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Abendblatt Newspaper Archives Dec 12 1894, Page 1

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Abendblatt (Newspaper) - December 12, 1894, Chicago, Illinoisvon der Illinois Staats-leilungs-Lo. Chicago, Mittwoch, 12. Dezember 1894. Preis 1 Cent. 47. Jahrgang. No. 294. 2er ZlaiiM mk> Sie Mcheil- Kilge. Die Schlußworte seiner Rede im Reichstage. Verhaftung des Herausgebers des „Vorwärts." Sozialistische Schriften in einer Kaserne. London, 12. Dez. Der „Times" wird aus Berlin berichtet, daß der Kanzler Hohenlohe seine Rede im Reichstage mit der Erklärung schloß, daß die Befürchtungen derjenigen Personen, welche einen ungünstigen Schluß aus seinem, in den sechsziger und siebziger Jahren eingenommenen Standpunkt über die Kirchenfragen ziehen wollten, unbe- gründet seien. Die Zeiten hätten sich ge- ändert; es lägen jetzt andere Fragen vor, und es sei mehr als je nothwendig, daß die Staatsbehörden mit denKirchenbehörden im Einklang bleiben. Er würde in seiner Stellung sein Bestes thun, um zwischen Staat undKirche ein gutes Einvernehmen zu erhalten. Diese Erklärung hatte lebhaften Beifall von Seiten der Centrumsparlei (Klerika- len) zur Folge. Dem „Standard" wird von Berlin ge- meldet, daß die Centrumsparlei im Reichs- tage die entscheidende Stimme hat. Der Herausgeber des sozialistischen Organs ist heule wegen Majestätsbeleidi- gung verhaftet worden. In der Kaserne des ersten Eisenbahn- regimentes in Schaumburg hat heute eine fünf Stunden dauernde Haussuchung statt- gefunden, und im Besitze eines Soldaten wurden sozialistische Schriften gefunden. A)erthvoUer Fund. Lisenbahnaktien im werthe von mehreren tausend Dollars in einem Grundstein gefunden. Fort Madison, Ja., 12.Dez. Beim Niederreißen eines alten Hauses in Franklin, lowa, fand Otto Weber, ein für H. Stracb arbeitender Mann, einen Grundstein, in welchem sich eine Blech- büchse mit Lee County Eisenbahnaktien, im Betrage von HIO,OOO befanden. Dieselben waren an Nathan McCollough zahlbar, welcher bereits vor 16 Jahren gestorbenwar. Die Aktien waren vor etwa vierzig Jahren ausgegebcn worden, und wurden damals für ziemlich werthlos gehalten. Die Papiere befinden sich in gutem Zu- stande, und sind mehrere lausend Dollars Werth. Line Bibliothek für Lhampaign. was ein wohlhabender Bürger für seine Heimath zu thun beabsichtigt. Champaign, Jll., 12. Dez. A. C. Burnham, ein angesehener Bankier, dessen Geschenk von H19,000 die Errichtung des jetzt beinahe vollendeten Julia F. Burnham-Hospitales möglich machte, hat sich erboten, der Stadt auch eine Bibliothek zu schenken. Zu dem Zweck wird er feine Heimstätte und zwei werth- volle Bauplätze in der besten Lage der Stadt, nebst tz30,000 hergeben. Die letztere Lumme soll für den Bau des Bibliothek- gebäudes verwandt werden, und für An- schaffung von Büchern sollen dann noch extra HIO,OOO zur Verfügung gestellt wer- den. Genickstarre unter Indianern. Die Krankheit soll durch schlechtes Trink-wasser entstanden sein. Albuquerque, N. M., 12. Dez. Henry Lockhart, aus der im Cochiti- Grubenbezirke liegenden Ortschaft Bland, schreibt, daß die Pueblo-Indianer im Dorfe Cochiti vom Fleckfieber, oder der Genickstarre, schnell dahinsterben. Der vom Jndianeragenten Ballis dorthin ge- sandte Krankenwärter W. Hudtey ist kürz- lich daran gestorben. Die Krankheit soll durch die Benutzung von Wasser aus einem flachen Brunnen zum Ausbruch gekommen sein. Die neue russische Anleihe. Die davon in London placirten drei Millionen Pfund viermal überzeichnet. London, 12. Dez. Heute Morgen, um zehn Uhr, wurden im Rothschild'schen Bankhause die Bücher für die Zeichnungen zu der neuen russischen Anleihe geöffnet, und um halb zwölf wieder geschlossen. Der für London reservirte Betrag ist nicht bekannt, aber es heißt, daß derselbe drei Millionen Pfund, oder ein Fünftel der ganzcnSumme von 15,000,000 beträgt. Diese drei Millionen Pfund und hier vielmal zu einer Prämie von 1Z über- zeichnet worden. Geplanter Bahnüberfall. Banditen wollen ihren verurtheilten Spieß- gesellen befreien. Monetl, Mo., 12. Dez. Acht gut berittene und schwer bewaffnete Banditen sind kürzlich mehrere Male hier in der Nähe gesehen worden. Es herrscht die berechtigte Annahme vor, daß sie sich auf einen Ueberfall des Bahnzuges vorbe- reitcn, welcher den kürzlich zu dreißigjäh- riger Zuchthausstrafe verurtheilten Ban- diten „Skeeter", von der Cook'schen Bande nach Detroit bringt, um denselben zu befreien. Man weiß, daß die Kerle sämmtlich Freunde des verurtheilten Räu- bers sind. Die Potizei in Fort Smith ist von den Vorgängen benachrichtigt worden. Russische Truppen an der Grenze. An der armenischen Grenze werden russische Truppen zusammen- gezogen. Der amerikanische Spezialcommissär Zewett. London, 12. Dez. Aus Tiflis kommt die Mittheilung, daß der Befehlshaber der kaukasischen Armee befohlen habe, an der Grenze, in der Nähe der Gegend, in welcher die kürzlichen arme- nischen Greuel stattfanden, starke Truppen- abtheilungen zusammen zu ziehen. Aus Constantinopel wird der „Daily News" gemeldet, daß Grund zur Annahme vorhanden ist, daß von allen Mächten in der Angelegenheit ein gemeinsames Vor- gehen in Aussicht steht. Jewett, der ame- rikanische Spezialcommissär, wird nicht aufgefordert werden, einen Bericht einzu- senden. Präsident. Cleveland hat ange- ordnet, daß sein Bericht unabhängig sein soll, und dies stimmt, wie es scheint, nicht mit den Ansichten der Pforte überein. Jeweils Anwesenheit wird nicht noth- wendig sein, wenn die Mächte Delegaten schicken. Der neueste Vorschlag ist, die Konsuln in Erzerum, nämlich den englischen, russi- schen und französischen Consul zu Dele- gaten zu ernennen, aber es ist darüber noch zu keiner Entscheidung gekommen. Brandstiftung, INord und Selbst- mord. Alles das besorgt ein wahrscheinlich plötzlich wahnsinnig gewordener Farmer gleich nach dem Frühstück. South Haben, Mich., 12.Dez. Gestern Morgen steckte der in der Nähe wohnende alte Farmer Robert Webster seine Scheune in Brand, brachte seinem Nachbarn Eugene Keasy wahrscheinlich tödtliche Schußwunden bei, und beging daun Selbstmord. Keasy halte das Feuer bemerkt, und war, nachdem er das Vieh aus der Scheune getrieben hatte, nach dem Wohnhause gegangen, um Webster zu rufen, als dieser plötzlich die Thür öffnete und Keasy eine Ladung Schrot in das Gesicht schoß. Darauf goß er überall im Hause Oel umher, zündete dasselbe an und legte sich auf den Fußboden nieder, wo er lebensgefährliche Brandwunden da- vontrug. Keasy hat durch den Schuß beide Augen verloren, außerdem ist ihm die Nase und die eine (Leite des Gesichtes wcgge- schossen; seine Kopfhaut ist voller Schrot- körner, und allem Anschein nach wird er seinen Wunden erlregen. Webster wurde aus dem brennenden Hause gebracht, starb aber bald darauf. Schweres Unwetter. Lin orkanartiger Sturm zieht mit Donner und Blitz über das Land. Conyers, Ga., 12. Dez. Während der letzten Nacht haben nur wenige Bewohner des hiesigen Ortes ge- schlafen. Am Abend stellte sich ein gräß- liches Unwetter ein, und während der ganzen Nacht blitzte und donnerte es fast unaufhörlich. Eine Menge Bäume wur- den von dem orkanartigen Sturme Hinge- rissen, und auch viele Zäune wurden zer- stört. Die Wohnung von William Everett wurde vom Blitze getroffen und Frau Everett trug ernstliche Verletzungen davon. Alan glaubt, daß ein Wirbelsturm in der Nähe vorbeiging und daß derselbe viel Un- heil angerichtet hat. Nachklänge von dem römischen Bankskandal. Oer Präsident der Deputirtenkammer im Be- sitze wichtiger, sich darauf beziehen- der, Papiere. Nom, 12. Dez. Die Handlungsweise des früheren Mi- nisterpräsidenten Giolitti, dem Präsidenten der Deputirtenkammer gewisse wichtige Dokumente zu übergeben, welche sich auf den Banco Romano Skandal beziehen mir welcher der Name des Ersteren in Verbin- dung gebracht worden war, hat beträcht- liches Aufsehen erregt. Der gestern, im Interesse der Ehre und der Würde der Kammer zur Untersuchung der Schriftstücke ernannte Ausschuß, be- fand sich bis heute morgen sechs Uhr in Sitzung, und trat um Mittag wieder zu-sammen. Die Vorhallen der Depulirten- kammer waren mit aufgeregten Deputaten und anderen Personen angefüllt, welche das Vorgehen Giolittis auf das Eifrigste besgrachen. Der Inhalt der Papiere, welche dem Ausschuß übergeben sind, ist bis jetzt noch nicht bekannt, aber die Gegner der Negie- rung sagen, daß wenn derselbe zur Ver- öffentlichung kommt, eine gewaltige Auf- regung in Regierungskreisen die nächste Folge sein würde. Mörderische Linbrecher. Lin angesehener Geschäftsmann ein Vpfer derselben. Cleveland, 0., 12. Dez. Heute Morgen, um halb drei Uhr, ist William N. Price, ein angesehener Ge- schäftsmann, und Mitglied der Firma Chandler L Price, in No. 124 Hawrhorne Ave. wohnhaft, von Einbrechern ermordet worden. Price wurde durch ein Geräusch auf die Anwesenheit der Einbrecher auf- merksam gemacht, und als diese sich entdeckt sahen, zog einer derselben einen Revolver und feuerte auf Price. Die Kugel traf ihn in die Brust, er stürzte auf der Stelle nie- der, und war in wenigen Minuten eine Leiche. Die ganze Geheimpolizei wurde so- fort in Bewegung gesetzt, aber bis jetzt ist es noch nicht gelungen, die mörderischen Ein- brecher in Haft zu nehmen. Der Marsch nach Peking. Line an der Straße nach Peking liegende Stadt angeblich von den Zapanern genommen. Krupp als Gläubiger des Himmlischen Reiches. London, 12. Dez. Der „Graphic" bezweifelt die Nachricht einer hier aus Ticn-Tsin eingetrofscnen De- pesche, wonach die Japaner die an der Straße nach Peking gelegene Stadl Kin- chow genommen haben sollen, und glaubt, daß der Name mit Kiuchaw verwechselt ist, einem Platze, welcher vor der Einnahme von Port Arthur von den Japanern ge- nommen war. Eine Depesche aus Shanghai sagt, daß die Agenten des Kanonenkönigs Krupp auf sümmtliche Handelsdampfcr, welche mei- stens der Regierung gehören, als Sicherheit für Geschütze und Kriegsmaterial, das sich bereits Alles in den Händen der Japaner befindet, Hypotheken in Händen haben. Die russenfrenndlichen Franzosen. Die russische Anleihe in Frankreich fast zehnfach überzeichnet. Truppen und Munition nacb Madagascar. St. Petersburg, 12. Dez. Die Börsenzcitung schätzt die Angebote auf die neue russische Anleihe von 15,000,- 000 Psund, in Frankreich allein auf vier Milliarden Frauken oder auf beinahe den zehnfachen Betrag der verlangten Summe. Marseille, 12. Dez. Der Dampfer Trasonaddy geht morgen mit 380 Mann Mariuetruppen und achtzig Tonnen Munition, von hier nach Mada- gascar ab. Der schlaue Sultan. Sc läßt an die Mächte eine Einladung in der Hoffnung ergehen, daß dieselbe abge- lehnt werde. London, 12. Dez. Von Varna wird dem „Standard" be- richtet, daß der Sultan aus eigenem An- triebe die sämmtlichen Berliner Vertrags- Mächte eingeladen habe, Delegaten mit der zur Untersuchung der armenischen Greuel beauftragten türkischen Commission abzu- scnden. Man glaubt, daß er dies in der Hoffnung gelhan hat, daß eine, oder mehrere der Mächte es ablehnen werden, Delegaten zu schicken, und daß dadurch ein gemein-sames Vorgehen verhindert werden möge. Polnische Aatholiken. Sie verlangen von ihrem Pfarrer eine Ab- rechnung über die Kirchengelder. Peru, Jll., 12. Dez. Die Gemeinde der polnischen St. Valen- tinskirche ist mit ihrem Pfarrer in Streit geralhen. Die Kirchenvorsteher behaupten, daß ihr Pfarrer Sikorski die Kirchengelder nicht in gehöriger Weise verwaltet, und gestern Abend wurde der Versuch gemacht, die Geschäftsbücher zu erlangen und die- selben zu untersuchen, aber der Pfarrer weigerte sich, den Kirchenschlüssel auszu- liefern. Es versammelte sich eine Schaarvon einigen hundert Personen, und nur durch das Dazwischentreten des Marschallsund der Polizei wurden ernstliche Un- ruhen verhütet. Da die Gemeindcmil- glicder nicht im Stande waren, in die Kirche zu gelangen, wurde im Freien eine Versammlung abgehalten und ein Aus- schuß ernannt, welcher sich sofort nach Peoria begab, um dem Bischof Spalding die Beschwerden der Gemeinde vorzulegcn. Lin geriebener Schwindler. Ein Grundeigenthumshändler in Nöthen. San Francisco, 12.Dez. G. H. Turner, ein Grundeigenthums- händler, ist wegen zweier Schwindeleien, bei denen es sich um einen Gesammlbetrag von P20,000 handelte, verhaftet worden. Es heißt jedoch, daß Turner eine Menge Opfer um wenigstens eine halbe Million Dollars gebracht bat, indem er Grundstücke verpfändete, die ihm nicht gehörten, und auch dasselbe Grundstück an mehrere Käu- fer verhandelte. Sämmtliches Land war werlhvolles Eigenthum, und Turner ver- stand es, seine Opfer durch gefälschte Unter- schriften auf Kaufbriefe und betrügerische Eintragungen in die Grundbücher zu täuschen. Das Landstreicherunwesen. Ein Schritt nach der richtigen Richtung hin. Oshkosh, Wis., 12. Dez. Gestern wurde von Vertretern mehrerer Wisconsiner Counties hier eine Versamm- lung abgehalten um sich über Maßregeln gegen das Landsireicherunwesen zu be- rathen. Der Plan, Arbeitshäuser zu gründen, fand den meisten Beifall, und es wurde ein Ausschuß ernannt, um die Ge- setzgebung zu veranlassen, ein Gesetz zur Errichtung von Arbeitshäusern im ganzen Staate anzunehmen. Tod des canadischen Premiermi- nisters. Derselbe war soebeu als Mitglied des Gehei- men Rathes vereidigt worden. Windsor, England, 12. Dez. Sir John Thompson, der canadische Premierminister ist heute, nach der Sitzung des Geheimen Rathes, in welchem er als Mitglied vereidigt worden war, in Windsor gestorben. Klingt beinahe wie Nebertrei- bung. N)ie die japanische Armee in Port Arthur gehaust haben soll. Die ganze Bevölkerung angeblich niederge- metzelt. New Z) o rk, 12. Dez. Eine Spezialdepesche aus Aokohama bringt folgende Mittheilung: Die japani- schen Truppen rückten am 21. Nov. in Port Arthur ein, und machten thatsüchlich die Bevölkerung kalten Blutes nieder. Die unbewaffneten Einwohner wurden in ihren Wohnungen niedergemetzell, und ihre Lei- chen in scheußlichster Weise verstümmelt. Die Schreckensherrschaft dauerte drei volle Tage, und die ganze Stadt wurde unter Verübung aller möglichen Greuelthaten ausgeplündert. Es war dies der erste Flecken, mit dem sich die japanische Civili- fation beschmutzt hat. alle Vorwände, daß die Umstünde diese Scheußlichkeiten gerecht- fertigt hätten, sind falsch, und die civili- sirle Welt wird durch die Einzelheiten in Schrecken versetzt werden. Die ausländi- schen Correspondenten haben voller Ent- setzen über das Schauspiel, sämmtlich die Armee verlassen. plötzlich wahnsinnig geworden. Sin Amerikaner springt in den Rio Tigre und ertrinkt. Linores, Mex., 12. Dez. Frank Warren, ein Amerikaner, und Jesus Guerrara, ein mexikanischer Zucker- Pflanzer, sind aus der südlich von hier ge- legenen Gegend angekommen, und berich- ten, daß H. Lewis, ein Bauunternehmer aus Kansas City, welcher sich bei ihnen befand, plötzlich durch Thee, welcher aus einem wildwachsenden Kraut, dem soge- nannten „Loco" bereitet worden war, wahnsinnig wurde, in den Rio Tigre sprang und dort ertrank. Lewis war seit mehreren Monaten in Mexico, und hatte kürzlich in der Nähe von Tuxpan eine große Kaffeeplantage gekauft. Nlörder verurtheilt. Derselbe wird die übrigen Tage seines Lebens im Zuchthause zubringen. Guth ri e, O. T., 12. Dez. Henry Shoemaker, welcher mit zwei Spießgesellen in Todd, zwanzig Meilen westlich vonHenncssey,EdwardTownsend in seinem Geschästsladen ermordet hatte, ist des Mordes im ersten Grade schuldig be- funden, und zu lebenslänglicher Zuchthaus- strafe verurtheilt worden. Shoemaker war ein Mitglied einer Verbrccherbande, und erschoß Townsend bei dem Ueberfall seines Geschäftes. Er gehörte dem Freimaurer- orden an, und dieser hatte auf die Verhaf- tung des Mörders eine Belohnung von HISOO ausgesetzt. Städtisches. Das IVetter. Optiker Kleine, 76 Washington Str., berichtet für Chicago die folgenden Baro- meter-und Thecmometerstände: Um 8 Uhr Morg. 38 Gr., um 9 Uhr 40 Gr., um 10 Uhr 42 Gr., um 11 Uhr 44 Gr., um 12 Uhr 44 Gr. Barometerstand um 3 Uhr Morg. 29.25, 12 Uhr 29.30 Bestahl seinen Arbeitgeber. Der 30jährige John Finley war von seinem Landsmann William I. McGlove von 810 W. HarrisonStr. als Agent für dessen Cigarrengeschäft engagirt worden. Anfangs befleißigte sich Finley großer Ehr- lichkeit und großen Fleißes. Bald aber wurde er faul und liederlich, und als ihm sein Arbeitsgeber auf seinen Collektions- Touren nachging, entdeckte er, daß sein An- gestellter gerade in Punkto Ehrlichkeit sehr unzuverlässig war. Seine Bücher wurden nunmehr einer genauen Untersuchung unter- worfen und es wurde ermittelt, daß er wäh- rend weniger Wochen über HIOO unter- schlagen hatte. Da sich Finley weigert, diese Summe wieder gut zu machen, wurde er wegen Unterschlagung eingesperrt und heute von Richter Dooley bis zum 19. d. Mts. unter P3OO Bürgschaft gestellt. Lin glattzüngiger Landsmann. Als gestern Nachmittag die hübsche, 16- jährigeLucy Blasi, von 192 Ewingstr., eine Strohwittwe, die Ewingstr. passirte, begeg- nete ihr der Landsmann Tony Legala. Er fragte sie, ob sie der englischen Sprache in Wort und Schrift mächtig sei und bat sie, als sie dies bejahte,ihn nach seiner Woh- nung, Ecke Park- und Desplainesstr., zu folgen und dort seiner Frau einige Briefe vorzulesen. Die schöne Lucy folgte ah- nungslos ihrem Landsmann. Doch kaum hatte sie dieser in seiner Wohnung, als er sie ergriff und sie zu vergewaltigen suchte. Sie entriß sich dem Unhold und ließ ihn sofort wegen Nothzuchtversuchs einsperren. Richter Dooley, dem Legala heute vorge- führt wurde, wird sich morgen mit ihm be- schäftigen und stellte ihn bis dahin unter P2OOO Bürgschaft. Der Drehkreuz-Prozeß begonnen. Vor Richter Payne gelangte heute Vor- mittag der berüchtigte Drehkreuz - Prozeß zum Aufruf. Man wird sich erinnern, daß die soge- nannten Drehkreuze („turnstiles") der Illi- nois Central-Bahn durch einen Stadtraths- beschluß für einen Gemeinschaden erklärt wurden und daß ihre Fortschaffung ange- ordnet wurde. Die Illinois Central-Bahn erwirkte aber gegen die städtischen Behörden einen Einhaltsbefehl, durch welchen diesen verboten wurde, etwas in der Angelegenheit zu thun. Heute Vormittag begann dieVerhandlung. Die Stadt wird in dem Prozesse durch den Corporationsanwalt Palmer und seinen Assistenten Jesse C. Barton, die Illinois Central-Bahn durch die Anwälte C. V. Gwin und E. H. Gary vertreten. Verräth seinen Herrn, Der ihn angeblich zum Diebstahl verleitet haben sollte. Der in No. 1206W. Polk Str. wohnende Grocer und Fleischer John Holz nahm vor erlichen Wochen den arbeits- und heimaths- losen Strolch Nicolaus Ernau alias Scout als Hausknecht auf. Ernau suchte das Interesse seines Arbeitsgebers nicht nur dadurch wahrzunehmen, daß cr fleißig arbeitete, sondern auch, daß ihm, wie den Schlarassen, die gebratenen Tauben in den Mund flogen, d. h. ihm Maaren zugcführl wurden, für die er nicht zu bezahlen brauchte. Der Stall des p. p. Holz befand sich nämlich dicht an den Geleisen des Northwestern Frachtbahnhoses, und sehr oft standen beladene Frachlwagen gerade vor dem Stalle. Mit Kenneraugen fand Ernau sehr bald aus, daß in diesen Wagen manchmal Pro- visionen, wie Käse und Butter sich befan- den. Am Abend des 7. Dezember brach nun Ernau einen solchen Wagen auf, stahl aus demselben eine große Quantität Käse und schaffte diese mit Wissen des Holz in den Stall. Tagsdarauf wurde die Beute, um eine etwaige Haussuchung resultatlos zu machen, nach der Wohnung der Schwie- germutter des Holz an N. Fairfield Ave. geschafft. Der in der Nähe stationirte Spezialpolizist Gilman bewachte, Unrath witternd, das Haus und deu Stall desHolz und als erden Ernau wieder in verdächti- ger Weise sich in der Nähe eines Wagens herumlreibcn sah, fing er ihn ab und brachte ihn zu einem Geständniß. Nach diesem bätle Holz ihn (Ernau) auf die Gelegenheit zum Stehlen aufmerksam gemacht und ihn veranlaßt, am genannten Tage den Käse zu stehlen und in seinen Stall zu schaffen. Später sei er mir nach der Wohnung der Schwiegermutter ge- fahren und dort sei der gestohlene Käse ver- steckt worden. Diese Aussage wiederholte er heule vor Richter Eberhardl, vor dein er sich auf die Anklage des Diebstahls und sein Herr auf die der Hehlerei zu verantworten bcstte. Holz dagegen bestritt dies auf's Entschiedenste, wollte nicht wissen, wieso der Käse erst in seinen Stall und dann in die Wohnung der Schwiegermutter ge- kommen war. Um diese (die sich krank stellt) vor die Schranken des Gerichts zu bringen, wurde Holz bis morgen unter H4OO Bürgschaft gestellt, Ernau dagegen, der geständige Dieb und Käselicbhaber, sofort unter H4OO Bürgschaft dem Crimi- ualgericht überwiesen. Lin Lr-P>olizist '' Auf dem Mege iu's Zuchthaus. Vor etwa einem Jahre wurde auf be- sondere Empfehlung seiner Ward-Alder- meu Dan. McCarthy als Substitut- Patrolman angestellt und der Marwcll- Str.-Station zur Dienstleistung über- wiesen. Doch da er zu sehr der Schnaps- flasche huldigt und wiederholt betrunken im Dienst angetrosfen worden war, wurde ihm Stern und Knüppel wieder abgenom- men und ihm der Titel „Ex" beigelegt. Nach seiner schimpflichen Entlassung wurde er ein Gcmeinschadeu seines Districts. Er sank von Stufe zu Stufe bis er zuletzt zum Räuber wurde. Am Abend des 13. November stattete cr dem Saloonwirth Louis Siggermann von 325 W. 26. Straße einen Besuch ab, nassauerte dort einige und erbot sich den Wirth auf seiner vor zunehmenden Bier-Retse zu begleiten. Er that dies und trank nicht nur aus Kosten Siggermann's in allen Saloons, welche besucht wurden, sondern beobachtete mit großem Vergnügen dessen mit Banknoten gefüllte Geldtasche. Auf dem Heimwege, gerade vor der Kun- ball'schcn Orgelsabrik an der 26. Str. und dem Saloon eines gewissen Ritter, hieb McCarthy plötzlich auf den Wirth los, brachte ihn eine fürchterliche Kopfwunde bei und räumte dann dessen Taschen aus. Es sielen ihm hierbei über H6O und Sigger- manns Uhr in die Hünbe. Der Wirth Ritter hatte Siggermann schreien hören und er sowohl als auch zwei in seiner Wirthschaft anwesende Gäste und Mc- Carthy, der Räuber schafften den bewußt- losen Siggermann in den Saloon. Mc- Carthy drückte sich sofort, doch kannte ihn Ritter sehr genau. Polizei wurde herbeigerufen und diese brachte Siggermann nach dem County- Hospital, wo er lange zwischen Tod und Leben schwebte. Aus die von Siggermann und Ritter gegebene Beschreibung hin wurde der Ex-Polizist verhaftet und des Raubes, thätlichen Angriffs und unordent- lichen Betragens beschuldigt. Nach 6mali- gem Verschieben gelangte der Fall heute vor Richter Eberhardt zur Verhandlung und Erledigung. McCarthy wurde wegen des Raubes unter HBOO Bürgschaft dem Criminalgericht überwiesen und ihm ferner wegen unordentlichen Betragens eisie Strafe von H75 auferlegt. Zwei Zungen Spielen sich als „Detectives" auf. Vor Richter Kersten standen heute Mor- gen Paul Hollstein und John M. Neumes, No. 37 Larrabee Str., zwei etwa sechzehn- jährige Burschen unter der Anklage, sich als „Detectives" aufgespielt zu haben. In dem Besitz der Jungen wurden Sterne ge- funden mit der Aufschrift „Detective N. D. B.", ein Paar Handschellen und Hollstein hatte sogar einen Revolver in einer ledernen Revolvertasche getragen. Die jugendlichen Detectives erzählten, daß sie auf eine An- zeige von dem National Detective Burean hin, die Sterne gegen Bezahlung erhalten hätten. Als klägerischer Zeuge trat Char- les Jenken, No. 27 Teil Place auf, welcher erklärte, daß sich die beiden Burschen bei einem Tanzvergnügen in einer öffentlichen Halle an der Halsted Str. als Detectives aufgespieli und ihre Sterne vostgezeigt hät- ten. Richter Kersten ließ die beiden An- geklagten einige Stunden in dem Verließ der O. Chicago Ave.-Station brummen und entließ sie dann mit einer Verwarnung. Die Sterne, Handschellen und der Revolver wurden confiscirt. Abendblatt 1 Cent, 6 Cents die Woche. Brutaler Mord, Zwei Tramps bringen den Sohn eines wohlhabenden Farmers nahe IVHeaton um's Leben. Sie erbeuten eine Uhr und Z65. In der Nähe unserer Nachbarorlichaft Wheaton wurde gestern Abend Edward Ott, der Sohn des wohlhabenden Farmers Louis Ott, in brutaler Weise ermordet. Die Mörder, zwei Tramps, welche vor einer Woche aus derFarm um Arbeit baten und solche auch erhielten, begaben sich gestern Abend mit Edward Ott, einem 24jährigen jungen Mann, nach der Scheune, um das Vieh zu füttern. Der ältere Ott war nach einer benachbarten Farm zum Besuch ge- gangen und halte seine Frau und seinen E-ohn mit den beiden Tramps allein ge- lassen. Bald nachdem ihr Sohn mit den beiden Leuten das Wohnhaus verlassen halte, hörteFrau Ott stöhnendeSchmerzens- lautc. iLie wollte nach der Scheune gehen, doch schon au der Hausthür tratendie beiden Tramps ihr mit derDrohung entgegen, daß man sie sofort erschießen werde, wenn sie nur einen Laut von sich gäbe. Die Schur- ken durchsuchten dann das Haus, fanden eine goldene Uhr und und eilten davon. Frau Ott begab sich nach der Scheune und sand hier den leblosen Körper ihres Sohnes. Der Kopf war zerschmettert und die Gurgel zerschnitten. Der ganze Körper war mit Blut bedeckt und lag in cinerßlut- lache. Die Anzeichen deuteten daraus hin. daß ein desperater Kampf dem 'Morde voran- ging. Wahrscheinlich halten die Mörder ihrem Opfer zuerst mit einer stumpfen Waffe einen Schlag auf dem Kopf versetzt. Davon mochten die Schmerzenslautc her- rühren, welche Frau Ott hörte. Daun, um dem Unglücklichen den Garaus zu ma- chen, hat man ihm die Kehle durchschnit-ten. Einer der Mörder ist ein Engländer, ist 45 Jahre all, der andere ein Deutscher im Atter von 30 Jahren. Der Engländer war nur unter dem Namen „Samuel", der Deutsche als „Oscar" bekannt. Aus dem Triminttlgericht. Der Meadowcroft-Prozeß. Den heutigen Vormittag verbrachte derehemalige Richter Lorin Collins damit, daß er für Edwin Walker als Vertheidiger der angeklagten Brüder Meadowcroft ein-sprang. Er nannte das Beweismaterial der An- klage Nebel und Finsterniß, um die wahre Bedeutung des Gesetzes zu verhüllen. Die Geschworenen sollten sich aus der Finster- niß erheben und das diesen Fall behan- delnde Gesetz genau betrachten, dann wür- den sie zu dem Schluffe kommen, daß die Angeklagten in ihren Operationen mit der vorsichtigsten Gewissenhaftigkeit handelten, daß aber auch sie von der vernichtenden Pa- nik, welche hochstehende Werthe mit einem Schlage auf Null reduzirte, fallen muß- ten, wie unzählige andereßanken in allen Städten des Landes. Heute Nachmittag wird Anwalt A. S. Trude die Schlußrede für die Anklage hal- ten. Es verlautete gestern, daß er die höchste vom Gesetz vorgeschriebene Zucht- hausstrafe von drei Jahren neben einer hohen Geldstrafe verlangen würde. « Freigesprochen. Gestern Abend um 8 Uhr gaben die Ge- schworenen vorßichter Chetlain in dem Pro- zeß gegen Frederick Schemick einen freispre- chenden Wahrspruch ab. Schemick erschoß!um Mitternacht am 2. October in der ! Opiumspelunke No. 271 W. Madison Str. den jungen Edward Shea. Er traf denscl- i ben in der Opiumhöhle mit der Dirne Minnie Stewart an, welche Schemick den Laufpaß gegeben hatte. Dem Vertheidiger Elliott gelang es zu beweisen, daß Shea den Schemick wiederholt mit dein Tode be- drohte und bei der Begegnung in der Opiumhöble nach seinem Revolver griff. Ihrem Wahrspruch fügten die Geschwo- renen die folgende Angabe bei: An den Ehrenwerthen Richter Chetlain: Die Unter- zeichneten Geschworenen wünschen hiermit ! ihre Mißbilligung der mangelhaften Art und Weise auszudrücken, in welcher die Polizei die Untersuchung dieses Mordfalles gesammelt hat. lieber die wichtigsten Punkte des Ortes der That und die Auffin- dung der Leiche war ihrerseits kein Beweis- material vorhanden. Nicht swuldiq. Heute morgen instruirte Richter Tuley die Geschworenen in dem Brandstiftungs-prozeß gegen Frank Klewans ein auf „Nicht schuldig" lautendes Verdict abzugeben. Das Feuer ereignete sich am 30. Oktober 1893 um 12 Uhr Mittags in dem Hause 1020 Milwaukee Ave., wo Klewans eine Wirth- schaft betrieb. Es wurde nach der Löschung des Brandes mit Petroleum getränktes Papier gefunden. Das Zeugniß der für die Anklage vernommenen Polizisten war widerspruchsvoll, und der Richter ordnete deshalb einen auf „Nicht schuldig" lauten- den Wahrspruch an. Vor etwa zwei Wochen kam es bekannt- lich zwischen einem gewissen Frisch und sei- ! ner Tochter und deren Gatten, Theo. Eckart, ! in des letzteren Wohnung zu einer Schießerei, ! bei der ersterer den Kürzeren zog und infolge dessen gegenwärtig in bedenklichem Zustande im County-Hospital darnieder liegt. Eckart ! und seine Gattin wurden heute vor Richter ! Severson geführt und von diesem bis zum i 22. d. Mts. da das Verhör stattfinden soll, ! unter PSOO Bürgschaft gestellt, man glaubt, ' daß Frisch bis dahin soweit genesen wird, daß er vor Gericht erscheinen kann. Hcrman Mamerow wurde heute Morgen von Richter Kersten aus den An- trag seiner Frau Annie Mamerow unter Strafe von H25 nach dem Wasbingtonian Home geschickt, um dort vom Delirium geheilt zu werden. Das Ehepaar wohnt No. 130 Bissel-Str. Viehmarkt. Schweine fest. Schwere brachten 4.250 4.65, leichte durcheinander 4.05G4.50. Zufuhr 34,000 Schweine, 16,000 Stück Rindvieh, 13,000, Schafe.

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