werden, so daß sie den steilen Abhang nicht hinauszuklettern brauchen." Die Hymne „America". Line eigenhändige Abschrift des Verfassers dem Papst übersandt. Bridgeport, Conn., 26. Dez. Eine eigenhändige Abschrift der Hymne, „Ny 6ouiitmy "11» ok Isiss", weiche im Jahre 1832 vom Pfarrer Sam. Smith verfaßt wurde, befindet sich jetzt als Ge- schenk von David Secor Pell von hier, an den Papst, auf dem Wege nach Nom. Secor äußerte sich einem Berichterstatter gegenüber folgendermaßen darüber: Der Verfasser des Liedes „America", derPfarrer Smitb, welcher sich mit Oliver Wendell Holmes in derselben Klasse befand, wohnt jetzt in Newton, Mass., und ist 86 Jahre alt. Ich befand mich mit ihm zu gleicher Zeit auf der Weltausstellung, und war einer der Preisrichter für Gold- und Silbcrwaaren. Dr. Smith machte für mich fünf Abschriften der Hymne, welche nach Rußland, Dänemark, Spanien, Italien und Japan gesandt wurden. „Im letzten Sommer theilte ich dies dem Pfarrer Wm. Mahard von Milford mit, und dieser schlug vor, daß ich eine ähn- liche Abschrift, wie die anderen fünf, durch Vermittelung des Abtegcueu Salolli an den Papst schicken möchte. Dies geschah mit dem oben angegebenen Resultate; die Ab- schrift befindet sich in einem hübschen Nah- men. Die Hymne ist an den Dr. O'Eon- nell, den Rektor des amerikanischen College in Rom gesandt, und wir werden ohne Zweifel aus höchster Quelle davon hören." Pell ist 71 Jahre alt, und beschäftigt sich mit wissenschaftlichen und Kunstsammlun- gen. Die Sammlungen der wissenschaft- lichen Gesellschaft in Bridgeport sind von ihm gemacht und zusammengestellt. Ein fünfjähriges Aind verbrannt, Mährend die Mutter „nur auf einen Augen- blick" in die benachbarte Grocery ging. Milwaukee, 26. Dez. Am Montag trug die fünfjährige Hehna Ulczelski so schwere Brandwunden davon, daß sie denselben gestern erlag. DieFamilie wohnt in N0.686 Tenth Ave.; am Montag Morgen hals das Kind der Mutter beim Ausfegen, und nachdem dies geschehen war, ging Frau Ulczelski in die benachbarte Grocery, während sie dem Kinde sagte, das zusammcngefegte Zeug in den Ofen zu stecken. Dies that die Kleine, steckte aber dann ein Zündhölzchen an, um cs zu ver- brennen. wobei ihre Kleider in Brand ge- riethen; sie lief zum Hause hinaus, und es gelang schließlich einigen Nachbarn, dem Kinde die brennenden Kleider vom Leibe zu reißen, jedoch nicht eher, bis es so schwere Brandwunden davongetragcn hatte, daß es denselben am nächsten Tage erlag. Die Lage im Mosqnitogebiet. Schnöde Verletzung des Vertrages mit Nlanagua von Seiten der Republik Nicaragua. Die amerikanische und englische Regierung angeblich hinter's Licht geführt. -New York, Z6. Dez. Eine Spezialdepesche aus Kingston auf Jamaica bringt folgende Mittheilung: Kürzlich sind über die Lage auf der MoS- quitoküste in New York mehrere zu Jrr- thümern Veranlassung gebende Nachrichten veröffentlicht worden. In einer derselben heißt es, daß das Mosquitogebiet endgültig der Republik Nicaragua eiuverleibt wor- den sei. In dem Vertrage von Managua im Jahre 1860 wurde bestimmt, daß es dem Gebiete freistehe, sich der Republik anzu- schließen, daß aber ein derartiger Anschluß von Nicaragua nicht erzwungen werden dürfe. Andrew Hendy, welcher am 29. November als Häuptling eingesetzt wurde, war von einigen Indianern unter dem Druck des Gen. Cabez gewählt worden, die thatsächlich so lange in Bluefields als Ge- fangene gehalten wurden, bis sie erklärt hatten, daß sie mit der Wahl Hendy's ein- verstanden seien. Dieselben waren in kei- ner Weise Abgeordnete der auf dem Gebiete wohnenden Indianer. Nach den letzten hier cingelaufenen Nach- richten thun die Indianer ihr Bestes, um die wahre Sachlage über die Wahl Hendy's amtlich zur Kenntniß dcr Ver. Staaten und Großbritanniens zu bringen, damit die durch den in Managua abgeschlossenen Ver- trag festgesetzten Bedingungen innegchalten werden und ihre Selbstregierung wieder hergesteül werden kann. Es werden jedoch dagegen starke Einflüsse zur Geltung ge- bracht, und einer der schlimmsten ist die falsche Darstellung der Verhältnisse, wie sie in amerikanischen Zeitungen veröffentlicht wird. Allem Anscheine nach bemüht sich Nicaragua, die Negierungen in Washington und in London zu täuschen, um ein Da- zwischentreteu derselben zu vermeiden, wäh- rend den armen Mosquito-Jndianern das ihnen vertragsmäßig von beiden Mächten gewährleistet Gebiet geraubt wird. Ein Rlörder verhaftet. Derselbe angeblich durch dasauf der Netzhaut seines Opfers zurückgelassenen Bild entdeckt. Jamestown, N. Y., 26. Dez. Die Verhaftung von Geo. W. Depew, als dem muthmaßlichen Mörder der Frau Winslow Shearman und deren Tochter, der Frau Clinton, hat hier bedeutendes Aufsehen erregt. Mehrere Personen, die ihn gesehen ha- ben, erklären, daß er dem Bilde gleicht, welches in dem Auge der Frau Shearman gesehen wurde. Die Streitfrage über die Möglichkeit einen Mörder durch das auf der Netzhaut des Opfers hintcrlassenen Bild hat deshalb hier von Neuem ein bedeutendes Interesse erregt. Die Personen, welche das Bild sahen, ehe es durch die Entfernung des Auges aus der Augenhöhle undeutlich wurde, erinnern sich desselben so deutlich, daß sie sogar die allgemeinen Umrisse der Figur des Mannes und das halbe Profil des Gesichtes, wie cs sich im Bilde zeigte, erkennen konnten. Vor der Entfernung des Auges war das Bild deutlich zu sehen, und sogar dieFalten in denKleidern waren vermittelst des Mikroscops klar zu er- kennen. Zwei Selbstmorde. Line widerhaarige Stiefmutter und ein ar- beitsloser Mann machen ihrem Dasein ein Lnde. Peoria, Jll., 26. Dez. Abend beging Frau Myrtle Simpson, die Frau des Salulmwirthes John H. Simpson, vermittelst einer Dosis Morphium Selbstmord. Die einzige, bis jetzt ermittelte Veranlassung dazu war einvon ihr erhobener Einwand, daß Simpson seiner sechsjähren Tochter aus erster Ehe ein Weihnachtsgeschenk kaufe, welcher vonihrem Galten nicht berücksichtigt wurde. Shelbyville, Jll., 26. Dez. Gestern Nachmittag machte Jsaac Sill den Versuch, sich zu erschießen, und aller Wahrscheinlichkeit nach, wird er seinenZweck erreichen. Arbeitslosigkeit, und da- durch herbeigeführte Schwermulh triebenihn zu den verzweifelten Schritt. ' Petroleum als Dampferzeuger. Lin neuer Apparat, durch welchen den Roh-len als Dampferzeuger der Rang streitig gemacht wird. Washington, 26. Dez. Consul Richmcm in St. Gallen in der Schweiz, hat dem Staats - Departement Pläne und die genaue Beschreibung einesneuen Planes, um durch Petroleum Dampfzu erzeugen, unterbreitet. Der Apparat istals der Lehmann-Baumgartner'sche bekannt, -lue mit demselben erzielten Erfolge warenvorzüglich und nach Ansicht von Sachverstän-digen dürfte Petroleum, wo es verlangt wer- den kann, als Dampferzeuger die Kohlen ver-drängen. Warum auch nicht? Menu cs Jemandem Vergnügen macht, und Niemand anders dadurch geschädigt wird. Leadville, Col., 25. Dez. Der Friedensrichter P. M. Wall hat inder Klage gegen den der Brandstiftung be-schuldigten Ryan die Entscheidung abgege-ben, daß, da es in Colorado kein Gesetzgicbt, welches Jemandem verbietet, seineigenes Haus uiederznbrennen, die Klage gegen den Angeklagten abzuweisen sei. Russischer Metzen in Deutschland. Bedeutende Zunahme der Ausfuhr seit der Annahme des neuen Handelsvertrages. Amerikanisches Petroleum in Deutschland. Washington, 26. Dez. Louis Stern, unser Consul in Bamberg, hat dem Staatsdepartement über den be- merkenswerthen Aufschwung, den der Han- del zwischen Deutschland und Rußland in Folge des neuen Handelsvertrages gewon- nen hat, Mittheilüngcn gemacht. Beson- ders hat die EinfiÄr von russischem Weizen nach Deutschland derartige Verhältnisse an- genommen, daß es der Consul für ange-messen hält, die amerikanischen Geschäfts- leute darauf aufmerksam zu machen. Die Ausfuhr des russischen Getreides nach Deutschland hat sich während der ersten zehn Monate dieses Jahres um 106.2 v. H., und von Gerste um 289.1 v. H. gegen das Vorjahr vermehrt. Dagegen nimmt Deutschlands Bedarf an russischem Petro- leum ab, und beträgt 54.2 v. H. weniger als im Jahre vorher. Dadurch wird an- gedeulet, daß das amerikanische Petroleum fast den ganzen deutschen Markt beherrscht; auch die Ausfuhr von Deutschland nach Rußland ist in stetiger Zunahme begriffen. Japanische Verluste. Aorea will sich von Japan 5 Aul- lionen tzen borgen, Und außerdem noch Noten im Betrage von tö Millionen Hen in Umlauf setzen. Yokohama, 26. Dez. Die japanischen Truppen unter dem Be- fehle des Feldmarschalls Ogama haben in den kürzlichen Kämpfen bei Nu-Tschang mit den chinesischen Truppen unter dem Ge- neral Sung, an Todten zwei Offiziere und52 Mann verloren, während zwölf Offi- ziere und 356 Soldaten verwundet wurden. Die koreanische Regierung hat beschlossen, bei der japanischen Regierung eine Anleihevon 5,000,000 Den zu machen; außerdembeabsichtigt die Regierung von Korea dis Ausgabe von Noten im Betrage von 15,- 000,000 Yen. Mißlungener Raubversuch. Lin als Frau verkleideter Straßenränder und ein schlauer Doktor. Priuceton, Jll., 26. Dez. Gestern versuchten sich ein Paar Leute, welche bei dem Hennepin Canal als Arbei- ter beschäftigt zu s.in scheinen, in derßolle vonStraßenränbern. Als Dr. C. A. Palmer von Tiskilwa nach hier zurückkebrte, wurde er von einer Frau angesprochen, die ihn bat, sie in seinem Wagen mitzunehmen. Sie stieg so unbeholfen ein, daß sie dabei dem Doktor den Hut vom Kopfe stieß, worauf sie sich erbot, das Pferd zu halten, während sich der Arzt seinen Hut wieder bolle. Dieser aber halte Lunte gerochen, und sagte, daß das Pferd schwer zu halten und sehr wild sei. Als daranf das Frauen- zimmer aus dem Wagen stieg, gab er dem Pferde einen Hieb, und fuhr schleunigst davon. Die angebliche Frau entpuppte sich gleich darauf als ein verkleideter Manu. Als der Doktor eiligst Weilersuhr, tauchten noch zwei Männer an oer Landstraße auf, und machten einen Versuch, dem Pferde in die Zügel zu fallen, der ihnen jedoch nicht gelang. Der Erste, der nach Sing Sing wandert. Der frühere Polizeikapitän Stephenson auf drei Jahre und neun Monate in's Zuchthaus geschickt. New York, 26. Dez. Der Polizeikapitän John L. Stephenson, der erste Polizeibeamte, welcher vom Lexow- schen Ausschuß der ihm zur Last gelegten Verbrechen überführt wurde, ist heute vom Richter Jngraham im Oyer L Terminer- Gericht, zu einer Zuchthausstrafe von drei Jahren und neun Monaten, und einer Geld- strafe von §IOOO verurtheilt worden. Am 12. Dezember, nachdem der Prozeß des Angeklagten drei Tage gedauert hatte, wurde er der Bestechung schuldig befunden, weil er als Vorsteher des fünften Bezirkes von einem Fruchthändler in No. 153 Duane Str., Namens Martin N. Edward, vier Körbe mit Pfirsichen angenommen hatte. Schiffsnachrichten. In der Nacht gemeldet: London: Maine von Philadelphia; Massapccua von Baltimore; Kephalonia von Boston via Oucenstown. Qucenstowu: Teutonic von New York. Kopenhagen: Vcnelia von New York. Heute gemeldet: New York: „Werra" von Genua, „Circassia" von Glasgow. Ein Blatternkranker in Freiheit. In der Harrisonstraße - Polizeistation fragte gestern ein Mann Namens Samuel G. Fidler von 2549 Armour Ave. nach ei- nem Arzte. Das Gesicht des Mannes zeigte den die Blattern charakterisirenden Aus- schlag. Der Polizist Harrington benach- richtigte sofort das Gesundheitsamt, und Dr. Garott untersuchte den Kranken, welchen er thatsächlich mit Blattern behaftet vorfand. Der Patient, der Anstreicher von Profes- sion ist und seit 5 Tagen krank war, wurde nach dem Blatternhospital übergeführt. Chas. M. Hill, welcher kürzlich ver- schwand, ist in St. Louis aufgetaucht, von wo er eine Depesche an seinen Schwager Edward Guise sandte, in welcher er erklärt, daß er wohl sei und daß man sich seinetwe- gen nicht beunruhigen möge. Der junge Mann, welcher verlobt war und sich in den nächsten Tagen verheirathen wollte, gibt für seine Handlungsweise keinen Grund an. Städtisches. Das Wetter. Optiker K l eine, 76 Washington Str., berichtet für Chicago die folgenden Baro- meter- und Thecmometerstänve: Um 8 Uhr Morg. 29 Gr., um 9 Uhr 30 Gr., um 10 Uhr 32 Gr., um 11 Mir 31 Gr., um 12 Uhr 30 Gr. Barometerstand um 8 Uhr Morg. 29.40, 12 Uhr 29.50. Briefkasten. F. F. Die Adresse des Pasteur-Instituts ist: Dr. Lagorio, 65 Randolph Straße, Chicago. Des Einbruchs beschuldigt. Der Farbige E. Wilson stand heute Mor- gen vor Richter Kersten unter der Anklage des Einbruchs. Als Kläger berichtete Ed- ward Wertheim, daß er am 21. Decemver zwischen 1 und 2 Uhr Morgens in seiner Wohnung No. 491 La Salle Ave. seinen klei- nen Hund anschlagen hörte. Er eilte ins Vorderzimmer und entdeckte hier, daß seine goldene Uhr und Kette, HBO baar Geld und verschiedene andereWerthgegenstände geraubt worden waren. Unter denselben befand sich ein Messer mit ungefähr zwanzig Klingen Dasselbe hatte Wilson in seinem Hute ver- borgen; als er auf der Ost Chicago Ave.- Station visitirt wurde, kam das Messer zum Vorschein. Wertheim identificirte dasselbe als sein Eigenthum. Von der Uhr und den PBO wollte Wilson nichts wissen. Er wurde unterPIOOO Bürgschaft dem Criminalgericht überwiesen. Aus dem Eriminalgericht. Lapt. Rane vor Richter Goggin geladen. Richter Goggin erließ heute Morgen gegen Capt. Kane von der Desplaines Str. einen Vorfllhrungsbefehl für morgen. Kane soll im Besitz von P 94 sein, welche das Ehepaar James Sprunne und Mary Sprunne, beide in den sechziger Jahren stehend, als ihr Ei- genthum bezeichnen. Das Ehepaar wurde während der Weltausstellung unter der An- klage verhaftet, an einer Frau Sullivan Ta- schendiebstahl begangen zu haben. Die Sprunnes wurden angeklagt, waren aber zum Prozeß nicht erschienen und ihre Bürg- schaft war für verfallen erklärt worden. Als die Verhaftung des Ehepaares erfolgte, nahm Copt. Kane demselben P94 ab. Das letztere behauptet, daß dieses Geld ihr Privateigen- thum war und Col. James als Vertheidiger erwirkte heute Morgen den Vorführungsbe- fehl gegen Capt. Kane. Lin Gerücht. Die Großgeschworenen beschäftigten sich heute Morgen mit Criminalgerichtsfällen. Es -verlautete, daß dem Richter Tuley Be- weismaterial in dem angeblichenßestechungs- fall, in welchem Alderman Powers verwickelt ist, vorgelegt werden sollte, damit er es an die Großgeschworenen überweise. Heute Vor- mittag geschah nichts in dieser Sache. Lin verhängnißvolles Weihnachts- geschenk. Der 15jährige Chas. Carr aus No. 902 Fullerton Ave. mußte sich heute früh oor Richter Severson gegen die Anklage der Fäl- schung verantworten. Am letzten Samstag wollte er seiner Mutter ein Geschenk zu Weihnachten kaufen, doch wußte er nicht recht, wo er das Geld dazu hernehmen sollte. Ersann hin und her und kam endlich auf den Gedanken, das Geschenk auf Rechnung seiner Mutter zu erstehen. Das war jedoch nichtso leicht, denn überall, wo er hinkam, schenkte man ihm kein Vertrauen und unverrichteter Dinge kehrte er nach Hause zurück. Da fiel ihm ein anderes Mittel ein, um in den Besitz der nöthigen Gelder zu kommen. Weder Vater noch Mutter waren zu Hause und so konnte er ungestört dem Checkbuch der letz- teren einen Check entnahm und denselben mit dem Namenszuge seiner Mutter verse- hen. Die Fälschung gelang auf's Beste und bald war Charley im Besitze des gewünsch- ten Geldes, ungefähr Pls. Anstatt aber sei- ner Mutter das Geschenk zu kaufen, wie er sich vorgenommen hatte, ließ er sich die un- rechtmäßig erworbenen Gelder selbst zu Gute kommen. Als Frau Carr am Montag den gefälschten Check von dem Betreffenden er- hielt, der ihn entaegengenommen hatte, war sie natürlich außer sich und begab sich sofort nach der West Chicago Ave.-Station und erwirkte dort gegen ihren Sohn einen Haft- befehl. Charley wurde daraufhin verhaftet und heute früh vor Richter Severson unter H3OO Bürgschaft dem Criminalgericht über- wiesen. Bankerott? Die Pelzwaaren-Firma Wolf L Periolat scheint vor dem Bankerott zu stehen. An der Thür ihres Geschäftslokals, 225—227 Statestraße, war gestern Nachmittag ein Zettel mit nachstehendemInhalt befestigt : „Dieser Laden und sein ganzer Inhalt befinden sich jetzt im Besitz der Ersten Na- tional-Bank von Chicago, welche davon un- ter einer Hypothek Besitz genommen hat. Die Erste National-Bank, durch Moran, Kraus <L Mayer, ihre An- wälte. Chicago, Dezember 25." Auf der Suche nach den verschwun- denen Wahldokumenten. Die Wahlcommissäre traten heute Vor- mittag kurz nach 9 Uhr zu der Fortsetzung ihrer Nachforschungen nach den verschwun-denen Wahldokumenten zusammen. Nacheiner kurzen allgemeinen Besprechung mach- ten sie sich gegen 10 Uhr an die Durchfor-schung des bis jetzt noch nicht durchsuchten Gewölbes. Die Durchsuchung desselbenwird voraussichtlich mehrereTage andauernda jedes Aktenstück durchgesehen werden muß. Die Kommissare erwarten aber ein negatives Resultat, denn Alles spricht da-für, daß die verschwundenen Dokumente auch verschwunden bleiben werden. Mayor Hopkins, der seine Rückkehr ausdem Osten aus heute berechnet hatte, hatseinen Privatsekretär benachrichtigt, daß ererst morgen hier wieder eintreffen wird. Wurde Hannon getödtet? Lin Brückendreber stirbt unter verdächtigen Umständen. Der Brückendreher Thomas Hannon von der Lake Str.-Brücke starb gestern Morgen im Countyhospital. Allem Anschein nach liegt hier ein Verbrechen vor. Es war am Samstag Abend um 9 Uhr, als Polizist Burlingame von der Centralstation benach- richtigt wurde, daß auf dem Seitenwege an der Ecke der 6. Ave. und Jackson Straße ein schwer verletzter Mann liege. Dies war Hannon, welcher, als er nach einiger Zeit die Besinnung wieder erlangte, erklärte, daß er mehrere Schläge auf dn Kopf erhalten habe. In seiner Hand hielt er einen Zet- tel, in welchem er aufgefordert wurde, an der Stelle, wo er aufgefuuden wurde, mit einem Manne zusammenzutreffen. Als man Hannon nach dem Hospital brachte, erklärten die Aerzte sofort, daß er nur noch wenige Stunden leben könne, da sein Schä- del gebrochen sei. Diese Voraussetzung traf auch bald ein. Hannon war ein Wardpolitiker und sei- ner Thätigkeit in dieser Richtung verdankte er seine Stelle. Er war 45 Jahre alt und früher Feuermann. Man glaubt, daß ein Feind, den er sich während der letzten Früh- jahrswahl machte, für seinen Tod verant- wortlich ist. Weitere Reformpläne. Livildicnst für die ganze städtische Der- waltung. Das Civildienst-Reform-Comite der CivicFederation, welches mit der „Chicago Civil- Service Reform League" zusammenarbeitet, trägt sich mit dem weitergehenden Plane, alle Departements der städtischen Regierung un- ter das Verdienst-System zu bringen. Ein flüchtiger Entwurf für eine der Legislatur vorzulegende Gesetzesvorlage ist bereits vor- handen, und mehrere der besten hiesigen An- wälte arbeiten an diesem Entwurf, um den- selben in allen seinen Theilen zu vervoll- ständigen. John W. Ela, der Vorsitzer des Comites der Civic Federation, erklärt, daß die Aus- sichten für die Passirung einer solchen Ge- setzesvorlage ausgezeichnet günstig seien. Auf nächsten Samstag ist eine Sitzung des Comites einberufen, zu welcher die hiesigen Mitglieder der Staatslegislatur eingeladen sind, damit sie etwaige, ihnen passende Ab- änderungen der Vorlage in Vorschlag brin- gen können. Die wesentlichen Punkte des neuen Re-! form-Planes sind die folgenden: Der Mayor soll nur das Recht haben, die Vor-' sicher der einzelnen städtischen Departements zu ernennen, alle übrigen Stellungen im städtischen Dienst sollen nach den Civildienst- regeln besetzt werden, nachdem die Applikan- ten den Befähigungsnachweis erbracht ha- ben. Städtische Angestellte sollen nur auf stichhaltige Gründe hin entlassen werden, sonst sollen sie so lange in ihren Stellungen verbleiben, als sie ihre Pflicht thun. Zur Ueberwachung der Ausführung der Civil- dienst-Vestimmungen soll der Mayor eine dreigliedrige Commission ernennen, welche möglichst unparteiisch zusammengesetzt sein soll. Die hauptsächlichsten Mitarbeiter an dem vorgezeichneten Reformplane sind die An- wälte John H. Hamline, A. M. Pence, Har- vey B. Hurd, R. H. Curtis, F. B. Peabody, E. B. Smith, C. S. Darrow und Richter Tuley. Die Glaubenskur. „Professor" Rev. Dowie, welcher an der 62. Straße und Hope Ave. eine Glaubens- kur-Heilanstal: besitzt, hat es glücklich fer- tig gebracht, zuerst Ernestine Plautz und dann den Bruder Otto wahnsinnig zu ma- chen. Beide wohnen bei ihren Eltern in Prairie du Sac, Wis. Vor einiger Zeit wurde Ernestine infolge einer Liebesange- legenheit gemüthskrank. Die Eltern brach- ten sie unvernünftigerweise nach Dowie's Heilanstalt. Sie mußten eine bedeutende Geldsumme entrichten, um schließlich ein-zusehen, daß der Zustand der Tochter sich täglich verschlimmere. Am Samstag kam die Mutter des Mädchens mit dem Bru- der desselben nach Chicago und entschloßsich, Ernestine wieder nach Hause zu neh-men. Unterwegs, auf einem Zuge der Hoch-bahn, wurden das Mädchen der Bruder desselben tobsüchtig und mußten nach derPolizeistation gebracht werden. Heute trat die unglückliche Familie die Reise nach der Heimath an. Wären die Behörden nicht ko nachsichtig, dann könnten derartige unter dem Deckmantel der Frömmigkeit betriebene Schwindelanstalten nicht bestehen. Brutale Patrone. Jacob May, welcher gestern Abend auf einem Kabelwagen der Clybourn Ave. an der Sedgwick und Division Str. den Con- dukteur Wm. Gelles, No. 1756 Kedzie Ave. wohnhaft, ins Gesicht schlug, erhielt heuteMorgen eine Strafe von Lls von Richter Kersten zudictirt. May hatte in angetrun- kenem Zustande mit dem Condukteur Kra- iehl angefangen. Charles Hall, welcher den Canal-Arbeiter John Swanson derart zugerichtete, daß der- selbe heute Morgen mit verbundenem Kopf und einer tiefen Wunde unter dem rechten Auge erschien, erhielt tzilO Strafe zudictirt. Der Angriff ereignete sich im Svea Hotel, Ecke Chicago Ave. und Market Str. Wirft die Fenster ein. Unter einer Bürgschaft von HSOO wurde Joseph Oberbellig heute Morgen von Rich- ter Kersten dem Criminalgericht überwiesen. Er bewohnte ein Zimmer No. 123 Wells Str. und ließ gestern Abend in der in dem-! selben Hause belegenen Wirthschaft von Ja-!mes Everling eine ziemliche Zeche auslaufen,' die er nicht bezahlen konnte. Er wurde an die Luft gesetzt und entsandte zwei Steine durch Schaufenster in die Wirthschaft. In den Fluß gestürzt. Hugh McClain stürzte heute Morgen an der 47. und Halsted Straße in den Fluß und ertrank. Er hatte nicht bemerkt, daß die! Brücke aufgezogen war und stürzte vom; Straßenende an der Brücke in den Fluß! hinunter. Diebs- und Banditen-Arbeit Auf der Westseite während der abgelaufencn »8 Stunden. Die Stille des Weihnachtsiages wurde von der Einbrecher-, Banditen- und Diebs- zunfi der Westseite (wie nicht anders er- wartet werden tonnte) dazu benutzt, aller- hand Verbrechen zu begehen. Glücklicher- weise gelang es, die Verbrecher noch wäh-rend des Feiertages sicherzustellen und ihnen ihre Beute abzujagen. Der in No. 542 W. 14. Str. wohnende Thomas Dolan wurde in der Weihnachts- nacht gegen 12 1 Uhr auf seinem Heim- wege an der Ecke der Blue Island Ave. und11. Str. von fünf Kerlen angefallen und um ?41 beraubt. Dolan meldete denßaub- anfall in der Maxwellstraßen-Station und es gelang den Polizisten Nagel und O'- Donnell etwa eine Stunde darauf, 3 Män- ner habhaft zu werden, auf welche die von Dolan gegebene Beschreibung der Räuber ! paßte. Die Drei: Richard Gilbert, Ro- bert Weidemann und P. W. Kraus wurden verhaftet und wegen Rauoanfalls gebucht, aber bald darauf gegen Bürgschaft ent- lassen. Doch bevor sie die Zelle verlassen konnten, wurden sie von Dolan als seine Angreifer identificirt. Als heute früh der Fall vor Richter 'Eberhard: aufgerufen wurde, erklärte Dolan zum Erstaunen der Polizisten, daß die Drei nicht bei demßaub- anfalle betheiligt gewesen und derjenige, der ihm das Geld abgenommn, ein Anderer ge-wesen sei. Daraufhin entließ der Richter die Drei straffrei. Wie uns von glaubwürdiger Seite mitgetheilt wird, ist Dolan von den Ange- hörigen der Kraus gestern „gesehen" und änderte daraufhin seine Ansicht. Hebel mit- gespielt wurde gestern Abend dem 122 Ewing Str. wohnenden John Dwyer. Als er sichin dem Saloon von Ed. Englisch, Ecke Polk und May Str. befand, bändelte James Gallagher, ein professioneller Dieb, mit ihm an. Der Wirth wies die Beiden zur Ruhe und als sie darauf glicht hören wollten, ihnen die Thür. Gallagher und Dwyre gin- gen hinaus und folgten ihnen noch zwei Cumpane des Erstgenannten, Michael Grif- fin und Dick. Shennan. In der hinter dem Saloon befindlichen Alley fielen die Drei über Dwyer her und bearbeiteten mit einer Bierflasche sein linkes Armgelenk so, daß die Adern durch das brechende Glas zer- schnitten wurden. Dann nahmen sie ihm seine Diamantnadel, goldne Uhr -und Kette und Ueberzieher ab und ließen ihr Opfer besinnungslos liegen. Polizisten fanden bald darauf den Dwyer bewußtlos in der Alley und ließen ihn nach dem County-Ho- spital schaffen. Den ihn dahinbringenden Polizisten gab Dwyer eine Beschreibung seiner Angreifer und gelang es den Detek- tives Golden und Finnerty noch vergangene Nacht, alle drei dingfest zu machen. In Gal- lagher's Taschen fand man Dwyer's Dia- mantnadel. Richter Eberyardt stellte Gal- lagher und Grifsin bis zum 3. Januar unter P3500, resp. H3OOO Bürgschaft und Shen- nan, der nur des unordentlichen Betragens angeklagt war, unter H4OO Bürgschaft. Dennis Sheehau, welcher, wie wir bereits am Montag mittheilten, am Freitag Abend den Bremser John Milan von 149 Sholto- straße, mit dem er zusammen gezecht hatte, an der Ecke der 12. Straße und Centre Ave., nicht weit von seiner Wohnung, anfiel, zu Boden schlug und um Hll und Uhr und Kette beraubte, wurde gestern Nachmittag von den Detectivs Halle und Creed verhaftet und heute dem Richter Dooley vorgeführt. Den Raubänfall hatte ein 14jähriger Knabe, Bruno Fenzel, welcher in demselben Hause mit Milan wohnt, mit angesehen. Nichts- destoweniger will Sheehau, der ein. großer Politiker vor dem Herrn, ist, ja sich sogar der Freundschaft des Polizeigerichtsclerks des Richters Dooley, der Aldermen Powers und O'Neil und Anderer erfreut, ein Alibi Nach- weisen und wurde ihm hierzu bis zum 31. Dezember Frist gewährt. Bis dahin steht er unter HBOO Bürgschaft. John Woicek und Thos. Koscidsky, zwei polnische Burschen im Alter von 17resp. 18 Jahren, hatten es sich vorgenommen, arme Landsleute mit Feiertagsbraten zu versehen. Um diesen löblichen Vorsatz auszuführen, schlichen sie sich Montag Abend in das Erd- geschoß des Eckhauses an 18. Straße und Ashland Avenue, stahlen dort dem Grocer Albert Kobarti nicht weniger als 17Hühner, 9 Enten und 6 Gänse. Um aber durch deren Geschnatter und Gekrähe nicht verrathen zu werden, schlachteten sie dieselben sofort im Erdgeschoß. Doch bevor sie das todte Flü- gelvieh noch in die mitgebrachten Säcke stecken ! konnten, erschien der Grocer auf der Bild- flache und sofort sehend, was vorgefallen, schlug er die Thür zu und machte die Zweiso zu Gefangenen. Später wurden sie von den Detectivs Wayre und Stich in Empfang genommen und cingesperrt. Richter Eber- hardt wird sich mit den Geflügelschlächtern am Freitag beschäftigen und stellte sie bis dahin unter je Bürgschaft. sollte ein Bad nehmen. Ein Mann im Alter von 38 Jahren, der sich Richard Färber nennt, seine Adresse aber nicht angeben will, ging gestern Abend um 6 Uhr, während er sich der Schiller Straße gegenüber, auf der südlichen Seite der Ran- dolph Straße befand, quer über die Straße, hob dann, als er sich der im Erdgeschoß be- findlichen Speisewirthschaft gegenüber be- fand, beide Hände über den Kopf und stürzte dann, mit dem Kopf voraus die Stufen hinunter. Er stieß die Glasscheibe der Thür ein, zerschnitt sich das Gesicht mit Glassplittern und blieb besinnungslos liegen. Polizei-Chef Brennan, der zufällig vorbei- ging, sorgte dafür, daß dem Verwundeten ärztliche Hülse zu Theil wurde. Dann brachte man ihn nach der Polizei-Station damit er seinen Rausch ausschlafe. In sei- nem Dusel hatte er die Speise-Anstalt im Schiller-Gebäude für eine Schwimm-Anstalt angesehen und die Idee gefaßt, sich durch ein Bad zu stärken. Viehmarkt. Schweine sind heute fester und Preise um5 Ccnls gestiegen. Schwere brachten 4.20(st 4.70, leichte 3.80G4.30, durcheinander 3.95(L4.60, grobe zum Pökeln 3.95(0l 4.20, „Pigs" 2.35K3.95. Rindvieh im Preise unverändert. Schaf-»fest. Zufuhr2o,ooo Stück Schweine, 11,500 Rindvieh, 8000 Schate.

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