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Abendblatt Newspaper Archives Dec 15 1894, Page 1

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Abendblatt (Newspaper) - December 15, 1894, Chicago, IllinoisHerausgegeben von der Illinois Staats-leitungs-To. Chicago, Samstag, 15. Dezember 1894. Preis 1 Cent. 47. Jahrgang. No. 297. Mexikanische Räuber. Ein englischer Reisender überfallen und beraubt. Sein Diener getödtet und er selbst schwer ver- wundet. Guadalajara, Mex., 15. Dez. Thomas Glaser, ein englischer Reisender, welcher von hier nach dem an der Küste des Stillen Ozeanes gelegenen Tepeca eine Uebertandreise machte, ist südwestlich von hier, in dem Sierra Madre Gebirge, von Räubern angefallcn worden. Sein mexi- kanischer Diener wurde erschossen, und Glaser selbst schwer verwundet; demselben wurden H2OOO in Gold und werthvolle Schmucksachen geraubt. Der Dampfer „Patria." Der neueste Dampfer der hamburg- amerikanischen Linie. Die Ankunft desselben in New Hork morgen erwartet. New Nork, 15. Dez. Der Dampfer „Patria" von der ham- burg-amerikanischen Linie, welcher am 3. Dezember von Hamburg nach New Aork abging, und dessen Ankunft morgen erwar- tet wird, wurde im Schisssbauhofe Vulcan bei Stettin gebaut, Anfangs Oktober vom Stapel gelassen, und machte am 15. No- vember seine Probefahrt. Die „Patria" ist ein Doppelschraubendampser von 4353 Pferdekran, und hat eine durchschnittliche Schnelligkeit von 14Knoten, während dem Conlrakte nach nur 13 Knoten verlangt wurden. Des Betruges beschuldigt. Lin junger Deutscher soll mehrere Geschäfts- leute in Lincinuati um bedeutende Summen beschwindelt haben. I n d i a n a p o l i s, 15. Dez. In Folge einer von Charles O. Roerler aus Cincinnati beschworenen Aussage, daß Jacob Wiener, ein bekannter junger Deut- scher, die Firma Jacob Lazones L Co., und andere Geschäftsleute jener Stadt um einen Gesammtbetrag von HIB,OOO be- schwindelt habe, wurde derselbe gestern Abend in Haft genommen. Wiener war in dem hiesigen Putzmachergeschüft der Frau Newgarden angestelll, und jener be- schworenen Aussage nach, deren Einkäufer. Im letzten Juli brach in dem Geschäfte Feuer aus, und Frau Newgarden kündigte ihren Bankerott an. Die Schulden waren bedeutend größer als die Ausstände, und es wird behauptet, daß das Geschäft viel unbedeutender gewesen war, als angegeben wurde, und daß der Credit in Folge von betrügerischen Angaben erlangt worden war. Da Wiener diese angeblich betrüge- rischen Angaben gemacht hatte, wurde er dafür verantwortlich gemacht. Wiener er- klärt, daß er nur ein Angestellter derFrau Newgarden, aber niemals ihr Einkäufer war. Word und Selbstmord. Nach einem häuslichen Streit erschlägt er seine Frau und schießt sich dann selbst todt. Manistee, Mich., 15. Dez. Der fünfundvierzigjährige K. Herner, ein Deutscher, hat gestern Morgen seine Frau ermordet, und sich dann selbst umge- bracht. Die Veranlassung dazu gab ein Streit zwischen den Eheleuten. Er griff seine Frau mit einem stumpfen Instru- mente an, und zerschmetterte ihr damit den Schädel. Dann räumte er alle Spuren seines Verbrechens hinweg, trug die Leiche seiner Frau in die beste Stube, zog seine Sonntagskleider an, stellte ein angezünde- tes Licht auf eine Kommode, öffnete ein Gebetbuch, und jagte sich schließlich eine Kugel durch den Kopf. Das Verbrechen wurde erst mehrere Stunden später von einem Sohne der ermordetenFrau entdeckt. Weitere Gewaltthaten in Armenien. Zwei Dörfer zerstört, und die Bewohner in's Gefängniß geworfen. Athen, 15. Dez. Den armenischen Flüchtlingen ging heute die Nachricht zu, daß Bekri Pascha, der kurdische Gouverneur von Van, am 14. Nov. in das Gebiet von Erdjeki einrückte, und die armenischen Dörfer Bohazkescn und Hezare zerstörte. Seine Truppen sollen schwere Gewaltthaten begangen, und schließlich die grausam mißhandelten 126 Bauern unter der Beschuldigung, daß sie Insurgenten seien, in's Gefängniß ge- worfen haben. Wegen der Quarantäne. Stänkereien zwischen den südamcrikanischen Republiken. Buenos Aires, 15. Dez. Die Quarantäncmaßregeln haben Ver- anlassung zu Mißhelligkeiten zwischen den Regierungen von Brasilien, Argentinien und Uruguay gegeben. Böse Gegend. Line im Laufe eines Jahres sieben Mal be- raubte Postkutsche. Santa Fe, N. M., 15. Dez. C. N. Waterburg, der Postamtsinspek- tor, hat Mittheiluug von der Beraubung der Livingstoner Postkutsche, in der Nähe der Station Bowie, im südlichen Arizona, erhalten. Es ist dies das siebente Mal, daß während des letzten Jahres die Post- kutsche beraubt wurde. Aus den Indianeragenturen. Die Ernten in den Dakotas völlig mißrathen. Die Indianer sollen Viehzucht treiben. Washin gto n, D. C., 15. Dez. Aus allen Indianeragenturen werden Mißernten berichtet, welche entweder durch die anhaltende Dürre, oder durch Unge- ziefer veranlaßt wurden. Aus der Crom Creek und der unteren Brule Agentur in Süd-Dakota wurde kein Büschel Getreide geerntet, ebensowenig Gemüse. Die alte Weise des Viehschlachtens für die Fleischrationen soll abgeschafft, und es soll ein neues Schlachthaus errichtet wer- den. Zum ersten Male in der Geschichte der „Crows", haben dieselben die Agentur mit Vieh zur Austheilung der Rationen versorgt. Auf der Devils Lake Agentur, bei Fort Totien in Nord-Dakota haben die Maul- würfe große Getreidefelder zerstört, und in Folge dessen sind die Indianer so arm, daß der Verlust eines Ochsen oder Pferdes ge- nügt, um sie zum Verlassen einer Farm zu bewegen. Die Zukunft der Indianer, und die Fähigkeit der Selbsterhaltung, sagt Capt. Clapp, von der Fort Barthold Agentur, in seinem Jahresbericht, hängt hauptsächlich von der Viehzucht ab. Die Indianer auf der Forest City Agen- tur in Süd-Dakota, mit Ausnahme von 950 Personen, welche am Cherry Creekwohnen, befürworten die Bearbeitung von Farmen. Wahrscheinlich die Rache einer Frau. Alles deutet daraus hin, daß bei der Ermor- dung des jungen Apothekergehülsen eine Frau die Band im Spiele hatte. San Francisco, 15. Dez. Von dem Mörder des Apothekergehülsen Eugen Ware, welcher am Freitag Morgen, als er im Begriffe stand, das Geschält zu schließen, in so scheußlicher Weise ermordet wurde, hat man noch nicht die geringste Spur entdeckt. Die Polizei lappt vollstän- dig im Dunklem, und ihre Bemühungen sind jetzt hauptsächlich darauf gerichtet, die früheren und jetzigen Bekannten des Er- mordeten zu ermitteln. Die Annahme, daß ein Raub beabsichtigt war, hat man fallen lassen, und man glaubt, daß Eifer- sucht in irgend einer Weise der Beweggrund zu der That abgab. Wore hatte eine starke weibliche Bekanntschaft, und er erhielt so viele Besuche von seinen Freundinnen, daß sich der Eigenthümer der Apotheke bewogen fand, dieselben zu untersagen. Die Anzahl der an der Leiche gefundenen Wunden deu- ten an, daß sich der Mörder in äußerster Wuth befand, und Viele sind der Ansicht, daß eine weibliche Hand das mörderische Messer führte. Weder Geld, noch Werih- sachen waren von der Person des Ermorde- ten, oder aus der Apotheke entfernt worden, und die einzige stichhaltige Annahme ist, daß eine Frau direkt oder indirekt für das Verbrechen verantwortlich ist. Der Tod des Alopffechters Bowen. Derselbe erfolgte angeblich nicht durch einen Faustschlag seines Gegners, sondern durch einen Fall aus den Fußboden. NewOrl ean s, 15. Dez.. Der Klopffechter Andy Bowen, welcher gestern Abend in der Arena des Audito- rium-Clubs von „Kid" Lavigne, aus Sa- ginaw, Michigan, besiegt wurde, ist heute Morgen, fünfzehn Minuten nach sieben Uhr, in Folge der bei dem Kampfe erhal- tenen Verletzungen gestorben. Der „Timcs-Demokrat" sagt darüber Folgendes: „Der Schlag, welcher Bowen niederwarf, war nicht von ungewöhnlicher Stärke, kam aber aus großer Nähe, und Bowen war so schwach,, daß er rückwärts niederstürzte, und mit dem Hinterkopf mit solcher Wucht aus den unbedeckten Fußbo- den aufschlug, daß cs sich anhörte, als ob man mit der Rückseite einer Axt einen schweren Schlag darauf gethan Hütte. Als Hall und Fitzsimmons dort kämpften, war der Boden dick ausgepolstert, und mit Se- geltuch bedeckt, was diesmal aus nicht an- gegebenen Gründen unterlassen worden war. Denn andernfalls wäre Hall wahr- scheinlich damals ebenfalls durch seinen Fall tödtlich verletzt worden. Die Aerzte, welche Bowen gestern Nachtbehandelten, sagen, daß es nicht der Schlag war, der den Tod herbeiführte, sondern der Fall auf den Fußboden, wodurch eine Ge- hirnerschütterung verursacht wurde. Rüpelhafte Flegelei. Line sozialdemokratische Kundgebung an un- rechter Stelle. Berlin, 15. Dez. Aus München wird berichtet, daß wäh- rend einer Sitzung des Sladtrathes, der Stadtrath Birk, das sozialdemokratische Mitglied desselben sitzen blieb, als der An- trag gestellt wurde, daß sich sämmtliche Mitglieder als Zeichen der Dankbarkeit für die zahlreichen Wohlthätigkeitsgaben des Prinzregenten von ihren Sitzen erheben sollten. Die Delagoa-Bai. Lngland scheint Gelüste aus dieselbe zu haben. Pretoria, Transvaal- > Republik, 15. Dez. s Der Präsident Krueaer sagte heute in eine Rede in Ermelo, daß der neue Con- vent in Swasieland thatsächlich nur eine Wiederholung des alten Convents sei, und daß weder Deutschland noch Frankreich ge- statten würden, daßGroßbritanniewdie De- lagoa-Bai in Besitz nehme. Mchlen sich auf russisches Gebiet. wunderte von Armeniern verlassen ihre Heimath. weitere Gewaltthaten gegen einen armeni- schen Bischof und Mitglieder des Kirchenrathes. London, 15. Dez. Von Odessa wird der „Times" berichtet, daß Hunderte von türkischen Armeniern die russische Grenze übertreten, und daß die südrussischen Zeitungen mit den von ihnen geschilderten Greuelscenen angefüllt sind. Ein Telegramm aus Tiflis, im russischen Trans-Kdukasien sagt, daß die türkische Regierung die Verhaftung des türkisch- armenischen Bischofs von Mousch, und der Mitglieder desKirchenrathes veranlaßt hat, weil dieselben dem britischen Consul von den armenischen Greueln Mittheilung ge- macht hatten. Eine mexikanische Ausstellung. Eine dahinzielende Vorlage im Eongreß eingereicht. Der Bericht darüber binnen Kurzem zu er- warten. Mexiko, Mex., 15. Dez. Der Deputirte Jgnacio Bzarno bat im Congreß eine Vorlage eiugereichl, in wel- cher die mexikanische Regierung ersucht wird, für die Abhaltung einer internatio- nalen Ausstellung in der Republik eine Geldbewilligung zu machen. In seiner Rede wies er in warmen Worten aus die internationalen Beziehungen, besonders mit den Ver. Staaten hin, und deutete auf die Vortheile hin, welche Mexiko dadurch erwachsen würden. Die Angelegenheit wird jetzt in der Kammer berathen, und wahrscheinlich wird binnen Kurzem dar- über berichtet werden. Verweigerten das Lhausseegeld. Lin Todter und drei verwundete die Folge davon. Nashville, Tenn., 15. Dez. Bei dem in der Nähe der Stadt gelege- nen Schlagbaum an der von der White Creek herführenden Landstraße hat zwischen drei unbekannten Männern und mehreren Beamten ein verzweifeltes Gefecht stattge- funden. Die unbekannten Männer ritten durch den Schlagbaum, weigerten sich, den Zoll zu bezahlen und schüchterten den Zolleinnehmer derartig ein, daß derselbe bei dem Friedensrichter H. M. Wilkeson gegen sie erwirkte. Der Friedensrichter machte sich iu Begleitung des Constablers E. D. Manlove zur Verfolgung der Leute auf, und als dieselben eingeholt wurden, entstand ein Gefecht, in welchem Manlove erschossen wurde, während Wilkeson und ein Mann Namens Bester schwere Wunden davontrugen. Auch einer der unbekannten Männer wurde verwundet. Nette „Liebesritter." Liner derselben als Mörder der Lena Tapper, von den Großgeschworenen in An- klagestand versetzt. Denver, Col., 15. Dez. Gestern wurde Richard Demady, unter der Beschuldigung, am 3. September Lena Tapper ermordet zu haben, von den Groß- geschworenen in Anklagestand versetzt. Die Ermordung der Lena Tapper war die erste der Mordthalen, welche dem „Würger" zu- geschrieben wurden. Die anderen zwei Morde, welche so schnell hinter einander folgten, waren in gleicher Weise ausge- führt worden, wie der an der Lena Tapper begangene. Demady ist ein Mitglied einer französischen Gesellschaft, welche sich die „(Nwvuliers ü'umour", Liebesritter nen- nen. Worton's Pluralität. Morton mit ;56,t5H Stimmen über Hill zum Gouverneur von New Hork gewählt. Albany,N.Y., 15. Dez. Als die für den Gouverneur abgegebenen Stimmen heute gezählt wurden, fragte der Staatssekretär Pohner, ob die Zählungs- behörde Morton für die Dauer von zwei oder drei Jahren gewählt erklären solle. Die Behörde handelte nach den Vorschrif- ten der alten Verfassung, und die Frage entstand, ob die neue Verfassung rückwir- kende Kraft haben könne. Schließlich einigte sich die Behörde dahin, daß sie die Worte „auf zwei Jahre gewühlt" ausstrich, und Morton einfach für den erwählten Gouverneur erklärte. Die Pluralität Morton's über Hill beträgt amtlich 156,- 154 Stimmen. Wird nicht ausgeliefert. Dr. McLurrv wird nicht an die ver. Staaten ausgeliesert werden. Mexiko, Mex., 15. Dez. Die Regierung hat heute dem amerikani- schen Geschäftsträger mitgetheilt, daß sie beschlossen habe, im Falle des Dr. S. I. McCurry, welcher sich in Monlerey in Haft befindet, und wegen angeblich verbrecheri- scher Ausübung seines Berufes in Annis- ton, Ala., gewünscht wird, das Gesuch um Auslieferung nicht zu gewähren. Der Direktor des vatikanischen (Ob- servatoriums gestorben. Rom, 15. Dez. Pfarrer Denza, der Direktor des vatika- nischen Observatoriums, ist gestern ge- storben. Auf Alles vorbereitet. Die Japaner werden iin nördlichen Lhina für Ruhe und Ordnung sorgen. London, 15. Dez. Der „Times" wird aus dem japanischen Hauptquartier gemeldet, daß Japan bereits ein vollständiges Corps von Beamten in Bereitschaft hat, um bei den ersten An- zeichen von Unruhen oder Anarchie, beson- ders in den Vcrtragshäfen, die Verwaltung von Nord-China zu übernehmen. Schiffsnachrichten. In der Nacht gemeldet: New Ifork „Grecian" von Glasgow. Southampton—„Berlin" von New Aork. Lcith „Minnesota" von Baltimore. London „Mississippi" von New Aork. Städtisches. Das Wetter. Optiker Kl eine, 76Washington Str., berichtet für Chicago die folgenden Baro- meter- und Thecmometerstände: Um 8 Uhr Morg. 50 Gr., um 9 Uhr 59 Gr., um 10 Uhr 54 Gr., um 11 Uhr 58 Gr., um 12 Übr 58 Gr. Barometerstand um 8 Uhr Morg. 29.40,12 Uhr 29.30. Auf Wontag verschoben Mird der Antrag der Bewilligung eines neuen Prozesses im Meadowcrost-Fall. Ex-Richter Lollins krank. Bürg- schaft auf je rzo,ooo erhöht. Nachdem Richter Brentano heute Morgen kurz nach 10 Uhr das Gericht eröffnet hatte, harrte Alles in hoher Spannung auf die Argumente für einen neuen Prozeß für die Brüder Meadowcroft. Von dem ehemali- gen Richter Collins lag ein Schreiben vor, daß er erkrankt sei. Obwohl Anwalt C. S. Darrow für Richter CollinS einsprang, ver- tagte der Richter die Argumente über die Bewilligung eines neuen Prozesses auf Montag. Hülfsstaatsanwalt Bottum stellte jetzt den Antrag, die Bürgschaften der Ange- klagten zu erhöhen. Richter Brentano setzte dieselben auf je Hlo,ooo fest. Die Bürgschaften wurden von George E.Woods und M. E. Wells geleistet; ersterer gab sein Vermögen auf tz500,000 an, letzterer auf zwei Millionen. Chesclerk des Crimi- nalgerichts, P. I. Dünne, vereidigte die Bürgen. Aam an den Unrechten. Mißlungener versuch,einen gefälschten Lheck zu versilbern. Gestern Nachmittag verhafteten mehrere Polizisten von der Ost Chicago Ave. Po- lizeistation einen Mann, der sich U. S. Horton nennt und angeblich 2180 Clifton- straße wohnt. Kurz nach 3 Uhr betrat er den Eisenwaarcnladcn von Anton Mathee- son, 136 Nord Halstedstraße und kaufte sich einen Hobel. Als Zahlung dafür gab er Matheeson einen Check auf HlO auf die Bank von Chapin und Craig an Milwau- kee Ave. Der Hobel kostete aber nur G 6 und behauptete Matheeson, kein Kleingeld bei sich zu haben, Horton möchte deshalb in einer halben Stunde wiederkommen. Letzterer verließ darauf das Lokal und Matheeson schickte seinen Sohn sofort nach der besagten Bank, um zu erfahren ob der Check auch gut sei. Es stellte sich heraus daß derselbe gefälscht worden war und der junge Matheeson begab sich darum unver- züglich nach der Ost Chicago Ave.-Polizei- station, wo man ihm einen Polizisten mit gab. Als er mit demselben in seines Va- ters Laden trat, lag Horton auf der Erde und Matheeson stand mit einem Revolver in der Hand in drohender Stellung über ihn. Horton war wirklich nach Verlaus einer halben stunde wiedergekommen, doch hatte man Matheeson von Craig und Eha- pin über den Thatbestand unterrichtet, in- folge dessen er dann dem Schwindler mit einem Revolver cntgegengelreten war. Die andere Seite. Stadtingenieur Artingstall's Erklärung. Stadtingenieur Artingstall gab heute Vormittag im Allgemeinen die Richtigkeit der von Herrn Chalmers in der gestrigen Sitzung des stadträthlichen Finanzcomite's angeführten Bemerkungen über die Specifi- cationen für die Lieferung von Pumpma- schinen für die Pumpstationen zu, er er- klärte aber zu seiner Rechtfertigung, daß die Verschiedenheit der zu liefernden Maschinen wohl begründet sei. Er gab zu, daß z. B. eine dreifache Expansionsmaschine besser und billiger arbeite, als eine doppelte Com- pound-Maschine, wie sie für die Pumpstation an der Chicago Ave. verlangt worden sei, daß aber die Pumpstation nicht so eingerichtet sei, daß eine dreifache Expansions-Maschine darin aufgestellt werden könnte. In den übrigen Pumpstationen müßten die Pump- maschinen ebenfalls den bestehenden Ver- hältnissen angepaßt werden, und daraus er- kläre es sich, daß in den Ausschreibungen um die Bewerbungen für die Lieferung der Maschinen nicht eine für alle Pumpstationen gleiche Art von Maschinen verlangt wird. Herr Artingstall erklärte, daß er auf die An- schuldigungen des Herrn Chalmers seine offiziellen Erklärungen abgeben werde, wenn er dazu aufgefordert werden sollte. Ein Spielernest ausgeräumt. Polizisten der Maxwell Str. - Station überraschten gestern Abend in einem Zim- mer des Hauses 635 Jefferson Str., das von David Fischer bewohnt wird, zehn ältere und jüngere Herren beim verbotenen Hazardspiel. Fischer und die Zehn sowie alle Spieler- Utensilien wurden nach der Station ge- schafft und heute dem Richter Eberhardt vor- geführt. Dieser verschob auf den Antrag ihres Vertheidigers die Verhandlungen bis zum 25. d. Mts. und stellte Fischer bis da- hin unter PSOO, und die Anderen (die Spie- ler) unter je H2OO Bürgschaft. Eine Auslese Von Einbrüchen und Diebereien auf der Westseite während dreier Tage. William Linkermann alias „Chip" und Jos. Graves, ein Paar zur Zunft der Diebe gehörigen Strolche, wollten in der Donnerstag-Nacht, dem Saloon von Jos. Jvirk, 804 Alport Ave. einen Besuch ab- statten. Die Wirthschast geschlossen findend, schlichen sie sich an die Erdgeschoßthürc, öffneten sie mittels eines Nachschlüssels und schafften 2 Viertel Bier hinaus. Eben waren sie daran, das Erdgeschoß noch nach Cigarren, Wein und anderem genießbarem Zeug abznsuchen, als Jvirk, der hinter dem Saloon schlief, erwachte und zum Fenster hinausschanend die Kerle aus seinen Keller heraustreten sah. Er warf sich schnell in die Kleider. Doch bevor er aus die Straße kam, waren die Zwei verschwunden und mit ihnen das Bier. Sie hatten es aut einen bereitgehaltenen Wagen geladen und waren davougefahren. Jvrik folgte den Spuren und dem Schall des davonfahrenden Wagens und sah die beiden Kerle in einem Stalle an Walsh Court, einem zwischen der Centre Avenue, May-, 20. und 21. Straße gelegenen und verrufenen Gäßchen verschwinden. Jvirk holte den Polizisten Twek, der an der 19. Straße und Centre Ave. stand, herbei. Doch dieser, von der Ansicht ausgehend, daß in dem Stalle eine ganze Bande Strolche, die um ein Menschenleben nichts geben, läge, Holle erst Hilfe herbei, und als diese an Ort und Stelle kam, war nur noch Linkermann zu finden. Dieser wurde verhaftet und heute von Richter Dooley bis zum 25. Dez. unter HBOO Bürgschaft ge- stellt. Durch Zufall gelang es gestern Abend um 12 Uhr den Polizisten Kline auch des zweiten Einbrechers, Jos. Graves, habhaft zu werden. Er passirte die Ecke der 21. Straße und Center Ave. und fand dort eine Bande Thunichtsgute, die einen fürch- terlichen Lärm machten. Er befahl ihnen sich ruhig zu verhalten und endlich nach Haus zu gehen. Die Strolche remonstrir- ten und überhäuften den Polizisten mit be- leidigendenAusdrückcn. Einer derselben war eben im Begriff nach seiner Hüftentasche zu greisen und den Revolver herauszuziehcn, als Kline, dem dieses Manöver nicht ent- gangen war, sein Schießeisen herausholte und dem Kerl eine Kugel in die linke Hüfte jagte. Der Verwundete wurde nach dem County-Hospital geschasst und seine Ver- wundung für nicht gefährlich erklärt. In ihm erkannte Kline sofort den gesuchten Einbrecher Graves. James Grissin, John Hinchy und Jos. Twohy, drei 15jährige Burschen und Mit- glieder der berüchtigten Mrs. Morton- Diebs- und Einbrecherbande, schlichen sich gestern Nachmittag in die Wohnung der 70jährigen Wittwe O'Shaugnessy, 253 Loomis Str., und sagten der alten Dame, als sie sich ihnen entgegenstellte und sie nach ihrem Begehr fragte, daß sie einen Mann suchten, der ihnen Arbeit verspochen hätte. Die drei Burschen kamen der allen Frau etwas verdächtig vor uud sie befahl ihnen, die Wohnung zu verlassen. Als diese es nicht thun wollten und Anstalten machten, sie zu berauben, ries die Frau ihren Nachbar, den Polizetlieutenan Luke Colleran, Kommandeur der 13. Str.- Station, herbei, der in den Jungen sofort alte Bekannte ermittelte und sie einspcrrte. Richter Eberhar'ot belegte die Drei, die ihm auch sofort bekannt vorkamen, mit einer Strafe von HSO. Die Gebrüder Anton und Chas. Kotarba betreiben gemeinsam einen Kleinverkauf von Brennholz. Da in letzter Zeit das Geschäft etwas schlecht ging, ja nicht ein- mal so viel abwars, um das Futter für die drei Gäule am Markt kaufen zu können,so zogen sie es vor, solches zu stehlen. Sie erfuhren, daß der Leihstallbesitzer S. Sadretzky, 508 Blue Island Ave., große Vorrälhe von Heu hätte. Mittwoch Nachts fuhren sie nach dem Hinteren Thore des Stalls, erbrachen diese und luden in aller Gemüthsruhe 19 Ballen Heu und eine Menge Hafer und Mais auf. Als Sarctzky am Donnerstag früh den Einbruch und den Verlust des Fütterungs- material aussand, übergab er die Angele- genheit der Polizei und die Detectivs Freeze und Smith ermittelten gestern, daß sich das Heu in dem Stall der Kolarba's befände. Daraus wurden die Brüder wegen Einbruchs verhaftet und von Richter Dooley ihr Prozeß bis zum 20. verschoben. Die Bürgschaft wurde auf HBOO festgesetzt. James Dalton und Robby Leslic, 15resp. 16 Jahre alt, gingen gestern Nach- mittag in den Candy-Laden der Frau Elizabeth Moore. 406 W. Harrisonstraßc, angeblich in der Absicht, um dort einige Cigaretten zu kaufen. Als sie aber den Laden betraten und diesen unbeaufsichtigt fanden, konnten sie der Vesuchung nicht Wiederstehen, ihre Taschen mit Naschwerk zu füllen. Während Dalton dies Geschäft betrieb, nahm der Andere das Cash-Register mitsammt seinem Inhalt (über P 25) un- ter den Arm und verließ den Laden. Doch gerade als er die Thür öffnete, kam aus der hinter dem Laden befindlichen Wohnung Frau Moore und sofort merkend, was vor- gefallen, rief sie nach Hülse. Der vorbei- gehende Polizist James Egans nahm sich der Beiden natürlich an und brachte sie nach der Maxwellstr.-Sla.ion. Heute standen sie vor dem Richter Dooley, wel- cher sie bis zum 10. unter je HSOO Bürg- schaft stellte. Samuel Kapeross ist zwar taubstumm, weiß aber doch ganz gut, woher er sich Geld verschaffen kann, wenn er auch nicht arbei- tet. Er logirt in dem Hause 489 Union Straße und hat sich dort durch seine ganze Ausführung so verhaßt gemacht, daß ihn der Wirth neulich hinauswars. Am Frei- tag kam er wieder dahin, begab sich, während das Hausmädchen mit dem Reinigen der Zimmer beschäftigt war, in das von Abra- ham Canek innegehabte Zimmer und stahl dort eine Uhr und Hl 2 Geld. Der Verdacht siel sofort aus ihn und es erfolgte heute früh seine Verhaftung. Er wurde von Richter Dooley bis Montag unter G4OO Bürgschaft gestellt. Abendblatt 1 Cent, 6 Cents die Woche. John Santry verhaftet. Lr befindet sich angeblicb im Ge« wahrsam der Polizei in Denver, Colorado. vielleicht wird durch ihn der Mörder Lollian« ders bekannt. In Denver, Colorado, wurde heute Vormittag von den dortigen Detektives ein Mann wegen Bettelns auf der Straße ver- haftet, auf den genau die Beschreibung zu- treffe, welche die Polizei in Denver von dem aus Chicago flüchtig gewordenen John Santry erhalten hat. John Santry war bekanntlich eines der gefährlichsten Mitglieder der Strolchen- bande, welche am Abende der letzten Wabl den Stimmplatz No. 117 Oakstraße über- fiel und Gustav Colliander ermordete. Vor etwa 8 Tagen war Thomas Murphy, ein anderes Mitglied derselben Bande, ebenfalls in Denver wegen Vagabundage verhaftet worden. Er war aber von dem Polizeirichler, dem er vorgeführt worden war, in Freiheit gesetzt worden, bevor aus Chicago die Nachricht eintraf, daß Murphyin Gewahrsam gehalten werden sollte. In John santry hat die Polizei von Denver jedenfalls einen sehr wichtigen Fang gemacht, der vielleicht dazu beitragen wird, den wirklichen Mörder Colliander's zu er- mitteln. Um einen Hund. Lin Janitor und ein Vierfühler werden die Hauptrolle in einem Prozeß vor dem Richter Lverett spielen. Ein Fall beispielloser Grausamkeit gegen einen kleinen Hund ist zur Kenntniß der„Hu- mane Society" gekommen und wird in den Gerichten ein Nachspiel finden. Die That- sachen, wie sie von George Nolan, einem Agenten obengenanter Gesellschaft, mitge- theilt wurden, sind folgende . Am 23. No- vember kam ein kleiner Hund, der wahr- scheinlich einem der Kinder gehörte in die Hedley Schule an der Lewis Straße und Garfield Ave. gelaufen und verirrte sich schließlich in ein Klassenzimmer im zweiten Stockwerk, in dem Frl. Edith Deal unter- richtete. Dem Hund auf den Fuß folgte der Hausmeister der Schule, John Noonan. Nach einigen vergeblichenVersuchen gelang es diesem, den Hund einzufangen. Er trat dann ans Fenster, öffnete es und warf das arme Thier, in großem Bogen auf die Straße hi- naus. Nolan schaute seinem Opfer nach und als er sah, daß es unten zuckend lag, lief er hinab, ergriff es am Kragen und schleuderte es über den Zaun in die Alley. Dort ließ er das Thier liegen, ohne sich zu überzeugen, ob auch noch Leben in ihm sei. Daß Letzteres der Fall war, wird durch ein Kind festgestellt, das den Hund nach Schluß der Unterrichtsstunde noch an allen Gliedern zuckend, in der Alley fand. Frl. Deal war über die beispiellose Rohheit Noo- nan's, deren Augenzeuge sie gewesen war, so entrüstet, daß sie zunächst eine Beschwerde bei der Prinzipalin, Frl. Buckley, einreichte. Diese würdige Dame scheint jedoch ebenso wenig Herz zu haben, wie ihr roher Haus- meister; wenigstens heißt es, daß sie zu Frl. Deal geäußert habe, sie könne Noonan's Handlungsweise nur gut heißen, denn der Hund könne ja böse oder gar toll gewesen sein und hätte vielleicht eine Panik unter den Schulkindern Hervorrufen können. Frl. Deal war jedoch mit diesemBescheide nicht zufrieden. Sie war entschlossen, daß Noonan für seine Roheit büßen solle, und sie schlug dazu den richtigsten Weg ein. Sie begab sich nämlich nach der Office der Humane Society und erzählte dem Präsi- denten Shortall den Vorfall, wie sie ihn hatte mit ansehen müssen. Der Agent No- lan wurde ihr mitgegeben und Richter Eve- rett ersucht, gegen Noonan einen Haftsbesehl auszustellen, was dieser auch bereitwilligst that. Der Hausmeister wurde verhaftet und der Fall sollte heute Morgen zur Verhand- lung kommen. Da entdeckte Richter Evereti, daß sich in die Anklageschrift ein grober cle- rikaler Fehler eingeschlichen hatte und er sah sich gezwungen, die Klage abzuweisen, aber er gab Frl. Deal, die mit mehreren Zeugen zugegen war, den Rath, sich einen andern Haftsbefehl ausstellen und Noonan abermals verhaften zu lassen, was sie auch ohne Zö- gern that. Noch während des Nachmittags verließ ein Constabler die Office des Richters mit einem Haftsbefehl und demAuftrage,Noonan augenblicklich wieder in Haft zu nehmen. Wahrscheinlich wird also der Fall nun in den nächsten Tagen zum Autrag kommen und mit exemplarischen Bestrafung des rohen Irländers Noonan endigen. Frl. Deal aber verdient für ihre Hand- lungsweise um so mehr Anerkennung, als Noonan bedeutenden politischen „Pull" ha- ben soll, sie als riskirt, sich seinen ganzen Anhänge zu bitteren Feinden zu machen. Wahrscheinlich hat das auch die Prinzi- palin Buckley gefürchtet, und sie sich des- halb mit Noonan's Handlungsweise ein- verstanden erklärt. (Opfer des Eisenbahnstreiks. Heute Morgen erschoß sich in seiner Woh- nung 5248 Emerald Ave. der Weichensteller Frederick Byrd. Derselbe war an dem großen Debsstreik betheiligt und hat seither bei kei- ner der Bahnen Anstellung finden können, weil er auf der schwarzen Liste stand. Aus Verzweiflung über die monatelange Arbeits- losigkeit erschoß sich endlich der Unglückliche. Die gestern verbreitete Nachricht, daß „Clabby" Burns in Melrose in Haft ge- nommen sei, hat sich als eine Ente er- wiesen. „Clabby" und seine Genossen er- freuen sich noch immer der goldenen Frei- heit. Viehmarkt. Heute gingen 1,000 Rinder, 2,000 Schafe und 24,000 Schweine hier ein. Schweine waren guter Qualität, und gingen Preise um 10 Cents zurück. Schwere Schweine brachten 4.25<Z4.65, leichte 3.85G4.35, schwere und leichte durch- einander 4.00G4.50, grobe zum Pökeln 4.00G4.20, „Pigs" 2.30(^4.05. Nachfrage nach Schafen und Rin- dern war gut und Preise fest.

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