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Abendblatt Newspaper Archives Dec 10 1894, Page 1

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Abendblatt (Newspaper) - December 10, 1894, Chicago, IllinoisE?eransgegeben von der Illinois Chicago, Montag, 10. Dezember 1894. Preis 1 Cent. 47. Jahrgang. No. 292 s Uevevvlictr And Knrzg efa Btes. ch Geschieden sein, und morgen klarer Fimmel bei starkem Nordostwind, bei demes etwas kälter wird. Präsident ernannte den General "Olack zum Bundesanwalt in Chicago. Aus Berlin wird der Rücktritt des Handelsministers von Berlepsch gemeldet. '— Der Kaiser Franz Joseph hat denneuen Kirchengesetzen seine Zustimmung ertheilt. .. — In Tokio war gestern große Sieges- feier. Der Weizenmarkt war stau und nnMaitermin wurde Weizen mit 59L<IZOzc.gehandelt. Die Maispreise gingen um Z Cent in die Höhe und im Mai wurdenPartien zu gekauft. Hafer festigte sich etwas; MaiSchweinefleisch ist matt, wurde per MaiNtit P 12.30 und P 12.25 gehandelt. Schmalz Nnt und G7.10, Rippchen mit P6.15. 7-7 Ex-Senator O'Malley hat sich mitHülse seines Advokaten eine wunderbare Vertheidigung zurechtgelegt. Demnach hat den Droschkenkutscher Sheppard durchZufall verwundet, als die Mitglieder des Market Str.-Gang ihn berauben wollten,j Das ist zugleich eine Vertheidigung gegen / Sheppards Entschädigung und gegen die > weitere Beschuldigung, daß er mit dem , Market Str.-Gang unter einer Decke steckte. Wenn die Jury dies glaubt, muß sie aller- / dings sehr wohlmeinend fein. — Von einer Ordinanz zur Regulirung der Brodpreise und des Gewichts des Bro-des, wie sie dem Stadtralh vorgelegt wer- den soll, wollen die Herren Bäcker nichtswissen und nöthigenfalls eine derartige Einschränkung in den Gerichten bekämpfen. —Es heißt jetzt, daß der verschwundeneEhefclerk Wulffs, Riderberg, in einem Sanitarium nahe Chicago sei und dem- nächst wieder auftauchen werde. Seine Bücher sind in Ordnung, ob die Abrech- nung zwischen ihm und Wulff ebenfalls inOrdnung ist, weiß außer den Betheiligten schwerlichein Mensch. Teker;rap!ttsr!rr Depesiiielu General Black, Der ehemalige jDensions-Lommissär Zum Bundesanwalt in Chicago ernannt. « Washington, 10. Dez. > Der Congreßabgeordnele John C. Black, M ehemaliger Pensionscommissür, wurde an Stelle des verstorbenen Sherwood Dixon in Chicago, zum Bundesanwalt ernannt. Der Eisenberg bei Durango. Derselbe vom Eigenthümer der mexikanischen internationalen Bahn für eine Million Dollars augekauft. Monclova, Mcx., 10. Dez. Einem Gerüchte nach bat C. P. Hun- tington den großen Eisenberg bei der Stadt Durango gekauft und beabsichtigt daselbst ausgedehnte Eisen- und Stahlwerke anzu- legen. Der Berg ist der größte eisenhaltige Berg der Welt und der Kaufpreis beträgt H1,000,000. Die mexikanische internatio- nale Eisenbahn, deren Eigenthümer Hun- tington ist, läuft durch Durango. Ein neues Kohlenlager entdeckt. Die Kohle soll von vorzüglicher (Qualität sein. Princet on, Jll., 10. Dez. In Fairsield Township, Bureau County, ist ein vier Fuß starkes Kohlenlager ent- deckt worden, welches sich bis zur nördlichen Grenze von Z)orktown Township in Henry County erstreckt. Bisher waren in dieser Gegend noch keine Kohlenlager entdeckt worden; die Bearbeitung des Lagers soll durch die Anlegung von zwei Schachten so- fort in Angriff genommen werden. Die Kohle liegt achtzig Fuß unter der Oberfläche und ist von guter Qualität. Eine große Bank bankerott. Mehrere andere Banken und Geschäftshäuser in Mitleidenschaft gezogen. St. I 0 hn s. N. F., 10. Dez. Die „Commercial Bank" von New Fund- land, welche ihr Hauptquartier in dieser Stadt hat, hat in Folge des Bankerottes von mehreren der größten Fischausfuhr- geschäften, heute Morgen ihre Zahlungen eingestellt. Dadurch werden auch andere Banken betroffen, und große hiesige Ge- schäfte geschädigt. Vier derselben haben ihre Thüren bereits geschlossen, und noch andere werden morgen ein Gleiches thun. Die kleinen Gläubiger verlangen Gold von den Banken, und die Goldreserve vermin- dert sich stetig. Wenn die Banken im Stande sind, den Ansturm auszuhalten, so geht Alles gut; die Gefahr liegt in der Schwierigkeit, mehr Gold herbeizuschaffen. Augenblicklich verhält sich die Bevölkerung ruhig, und scheint den Ernst der Lage zu begreifen. Die Geschäftsleute aller Klassen versuchen mit Londoner Bankiers oder canadlschen Geschäften ein Abkommen zu treffen, um sich über Wasser zu halten. Die nächste Lncyclika. KDieselbe wird wabrscheinlich noch vor Neu-jahr veröffentlicht werden. Rom, 10. Dez. Ein einflußreicher Cardinal äußerte heute einem Korrespondenten, daß die erwarteteEncycUka an die amerikanischen Bischöfe innerhalb der nächsten drei Tage beendet und wahrscheinlich gegen Ende des Jahres veröffentlicht werden würde. Siegesfeier. Dieselbe fand gestern in Tokio statt. Der Marsch nach Peking. Die zweite japanische Armee wird sich dem- nächst nach der chinesischen Hauptstadt in Bewegung setzen. N 0 k 0 hama , 10. Dez. Gestern wurden die von der japanischen Armee errungenen Siege mit dem größten Enthusiasmus in Tokio gefeiert. Hunderi- undeinundfünfzig Japaner, welche in der Schlacht bei Port Arthur verwunde: wur- den, sind in Hiroshima angekommen. Binnen Kurzem wird, wie man erwartet, ein Angriff auf Fu Chow stattfinden, und die zweite Armee wird demnächst den Marsch nach Peking antreten. Die Ne- gierung steht im Begriffe, achttausend Kulis anzuwerben, welche die Truppen auf dem Marsche nach Peking begleiten sollen. Eine ganze Familie beinahe ver- brannt. Fünf Personen auf der Flucht vor den Flam- men schwer verletzt. Kansas City, 10. Dez. Während eines Feuers, welches gestern Morgen in der Wohnung von F. W. Micheler, an der 14. und Harrison-Slraße ausbrach, trugen fünf Personen mehr oder minder ernstliche Verletzungen davon. Die Familie Micheler, aus fünf Personen be- stehend, schlief im dritten Stockwerke und wurde, als sie durch den in ihre Zimmer eindringenden Rauch erweckt wurden, in einen tödtlichen Schrecken versetzt. Frau Mitcheler sprang mit ihrer sechszehnjähri- gen Tochter Edith zum Fenster hinaus auf das Steinpflaster; beide trugen merkwürdi- ger Weise keine Knochcnbrüche, aber dochschwere, innerliche Verletzungen davon. Mitcheler und sein sechsjähriger Sohn, die keinen Ausweg mehr finden konnten, er- litten gefährliche Brandwunden, ehe sie von der Feuerwehr gerettet werden konnten. Mitcheler's Mutter fiel die Treppe hin- unter und brach einen Arm. Der durch das Feuer angerichette Schaden ist nur un- bedeutend. Auf der Thal ertappt. Zwei Bauunternehmer entpuppen sich als Brandstifter. Holland, Mich., 10. Dez. Gestern Abend, gegen Mitternacht, ge- lang es dem Marschall Vonry und seinem Gehülfen Keppel, Tom Slagt und Tom Smith, zwei Bauunternehmer und Eigen- thümer einer Hobelmühle, nebst einem ihrer Angestellten, Namens C. Steffens, dabei abzufaffen, als sie gerade im Begriffe standen, ein Gebäude in Brand zu stecken. Im letzten Jahre hatten mehrere Brand- stiftungen stattgefündcn, und auch an diesem Gebäude war schon zweimal vorher Feuer angelegt worden. Seit zwei Wochen hatten die Beamten das Gebäude scharf be- wacht. Gestern Nacht stiegen zwei Per-sonen in der Nähe des Platzes, wo sich die Beamten verborgen hatten, durch ein Fenster in das Gebäude, machten darin ein Feuer an, und verließen darauf auf dem- selben Wege das Gebäude. Der Marschall machte sich sofort zur Verfolgung der Brandstifter auf, und dieselben wurden verhaftet und beigcsteckt. Steffens hatte draußen Wache gehalten, während das Feuer inwendig angelegt wurde. Kampf mit flüchtigen Einbrechern. Liner derselben erschossen, während zwei entkommen. Ottumwa, Ja., 10. Dez. Gestern Nacht wurde in Batavia, zehn Meilen östlich von hier, der Bahnhof der Burlington Bahn von Einbrechern aus- geraubt, worauf sich dieselben auf einer Draisine in der Richtung nach Ottumwa flüchteten. Der Geheimpolizist Jim Har- rison machte sich mit einigen Polizisten auf einer Lokomotive zur Verfolgung derDiebe auf und holte sie auch ein. Es entstandein Gefecht, in welchem ein unbekannter Einbrecher niedergeschossen wurde; die an- deren beiden entkamen. Harrison trug in dem Kampfe eine Fleischwunde davon. Das Antidiphtheriemittel. St. Louis trifft Vorkehrungen zur Herstellung desselben. St. Louis, 10. Dez. Die städtische Gesundheitsbehörde hat umfassende Vorkehrungen zur Herstellung und Vertheilung des Antidiphtheriemittels getroffen. Unter Aufsicht des Capt. C. B. Ewing, eines Bundesmilitürarztes, des Gefundheitsbcamten George Homan, des Bakteriologen Ravold, von der medizini- schen Abtheilung der Washingtoner Univer- sität, und des Vorstehers der Quarantäne Dr. I. Hardy, sind vier Pferde mit Toxin geimpft worden, und werden in vier Ato- nalen etwa im Stande sein, das Serum zu liefern. Mittlerweile wird Leisters Serum an verschiedenen Plätzen in der Stadt ver- theilt werden, so daß cs von den Aerzten leicht erlangt werden kann. Berlepsch legt sein Amt nieder. Er resignirt, weil einige seiner Vorlagen nicht angenommen wurden. Berlin, 10. Dez. Freiherr von Berlepsch, der Handelsmi- nister, hat seine Resignation eingereicht, weil das Ministerium einige von ihm ent- worfene Gesetzvorlagen nicht angenommen hat. Der Schiffbruch des Dampfers „Marrarapa." Der Lapitän nichts, und der erste Offizier nicht viel mehr werth. So lautet die Entscheidung des Untersuchungs- gerichtes. Auckland, Neu-Seeland, - 10. Dez. s Das Untersuchungsgericht in Sachen des Dampfers „Warcarapa", welcher auf der Fahrt von Sydney. N. S. W., nach hier, in der Nacht des 28. Oktober, bei der „Great Barrier Island" scheiterte, wobei achtzig Menschen umkamen, yat entschieden, daß der Capitün McJntosh, welcher eben- falls das Leben verlor, für den Schiff- bruch verantwortlich war. Der erste Offi- zier Noges wurde der Nachlässigkeit schuldig befunden, aber nicht derartig, daß ihm sein Patent zu nehmen sei. Außerdem erklärte das Gericht, daß die Besatzung des Dam- pfers nicht den Erwartungen entsprochen habe, welche man von britischen Seeleuten zu hegen pflege. Eine muntere Wittwe. Sie macht sich allenthalben sehr bemerkbar, streut Geld auf den Straßen aus und wird schließlich verhaftet. SanFrancisco, 10. Dez. Mary Wonmack, welche in New Aork verhaftet wurde, weil sie den Einfall hatte, auf den Straßen Geldmünzen umherzu- werfen, ist in San Francisco eine bekannte Persönlichkeit. Ihr hiesiges Auftreten war ein glänzendes, aber nicht von langer Dauer. Sie gab sich für eine Wittwe aus und nahm sich eine elegante Wohnung, in welcher sie hochfeine Gesellschaften gab. Sie hatte unter den Clubleulen eine Menge Freunde, und trotz der Anwesen- heit ihrer etwa vierzigjährigen Kammer- zofe, gab sie. zu einer Menge Skandal- geschichten Veranlassung. Später nahm sie Zimmer im „Pleasanton", einem Familienhotel bester Klasse. Sie gab viel Geld aus und pflegte von ihrem Leben am deutschen Hofe zu erzählen. Schließlich theilte ihr der Eigenthümer dcS „Pleasan- ton" mit, daß ihre Zimmer anderweitig vermiethet seien, worauf sich die lebhafte Wittwe nach Los Angeles wandte und von dort nach SanDiego kam. Sie erregte während der Badezeit in Coronado Bcach ein ziemlichesAufsehen und begab sich dannvon Kalifornien zur Weltausstellung, von wo sie nicht wieder zurückkehrte, aber von Bewohnern von SanFrancisco in Newport und New Port gesehen wurde. In der Höhle tief versteckt. Der Schlupfwinkel einer Räuberbande endlich entdeckt. Valparaiso, Jnd., 10. Dez. Kürzlich gemachte Enthüllungen in Ver- bindung mit den vielfachen Einbrüchen in dieser Nachbarschaft, haben neues Licht auf die Art und Weise geworfen, wie die Die- besbande es fertig brachte, sich so lange der Verhaftung zu entziehen. Es war ein Ge- heimpolizist angesteUt worden, um den Schlupfwinkel der Einbrecher zu entdecken, und gestern machte derselbe die Mitlhei- lung, daß er das Hauptquartier der Bande in Porter County entdeckt habe. In den Bergen von Westchester Township harte er eine große Höhle entdeckt, deren Eingangso kunstvoll versteckt war, daß er von einem Uneingeweihten gar nicht entdeckt werden konnte, dort wurden die gestohlenen Sachenso lange verborgen, bis sie mit Sicherheit weggeschafft und versilbert werden konnten. Es weroen jetzt Vorbereitungen getroffen, um die Gegend zu umstellen, und die ganze Bande abzufangen. Endlich festgenommen. Lin lang gesuchter Räuber hinter Schloß und Riegel. The Needles, Cal., 10. Dez. Bill Gay, alias George Leroy, der be- rüchtigte Verbrecher, welcher von den Be- hörden in Meagher County, Mont., wegen der Ermordung von William Räder und Jones Mackeya im Mai 1893 schon lange gesucht wurde, ist vom Sheriff Ros- borough, von Mojave County, Ariz., ver- haftet und sicher im Gefängniß unter- gcbracht worden. Gay befand sich in Pro- vidence, einer kleinen, westlich von hier ge- legenen Ortschaft, in einer Schmiede, um feine Pferde beschlagen zu lassen und unter- hielt sich in lebhafter Weise über gleich- gültige Dinge, als er nach heftigem Wider- stande festgenommen wurde. Die Be- hörden von Montana hatten auf seine Ver- haftung eine Belohnung von H750 ausge- setzt; man hofft auch, seinen Spießgesellen Groß binnen Kurzem hinter Schloß und Riegel zu haben. Die Airchenvorlagen erledigt. Dieselben heute vom Kaiser mit seiner Un- terschrift versehen. Budapest, 10. Dez. Der Kaiser Franz Joseph hat heute dieKirchenvorlagen durch seine Unterschriftzum Gesetz erhoben. Aneebs auf der Rückreise. Lr steht einstweilen unter 10,000 Mark Bürg- schaft. Berlin, 10. Dez. Robert F. Kncebs, der amerikanischeSportsmann, welcher betrügerischer Prak-tiken auf deutschen Rennbahnen beschuldigt ist, ist unter 10,000 Mark Bürgschaft ge- stellt worden, und begiebt sich in dieserWoche von Liverpool nach Amerika. Die deutsche agrarische Partei. Die Beschlüsse derselben erregen einigermaßen Aufmerksamkeit. was der amerikanische Generalkonsul in Berlin darüber berichtet. Washington, 10. Dez. Das Ziel der großen und äußerst thätigen agrarischen Partei in Deutschland ist durch eine Reihe von Beschlüssen, welche im letzten Monat von einem besonderen Ausschüsse angenommen und durch den amerikanischen Generalconsul de Kay in Berlin dem Staatsdepartement mitgctheilt wurden, ge- nau gekennzeichnet worden. Dieselben sind für die Ver. Staaten von großer Wichtig- keit, weil sie nicht allein direkten Einfluß auf unsere Industrien ausüben werden, sondern weil diese große deutsche Partei, welche nach Angabe des Generalconsuls auf den neuen Kanzler große Hoffnungen setzt, Grundsätze zur Ausführung bringen will, welche in unseren eigenen politischen Plat- formen enthalten sind und welche schon lange zum Gegenstand von fortgesetzten Kämpfen im Kongreß gemacht wurden. Einige daran betreffen die Einführung von gleichmäßigen internationalen Wer- then, worunter eine internationale Münzglcichheit zu verstehen ist —, als von der wesentlichsten Bedeutung für den Acker- bau; andere betreffen die Errichtung von nationalen Getreidespeichern. Von haupt- sächlichstem Interesse für die Ver. Staaten, welche so viel ausländisches Capital brau- chen, aber ist der Vorschlag eine besondere Prüfungsbchörde bei der Annahme von öffentlichen Anleihen, die Ausländern an- geboten werden, zu errichten, während ein dritter Vorschlag dahin geht, das Tarif- system zum Vortheil der inländischen Pro- duktion neu einzurichten. Etwas, dasunserer „Anti-Optionbill" ziemlich gleich- komml, ist der Vorschlag „die Getreidebörse auf der Basis von wirklichen Geschäften in vorhandenen Waarcn zu reformiren." Die Beschlüsse umfassen in der That eine Menge Sachen, welche als rein „amerika- nischer Wein" betrachtet wurden. . Die armenischen Greuel. Die Pforte einigermaßen besorgt über die bevorstehende Einmischung der Mächte. Wien, 10. Dez. In Folge des Meinungsaustausches, welcher auf Anregung von Großbritannien zwischen den Berliner Vertragsmüchte'nstattsindet, um gemeinschaftlich in der armenischen Frage vorzugehcn, sind die diplomatischen Verhandlungen in Constan- linopel einstweilen eingestellt worden. Die Pforte ist über diese neue Wendung der Angelegenheit einigermassen besorgt und hat den Sultan davon in Kenntniß gesetzt. In Folge dessen hielt das türkische Mi- nisterium, unter Beistand von Kiamil Said und Chakir Pascha, am Samstag eine Sitzung ab, welche gestern Mittag noch nicht zu Ende gebracht war. Eine Abendgesellschaft. Zu Ehren des neuen Pastors der amerikani- schen Kirche wurde gestern bei dem ame- rikanischen Botschafter Thee getrunken. Berlin, 10. Dez. Theodore Runyon, der amerikanische Botschafter veranstaltete gestern Abend zu Ehren von Dr. Dickie, dem neuen Pfarrer der hiesigen amerikanischen Kirche, eine Theegesellschafl. Wieder in Thätigkeit. Die Watt'schen Stahlwerke von heute an wieder in Betrieb. Middlesboro, Ky., 10. Dez. In den Watt'schen Stahlwerken, dergrößten derartigen Anlage in den Ver. Staaten, wurde heute Morgen die Arbeit wieder ausgenommen. Wenn die Werke mit aller Kraft arbeiten, finden in denselben fünfhundert Arbeiter Beschäftigung. Aann's nicht lassen. Grad' aus dem Zuchthaus- entlassen, geht er sofort wieder an die Arbeit. Crest 0 n , Ja., 10. Dez. Gestern Nacht wurde ein junger Mann, Namens William Gatcly abgefaßt, als er gerade im Begriff stand den Geldschrank in Kilgore und Berry's Geschäftsladen auszu- rauben. Als er entdeckt wurde hatte er die Thüre des Geldschrankes bereits erbrochen. Galely wurde erst kürzlich aus dem Zucht- hause entlassen, wo er wegen Einbruchs einen längeren Termin abgesessen hatte. Brutaler Word. Lin junger deutscher Farmarbeitcr vom Far- mer erschossen. Newport, Neb., 10. Dez. Der in der Nähe von hier wohnende Farmer Evans Scatts halte in letzter Wochemit W. C. Kirchner, einem seiner Arbeiter, einen Streit über den Lohn, zahlte ihm denselben jedoch am Samstag, worauf Kirchner das Haus verließ. Am Sonntage ging Scatts mit seinem Gewehr von Hause weg, und traf Kirchner auf einer benach- barten Farm, worauf er ibn ohne weiteres niederschoß. Scans flüchtete sich darauf, wird aber von der Polizei scharf verfolgt. Kirchner war erst achtzehn Jahre alt, und ein stiller, ruhtger junger Mann. Meluntersuchung angeordnet. Klagen über das kürzlich in Hamburg einge- sührte Petroleum. Berlin, 10. Dez. Die Regierung hat die Hamburger Han- delskammer angewiesen, die wegen der Minderwerthigkcit des kürzlich von der „Standard Oil Co." eingcführlen Petro- leums erhobenen Klagen zu untersuchen. Es wird behauptet, daß die Oelquellen in Pennsylvanien erschöpft sind, und daß das kürzlich eingeführle Oel aus Ohio und Indiana komme. städtisches. Das Wetter. Optiker K l e i ne, 76 Washington Str., berichtet für Chicago die folgenden Baro- meter-und Thermometerstände: Um 8 Uhr Morg. 44 Gr., um 9 Uhr 44 Gr., um 10 Uhr 46 Gr., um 11 Uhr 48 Gr., um 12 Übr 28 Gr. Barometerstand um 8 Uhr Morg. 29.10, 12 Uhr 29.00 SS" Für Herrn Louis Mittelstadt liegt ein registrirtcr Brief auf der Office d. 81. Ferner ein Brief für Frau Mathilde Nistow und für Anton Pletzer. Briefkasten. Alter Leser in Amboy. ln Ame- rika kann der Russe russischer Untenhan bleiben so lange er will und kann deshalb auch, so oft ein neuer Kaiser an die Negie- rung kommt, den Huldigungseid erneuern. Das hindert ihn natürlich nicht, amerika- nischer Bürger zu werden, sobald er der russischen Unterthanenschaft entsagen will. Behauptet seine Unschuld. Lin zweistündiges verhör vermag Frank Haller nicht zu erschüttern. Frank Haller, welcher den Schlächter Seguda in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend in dem Laden No. 80 Wesson Str. nach dem Glauben der Polizei er- schoß, beharrl auf seiner Unschuld. Er wurde von Jnspector Schaack, Lieut. Fife, Capt. Gibbons und den Geheimpolizisten Hiot und Cudmore gestern einem zweistün- digen Verhör unterworfen. Es wurde ihm klar gemacht, daß seine Geschichte von dem „großen Räuber" unglaubwürdig sei, da man seinen, Hallcr's, Revolver in der Nähe des Todtcn fand. Die Waffe war mit Blut befleckt und zwei Kammern waren leer. Es ist ferner festgestellt worden, daß Seguda die Einnahmen zählte, nachdem er das Geschäft geschlossen hatte und daß Haller das Geld sah. Ferner will die Po- lizei festgestellt haben, daß ein Kampf zwischen Haller und Seguda stattfand. Zu all den Fragen schüttelteHaller blöde den Kopf und wurde er nach einem erfolglosen Verhör von zwei Stunden wieder in die Zelle zurückgebracht. Ein schwarzer Wann mit scbwarzem Herzen. Charles Edwards, alias Cromba, ein colorirter Aankee, wurde heute von Richter Eberhardt wegen Diebstahls unter HBOO Bürgschaft dem Criminalgericht über- wiesen. Edwards arbeitete für den Bar- bier John Gordon, einen Rassegenofsen. Er schlief in einem Zimmer hinter dem Barbierladen in No. 333 S. Jefferfonstr. Als Gordon ani Donnerstag früh seinen Laden betrat, bemerkte er zu seinem Ent- setzen, daß sein Sonntagsanzug und in demselben befindliche H25 und mit diesen auch Edwars verschwuuden waren. Er veranlaßte Edwards Verhaftung und dies besorgte der Detectiv Tyrrell. Dem Richter Eberhardt erzählte der Dieb, daß er wisse, wer die Sachen gestohlen Hütte. Er habe diesen Dieb, dessen Namen er sich zur Zeit nicht entsinnen konnte, an der 3. Ave. mit demAnzug getroffen und dieser habe ihm auch sofort gestanden, daß er den Anzug in Gordon's Laden gestohlen habe und ihn Tags darauf versetzen wollte. Da der Richter Eberhard! bekanntlich nicht an Leichtgläubigkeit leidet, so wurde Edwards auf die Einbruchsanklage hin nach dem Hotel Pease gesandt. Verließ seine Gattin. Louis Wilson, ein Engros-Cigarren-Ver* käufer, sitzt in der Woodlawn-Polizeistation unter der von seiner Gattin Annie, welche in 187 W. 14. Straße wohnt, erhobenen An- klage, dieselbe böswillig verlassen zu haben. Frau Wilson erzählt, daß sie Louis vor vier Jahren in Cincinnati heirathete, und daß sie mit ihm bis vor wenigen Monaten glücklich zusammenlebte. Bald nach ihrer Heirath kam sie mit ihrem Gatten nach Chicago, wo sie die Wohnung an der W. 14. Straße bezog. Annie's Schwester, Bessie Siemanski, besuchte das Ehepaar öfters und machte auf Louis einen gewaltigen Ein- druck. Vor vier Monaten verschwand Louis, und seine Gattin ermittelte, daß er in 6833 Wabash Ave. mit Bessie zusammen- wohnte. Auf diese Entdeckung hin ließ heute Vor- mittag Frau Annie den untreuen Gatten verhaften. Sie erhob nicht eine auf Ehebruch lautende Anklage, weil diese ihre eigene Schwester mit betroffen hätte. Wilson ist etwa 30 Jahre alt und ist elegant gekleidet. Das Paar hat zwei Kin- der, welche bei der Mutter leben. Ihr Verhör verschoben. John Götz und Sebastian Meyer, über deren Verhaftung unter der Anklage, im März dieses JahresLouis Peters erinordet zu haben, wir an anderer dieses Blattes ausführlich berichten, wurden heute Morgen dem Richter Bradwell in dem Harrisonstr.- Polizeigericht vorgesührt. Ihre Advokaten beantragten einen Aufschub des Verhöres auf zehn Tage, der ihnen auch bewilligt wurde. Goetz wurde gegen Bürgschaft von PSOOO, die der Ex-Alderman Walsh für ihn stellte, auf freien Fuß gesetzt; Meyer dagegen hat bis zum Verhör in Haft zu bleiben. Die Polizei glaubt bereits jetzt, genügendes Beweismaterial gegen die Beiden zu besitzen, um sie ihrer Schuld zu überführen. . George Meners und Tony O'Con- nell, welche beschuldigt werden, den Nacht- wächter der McGuire'schen Fabrik an der Washinglonstraße vor einer Woche über- fallen und schwer verwundet zu haben, wurden heute friib von Richter White unter je PISOO Bürgschaft dem Criminalgericht überwiesen. Natürlich war er unschuldig. O'Malley behauptet, daß die Market Str.- Gang ihn berauben wollte. O'Malley, der Ex - Senator, und seinVertheidiger haben sich eine recht originelle Vertheidigung für den Prozeß ausgeson- nen und wenn dieselbe vom Richter und von den Geschworenen als einigermaßen glaublich anerkannt wird, d. h., wenn ir- gend ein sogenannter „vernünftiger Zwei- fel" noch geltend zu machen ist, dann kann die Freisprechung dieses Politikers nach dem Herzen der Wardbummler nicht ausbleiben. Daß er auf Sheppard, sei- nen Kutscher, einen Schuß abfeuerte, kann O'Malley mit dem besten Willen nicht leug- nen. Aber er hat eine Erklärung dafür, die ihn als ein bedauernswerthes Opfer widriger Umstände erscheinen läßt und derzufolge außerdem die Mitglieder der Market Str.-Gang seine erbitterten Gegner sind. Dieselben sind am Wahltage nicht etwa für den ehrenhaften O'Malley, Gott behüte, sondern für seinen Gegner in's Ge- schirr gegangen. O'Malley's Vertheidiger, Herr Peacock, macht folgende Angaben: Nachdem Senator O'Malley bis 11 Uhr am Wahlabend mit prominenten Parteige-nossen zusammen gewesen, borgte er sich einen Revolver, weil er P 2600 in seiner Tasche hatte und einen Raubansall befürch-tete. Er nahm Shepard's Cab, um nach Hause zu fahren. Infolge eines Mißverständ- nisses (?) fuhr ihn aber Shepard nach ver- schiedenen Schankwirthfchaften der Nord-seite, und in einer solchen fand O'Malley „Major" Sampson und Genossen. Als er sich entfernen und sein Cab wieder besteigen wollte, umringte ihn dieseGesellschaft, welche bei der Wahl gegen ihn gearbeitet und wahr- scheinlich bemerkt hatte, daß er eine bedeu- tende Geldsumme bei sich trug. Shepard stand vorn bei dem Pferde. Ald. Kelley, der ebenfalls befürchtete, daß O'Malley be- raubt werden würde, war zugegen. O'Malley nahm seinen Revolver zur Hand, um sich zu vertheidigen. Einer der Angreifer wollte ihm die Waffe wegnehmen, doch gelang es O'Malley, zwei Schüsse abzufeuern, und einer dieser Schütze verwundete unglück- licher Weise Shepard. Was die Beschul- digung anbelange, daß O'Malley Shepard Geld angeboien, so beruhe dieselbe aufWah- rheit. Aber O'Malley habe es nur gethan, weil er, trotzdem er Shepard nicht schießen wollte, sich doch gewissermaßen verant- wortlich für dessen Verwundung halte, die ihn lebenslänglich zum Krüppel mache. Er habe dem Vater des Verwundeten H2500 angeboten, doch dieser habe PIO.OOO verlangt und das könne er ihm nicht geben. Wie man sieht, ist der Senator also voll- kommen unschuldig. Eine „intelligente" Jury wird ihn wahrscheinlich freisprechen. Aber, Herr Pastor. Als gestern Morgen sich die Gemeinde der Lake Ave.-Kirche versammelte, war fast jeder Platz besetzt. Die Gattin desPastors Conrad Haney und ihre zwei Kinder waren aber nicht auf ihren üblichen Sitzen und auch der Pastor Conrad Haney fehlte. Die Gemeindemitglieder steckten ihre Köpfe zu-sammen und flüsterten, bis Rev. Alfred W. Wishart von der Chicagoer Universität seine Predigt begann. Nach Beendigung der Predigt ging das Geflüster wieder los. Die DieFrommen wußten bereits, daß ihr Seel-sorger mit derGattin eines prominentenMi- tgliedes, Geo. W.Brandt, durchgegangen war. Herr Brandt, der mit seiner Gattin in be- häbigen Umständen in Kenwood lebte, hatte seit längerer Zeit bemerkt, daß es zwischen seiner Gattin und ihrem Seelenhirten nicht ganz richtig sei. Er ließ das Paar durch ei- nen Geheimpolizisten beobachten und die verdächtigen Umstände mehrten sich. Am Donnerstag Abend wurde das Paar in einem Zimmer des Sherman Houses in intimerUnterhaltung von dem Gatten überrascht und angesichts der vorliegenden Thatsachen konnte von einem Leugnen nicht mehr die Rede sein. Von einer Verhaftung nahm der Gatte Abstand. Am nächsten Tage erschien Frau Brandt noch einmal in ihrer Wohnung, No. 231 45. Straße, packte einige Sachenzusammen, nahm kurzen Abschied von ih- ren Kindern und ging davon. Pastor Ha- ney nahm P2OO mit, ließ seiner Familie kei- nen Cent im Hause und begab sich dann, wie vermuthet wird, mit seiner Flamme nach Süd-Amerika, wo er eine Fruchtfarm besitzen soll. Asay ist ärgerlich. Der Polizeianwalt William C. Asay ist sehr ärgerlich über das Schreiben des Cor- porationsanwalts, in welchem er ausgefor- dert wird, fortab mit der bisher von ihm befolgten Praxis, nach seinem eigenenGu- tdünken Geldstrafen zu suspendiren, die von den Polizeirichtern verhängt worden sind, zu brechen. Herr Asay behauptet, daß derMayor und der Corporationsanwalt ihmden Wind aus den Segeln genommen haben, denn er habe selbst den Mayor er- sucht, ihm das Recht, Geldstrafen zu sus-pendiren, zu nehmen. Asay hatte am Samstag Nachmittag eine geheime Con- ferenz mit dem Mayor, nach deren Been- digung er erklärte, daß er dem Mayor seineResignation unterbreitet habe. Diese An- gabe wurde aber vom Mayor und später auch von Asay selbst als unwahr bezeichnet. Corporationsanwalt Palmer erklärt, daß er das Schreiben an Asay in offiziel-lem Style abgefaßt habe und daß der In- halt des Schreiüens daher schärfer erscheine, als wie es gemeint sei. Die Neubennung der Straßen. Das vom Stadtrath vor einiger Zeit er- nannte Spezial-Comite für die Neubenen- nung derjenigen Straßen, deren Namen sichwiederholen, oder deren Namen sonst zu Mißverständnissen Anlaß geben könnten, hat seine Arbeit soweit beendet, daß es vielleicht schon heute Abend dem Stadtrath seinen Schlußbericht wird vorlegen können. Das Comite hat gefunden, daß 716 Stra- ßennamen sich wiederholen,>einige sogar biszu 16 Malen. Zahlreiche Straßen trugen in ihren einzelnen Sektionen verschiedene Na- men. Der Bericht des Comites ist sehr umfang- reich. Er umfaßt über 200 Seiten in großem Format. Gebrandschatzte Wirtschaften. Den Dieben die hierbei gemachte Beute bald wieder abgenommen. A. Gegier und Edward LaMontaine, zwei arbeitslose und arbeitsscheue Indivi-duen, kamen am Samstag Abend gegen 11 Uhr in den Saloon von I. Rollo, 80 Blue Island Ave., und ließen sich einige Rachen- putzer geben. Während des Austrinkens sahen sie sich ein wenig in der Wirthschaft um und bald hatten sie sich die Topographie derselben derartig eingeprägt, daß sie wuß- ten, wie man am besten in dieselbe gelan- gen könne, wenn die Thüren auch verschlos-sen wären. Kurz nach 12 Uhr, kaum nach- dem Rollo sein Geschäft geschlossen hatte, schlichen sie sich durch eine mittels Nach- schlüssels geöffnete Seitenthür in den Sa- loon hinein, stahlen dort Geld, 10 Kisten Cigarren, 2 große Krüge Whiskey und einen, Rollo gehörigen Anzug. Mit der Beute beladen schlichen sie sich die Blue Island Ave. entlang, liefen dort aber den Polizisten Brown und King in den Weg. Diesen wollten sie einreden, daß sie um- zögen. Doch da die beiden Polizisten keine leichtgläubigen Thomase sind, nahmen sie die beiden Burschen nach der Stationund ließen sie dort wegen Einbruchs buchen. Richter Dooley, dem sie heute vor- geführt wurden, wird sich am 18. mit ihnen beschäftigen und stellte sie bis dahin unter -PBOO Bürgschaft. William Pieper, ein wiederholt bestraf- ter Strolch, der nichts so sehr haßt als das Arbeiten und nichts so liebt, als Stehlen, schlich sich gestern Abend kurz vor 12 Uhr in die Wirthschaft der Frau BarbaraMotis, 986 Van Buren Str., ein, stahl, da er die Frau allein traf, ihr ganz unge- nirt Pll, den Inhalt ihrer Geldschublade, stopfte sich dann die Taschen mit Cigarren voll und lief dann davon. Die bestohlene Saloonwirthin folgte ihm auf dem Fuß und schrie aus Leibeskräften nach der Po- lizei. Der zufällig des Weges kommende Polizist Fred Shainer setzte hinter dem Flüchtigen her und fand ihn nach langem Suchen in einem Aborte. Pieper würde nach der Hinmanstr.-Station gebracht und fand man in seinen Taschen noch das Geld und einige Havanna's. Richter Dooley gab demselben Gelegenheit, sich während 100 Tagen in der Bridewell nützlich zu machen. Raubgesindel auf der Nordseite. Mangelhafter polizeilicher Schutz. Eine Bande von Wegelagerern und wüsten Strolchen treibt seil einigen Wo- chen auf der Nordseile ihr Unwesen. Der polizeiliche Schutz ist so mangelhaft, daß viele in der Gegend von Chestnut-, Oak- und Ontariostraße wohnende Leute die Absicht haben, nach einem anderen Stadt- viertel zu ziehen. Da dieselben Polizisten, welche hinter Senator O'Malley her wa- ren, auf die Bande fahnden, darf man sich nicht wundern, daß bis jetzt noch kein ein- ziges Mitglied der letzteren gefangen ge- nommen worden ist. Folgende Nordseiler haben Inspektor Schaack bereits ihr Leid geklagt: Fred Huxamann, der gestern früh um 7 Uhr Morgens, an der Ecke von Wells- und Jndianastraße von zwei Ker- len um eine goldene Uhr und HlB in baa- rem Gelde beraubt wurde; Tony Scharon, dem ebenfalls zwei Kerle gestern früh um 28 Uhr an der Ecke der Ohio- und Wells- straße überfielen und beraubten; Jacob Pfefer, der sich an der Ecke von Wells- und Ohiostraßc ausvlündcrn lassen mußte; und Henry Kolleman aus No. 145 Wclls- straße, welcher das Opfer eines brutalen Raubanfalls nahe der Ecke von Oak- und Wellsslraße wurde. Dies sind bei Weitem noch nicht alle die während der letzten Wochen in jener Ge- gend verübten Naubanfällc, aber in den meisten Fällen sehen die Opfer derselben ein, daß cs ja doch nichts nützt, der Polizei Anzeige davon zu machen, da Verhaftungenso wie so nicht ftatlgefunden haben. Die- selben würden allerdings den Blauröcken von der O. Chicago Ave.-Slalion etwas schwer fallen, da das Raubgesindel aus rohen und wüsten Gesellen besieht, die be- kanntlich vor keiner Schandlhat zurück- schrecken. Biele Schankwirthfchaften sind bereits ausgeplündert worden ;n Zeiten, als dieselben mit Gästen angefüllt waren. Erhält den Laufpaß. Polizeichef Brennan wird noch imLaufe des heutigen Tages dem Polizisten Hickey von der Hyde Park-Station den Laufpaß geben, da derselbe nicht im Stande ge-wesen ist, ihm eine befriedigende Erklä- rung für seine Betheiligung an der an an- derer Stelle dieses Blattes berichtete Be-schwindelung der Polizei - Versicherungs- kasse zu geben. Der Polizeichef hat Hickey in ein schar- fes Verhör genommen, um den eigentlichen Verübern des Schwindels auf die Spur zu kommen, was ihm aber bis jetzt nicht ge- lungen ist. Er hat aber die Ueberzeugung gewonnen, daß Hickey mit in die Schwin- delei verwickelt war. Wüssen noch warten. Comptroller Jones erklärte heute Vor- mittag. oaß die Oklobergehäller der städti- schen Beamten und Angestellten bis auf die einer Anzahl Inspektoren des Blattern- Departemenls des Gesundheitsamts nun- mehr bezahlt seien, daß aber mit der Aus- zahlung der Novcmgehällcr in dieser Woche schwerlich begonnen werden würde. Mit ihren Wechnachtselnkäusen werden sich da- her die städtischen Angestellten noch gedul- den müssen. Während W. D. Stein und seine Familie, welche in dem Hause No. 8842 Calumet Ave. wohnen, gestern Abend ab- wesend waren, drangen Einbrecher in die Wohnung und stahlen Kleider und Silber- sachen im Gesammlwerth von H4OO. Viehmarkt. Schweine fest. Schwere brachten 4.30(ch4.75, leichte 3.85(K4.35, durcheinander 4.10G4.45. Zufuhr 44,000 Schweine, 22,000Stück Rindvieh, 17,000 Schafe.

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