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Abendblatt Newspaper Archives Dec 11 1894, Page 1

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Abendblatt (Newspaper) - December 11, 1894, Chicago, IllinoisHeransgegeben von der Illinois Staats-Aeitungs-Co. Chicago, Dienstag, 11. Dezember 1894. Preis 1 Cent. 47. Jahrgang. No. 293. Ulevevvlick Hlnd Kurzgefaßtes. Der Wettergott hat dem Wetter-propheten den Gefallen nicht gethan undmit der „Aufklärung" heute 'reinfallen Regen gtcbt's und allenfalls Schnee, aber keinen Sonnenschein undrauhe, unangenehme Luft. Morgen viel- leicht giebt's helleres Wetter und kaltenNordwestwind. Graf Murawiew soll Graf Schuwa-lows' Stelle in Berlin einnehmen. . lm Telegraph findet der Leser einen Interessanten Brief aus Konstantinopel, derin die armenischen Zustände einen tiefenEinblick gewährt. Der New Uorker Fondsmarkt setzte fest an und die Kurse wurden durch Stei-gen der amerikanischen Papiere auf der Londoner Börse gehoben. Die Stamm- aktien der Eriebahn gingen um Z pCt. und die der St. Paulbahn um denselbenBetrag in die Höhe. Die Aktien des Chicagoer Gaslrusts besserten sich um - pEt., Zuckertrust-Aktten nach einem Rück- gänge von Z pCt. um und Wheeling- und Lake Erie-Aktien um H Pkt. Die Aktien des Schnapstrnsts sind um § pCt. zurück- gegangen. Die südcarolinische Staatsgesetzge-bung hat beute Tillman mit 131 gegen 24 Stimmen zum Bnndessenator gewählt. ln Peking ist die feindselige Stim- mung gegen die Fremden im Steigen be- griffen. So wird von dort unter heutigem Datum gemeldet und in einem Briefe aus China, der im Londoner „Globe" abgedruckt wird, wird für den Fall einer Belagerung der Hauptstadt durch die Japaner ein all- gemeines Blutbad unter den Ausländern in Aussicht gestellt. Nachdem der Eountyrath in seiner ge- strigen Sitzungßeschlüsse angenommen hat, welche eine Ilnlersuchng einer gewissen Branche der Amtsführung des Staatsan- walts zur Folge haben werden, kann der Slaatsanwalt sich die Mühe sparen, den Staatsanwalt um Auskunft zu bitten. Ein musikalisch gebildeter Einbrecherstattete am Sonntag der Wohnung des Herrn Oscar Keminer, 4552 Oakenwald Ave., während die Familie abwesend war, einen Besuch ab und erbeutete Silber- sachen und Juwelen zum bedeutenden Werth. Ein Nachbar hörte, daß ans dem Piano Weber's Jubel-Ouvertüre gespielt wurde, dachte aber nicht, daß die Finger eines Diebes die Tasten bearbeiteten, der wahrscheinlich seiner Freude über den ge- lungenen Einbruch Ausdruck geben wollte. Hülts-Staatsanwalt Bottum pro- testirte gestern in einem Schreiben an den Eountyrath dagegen, daß eine Zeitung wie die „Dispatch", welche täglich eine Menge obscöner Anzeigen veröffentlicht, zum offi- ziellen Organ des Countys gemacht werde. Herr Bottum ist der einzige Beamte, wel- cher den Mnth hatte, betreffs, jener Zeitung die Wahrheit zu sagen. Das „moralische" Comite der „Civic Federation", welches seine Nasen überall hineinsteckt, hat bis jetzt diese Fäulniß nicht entdecken wollen. Die deutsche Neichsregierung ist auf dem besten Wege, sich in der sozialistischen Hintervicrtels-Angclcgenheit zn blamiren. Jetzt möchte gar der Staatsanwalt den Betreffenden noch an den Kragen. Japan will China aus einem ganz neuen Wege etwas Civilisation beibringen. Alle chinesischen Beamten, die Getdöeloh- nungen auf japanische Köpfe ausgesetzt haben, sollen ihm ansgeliefert werden, da- mit es dieselben köpfen lassen könne. „Kopf für Kopf." Telegraf)!use!ir Depeschen. Bahnraub. Diesmal werden nur die Passagiere aus- geraubt. Wichita, Kan., 11. Dez. Gestern Abend, wenige Minuten vor Mitternacht, wurde der nördlich gehende Zug der Rock Island-Bahn eine Meile südlich von der Red River-Brücke, in der Näbe der Grenze des Jndiancrgebictes, von Bahnränbern überfallen. Zwei maskirle Männer bestiegen den Zug und zwangen den Lokomotivführer und den Heizer, ihnen i>ei dem Einbruch in den Expreßwagen zn -elfen. Sie erbeuteten jedoch in demselben kein Geld, nahmen aber den Passagieren ihre sämmtlichen Werthsachcn ab. Bettung von Schiffbrüchigen. Die ganze Bemannung des bei dem Lliff bsouse gescheiterten Schooners gerettet. San Francisco, 11. Dez. Die Leute, welche sich fast drei Stunden lang an der Takelage des Schooners W. L. Beebe angcklammcrt hatten, welcher heute bei dem Kliff House gestrandet war, sind schließlich vermittelst eines Korbes und eines starken Seiles von der Bemannung der Lebcnsrettnngsftation gerettet worden. Capl. Saynor war der letzte, welcher an Land gebracht wurde. Als die Schiff- brüchigen ans dem Korbe gehoben wurden, brach jeder einzelne derselben am Strande vor Erschöpfung zusammen. Der Schoo- ner Beebe war ein dreimastiger Schoouer, und im Jabre 1885 in Seattle gebaut wor- den. Der Verlust des Schooners und der Ladung wird auf H20,000 abgeschützt. Erstickt. xVahrscheinlich Opfer der eigenen Unvor- sichtigkeit. San Francisco, 11. Dez. Heute Morgen wurden Charles Johnson und Gustav Wennerberg, die Eigenthümer eines Cigarrenladens an der 4. Straße, in ihrem Kosthanse an der Stevenson Str. durch Leuchtgas erstickt. Beide waren in athletischen Kreisen, in denen sie als Mit- glieder eines schwedischen Vereins häufig Utilwirklen, bekannte Persönlichkeiten. Die armenischen Greuel. Die türkische Nlißwirthschaft in Armenien. Der dortige Gouverneur der unum- schränkteste Despot. Beschwerden über denselbengelangen niemals nach Lonstantinopel. Line Einmischung der Mächte dringend ge- boten. London, 11. Dez. Die „Daily News" veröffentlicht heute Morgen einen langen Brief ans Constan- tinopel, welcher eine Schilderung der ar- menischen Greuel enthält. Der Verfasser giebt ohne Weiteres zu, obgleich er sagt, daß die amtliche Ableugnung ebenso dumm und widersprechend ist, als eS die nach den bulgarischen Schandthaten gemachte war, daß die armenischen Greuel, was die Zahl der Getödteten, und der eingeäscherten Dörfer betrifft, mit den bulgarischen Schandthaten nicht verglichen werden kön- nen. Dieselben sind jedoch schlimm genug, obgleich man zur besseren Bcnrtheilnng erst die Eonsnlarbcrichte darüber abwarten muß. Der Grund, daß die Greuel so lange verheimlicht wurden, ist in dem Umstande zu suchen, daß sich alle Postämter in tür- kischen Händen befinden, und daß Briefe nach Belieben geöffnet wurden. Die Zei- tungen in Constantinopel dürfen nicht einmal das Wort Armenien in ihren Spalten erscheinen lassen. Die Schwie- rigkeit, etwas für die Armenier zu lhuu, war Schuld daran, daß es keine Macht außer England versuchte, sich einzumischen, und in Constantinopel wird allgemein darüber gesprochen, daß Rußland nicht einmal in der Angelegenheit etwas gethan hat. Armenien liegt zu entfernt, um or- dentlich regiert werden zn können. Die in Constantinopel ernannten Gouverneure fürchten nichts weiter, als daß sie dieLeute, denen sie ihre Ernennung verdanken, ver- letzen könnten. Deshalb gelangen die Beschwerden von Armeniern niemals nach Constantinopel. Die Thatsache, daß dcrSnltan Amerika und England ersucht hat, Abgeordnete zur Untersuchung der Greuel abzusenden, be- weist, daß er der Wahrheit aus den Grund zu kommen wünscht. Die Kurden sind so wild wie die Indianer, glauben, daß die Regierung die Schandthaten billigt, und wenn sie nicht ebenso behandelt werden, wie die amerikanische oder canadische Re- gierung unter gleichen Umständen die In- dianer vehandeln würde, so sind sie nicht vom Gegentheil zu überzeugen. Es ist einfach unmöglich, daß sie von den Mini- stern unterstützt werden, weil diese begrei- fen müssen, daß die Kurden der Regierung und dem Ansehen des Sultans unberechen- baren Schaden zufngen. Glücklicher Weise verhinderte Sir Philipp Currie, der briti- sche Gesandte, vor zwei oder drei Jahren die Absendnng von kurdischen Regimen- tern nach Sassoun, sonst wären noch schlimmereGrcuelthalen vorgekommcn. Die Armenier brauchen nur auf ihre Slammes- genofsen zn blicken, welche in Europa oder Amerika friedlich leben, um durch die tür- kische Mißwirthschaft zur Verzweiflung ge- trieben zn werden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß ein revolutionärer Geist vor- herrscht; viele Armenier haben geheime Gesellschaften gegründet, in der Hoffnung, dadurch ihre Lage zu verbessern, und einige mögen auch bereit sein, Gewaltmaßregeln zu ergreifen. Der Briefschreiber sagt, daß er mit glaubwürdigen Europäern und Amerika- nern gesprochen habe, welche derartige Fälle gekannt haben. Der gewöhnliche Armenier aber giebt sich mit solchen Leuten nicht ab, weil er deren Verfahren für thö- richt hält. Ein unfähiger türkischer Be- amter thnt viel mehr zur Verbreitung von Unruhen, als die Gesellschaften in Amerika, Griechenland oder sonstwo; er schecrt alle Armenier über einen Kamm, und macht dann auf die ganze Bevölkerung einen Angriff, der eben so dumm ist, wie jenerans das amerikanische College in Marsovan war. Uebcr ein Mittel dagegen, erklärt der Briefschreiber, daß Selbstherrschaft wegen der Verschiedenheit der Kasten und der Religionen außer aller Frage ist, denn kaum ein Drittel der Bevölkerung gehört dem christlichen Glauben an. Rußland hat eine Einmischung vermieden, weil durch die fortwährenden Unruhen möglicher Weise eine Anglicdernng angebahnt wird. Das neue gute Einvernehmen zwischen Großbritannien und Rußland hat den ge- setzliebenden Armeniern neue Hoffnung eingeflößt, und wenn jene beiden Mächte ans Reformen bestehen, so ist Aussicht ans Erfolg vorhanden, weil sie im Fall der Noth dieselben erzwingen können. In einem Leitartikel darüber sagt die „Daily News", daß, wenn nicht alle Mächte in Uebereinstimmung handeln können, zwei derselben genügen müssen. Diese mögen den Ruhm davoittragcn, daß sie durch Abstellung der Beschwerden, welche den Frieden der Welt bedrohen, viel mehr als den Frieden von Armenien erreichen. Viel Unglück auf einmal. Lin alter Farmer verliert innerhalb wenigen Stunden seine Frau, sein Geld und seinen Sohn. Mexico, Mo., 11. Dez. In letzter Woche noch wohnte James H. Moore auf einer Farm in der Nähe von Rolla. Am letzten Samstag verkaufte er die Farm, und machte sich mit seiner Frau und seinem Solm ans den Weg nach Chilli- cothe. Der Sohn James, der das Geld in Verwahrung genommen hatte, verschwand eben zwischen St. James und Rolla, und als das alle Ehepaar hier angelangt war, wurde Frau Moore von einem Schlag- aiifalt befallen und war binnen zwei Stun- den eine Leiche, so daß der alte Mann mit der Leiche, und fast mittellos die Reise nach Chillicothe fortsetzen mußte. Des Mordversuchs beschuldigt. Beide Betheiligten in Gesellschafts- kreisen bekannte Persön- lichkeiten. Die Klägerin die Tochter eines verstorbenen Brauers. St. Louis, 11.Dez. Der Prozeß gegen Edward George Courtenay, welcher unter der Anklage steht, auf Frl. Minute Schilling, Tochter des verstorbenen Brauers Schilling, einen Mordversuch gemacht zu haben, wird heule im Erimiualgericht seinen Anfang nehmen. Der Angeklagte hatte sich gestern für nicht schuldig erklärt. Der Angriff fand am 20. März 1894 statt, und verursachte in den Gesellschaftskreisen in Eompton Hill, in welchen das 19jährige Frl. Minuie eine hervorragende Stellung einnahm, eine be- deutende Aufregung. Minuie Schilling kannte Courtenay seit längerer Zeit, und derselbe hatte sich entweder in ihr Geld oder, tu ihre hübsche Person verliebt. Er war aber verheirathet und Streitigkeiten mit seiner Frau waren die natürlicheFolge. Um wetteren Unannehmlichkeiten aus dem Wege zu gehen, zog Frl. Schilling zum Herrn Lawig, einemFreunde von ihr. An dem Tage, an welchem der Angriff stan- fand, besuchte Courtenay die Frau Lawig, und es gelang ihm Minuie zu sehen. Sobald sie ihr Erscheinen gemacht hatte, zog er einen Revolver hervor und feuerte drei Schüsse auf sie ab, von denen jedoch nur einer trat. Die dadurch verursachte Wunde war nicht gefährlich, aber Frl. Schilling brach ohn- mächtig zusammen, und Courtenay, iu dem Glauben, daß er sie erschossen habe, wandte die Waffe gegen sich selbst. Er brachte sich eine schwere Wunde bei, wurde aber nach mehrwöchentlichem Aufenthalt im Hospital Wieder hergestellt. Seit seiner Ucberführung nach dem Ge- fänguiß glaubt man, daß Courtenay sich irrsinnig stellt. Er hat für seine That ver- schiedene Erklärungen abgegeben, welche sämmttich unbegründet zu sein scheinen. Cqurleney hat sich mit seiner Frau wieder ausgesöhut, und sie befand sich gestern im Gerichtszimmer, als der Fall aufgerufeil wurde. Auch Frl. Schilling war anwesend und erregte in hohem Maße die Aufmerk- samkeit des Publikums. Nlörderische Strolche qelyncht. Drei Mitglieder einer gefährlichen Mordbande beseitigt. St. Louis, Mo., 11. Dez. Aus Birmingham, Ala., wird berichtet, daß die Mitglieder der Meacham'schen Bande in Clarke County vermittelst des Strickes und' mit Hülse eines starken Baumastcs in die Ewigkeit befördert wor- den sind. Die betreffende Bande halte seit vielen Jahren Mondscheinbrennereien be- trieben, falsches Geld gemacht, und Raub und Mord begangen. Jedermann, der es versuchte, sie zu verrathen, war der Tod sicher; im August 1893 wurde James Mc- Eorgncdale, ein angesehener Bürger er- mordet, worauf die Baude von den Bür- gern aus dem County getrieben wurde, wo- bei nicht weniger als zehn Manu von der Bande erschossen wurden. Vor Kurzem kehrten die Strolche in ihre alten Schlupf- winkel zurück, um blutige Rache zu neh- men. Der Farmer Murphray Pink wurde erschossen, und klagte vor seinem Tode George Brunsen, Chas. Smith und Lee Brown des Mordes an. Sie wurden ver- haftet, aber nach dem Vorverhör aus der Haft entlassen. Später fand man jedoch weitere Beweise für ihre Schuld, und es stellte sich auch heraus, daß sic Mitglieder der Meacham'schen Bande waren. Darauf aber nahm sich sofort der Richter Lynch der Sache an, und das Ende war, daß alle Drei kurzer Hand an einem Baumast ausgchängt wurden, bis sie todt waren. Lourdes in Eanada. Dankbarkeit einer in der Mundergrotte von Lourdes in Frankreich, geheilten jungen Dame. Long Point, Quebec. 11. Dez. Auf Unkosten des Fräuleins Emilie Boucher, welche in diesem Sommer in Lourdes in Frankreich von einem schweren Leiden geheilt wurde, ist hier eine getreue Nachahmung der Grolle von Lourdes in Frankreich erbaut und eröffnet worden. Freche Banditen. French mit seinerBande ans einemRaubzuge. Eufaula, I. T., 11.Dez. Die soeben von Richard Ransom gemachte Mittheilung, daß sich French mit seinen Banditen aus dem Marsche nach hier be- findet, hat den ganzen Ort in eine fieber- hafte Aufregung versetzt. Ransom wurde von den Banditen, welche sämmttich schwer bewaffnet waren, spät am Abend angcha!- teu; dieselben sagten, daß sie wahrscheinlichvor Schluß der Geschäftsstnnden dem Orte einen Besuch abstatteu würden. Die Folge dieser Mittheilung war, daß mehrere Laden- geschäfte sofort geschlossen wurden. Schwerer Verlust. Lin Farmer um mehr als siebentausend Dol- lars beraubt. Bowling Green, 0., 11. Dez. Gestern Morgen, kurz nach Mitternacht wurde der einige Meilen außerhalb des Ortes wohnende Farmer Jsaac Stein auf der Landstraße von Straßenrändern ange- fallen, und um H7125 beraubt. Stein hatte sich bis Mitternacht in der Stadt ausge- halten, und wahrscheinlich hatte er in irgend einer Weise merken lassen, daß er viel Geld bei sich habe. Die Polizei in Toledo ist von dem Raube benachrichtigt worden, da man glaubt, daß sich die Wegelagerer nach jener Richtung hin begeben haben. Der „König der Schwindler". Derselbe tritt unter scharfer Be- wachung die Rückreise nach Boston um, lvo ihm einige Jahre Zuchthaus sicher sind. San Francisco, 11.Dez. Der Chef der Bostoner Geheimpolizei Walls und der Polizenuspektor Andrew Houglston aus Boston, welche vor einer Woche hier cingetroffen waren, haben John F. Dore, bekannt unter dem Namen „König der Schwindler", mit sich nach Boston zurückgeusmmen. Während der letzten fünf Jahre hatte Dore in Seattle als Advokat prakticrt, wird jedoch wegen Fälschungen und Betrügereien, die vor dem Jahre 1889 begangen wurden, drin- gend in Boston gewünscht. Im Februarjenes Jahres stellte er einen gefälschten Bürgschaftsschein im Betrage von P2OOO aus, wurde gegen Bürgschaft seines Schwa- gers James Maloney aus der Haft ent- lassen, und machte sich sofort unsichtbar. Darauf kamen feine früheren Missethalen zu Tage. Er hatte Anweisungen auf Sparbanken gefälscht, in welchen arme Leute ihre Ersparnisse hatten, und des- wegen wurden acht Anklagen gegen ihn er- hoben. Im Jahre 1888 ließ sich Dore in Miles City, Dakota, nieder, und erwarb sich durch sein geschmeidiges Auftreten das Vertrauen der Gemeinde, welches erst er- schüttert wurde, als er die Schwestern einer religiösen Anstalt um H9OOO beschwindelt hatte. In Seattle wurden ihm von Geist- lichen und Frauen Gelder anvertraut, welche sic niemals wiedersahen. Die Schil- derung seiner Verbrechen würde einen ganzen Baud füllen; er erwies sich bei derEintreibung von Geldern als unübertreff- lich, aber das Abliefern derselben war sein schwacher Punkt. Er soll auch von dem berüchtigten Hammond aus London benutzt worden sein, um die von Mitgliedern der Aristokratie fälligen Gelder einzutreiben, deren Straflosigkeit davon abhing, daß Hammond außerhalb Englands blieb; die für ihn eiugetriebeueu Gelder behielt er, wie es heißt, und da die Sache sehr an- rüchig war, vermochte Hammond auch nichts gegen ihn zu lhuu. Ankunft von Truppen. Siebenhundert Franzosen in Tarna- tave gelandet. Gin zweites Ultimatum des französischen Bevollmächtigten. Tamatave, Madagascar, 11.Dez. Der Dampfer Peiho, mit einer 700 Manu starken Truppeuabtheilnug ist von Reunion liier cuigekommen. Einem Ge- rüchte nach hat Myrc de Viler, der franzö- sische Spezialbevollmächligle ein zweites Ultimatum au die malagafsische Regierung gesandt. In Antananarivo, der Haupt- stadt der Insel, herrscht Ruhe. «s» Nette Burschen. Sie machen nach dem Gottesdienste auf zwei junge Mädchen einen verbrecherischen Angriff. DesMoines, Ja., 11. Dez. Wegen eines verbrecherischen Angriffs auf zwei junge Mädchen befinden sich drei junge Leute aus Polk City, im nördlichen Thcile des Countys, iu Halt; die beiden Mädchen wohnen iu dem Orte Snider. Vorläufig lautet die gegen die jungen Leute erbobene Anklage auf einfachen Angriff, aber die Freunde der jungen Mädchen sagen, daß eine viel schlimmere Klage erhoben werden wird. Die Namen der Verhafteten sind Frank Neuder jr., Arthur McLain und William Spencer; sie sind sämmttichSöhne anständiger Ellern und McLain ist der Sokm des Obmanns der jetzigen Groß- geschworenen. Der Angriff fand eines Sonntags nach Schluß des Gottesdienstes statt. Drei Gefangene ausgebrochen. Einer derselben wieder eingefaugen. Jeffersonville, Jnd., 11. Dez. Gestern sind William Barlscll, Robert McHenry und Thomas Broice, alle drei verzweifelte Verbrecher, aus dem Conrtty- gesänguiß ausgebrocheu. Bartseü wurde vom Sheriff Proll in Charlcstou euigeholt, konnte aber erst nach heftigem Kampfe über- wältigt werden. Neue Botschafter. Graf Murawiew zum russischen Botschafter in Deutschland ernannt. London, 11. Dez. Von Berlin wird dem „Standard" ge- meldet, das Graf Murawiew, der russische Gesandte in Dänemark, zum Nachfolger des Grafen Schuwalow, als russischer Bot- schafter in Deutschland ernannt worden ist. Ein böser Wirbelwind. Gebäude zerstört, und ein Mann wahrschein- lich tödtlich tödtlich verletzt. Westville, Fla., 11. Dez. Am Sonntage, zu früher Morgenstunde, wurde die Gegend, fünf Meilen nördlich von hier, von einem Wirbelsturm heimge- sucht. Derselbe traf die Farm von I. N. Skinucr, dem iu Halmes County gewähl- ten Abgeordneten, und zerstörte sämmt- liche Gebäude auf dem Platze. Jedes Mitglied der Skiuner'schen Familie trug Verletzungen davon, und Skiuner selbst wurde derartig beschädigt, daß an seiner Herstellung gezweifelt wird. Die sihentzeliliebenen Sozialisten. Der Staatsanwalt möchte sie gern maßregeln. was die Berliner Presse dazu sagt. Berlin, 11. Dez. Die Thatsache daß der Kanzler Hohen- lohe, dem Präsidenten des Reichstages, dem Hrn. v. Levetzow, ein Ersuchen des Staats- anwaltes zugcstellt hat, damit der Reichstag einer K riminalklage gegen die sozialistischen Abgeordneten, welche am letztenDonnerstage bei den von Levetzow ausgebrachlen Hoch- rufen, sitzen blieben, seine Zustimmung gebe, hat in der Presse einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen. Die „Nationalzeitung" sagt darüber: „Wenn der Reichtstag dazu seine Zustim- mung giebt, so würde ein weiteres Vor- gehen von der Entscheidung des Gerichts- hofes über die zweifelhafte Frage abhängen, worin ein Majestätsverbrcchen besteht." Der „Börsen Courier" bemerkt: „Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Reichs- tag das Gesuch abweisen wird. Wenn die Negierung die Auslösung des Reichstages beabsichtigt, so möge dies geschehen, ehe es zu unangenehmen Debatten kommt." Die „Vossische Zeitung" ist der Ansicht, daß der schaden, welcher aus der Verfol- gung der Sozialisten entstehen könnte, den Bortheil weit überragen würde. Das „Tageblatt" sagt: „Die Sozialisten brauchen nothwendig eine Waffe, um die Massen aufzureizen, und die Regierung ist auf dem besten Wege, ihnen dieselbe zu liefern." Die „Kreuzzeilung" spricht die Ansicht dus, daß, wenn der Reichstag sich weigert, dem Verlangen des Staatsanwaltes nach- zukommen, nach Beendigung der Sitzung eine Klage eingeteitet werden rönne, da das Vergehen nicht durch parlamentarische Vor- rechte entschuldigt werde. Der „Vorwärts", oas Organ der So- zialisten, sagt: „Artikel 27 der Ver- fassung giebt dem Reichstage allein das Recht zur Wahrung seiner Disciplin. Der Staatsauwalt hat nicht das Recht, sich iu Sachen cmzumtschen, welche innerhalb des Hanfes Vorgehen." Unbegründete Beschuldigungen. Der Ackerbauminister rechtfertigt sich durch Zahlen dagegen. Washin gto n, 11.Dez. Heute wurde die Aufmerksamkeit des Ackerbaumiuisters auf die Behauptung mehrerer Zeitungen gelenkt, daß das Vor- gehen der deutschen Regierung gegen ame- rikanisches Vieh und Fleisch durch die man- gelhafte Untersuchung desselben veranlaßt worden sei, und daß diese wiederum der Verminderung der Zahl der Inspektoren zugeschriebeu werde. „Eine genügende Antwort," erwiderte Sekretär Morton, „auf derartige Beschuldigungen habe ich be- reits iu meinem Berichte gegeben. Aus demselben ist ersichtlich, daß während des mit dem 30. Juni 1894 abgeschlossenen Rechnungsjahres 15 Millionen Pfund Schweinefleisch mehr mikroskopisch unter- sucht wurden, als im Jahre 1893. Wäh- rend derselben Zeit wurden mehr als 12 Millionen Stück Vieh und andere Haus- thiere untersucht, während die Zahl im Vorjahre fünf Millionen weniger betrug. Die Ausfuhr von Schwciueprodukten, ge- schlachtetem Fleisch und lebendigem Vieh im Jahre 1894 überstieg die irgend eines früheren Jahres." Berechtigte Forderung. Die Gewährung derselben wird jedoch mehre- ren hohen chinesischen Beamten den Kopf kosten. Shanghai, 11. Dez. Ehe irgend welche Friedensvorschläge von China in Erwägung gezogen werden, wird Japan darauf bestehen, daß ihm alle jene chinesischen Beamten zur Hinrichtung aus- geliefert werden, welche Geldbelohnungen auf japanische Köpfe ausgesetz: haben. Städtisches. Das Wetter. Optiker Kleine, 76 Washington Str., berichtet für Chicago die folgenden Baro- meter- und Thermomcterstände: Um 8 Uhr Morg. 44 Gr., um 9 Uhr 46 Gr., um 10 Uhr 46 Gr., um 11 Übr 46 Gr., um 12 Mir 48 Gr. Barometerstand um S Uhr Morg. 29.05, 12 Uhr 29.05 Seeley gesteht. Heute kurz vor Mittag legte der unter dem Namen „Dale" verhaftete Mann, über den wir anderer Stelle ausführlich berich- ten, dem Inspektor Shea ein Geständnis; ab, in welchem er zugab, Samuel C. See- ley zu sein, welcher die National Hide L Leather Bank in New Aork um eine unge- heure Summe beschwindelte. Die Bundes- behörden werden jetzt den Fall in die Hand nehmen. Der Gefangene, gegen den die Bundesgrandjury in New Port bereits eine Anklage erhoben hat, wird einem Ge- hilfen des Bundesmarschalls von jenem Distrikt überantwortet werden, sobald der- selbe ankommt. Seeley behauptet, daß von den H350.000, welche der Bank gestohlen wurden, er nur HII.OOO erhielt. Zwischen MbFarland, dem Eisenbahndetektiv, und den beiden Geheimpolizisten, welche ihm bei der Verhaftung Seeley's behilflich waren, wird wahrscheinlich ein Kampf um die HSOOO ausbrechen, welche als Belohnung für Seeley's Gefangennahme ausgesetzt wurden. Die November Zahllisten für die städ- tischen Angestellten, mit Ausnahme der des Wasseramts und des Schuldepartements, die besondere Fonds zu ihrer Verfügung haben, werden sich nach den vorläufigen An- gaben des Comptrollers Jones nur aus etwa 8480,000, gegen nahezu HBOO.OOO im Monat Oktober stellen. Schreitet langsam vorwärts. John Peters unermüdlich thätig, die Mörder seines Bruders Louis zu entdecken und zur Rechenschaft zu ziehen. Das Dunkel, das den Tod von Louis Peters, der am 4. März dieses Jahres in dem Kosthause von John Goetz, No. 141 Nord Curtis Str., erschossen wurde, hat sich bisher trotz aller Bemühungen seitens der Polizei und des Bruders des Todlen, John Peters aus Nashville, Tenn., wenig gelichtet. Die Verhaftung von Goetz und Meyers ist bisher der einzige entscheidende Schritt gewesen, den man in der Ange- legenheit gemacht. Ersterer befindet sich gegen HSOOO Bürgschaft auf freiem Fuße, wogegen Meyers bis zu seinem Verhör, das gestern von dem Richter Bradwell auf zehn Tage verschoben wurde, in Hast zu bleiben hat. Goetz soll bereits Aussagen gemacht haben, doch von welchem Belange und wel- chen Eharacters dieselben sind, hat nicht feftgestcllt werden können, da die Polizei sich, allerdings begreiflicher Weise, sehr zu- geknöpft verhält. Durch John -Peters, den Bruder des Verstorbenen, der unermüdlich thätig ist, um die Mörder seines Bruders zu ent- decken und zur Rechenschaft zu ziehen, ha- ben wir in Erfahrung gebracht, daß Goetz es war, der nach seiner Verhaftung den Aufenthaltsort von Sebastian Meyers vcr- rieth, nach dem sowohl Peters, als auch zwei Deteetivs vergeblich gesucht hatten. Daraus scheint hervorzugehen, daß Goetz dem Meyers nicht allzufreundlich gesinnt ist und cs läßt sich daher auch auuchiueii, daß er sich bereit finden lassen wird, weite- res Licht in die Sache zu bringen, voraus- gesetzt, daß er nicht sich selbst dadurch incri- minirt. Was nun die Behauptung von Frau Goetz anbetriffl, daß weder sie, noch Louis Peters gewußt hätten, daß John Peters überhaupt in Amerika sei und daß aus diesem Grunde der Todte seine Lebcnsver-! sicherungs- Police auf sie überschnellenhabe, so wird von John Peters dies als Unwahrheit bezeichnet. Er erklärt, daß nicht nur sein Bruder sondern auch Frau Goetz von feiner Anwesenheit in Amerika/ sehr wohl unterrichtet gewesen sein. Letztere habe sogar mit Verwanoten in seinem Ge- burtsort, Wahlscheit in Lothringen, in Korrespondenz gestanden, da Louis, dem zwei Finger der rechten Hand gefehlt haben, nicht habe schreiben können. Ob jedoch Frau Goetz den registrirten Brief mit HSO Einlage, der erst nach dem Tode von Louis hier eingetrofseu sei, in Empfang geuom-! men und den Empfangsschein unterzeichnet habe, könne er nicht wissen. Es werde sich das erst durch den betreffenden Träger, der den Brief abgcliefcrt habe, feststcllcu taffen. Inspektor Stuart sei von ihm ersucht wor-! den, diese Recherchen anzustellen und habe sich dazu bereit erklärt. Lebensgefährliche Arbeit. Drei Arbeiter bei der Reparatur einer Gas- röhre beinahe erstickt. Ein zwölf Fuß tiefes Loch inmitten der Harrisonstraße nabe der Fifth Ave. wäre gestern Nachmittag beinahe in ein Grab für drei Arbeiter verwandelt worden. Au jener Stelle mußte eine Gasrohre reparirl werden und Halle man zn dem Zwecke das tiefe Loch gegraben. Als die Röhren zum Vorschein kamen, entstieg denselben cm so durchdrin- gender Gasgeruch. daß zwei Arbeiter, welche sich unten in der Aushöhlung befanden, von ihren Kameraden halb betäubt hcrans- gezoacn werden mußten. Pat Moore ans No. 98 Millerstr., der schon über zwanzig Jahre für dieselbe Gesellschaft gearbeitet hat und sein Handwerk daher besser ver- stand, als die andern Arbeiter, stieg daraus iu das Loch hinab, um die fehlerhafte Gas- rohre zu repariren. Er hatte jedoch kaum einige Augenblicke daran gearbeitet, als auch er, von dem ausströmcuden Gas voll- ständig bctäuht, zu Boden sank und nur mit Nolh uud Mübe von sein m Kameraden aus dem gefährlichen Schach: hcrausgebobeu werden konnte. Patrick I. H. Eouley, der Superintendent der Gesellschaft, welcher die Arbeiter beaufsichtigte, ließ den besinnungs- losen Mann aus die Straße legen und kümmerte sich nicht nur gar nicht mehr umihn, sondern setzte sich in sein Buggy und fuhr zu Tische. Unzweifelhaft wäre -s dem armen Moore sehr schlecht gegangen, wenn nicht zufällig zwei Geheimpolizisten vorüber- gekommen wären, welche ihn nach Hause fahren ließen. Außerdem meldeten sie den Vorfall auf der Station und wird wahr- scheinlich eine Untersuchung des Vorfalls etugeleilet werden. Reform im Eomptrollers-Amt. Der städtische Bücherrevisor Harper wird fortan als sachverständiger Berather des Comptrollers Jones fungiren und zunächst dem letzteren behülflich sein, ein modernes übersichtliches System der Buchführung in seinem Bureau einzufllhren. Gleichzeitig wird aber Herr Harper nach wie vor seine Untersuchungen betreffs der Geschäftsme- thodcn in den übrigen städtischen Departe-ments fortsetzen. Wie verlautet, soll auch in dem bisher be- folgten System der Auszahlung der Gehäl-ter der städtischen Angestellten eine Aende- rung eintreten. Das Wahrscheinliche ist, das ein besonderes Zahlmeister-Departe- ment eingerichtet werden wird. Eine „fashionable" Gesellschaft im Gericht. Nahezu die sämmtlichen Gäste und An- gestellte des Everetts-Hotels waren heuteals Zeugen in einem Prozesse vorgeladen, den „Col." S. B. La Mont, ein etwas ex- centrischer Herr (der bereits kurze Zeit inden Staats - Irrenanstalten von Kankakeund Elgin domicilirt hatte), gegen Harry Diebler, einen Angestellten der Illinois Centralbahn, in Richter Glennon's Abthei- lung des 35. Str.-Polizeigerichts wegen un- ordentlichen Betragens angestrengt hatte. Die genannten Herren waren beim Frühstück wegen einer Kleinigkeit in's Wortgefecht ge- rathen. Dies wurde bald so lebhaft, daß Diebler dem „Körnel" zurief, er solle wieder nach Kankakee zurück, wohin er von Rechts wegen gehöre. Daraufhin ließ der er- grimmte „Körnel" seinen Gegner einsperren. Ein Einbrecher Glitten im Prozeß ohne Bürgschas aus dem Eriininalgericht ent- lassen, Um seine Komplicen aufzusuchen. Am Nachmittag des 10. Mai brachen fünf halbwüchsige Burschen, darunter die berüchtigten Brüder James und Chas. Moison alias Maisou und Eugene Duffn von No. 36 Gurlcysr., in das Erdgeschoß des Matt. Mamer'schen Hauses, No. 28s Jeffersonstr., ein, schnitten dort jämmtliche Gas-und Wasserröhren ab und luden sie auf bereilgehaliene Handwagen auf. Doch bevor sie alle Röhren fortschaffen konnten, erschien Manier auf der Bildfläche, ver- sicherte sich Duffy's (des kleinsten der Röhrendiebe) und gewann ein so gutes Bild von Charles Maison's Gesicht, daß er ihn aut der Stelle identifiziren konnte. Duffy und Eharles Maison wurden ver- haftet und unter der Anklage des Einbruchs dem Richter Eberhardt vorgefübrt. Auf Antrag der beiden Angeklagten wurde der Fall auf 10 Tage verschoben. Während dieser Zeit verschwand Maison. Duffy wurde, da er bei der Thal abgefaßt worden war, unter HSOO Bürgschaft dem Eriminal- gericht überwiesen. Die Großgeschworcncn erhoben eine Anklage gegen Duffy. Bor etwa einem Monat wurde er vor Richter Dünne prozessier und auf sein Versprechen hin, feine Eomplizen auffinden zu helfen und sich jederzeit, wenn es verlangt wird, zu stellen, ohne jede Bürgschaft entlassen. Kaum war er frei, als ihn seine Ange- hörigen zu verbergen suchten. Denn unter den Eomplicen soll sich auch Duffy's Bru- der befunden haben. Doch die DctcctivcsHarding und Shaugueffy ließen in ihren Versuchen, Eugene Duffy's Aufenthalt zu ermitteln, nicht nach, und ihre Arbeiten wurden endlich von Erfolg gekrönt. Sie faßten ihn ab, als er sich für eine neue Dieberei vorbereitete. In die Enge ge- trieben und mit neuer Verhaftung bedroht, gab er endlich an, daß Chas. und Joseph Maison mit von der Partie waren, ferner ein Vierter Namens Jakob Dcen, irgendwo an Hope-Str. wohnend, und der Fünfte, dessen Namen er nicht kannte, der aber an Halsied-Str. wohnen soll. Die Dclcelives brachten nun Jos. Mai- son in Haft und lockten durch Bogusbricfc den sich in Philadelphia aufhallendcn Eharles hierher zurück. Dieser siel auf den Zauber hinein und kam am Samstag hier- her. Sofort wurde auch er in der Max- wellstr.-Station sicher untcrgebrachl. Heute standen die zwei sauberen Brüder vor Rich- ter Eberhard! und wurden mit dem Haus- besitzer Mamcr und ihrem Komplicen Duffy confronlirt. Mamer idculificirle Eöas. Maison sofort als den zweiten von ihm abgesaßlcn Einbrecher, betreffs des an- deren Maifon war er sich aber nicht ganz sicher. Der kleine Duffy beschuldigte nun die Beiden der Anstiftung und Ausführung des Diebstahls, gab nochmals Deen und einen Unbekannten als seine Helfer an und will selbst nur eine untergeordnete Rolle bei dem Einbruch gespielt haben. Dagegen be- hauptet Jos. Maison, der sich erst heraus- zureden versuchte, daß Duffy's älterer Bru- der, der auch ein alter Bekannter der Max- well Str. Polizeistation ist, mit bei der Af- faire war. Sowohl um den Detetivs Ge- legenheit zu geben, diesen Bruder sowie Deen und den Unbkannten herbeizuschaffcn, wurde die Entscheidung bis morgen ver- schoben und die Maisons unter je HBOO Bürgschaft gestellt. Werden, was sicherlich der Fall sein dürfte, die beiden Masons dem Eriminal- gericht überwiesen, dann wird, wenn sic auch von den Großgcschworenen unter An- klage gestellt sind, der Prozeß auch gegen Duffy wieder ausgenommen werden. Die Deteetivs sind aber der Ansicht, daß er bis dahin forlgcfchafft fein wird und die Pro- zeffiruug der Masons wie das Hornberger Schießen verlaufen wird. Die Familien- angehörigen der Mafons und Duffys wa- ren in hocheleganter Toilette im Gerichts- saal anwesend und rühmten sich vor den sie jnquirirenden Reportern und Polizisten ihres Einflusses. Der kleine Schlingel Duffy war wenig- stens ein Dutzend Mal wegen Diebstahls verhaftet, meiflentheils aber straffrei ent- lassen worden. Nur in zwei Fallen und beide Male durch Richter Eberhardt, wurde er an's Erimiualgericht verwiesen und von den Großgeschworcnen unter Anklage ge- stellt. Der eine Fall ist der vorliegende, der andere wurde noch nicht anfgerufen. Nicht besser sind die Maifonfc. Polizeigerichtssünder. Die Klage von Rudolph Anbach gegen Margarethe Landin, eine tadellos gekleidete Blondine, wurde heute Morgen von Rich-ter Kersten auf eine Woche verschoben. An- bach klagte auf H69 unbezahlte Kostgebüh- ren. George Link, welcher in dem Laden No. 466 N. Clark Str. einen Höllenspektakel ver- übte, und von dem Besitzer T.W. Bartow an die Luft gesetzt wurde, fiel gerade in die Arine eines Polizisten und mußte vor Richter Kersten Hs Buße erlegen. Nick Thieson und Charles Dayton, welche einer Bande junger Leute angehöreu, die für die Nachbarschaft von Halsted Str. und Webster Ave. ein Gemeinschaden sind, erhielten je H 5 Strafe zudictirt. —ln der Stadtcollektors-Office gingen gestern im Laufe des Tages H58,493.56 an Wirthschaftslicenz Gebühren und anderen Einnahmen ein. Agnes Sorgan, welche bekanntlich gestern früh um 1 Uhr von dem Polizisten Murphy an der Ecke der Austin Ave. und Elizabethstraße in bewußtlosem Zustande ausaefunden und nach dem County Hospi- tal gebracht wurde, wo es sich heraus- stellte, daß sie Carbolsäure zu sich genom- men hatte, starb heute früh, ohne vorher zur Besinnung zu kommen. Viehmarkt. Schweine matt. Schwere brachten 4.20(H 4.60, leichte 3.75(a)4.25, durcheinander 4.70(Z>4.45. Zufuhr 27,000 Schweine, 5500 Stück Rindvieh, 16,000 Schafe.

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