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Abendblatt Newspaper Archives Dec 8 1894, Page 1

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Abendblatt (Newspaper) - December 8, 1894, Chicago, Illinois-Herausgegeben von der Illinois S»taats-leitungs-To. Lhicago, Samstag, 8. Dezember 1894. Preis 1 Cent. 47. Jahrgang. No. 291. Ueverblirk Knd KurzgefaßLes. '— Das schöne Wetter heute ist ein wah-rer Hohn auf dem Wettermann seine ge-strige Prophezeiung; für heute Nachmittag verspricht er uns noch Sonnenschein, in derNacht etwas kälter und morgen Sonnen- schein und angenehme Witterung bei süd- westlichem Luftzuge. Die Mörder der Catherine Ging glaubt die Minneapoliser Polizei in C. A. Blixt als dem Thäter und Harry Hayward als dem Anstifter im Garn zu haben. Auf der hiesigen Börse ging Weizen um Z(Hz Cent zurück und wurde im Mai- termin mit 59j(K4 gehandelt und zuletzt rnits9A; Mais war matt zu 505(249i(2 perMai, Hafer zu32B(2?GK. Schweine- fleisch flau zu per Mai, Schmalz zu 7.12 i, Rippchen zu 6.172(2 6.20. Eine Entscheidung des Ministeriums des Innern, die solchen Wittwen, die ihr Auskommen haben, die Pensionsberechti- gung aberkennt, wird künftighin maßgebend sein. Eine furchtbare Mahnung, die Bahn des Verbrechens zu verlassen, erhielt kürzlich ein junger Mann Namens Louis Hellcritz. Weil sein Sohn einen Einbruch begangen hatte, beging sein Vater Fred. Helleritz in seinem Hause, No. 232 Mozart Straße, Selbstmord. Richter Tuley erhielt davon Kenntniß und als ihm gestern der junge Hellcritz vorgeführt wurde, entließ er ihn straffrei, doch mit dem Wunsch, daß der durch ihn verschuldete Tod seines Vaters eine lebenslängliche Mahnung für ihn sein werde. Die Herren Countttväter haben sich wieder ausgesöhnt. Präsident Healy trug dadurch den csieg davon, daß er einigen seiner Widersacher einige Brocken hinwarf, die dieselben begierig aufschnappten. Die Polizei bat das Geheimniß be- treffs der zerhackten Leiche verhältnißmäßig schnell entschleiert. Die Mörder sind so gut wie überführt. Tekeljrapbiscke Depefcberu Ein Grubenspekulant vermißt. Derselbe war früher in St. Paul ein bedeu- tender Händler in Grundeigenthum. San Francisco, 8. Dez. Ein kürzlich von St. Paul, Minn., hier angekommener Grnbenspekulant, Namens W. C. Bennetl, wird seit mehreren Wochen vermißt, und seine Freunde befinden sich seinetwegen in Besorgniß. Er ließ in der Nachbarschaft von Groß Valley arbeiten, aber seine Unternehmungen waren nicht er- folgreich. In St. Paul war Bennetl früher unter den Grundeigenthumshänd- lern eine angesehene Persönlichkeit, und hatte sich durch seine Unternehmungslust und Geschäftsbesähigung einen Namen ge- macht. Eine Hundertjährige. Eine Eoufine des verstorbenen Henry lvard Bescher feiert ihren hundertsten Geburtstag. Quawka, JÜ., 8. Dez. Gestern versammelten sich etwa hundert Freunde in der ungefähr sieben Meilen von hier gelegenen Wohnung der Frau Heze- kiab Watson, um deren hundertsten Ge- burtstag feiern zu helfen. Der Mädchen- name der ehrwürdigen Greisin war Bre- cher, und sie ist eine Cousine von Henry Ward Beecher und der Frau Harrtet Bre- cher Stowe. Frau Watson ist seit zehn Jahren blind, aber befindet sich sonst im vollkommenen Besitze ihrer Geisteskräfte, und erfreut sich einer guten Gesundheit. Eine Schwester von ihr erreichte ein Atter von hundertundvier Jahren. Ein großes Werk vollendet. Ein yoo Kilometer langer Bewässerungscanal fertig gestellt. San Miguel, Mex., 8. Dez. Der große Bewässernngscanal ist vollen- det und binnen Kurzem wird das Wasser in den 900 Kilometer langen Canal einge- lassen werden. Das Werk wurde mit Be- willigung der Regierung unternommen und kostet 83.000,000 in Gold. Das Wasser Wird durch Eindämmung des Flusses San Juan gewonnen, und durch dasselbe werden große Länderstreckcn bewässert. Schiffbrüchige gerettet. Lange Reise von Swansea nach San Diego. San Diego, Cal., 8. Dez. Das britische Schiss „Scottish Hills", Capt. I. R. Hamilton ist nach einer Fahrt von 161 Tagen mit einer Ladung Kohlen von Swansea in San Diego angekommen. Dasselbe ha: Capt. Reynolds und 17 Mann von der Besatzung der britischen Bark „Lord Lindhnrst" an Bord, welche, als sich das Schiss bei Cap Horn in sinkendem Zu- stande befand, ausgenommen worden waren.! Der „Lord Lindhnrst" hatte Ballast an Bord, und befand sich ans derFahrt von Rio de Janeiro nach Valparaiso. Frohe Hoffnung. Dem Khedive stehen im Februar Vaterfreuden bevor. Cair 0, 8. Dez. AegYPtische Zeitungen berichten, daß der tzchedive den Ministern die Mittheilung ge- macht habe, daß eine seiner Haremsdamen im Februar ihre Niederkunft erwarte. Wenn das Kind ein Knabe ist, so wird er der nächste Erbe des ägyptischen Thrones sein. M ErnMMg Vil Mlja- rina Hing. Das Wtordgeheimniß theilweise enthüllt. Die Lebensversicherungssumme die Ver- anlassung zu der Mordthat, welche schon seit Monaten von Harry Hay- ward geplant war. Minneapolis, Minn., 8. Dez. Gestern Abend endlich wurde derSchleier, welcher über der geheimnißvollen Ermor- dung der Kleidermacherin Ging lag, durch das Geständniß von Andry Hayward eini- germaßen gelüftet. Danach ist das der scheußlichste Mord, der jemals in diesem Staate vorgekommen ist. Katharine Ging wurde ihrer Lebensversicherung von 81000 wegen ermordet, und die That war schon seit Monaten geplant worden. Mehrere Tage vor dem Morde hatte Andry Hayward dem Herrn L.B. Steward von hier mitgetheilt, daß er befürchte, daß sein Bruder Harry im Begriff stehe, einen Mord zu begehen/? und daß er glaube, daß er Frl. Ging ihrcrLebensversicberung we- gen umbiugeu werde. Stewart dachte nicht weiter an die Mit- theilung, sprach aber nach dem Morde dar- über; Andry hatte nicht gewagt, seinen Bruder zu verrathen, da derselbe gedroht hatte, ihn ebenfalls umzubriugeu, wenn er sich nicht an dem Plaue bethciligen würde. Nach seiner Aussage hatte Harry Hay- ward den Mord schon seit Monaten ge- plant, und war Charles A. Blixt, der Maschinist in den „Ozark Flats", wo sämmtliche Betheiligten wohnten, sein williges Werkzeug. Blixt führt Katharine Ging au jenem verhängnißvollen Abende aus, und Harry Hayward's wegen begleitete sie ihn. Ein Mann, Namens Ole Erick-sou, brachte die blutigen Kleider nach Cedar Falls, Ja., uud kam gestern von dort zurück. Andry und Harry Hayward, Blixt und Erickson befinden sich jetzt in Hast, aber Andry wird demnächst wieder in Freiheit gesetzt werden. Die Behörden, die vollständigsten Beweise in Händen, weigern sich jedoch, zetzt schon nähere Mittheilungen zu machen. Die Polizei ist jetzt der Ansicht, daß Blixt die Mordthat beging. Derselbe war, nach- dem er seine Blutthat beendet hatte, nach der Sladt zurückgekehrt und hatte einen Theil der Kleidungsstücke einem Insassen des Arbeitshauses, Namens Ole Erikson, gegeben. Dieser begab sich am nächsten Morgen nach Cedar Falls, wo seine Frau in einem Hotel beschäftigt ist, und ließ die Kleider dort waschen. Er kehrte dann mit denselben nach Minneapolis zurück und ver- kaufte einen Theil derselben an einen Pfandleiher an Washington Ave. South. Die übrigen Kleider wurden wahrscheinlich in dem Heizapparat in „Ozark Flats" ver- brannt. Früh am Abend ging der Bürgermeister mit dem Geheimpolizisten Hoy nach dem West Hotel, wo Blixt einem strengen Ver- hör unterworfen wurde. Später wurde auch die Frau des Blixt herbeigeholt und schließlich auch noch Ole Erickson. Das Verhör, zu welchem sich auch der County- anwalt, der Sheriff Ege nebst einigen Ge- hülfeu und der Polizeiches Smith eingefun- deu hatten, dauerte bis halb ein Uhr. Dann kam Sheriff Ege aus dem Zimmer und theilte den ihn mit der größten Ungeduld erwartenden Zeitungsleuten mit; „Wir haben den Mann, der den Schuß abfeuerte, und in wenigen Minuten wird er verhaftet sein; C. A. Blixt ist der Mörder." Bald daraus erschien der Geheimpolizist Hoy mit Blixt und brachte denselben nach dem Gefängnisse. Dort wurde derselbe unter der Anklage des Mordes eingesperrt, worauf Hon nach dem Hotel zurückkehrte. In der nächsten Minute wurde auch Erickson unter derselben Anklage nach dem Gefängnisse abgesührt. Der Geheimpolizist ging sodann mit Frau Blixt nach den „Ozark Flats", um nach weiterem Belastungsmaterial zu for- schen. Blixt war auch, wie es heißt, bei dem Uebersall und der Beraubung des Frls. Ging Vetter, und Harry Hayward im letzten Aprrl bctheiligt, und die Polizei weiß angeblich jetzt auch, wer die damals geraubten Schmucksachen in seinem Besitze Kat. Die Polizei wollte sich heute morgen nicht darüber äußern, was Frt. Ging ver- anlassen konnte, mit einem gesellschaftlichso lief unter ihr stehendem Manne, wie Blixt, eine Spazierfahrt zu machen. Augenscheinlich wußte Andry Hayward nichts davon, wie der Mord begangen wurde, obgleich es sich heransgcstellt hat, daß er am Abend der Mordthat von Harry im Ozark besucht wurde, und daß dieser ihm sagte, sich irgendwo während des Abends aufznhalten, wo er Rechenschaft von sich ablegen könne, woraus er sich zu seinem Schwiegervater begab und dort den Abend znbrachte. Blixt soll auch bei der Einäscherung von Gebäuden betheiligt gewesen sein, bei wel- chen die Haywards durch Versicherungssum- men intercssirl waren ; er hatte am Montag Abend um sieben Uhr das Haus verlassen, und war um halb zehn Uhr zurückgekehrt. Harry Hayward's Zimmer im Ozark wur- den heute Morgen vom Sheriff Ege, dem Polizeiches Smith und dem Geheimpoli- zisten Hoy untersucht; aus dem Fußboden eines Kleidercabinets neben seinem Schlaf- zimmer wurden Blutspuren entdeckt, welche wahrscheinlich von den blutigen Kleidern herrührtcn, welche dort hingetegt waren, ehe sie am folgenden Morgen von Erickson weggebracht wurden. Wörderische Indianer. Sie ermorden die Hirten und stehlen eine Menge Vieh. Ures, Mex., 8; Dez. Ein Viehzüchter, Namens Francisco Morales, hat den Behörden gemeldet, daß eine Bande Uaqui Indianer sein Cigen- lhum überfallen, drei Schafhirten ermor- det und eine Menge Vieh weggelrieben hat. War nicht der Rechte. Der im Huachuaca-Gebirge als Hill- man verhaftete Wann entpuppt sich als eine ganz andere Persönlichkeit. Hillmans Wittwe wird wahrscheinlich dem- nächst mit den Versicherungsgesellschaften einen vergleich eingehen. Wichita, Kan., 8. Dez. Von Tombstone, Ariz., wird gemeldet, daß der kürzlich in der Nähe von dort unter dem Namen Hillman verhaftete Mann, nicht der lang gesuchte Versicherungs- schwindler, sondern ein gewisser Lynn Herndon ist, und daß derselbe sofort, nach- dem seine Persönlichkeit sestgestellt war, in Freiheit gesetzt wurde. Hillman war, wie kürzlich berichtet wurde, vor achtzehn Jah- ren, nachdem er sein Leben mit 880,000 versichert hatte, plötzlich verschwunden. Die Versicherungsgesellschaften aber sind über- zeugt, daß Hillman noch am Leben ist, und weigern sich, seiner Wittwe, die Ver- sicherungssumme auszubezahlen. Diese wohnt gegenwärtig in Leavenworth, Kan., und ist seit mehreren Jahren mit einem dortigen Geschäftsreisenden, Namens I. C. Smith verheirathet. Wie es heißt, waren einige Tage, ehe die Nachricht von der Ver- haftung Hillmans im Huachuaea Gebirge bekannt wurde, Agenten der Versicherungs- gesellschaften in der Sladt und batten dem Anwalt der jetzigen Frau Smith Vor- schläge zur Beilegung der Klage gemacht, welche jedoch nicht angenommen wurden. Hillmans Wittwe verlangt den vollen Be- trag nebst den ausgelaufenen Zinsen. Der Prozeß soll am nächsten Bten Januar in Topeka zur endgültigen Entscheidung ge- bracht werden, aber aller Wahrscheinlich- keit nach wird die Angelegenheit vorher bei- gelegt werden. Guter Fund. Dem Wassermangel in der Nähe von Moline durch einen artesischen Brunnen gründ- lich abqeholfen. Moline, JL., 8. Dez. Während des ganzen Sommers schon halte nicht allein der zehn Meilen südöstlich von Motine, in der Nähe von Sunny Hill wohnende William Moore, sondern auch die ganze Nachbarschaft an Wassermangel gelitten, obgleich die Brunnen dort theil- weise eine Tiefe von 150 Fuß haben. Schließlich machte sich kürzlich Moore mit seinem Sohne daran, mit einem vierzölligeu Bohrer nach Wasser zu bohren. Als er gestern fünf und fünfzig Fuß tief in die Erde eingedrungen war, und die Glocke gerade zwölf geschlagen batte, begaben sich die Beiden zum Mittagessen in das Haus. Als sie daun später zurücktamen, um ihre Bohrarbeit wieder aufzunehmeu, waren sie nicht wenig erstaunt, ihre Bohrwerkzeuge aus dem Loche herausgeschleudert, und einen sechs Fuß hohen Wasserstrahl aus demselben hervorspringeu zu sehen, welcher stark mit weißem brande gemischt war, und beweist, daß sie aus eine Saudsteinmauer gestoßen waren. Darauf hin machte sich Moore sofort auf die Reise zur Stadt, um sich für seinen artesischen Brunnen Röhren anzuschaffcn, da das Wasser sonst droht, seine ganze Farm zu überschwemmen. Wollen nur wirkliche Eingeborene haben. Die Gesetzgebung der Lherokee-Nation ver- bietet die Anstellung von Nichtbürgern. Ta hl eq u ah, I. T., 8. Dez. Beide Häuser der Gesetzgebung der Che- rokee-Nation haben eine Vorlage angenom- men, wodurch den Kaufleuten und Händlern der Nation verboten wird, Personen, die keine Bürger der Nation sind, als Clerks, Buchhalter oder Geschäftsführer anzustellen. In Folge dessen aber ist unter sämmtlichen Geschäftsleuten eine bedeutende Aufregung entstanden, weil fast jeder derselben Nicht- bürger in seinem Geschäfte hat und es bei- nahe unmöglich ist, ohne dieselben fertig zu werden. Wenn diese Vorlage durch die Unterschrift des Häuptlings zum Gesetz er- boben wird, so werden besonders Apotheker schwer davon betroffen werden, welche ge- zwungen sind, Nichtbürger anzufteUcn, weil nur wenige Eingeborene etwas vom Apo- thekergeschäst verstehen. Das Serum in San Francisco. Auch dort scheint es guten Erfolg zu haben. San Francisco, 8. Dez. Gegenwärtig wird hier der erste Versuchmit dem Antidiphterimittcl gemacht, uud der bisher erzielte Erfolg berechtigt zu den schönsten Hoffnungen. Der Patient ist ein siebzehn Monate altes Kind italienischer Eltern. Dr. E. L. Decorval fand das Kind in fast hoffnungslosem Zustande, und erlangte von der Gesundheitsbchörde das neue Heilmittel. Sofort gemachte Ein- spritzungen unter der Haut bewirkten eine bemerkeuswerlhe Besserung im Zustande des Kindes, aber Dr. Decorval sagt, daß es nothwendig sei, den weiteren Verlauf der Krankheit abzuwarten, ehe die Kur als er- folgreich betrachtet werden könne. Aein kleiner Viehdieb. Auf einenRuck stiehlt er beinahe 2000 Schafe. Ne osh 0 , Mio., 8. Dez. I. M. McClain, welcher von G. W. Edwards Viebzüchterci, zwanzig Meilen von Powder Springs, Wvo., 2821 Schafe stahl, dieselben ist Kansas City verlauste, und als Zahlung zwei Anweisungen aus die International Bank erhielt, ist in In- dian Springs. Mo., entdeckt worden. Dort hatte er die Anweisungen gegen Grund- eigenthum in Christian County an D. I. Parishabgesetzt. Parish Prüsentirte seine Anweisungen in derNeosho Savings Bank, erhielt eine derselben ausgezahlt, u. ließ die andere zur Erhebung des Geldes dort stehen. Kein Krieg mit Guatemala. Die guatemalischen Truppen von dem streitigen Gebiete äb- geqangen. Der patriotische Gouverneur von Lhiapas. Mexico, Mex., 8. Dez. Ein Telegramm aus Tuxtla, Chiapas, bringt die Mittheilung, daß Gen. Lopez soeben von einer Recognoscirungstour an der Grenze zurückgekehrt ist, und sich dahin geäußert hat, daß kein Krieg mit Guate- mala zu befürchten ist. Die guatemalischen Truppen sind von Agua Azul, welches sie unrechtmäßiger Weise besetzt hatten, ab- gezogen. Die in San Jose stationirten mexikanischen Truppen haben den Befehl erhalten, sich nach der Küste zu begeben. Die Gesetzgebung von Chiapas hat den Gouverneur ermächtigt, die Staatslruppen zu verstärken und die Bundesregierung mit Lebensmitteln und Kriegsmaterial, oder in sonst nothwendiger Weise zu unterstützen. Aam an den Unrechten. wollte sich in gewohnter weise ein Späßchen machen, und zahlte mit seinem Leben dafür. Jeffersonville, Jnd., 8.Dez. Gestern Abend wurde in Hibernia, einem zwanzig Meilen flußabwärts am Ohio ge- legenen Orte, Lemuel Petit von Miles Smith erschossen. Die That war in Folge einer ungewöhnlichen Reizung von Seiten des Getödteten. Smith ist der Besitzer eines Country-Storcs in Hibernia, und macht mit den Farmern in der Umgegend bedeu- tende Geschäfte. Vor einigen Abenden kam Petit in den Laden geritten, und als Smith ihm befahl, mit seinem Pferde das Lokal zu räumen, erwiederle er, daß er be- absichtige, die ganze Pacht dort zu bleiben, und er that dies auch. Gestern Abend er- schien Petit wieder in Smith's Laden, ging auf ihn zu, und sagte: „Sie können mich nicht hinauswcrfen," woraus Smith jedoch keine Antwort gab. Darauf ging Petit in einen benachbarten Laden; dort batte er sich eben niedergesetzt, als Smith ebenfalls eintrat, auf ihn zuging, einen Revolver zog, und ihn durch einen wohlgezielten Schuß todt niederstreckle. Vorläufig ist der Mörder noch nicht verhaftet worden. Smith ist ein wohlhabender Mann, und entstammt einer angesehenen Familie. Petit wurde stets als ein gefährlicher Bursche betrachtet, dem es besonderes Ver- gnügen machte, Leuten, denen er körperlich überlegen war, auf alle Weise das Lebensauer zu machen.. Bemittelte Wittwen nicht pensions- berechtigt. So lautet die Entscheidung des Hülfssekretärs Reynolds. Washingtons. Dez. Das Pensions-Bureau wird von jetzt an solchen Wittwen Pensionen verweigern, deren, durch eigene Thätigkeit und aus an- deren Quellen, erzielte Einnahmen ihnen ein hinreichendes Auskommen sichern. Diese Maßregel wird durch eine Entschei- dung des Hülsssekretärs Reynolds, welche sich auf das Gesetz vom 29. Juni 1890 gründet, veranlaßt. In seiner Entschei- dung sagt der Hülfssekretär: „Es war augenscheinlich die Absicht des Congresses, das durch eigene Arbeit erzielte Einkommen der Wittwen durch die Pension zu ver- größeren, aber nur wenn dasselbe zum an- ständigen Unterhalte nicht hinreichte. So- bald eine Wittwe aus anderen Quellen ein ausreichendes Einkommen hat, kann sie un- ter gewöhnlichen Umständen nicht mehr als pensionsberechtigt betrachtet werden." Lin Schwindler verhaftet. Gegen denselben liegen auch noch andere Oergehen vor. Brazil, Jnd., 8. Dez. Morris Tomlinson, welcher geständig ist, einen Mann in Ohio erschossen zu ha- ben, und beschuldigt wird, während er den Viehstand von George McHenry, westlich von der Stadt, beaufsichtigte, den letzteren um mehr als 81000 beschwindelt zu haben, ist gestern Abend vom Polizeiches Lauder- bak in der Nähe von Indianapolis verhaf- tet worden. Bei seiner Festnahme machte er einen verzweifelten Versuch zu entkom- men, wurde aber schließlich überwältigt, und sicher hinter Schloß und Riegel unter- gebracht. Schiffsnachrichten. Heute gemeldet: Halifax „Assyrian" von Glasgow und Liverpool. Bremerhaven „Saale" von New Port. Glasgow —„Scaudinavian" von Boston. Liverpool „Lucania" von Galveston via Newport News. Hüll „Marlello" von New Pork. Oueenstown—„Lucania" von New Zjork nach Liverpool. Heute gemeldet: New Pork: „New York" von South- ampton, „Campania" von Liverpool, „Braunschweig" von Bremen. Lapt. Hartnett's Seite. Capt. Hartnett bezeichnet die gegen ge- wisse Polizisten des Reviers der Harrison- straßen-Slation erhobene Beschuldigung, bei den Inhaberinnen der Lasterhöhlen Gelder collektirt zu haben und daß aus den collektirten Geldern für ihn ein diamant- besetzter Stein gekauft werden solle, für gänzlich unbegründet und erlogen. Der Bericht über die von Polizeiches Brenuau ungeordnete Untersuchung in dieser An- gelegenheit ist jedochvon dem damit betrau- ten Inspektor Fitzpatrick noch nicht erstattet worden. städtisches. Das Wetter. Optiker Kleine, 76 Washington Skr., berichtet für Chicago die folgenden Baro- meter-und Thecmometerstände: Um 8 Uhr Morg. 50 Gr., um 9 Uhr 50 Gr., um 10 Uhr 52 Gr., um 11 Uhr 54 Gr., um 12 Übr 56 Gr. Barometerstand um 8 Uhr Morg. 29.05,12 Uhr 29.95 Brutaler Word. Nicolas Seguda im Laden No. 80 lveffon Straße erschossen. In dem Hause No. 80 Wesson Str. wurde heute Morgen kurz vor zwei Uhr Nicolas Seguda, ein polnischer Jude, er- schossen. Um dreiviertel zwei Uhr standen die Polizisten Schoenheit, O'Rsurke und Hei- dclmeier von der O. Chicago Ave.-Station an der Ecke von Oak und Wesson Str., als plötzlich zwei Schüsse durch die Nacht krachten. Die Polizisten eilten nach der Richlüng, in welcher die Schüsse sieten. Beim Passieren des Hauses 80 Wesson Str. kam ein Mann aus der Hausthür ge- laufen und rief den Poliziiten zu, ein Todter liege in dem Haus. Die Beamten begaben sich hinein und fanden im Hintcr- ziinmer den Nicolas Seguda auf dem Fuß- boden liegen; die Kugel war unter dem linken Auge eingedrungen. Der Schwer- verwundete gab noch Lebenszeichen von sich, starb jedoch auf dem Wege nach dem Alerianer-Hospital im Patrouillewageu. Zusammen mit dem Ermordeten befand sich Frank Haller, der von Seguda ange- stellt war, 24 Jahr alt und böhmischer Nationalität ist. Er erzählte, daß er mit Seguda aus dem Fußboden des Hinterzim- mers schlief, als er durch ein Geräusch plötzlich aus dem Schlaf geweckt wurde. Erwachend sah er einen Mann am Sciten- fenster stehen und als er, Haller, seinen Revolver hervorziehen wollte, schoß der Eindringling. Haller antwortete mit zwei Schüssen und der Mann sprang aus dem Fenster. Er soll ein langer Geselle gewe-sen sein. Haller wurde verhaftet und nach der O. Chicago Ave.-Station gebracht. Seguda hatte gestern erst ein Fleischer- geschäft in dem Hause 80 Wesson Str. für die heutige Eröffnung aus einem Schilde angekündigt. Bisher wohnte Seguda in dem Hinter- haus von 80 Wesson Str. mit Frau und vier Kindern. Eine weitere Untersuchung am Orte der That ergab, daß ein Bureau aufgebrochen war. Der Kops des Erschossenen war mit Blut getränkt und Blutlachen waren in der Nähe des Fensters zu finden. Auch das Kissen, auf welchemSeguda geschlafen hatte, war mit Blut befleckt. Haller wurde von Lieutenant Fife einem eingehenden Verhör unterworfen. Er be- hauptete, nicht geschossen zu haben und widersprach sich darin gegenüber seiner ersten Ausgabe. Die Polizei fand einen Revolver auf einem Kalten in dem Laden liegend. Haller gab zu, daß die Waffe sein Eigenthum war. Zwei Kammern dersel- ben waren geleert und der Revolver trug Blutspuren. Frau Seguda beschwor die Polizisten, Haller nicht zu verhaften, er habe fünf Monate bei der Familie gewohnt und sei unschuldig. Haller ist ungefähr 24 Jahr alt und spricht ein schwer ver- ständliches Englisch, sodaß die zahlreichen Widersprüche seines Verhörs vielleicht auf die Unkenntniß der Sprache zurückgeführt Werden können. Seguda betrieb früher ein Fleischergeschüst an der Paulina Str. Daß die Polizei von der Schuld Hallers noch nicht vollständig überzeugt ist, geht aus der Angabe hervor, daß er vorläufig als Zeuge für den Coroners-Jnquest festgehal- ten wird. Aus dem Eriminalgericht. Der Meadowcrost Prozeß. Heute Vormittag legte R. C. Wilon, Buchhalter derAtlas National Bank,Zeugniß ab über die einzelnen Sicherheiten, welche Meadowcrost Bros, im Werthe von 8133.- 000 der Bank für eine Anleihe von 880,000 an die Atlas National Bank übertragen hatte. Bekanntlich konnte die AtlasNational Bank nur 874,000 auf diese Sicherheiten hin collectiren. Frank B. Meadowcrost und Charles I. Meadowcrost, die angeklagten Brüder, stellten heute Morgen Bürgschaft für die zwölf Anklagen, welche die November Grandjury erhoben hatte. Die Gesammt-summe derVürgschaften belief sich auf 89000. Bürgen waren George E. Wood, 2801 Prai- rie Ave., und William F. Wood, No. 212 32. Str. wohnhaft. Die beiden Herren führen eine große Fabrik von Ackerbau-Ma- schinen. Der Fred. Schemick Prozeß. In der heutigen Vormittagssitzung vor Richter Chetlain trat der Angeklagte Frede- rick Schemick als Zeuge auf und erklärte, daß ihn Edward Shea wiederholt mit dem Tode bedroht habe. Als er am 2. October in die Opium - Spelunke 271 W. Madison Str. ging, richtete sich Shea in einer „Bunk" auf und faßte nach dem Revolver, welcher unter dem Kissen lag. Der Zeuge sah sein Leben in Gefahr und feuerte selbst. Zwei Jahr Zuchthaus. Die Geschworenen vor Richter Tuley hat- ten gestern Abend ein versiegeltes Verdict abgegeben. Dasselbe wurde heute geöffnet und Ed. Roach wegen Einbruchs zu zwei Jahr Zuchthaus verurtheilt. Unnöthige Furcht. Aus Furcht, einen Spielkameraden ge- tödtet zu haben, halte der 15jährige Charles Vandervoort am 16. November sein Eltern- haus verlassen. Seit etwa einer Woche verbarg sich der Knabe in einer Höhle an der 69. und Wrightstraße, wo ihn andere Knaben mit oen nöthigen Lebensmitteln versorgten. Zum SpaßS hielten die Ben- gel es aber für geratHeu, dem „Justizslücht- ling" die Thatsache zu verbergen, daß der angeblich von ihm gerödtele Knabe nur un- gefährlich verletzt sei. Sie ängstigten im Gegentheil den armen Jungen derart, daß er gestern Abend einen Bahnzug der Rock Island-Bahn benutzte, um sich im fernen Westen in Sicherheit zu bringen. Die letzte Nachricht von ihm daiirt aus Brook- l lyn. lowa, vom 28. November der. Ein bestialischer Mord. A. A. Wcrrnes dcrs Hpfev. Näheres über den schaurigen Fund auf der Südseite. —Die vermeintlichen Thäter in Hasi.—Schwieriger Nachweis. Die Chicagoer Polizei ist mit der Auf- deckung eines furchtbaren Mordgeheimnisses beschäftigt. Gestern Morgen gegen sieben Uhr wurde, wie bereits mitgetheilt, an der South Park Avenue, unweit der 63. Straße und der Südseite Hochbahn, eine hölzerne Kiste, wie man sie zu Verpackungs- zwecken benutzt, gefunden, in welcher sich der in gräßlicher Weise zerhackte und ver- stümmelte Körper befand. Zuerst glaubte man, ein Student irgend einer Klinik hätte sich einen schlechten Scherz erlaubt, da man vor dem Gedanken schauderte, daß es Menschen gäbe in dieser Welt, welche mit solcher bestialischen Mordlust einen Mit- menschen umbringen können. Seitdem hat sich aber nicht nur herausgestellt, daß Letz- teres doch der Fall ist, sondern der Polizei ist es bereits gelungen, zweier Leute hab- haft zu werden, welche angeblich nähere Aufschlüsse über die Greuelthat zu geben im Stande sind. Der schaurige Fund wurde eigentlich zuerst von dem No. 7004 St. Lawrence Ave. wohn- haften Weichensteller I. Larsen gemacht, als er gestern Morgen um die erwähnte Stunde an jenem Orte an der South Park Ave. vor- Überging, um den Dienst auf der Hochbahn anzutreten. Er sah die Packkiste liegen und ging auf dieselbe zu, um sie sich näher zu be- schauen. Da bemerkte er zu seinem Entsetzen, daß sich frische Vlutspuren an derselben be- fanden und blutdurchdränkte menschliche Haare aus den Fugen hingen. In der größ- ten Aufregung über die Entdeckung eilte er nach der Woodlawn Polizeistation und er- zählte dem dort dienstthuenden Lieutenant davon. Es wurde sofort ein Patroullewagen nach dem beschriebenen Orte gesandt und brachte dieser binnen einer Viertelstunde die Kiste nach der Station. Als man die Bret- ter derselben gelöst hatte und aufhob, prallte Alles vor Entsetzen zurück. In einen Tep- pich gehüllt lagen die Gliedmaßen einesMa- nnes, der wohl in den vierziger Jahren ge- standen haben mochte; sie waren an ein Du- tzend Stellen gebrochen und aufs Gräßlichste verstümmelt. An dem Halse der Leiche be- fanden sich zwei klaffende Wunden, welche er- kennen ließen, daß man den Körper zerstü- ckeln wollte, um ihn in die Kiste hinein zu be- kommen. Eine andere Wunde an der linken Schulter maß fast einen Fuß in der Länge, während überall an dem Körper kleinere und größere Wunden zu entdecken waren, welche offenbar von Axt und Messer herrührten. Die Wände der Kiste waren mit Blut bespritzt und aus dem Boden derselben lag ein Büschel schwarzes Frauenhaar. Dieses ist es gewesen, welches den Geheimpolizi- sten, die sich mit der Aufdeckung der schreck- lichen Thal bcschäfriglen, einen Anhalts- punkt gab, der zu den wichtigsten Eudeckun- gen führte. Schon von dem Coroner hatte man erfahren, daß der Leichnam höchstens 12 Stunden alt sein konnte, also daß die Ermordung an dem vorgestrigen Abend staltfand. Dies Material genügte den 20 Geheimen, welche Inspektor Hunt mit der Aufarbeitung des grausigen Vorfalls be- traute, um zu der vollständigen Enthüllung desselben zu führen und die vermeintlichen Thäter der Polizei in die Hände zu lie- fern. Als Erstes beschäftigte man sich mit der Kiste. L>ie stammt, wie cs scheint, aus der Zeit der Weltausstellung und trägt nebst dem Stempel der Firma eines überseeischen Handelshauses, den Namen „G. P. Pcter-son, Providence" und auf zweiPapierstrei-sen, die aus dem Boden lagen, standen die Adressen „M. N. Fritz, 327 37. Straße" und „R. I. Titus, 237 West 52. Straße". Allein die in diesen Häusern angestelltcn Nachfragen ergaben gar nichts, da Titus, sowie Fritz längst von dort sortgezogen waren. Aber man machte bald eine andere Ent- deckung, die von der größten Wichtigkeit war, nämlich, daß der Hausmeister des Hia- Watha-Flatgebäudes seit Mittwoch Abend nicht mehr gesehen worden sei. Als Jn- spector Hunt dies erfuhr, ordnete er die so- sofortige Verhaftung desHilfs-Hausmeisters Jordan an. Man führte ihn vor die Leiche und er identifieirte sie als diejenige seines Vorgesetzten A. D. Barnes. Dabei ver- rieth Jordan aber keine innere Erregung, und fast sah es aus, als ob er gänzlich un- schuldig sei, als auf einmal Jnspector Huntin einer der Hosentaschen des Gefangenen ein Stück Teppich fand, was unzweifelhaft zu demselben gehörte, in dem der Leichnam Barnes' eingewickelt gewesen war. Jordan gestand darauf, dieKiste in dem Kellerraum des Hiawatha-Flats gesehen zu haben und auch der Teppich wäre darin gewesen. Diese 'Erklärung führte zu der Ent-deckung, daß die Mordthat in dem im Keller- raum befindlichen Maschinenraum des be-sagten Gebäudes verübt worden war, denn selbstverständlich wurde letzteres von oben bis unten durchsucht und im Maschinen- raum kam man auf die ersten Blutspuren. Jetzt galt es das Mordinstrument auszufin- den. Zu diesem Zwecke brachte man Jor- dan, ohne ihm Mittheilung über das Ge- schehene zu machen, nach dem Maschinen- raum, und fragte ihn, wo der Werkzeug- kasten aufbewahrt würde. Er wies auf den Ort hin und in unmittel- barer Nähe desselben fand man die blutbe- fleckte Axt, mit der jedenfalls die That voll- bracht wurde. Außerdem entdeckte man in einem Fasse die zerrissenen und von Blut befleckten Kleidungsstücke eines Mannes, vermuthlich Barnes'. Jordan verrieth mit keinem Zug seiner Miene, daß er irgend et- was von der Mordhat wisse. Er sagte: Barnes sei am Mittwoch Abend fortgegan- gen und seitdem nicht wiedergekommen. Beim Kreuzverhör durch Inspektor Hunt rief Jordan dann in verzweifeltem Tone: „Sie mögen glauben, daß ich ihn (Barnes) getödtet habe, aber ich hätte mein Leben für den Mann eingesetzt!" Kurz nach Mittag verhaftete man einen Mann Namens„Benzin"Jersey, der sich seit enigen Tagen in der Nähe des Flat aufgehal- ten hatte. Dieser soll sich seit dem Tage, da Barnes verschwand, mit Jordan zusammen in vielen Schankwirthschaften Herumgetrie- ben und Geld mit vollen Händen ausaeae- ben haben. Auch eine Frau Winslade ist in Haft genommen worden. Dieselbe wohnt- -3744 Rhodes Ave., soll in zweifelhaften Be- ziehungen zu dem Ermordeten gestanden haben und noch am Tag vor der That in dem Hiawatha-Gebäude gesehen worden sein. Sie hinterließ damals einen Brief für Barnes, in welchem sie diesem allerlei Be- leidigungen vorwarf, die sie hatte von ihm ertragen muffen. Eine weitere schwerwiegende Aussage wurde von Chas. Scheurer aus No. 3624 Vernon Ave. gemacht. Er behauptet, Jor- dan mit zwei Männern und einer Frau am Mittwoch an der State- und 43.Str. zu-sammen gesehen zu haben. Ferner erklärte PolizistNorthrist von derStantonAve.-Sta- tion, daß er während der vorgestrigen Nacht kurz vor ein Uhr des Morgens an der 35. Straße einen Wagen mit gelben Rädern gesehen habe, auf dessen Bock zwei Männer und eine Frau gesessen und in dessen Innern eine Kiste von ungefähr 3 Fuß Länge und 2 Fuß Breite gestanden habe. Doch hätten die Männer, als sie seiner ansichtig wurden, ihr Pferd zum Galopp angetrieben und seien bald darauf in der Dunkelheit verschwunden. Unermüdlich haben die Beamten der Hyde Park Polizeistation an der Aufdeckung des Mocdgeheimniffes weitergearbeitet, und heute früh ist das Netz, welches man um Jordan und Jersey gesponnen hat, fast zu- gezogen worden, und falls sie sich nicht zu einem Geständnisse bequemen, werden heute Abend die letzten Maschen gewoben sein. Jersey ist vollkommen fassungslos, während Jordan bereits um 11 Uhr dem Jnspector Hunt mittheilen ließ, daß er gewillt sei, ein Geständniß abzulegen. Unterdessen ist eine Frau A. E. Dore, welche in dem Hiawatha-Flatgebäude, 258 37. Straße wohnt, als Zeugin gegen die beiden Verdächtigen aufgetreten. Sie will Jordan und Jersey in dem Maschinenraum beobachtet haben, als dieselben am Abende der Mordthat daselbst die Kiste hin und her schoben. Auch eine vierte Verhaftung ist vorgenommen worden. Wie oben erwähnt, betrieb Barnes letz- ten Sommer eine Schankwirthschaft in der Nähe der Hyde Park-Station. Seine Geschäftstheilhaberin war eine gewisse Annie Mahoney. Eines Tages kam es zwischen ihr und ihm zu einem heftigen Streit, der zur Folge hatte, daß sie sich trennten. Bei dieser Gelegenheit soll das Frauen- zimmer gefährliche Drohungen ausgestoßen haben. Letzteres soll noch amMittag vor der That an der 43. und Statestraße im Ge- spräch mit Barnes beobachtet worden sein und man vermuihet nun, daß es am Abend absichtlich einen Streit mit ihm anfing, um ihn mit seinen Helfershelfern auf so brutale Weise zu ermorden. Wie es heißt, sind noch verschiedene Personen vorhanden, welche be- lastende Zeugnisse gegen Jordan und Jersey ablegen werden. Als äußerst verdächtigt wird auch der Umstand betrachtet, daß Jordan bei seiner Verhaftung von Kopf bis Fuß rein ange- zogen war und man vergeblich in seiner Wohnung nach der abgelegten Wäsche suchte. Kurz nach elf Uhr heute früh machte Jer-sey den Polizisten Gardner und McCann gegenüber folgendes Geständniß: „Am Donnerstag Nachmittag um '5 Uhr befand ich mich in Muldoon's Schankwirthschaft, als Jordan nach mir schickte. Ich ging sofort nach den Hiawatha Flats, wo mir Jordan im Treppenslur begegnete und Mtttheilte, ich möge um 8' Uhr wieder- kehrcu, er habe etwas für mich zu thun. Um die besagte Stunde stellte ich mich wieder ein und theille mir Jordan mit, er habe eine Kiste zu verstecken und solle ich ihm dabei behülslich sein. Auf meine Frage, was in der Kiste wäre, antwortete er: „Der Körper eines Mannes", und gleich daraus fügte er hinzu: Es ist Barnes!" Ich sab in die Kiste hinein und sah Barnes Leichnam. Wir trugen die Kiste aus dem Maschiuenraum, wo sic ge- standen hatte, in die Allcy hinaus, luden sie aus den Wagen und fuhren davon. Das war um 10 Uhr und mußte der Mord deshalb ungefähr um halb 10 Uhr verübt worden sein. Gestern Morgen kam Jordan zu mir und sagte: „Hier sind zwei Hemden, zieh eins davon an und vcrräthst Du nichts, so gebe ich Dur Arbeit. Ich habe den Mann umgebracht und würde cs mir schlecht gehen, wenn man mich er- wischte." Ich war am Abende der That betrunken und habe aus dem Wagen ge- schlafen. weiß also nicht, was späterhin vorgegangen ist. Lin Veto des Wavors. Mayor Hopkins wird in der nächsten Stadtrathssitzung am Montag denjenigen Theil der Madden'schen Ordinanz mit sei- nem Veto belegen, welcher anordnet, daßdie Gebühren für die Inspektion der auf Grund von Spezialsteuern vorzunehmen- den öffentlichen Verbesserungen auf 1!2 Prozent der erhobenen Spezialumlage her- abgesetzt werden soll. Der Mayor geht von der Ansicht aus, daß Ald. Madden einen Jrrthum beging, als er annahm, bis jetzt habe die Jnspektionsgebühr 1 Pro- zent betragen. Thatsächlich hat die Jn- spektionsgebühr bisher aber 2 Prozent der Steuerumlage betragen. Im Uebrigen ist der Mayor aber ernst- lich für eine Reduktion der Unkosten bei der Vornahme öffentlicher Verbesserungen auf Grund der Spezialsteuerumlagen, soweit « dieselbe praktisch möglich ist. Wieder ein Eisenbahmnord. Lawrence De Rnske, 38 Jahre alt, No. 914 Elybourn Ave. wohnhaft, wurde gestern Abend lobt auf den Geleisen der North- wcstern-Bahn an der Kreuzung mit der Elston Ave. ausgefundcn. Er war von einem Zuge übersahren worden. Viehinurkt. In Chicago wird heute die Zufuhr aus 1500 Stück Rindvieh, 4000 Stück Schafe und 15,000 Stück Schweine geschätzt. Rind- vieh ist flau im Preise und Schafe sind um 5(210 Cents zurückgegangen. Am Schweuicmarkt war die Qualität nicht so gut; bessere Waare wurde zu dem gestrigen Preise abgesetzi, schlechtere mußte etwas billiger abgegeben werden. Schwere Schweine wurden mit 4.30(14.75 gekauft, leichtere mit 3.85(24-40, durcheinander mir 4.10(24.60; grobe zum Pökeln 4.10(2 4.25. ..Pigs" 2.30(24.00.

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