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Abendblatt Newspaper Archives Dec 7 1894, Page 1

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Abendblatt (Newspaper) - December 7, 1894, Chicago, Illinoisvon der Illinois —. — Thicago, Freitag, 7. Dezember 1894. Preis 1 Gent. 47. Jahrgang. No. 290. Uevevvlick Nnd Kurzgefaßtes. Henke soll's noch Regen geben, in der Tracht aber kalt werden und morgen die Kalte zunehmen. Der Wind dreht sichborgen von Südosten nach Nordwesten. De Lesfeps ist heute früh gestorben. Der den Polen so verhaßte Gourko Erhält seinen Abschied und ihm wird be-sohlen, die katholische Geistlichkeit nicht luehr zu schurigeln. . Morgen gehen schon wieder einund- cinviertel Millionen Dollars Gold ins Ausland. 31,000 Dollars Gold fallen Zugräu- bern bei Fort Worth in die Hände. Türkisches Militär ist am Sonntagin zwei Transportschiffen von Konstanti- nopel nach dem Schwarzen Meere abge-gangen. Die Organisation der Brauer hat sich aufgelöst, doch ist bereits die Gründung einer neuen Verbindung in Angriff ge- nommen. „Der König ist todt, es lebe derKönig!" Die Zahl der Selbstmorde mehrt sichin Chicago in beängstigender Weise. Dem Stadtrath wird demnächst eine Ordinanz zur strengen Regulirung der Brodpreisc vorgelegt werden. Tekegraplnscke Depeschen. Der neue C;ar. Tr legt dem Gen. Gourko, dem Gouverneur von Warschau, das Handwerk. Gourko's Nachfolger. Posen, Deutschland, 7. Dez. Eine hier aus Warschau cingetroffeneDepesche bringt die Mittheilung, daß Gen. Gourko, der Gouverneur von Warschau, am letzten Dienstag vom russischen Minister des In. «rn eine Depesche erhalten habe, welche den Befehl des Czaren enthielt, sich der Einmischung in die Angelegenheiten der katholischen Geistlichkeit und aller An- ordnungen gegen dieselbe zu enthalten. In der Depesche heißt es ferner, daß Gen. Gourko am 1. Dezember seine Resignation eingereicht habe, und daß Puschkin, der Gouverneur von Odessa, zu seinem Nach- folger ernannt worden sei. Das Brooklyner Tabernakel ver- kauft. Dasselbe gestern von dem Inhaber der zweiten Hypothek billig erstanden. Bro okl yn, N. P., 7. Dez. Das Brooklyner Tabernakel an Clinton, Green und Waverly Ave. gelegen, ist gestern in Folge der Kündigung einer Hypothek in dem „Old Auction Room" in Willoughby Str., bekannt als Hugh McLaughlins Hauptquartier, verkauft worden. Die Ver- anlassung dazu gab Chas. T. Mills, wel- cher die zweite Hypothek hatte, und diese dem Sheriff in die Hände gab. Es wurde nur ein Angebot von tzlo,ooo gemacht, und dies kam von Wills. Die erste Hypo- thek befindet sich im Besitze von Ruffel Sage, und beträgt H61,760, sodaß Mills das Eigenthum für etwa H73,000 erhält, oder für tz17,000 weniger, als das Taber- nakel allein gekostet har. Gin alter Bürgermeister gestorben. Der achtzigjährige Bürgermeister von Geneva todt im Bette gefunden. Geneva, Jll., 7. Dez. Wm. Conant, der ehrenwürdige alte Bürgermeister dieser Stadt, wurde gestern Morgen als Leiche in seinem Bette gefun- den. Seine Frau glaubte daß er schlafe, und fand zu ihrem Schrecken, als sie ihn wecken wollte, daß er todt sei. Der sofort gerutene Arzt gab Herzschlag als Todesur- sache an. Obgleich der Verstorbene bereits in feinem achtzigsten Lebensjahre stand, War er noch kräftig und rüstig. Er war einer der ältesten Ansiedler in Kane County, und von Brandon, Vt., eingewan- dert; die Familie stammt ursprünglich aus England. Sein Sohn, Luther L. Conant, ist der Eigenthümer der „Subscription News Company", 77 Clark Str., Chicago, und wohnt in Oak Park. Schwer geleimt. Lin biederer Farmer streckt zwei Fremdlingen auf eine Bankanweisung Geld vor. Kansas City, Mo., 7. Dez. Ein soeben aus Lowry, Mo., angekom- uener Farmer, Namens James M. Haw- kins, begegnete zwei Fremden, die sich in arger Verlegenheit befanden, und streckte ihnen auf eine Anweisung auf die Bank- firma Clark L Larribee in Butte, Mont., welche „A. Rüffelt Apple" unterzeichnet war, und auf H175 lautete, H25 vor. Als Hawkins fand, daß die Anweisung keinen Werth hatte, klagte er der Polizei seine Noch. Die Prinzessin von Bagdad. Dieselbe wurde gestern für rrooo losge- schlagen. NewPork, 7. Dez. Bei dem gestern Abend hier stattfinden- den Verkauf der Gemüldegallerie des ver- storbenen William M. Connors, brachte das Bild von E. Richter „die Prinzessin von Bagdad" G7OOO. Die anderen Gemälde nur geringe Preise. Abendblatt 1 Cent, 6 Cents die Woche. Ein anscheinend praktischer Plan. Die Gründung eines Baumwollen- Trustes beabsichtigt. Demselben sollen sämmtliche Baumwollen- pflanzer beitreten. Yorkville, S. C., 7. Dez. Die Farmer in Aork County befinden sich über den Plan von John T. Noddey, einem New Porter Baumwollenmakler, die Baumwollenpflanzer im Süden zu einem großen Syndikat zu vereinigen, in gewal- tiger Aufregung. Roddey ist in diesem County geboren, hat sich aber seit einigen Jahren in New Pork als Geschäftsmann aufgehalten. Seit den letzten zehn Tagen hat er hier seinen alten Bekannten und früheren Geschäftsfreunden seinen Plan mitgetheilt, und es verstanden. , dieselben dafür zu begeistern. In einer Unterredung sagte er: „Der Preis der Baumwolle wird jetzt fast nur von den professionellen Spekulanten in Liverpool, New Pork und New Orleans vestimmt. Diese Spekulanten verfügen für spätere Ablieferung jährlich über Hun- derte von Millionen Bullen. Die Geschäfte derselben in nicht vorhandener Baumwolle sind so bedeutend, daß der Umsatz von wirk- lich vorhandener Baumwolle dagegen nur von unbedeutender Wichtigkeit ist. Durch den Kauf und Verkauf von Hunderten von Millionen Ballen nicht vorhandenerBaum- wolle wird der Preis von acht oder neun Millionen wirklich vorhandener Baum- wolle als nebensächlich festgesetzt, und da- durch erleiden die Leute, welche die Baum- wolle wirklich produziren, einen gewal- tigen Schaden." „Durch eine tüchtige Organisation kön- nen die Baumwollenpflanzer bis zu einem gewissen Grade die Spekulation beschränken, nnd selbst einen Theil des Gewinnes be- halten, welcher ihnen jetzt, ehe das Roh- material in die Hände der Fabrikanten kommt, verloren gehl." „Im Süden befinden sich jetzt genug Lagerhäuser, um die ganze Ernte aufzu- speichern. Die Speicher sind aus dem durch die Baumwolle erzieltenProfit gebaut wor- den, und werden auch dadurch erhalten. Es giebt sechs Mal so viele Käufer an Ort undStelle, als für die Ernte nöthig sind, und alle haben ein gutes Einkommen. Durch eine gute Organisation aber können wir fünf Sechstel der örtlichenKäufer entbehren. Wenn wir den größeren Theil der Baum- wollenernte unter einer Kontrolle haben, sind wir im Stande, den Markt je nach Be- darf damit zu versehen und wenn nöthig, ein Viertel oder ein Fünftel der Ernte voll- ständig zurückzubehallen." „Ich habe von bedeutenden Baumwollen- pflanzern mehr als tausend Briefe erhallen, und zwar aus allen Theilen der südlichen Staaten, und Alle haben mir ihre vollste Unterstützung versprochen." Allen: Anscheine nach wird der von Noddey geplante Syndikatsplan angenom- men werden, und es werden sofort Schritte gethan werden, um die Organisation im «Staate sowohl, wie im ganzen Süden zu Stande zu bringen. Hochzeit im Gefängnisse. Sie wollte an die Schuld ihres Geliebten nicht glauben. Kansas City, 7. Dez. Bei einer gestern im Countygefängnissc stattgefundenen Trauung gaben die Ge- fangenen in den benachbarten Zellen die Zeugen ab, während der Friedensrichter Krüger über das Pärchen, welches aus der hübschen 16jährigen Minnie Brown, und dem um zwei Jahre älteren William Huke bestand, welcher sich wegen Raubes in Haft befindet, den ehelichen Segen aussprach. Die Betreffenden hatten sich von Jugend auf gekannt, und als der junge Huke vor einigen Tagen verhaftet wurde, weil er an- geblich die Firma, für welche er arbeitete, beraubt hatte, wollte sie ihn nicht für schuldig halten. Um dies recht deutlich zu bestätigen, bewog sie ihre Mutter ihr einen Heirathsschein zu besorgen. Damit begab sie sich, von der Mutter begleitet in das Gefängniß, wo die Trauung sofort vorge- nommen wurde. Die Beweise gegen Huke sind schwerwiegend, und aller Wahrschein- lichkeit nach wird er in's Zuchthaus wan- dern. Großartiges Landgeschäft. !Vas sich Llaus Spreckles für anderthalb Millionen Dollars gekauft hat. San Francisco, 7. Dez. Es heißt, daß die anderthalb Millionen Dollars, welche Claus Spreckles kürzlich aus der Nevada Bank zog, zum Ankauf von großen Ländereien benutzt werden sollen, und zwar von den 40,000 Ackern Land, auf welchem sich die Chino-Znckerraffincrie befindet. Der Handel wurde durch C. H. Philipps aus San Luis Obispo vermittelt und soll das größte Geschäft in Grundeigenthum sein, daß noch je im südlichen Kalifornien abgeschlossen wurde. Der Kauf schließt das Gebiet des Ortes China ein, die „Chino Valley Eisenbahn", die zehn Mei- len lange schmalspurige Bahn, die Be- wässerungsanlage und den Kontrakt mit der „Chino Valley" Rübenzuckergesellschaft. Wollte nichts davon wissen. Lin junger Mann vom Vater seines Schatzes erschossen. Knoxville, Tenn., 7. Dez. Am letzten Sonntage wurde in Claiborn County Thomas Hold von Will. Bruce er- schossen. Hold hatte der sechszehnjährigen Tochter von Bruce gegen den Willen des Vaters den Hof gemacht. Als er am Samstag Abend wieder in Bruce's Woh- nung eenen Besuch machte, gerieth er mit demselben Streit, und das Ende war, daß er von demselben erschossen wurde. Ver- haftungen wurden nicht vorgenommen. Grenrunruyen. Mexikanische Truppen von guate- malanischen Guerillas ange- griffen. Zwei mexikanische Soldaten gefallen. Mexiko, Mex., 7. Dez. Die letzten Nachrichten von der Grenze von Guatemala sind bedeutend ernstlicherer Art, als alle früheren, welche bis jetzt nach der Hauptstadt gelangt sind. Es wird be- hauptet, daß ein mexlkauischer Oberst, ein Mitglied des Stabes des Gen. Lallane, von den Guatemalanern ermordet wurde, und aus nichtamtlicher Quelle wird be- richtet, daß eine Company des 19. mexi- kanischen Bataillons zwei Gefechte mit guatemalanischen Guerilla's zu bestehen hatte. Der erste Angriff war unbedeutend, aber bei dem zweiten blieben zwei mexikanische Soldaten todt auf dem Platze. Die Gua- tcmalaner zogen sich eiligst zurück, und es ist nicht bekannt, ob sie bedeutende Verluste erlitten. Die letztere Truppenabtheilung soll sich noch in der Nähe der mexikanischen Trup- pen aufhalten, aber man glaubt, daß sie sich nach dem letzten Angriffe über die internationale Grenzlinie zurückgezogen hat. Sollten diese Nachrichten amt- licheßestätigung finden, so ist es sehr wahr- scheinlich, daß die mexikanische Regierung sofortige Genugthuung wegen dieser Ge- waltthaten verlangen wird. Zwei junge Raufbolde. Sie veranlassen ein regelrechtes Gefecht, weil ihnen Schnaps verweigert wurde. Shelbyville, Jnd., 7. Dez. Gestern Abend fand in Medham, einer kleinen, auf der. Grenzlinie zwischen diesem und Johnson County liegenden Station, ein regelrechtes Gefecht mit Schießwaffen statt, und in Folge dessen herrscht in der ganzen Gegend eine fieberhafte Aufregung. Harry Windhurst hat dort einen sogenann- ten County-Store, und verkauft dabei auch Schnaps; gestern Abend zu später Stunde erschienen John und Wm. Duncan, zwei einigermaßen anrüchige junge Leute, die be- reits ziemlich berauscht von Franklin zurückgekommen waren, dort und ver- langten noch mehr Schnaps. Windhurst traute aber dem Frieden nicht recht, schloß seinen Laden und weigerte sich, ihnen ir- gend welche Getränke zu verabreichen. Darauf bildeten sich die Burschen einen gewaltigen Zorn ein, und bombardirtcn das Haus mit Steinen. Sie zertrümmer- ten sümmtliche Fensterscheiben, und Frau Windhurst wurde durch einen Steinwurf schwer am Kopfe verwundest Darauf reichte ein Sohn von Windhurst seinem Vater einen Revolver, und dieser begann auf die Strolche zu feuern, die jedoch sofort das Feuer auf das heftigste erwiederten. Schließlich holte Windhurst seine Doppel- flinte, zielte auf John Duncan und drückte los. Getroffen stürzte dieser nieder, ein zweiter Schuß traf William Duncan und machte auch diesen kampfunfähig, worauf das Gefecht ein Ende hatte. DieFolge dieser Schießerei war, daß die Familien und Nachbarn ihre Freunde zu- sammentrommelten, und daß jetzt noch weitere Unruhen befürchtet werden. Frau Windhurst und John Duncan befinden sich in äußerst bedenklichem Zustande, und sollte sie oder der junge Duncan den Ver- letzungen erliegen, so könnte sich schließlich noch die schönste Familienfehde daraus ent- wickeln. Auf der Zaqd erschossen. Lin Jäger hält seinen Kameraden für ein Reh und schießt ihn nieder. FortWorth, Tex., 7. Dez. Von Georgetown ist die Nachricht eingc- troffen, daß zwanzig Meilen westlich von Georgetown, wo sich ein Sohn des Ge- nerals Hardeman aus Ausstin mit einem gewissen Tibler auf der Jagd befand, der letztere seiner Jagdgenossen, den er im Busche für ein Reh hielt, durch einen Schußtodt niederstrcckle. Bankraub. Die Einbrecher erbeuteten Züooo. Linnens, Mo., 7. Dez. Dem Sheriff Barlon von diesem County, ist soeben von Marceline berichtet worden, daß die First National Bank jener, im süd- östlichen Theile von Lynn County gelegenen Stadt, in der Mittwochnacht um H6OOO be- raubt worden ist. Die Bankbeamten sagen, daß sie eine gute Spur von den Räubern entdeckt haben. Etwa eine Woche vor die-sem Einbruch war eine Versicherung gegen Einbrecher, im Betrage von tzlo,ooo, von den Bankbeamten erwirkt worden. Die Beute der Bahnräuber. Dieselbe bestand in einer hübschen, für Onkel Sain bestimmten Summe, in Gold- Lertificaten. Fort Worth, Tex., 7. Dez. Spätere Nachforschungen haben ergeben, daß die Bahnräuber G31,000 in Gold-Certi- ficaten erbeutet haben, welche sich zur Be- zahlung von Bonds auf dem Wege von San Francisco nach Washington befanden. Schiffsnachrichten. In der Nacht gemeldet: Havre „Holsatia" von New Orleans nach Hamburg. London „Massachusetts" von New Nork. Hamburg— „Oceanic" von NewOrleans via Newport News. Liverpool „Britannic" von NewAork. Neapel „Werra" von New Z)ork. Der Bankraub in Salvador. Zwei Deutsche deswegen in Haft genommen. Der Fall Santos in Lcuador. Panama, 7. Dez. Die HIOO,OOO, welche aus der Occidental Bank in Salvador gestohlen waren, sind wieder erlangt worden, und zwei Deutsche, welche des Diebstahles beschuldigt werden, befinden sich im Gcfängniß. Betreffs des Santo'fchen Falles, welcher in der Botschaft des Präsidenten Cleve- land erwähnt ist, glaubt man, daß der Präsident Cordero von Ecuador nicht ab- geneigt ist, die Forderung auf gütlichem Wege beizulegen. Derselbe ist bestrebt, sich mit den Ver. Staaten auf guten Fuße zu stellen, um im Falle von Unruhen mit be- nachbarten Staaten dieselben auf seiner Seile zu haben. Bericht über das Serum. lvas Dr. Kinyoun voin Marine-Hospital- Dieust in Paris darüber beobachtet hat. Washington,?. Dez. Gerade zu jetziger Zeit ist ein dem Ge- neralarzt Wyman vom Marine-Hospital- Arzt Dr. Kinyoun zugegangener Bericht von besonderem Interesse. Dr. Kinyoun hatte auf Einladung des Professors Roux, die im Pasteur-Institute zur Herstellung des neuen Anti-Diphtheriemittels ange- wandte Methode beobachtet. Dr. Kinyoun sagt, daß er nach einem einmonatlichen Aufenthalte in dem Institute genug gesehen habe, um sich ein genügendes Unheil über den Werth der Entdeckung zu bilden, und daß zu Gunsten desselben viel mehr gesagt werden könne, als vom Prof. Roux in fei- ner Abhandlung darüber, welche vor dem internationalen Congreß von Aerzlen im September in Budapest zur 'Verlesung kam, behauptet wurde. In dem Bericht wird genau die Art und Weise der Her- stellung des Serums angegeben, welche, erstlich dieZubercitung des diphtheritischen Giftes in sich schließt, dann das Verfahren zur Herstellung der Widerstandsfähigkeit der Thiere gegen die Ansteckungskeime, und drittens, die Aufbewahrung und Er- haltung des Serums. Die Widerstands- fähigkeit eines Tbieres, heißt es in dem Be- richte, wird Entweder durch Einspritzung des Giftes oder durch Einimpfung von Bacillen erzielt. Bei den Versuchen des Prof. Roux und des Dr. Martin wurden alle möglichen Thiere benutzt, aber jetzt wird nur das Pferd benutzt, weil sich dasselbe als das für den Zweck zweckmäßigste Thier herausgestellt vat. Von sämmtlichcn Patienten, welche von Dr. Kinyoun beobachtet wurden (cs waren zweiundachtzig), starben drei, also vier v. H., und die Sterblichkeitstabellen zeigen seit dem letzten Mai eine allmählige Abnahme an. Früher, in den Jahren von 1889 bis 1894, erlagen volle 85 v. H. der kleinen Patienten der beuche, während die Sterb- lichkeit seit der Entdeckung des Serums auf weniger, als 47 v. H. gefallen ist. Rann das fDferdestehlen nicht lassen. Lin alter sünfundsiebzigjähriger Pferdedieb wiederum in Haft. Crown Point, Jnd., 7. Dez. Gestern wurde der fünfundsicbzigjährige John Hoffman wiederum wegen Pferde- diebstahls in Haft genommen. Im Jahre 1890 gründeten die Farmer in der hiesigen Gegend einen Verein znin Schutz gegen den immer mehr überhandnehmendcn Diebstahl von Pferden, und faßten Hoffman ab, als er gerade im Begriffe stand von Thomas Goodrich ein Gespann Pferde zu stehlen. Dafür wurde ihm in Anbetracht seines Alters nur eine dreijährige Zuchthausstrafe zndiktirt. Im letzten Monate hatte er seine Zeit abgesessen, aber ehe er noch einen Monat lang wieder ein freier Mann war, stahl er von dem CommissärBarney Schiedt ein Gespann werthvoller Pferde. Gestern wurde Hoffman verhaftet, als er gerade wieder dabei war, in derselben Nachbar- schaft ein Paar Pferde zu stehlen. Das Merkwürdige bei dem alten Pferdedieb ist, daß er stets seine Schuld eingesteht und an- giebt, wo die gestohlenen Pferde zu finden sind. Er scheint ein geborener Pferdedieb zu sein, und das Pferdestehlcn nicht lassen zu können. Er hat offen erklärt, daß er während seines Lebens mehr als fünf- hundert Pferde gestohlen habe, und doch nur zwei Mal verhaftet worden sei. Tin durchgebrannter Rassirer. Mit ihm sind )Z7,000 verschwunden. St. Louis, Mo., 7. Dez. Von Fort Worth, Tex., wird berichtet, daß der Sheriff Koffer von Hardeman County, welcher dort eingctrofsen ist, die Mittheilung bringt, daß W. F. Brice, der Kassirer der „City National Bank" von Quanah in Hardeman County, die Bank um H37,000 bestohlen und sich geflüchtet hat. Der Unterschleif wurde am letzten Montage entdeckt. Der Verlnst ist ersetzt worden, und die Bank ist, dem Berichte des Bank-Inspektors nach, völlig zahlungs- fähig. Was Brice mit dem Gelde ge- macht hat, ist den Leuten ein Räthsel, da er anscheinend der reinste Musterknabe war. Glänzend bewährt. Die mit dem Serum behandelten Diphtherie- xatienten sämmtlich auf dein Wege der Besserung. Kansas City, Mo., 7. Dez. Logan Clendcnnin, der erste von hie- sigen Aerzten mit dem neuen Antidiph- theriemittel behandelte Patient, ist voll- ständig wiederhergestellt, und andere Pa- tienten gehen der Genesung schnell ent- gegen. Es ist in New Port eine weitere Sendung des Serums bestellt worden. 's De Lesfeps, ch Der Lrbauer des Suez-Kanals ist gestorben. Paris,?. Dez. Der Erbauer des Suez - Kanals, de Lesfeps, ist heute früh, beinahe 90 Jahre alt, gestorben. Städtisches. Das Wetter. Optiker K l eine, 76Washington Slr., berichtet für Chicago die folgenden Baro- meter- und Thecmometerstände: Um 8 Uhr Morg. 48 Gr., um 9 Uhr 50 Gr., um 10 Uhr 52 Gr., um 11 Uhr 54 Gr., um 12 Übr 57 Gr. Barometerstand um 8 Uhr Morg. 29.25,12 Uhr 29.10. Erschießt sich. Heute früh, um viertel nach acht Uhr, machte der bei der Star Brewing Co., Fulton und Rockwellstr., als Nachtwächter angestellte Jacob Bridway seinem Leben durch einen Revolverschuß ein Ende. Die Kugel war ihm unterhalb des rechten Ohres in den Kopf gedrungen und muß seinen augenblicklichen Tod herbeigeführt haben. Er hinlerläßt eine Frau, welche 102 Artesianstr. wohnt. Weshalb er sein Leben zu einem solch' jähen Abschluß brachte, ist bis jetzt noch nicht ermittelt worden. Existenzsorgen hatte er gar keine und mit seiner Gattin lebte er im besten Einvernehmen. Tin Bäckerwaqen Stürzt an der Halstedftraßen-Brücke in den Fluß. Der Fuhrmann springt glück- licherweise vorher ab. Heute Morgen um 5 Uhr fuhr derBäcker John Labotsky, dessen Bäckerei Nr. 112 Divisionstraße gelegen ist, an der N. Hal- stedstraße in südlicher Richtung zu. Er sah nicht, daß die Halstedstraßen-Brücke ge- öffnet war. Als ihn Peter Leiting, Nr. 420 N. Hal- stedstraße wohnhaft, durch heftige Gesten aufforderte, aus dem Wagen zu springen, glaubte Labotsky, daß er überfallen werden sollte, und sprang aus dem Wagen. Das Pferd rannte weiter und stürzte mit dem Wagen in den Fluß. Der Brückendreher Joseph Perchow erklärte, daß das Gefahr- signal beim Aufziehen der Brücke in Gestalt der rothen Laterne vorhanden war und außerdem die Gaslichter an der Brücke eine gute Beleuchtung lieferten, so daß Jeder sehen könne, ob die Brücke geöffnet sei. Labotsky wurde erst später von dem wahren Sachverhalte unterrichtet und dankt sein Leben Peter Leiting, den er für einen Räuber gehalten halte. Pferd und Wagen sind verloren und dieser Verlust ist für Labotsky noch schlimm genug. Brandschaden von HSOO. Heute Morgen kurz vor zwei Uhr brach im Hinteren Theile des zweiten Stock- werks des Hauses hinter No. 198 Ost Di- vision Straße ein Feuer aus, welches einen Schaden von PSOO anrichtete. Das Gebäude ist ein vierstöckiges Ziegel- haus mit Erdgeschoß und liegt hinter dem Hause No. 198 O. Division Straße. Es ist Eigenthum von M. Bromberg, welcher darin eine Kürschnerei und eine Zurich- tung von Häuten betreibt. Der Schaden ist in der Germania Versicherungsgesell- schaft gedeckt. Tine Untersuchung angeordnet. Polizeichef Brennan beauftragte heute Vormittag den Inspektor der Südseite mit der Untersuchung der an anderer Stelle dieses Blattes berichteten Behauptung, daß Polizisten die Inhaberinnen von Bordells im Bezirke der Harrisonstr.-Statton brand- schätzen, um aus dem Erlös dieser Kollek- tionen dem Capt. Hartnett einen mit Dia- manten besetzten Stern kaufen zu können. Herr Brennan erklärte, daß wenn die Be- hauptung sich bewahrheiten würde, sümml- liche Polizisten, die mit der Angelegenheit n Verbindung stehen, ohne Weiteres ent- lassen werden würden. Zur Reform desSpezialsteuerwesens. Mayor Hopkins beabsichtigt, denjenigen Theil der auf die Reform des Spezialsteuer-wesens bezüglichen Madden'schen Resolu- tion mit seinem Veto zu belegen, welcher die Jnspectionskosten bei öffentlichen Verbes- serungsarbeiten auf ein halb Prozent der Spezialsteuerumlage herabsetzen soll. Er conferirte gestern Nachmittag über diese An- gelegenheit mit Comptroller Jones, dem Oberbaucommissär McCarthy und dem Chef des Specialsteuerdepartement, Shea- han, welche sämmtlich der Ansicht sind, daß die Kosten einer zweckmäßigen Inspektion nicht mit einem halbenProzent der betreffen- den Spezialsteuer-Umlage bestritten werden können. Wie es scheint hat Ald. Madden bei der Ausarbeitung der Ordinanz an- genommen, daß gegenwärtig die Jnspektions- gebllhren nur ein Prozent der Umlage be- tragen, während sie in Wirklichkeit zwei Pro- zent betragen. Bis zu der nächsten Stadt- rathssitzung werden noch einige Konferenzen in derselbenAngelegenheit stattfinden, an de- nen außer den obengenannten Beamten auch Corporationsanwalt Palmer Theil nehmen wird. Die Bürgschaft verfallen. Barney Birch's rsooo Bürgschaft in verfall erklärt. Die Bürgschaft von Barney Birch für den Betrag von PSOOO wurde heute Mor- gen von Richter Kcrsten für verfallen er- klärt, da Birch nicht zur Verhandlung er- schienen war. Die Bürgschaft soll nach des Richters eigener Angabe nichts Werthgewesen sein. Die StaatSgcsundheitsbehörde war gestern in Sitzung und besprach die Zweck- mäßigkeit der Vereinigung aller lokalen Gesundheilsbebörden unter der Staatsge- sundheitsbehördc und den Erlaß zweck- mäßiger Gesetze in dieser Richtung durch die Legislatur. Auflösung des Brauer-Trusts. Doch ist die Gründung einer neuen (Organi- sation bereits in die Hand genommen. An vorliegender Stelle wurde bereits vor mehreren Wochen darauf hingcwicsen, daß unter den Chicagoer und Milwaukeer' Brauern, welche den sogenannten Bier- Trust bilden, Uneinigkeiten ansgcbrochen seien und daß dieFolgedavon möglicherweise eine Auflösung und ein „frisch fröhlicher" Bierkrieg sein werde. Diese Voraussagung ist seit gestern Nachmittag gelegentlich einer Versammlung der „Chicago «L Milwaukee Brewers' Association" zur Thatsache ge- worden. Die unmittelbare Veranlassung zu dem Zwiespalte in den Reihen unserer Brauer- fürsten gab die Cooke Brewing Co., welche das Verlangen stellte, daß der Erlös des verkauften Bieres am Ende eines jeden Jahres unter den verschiedenen Mitgliedern nach dem Prozentsätze ihrer Kapazität zur Verlheilung kommen sollte. Ein Advokat, der über die Zweckmäßigkeit dieser Idee be- fragt wurde, war indeß der Ansicht, daß sie eine gefährliche, weil ungesetzmäßige, sei, und die Mitglieder in Conflikt mit dem Staatsanwalt bringen könne. Herr Cooke war anderer Ansicht und zog sich lieber zu- rück, da er seinen Willen nicht durchsetzen konnte. Mit der Auslösung der alten Organisa- tion bezwecken die Brauer aber keineswegs die Auflösung einer Organisation über- haupt. Aus dem Schooße der alten Orga- nisation, die eigentlich hätte weiter bestehen können, wenn nicht gewisse finanzielle Gründe das Gcgentheil erfordert hätten, wird in ganz kurzer Zeit eine neue, ähn- liche entspringen und in Wirksamkeit treten. Mit einem bekannten hiesigen Vertreter einer großen Brauerei, dessen Name nichts zur.Sache thut, hatteein Berichterstatter des „Abendblatt." heule Vormittag eine Unter- redung über die möglichenFolgen des gestern angenommenen Beschlusses. Derselbe ist der Ansicht, daß das Bier nicht im Preise sinken und ein Bicrkrieg nicht entstehen werde. Die große Mehrzahl der Wirlhe sei von den Brauern abhängig und könne des- halb nicht ihre Bezugsquelle nach Belieben, oder weil ein anderer Brauer etwas bil- liger verkaufe, ändern. Die Kombination der Brauer würde die P rette aufrecht er- halten, denn sie habe die Macht in Händen und werde sich von einigen „Kickern" keine Vorschriften machen lassen. Wohlbegründete Bestrafung Lines lügenhaften, prahlsllchtigen lveibes. Capt. Barcall vom Maxwellstraßen- Distrikt erhielt dieser Tage die Mitthei- lung, daß Rosa ulius Lizzie Doe ulius Julius in dem Hause 374 DesplaineSstr. ein Prostitutionshaus betreibe und sich öffentlich damit gerühmt Hütte, daß sie ihm H 25 Schweigegelder bezahlt und jetzt unter polizeilichem Schutz das Geschäft betreiben könne. Um sich von derRichtigkeit des Gerüchtes zu überzeugen, sandte er gestern Abend sei- nen Geheimsckretär Sam. Zclenka unk einen anderen Polizisten Coffy als Spitzel aus. Vor diesen wiederholte das Frauen- zimmer die Beschuldigung noch einmal und lud sie ein, da sie vor einer Störung sicher wären, ihre Wohnung zu betreten. Das thalrn diese nun zur Zeit nicht. Nach einigen Stunden kamen diese ausge- sandten Spitzel wieder und hoben das Haus, in welchem sich noch eine Evas- tochter Frida Jsenstein und zwei Männer befanden, aus. Die prahlsüchtige Dame Lizzie sprang im Negligee aus dem Fenster und schrie „Mörder!" Doch hatte sie da- mit kein Glück. Denn vor dem Hause standen noch verschiedene andere Blauröcke, welche die Dame uöthigten, warme Klei- dung anzuziehen und ihnen mit den drei anderen Vögeln nach der Maxwell Slr.- Station zu folgen. Heute standen die Vier vor Richter Dooley, vor dem sich Lizzie so- wohl betreffs der gemachten prahlerischen Bemerkungen über den polizeilichen Schutz ihresHauses, als auch über dieArt undWeise ihrer Beschäftigung so inLügen verwickelte, daß sie schließlich nicht mehr wußte, wohin und wo her. Die Julius hatte beschworen, daß die andere „Dame" ihre leibliche Schwesterwäre. Als aber später diese aus dem Zeugenzimmer herbeigeholt wurde und die Namen ihrer Ellern und ihres Geburts- ortes angeben sollte, siehe, da stimmten diese durchaus nicht mit den von der lieben Schwester angegebenen. Das Resultat der Verhandlungen war. daß Rosa Doe alias Julius unter HBOO Bürgschaft dem Crimi- nalgericht überwiesen,der lieben„Schwester" eine Strafe von tzso, und den beiden Be- suchern, Abraham Miller und Morris Mars eine solche von je H25 auferlegt wurde. Vor Richter Dooley thal das Quartett, als wenn es kein Wort Englisch verstünde und im Zeugenzimmer schwatzten sie nur in dieser Sprache. Selbstmorde und gewaltsamer Tod. Frau Hiderwanth erschoß sich heute Mor- gen in ihrer Wohnung 102 Artesian Ave., weil sie an einer unheilbaren Krankheitlitt. . Im Turner Park, in der Nähe von Chicago, wurde die Leiche eines Mannes gefunden, der sich an einem Baumast er- hängt hatte. Der 23jährige Charles Mathingley, ledig und bei der Wabash Bahn angestellt, wurde heute Morgen um 8 Uhr in einein Stein- bruck», welcher an der Wabash Bahn in Chicago liegt, durch zusammenstürzende Steine erschlagen. Mathingley starb um 10 Uhr im Mcrcy Hospital. Seine Eltern wohnen in Chatsworth, Jlls. Tin Wörder verhaftet. Der Holländer William Bruno, welcher unter der Anklage steht, gemeinsam mit einem gewissen Eric in Nord-Dakota den Norweger Hans Petersen ermordet und ihm H7OO abgenommen zu haben, wurde beute Vormittag durch den Geheimpolizisten Hofsniann in Haft genommen. Hofsmann, der ihn gesehen, erkannte ihn nach der Be- schreibung, als er ihn an der Ecke der Washington- und Dcarbornstraße traf. Schauriger Fund. Eine schrecklich verstümmelte Man- uerleiche in einer Kiste verpackt ausstesunden. Wahrscheinlich ein ungemein bru- taler Word. Die Polizei steht vor einem scheinbar unlös- baren Räthscl. An der South Park Avenue, nahe der 63. Straße und der Südseite-Hochbahn, wurde heule früh um 7 Uhr eine hölzerne Packkiste gefunden, in welcher sich die in der schrecklichsten Weise zerhackte und ver- stümmelte Leiche eines Mannes befand. Nach der Lage zu urtheilen, in welcher die Kiste ausgesunden wurde, war dieselbe wahrscheinlich von einem Wagen gefallen, oder sie war von demselben herabgcworfcn worden. Die Leute, welche die Kiste mit ihrem grausigen Inhalte fanden, statteten sofort der Polizei der Station in Woodlawn Mel- dung von dem Funde ab. Ein Palrol- wagen brachte die Ktste mit ihrem Inhalte nach Rolston's Leichenbestallungsgeschäft an der Lake Avenue, und mehrere Poli- zisten wurden sofort beauftragt, zu ver- suchen, das Geheimniß der Kiste zu lösen. Die Polizei nimmt an, daß es sich um einen der brutalsten Morde handelt, die je hier passirt sind. Die schrecklich verstümmelte Leiche in der Kiste war unbekleidet und in ein Stück Teppich gehüllt. In ein Stück Papier gewickelt lag in der Kiste ein Büschel schwarzes Frauenhaar. Die Kiste selbst war von mittlerer Größe und trug den Firmenstempel eines ausländischen Hauses. Wie es scheint, stammt die Kiste noch aus der Zeit der Weltausstellung her. Die Angestellten des Lcichenbestatters Rolston erklärten, daß das Opfer des offenbaren Mords erst etwa 10 Stunden todt gewesen sein könne, als die Kiste nach dem Bestattungs- Etablissement gebracht wurde. Die Gliedmaßen des Ermordeten waren zerbrochen, offenbar damit die Leiche in der Kiste Plast finden konnte. Zwei schwere, tiefe Wunden am Halse der Leiche lassen vermuthen, daß der Versuch gemacht worden war, der Leiche den Kops abzu- hacken. Eine Wunde an der linken Schul- ter maß beinahe einen Fuß an Länge. Die Leiche ist die eines etwa 40 Jahre alten Mannes, der wahrscheinlich ein Maschinist war. Seine Hände Waren von Ocl schmutzig, und auch seine in der Kiste beigepackten Kleider waren mit Oel ge- tränkt. Der Ermordete war von mittlerer Statur, kahlköpfig, und trug einen dickeir blonden Schnurrbart. Die Wunden an der Leiche rühren offen- bar von Axthieben her. Die Polizei glaubte anfangs, daß die Leiche vielleicht aus einer medizinischen Anstalt herrühre, diese Theorie ließ sie aber fallen, als sie von den Angestellten Rol- stons erfuhr, daß der Tod des Mannes erst vor höchstens zehn Stunden erfolgt sei. Die Kiste, in welcher sich die Leiche be- fand, stammle, dem Firmenstempel nachaus Frankreich. Sie war sorgfältig ver- schlossen, als ob sie für die Verhandlung vorbereitet worden sei. Die Polizei steht bis jetzt vor einem tie- fen Geheimniß, denn sie hat absolut nichts in ihrem Besitz, was zunächst zu der Iden- tification der Leiche führen könnte. Ein Räthsel ist ihr auch das bei der Leiche ge- fundene, in Papier gewickelte Büschel Frauenhaar. Hülfscoroner Kelly begab sich heute Vor- mittag um 10 Uhr nach Rolstons Morgue, er hat aber noch nicht die Zeit des Jnquests festgesetzt. Gesundheits-Statistisches. Aus dem Bericht des Gesundheitsamtes für den Monat Mktober. Gesundheitscommisfär Dr. Reynolds bat heute Vormittag den Bericht über das Ge- sundheitsamt für den Monat Oktober be- kannt gegeben. Dem Bericht entnehmen wir folgende Zahlen: Während des Monats Oktober starben in Chicago 1916 Personen, was bei einer auf 1,600,000 Köpfe geschätzten Bevölkerung einenProzentsatz von 1.20 auf 1000 oder eine jährliche Todesrate von 14.37 per 1000 ausmacht. Von den Gestorbenen waren 1023 männ- lichen und 893 weiblichenGeschlechts. 1868 waren weiß, 48 farbig. 876 waren in Chi- cago geboren, 396 in anderen Theilen der Ver. Staaten, 321 in Deutschland. 497 Kinder starben im Aller bis zu einem Jahr, 789 im Alter bis zu 5 Jahren. Zwei Per-sonen erreichten ein Alter von über 100 Jahren. Die Diphtheritis, die Lungenschwind- sucht und die Gastro-EnlcriUS forderten die meisten Opfer, 104, bezw. 165 und 168. 112 Personen kamen auf gewaltsame Weise zu ihrem Tode. Davon 29 an den Folgen von Eisenbahnunfällen, und 15 an den Folgen von Brandwunden. 4 Personen wurden ermordet, und 31 warfen freiwillig das ihnen zur Last ge- wordene Leben von sich. Von diesen er- tränkten sich 1, erschossen sich 12. erhäng- ten sich 2, vergifteten sich 12 Personen. Eine Person starb freiwillig den Hunger- tod, und 3 Personen erstickten sich durch Gas. Im Blatternhospital starben 31 Perso- nen. Im chemischen Laboratorium wurden 25 Wasseranaly'en und 697 Milchanalysen gemacht. An 162 Milchhändlcr wurden auf Grund der Ergebnisse der Analyse Warnungsnotizen versandt. Baut ihre Zweigbahn. Die Metropolitan Hochbahngesellschaft erwirkte gestern im städtischen Obcrbau- aml die Erlaubnis;, mit dem Bau ihrer Humboldt Park-Zweiglinie, von Kedzic Ave. bis zu den Geleisen der CH. Mil- waukee L St. Paul Bahn an der North- und Waubansia Ave. zu beginnen. Diese Zwcigstrecke der Hochbahn soll bis zum Frühjahr fertiggestellt sein.

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