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Abendblatt Newspaper Archives Dec 18 1894, Page 1

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Abendblatt (Newspaper) - December 18, 1894, Chicago, IllinoisV, Herausgegeben von der Illinois S>taats-leitungs-To. Chicago, Dienstag, 18. Dezember 1894. Preis 1 Cent. 47. Jahrgang. -- No. 299. Uevervlick And Kurzgefaßtes. Milde und klare Witterung verheißt uns der Wettermann, und stellt uns dieses Wetter auch noch auf morgen in Aussicht. Luftzug aus Süden. Der preußische Landtag ist auf den 8. Januar einberufen. Die Japaner ziehen, 72,000 Mann stark, gegen Tien-tsin heran; Neu Kwang befindet sich bereits in ihrem Besitz. General Gourko erhält als Schmer- Zenspflaster den Rang eines Feldmarschalls. Fonds sind in New Pork fest, aber flau; Kursveränderungen fanden nur in vereinzelten Fällen statt. 51,620 Dollars hat ein in Kansas verhungerter Geizhals einer Pflegetochter als vergrabenen Schatz hint.erlassen. ln West Bay City in Michigan sind infolge einer Explosion fünf Menschen um's Leben gekommen. Weizen brachte auf der hiesigen Börseim Maitermin 58i(Z582, Mais 49Z(A49§, Hafer 322(a)322. Schweinefleisch 12.15, Schmalz 7.10, Rippchen 6.10G6.122. Einer hiesigen deutschen Nachmittags- zeitung verdanken wir die Bereicherung un-serer geliebten deutschen Muttersprache um ein neues Wort. Es lautet: „Pappen- heimeri nne n". Die Untersuchung, welche Ald. Kerr nach dem Muster des New Aorker Lexow- Comites mit dem Polizeidepartement vor- nehmen wollte, ist durch ein striktes Par- teivotum der Demokraten auf die lange Bank geschoben worden. - Der neue Countyclerk Knopf hat dem Countyrath in dürren Worten mitgetheilt. daß er über §50,000 benöthige, um die ver- nachlässigten Bücher seines Vorgängers Wulff in Ordnung bringen zu lasten. Präsident Harper von der Chicagoer Universität hat eine Anzahl Studenten, welche zwei Mitstudenten durch das auf amerikanischen Universitäten beliebte „Haz-ing" quälten, gezwungen, öffentlich Abbitte zu leisten. Geschah den Lausbuben ganz recht. Eelegraptnscüe Depesckeru Explosion in einer Kistenfabrik. Fünf Personen todt und viele andere verletzt. WestßayCi ty, Mich. 18. Dez. In der Kistensabrik von Russell Bros, haben in Folge einer Explosion fünf Per-sonen das Leben verloren, und wurde eine Anzahl Arbeiter verletzt. Die Namen der Umgekommenen sind: John Calcull, Heizer, 21 Jahre alt; Geo. Pfund, 17 Jahre alt; AlbertRahn, 16, John Bronn, 15 und M. Heavenbachen 17 Ihre alt. Verletzt wurden: Fred. Wildanger, Ehas. Dodge und Geo. Hudson. Ein Knabe wird noch vermißt und man glaubt, daß er unter den Trümmern begraben ist. Die Explosion fand statt, während die Maschine auf eine kurze Zeit zum Still- stand gebracht worden war. Kampf mit Lokestreikern. Lin Mann wahrscheinlich tödtlich, und viele andere mehr oder weniger schwer verwundet. ! ! Piltsburg, 18. Dez. Eine Morgenzeitung bringt die Mirthei- lung von einem Kampfe zwischen Coke- streikern und Nicht-Unionarbeitern. Der Kamps fand in der Nähe der Valley Coke- öfen statt. Die Unionleute hatten ihre Gegner wiederholt aus öffentlichen Lokalen vertrieben, und diese wollten sich dafür rächen. Die Nichtunionlcute bewaffneten sich mit Revolvern und versammelten sich bei einem Geschäftsladen, wahrend die Hälfte sich in einen Hinterhalt legte. Als die Streiker erschienen, stießen sie Drohun- gen aus und versuchten, sie zu verjagen, worauf eine Schlägerei entstand. Dann brachen die Leute aus ihrem Hinterhalt hervor, und da sich die Streiker in der Minderheit befanden, wandten sie sich zur Flucht. Es wurden wenigstens zweihundert Schüsse abgefeuert und ein Streiter trug eine wahrscheinlich tüdtlichc Wunde davon. Außerdem wurde eine Menge anderer Per-sonen, die sich an dem Kampfe betheiligten, mehr oder minder schwer verletzt. Von Menschenfressern verspeist. Lin Goldsucher auf der Znsel Tiburon wahr- scheinlich ein Gpfer der dort wohnenden Menschenfresser geworden. Hermosillo, Mex., 18. Dez. Eine Gesellschaft von Bürgern, welche sich vor einigen Wochen von hier nach der Insel Tiburon begaben, um dort nach Gold zn suchen, das sich der Ueberliefernng nach, sort befinden sollte, ist mit Ausnahme -ines derselben zurückgekehrt. Die Soris- Jndianer, ein menschensressender Stamm, ivclcher die Insel bewohnt, zeigte sich den Goldsuchern nicht feindlich, aber der junge Edwards Flores, ein Mitglied der Gesell- schaft, wurde von seinen Geführten ge- trennt, und konnte, obgleich lange nach ihm gesucht wurde, nicht wieder gefunden Wer- sen. Man befürchtet, daß er von den Jn- »ianern entführt, erschlagen und verspeist wurde. Eigenthümlicher Tod. Der frühere Statistiker von Zndiana todt in einer Badewanne gefunden. Terre Haute, Jnd., 18. Dez. William A. Peelle, jr., der frühere Vor- steher des statistischen Bureaus von In- diana, ertrank gestern in dem St. Mary's Institute in einer Badewanne. Er wurde in derselben auf der Seite liegend, in einer derartigen Lage aufgefunden, daß er nicht im Stande war, sich zu bewegen. Tragischer Tod eines „Achtundvierzigers". Ein Kampf- und Stndienqelwsse von Earl Schurz in Kansas frei- willig verhungert. Er lebte als geiziger Sonderling mit einer Adoptivtochter. Hlnd hinterkäßt derselben ein Vermögen, Das er unter einem Apfelbaum vergraben hatte. St. Joseph, Mo., 18. Dez. Margaretha Weibler, die adoptirteToch- ter von Otto Weibler, welcher, wie bereits berichtet wurde, vor etwa einem Monate in Kansas aus Geiz verhungerte, hat ihren Wohnsitz in St. Joseph aufgeschlagen. Sie hat Freunde hier, welche sie in Bradford, Pa., gekannt haben, und bei diesen wird sie wohnen. In Folge des tragischen Todes des jetzigen Einsiedlers, ist sie Erbin eines mehr als §50,000 betragenden Vermögens geworden. Nach der Erzählung des Mädchens fand Weiblers Tod unter folgenden Umständen statt: Weibler war zwei Monate krank, ehe er starb, und lag in seiner aus Rasen her- gesiellten Hütte am Pointer Creek auf einem Feldbette; nurseine Adoptivtochter leistete ihm Gesellschaft. Während seiner Krankheit nahm er nicht genug Nahrung zu sich, um ihn eine Woche am Leben zu er- halten, obgleich sie ihm täglich Speisen an das Bett brachte. Der alte Mann ver- weigerte alle Nahruug, und erlag that- sächlich dem Hungertode. Kurz vor sei- nem Tode besaht er dem Mädchen, unter einem Apfelbaum hinter der Hütte zu graben, und sagte ihr, daß sie dort daS Geld finden würde, was er vergraben habe. Sie glaubte, daß ihr Vater phantasiere, nahm aber einen Spaten und sing an zu graben; sie stieß zuerst auf einen großen Stein, worauf sic in das Haus ging und dies dem Vater sagte. Dieser konnte kaum noch athmen, schickte aber das Mädchen sofort zurück, um den Stein heranszu- nehmen. Das geängstigte Mädchen that dies und fand darunter das Geld, welches aus Gold. Silber und Banknoten bestand. Sie theitte dies dem Sterbenden mit. der gerade noch im Stande war, ihr zu sagen, daß das Geld ihr gehöre, ehe er starb. Vor Aufregung zitternd, ging Mar- garethe nach dem Platze zurück, wo das Geld lag und bedeckte dasselbe wieder; dann holte sie Hülse, um ihren Adoptivvater zu begraben. Unter dem Nachlasse Weiblers befindet sich ein Buch, in welchem er die Hauptcr- eignisse seines Lebens verzeichnet bat. Dasselbe ist in deutscher Sprache versaßt und aus demselben ist ersichtlich, daß Weibler ein persönlicher Freund von Carl Schurz ist, che derselbe nach Amerika kamund daß er denselben auf seiner Flucht von Preußen nach der Schweiz begleitete. Der alte Sonderling war im Jahre 1830 in der Nähe von Köln geboren und hatte zusam- men mit Schurz in Bonn studirt. Beide verließen im Jahre 1847 die Universität, und ein Jahr darauf, während der revolu- tionären Unruhen, als Schurz ein revo- lutionäres Blatt herausgab, kam Weibler als Mitarbeiter wieder zu ihm. Als Schurz später nach Bonn flüchten mußte, begleitete ihn Weibler; beide nahmen darauf an den Kümpfen theil, und waren zusammen in Rastatt, als die Festung sich den Preußen ergab, worauf sie sich nach der Schweiz flüchteten. Wie Weibler in dem Tagebuche mit- thcilt, befand er sich auch in der Nacht des6. Nov. bei Schurz, als dieser den Pros. Kinkel aus der Festung Spandau befreite, worauf sich alle drei nach Schottland be- gaben. Dort blieben sie jedoch nur kurze Zeit, und gingen wieder zurück nach Paris; von hier aus wandte sich Weibler nach Amerika, und im Dezember 1850 landete er in New Ijork. Er verfügte nur über geringe Mittel, war aber strebsam und fleißig; er ließ sich in der Nähe von Brad- ford, in Pennsylvanien nieder, ging in das Kohlengräbergcschüst, hatte Glück, und erwarb sich ein kleines Vermögen. Ehe er Bradford verließ, adoptirte er Margarethe, deren Eltern gestorben waren, und in demselben Jahre, 1879, begab er sich nach Kansas, wo er sich in Decatur County auf Regierungslaud nicderlictz. Er legte Geld in Vieh an, und verdiente viel Geld, außer in den Jahren der Dürre. Seine Adoptivtochter wußte nicht, was er mit dem Getde that, und hatte keine Ahnung davon, daß er es in dem Obstgarten ver- grub. Mit seinen Nachbaren wollte Wcib- ler nichts zu thun haben, und verbot auch seiner Tochter den Umgang mit den jungen Leuten der Nachbarschaft. Sie mußte sein einsames Leben auf der trostlosen Prärie mit ihm theilen; wahrend seiner letzten Krankheit duldete er nicht, daß ein Arzt gerufen wurde, weil er befürchtete, daß er vergiftet werden würde. Obgleich er nicht glaubte, daß ferne Tochter ihn vergiften würde, wollte er doch keine Nahrung zu sich nehmen, weil er dachte, daß die Kauft leiste, die ihm Waareu verkauften, ihn sei- ner Sonderbarkeiten wegen vergiften woll- ten. Die unter dem Apfelbaum gefundene Geldsumme betrug §51,620 und daß Mar- garethe Weibler die rechtmäßige Erbin ist, wird von Niemandem in Zweifel gezogen. Zu Ehren Onkel Sam's. Läßt die Regierung von Salvador eine Mili- tärparade abhalten. Washington, 18. Dez. Der Sekretär Gresham hat von Jesus Velasco, dem Minister des Auswärtigen in Salvador, eine Depesche erhallen, worin derselbe mittheilt, daß die Negierung von Salvador gestern als Beweis der Freund- schaft für die Ver. Staaten, zu Ehren des amerikanischen Gesandten Baker eine Mi- litärparade habe abhallen lassen. Gourko's Resignation. Dieselbe ist angenommen, und er wird zum Feldmarschall ernannt werden. Großfürst Sergius zum Mitglieds des Staats- rathes ernannt. St. Petersburg, 18. Dez. Am Namenstage des Czaren wird General Gourko, welcher am 1. Dezember sein Amt als Gouverneur von Warschau niederlegte, zum Feldmarschall ernannt werden. Seine Resignation als Gouver- neur von Warschau, welche er in Folge geschwächter Gesundheit cingereicht hatte, ist angenommen worden. Der Großfürst Sergius ist zum Mitglied des Staats- rathcs ernannt worden, und wird sein Amt als Generalgouverneur von Moskau beibehalten. Dickköpfige Farmer. Zeder wollte zuerst über dießrücke, bis schließ- lich keiner hinüberkam. Ottumwa, Ja., 18. Dez. Ein kindischer Streit zwischen den Far- mern Ambrose Daugherty und George Huffman, hat drei Meilen südlich von Eldon eine Schießerei zur Folge gehabt, welche beide Belhciligtc mit dem Leben be- zahlen werden. Sie waren im County Lyceum gewesen, befanden sich auf der Heimfahrt, und vor einer Brücke angckom- men, wollte jeder zuerst über dieselbe fahren. Bei dem darüber entstandenem Wortwechsel griffen Beide schließlich zum Revolver, und das Ende war, daß Huffman einen Schuß in die Seile, und Daugherty einen Schuß durch die Lungen erhielt; die Wunden Beider sind tödllich. Daugherty ist Fa- milienvater, während Hoffman erst acht- zehn Jahre alt ist. Die Merican Northern Bahn. Dieselbe soll bis nach Marathon an der Southern Pacific Bahn ver- längert werden. Sierra Mojada, Mex., 18.Dez. Es wird hier mitgetheilt, daß die Mexi- can Northern Bahn von hier bis zu der reichen Minengegend von Carmen am Rio Grande, und von dort durch Presidio County in Texas, bis nach Marathon ver- längert, und daß am letzteren Orte mit der Southern Pacific Bahn ein Anschluß her- gestellt werden soll. Die Mexican Nor- thern Bahn hat sich in Mexiko als äußerst nutzbringend erwiesen, und zwar haupt- sächlich durch die Beförderung von Silber und Bleierzen. Das Carmengebict kommt jenem in der Sierra Mojada an Erz- reichthum gleich, aber die nächste Eisenbahn- station befindet sich jetzt noch in einer Ent- fernung von hundert Meilen davon. Skandalöser Vorgang in einer Kirche. Strick und Messer spielen die Hauptrolle dabei. Brazil, Ino.. 18. Dez. In dem vier Meilen von hier gelegenen Harmony, hat gestern Abend in der Metho- distenkirche ein scheußlicher Skandal statt- gesunden. Nachdem der Pfarrer den Segen über die Gemeinde ausgesprochen hatte, warf John Early dem Robert Watts einen L-lrick um den Hals, und hatte ihn, ehe ihm Freunde zu Hülse eilten, beinahe er- würgt. Sobald sich Watts erholt hatte, fiel er über Early her, schlug ihn mit der Faust nieder, und bearbeitete ihn ganz ge- hörig, als dieser ein großes Messer hervor- zog, und seinem Gegner schwere Schnitt- wunden beibrachte. Die Andacht der Gemeinde wurde natürlich durch den Vorfall gründlich gestört und es fehlte nicht viel so wäre unter den Anwesenden, besonders den Frauen, eine förmliche Panik ausgebrochcn. Gegen die beiden Störenfriede wurden später Haftbefehle er- wirkt. Die Wittwe Terry. Dieselbe führt im Zrrenhaus in Stocktou ein trauriges Dasein. San Francisco, 18. Dez. E. Porter Ashe ist seines Amtes als Vormund der Frau Sarah Althea Terry, der Wittwe des Richters David S. Terry, welcher vor vier Jahren bei einem Angriff auf denRichter Stephen I. Field zu sei- nem Tode kam, enthoben worden. Frau Terry befindet sich jetzt im Jrrenhause zu Stockton, und Thomas N. Williams jr., hat bei dem Superiorgerichl eine Eingabe gemacht, worin er Ashe beschuldigt, das Eigcnlhum derselben in dieser Stadt zu vernachlässigen, und sie thatsächlich am Nothwendigsten leiden zu lassen. Ashe war über ein Jahr vom Staate abwesend, und man glaubt, dgß er sich im Osten befindet; mittlerweile wurde Williams auf sein eige-nes Ersuchen zum zeitweiligen Vormund der Frau Terry ernannt. Schreckliche Thal einer Mutter. Sie schneidet zwei von ihren Kindern und da- rauf sich selbst den Hals ab. Caßv ille, Mo., 13. Dez. In der acht Meilen südlich von hier ge-legenen Ortschaft Dry Hollow, hat eine Frau Jones in einem Anfälle von Schwer- mut!) zwei von ihren Kindern, im Aller von fünf und sieben Jahren, die Kehle durchschnitten und sich dann auf gleiche Weise das Leben genommen. Jones be- fand sich zur Zeit, als die schreckliche Thalstattfand, in Washburne. Die Familiewar vor etwa vier Jahren aus Princelon, Mo., hierhergekommen. Die älteren Kin- der und das Baby wurden von der Mutter verschont. Bankerott einer Bank. Lhicagoer und St. Louiser Geschäftsleute da- durch geschädigt. Sl a t er, Mo., 18. Dez. Die „Citizens Stock Bank" hat gestern ihre Thüren geschlossen und befindet sich jetzt in den Händen des Massenverwalters C. P. Storts. Viele Gläubiger der Bank werden durch den Bankerott schwer betroffen, und es sollen sich unter denselben mehrere St. Louiser und Chicagoer Geschäfte befinden. Die Schulden der Bank betragen etwa §550,000, während die Ausstände kaum die stimme von §250,000 erreichen. Eine Firma schuldete der Bank §85,000, welche nicht gesichert sind, und eine andere Firma, deren gcsammtcs Kapital §IO,OOO nicht übersteigt, schuldete der Bank §45,000. Der Bankerott der Bank wurde durch die Staatsbeamten, welche einen Bericht über den Geschüftsstand verlangten, beschleunigt. Derselbe ergab, daß sich von dem Betriebs- kapital und den Depositen im Betrage von §250,000 weniger als §2OOO in der Kasse der Bank befanden. Die Bank stand schon seit der Panik im Jahre 1893 am Rande des Bankerotts und hat sich nur durch die größten Anstrengun- gen derAktieninhaber und deren Freundeso lange noch halten können. Auch die „Slater Savings Bank" hat in Folge des Bankerotts die Thüren schließet! müssen. Eine uralte Negerin gestorben. Sie war die Frau eines Kammerdieners des Präsidenten Zefferson. New Nork, 18. Dez. Gestern Abend ist die Negerin Nellie Jesferson im Alter von angeblich 109 Jah- ren, acht Monaten und sechszehn Tagen gestorben. Sie war die Frau von Peter Jesferson, einem Kammerdiener des Präsi- denten Thomas Jesferson. Frau Jeffer-son war eine Sklavin in der Familie des Präsidenten und wohnte mit derselben in Eharlottebourg, Va.; nachdem sie durch die Proklamation ihre Freiheit erlangt hatte, siedelte sie nach Oskaloosa, Ja. über. Ihr Gatte starb als sie sich noch in mittleren Jahren befand; sie wohnte bis vor acht Jahren bei Verwandten in lowa und zog dann zu ihrer hier wohnenden Tochter und zn ihrem Enkel Eharles Deves, in dessen Wohnung sie starb. Die Verstorbene halte neun Kinder von denen drei im Alter von 87, 65 und 58 Jahren noch leben; siebcn- undfünfzig Enkel und Enkelinnen und sechsundzwanzig Urgroßenkcl sind noch am Leben, und der jüngste der letzteren ist acht Monate alt. Eine lebhafte Nacht. Lin Mann erschossen, und sieben Personen von Straßenräubern beraubt. Kansas City, Mo., 18. Dez. Gestern Nacht ging es in Kansas City schlimm her. Der frühere Hülfsconstabler Jsaac Cahn wurde in der Wirthschaft No. 581 Troop Ave. von Foster Pollard durch den Kopf geschossen, und erlag heute Mor- gen um ein Uhr im City-Hospital den Verletzungen. An der Jndependence Ave., in der Nähe von Highland, wurden fünf Personen von Straßenrändern überfallen und beraubt, und in Bluff Str. hatten zwei andere Per-sonen ein gleiches Schicksal. Die Namen der Beraubten sind Joyn Burke, ein Sa- luhnwirth; Alexander Chantcau, aus dem Jndianergebiel; M. Sutherland, Carl Rolstrom und Nettie Harris, eine junge Negerin, welche außerdem noch, weil sie nicht gleich die Hände hoch heben wollte, eine Schußwunde davontrug. Der sechste Mann, dem sein Geld abgenommcn wurde, war W. V. Franklin, aus St. Louis, und der Name des siebenten konnte nicht in Er- fahrung gebracht werdeu, weil er nicht per- sönlich auf der Polizeiwache erschien. Die Gesammtbeute der Straßenräuber betrug etwa §55. Soll gemaßregelt werden. De Sozialist Liebknecht wird wahrscheinlich doch noch gerichtlich belangt werden. Berlin, 18. Dez. Der preußische Landtag ist auf den 8. Januar einberusen worden. Die Regie- rung beabsichtigt nach Schluß der Sitzung, Liebknecht, das sozialistische Mitglied des Reichstages, welches einen so hervorragen- den Anttzeil an der Kundgebung gegen den Kaiser bei der Eröffnung des Reichstages nahm, gerichtlich zu belangen. Der neue Präsident der Deputirten» kammer. Brison mit einer kleinen Mehrheit zum Prä» sidenten der Kammer gewählt. Paris, 18. Dez. Brisson, welcher bei dem Sturze von Ferry im Jahre 1885 Ministerpräsident ward, ist heule alsNachfolger von Burdeau mit 240 gegen 213 Stimmen, welche für Meliue, den Führer der Schutzzöllner ab- gegeben wurden, zum Präsidenten der De- putirtcnkammer gewählt worden. Sir John Thompson's Leiche. Dieselbe wird an Bord eines britischen Kreu- zers nach Halifax gebracht. Portsmouth, Engl., 18. Dez. Der britische Kreuzer „Blenheim", wel-cher den Befehl erhalten hat, die Leiche des verstorbenen Sir John Thompson nach Halifax zu bringen, ist auf der Höhe von Spithead angekommen. Wer Arbeiter irgend welcher Art braucht, der schicke eine Anzeige an das Abendblatt. Preis 10 Cents, wenn nicht mehr als 10 Wörter, jedes weitere Wort 1 Cent. Schiffs-Nachrichten. In der Nacht gemeldet: Gibraltar „Fürst Bismarck" von New N»rk. Liverpool—„Laurentian" von Portland. Antwerpen „Pennsylvania" von Phi- ladelphia. Bremen „Stuttgart" von Baltimore. New Aork: Friesland von Ant- werpen, Minister Maybach von Stettin. städtisches. LW"' Für folgende Personen liegenßricfe auf der Office d. Bl.: Carl Rößler, Frau Mathilde Ristow. Hatte kein Glück. Zaines Roach wegen Verausgabung falschen Geldes an die Bundes-Großgeschwo- renen verwiesen. Vor dem Bundescommissär Wirt stand heute Morgen James Roach unter der An- lage, an mehrere Conducteure der 14. Str.- Pferdcbahnlinie falsche Gelder verausgabt zu haben. Die Kläger waren George AUman, Edward van der Varn, George Lystelt und John V Boswell. Ersterer sagte aus, daß am Freitag Abend gegen 82 Uhr Roach zu ihm aus die Plattform getreten sei und ihn gefragt habe, ob er ihm nicht für einen Silberdollar Nickclstücke geben könne. Er habe bejaht, die Nickel abgezählt und sie Roach in die Hand ge- geben. Dieser habe ihm dafür einen Dollar in die Hand gedrückt und habe sich dann schnell davonmachen wollen. Er habe Roach jedoch festgehalten und sein Wechsel- geld zurückvertangt, weil er auf den ersten Blick erkannt, daß der Dollar falsch sei. Roach habe die Nickel auch sofort zurück- gegeben und sich damit entschuldigt, er habe nicht gewußt, daß der Dollar falsch sei- Ebenso hatte Roach es nacheinander mit den anderen obengenannten Conductcuren gemacht. Der letzte, nämlich John V. Boswell, batte aber den zufällig aufsteigen- den Polizisten Calcham aus Roach aufmerk-sam gemacht und dieser hatte den Burschen darauf gefragt, wo er den Dollar hcr- bekommen habe. Roach antwortete, daß Thomas Hauley, ein Schankwärter in einer Wirthschaft an der 14. Straße und Blue Island Avenue ihm denselben mit dem Er- suchen gegeben, für denselben Nickelstücke cinzuwechseln. Der Beamte begab sich mit Roach nach der Wirthschaft und der Schankwärter wurde über die Wahrheit der Angabe befragt. Hauley gab zu, Roach einen Dollar zum Wechseln gegeben zu haben, wie dies schon früher geschehen, doch glaube er mit Bestimmtheit sagen zu können, daß derselbe gut gewesen sei. Dasselbe erklärte auch Roach, doch Com- missär Wirt mußte von seiner Unschuld doch wohl wenig überzeugt sein, denn er wies ihn ohne Zögern an die Bundes- Großgeschworcnen und stellte ihn unter §SOO Bürgschaft. Wegen Lheckfälschung Wird Vtto p. Fischer unter drei Anklagen an das Lriminalgericht verwiesen. Auf drei Anklagen der Checkfälschung hin wurde Otto P. Fischer unter §ISOO Bürgschaft für jede der Anklagen heute Morgen von Richter Kersten dem Criminal- gerichl überwiesen. Fischer war ein Ange- stellter der „Craig Baking Powder Co."; er führte die Bücher dieser Gesellschaft, deren Geschäftsplatz No. 134—136 St. Clair Straße liegt. Vor mehreren Monaten verlor er seine Stelle und er nahm, als er das Geschäft verließ, eine Anzahl von Checks mit sich, welche er am letzten Arbeits- tage ausgcfertigt hatte. Die Namen der- jenigen, an welche die Checks zahlbar gemacht waren, fälschte er und er erlangte von Henry Beck 359 Wells Straße die Auszahlung in baarem Geld eines Checks von §ls, an Edward Blix 317 Dearborn Ave. passirtc er einen Check von §54.35 und von C. Sutherland No. 121 Canal- port Ave. erhielt er die Zahlung auf einen für §30.00 ausgestellten Check. Fischer verzichtete auf em Vorverhör. Eine Hobelmühle Zn, Holzdistrikt niedergcbrannt. §50,000 Brandschaden. Ein 4—ll Alarm brachte heute früh ge- gen 5 Uhr eine Menge Löschapparate nach der in Brand gerochenen Foster L Mun- ger'schen Hobelmühle an Ecke der 20. und Brrwnstr. Das Feuer brach in einer Holz- bude an der östlichen ereile der Fabrik aus. Der Wächter versuchte es erst mittels Handgranaten und Babcock-Cylinder zu löschen und alarmirte erst als das Feuer immer mehr um sich griff, die Feuerwehr. Der auf der Brandstätte eintrefsendc Mar- schall Heaney vom 8. Bataillon sah sofort, in welcher Gefahr sich die benachbarten Häuser befanden und gab den 4—ll Alarm. Die Hobelmühle bedeckt einen Flächen- raum von 190 bei 125 Fuß, ist drei Stock- werk hoch und stand, als der Marschall ein- traf, schon vollständig inFlammen. Nach allen Seiten hin flogen die brennenden Holzstücke. Doch nach einem harten Kampfe mit dem feurigen Element gelang es den wackeren Feuerleuten das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Die Hobel- mühle war bis aus die Mauern herunter- gebrannt. Die Maschinerien sind ein voll- ständiger Verlust. Der Verlust welcher die Firma trifft, beläuft sich auf §30,000 fürs Gebäude und §20,000 auf den Vor- ralh an fertigen Maaren und Hölzern. Ein Opfer der Eisenbahn. William Marooney, No. 65 Wells Str. wohnhaft, wurde in verflossener Nacht an der Kreuzung der Indiana Str. mit den Ge- leisen der Northwestern-Bahn von einemZug niedergerannt und getödtet. Heute Morgen wurde die Leiche gefunden und nach derMor- gue 1223 Milwaukee Ave. gebracht. Verschwundene Wahldokumente. Die Tallybogen und Zusammenstellungen der Resultate der letzten Mayorswahl spur- los verschwunden. Die Siegel an einigen IDablkästen zer- schnitten. Eine seltene Entdeckung wurde gestern in der Office des Wahlcommiffariats gemacht, als der bisherige Chef - Clerk der Wahlbe- hörde, HerrTaylor, Anstalten traf, sein Amt seinem Nachfolger Henry L. Hertz zu über- geben. Es stellte sich nämlich heraus, daß die Siegel an den Kästen, welche die bei der letz- ten Mayorswahl abgegebenen Stimmmzet- tel enthalten, durchschnitten waren, und daß die gesammmten Tally-Bogen und die Zu- sammenstellungen der Resultate jener Wahl verschwunden waren. Die letztere Endeckung wurde erst zuge- geben, nachdem sämmtliche Gewölbe in den Räumen der Wahlbehörde sorgfältig nach den verschwundenen Dokumenten durchsucht worden waren. Die Entdeckung, daß die Siegel an einigen Wahlkästen zerschnitten waren, wurde kurz nach Mitltag von dem Wahl - Commissär Badenoch gemacht. Derselbe bemerkte, daß die Siegel der Packete, welche die Wahlzettel aus der 30., 31., 32. und 33. Ward enthiel- ten, mit einem scharfen Instrument durch- schnitten waren. Diese Wahlzettelpackete waren in einem der Gewölbe in der Office des Wahlcommiffariats zusammen mit dem von der letzten Mayorswahl vorhergehenden Wahl Herstammmenden Wahlmaterial zu-sammen aufbewahrt. Als gestern Chefclerk Taylor in Gegenwart der Commissäre Bade- noch und Meier begann, seinem Nachfolger die Office zu übergeben, wurde von Herrn Badenoch jene Entdeckung gemacht. Herr Badenoch ließ sofort, nachdem er seine Entdeckung gemacht hatte, den Wahl- commissär Keenan und den Countyrichter Carter herbeirufen, damit dieselben sicht selbst von dem Stande der Dinge insormiren sollten. Mit der Entdeckung der zerschnittenenSi- egel der Stimmzettelkasten sollte es jedoch nicht sein Bewenden haben. Die Untersu- chung wurde fortgesetzt, und es kam zu Tage, daß von den sich auf die letzte Mayors-Wahl beziehenden Tally-Bogen und Zusammen- stellungen kein einziger mehr vorhanden war. Wo die Dokumente, die so umfangreich wa- ren, daß damit ein großer Expreßwagen ganz voll hätte geladen werden können, geblie- ben sind, ist bis jetzt noch ein ungelöstes Räthsel. Chef-Clerk Taylor weiß nichts von dem Verbleib der Wahldokumente. Er kann sich, wie er heute Vormittag erklärte, das Verschwinden derselben nur dadurch er- klären, daß er annimmt, daß dieselben bei der im April vorgenommenen Verbrennung der Wahlzettel von der letzten Präsidenten- wahl versehentlich mitverbrannt worden seien. Die Möglichkeit, daß die Tallybogen und die sonstigen Wahldokumente der letz- ten Mayorswahl überhaupt nie in dem Ge- wölbe deponirt worden sein könnten, ist völlig ausgeschlossen, denn Herr Taylor weiß ganz bestimmt, daß die Dokumente in dem Gewölbe deponirt waren. Herr Taylor weiß sich auch keine Rechenschaft darüber zu geben, von welcher Seite die Entfernung der Wahldokumente ausgegan- gen sei, und wer daraus einen direkten Nutzen hätte ziehen können. Wie Herrn Taylor, geht es auch den Wahl - Commissären. Keiner von ihnen weiß eine Erklärung für das Verschwindender Wahldokumente zu geben. Sie wollen jedoch versuchen, das Geheim- niß zu lüften und die für die Sache verant- wortlichen Personen zur Rechenschaft ziehen. Heute Mittag traten die Wahl - Com- missäre und der Countyrichter zu einer Conferenz zusammen, um zu berathen, was in der schwierigen Angelegenheit zu thun sei. Flinker Einbrecher. Lin einzelner Einbrecher räumt in einer hal- ben Stunde einen Laden aus. Als die Polizisten McWilliams und O'Day von der Desplainesstraßen-Stalion am Sonntag Morgen um 4Z Uhr an der AUey. welche zwischen Halsted- und Green- straße in die Monroestraße mündet, vor- übergingen, lies ein Mann an ihnen vor- bei, dessen Aeußeres einen sehr verdächtigen Eindruck machte. Sie folgten ihm deshalb auf den Fuß und faßten ihn nach einer kurzen, heißen Jagd ab. Zuerst wehrte er sich ganz energisch, sah aber schließlich ein, daß er den beiden kräftigen Blauracken nicht gewachsen war und ergab sich des- halb. Unter dem rechten Arm trug er ein Bün- del, in dem die Polizisten einige funkel- nagelneue Hosen entdeckten. Dieses über- zeugte sie vollends, daß sie es mit einem gefährlichen Burschen zu thun hatten, und sie nahmen denselben deshalb nach der Station. Dort war unterdessen von dem Schneider I. Simon die Nachricht ein- gelaufcn, daß sein No. 80 Halstcdstraße gelegener Schneidcrladen von Einbrechern heimgesuchl und vollständig ausgeräumt worden sei. Als er die Hosen sah, welche der Verhaftete in dem Bündel gehabt hatte, erkannte er sie als sein Eigeuthum. Der Gefangene gestand darauf, in den Laden eingebrochen zu sein und zwar ganz allein. Das gestohlene Gut habe er unter einem Seitenweg an der Monroestraße ver- steckt. Mehrere Polizisten begaben sich so- fort nach dem beschriebenen Orte und fan- den 21 Frackanzügc, 48 Paar Hosen und 8 Winlerüberzieher. Dieses Alles hatteder Gefangene, der sich Wm. Foster nennt, innerhalb einer halben Stunde aus dem Laden getragen. Heute früh vor Richter Doyle verzichtete er auf ein Vorverhör und wurde deshalb unter §ISOO Bürgschaft dem Criminalgericht überwiesen. Mayor Hopkins hat seine bereits fürgestern Abend angesetzt gewesene Abreise nach New Pork auf heute Abend verschoben. Heule Mittag wohnte er noch der Sitzung der Vertreter der St. Charles Air Line in der Office des Corporalions - Anwalts Palmer bei. j Abendblatt 1 Cent, 6 Cents die Woche. Unsere Weltausstellung. Unter den zahlreichen über die Colum- bische Weltausstellung geschriebenen Wer- ken nimmt zweifellos das unter dem Titel „Unsere Weltausstellung" erschienene den ersten Rang ein. Zunächst hat es den Vor- zug der Originalität. Während die mei- sten deutschen Bücher nur Uebrsetzungen mit theilweise sehr mangelhaften Abbildungen sind, ist dieses Werk ursprünglich in deut- scher Sprache geschrieben und die zahlreichen Illustrationen sind durchweg künstlerisch ausgeführt. Die Verleger sicherten sich mit erheblichem Kostenaufwand die besten der vvn der Weltausstellungsbehörde herge- stellten Aufnahmen, worin besonders den deutschen Ausstellungen die gebührende Be- achtung zu Theil wurde. Druck und Pa- pier sind der Gesammtausstattung würdig, so daß dieses Buch als eine mit echt deut- schem Fleiß hergestellte erschöpfende Ge- schichte unserer gewaltigen Ausstellung be- zeichnet werden darf. Da das Sammeln von einzelnen Heften zu vielfachen Klagen und Unannehmlichkeiten Anlaß gegeben hat, haben wir sämmtliche Hefte binden lassen und stellen den ganzen Band unseren Le- sern zu dem billigen Preise von §5 zur Verfügung. Nur der Ankauf einer be- trächtlichen Anzahl von Exemplaren setzte uns in die Lage, einen so niedrigen Preis stellen zu können. Besonders für das nahe Weihnachtsfest ist diese deutsche Prachtausgabe als Festge- schenk für Freunde hier und im alten Va- terland angelegentlichst zu empfehlen. Aus dem Lriminalgericht. Zehn Jahr Zuchthaus. Vor Richter Goggin gaben die Geschwo- renen in dem Prozeß gegen den Zimmer- mann John W. Love ein aus zehn Jahr lautendes Urtheil ab. Love war über- führt, mit seiner 16jährigen Tochter wider- natürlichen Umgang gepflogen zu haben. Die Familie wohnt No. 7012 AddisonAve. verurtheilunqeu. Vor Richter Goggin bekannten sich heute Morgen William Reilly und Joseph Sweeney schuldig, am 6. November in Le- mon: einen Mann niedergeschlagen und um §6O beraubt zu haben. Die Burschen wurden auf offener Thal erwischt und merk- würdiger Weise ließ eS Richter Goggin mit einem Jahr Zuchthaus bewenden. August Warranlberry bekannte sich des Einbruchs schuldig und erhielt ein Jahr Zuchthaus zudictirt. Die Großgeschworenen beschäftigten sich heute Morgen mit der Untersuchung von Criminalsällen. Das Bcralhungszimmer ist nach demGerichtssaal im unteren Stockwerk des allen Eriminal- gerichlS-Gebäudes verlegt. Ein Drittel des Raumes ist für das Sitzungszimmer der Großgcschworenen durch eine Wand abgelrennt. Die Bänke des Gerichlssaats kneten jetzt den Zeugen, welche in großer Anzahl vorgcladcn waren, Platz zum Sitzen. Bei den früheren Untersuchungen im oberen Stockwerk des alten Criminal- gcrichtsgebäudes war der Platz so beengt, daß die Zeugen oft stundenlang in dem Corridor stehen mußten. Das Blatternnest in Tragin. Die Beamten des Gesundheitsamts ver- suchen augenblicklich, zu ermitteln, wen die Schuld dafür trifft, daß die Erkrankung der fünf Kinder der Familie des Thomas Sar- gent in dem Hause No. 1231 W. 53. Str., Cragin, an den Blattern nicht rechtzeitig dem Gesundheitsamt gemeldet wurde. Wie wir unseren Lesern gestern mittheilten, war die Entdeckung des Blatternnestes am Sams- tag durch Dr. Moore vom Gesundheitsamte erfolgt. Wie es scheint, hat Dr. Patton von 1725 Armitage Ave. von der Erkrankung der Kinder gewußt, es aber verabsäumt, die vor- geschriebene Meldung im Gesundheitsamt abzusiatten. Die fünf kranken Kinder Sa-rgent's be- finden sich im Blatternhospital. Emil Loefsler todt. George Schneider, sein Mörder, verhaftet.— Der Loronersinquest aus heute Nach» mittag um 2 Uhr anberaumt. Heute Morgen um 5 Uhr starb Emil Loefsler im Alcrianer-Hospital. Sein Tod war von dtni behandelnden Arzt des Ver- wundeten vorausgesagt worden, nachdem es sestgestelll war, daß die Kugel die Einge- weide und den Magen durchbohr! halte. Die Geheimpolizisten Geiß und Bedow ver- hafteten den Thäter George Schneider gestern Abend gegen 6 Uhr in der Nähe des Ortes der Thal, an der Ecke von Schiller- und Wellsstraße. Eapt. Gibbons verhörte den Verhafteten, welcher berichtete, daß er in der Wirtbschasl an der Schiller- und Wellsstraße mit Loefsler in Streit geriet!). Schließlich wurde Frieden geschlossen, und kurz nach 2 Uhr verließ man das Lokal. An der Ecke stehend, kam der alte Streit wiederum zum Ausbruch, und Schneider behauptete, daß er vou Loefsler zuerst ange- griffen wurde. Er fürchtete für sein Leben und griff deßhalb zur Waffe. Loefsler war 21 Jahre alt und wohnte bei seinen Ellern, No. 468 Wellsstraße. Heute Nachmittag um 2 Uhr findet derJn- quest statt. Die Feuerwehrleute erhielten gestern ihre rückständigen Gehälter für den Monat November ausbezahlt.DiePolizisten sollen, wie Comptroller JoneS versichert, ihr Geld morgen erhalten. Viehmarkt. Schweine sind heute malt und um s<Zloc. billiger. Schwere brachten 4.25(Z4.65, leichte 3.90G4.35, durcheinander 4.05<K 4.50, grobe zum Pökeln „Pigs" 2.40G4.05. Rindvieh ist fest, Schafe gleichfalls. Zufuhr 28,000 Stück Schweine, 5,500 Rindvieh, 13,000 Schafe.

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