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Abendblatt Newspaper Archives Dec 13 1894, Page 1

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Abendblatt (Newspaper) - December 13, 1894, Chicago, IllinoisHerausgegeben von der Illinois Staats-Aeitungs-Eo. Chicago, Donnerstag, 13. Dezember 1894. Preis 1 Cent. 47. Jahrgang. No. 295. Mevervlirk Und Kurzgefaßles. '— Der Himmel bleibt heute und mor-gen klar und morgen wird's warm. Luft- Lug aus Westen. Ein Bruder des Erzbischofs Corri-ssan in New York, W. L. Corrigan ist inTampa in Florida, wo er sich aus Gesund- heitsrücksichten aufhielt, plötzlich irrsinnig geworden. ln New York gingen Kurse auf der Fondsbörse um z(L,I pCt. in die Höhe, nur ,/St. Paul"-Aktien wichen um 4 pCt. Die Bank von England hat ihren Zinsfuß heute aus 2 v. H. belassen. Der Gouverneur von Rio Grande do Sul will nur bedingungsweise auf seinAmt verzichten. Der gestern in New York gestorbene Präsident der Metropolilan-Hochbahnge- sellschaft Hierselbst, Herr John Worthy wird in Chicago beerdigt werden. Eine Feuersbrunst in Gallup in Neu- Mexiko äscherte das Geschäftsviertel zu Zweidritteln ein und vernichtete Eigen- thum im Werthe von 50,000 Dollars an. Die „Christian Citizens League" hat sich als eine Rivalin der „Civic Federation" entpuppt und ist mit einer Plattform vor die Oeffentlichkeit getreten, in welcher haupt- sächlich die Schließung der Wirthschaften an Sonntagen, überhaupt eine strenge Sonn- tagsfeier verlangt wird. Die Legislatur soll außerdem veranlaßt werden, eine Bestim- mung anzunehmen, welche das Stimmrechtder Frauen bei Munizipalwahlen einführt. Herr Seeley aus New Jork beendet sei-nen kurzen, wenn auch sensationellen Be- such heute Nachmittag durch seine Rückkehr nach der Metropole des Ostens. Er wei- gert sich standhaft, über seine Mitschuldigen nähere Angaben zu machen. Wenn Herr Seeley nicht zu einer längeren Pause in sei- ner Wirksamkeit verurtheilt werden sollte, dann könnte er vielleicht einen ehrlichen Groschen durch Vorträge über seine erfolg- reiche Thätigkeit im Bankwesen verdienen.Ein aufmerksames Publikum wird sich schon einfinden. Vor den Eisenbahn- und Speichecrom- missären kamen gestern die Klagen zur Ver-handlung, welche die Chicagoer Kaufleute ge- gen die ungesetzlichen Frachtraten der Eisen- bahnen erhoben haben. Ob die erwähnte Be- hörde etwas für die Kaufleute thun wird, muß abgewartet werden. ln Bezug auf den verschwundenen Riderburg lautet die neueste Geschichte, daß er mit einem jungen Mädchen durchge- brannt ist. Auch das wäre nicht unmöglich. Tetenraplnseke Depefcüen. Eine nrittelameriklinische Födera- tiv Republik. Wie dieselbe eingerichtet werden soll. Unruhen in Honduras. Tegucigalpa, Honduras,) 13. Dez. ( In Comayaqua. wo der Pöbel „Tod der Familie Bonnila" schrie, sind Unruhen ausgebrochen. Nach dem Plane zu einer mittelameri- kanischen Föderativ-Republik, statt einer mittelamerikanischen Union, erhält jeder Staat seinen eigenen Präsidenten; sämmt- liche Staatspräsidenten wählen den Präsi- denten der Consöderation, welcher in einem neutralen Gebäude wohnt, und desscnNach- folger der Reihe nach sämmtliche andere Staats-Präsidenten werden. Jeder Staat hat im Rathe der Föderativ-Republik eine Stimme. Die Unruhen in Brasilien. Gouverneur Lastilho von Rio Grande stellt sich auf die Hinterbeine. Rio Grande do Sul,) Brasilien, 13. Dez. s Gouverneur Castilho wird für stark ge- nug gehalten, um einer gewaltsamen Amtsenthebung Widerstand leisten zu kön- nen, und seine Freunde sagen, daß er sei- nen Platz nicht zu verlassen gedenkt, ehe ihm die Regierung in Rio Janeiro seine Auslagen ersetzt hat, und ihm ein ebenso guies, oder besseres Amt giebt. Es sind weitere Verhaftungen vorge- nommen worden, und es heißt daß die Ver- schwörung in Rio de Janeiro geplant wurde. Spanien als Schiedsrichter. Die Grenzstreitigkeiten zwischen südamerika- nischen Republiken. New York, 13. Dez. Von Lima, Peru, wird berichtet, daß die Gesandten von Colombia Equador und Peru ein Protokoll unterschrieben haben, wodurch die Schlichtung der Grenzstreitig- keiten Spanien als Schiedsrichter über- lassen werden soll. Eine allgemeine Amnestie nöthig. Nur dadurch kann die Ruhe in Brasilien angeblich wiederhergestellt werden. New York, 13. Dez. Von Buenos Aires wird berichtet, daß General Hear dem Ex-Prüsidenten Peixolo mitgetheilt hat, datz Gouverneur Castilho von Rio Grande do nicht resignirt hat, sondern beabsichtigt, die Rebellen zu vernichten. Er sagt ferner, daß den Un- ruhen in Rio Grande nur dadurch ein Ende gemacht werden könne, daß eine all- gemeine Amnestie erlassen Wird, welche sämmtliche Personen in sich schließt, die sich in irgend einem Theile der Republik an den revolutionären Bewegungen bethei- ligt haben. priWiil LreM imker ii» Amle. Fast alle politischen Gefangenen in Freiheit gesetzt. Er verspricht die Einführung einer sparsamen Verwaltung. Ein Appell an die patriotischen Bürger der Republik. Caracas, Venezuela, 13.Dez. Präsident Crespo hat seine Amtspflichten als Präsident wieder übernommen. Das neue Ministerium ist noch nicht ernannt worden. In einem Rundschreiben des Staats- sekretärs an die Gouverneure der verschie- denen Staaten, worin denselben Cresvo's Rückkehr mitgetheilt wird, wird imStaats- haushalte die größte Sparsamkeit verspro- chen, um die Regierung in den Stand zu setzen, die Finanzkrisis zu Überdrücken, und das Vertrauen im Lande und auswärts wieder herzustellen. Präsident Crespo hat fast alle politischen Gefangenen aus der Haft entlassen, und die Verbannten unter dem Versprechen der Straflosigkeit zur Rückkehr eingeladen. Vermittelst der Presse hat er um die Mitwirkung aller patriotischen Bürger zur Durchführung seiner, auf das Wohl der Republik gerichteten Pläne nachgesucht. Unheimlicher Fund. Drei Leichen in einer entlegenen Höhle ge- funden. Wichita, Kan., 13. Dez. Mehrere Jäger im Cherokee-Streifen haben in eine, mehrere Meilen südlich von Aetna in Barber County, gelegenen Höhle, die Ueberreste von zwei Männern und einem Knaben gefunden. In der Tasche des einen befand sich ein Briefumschlag mit einer Adresse an JuliusVigglan, Herman, Mo.; alle drei waren erschossen und augenschein- lich beraubt worden, weil nichts weiter bei ihnen vorgefunden wurde. Aus dem Zu- stande der Leichen war ersichtlich, daß sich dieselben schon mehrere Monate dort be- funden Hallen. Aus Kummer über den Tod ihres Gatten. Die Frau des verstorbenen Lonsuls von Schweden und Norwegen begeht Selbstmord. Philadelphia, 13. Dez. Frau Amalia Westergaard, die Wiltwe des verstorbenen Lars Westergaard, hat sichin ihrer Wohnung, No. 1923 Mount Ver- non Straße den Hals durchschnitten. Die Veranlassung zum Selbstmorde war der Kummer über den Tod ihres Gatten. Der- selbe hatte viele Jahre lang in Schifsahrls- kreisen eine angesehene Stellung einge- nommen, nicht allein als Präsident der Schissfahrtsbörse, sondern auch als nor- wegischer und schwedischer Consul. Unverantwortlicher Leichtsinn. Ein Apothekerlehrling verabreicht statt eines Mittels gegen Kopfschmerzen ein tödt- lichcs Gift. Indianapolis, 13. Dez. In bewußlosem Zustande liegt Lube Leshe, eine Tänzerin der „Bessie Bonehill" Gesellschaft, welche gegenwärtig hier Vor- stellungen giebt, todtkrank darnieder. Sie hatte stark an Kopfschmerzen gelitten und wollte aus einer Apotheke Antipyrin holen lassen. Statt dessen aber erhielt der Bote von einem in der Apotheke anwesenden Lehrling Belladonna, und davon nahm Frl. Leshe fünf Gran ein. Der Apotheker bemerkte den Jrrthum erst, als die Tänzerin bereits durch Vas Gift bewußtlos geworden war. Es ist wenig Aussicht vorhanden, das junge Mädchen am Leben zu erhalten; dasselbe wohnt in No. 101 West 99. Str., New York. - Der verschwundene Excongreß- abgeordnete. Seine besten Bekannten glauben, daß er sich seiner Gläubiger wegen unsichtbar geinacht hat. Cedar Rapids, Ja., 13. Dez. Ob sich Walt. H. Butler, der abhanden gekommene Excongreßabgeordncie, welcher vor einiger Zeit plötzlich ans Oelwein ver- schwand, vor seinen Gläubigern verbirgt, oder ob er irrsinnig geworden ist, und ziel- los im Lande umherwandert, ist vorläufig noch ein ungelöstes Geheimniß. Viele sei- ner besten Bekannten halten das erstcre für richtig; gestern traf hier aus Oelwein die Nachricht ein, daß der in Altamakee Couniy wohnende Farmer Cavcrs, welcher Butler genau gekannt, denselben vor einigen Tagen gesehen hat, als er an seiner Farm vorbei- ging; er hat nicht mit ihm gesprochen, ist aber überzeugt, daß cs Butler war. Mörderische Indianer. Sie überfallen eine Viehzüchterei, brennen die Gebäude nieder und ermorden vier viehhirten. Hermosillo, Mex., 13. Dez. Zwanzig Yagui - Indianer haben hie westlich von hier gelegene Viehzüchterci von Ninz Borcena überfallen, und vier der dort in Dienst stehenden Hirten umgebracht, worauf sie sämmtliche Gebäude nieder- brannten. Eine Abtheilnng von Land- gensdarmen hat sich zur Verfolgung der Indianer aufgemacht. Wird wohl nichts helfen. Eine Bittschrift an den deutschenKaiser. Derselbe wird aufgefordert, den Theil von Elsaß-Lothringen, dessenBewohner fran- zösisch sprechen, an Frankreich zurück- zugeben. Washington, 13. Dez. Die „Universal Peace Union" hat dem deutschen Kaiser eine Bittschrift zugesandt, woriit derselbe aufgefordert wird, den Vor- schlag, den Theil von Elsaß-Lothringen, dessen Bewohner französisch sprechen, an Frankreich zurückzugeben, in Berathung zu nehmen. Dies Vorgehen der Union be- gründet sich auf die Veröffentlichung eines ähnlichen Vorschlages, welcher in einer internationalen Zeitschrift in diesem Mo- nate erschien, und in der Bittschrift an den Kaiser wird hervorgehoben, daß die Maß- regel eine dauernde Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich zur Folge haben würde. Der Präsident Alfred H. Love in Philadelphia hat sämmtliche hiesi- gen und auswärtigen Friedensgesellschaften gebeten, ihre Theilnahme an dem Zweck durch die Absendung ähnlicher Bittschriften an den Kaiser zum Ausdruck zu bringen. Starb an Blutvergiftung. Sohn worthy aus Lhicaqo im Murray Hill Hotel gestorben. New Y o r k, 13. Dez. Gestern Abend starb John Worthy aus Chicago im Murray Hill Hotel an Blut- vergiftung. Frau Worthy war mit ihren Söhnen Sidney und Willis bei dem Tode ihres Gatten anwesend. Vor etwa zwei Wochen hatte sich Worthy mit seiner Frau und seinem Sohne Siduey von Chicago nach Lakewood begeben, um sich von allzu- angestrengter Arbeit zu erholen. Während seines dortigen Aufenthaltes entwickelte sich auf dem Rücken zwischen den Schultern ein Blutgeschwür, und am letzten Montag vor acht Tag kam die Familie hierher, um dasselbe operiren zu lassen. Zwei Tage später wurde eine zweite Operation nothwendig, wodurch Worthy bedeutend geschwächt wurde. Später trat Blutver- giftung ein, welche gestern Nachmittag seinen Tod zur Folge hatte. Worthy war Präsident der „Metropo- litan Elevated R. R.", welche beinahe voll- endet ist, und Präsident der „Commercial Loan and Trust Co." in Chicago. Der Verstorbene war vor 52 Jahren in Dur- Ham, England, geboren, und kam in seinem 12. Jahre nach Will County, Jll.; in seinem 20. Jahre siedelte er nach Chicago über, und vor mehreren Jahren wurde er Präsident der „Trust Co." Die Leiche wird nach einer kurzen Trauerfeier im Murray Hill Hotel nach Chicago gebracht werden. Die Rasse stimmt nicht. Der ungetreue Beamte ein Todeskandidat. Huntington, Jnd., 13. Dez. Ein Ausschuß des Sladtrathes hat die Bücher des früheren städtischen Schatz- meisters John Hargrave untersucht, und einen Fehlbetrag von §2500 ermittelt, wel- chen seine Bürgen natürlich ersetzen müssen. Hargrave war während eines Zeitraumes von zehn Jahren Schatzmeister, und leidet jetzt an einer unheilbaren Krankheit, welche ihn bereits seit mehreren Monaten au das Haus fesselt. Er soll übrigens Jahre lang in Saus und Braus gelebt haben, und hat dadurch wahrscheinlich den Grund zu sei- nem jetzigen Leiden gelegt. plötzlicher Tod. Die Schande seines Sohnes brach ihm das Herz. Sedalia, Mo., 13. Dez. Gestern Morgen ist William B. Simp-son, ein wohlhabender Goldwaarenhändler in Holden, gestorben. Tag's vorher war sein achtzehnjähriger Sohn, ein nichts- nutziger Schlingel, zu einer zweijährigen Zuchthausstrafe verurtheilt worden, und kurz vorher, ehe der Sheriff mit dem Vcr- urthettten die Reise nach dem Zuchthause autreten wollte, wurde der Vater, der sich stets einer guten Gesundheit erfreut hatte, plötzlich vom Tode hinweggerafft. NachAusspruch seines Arztes starb der Mann au gebrochenem Herzen. Noch gut davongekommen. Drei Postkutschenräuber zu zehnjährigerZucht- hausstrase verurtheilt. Florence, Ariz., 13. Dez. Jake Folihaw, Leslie Webb und Abe Wiusor, welche im letzten Januar in der Nähe von Bowic die Postkutsche beraubten, sind zu zehnjähriger Zuchthausstrafe ver- urtheilt worden. Die Geschworenen konn- ten sich bei dem Prozeß, der mehrere Wochen in Anspruch nahm, nicht einigen; schließlicherklärten sich die Angeklagten für schuldig. Wenn sie von den Geschworenen schuldig befunden worden wären, so wäre ihnen, nach den Gesetzen von Arizona, lebensläng- liche Haft sicher gewesen. Eine neue Krankheit unterSchweine. Die ersten Krankheitserscheinungen bestehen in Nasenbluten und Hustenanfällen. Garden City, Mo., 13. Dez.. Einer Krankheit, welcher die Viehzüchter rathlos gegenüber stehen, und die unter den Schweinen Verheerungen anrichtet, hat in dieser Gegend ihr Erscheinen gemacht. Die erste Krankheitserscheinung ist, daß die Thiere von Nasenbluten befallen werden; später stellen sich Hustenanfälle ein, und die Thiere verenden mit allen Symptomen der Lungenentzündung. Großes Kirchenfest. Das Fest „Unserer lieben Frau von Guadalupe" in Wexiko mit großem Glanze gefeiert. Aus allen Tbeilen des Landes strömen un- zählige Pilger nach Guadalupe. Mexiko, Mex., 13. Dez. Das religiöse Fest „Unserer lieben Frau von Guadalupe", das größte kirchliche Er- eigniß in Mexiko, wird in der ganzen Re- publik mit dem größten Glanze gefeiert. Der Altar von Guadalupe wird von Tau- senden von Pilgern besucht, und aus den entferntesten Theilen des Landes sind in den letzten Tagen große Pilgcrzüge von Indianern tu der Stadt augckommen. — Die brasilianischen Rebellen. Sie haben einem Gerüchte nach, den Regierungstruppen eine Schlacht geliefert. Mello und da Gama haben sich wieder ver- tragen. Montevideo, 13. Dez, Die Rebellen sind jetzt 9000 Mann stark, und haben, weil sie nicht länger auf Am- nestie warten wollen, das Gebirge ver- lassen. ES heißt, daß gestern eine Schlacht ftattgcfunden har. In letzter Woche wurden den Rebellen unter Juca dem „Tiger" bedeutende Waffen- vorräthe zugcsandl, welcher am letzten Samstag von hier nach Riberia abge- gangcn ist. Der Streit zwischen Mello und da Gama ist geschlichtet, und es heißt, daß der letztere den Befehl über die Flotte übernehmen wird, um dann die Schisse des Präsidenten Moraes und einige Küstenstädle anzu- greifen. Gewaltige präriebrände. Dieselben zerstören in einer Breite von fast hundert Meilen alles was ihnen im lVege steht. San Antonio, Tex., 13. Dez. Ein Brief von L. H. Hoümann, einem angesehenen Viehzüchter in Deave, Texas, enthält folgende Mittheilung: „Das größte und verheerendste Feuer, welches seit Jah- ren hier vorgekommen ist, hat einen großen Theil der Prärien zerstört und breitet sich weiter nach Süden hin aus. Es entstand vor zwei Wochen in der Nähe des Flusses Pccos, unmittelbar diesseit von Fort Sommer und zerstörte die großen Weide- plätze der Gebrüder Ray, Dolivcr und an- derer Viehzüchter. Es war unmöglich dasselbe zu löschen; später drehte sich der Wind nach Südwest und trieb mit so orkan- artiger Stärke die Flammen in einer Breite von fünfundsiebzig bis hundert Mei- len in östlicher Richtung vor sich hin, daß das schnellste Pferd mit denselben keinen Schritt halten konnte. Das Feuer über- schritt die Eseorbado Scheidelinie derWeideplätze des „Capitol Syndikates" und zerstörte den größeren Theil derselben. Nur durch die gewaltigsten Anstrengun- gen der vom „Capitol Syndikat" ausgestell- ten Wächter gelang es, dem Feuer eine andere Richtung zu geben. Dasselbe nahm dann eine südliche Richtung nach Castro und Deaf Smith County hin, bis es Ran- dall County erreichte, wo es wieder eine nordöstliche Richtung einschlug. Wir weit sich der Prüriebraud nach Osten hin aus- dehnte, ist nicht bekannt. Nachdem sich ein starker Nordwind er- hoben hatte, wurde die sich von den Ufern des Pecos nach Osten hin bis zu einem von hier weit entfernten Punkt ausdehnende Feuerfläche in südlicher Richtung vorwärts gedrängt. Dieselbe hatte eine Länge von nicht weniger als 125 Meilen; wie weit sic sich nach Süden hin erstreckt hat, weiß man nicht, aber in letzter Nacht war drrHorizont noch eine mächtige dunkle Rauchwolke, welche sich weiter nach Süden hin bewegte. Der größere Theil des vom Feuer heim- gesuchleu Gebietes wurde völlig ausgebrannt und Gewässer undLandstraßen, welche untergewöhnlichen Umständen einem Präriefeuer Einhalt zu gebieten im Stande waren, waren diesem riesigen Brande gegenüber völlig machtlos. Liebknecht wird nicht gerichtlich belangt. Der „vorwärts" über die antirevolutionäre Gesetzvorlage. Berlin, 13. Dez. Der Geschäftsordnungsausschiiß (dessen Vorsitzer der sozialistische Führer Singer ist), welchem der Antrag des Staatsan- waltes überwiesen worden war, die bei dem Hochrufe aus den Kaiser am letzten Donnerstage sitzen gebliebenen socialisti- schen Mitglieder des Reichstages zu bestra- fen, hat es mit 9 gegen 4 Stimmen abge- lehnt, Liebknecht wegen seiner kürzlich ge- machten Aeußerungen gerichtlich zu belan- gen. Die Mitglieder der Minderheit wa- ren Mirbach, Manteusfel, Hollenscr und Camp. Der „Vorwärts" sagt in einer Bespre- chung der antircvolutionären Vorlage, daß die sozialistische Partei dieselbe nicht zu fürchten brauche. Der Verfasser derselben, fügt der „Vorwärts" hinzu, kennt das Herz des Volkes nicht, und eine verstärkte Ver- folgung erzeugt eine mächtigere Reaktion. Schiffsnachrrchten. In der Nacht gemeldet: New York „Allecto" von London, „Waesland" von Antwerpen, „Teutonic" von Liverpool. Liverpool „Majestic" von New York, „Buena Ventura" von New Orleans. Glasgow „Furnessia" von New York. London „British Queen" von Boston. Hamburg „Elberfeld" von New Or- leans. Werden wohl blechen müssen. Lin brauner Menschenbruder beansprucht die- selben Rechte wie die Blaßgesichter. Crawfordville, Jnd., 13. Dez. Die Eigenthümer des Nutt Hotels sind gestern vom Anwalt des Mulatten Preston Eagleson, einem Studenten der Universität von Indiana und einer bedeutenden Ball- spielgröße der Anstalt, um §IOOO Schaden- ersatz verklagt. Die Klage wurde eingclei- tet weil die Eigenthümer des Hotels sich geweigert hatten, den Mulatten wegen sei- ner Hautfarbe in ihrem Hause auszuneh- mcn, als derselbe kürzlich mit seinen Ka- meraden hier eingctrosfen war, um eine Fußballvorstellung zu geben. Ertrunken. Zwei fünfzehnjährige Knaben beim Schlitt- schuhlaufen verunglückt. Denver, Col., 13. Dez. Edward Hopkins, der Sohn eines an- gesehenen Apothekers, und Joseph Mc- Donough, beide fünfzehn Jahre alt, sind gestern Abend beim Schlittschuhlaufen aus Sloans Lake durch das Eis gebrochen und ertrunken. Städtisches. Das Wetter. Optiker Kleine, 76 Washington Str., berichtet für Chicago die folgenden Baro- meter- und Thecmometerstände: Um 8 Uhr Morg. 38 Gr., um 9 Uhr 40 Gr., um 10 Uhr 44 Gr., um 11 Uhr 44 Gr., um 12 Übr 44 Gr. Barometerstand um 8 Uhr Morg. 29.45, 12 Uhr 29.55. Briefkasten. A. Reichert, Decatrrr. Edel er- haben, vortrefflich, hochherzig; gediegen gründlich, echt, solid. Die Gesammt- oberfläche der Erde beträgt 9,260,510 Q.-M., ihr Volumen 2,649,900,000 Kubik- meilen, und da die mittlere Dichtichkeit 5.6 Mal so groß wie die des Wassers ist, so ist die Masse der Erde 9OOO Trillionen Centner. Erhebliches Feuer. Das Haus Z8Z—zss Michigan Str. um rt7oo geschädigt. Heute Morgen kurz nach sechs Uhr brachin dem dreistöckigen Ziegelgebäude No. 183—185 Michigan Str. ein Feuer aus, welches einen Gesammtschaden von §I7OO anrichtcle. Das Haus ist Eigenthum der bekannten Millionärin Hattie Green. Im unteren Stockwerk betreiben Witte- mann Bros. L Co. einen Handel in Wirth- schafts-Ausstaltungen; sie erlitten an ihren Waarenlager einen Schaden von §IOO. Ebenso wurde die im zweiten Stockwerk eine Schildermalerei betreibende Firma P. Pause L Co. um §IOO geschädigt. Der Vertust am Haus ist auf §ISOO abgeschätzt. Das Feuer brach unter dem Heizapparat im zweiten Stockwerk aus. Joe Dehons, ein Feuerwehrmann von Truck 3 stürzte beiden Löscharbeiten und zog sich eine Verrenkung der Schulter zu. Er wurde nach seiner Wohnung gefahren. George und Bertha. Der 30jährige George Martisch, ein richtiger Czeche, liebte die schöne achtzehn- jährige Landsmännin Bertha Warttaska, die bei einer böhmischen Familie in 140 Maxwell Str. als Kämmcrkätzchcn diente. Anfangs erwiderte Bertha diese Liebe, doch nachdem sie vor Kurzem erfahren haue, daß George früher einem anderen Mädchen den Hof gemacht und sie kurz vor der an- beraumten Hochzeit hatte sitzen lassen, kündigte sie ihm die Freund- und Lieb- schaft und verbat sich alle weiteren Besuche. Aber George wollte und konnte nicht von Bertha lassen und setzte nicht nur seine Liebesbewerbungen brieflich fort, sondern machte der Geliebten auch Fensterpromena- den. Die Briefe wurden prompt znrückge- sandt, aber den Fensterpromenadcn konnten leider kein Riegel vorgeschoben werden. - AmSamstag Nachmittag erschien George wieder vor seines Liebchens Thür, wurde aber nicht hineingclasseu. Gestern erschien er dort wieder und schimpfte dort derartig auf seine Geliebte daß ein Polizist herbei- gerufen werden mußte, um den Schimpf- bold einzusperren. Heute früh machte er dem Richter Eberhardt sein Erscheinen. Während nun sein Verlheidiger alles Mög- liche versuchte, um die schöne Bertha und die anderen Zeugen in Widersprüche zu verwickeln und besonders Gewicht darauf legte, zu beweisen, daß George nicht ge- schimpft hätte, beantwortete dieser die erste vom Richter an ihn gerichtete Frage: ob er die gemeinen beleidigenden Ausdrücke ge- gen Bertha gebraucht hätte, zum Entsetzen seines Vertheidigers mit „Ja". Richter Eberhardt belegte ihn hierauf mit einer Strafe von §SO. Gehen straflos aus. Heute Morgen wurde vor Richter Kersten das Zeugniß in dem Klagefall gegen George H. Hildebrecht, William Gray, Alfred Ken- nedy und Arthur I. Hildebrecht vernommen. Am 24. November ereignete sich in der Wirthschaft von George H. Hildebrecht, No. 122 N. Clarkstraße, eine Schlägerei unter den vier Angeklagten, bei welcher Gelegen- heit zwei Revolverschüsse fielen. Alle Vier trugen ziemlich erhebliche Verwundungen davon. Der Streit war ausgebrochen, nach- dem Gray bei dem Kartenspiel dabei ertappt wurde, daß er Karten auf den Knieen liegen hatte, aus welchen er seine „Hand" mit Er- folg ergänzte. Das heute Morgen abgegebene Zeugniß ergab, daß eben alle vier der Kartenspieler gleichen Antheil an der Schlägerei hatten. Der Richter erklärte, daß es unnütz seinwürde, den Fall dem Criminalgcricht zuüberweisen, er müsse ihn einfach streichen. Die vier Raufer wurden also straflos ent- lassen. Ein vorgeschobener Verbrecher Soll einen notorischen Einbrecher aus dem dem Zuchthaus herausholen. Am 14. November wurden mittelst Ein- bruchs aus dem Geschäftslokale der Herren Schroeder Bros., 751 S. Halsted Str., 25 Ueberzieher im Gesammtwerthe von §250 gestohlen. Die mit der Ermittelung der Beute und Einbrecher betrauten Detectives Freezer und Smith erfuhren nach einigenTagen, daß der notorische Robert Adams, (ein Sohn sehr wohlhabender und ange- sehener Leute auf der Westseite), ein Paar Ueberzieher bei einem Trödler verkauft hatte. Schroeder Bros, wurden hiervon be- nachrichtigt und identificirten die Ueberzieher als die ihnen gestohlenen. Adams, der statt bei seinen Eltern zu wohnen und dort ein beschauliches Leben zu führen, es vorzieht, den Hauptmann einer Einbrecherbande zu spielen, wurde verhaftet und des Einbruchs beschuldigt. Seine gut bezahlten Advokaten verstanden es bisher meisterhaft, vor Rich- ter Dooley die Prozessirung des Adams auf die lange Bank Zu schieben. Der Einbrecher erfreut sich nach Stellung einer §BOO Bürg- schaft der goldenen Freiheit. Dieser Tage erfuhren die obengenannten Detectives, daß auch der 20jährige Henry La Roche, ebenfalls ein bekannter Einbrecher, einige Ueberzieher an den Mann zu bringen versucht hatte. La Noche's Aufenthalt wurde ermittelt und er gestern ebenfalls unter der Anklage des Einbruchs verhaftet. Unter- dessen wurden Schroeder Bros, benachrich- tigt, und ihrem Vertreter die in La Roche's Wohnung gefundenen Ueberzieher gezeigt und sofort von ihnen als ihrEigenthum iden- tifizirt. La Roche wurde bis zum 25. d. M. unter §BOO Bürgschaft gestellt. Die De- tectives sind der Ansicht, daß La Roche nur von Adams vorgeschoben ist, und wenn der Prozeß des Letzteren zur Verhandlung auf- gerufen wird, der Vertreter der Staatsan- waltschaft (der in der Maxwell Str.-Station amtirende Hilfspolizeianwalt) wie Klage wird Niederschlagen lassen und La Roche dann Mangels an Beweisen freigesprochen werden wird. Die Angehörigen des Adams, die bereits Tausende von Dollars an Advo- katen für die Vertheidigung ihres allerhand Verbrechen angeklagten Sohnes zahlten, sind obwohl sie sich von ihm losgesagt, stets be- reit, noch Tausende von Dollars zu opfern, um denselben aus dem Zuchthause heraus- zuhalten. Und nicht nur steht ihr Geldbeutel, stets gut gefüllt, zur Verfügung der nach demselben lüsternen Advokaten, auch ihr po- litischer Einfluß ist groß, und im aller- schlimmsten Falle wird die Gnade des Gou- verneurs Altgeld angerufen. Also endlich. Richter Woods wird morgen seine Entschei- dung in dem Mißachtunasprocesse gegen Debs und Genossen ab- geben. Heute Abend wird Richter Woods aus Indianapolis, Jnd., hier eintresfcn und morgen früh im Bundes - Appcllations- gericht seine Entscheidung in dem vor drei Monaten verhandelten Mißachtungsprozesse gegen Debs, Howard, Keliher und die anderen Beamten der „American Railway Union" abgeben. Es heißt, daß die Ent- scheidung ein 20,000 Worte enthaltendes Docnment sei. Alle Angeklagte erwarten mit großer L-pannung das Urtheil und werden sämmllich bei der Verlesung zu- gegen sein. Ihr Hauptveriheidiger, der Criminal- Advokat W. W. Erwin aus St. Paul, wird nicht zugegen sein, du er in einem Prozesse in Dubuque, lowa, engagirt ist. Herr Erwin rechnet seit auf die Frei- sprechung der Angeklagten; erjagt, eS sei durch nichts bewiesen worden, daß sie sich gegen die von den Richtern Woods und Großcup erlassenen Einhaltsbefehle ver- gangen hätten, und es sei daher seiner An- sicht nach ganz unmöglich, daß Richter Woods sie der Mißachtung des Gerichts schuldig finden könne. Ob Herr Erwin's Voraussetzung eine richtige war, wird sich ja morgen zeigen. Einquartirung für Hotel pease. John Holz, der Grocer und Fleischer von 1205 W. Polk Str., welcher, wie wir gestern mittheiltcn, seinen Hausknecht Ni- colas Ernan alias Scout dazu veranlaßte, Käse und Butter aus den mit solchem Zeug beladenen und in der Nähe seines Stalles stehenden Frachtwagen der Northwestern- Bahn zu stehlen und in seinen Stall zu schassen, wurde heute von Richter Eber- hard! unter §4OO Bürgschast dem Crimi- nalgericht überwiesen. Ernan war gestern bereits dahin gesandt worden. Charles und Joseph Moison alias Manon, welche in Gemeinschaft mit dem 11jährigenEdwardDussy und zwei anderen, bisher unbekannt und uuverhastet gebliebe- nen Burschen am 8. Mai in das Erdgeschoß des Matt. Mamer'schen Hauses, No. 285 S. Jessersonstr., einbrachen und dort die Röhren durchschnitten und wegschafsicn, wurden heute von Richter Ebcrhart unter je §BOO Bürgschast dem Criminalgcricht überwiesen. Der kleine Dufsy war, wie wir bereits mittheilten, schon früher dem Cri- minalgcricht überwiesen, von derGrandjury untcrAnklage gestellt, vor einer Petit-Jury in Richter Dünnes Abthcilung des Emmi- nalgerichts prozessirl, aber mitten im Pro- zeß ohne Bürgschaft entlassen worden auf das Versprechen hin, seine Komplicen zu ermitteln. Er fand die Maisons, die sich bisher versteckt gehalten halten und wurde Chas. Maison von Mamcr sofort als einen der Kerle identisicirl worden, die er im Erdgeschoß anlraf. Dusfy will sich be- mühen, auch die beiden Unbekannten (die ihm nicht unbekannt sind) der Polizei zu überantworten. Das sichert ihm Straf- losigkeit. Unter hoher Bürgschaft. Robert D. Wellborne aus Texas, der, wie wir an anderer Stelle ausführlich be- richten, gestern Abend verhaftet wurde, weck er zwei Leute, Namens Setvie und Sund, ohne jede Veranlassung durch Nevolvcr- schüsse verwundet halte, wurde heute Mor- gen von dem Richter Bradwell in beiden Fällen bis zu seinem Verhör, das auf zehn Tage verschoben wurde, unter §ISOO Bürg- , schüft gestellt. §50,000 Schaden. Die American Gak Leather Lompanv von einer Feuersbrunst heimqesucht. In den Lagerräumen der American Oak Leather Company, 207 und 209 Lakestr., kam heute früh um dreiviertel sechs Uhr ein Feuer zum Ausbruch,das einen Scha- den von ungefähr §50,000 anrichtete, ehe es gelöscht werden konnte. Es wurde zuerst von einem Polizisten entdeckt, der durch die hinter dem Gebäude liegende Alley ging. Ebe er jedoch die Feuerwehr alarmirt hatte, schlugen die Flammen schon lichterloh aus dem Gebäude empor. Als daher Marshall Horan, der mit der ersten Abtheilung der Löschmannschaft anlangte, wahrnahm, daß er nichts ausrichten könne, gab er einen 2—ll Alarm ab. Das Feuer brach im 4. Stock des Gebäudes aus und bald stürztr das Dach des letzteren ein, wobei Christopher Nichols, ein Feuerwehrmann von der 2. Compagnie, unter die Trümmer gerieth. Es gelang jedoch seinen Kameraden, ihn noch lebend an's Tageslicht zu befördern, aber er befand sich in einem entsetzlichen Zustande. Seine Kleider waren alle ver- kohlt und an vielen Stellen seines Körpers waren gefährliche Brandwunden, zu ent-decken. Man ließ ihn nach seiner Woh- nung bringen, wo er im bedenklichen Zu- stande darnieder liegt. Andere Feuerleuir entkamen mit knapper Roth seinem Schick- sale. Nach Verlaus einer halben Stunde hatte die Feuerwehr die Flammen unter Con- trolle und ging dann die übrige Löscharbeit schnell von statten. Die Ursache des Bran- des führt man auf eine Explosion in dem Maschinenraume zurück. Dies ist die zweite Feuersbrunst, von der dieselbe Firma in- nerhalb eines Jahres und weniger Monate heimgesucht worden ist, doch war der Ver- lust vor einem Jahre bei Weitem größer als dieses Mal. Wichtige Eomite-Sitzung. Das stadträthliche Justizcomite, dessen Vorsitzer Ald. Mann ist, und welchem die Ald. Swift, Hepburn, Campbell, Shepherd, Smith, Muelhofer, Reddick, Coole, Ernst, Sexton, Loeffler und Mahoney als Mit- glieder angehören, trat heute Nachmittag um 2 Uhr zu einer Sitzung zusammen, in der Absicht, über die zahlreichen, ihnen vorlie- genden Ordinanzen Verfügung zu treffen. Unter anderen Ordinanzen befinden sichin den Händen des Justizcomites die folgen- den: die Pflasterziegel - Ordinanz, die Coughlinsche Brotverordnung, die Ordinanz zur Steuerung des Neklamebretter-Unfugs, die Ordinanz des Mayors zur Umwand- lung der Gebühren-Osfice des Kessel-In-spektors in eine salärirte Office, die vom Mayor amendirte Ordinanz für die Spe- zialsteuer-Reform und schließlich die Mann- sche Civildienst-Reform-Ordinanz. Mehrere dieser Ordinanzen befanden sich bereits viele Wochen lang in den Händen des Comites, ohne daß sie bisher verhandelt worden sind. Bei der Wichtigkeit dieser sämmtlichen Or- dinanzen ist es die höchste Zeit, daß das Ko- nnte sich mit denselben beschäftigt. Von der Entscheidung des Justizcomites wird zum großen Thett das Schicksal der oben erwähnten wichtigen Ordinanzen ab- hängen. Zur Reform der Polizei. Wenn es bei der Reorganisation unserer Polizei nach den Civildienst-Regulationen ebenso scharf zugehen wird, wie bei der vor längerer Zeit auf derselben Grundlage er- folgten Reorganisation der Bostoner Poli- zei, so werden von den gegenwärtig hier in Dienst befindlichen Polizisten etwa 600 über die Klinge springen müssen. Bei der körperlichen Untersuchung von 139 Applikanten für Stellen als- Polizisten wurden bereits 23, also nahezu der fünfte Theil der Applikanten wegen körperlicher Unbrauchbarkeit zurückgewiesen. Die Prüfung auf ihre geistige Befähi- gung wurde den Bostoner Polizisten da- durch leicht gemacht, daß man ihnen vorher einen Büchlein in die Hand gab, in welchem die Fragen, die ihnen bei der Prüfung vor- gelegt werden würden, mit den richtigen Antworten abgedruckt waren. Trotzdem wurden manche Fragen von keinem einzel- nen Applikanten richtig beantwortet. Der Drehkreuz-Pftozeß beendet. Richter Payne gab gestern in dem Pro-zesse der Stadt gegen die Illinois Eentral- Babu die Entscheidung ab, daß die vom Stadlralh angenommene Ordinanz. welche die Drehkreuze der Illinois Central-Bahn für einen Gemeinschaden erklärt und die Entfernung derselben anordnct, null und nichtig sei; und daß der von der Illinois Eentral-BayngescllschcM gegen die Stadt erwirkte Einhattsbcsehl, durch welchen der tL-tadt verboten wurde, die Drehkreuze enl- fcrneu zu lassen, zu Recht bettehe. Die städtischen Behörden werden den Kamps darum aber voraussichtlich noch nicht aufgeben. Reine Einigung. In dem Prozeß gegen Mcadowcrost Bros, sitzen die Geschworenen noch immer in Berathung. Nachdem sich die Geschworenen bis gestern Abend um 11 Uhr nicht geeinigt hatten, wurden sie bis heute Morgen um 10 Uhr in ihr Hotel zurückgesuhrt. Elf waren für die Schuldigsprechung und nur einer, dessen Name John Patterson sein soll, be- harrt unbeugsam bei einem freifprccheuden Urtheil. Die erste Abstimmung ergab 9 für schuldig und drei für nichtschuldig. Heule um zwölf Uhr wurde den Großge- schworencn das Mittagessen in das Be- rathungszimmer getragen. - Viehmarkt. Heute gingen 12,000 Rinder, 12,009 Schafe und 24,000 Schafe hier ein. Schweine waren geringer Qualität, doch gingen Preise um 10 Cent in die Höhe. Schwere Schweine brachten 4.40(«4.75, leichte 3.9oG4.so,schwere und leichte durch- einander 4.15G4.60, grobe zum Pökeln 4.15G4.35, „P igs" 2.40(«4.20. Die Nachfrage nach Schafen und Rin- dern war gut und Preij fest.

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