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Abendblatt Newspaper Archives Dec 14 1894, Page 1

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Abendblatt (Newspaper) - December 14, 1894, Chicago, IllinoisHerausgegeben von der Illinois Staats-Aeitungs-Lo. Chicago, Freitag, 14. Dezember 1894. Preis 1 Cent. 47. Jahrgang. No. 296. > Uevevvlrck HLnd KurzgefaßLes. . Klarer Himmel und warme Luft . für heute uud für morgen pro-pyezea. Lufzug aus Südwesten. Die Getreidepreise sind matt undpelzen ist für Lieferung per Mai auf ?ZHickgegangen, Mms auf 49is, Hafer auf io Q Schweinefleisch wich (Mai) auf 6 auf 7.10, Rippchen auf Der Ultramontane Zemp wurde von der schweizerischen Bundesversammlung ?um Bundcspräsidenten und der Radikale Lachenal zum Vizepräsidenten gewählt. -77 So ganz allmählich erneut sich das Minlstercomite. Jetzt hat auchder Flottenminister Tschichalschew seinenAbschied genommen. 7- Die vom Vatikan nach Chicago ge-schickten Ausstellungsgegenstände sind inNeapel wieder angekommen. Das Vierzigsache Hütte Rußland ge- pumpt kriegen können. Es hat sich leider herausgestellt, daß verschiedene Countybeamten mit ihren Bü- chern ganz bedenklich im Rückstände sinduno daß es bedeutende Kosten verursachen wird, dieselben in Ordnung zu bringen.Das kommt davon, wenn die Aemter nicht geschäftsmäßig, sondern „politisch" verwal- tet werden. Der englische Arbeiteragitator John Burns ist nicht gut auf Chicago zu sprechen. . Er nennt die Gartenstadt eine Taschenaus- / gäbe der Hölle und geht sogar so weit, zubehaupten, daß die Hölle nur eine Taschen- ausgab von Chicago sei. Seit wann ist denn das Babel an der Themse, woher Burns kommt, ein Tugendspiegel? Man fege gefälligst vor der eigenen Thür. Ald. Kerr ist von seinem Besuch in New York zurückgekehrt. Er will jetzt nach dem D Muster des Lexow-Comites die Pflichtver-nachlässigungen der hiesigen Polizei unter- suchen. Richter Woods hat Debs zu sechs Mo-naten Countygefängniß verurtheilt. SeineMitangeklagten erhielten je drei Monate Gefängniß. Tekegrttpkuscfie Depefcfien. Dr. Gidier's Serum. Entdeckung von angeblich gefälsch- tem Serum. Gesundheitsbehörde mit der Untersuchung M desselben beschäftigt. New Y 0 rk, 14. Dez. Dr. Paul Gibier, vom New Yorker Pasteur Institute hat kürzlich dem Dr. Park, von der Gesundheitsbehärde, eine Probe des antidiphlheritischen Serums ge- geben, welches nach der Vorschrift des Dr. Roux im Institute angestrtigt war. Dr. Park berichtete, daß daS Serum schwach sei und dem europäischen in keiner Weise gleichkomme; daß es jedoch Heilkräfte be- sitze nnd eine Heilung bewirken könne, wenn es in hinreichend großen Dosen an- gewandt werde. Ein Agent der Gesundheitsbehördekaufte kürzlich in einer Apotheke auf der Ostseite eine Viertel Unze einer Nachahnung des SerumS für §5. Dr. Gibier sagt, daß er sein L>erum in größere Flaschen fülle, und um nicht dcä Betruges am Publikum be- schuldigt zu werden, hat er sein Serum Prokuren lassen. Der Apotheker, welcher das gefälschte Serum verkauft hat, ist von der Gesund- heitsbehörde vorgeladen, um sich darüber zu erklären. Es werden vor der Vernehmung des Apothekers keine Namen veröffentlicht IMwerden. Raubmord. Ein Apothekcrgehülfe von Einbrechern er- mordet. San Francisco, Cal., 14.Dez. Heute Morgen ist Eugen Weir, ein jun- ger Apolhekergehülfe. von Einbrechern, welche darauf die Kasse ausraubten, ermor- det worden, als er gerade im Begriff stand, das Geschäft zu schließen. Seine Leichewurde von einem Polizisten, welcher die Tkstire offen stehen sab, mit achtundzwanzig Stichwunden in der Brust und in der Seite, im Keller ausgetunden. Der Eigen- Ihümer fand später fast das ganze Geld in einem geheimen Versteck, während in der Kasse nur ein kleiner Betrag zurückgelassen worden war. Getheert und gefedert. Lin verkommenes weißes Mädchen von ent- rüsteten Bürgern gemaßregelt. SPringf icld, 0., 14. Dez. Der soeben aus Bainbridge zurückge- kehrte Henry Eisenmenger bringt die Mit- theilung, daß in der Sonntag Nacht eine Schaar von entrüsteten Bürgern ein sieb- zehnjähriges Mädchen, das mit einem Neger, Namens Buck, zusammeulebte, aus dem Hause desselben Holle uud mit Tbeer und Federn zu einem besseren Lebens- wandel zu bekehren versuchte. Nach voll- zogener Operation machte sichdas Mädchen in ihrer Fcderbeklcidung ans den Weg uud marschirte nach ibrer, in dem sieben Meilen entfernten Orte Cynthia, gelegenen Woh- nung. Rußland's Credit gut. Anleihe angeblich vierzig Mal über- zeichnet. St. Petersburg, 14. Dez. Die Börseuzeituug sagt, daß die neue russische Anleihe von 15 Millionen Pfund Vierzig Mal überzeichnet worden ist. Amnestie in Aussicht. Line Verschwörung zu Gunsten peirolo's entdeckt. Rebellcnsiege in Rio Grande du Sol. Gouverneur Lastilho beinahe gefangen ge- nommen. Buenos Air es, 14.Dez. Der Erpräsident Pcixoto ist von einem Nervenleiden befallen und hat sich nach sei- nem Landsitze zurückgezogen. Die Regierung wird wahrscheinlich allen Personen, welche sich an der Revolution betheiligt haben, außer den HauptrüdelS- führern, die Rückkehr nach Brasilien ge- statten. Der Präsident Moraes erhält täglich Bittschriften von Witlwen und Waisen von Männern, welche während Peixoto's Re- gierung in Rio Grande do Sul und Santa Catalina erschossen wurden, in welchen sie Geldentschädigung und Pension uachsuchen. Der Regierung wurde gestern Abend die Miltheiluug gemacht, daß es der Plan der patriotischen Jakobiner-Clubs sei, Pcixoto wieder zur Macht zu verhelfen, worauf so- fort Maßregeln getroffen wurden, um die Verschwörung zu unterdrücken. Die Revolutionäre befinden sich im Be- sitze des ganzen südlichen Theiles der Pro- vinz Rio Grande do Sul und treiben die Negierungstruppen allenthalben zurück. Kürzlich wäre Gouverneur Castilho von den Rebellen beinahe gefangen genommen. Er befand sich auf derßeise zur Einweihung einer Eisenbahn, als er von dem Vorrückcn der Rebellen Nachricht erhielt, worauf er so schnell als möglich noch Porto Allegre zurückkehrle. Böser Irrthum. Derselbe hätte beinahe zwei Menschen das Leben gekostet. Muncie, Jnd., 14. Dez. Der Jrrthum eines Apothekergehülfen hätte gestern beinahe zwei Menschen das Leben gekostet. Gestern Morgen zu früher Stunde verabreichte Dr. I. C. Mann der Frau Frank Naburn eine von ihm ver- schriebene Medizin, worauf sie mit allen L-ymptomen von Vergiftung erkrankte. Um zu beweisen, daß seine Medizin die rich- tige sei, nahm der Doktor selbst eine tüch- tige Portion davon. Aber nach kanm einer halben Stunde brach auch er bewußtlos zu-sammen und den ganzen Tag lang schwebte er zwischen Tod und Leben. Sein Ge- schäftStheilhaber analysirte später die Me- dizin und ermittelte, daß der Apotheker statt der verschriebenen Medizin Atropin gesandt halte. Verjagte Einbrecher. Sie mußten Beute im Werthe von )ZSOO im Stich lassen. Pitts bürg, 14. Dez. Gestern Nacht wurden drei Einbrecher überrascht, während sie gerade in dem Wohnhause des Geschäftsreisenden Joseph Weinberg an der Arbeit waren. Sie be- gannen sofort auf den Polizisten Thomas Perry, der sie entdeckt hatte, zu feuern. Dieser aber benutzte ebenfalls feinen Re- volver, und nachdem er die Diebe eine halbe Meile weit durch die Forbes Avenue, die vornehmste Straße der Stadl, verfolgt hatte, gelang es ihm, zwei derselben zu er- wischen ; der dritte enkam. Sie gaben ihre Namen als Fred Schmidt und Andrew Patterson an; die Diebe hatten in dem Hause bereits für §ISOO Silbcrsachen zu- sammengepackt, als sie abgesaßt wurden. Der Polizist Perry erhielt einen Schuß durch den Arm, der aber von keiner Bedeu- tung ist. k>ülfe sür Nebraska. Was in Gregon für die Nothleidenden in Nebraska gelhau wird. P ortland, Oreg., 14. Dez. Die Handelskammer hat heute einen Ausschuß ernannt, -um Lebensmittel für die Nothleidenden in Nebraska zu sam- meln, und derselbe hofft, demnächst einen mit Weizen und Mehl beladenen Bahnzug absenden zu löunen. Eine Wagenladung mit Groceries und Kartoffeln ist heute be- reits aufgebracht worden, und wird sofort nach Nebraska befördert werden. Die Oregon Rattway L Navigation Co. und Union Pacific Bahn werden sämmtliche Gaben kostenfrei nach Grand Island, Ne- braska, befördern. -O > Neuer Ausbruch. Rauch und Dampf steigen aus dem Rratcr des Mount Rainer empor. Seattle, Wash., 14. Dez. Der Vulkan des Mount Rainer ist wie- der ausgcbrochen und Rauch und Dampf- wolken steigen aus dem Krater empor. Die Expedition des „Post Jnlelligencer" zur Erforschung des Berges, wird morgen Nachmittag die Reise dahin antreten und versuchen, den Gipfel zu erreichen. Schiff-Nachrichten. In der Nacht gemeldet: Bremerhaven: „Lahn" von New York. Gibraltar: „California" von New Or- leans. Kopenhagen: „Malabar" von New Or- lans; „islavonia" von New York. Genua: „Sandhill" von New Orleans. Liverpool: „Cufic" von New York. Genua: „Kaiser Wilhelm II." von New York. Hamburg: „Scandia" von New York. Queenstown: „Kensington" von Phila- delphia. Kann es noch weit bringen. Liit jungerAlaun, der sich für einen Sohn von Phil. Armour in Chicago ausgiebt, Und zugleich in wcrthlosen Geldanweisungen Geschäfte macht. New Y o rk, 14. Dez. Der gut aussebende und gut gekleidete junge Charles Whittaker, welcher am Broadway, in der Nähe des „Colcman Housc" verhaftet wurde, ist im Polizei- gerichte den Sergeanten der Geheimpolizei Evanhoe und Vallely zur Bewachung über- geben worden. Diese sagten gestern Abend, daß sie Grund zur Annahme hätten, daß Whittaker der junge Mann ist, welcher sich im Westen und Südwesten für einen Sohn von Phil. Armour tn Chicago aus- gab und dadurch eine Menge Geschäfts- leute beschwindelte. Am 1. Dezember, am Tage des großen Fußballspieles, erschien der junge Whit- laker im Hotel Savoy, schrieb sich als Fred. Marschall ein, und erhielt ein theures Zimmer angewiesen. Er bezahlte für zwei Tage voraus, und gab im Cafe eine Menge Geld aus; darauf reiste er nach Holyoke, seiner Heimath, und schrieb dort einen Brief an sich selbst, den er nach dem „Hotel Savoy" adressirte, und welchem eine Anweisung auf §lO beigelegt war. Auf der Rückreise nach New York, stieg er in New Haben ab, um einen an „George Armour, Park Av. Hotel" adressirlen Brief auf die Post zu geben. Als er im Hotel Savoy ankam, öffnete er seinen Brief und ließ die Geldanweisung hcrauSsallen; der Brief war angeblich von seinenEllern, die ihn baten, sobald es seine Studien erlaubten, nach Hause zu kommen. Ein Clerk, Namens Clancy, gab ihm daS Geld für die 'Anweisung, welche später als werthloS von der Bank zurückgesandl wurde. Mittlerweile hatte Whithaker unter dem Namen George Armour fünf Zimmer im Park Avenue Hotel genommen. Er sagte, daß Phil. Armour, der reiche Chicagoer Pökelhausbesitzer, sein Vater sei; er versuchte bei den Hotelclerks eine auf §lO lautende Anweisung zu wechseln, aber diese weigerten sich, die Hausregcln zu ver- letzen, worauf Whithaker entrüstet das Hotel verließ; seinen Koffer und eine un- bezahlte Rechnung von §24.50 ließ er zurück. Sodann nahm er einen Wagen und fuhr zur Plaza Bank, wo er einen Wechsel von §921 zum Verkauf anbot; die Bank lehnte das Geschäft jedoch ab, und Whithaker ließ sich darauf nach der Barclay Ferry fahren, wo er eure Fahrkarte nach Chicago kaufte, den Zug aber verließ, ehe er von Jersey City abgefahren war, und wieder nach New York zurückkehrle, wo er sich im Chilscy House als A. A. Savina einschrieb, aber,so weit bekannt ist, dort keine Geldan- weisungen absetzte. Ungerechtfertigte Mißhandlung. Lin Lhepaar getheert und gefedert. Port lervis, N. Y., 14. Dez. Vor einigen Abenden erschienen Weiß- kappen in der Wohnung von Charles Berry in Acidalla, einer kleinen 'Ansiedelung in der Nähe von Lang Eddy in Sullivan County, schleppten ihn in den Schnee hin-aus, und theerten und federten ihn. Darauf gingen die Weißkappen nochmals in das Haus, und ließen der im Bette lie- genden Frau Berry eine ähnliche Behand- handlung zukommen. Ein kürzlich, unter geheimnißvollen Umständen vorgekomme- ner Todesfall in der Familie Berry's, und die dabei zur Schau getragene Gleichgültig- keit derselben, gab die Veranlassung zu der Mißhandlung. Der Bundeskreuzer Detroit. Derselbe ist mit den vatikanischen Ausstel- lungsgegenständen in Neapel ange- kommen. Neapel, 14. Dez. Der amerikanische Kreuzer Detroit ist mit den zu der Ausstellung in Chicago vom Vatikan gesandten Gegenständen hier ange- kommen. Der schweizerische Bundesrath. Joseph Zemp für das kommende Jahr zum Präsidenten desselben gewählt. Bern, Schweiz, 14.Dez. Der Ultramontane Joseph Zemp ist für daS Jahr 1895 zum Präsidenten des Bun- desralhes gewählt worden; er war während des jetzigen Jahres Viceprüsident desselben. Der Radikale Lachenal ist zum Vicepräsi- deuten gewählt worden. Lin mörderischer Landstreicher. Lr wird wogen Diebstahls verfolgt, und schießt seinen Verfolger nieder. Ocon to, Wis., 14.Dez. In einem der Holzfällerlager der Ge- brüder Cook in der Nähe von Ontonagon, Mich., ist der hier wohnende I. Maproyvon einem Landstreicher ermordet worden.Der letztere hatte Maproys Kleider ge- stohlen und wurde von diesem verfolgt, worauf ihn der Landstreicher niederschoß.Der Mörder wurde eingefaugen und befin-det sich jetzt im Gefüugniß. Hat resignirt. Der russische Flottenminister legt sein Amt nieder. London, 14. Dez. Aus St. Petersburg kommt die Nach-richt, daß der Viceadmiral Tschichatchew,sein Amt als Flottenminister mederge-legt hat. Aus dem Magen eines Haifisches. Papiere vom Jahre sZHZ im Blagen eines kürzlich bei Guadaloupe ge- fangenen Haifisches gefunden. Die Schrift derselben noch vollkommen lesbar. New York, 14.Dez. Der Sekretär Sherman von der „New York und Pacific Sleamship Co.", hat von M. P. Grace L Co. in London ein Schreiben erhalten, in welcher ein merk- würdiger Vorfall in Terre de Cas Dessain- tcs, auf der Insel Guadaloupe, beschrieben wird. Kürzlich wurde in den westindischen Gewässern ein Haifisch gefangen, in dessen Magen ein Packet gefunden wurde, welches Waarenverzeichuisse und andere Schrift- stücke enthielt, welche ursprünglich dem Zahlmeister des Dampfers Capac von der „'New York L Pacific" Linie übergeben worden waren, als derselbe am 10. Novem- ber 1893 seine erste Reise nach dem Süden antrat. Das Schreiben ist vom 21. November 1893 datirt, und lautet folgendermaßen: „Wir übersenden Ihnen hiermit die Ab- schrift eines Briefes, welchen wir von der Londoner Handelskammer erhalten haben." DaS Bündel Papiere, dessen darin Erwäh- nung gethan wird, enthält nur Aufzeich- nungen, welche vomSuperkargo zniammcn- gcbunden wurden, und seiner wahrschein- lichen Annahme nach über Bord verloren gingen. Die Daten derselben sind sämmtlich ver- schieden, sind aber alle vom Oktober und November 1893. Es wäre uns angenehm, wenn Sie von dem Offizier des „Capae" erfahren könnten, zu welcher Zeit ungefähr dies Bündel verloren ging, und wir haben heule an die Handelskammer geschrieben, und gefragt, ob sie erfahren könne, wann der Haifisch gefangen wurde, da es in- teressant wäre, zu ermitteln, wie lange sich das Bündel im Magen des Haifisches be- funden hat. Die Papiere sind nur sehr wenig beschädigt, und die Schrift derselben ist vollständig lesbar. Das Packet ist neun Zoll lang und drei Zoll dick." Als die Papiere aus dem Magen des Haifisches genommen wurden, nahmen sie die französischen Rcgicrungsbeamlen an sich und sandten sie an Cccil Trevor von der Londoner Handelskammer, welcher sie an Grace L Co. übermittelte. Die Firma beabsichtigt, die Papiere nebst einer Be- schreibung der Umstände, unter denen sie gefunden wurden, in ihrem Bureau in London in einem Glaskasten aufzube- wahren. Kolge des Erdbebens. Die Kathedrale in der Stadt lNexiko im Betrage von einigen hun- derttausend Dollars beschädigt. Lin drei Meilen langer Lrdriß. Mexiko, Mcx., 14. Dez. Es ist ein Ausschuß ernannt worden, um die Beschädigungen zu untersuchen, welche die Kathedrale durch das kürzliche stattge- fundene Erdbeben erlitten hat. Es heißt, daß das Gebäude, dessen Errichtung zwei Millionen Dollars gekostet hat, im Be- trage von zwei bis dreihunderttausend Dollars beschädigt wurde; ferner wird ge- sagt, daß der Riß in der Erde eine Länge von drei Meilen bat, und sich von der Ka- thedrale auf der Plaza Major bis zur Vor- stadt Guadalupe erstreckt. Noch nicht ausqesöhnt. Das Lhepaar Vanderbilt immer noch gegen einander auf dem Rriegspfade. New Yor k, 14.Dez. Trotz aller Berichte vom Gegentheil, hat bis jetzt zwischen W. K. Vanderbilt und seiner Frau noch keine Aussöhnung statt- gesunden, und wird auch wahrscheinlich in nächster Zeit nicht stattfindcn. Chauucey M. Depew, Vanderbilt's Anwalt, und auch Oberst Wm. Joy, der Anwalt der Frau Vanderbilt, sagen so. Depew wiederholte gestern Abend, daß er in seiner Stellung als Anwalt keine Angaben darüber machen könne, fügte hinzu, daß keine Versöhnung stattgefunden habe, und daß sich Vander- bilt nach seiner gestrigen Ankunft in der Stadt sofort nach der Wohnung seiner Mutter begeben habe, wo er bis zu seiner Rückreise nach Europa bleiben werde. Wann dieselbe statlfindet, konnte oder wollte Depew nicht angeben. Oberst William Joy erklärte ebenfalls, daß keine Aussöhnung stattgefunden habe. Gestorben. Der Begleiter des Grafen von Paris nach Amerika, und ein bekannter französischer Maler gestorben. London. 14.Dez. AusParis wird der „Times" telcgraphirt, daß Capt. Morhain, welcher im Jahre 1863 den Grafen von Paris nach Amerika be- gleitete, gestorben ist. Ferner wird der Tod von Jean Francois Gigoux, dem bekannten französischen Maler gemeldet. Derselbe wurde am 6. Januar 1808 in Besancon geboren und im Jahre 1880 zum Offizier der Ehrenlegion er- nannt. Selbstmord. Der Passagier eines Dampfers begeht auf hoher See Selbstmord. Queen stown, 14.Dez. August Petersen, ein Zwischendeckpassa- gier des zur amerikanischen Linie gehörigen britischen Dampfers Kensington, welcher am 3. Dezember von Philadelphia nach Liverpool abgiug, hatte auf hoher See Selbstmord begangen. Alles ruhig auf den Samoa- Inseln. Die Eingeborenen eifrigst mit der Zubereitung von Copra be- schäftigt. Die Angliederunq an Deutschland. Vancouver, B. C., 14. Dez. Die mit dem Dampfer „Warrimo" aus Samoa überbrachten letzten Nachrichtensagen, daß die polnische Unsicherheit immer noch fortdaucrt, obgleich seit einiger Zeit kein Ausbruch von Unruhen stattgefunden hat. Die Eingeborenen auf sümmtlichen Inseln sind eifrigst mit der Bereitung von Copra beschäftigt; sic geben jedoch keinen Cent von ihrem Verdienste aus, und man glaubt, daß sie ihr Geld für den nächsten Aufstand sparen, um dann im Stande zu Vorräthe und Munition zu kaufen. Es wird kein Versuch gemacht, Steuern einzu- treiben, und der König Malietoa hat seil läuger als einem Jahre keinen Cent er- halten. Die hier ansäßigen Deutschen rechnen mit Zuversicht darauf, daß demnächst die Angliederung an Deutschland, oder ein Protektorat desselben verkündet werden wird. Im Falle das eine oder das andere ttatlfindet, werden die inneren Unruhenein Ende nehmen, zugleich aber auch der Han- del mit den australischen Colonien. Der Premierminister von New South Wales, hat seine sämmtlichcn australischen Collegen im Januar zu einer Versamm- lung in Hobart eingeladen, um den Plan einer Föderation in Berathung zu nehmen. Schon wieder einer. In diesem Falle sollen der Rasse mehr als . r 25,000 fehlen. Nashua, N. 1., 14. Dez. Das Gerücht, daß Frank A. McKcan, dcrKassircr der „Indian Head National Bank", zum Diebe geworden sei, wurde gestern von den Bankbeamten bestätigt. Der Betrag der gestohlenen Summe ist noch nicht ermittelt, aber man glaubt, daß der- selbe über §25,000 betragen wird. MeKean war zwei Mal Bürgermeister der Stadt, war im Jahre 1878 demokratischer Kandi- dat für das Gouvcrneursamt und viele Jahre lang städtischer Schatzmeister. Sein jetziger Aufenthalt ist einstweilen unbekannt. M» Lin zeitgemäßes Unternehmen. Jroquois County will sich eine elektrische Bahn zulegen. Watseka, Jll., 14. Dez. In Jroquois County gehen Kapitalisten mit dem Plaue um, zwischen Orango und Watscka via Gilman und Crcscent City, eine Strecke von fünfzehn Meilen, eine elektrische Bahn zu bauen. An der Spitze deS Unternehmens steht der Oberst Arthur A. Spitzer aus Nichmond, Va., ein erfahre- ner Elektriker, und nach seinem Plane sollen die Landstraßen dazu benutzt werden, so daß also die Erlangung des Wegerechts keine Schwierigkeiten verursacht. Die Bahn soll zur Beförderung von Personen und Gütern benutzt werden. Nichtschuldig. So lautet der Wahrspruch gegen die Lyncher Richardson und Smith. Memphis, Tenn., 14.Dez. Die Geschworenen in dem Prozesse ge- gen die Lyncher haben in den Fällen Richardson und Smith einen auf „Nicht schuldig" lautenden Wahrspruch abgegeben, und das Verfahren gegen die anderen An- geklagten eingestellt. Lin altes Lourthaus niederge- brant. » In demselben hielt im Jahre ZBSB Abraham Lincoln eine Wahlrede. Lewiston , Jll., 14. Dez. Das historische Courthaus in Lewiston, welches im Jahre 1829 gebaut wurde, ist heute Morgen um zwei Uhr niedergc- brannt. Die meisten Dukumente wurden gerettet, während das Gebäude selbst voll- ständig cingeäschert wurde. Das Feuer tvar durch eine mangelhafte Heizungsröhre entstanden. Während des Wahlfeldzuges im Jahre 1858 hielt Abraham Lincoln in dem Ge- bäude eine Rede. Wie es gemacht wurde. Für einen Lapitänsrang wurde §z5,000 be- zahlt. New Y o r k, 14.Dez. Der Polizeicapitän Greeden hat vor dem Lexow'schen Ausschuß ein volles Geständ- nis; abgelegt und gesagt, daß ihm sein CapitänSrang §15,000 gekostet habe. Da- durch finden die gestern vom Anwalt Goff gemachten Andeutungen ihre Bestätigung. Schrecklicher Tod. Lin Agent der Adams Lrpreß Lo. zwischen zwei Bahnwagen zermalmt. Logansport, Jnd., 14. Dez. Gestern Morgen kam O. P. Romich, der Agent der 'Adams Expreß Co. auf schreck- liche Weise zu seinem Tode. Während er zwischen zwei Bahnwagen durchzugchen versuchte, setzten sich dieselben plötzlich in Bewegung und er wurde zermalmt. Hausfrauen, welche Dienstmädchen brau- chen, erreichen ihren Zweck am leichtesten, wenn sie eine 'Anzeige an das Abendblatt einschicken. Kurze Anzeigen 10 Cents. Städtisches. Das Wetter. Optiker Kl ei ne, 76Washington Skr., berichtet für Chicago die folgenden Baro- meter-und Thecmomelerstände: Um 8 Uhr Morg. 40 Gr., um 9 Uhr 42 Gr., um 10 Uhr 44 Gr., um 11 Uhr 48 Gr., um 12 Übr 50 Gr. Barometerstand um 8 Uhr Morg. 29.60,12 Uhr 29.50. Briefkasten. Zwei alte Abonnenten. Da Amerika überhaupt keine Nationalblume hat, kann auch „Goldenrod" nicht als eine solche bezeichnet werden. Richter und Polizei. Lin Lonflikt über die Verhaftung ohne kiafts- befehl. Richter Goggin kam gestern wieder ein- mal mit der Polizei in einen Conflikt. Er ordnete die Entlassung von Guerdon Conk- lin, der in Oswego, N. Y., unter der An- klage des Raubes und desAngriffs gewünschtwird, aus dem Gewahrsam an und erklärte den Polizisten, daß er sie wegen Mißachtung des Gerichts zur Rechenschaft ziehen würde, wenn sie Conklin wieder verhafteten. Er hielt den Polizisten eine scharfe Strafpredigt wegen ihrer Methode, ohne Haftsbefehle Ver- haftungen vorzunehmn und die so Verhafte- ten in Gewahrsam zu behalten,ohne daß den- selben Gelegenheit zu einem Verhör gegeben würde. Eine Stunde nach der Freilassung Conk- lin's traf der Sheriff von Tioga County, N. Y., mit den nöthigen Auslieferungspa- pieren für Conklin hier ein. Er wandte sich an Inspektor Shea mit der Bitte, Conklin wieder verhaften zu lassen, Herr Shea aber erklärte, daß er nicht gegen die Anordnung des Richters Goggin handeln werde. Conklin hatte vor etwa einem Jahre mit zwei anderen Strolchen einen Farmer in Vroom County beraubt und beinahe todt geschlagen. Conklin entzog sich damit der Verhaftung durch die Flucht. Am letzten Dienstag wurde er hier auf ein Telegramm des Sheriffs von Tioga County hin von dem Polizisten Morris verhaftet. Da aber die Verhaftung ohne Verhaftungsbefehl vorge- nommen worden war, erlangte Conklin auf Grund eines Habeas-Corpusverfahrens von Richter Goggin seine Freiheit wieder. Die Polizei wird, wie Inspektor Shea erklärt, sich durch die Anordnung des Rich- ters Goggin aber auch in Zukunft nicht mehr davon abhalten lassen, in besonderen Fällen Verhaftungen auch ohne Haftsbefehle vorzu- nehmen, wie dies z. B. auch in dem Falle des Bankdiebes Seeley geschah. Thatsachen sprechen. Herr G. W. Hoag, No. 5115 Peoria Str., setzt uns davon in Kenntniß, das eine „Ver-jüngt" - Anzeige in unserem Blatt einen derartigen Erfolg hatte, daß 50 Applikanten in seinem Fleischergeschäft erschienen. Er sei deswegen versorgt und ersuche um Weg- lassung der Anzeige. Thatsachen sprechen. lvassernoth in South Chicago. Die Bewohner der 33. Ward verlangen Ab- hülfe vom Finanzcomite. Eine Delegation von Bewohnern von South Chicago unter Führung der Alder- men der 33. Ward, Howell und Shepard, wird in der heute Nachmittag stattfinden- den Sitzung des stadträthlichen Finanzco- mites erscheinen, um demselben die absolute Nothwendigkeit einer besseren Wasserzufuhr für South Chicago vor Augen zu führen. Stadtingenieur Artingstall hat gestern sichpersönlich von der durchaus ungenügenden Wasserzufuhr in jenem Bezirke überzeugt und wird die Argumente der Delegation un- terstützen. South Chicago ist bekanntlich ein bedeu- tendes Fabrikcentrum, die dortigen Fabri- ken haben aber zum Theil den Betrieb ein- stellen oder einschränken müssen, weil es an dem nöthigen Wasser gebricht. Die Wasser- zufuhr reicht knapp für die Bedürfnisse der South Chicagoer Haushalte aus. Die Feuerversicherungsgesellschaften haben in Betracht der Wasserknappheit in South Chi- cago dort die Versicherungsraten wesentlich erhöht, so daß viele Hausbesitzer nicht mehr die hohen Versicherungsprämien zahlen kön- nen und lieber die Gefahr laufen, unversi- chert abzubrennen. Bei einigen kürzlrchen Bränden inSouth Chicago hat es sich that- sächlich herausgestellt, daß die Dampfspcitzen kein Wasser aus den Hydranten zu ziehen vermochten. Unter diesen Umständen wird dem Fi- nanzcomite nichts anderes übrig bleiben, als sich für eine bessere Wasserzufuhr für South Chicago zu erklären, bezw. dem Stadtrathdie nöthigen Geldbewilligungen für die An- lage einer Pumpstation zu empfehlen. Lin undankbarer Sohn. Friedrich Schalla und seine Frau Wil- helmina sahen sich genöthigt, gegen ihren Sohn Chas. W. Schalla im Superiorge- richt klügerisch vorzugchen. Sie machengeltend, daß sie im Jahre 1882 nach Chi- cago kamen und sich für den Preis von§6OO einen Bauplatz kauften, aus welchem sie ein zweistöckiges Haus-errichteten. Ob- wohl die allen Leute daS Geld hergabcn, gestatteten sie ihren Sohn, daS Eigenthum auf seinen Namen einiragen zu lassen. Die Folgen blieben nicht aus. Der Sohn vcr- heiralhele sich und er und seine Frau Caro- lina entschlossen sich, die alten Leute aus dem Hause zu treiben, waS auch vor eini- ger Zeit geschah. Die Klüger ersuchen jetzt den Richter, sie in ihre Eigenlhumsrcchte wieder cinzusetzen. Biehmarkt. Heute gingen 6,000 Rinder, 8,000 Schafe und 26,000 Schweine hier ein. Schweine waren geringer Qualität, und gingen Preise um 10 Cents zurück. Schwere Schweine brachten 4.35<Z4.75,leichte 3.9oG4.4s,schwere und leichte durch- einander 4.15G4.60, grobe zum Pökeln 4.10G4.30, „P igs" 2.40G4.20. Die'Nachfrage nach Schafen und Rin- dern war gut und Preise fest; Rindviehum 10 Cents höher. Aas Urtheil gesprochen. Richter Woods findet Eugene N. Tcbs und die anderen Beamten der „A. R. U." der Vkißachtung des Gerichtes schuldig. Oebs erhält 6 Monate und die übri- gen je 3 Monate Gefängniii- haft ;ndictirt. Das Strafmaß geringer, als man erwartet hatte. Gegen das Urtheil wird sofort Berufung beim Buudesobergericht eingelegt werden. Es war kurz nach 10 Uhr heute Morgen, als Richter Woods seinen Sitz im Appet- lationsgcrichl cinnahm, um seine Entschei- dung in dem MißachlungSprozessc gegen Debs, Howard, Kelihcr und die anderen Vertretern der „AmericanRailway Union", nämlich L. W. Rogers, I. G. McVcan, Leroy M. Goodwin, M. J.Elliott, James Hogan und William Burns, abzugeben. Alle Angeklagten, mit Ausnahme des Directors Goodwin, waren erschienen und folgten mit großer Aufmerksamkeit der Verlesung des langathmigen Schriftstückes. Von allen Advokaten, die in dem Prozesse engagirl waren, fehlte nur W. W. Erwin aus St. Paul, der in Dubuque. lowa, mir einem anderen Prozesse beschäftig! ist. Richter WoodS verlaß zunächst den Thcil seiner Entscheidung, in der darlegte, daß er volle Jurisdiction in dieser Sache habe, waS bekanntlich von den Verteidigern in Abrede gestellt wurde. Er sagt in Kürze, daß laut zahlreicher obcrgerichtlicherEntscheidungen, die er zum Theil anführte, fcstgestellt sei, daß jeder Bundesrichlcr Jurisdiction habe, wenn es sich um eine Störung des zwischenstaatlichen Handelsverkehrs handle. Eine solche Stö-rung habe hier zweifellos stallgefunden, und es könne daher sein Recht der Jurisdiction nicht in Abrede gestellt werde. Was nun die Frage anbeträsc, ob er und Richter Großcup berechtigt gewesen seien, die Ein- haltsbcsehle gegen die Angeklagten zu er- laßen, so müsse zunächst fcstgestellt werden, ob die Angeklagten sich einer Verschwörung schuldig gemacht, Handel und Verkebr durch gewisse Maßregeln in'S Stocken zu bringen. Eine solche Verschwörung sei aber nach dem Wortlaut der Sherman-Akte vom Jahre 1890 straffällig. Wenn also Debs und Genossen sich einer Verschwörung ichuldig gemacht hätten, und daß sie es gethan hätten, werde klar und deutlich durch das bcigcbrachte Beweis- material dargelegt, so könne ec nicht ein- sehcn, daß sic nicht auch die Eonscqucnzen tragen sollten. Die Einhaltsbeschle hätten den Angeklagten in klaren Worten geboten, von ihrem Thun abzustehen, sich nicht in den Betrieb der Bahnen zu mischen, diese nicht au der Beförderung von Postsachenund Frachtgütern zu hindern u. s. w. Diesen ausdrücklichen Befehl hätten sie unbeachtet gelassen, sie hüllen nach wie vor die Angestellten der Bahnen aufgefordert, keinen Zug fah- ren zu lassen, an dem ein Pullman-Wagcn augehängt sei, sie hätten thcils selbst, thcils durch Lokalagenten im ganzen Lande auf- rührerische Reden gehalten, kurz, alles gethan, um einen Unfug forlzusetzcn, durch den Handel und Verkehr gestört worden sei. Er könne daher nicht umhin, die An- geklagten der groben Mißachtung des Ge- richtes schuldig zu finden. In Bezug auf die Strafe, fuhr Richter Woods dann fort, sei er sehr im Zweifel gewesen. In jedem anderen Prozesse hätten die Richter Gelegenheit, den oder die Ange- klagten genau zu beobachten und ihren Charakter zu studiren. Das sei hier nicht der Fall gewesen, denn von den neun An- geklagten bade er die meisten bisher über- haupt nicht zu Gesicht bekommen und nur mit zweien sei er persönlich bekannt gewor- den. Er wünsche daher, daß ihm alle An- geklagten vorgesührt würden und er sei auch bereit, irgend eitlen von ihnen, der noch etwas zu seinem Gunsten zu sagen wünsche, anzuhörcu und das Gehörte in Erwägung zu ziehen. Daraufhin erfolgte eine kurze Berathung der Angeklagten mit ihren Advokaten Dar- row und Gregory. Dann stellten sich alle in einem Halbkreise vor dem Richter auf und Advokat Darrow sagte: „Meine Elienten haben nichts zu ihrer Entschuldi- gung vorzubringen. Sie sind nach wie vor der Ansicht, daß sie sich keines Ver- gehens schuldig gemacht haben und sie wünschen, daS Bundes-Obcrgcricht über den Fall entscheiden zu lassen. Rur möchte ich Euer Ehren auf die Thalsache auf- merksam machen, daß die Direktoren Mc- Vean und Elliott während des ganzen Streikes gar nicht in Chicago gewesen sind und daß auch Ersterer die Antwort auf die Anklageschrift nicht einmal unterschrieben hat. Es ist daher Wohl nur billig, wenn bei ihm nicht derselbe Maßstab angelegt wird,wie bei den anderen 'Angeklagten." Hier- über entstand eine längere Diskussion unter den Advokaten, die der Richter endlich mit den Worten abschnitt, daß er sich die Ent- scheidung über McVean noch Vorbehalten werde. Dann sagte er: „Diese Leute haben einem gerichtlichen Einhaltsbefchlc zuwider gehandelt, auf wessen Rath, möchte ich gern wissen. Sie waren die Anführer von einer Bande von Gesetzes Übertretern und auf sie fällt daher die volle Verant- wortung. Der Schuldigste von Allen ist meiner Ansicht nach Eugene V. DebS, denn als der Präsident der „A. R. U." hatte er die Macht, durch einen einzigen Befehl den ganzen Unruhen ein Ende zu machen. Das hat er nicht gethan und deßhalb icheinl cs mir nur gerecht, wenn seine Strafe härter ausfällt, als die der anderen Angeklagten. Gegen ihn erkenne ich auf sechs Monate und gegen die anderen sieben auf je drei Atonale Gcfängnißhafl. DicStrafe ist in- nerhalb zehn Tagen erst anzulreteu, damit die Advokaten Gelegenheit haben, eine Be- rufung an das Bundcs-Obcrgericht ciuzu- reichen." Die 'Angeklagten schienen durchdas Urlheil nicht besonders hart betroffen worden zu sein. Auf ihren vergnügten Gesichtern war deutlich zu sehen, daß sic eine weit härtere Strafe erwartet hatten.

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