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Abendblatt Newspaper Archives Dec 6 1894, Page 1

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Abendblatt (Newspaper) - December 6, 1894, Chicago, Illinois-k)eransgegeben von der Illinois Ltaats-Aeitungs-To. Chicago, Donnerstag, 6. Dezember 1894. Preis 1 Cent. 47. Jahrgang. No. 289 Mevevvlick Hlrrd Kurzgefaßles. F- DH Thermometer soll heute Abendvedeutend steigen und die kräftige Südost- br:se sich bis morgen früh zum Orkan ge- stalten. ln New Pork ist der eben erst im gewählte Abgeordnete -A. I. Campbell gestorben. . Der Getreidcmarkl legte heute Festig- keit an den Tag, die indessen die Preise nicht erheblich veränderte. Weizen brachtenn Maitermin 59t0605, Mais 49i(g)50, Hafer 321E)H. Die Preise der Schweine-steischwaaren haben sich gegen gestern nicht verändert. Der Ozeandampfer „Paris" wäre ge- stern Abend beinahe im Hafen von South- ampton zu Schaden gekommen. '—ln Philadelphia sind 600 Mäntel- schneider ausgestanden. Der Streik im Marquette-Gebäude, Welcher nun schon eine Reihe von Wochenim Gange ist, hat bereits zwei Menschen-leben gefordert und etwa 80 Leute wurden infolge der Streiks angegriffen und mehr oder weniger schwer verletzt. Das ist derKampf um's Dasein in seiner rohesten Form. Wegen einer geradezu lächerlichen Ur-sache beging August Roggentin, Öko. 741 Elston Avenue, gestern Selbstmord. Seine Frau halte ihm ein Paar Schuhe gekauft,die ihm nicht gefielen, er wurde wüthend und jagte sich eine Kugel in den Kops. Künftig braucht er sich über derartigeKleinigkeiten nicht mehr zu ärgern. Die Countyvätcr statten heute den Wohlthütigkeitsanstalten in Dunning einen Besuch ab und lassen sich dort vorsetzen,was Küche und Keller vermögen. Die Countyväler waren von jeher überzeugt, daß auch sie zu denjenigen gehören, welche auf die Wohlthätigtcit des Countys An- spruch erheben dürfen. Telellrupkisekr Depescsieru UnMiger Sudel. Beabsichtigte Demonstration bei Ge- legenheit der Rückkehr der eng- lischen Prinzen nach London. Die Minister sehen derselben mit Angst und Schrecken entgegen. London, 6. Dez. Die Rückkehr des Prinzen von Wales und des Herzogs von Z)ork London, soll aus Anerkennung der Bemühungen der Prinzen, eine englisch-russische Abmachung herbeizusühren, zur Veraulassung einer großartigen Kundgebung von Seiteir der Mitglieder des „Tory West End Clubs" gemacht werden. Die Wirkung derselben nach Außen wird von den Ministern mit der größten Be- sorgniß verfolgt werden, da sie als eine verkappte Ermunterung der Kriegsparlei betrachtet wird, und die Minister jetzr schon durch die, in Folge des vorzeitigen Jubels der englischen Presse über die verbesserten Beziehungen zu Rußland angenommene Haltung Deutschlands, Frankreichs und Oesterreichs aus das höchste beunruhigt sind. Englands Lage ist. in Folge der zuneh- menden Gereiztheit und des wachsenden Mißtrauens der anderen Mächte so ver- wickelt, um nicht zu sagen gefährlich ge- worden, daß in einflußreichen Regierungs- kreisen die Ansicht stark zu Tage tritt, daß der Ministerpräsident Roscbery so schnell als möglich die Erklärung abgeben muß, daß Englands alleiniges Interesse im Frie- den liegt. Der Dampfer Paris. Bei dichtem Nebel geräth er vor sei- nem Dock auf den Grund, wurde jedoch mit der nächsten Flutk wieder flott. Southampton, 6. Dez. Der Dampfer Paris, Capt. Watkins, von der amerikanischen Linie, ist während eines dichten Nebels gestern Abend, außer- halb des Docks der Dampferlinie auf den Grund geralhen, wurde aber bei der näch- sten Flnth wieder flott. Die Passagiere und Postsachen wurden an Land gesetzt. Der Dampfer Paris war am 28. Novem- ber von New Zjork abgegangen, und kam gestern Abend, um 9 Uhr 5 Minuten in Southampton an. Bläntelmacher streiken. Sie wollen sich keine Lohnherabsetzung ge- fallen lassen. Dez. Weil sie sich keine Lohn Herabsetzung ge- fallen lassen wollten, haben heute 400 Mäntelmacher im Geschäfte von Straw- dridge L Clothier die Arbeit nicdergelegt. Sie hatten bisher 75 Cenis, und einen Dollar das Stück erhalten; es war ihnen aber milgetheilt worden, daß sie von jetzt an nur 50 und 75 Cents erhalten würden. Die Arbeiter hatten einen Ausschuß er- nannt, um mit derFirma zu unterhandeln; derselbe hatte aber keinen Erfolg. Die Streiter erklären, daß sie die Arbeit nicht eher ansnehmen werden, bis die früheren Lohnsätze wieder bezahlt werden. Lchiffsnachrichten. In der Nacht gemeldet: Baltimore „Massapequa" von Swan- > „Wcrkendam" von New — „Paris" von New York. Heute gemeldet: Oueenstown: „Britannic" von New Aork.Newport: „Trave" von Bremen. Endlich gefunden. Der langgesuchte Versicherungs- schwindler Hillman in Käst. Derselbe nicht allein des Schwindels, sondern auch des Mordes beschuldigt. Tueson, Ariz., 6. Dez. Im Huachucas-Gebirge, in einerkleinen, vierzig Meilen von Tueson entfernten Ort- schaft, ist ein Mann verhaftet worden, aus den die Behörden schon seit Jahren gefahn- det hatten. Es ist dies John W. Hillman, und die Verhaftung wurde von Sam. W. Finley, dem Hülfszollcinnehmer in No- gales, und dem HülsSsherisf Orren Gemill vor: La Junta vorgenommen. Seine Ge- fangennahme ruft einen der bemerkens- wcrthesten Fälle in den Criminalannalen des Landes in's Gedächtniß zurück. Im Jahre 1878 machte Hillman mit zwei Ge- führten, von denen ihn: der eine ausfallend ähnlich sah, einen Jagdansflug in das Bufsalogebirge in Texas. Die Gesellschaft blieb mehrere Wochen aus, und als Hill- man mit einem seiner Kameraden zurück- kam, befand sich jener Main:, welcher Hill- man so täuschend ähnlich sah, nicht mehr dabei. Kurz vorher hatte Hillman sein Leben mit §BO,OOO versichert, und allem An- scheine nach faßte er im Gebirge den Plan, seinen Doppelgänger zu ermorden, und führte denselben auch aus. Nach seiner Rückkehr in die Niederlassung, nahm er den Namen des Ermordetei: an, und erklärte, daß Hillman durch einen Unfall im Ge- birge sein Leben verloren habe, und dort begraben sei. Einige Zeit daraus verlangte Frau Hillman von den betreffenden Ver- sicherungsgesellschaften die Versicherungs-summe im Betrage von §80,000; die Ver- sicherungsleute jedoch schöpften Verdacht, und leiteten eine Untersuchung ein. Die Leiche des von Hillman ermordeten Mannes wurde ausgegrabcn, und es stellte sich an- geblich heraus, daß es nicht HillmanS Leiche war. Frau Hillman reichte darauf in Topeka, Kan., wo sie wohnte, eine Klage ein, um die Versicherungssumme zu erhalten. Der Fall ging von einem Ge- richt zum andern, bis ihr schließlich vom Oberbundesgerichte die Summe nebst Zin-sen und Advokatengebühren zugcsprochen wurde. Das Urtheil des Gerichtes lautete dahin, daß bis Ende dieses Jahres das Geld bezahlt werden müsse. Während dieser ganzenZeit haben dieVe- rsicherungsgesellschaften d:e Spur von Hill- man durch Geheimpolizisten verfolgen las-sen, denn derselbe war gleich nachdem seine Frau die Versicherungssumme verlangt hatte, verschwunden. Seine Spur wurde bis nach Australien und anderen Ländern verfolgt, und für seine Ergreifung, todl oder lebendig, wurde eine Belohnung von §15,000 ausgesetzt. Am vierten November traf der Unter- sherifs Gemill von Colorado hier ein, und interessirte Finley für die Sache. Da Gemill erfahren hatte, daß sich Hillman in Sonora aushalte, so verfolgte er und Fin- ley die Spur des Mörders nach Magda- lena, in Sonora, und bis nach Allara in Sonora, von dort nach Prescott in Ari- zona, nach der Stadt Mexiko und schließ- lich bis nach den: Huachucos-Gebirge, wo sie ihn endlich fcstnahmcn. Hillman behauptete natürlich, nicht der rechte Mann zu sein, und fragte die Beam- ten sehr verwundert, was sie eigentlich von ihm wünschten. Er wurde einstweilen nach Tombstonc gebracht, und wird dort bis zur Ankunft der Auslieserungspapiere aus Kansas in Hast gehalten werden. widerhaarnge Alusiker. wegen angeblicher Mißachtung des Gerichtes müssen sie schwer bluten. CHarle ton, Jll., 6. Dez. Richter Bookwalter, welcher seit einem Monate in: hiesigen Criminalgericht den Vorsitz führt, hat sich jetzt durch d:e Artund Weise, wie er seinen Anordnungen Gehorsam verschafft, einen Namen gemacht. Gestern veranstaltete die Gordon-Wells'scheTheatergesellschast, die in: Opernhause Gastvorstellungen giebt, einen Umzug, wo- bei sie auf dem öffentlichen Platze eine Musikkapelle spielen ließ. Die Musil aber drang bis zum Courthause und störte an- geblich die Gerichtsverhandlungen. Daraus ließ der Richter den Musikanten den Befehl geben, ihre Instrumente in Ruhe zu setzen und nicht mehr zu spielen; die Herren Mu- siker aber antworteten, daß sie eine vom Bürgermeister ausgefcrtigte Lizens hätten, und spielten ruhig weiter. Ob dieses Un- gehorsams gegen den Befehl des Herrn Richters bildete sich dieser aber einen gewal- tigen Zorn ein, und verhängte gegen die widerhaarigen Musikanten wegen Mißach- tung des Gerichtes eine Strafe von §25. Verwechselung der Persönlichkeit. Die im Gefängnisse in Kansas Lity gestor- bene Frau war nicht „Dovie" Lomstock. Washington, 6. Dez. Zu der gestern aus Kansas City ver- öffentlichten Depesche, in welcher der Tod der Frau Edith Armstrong, alias „Dovie" Comstock, welcher im dortigen Gefängnisse in Folge von Ausschweifungen erfolgt sein sollte, gemeldet wurde, bat augenscheinlich eine Verwechselung der Persönlichkeit die Veranlassung gegeben. Herr D. C. For- ney, der Herausgeber der vor der Rebellion weit und breit bekannten Zeitung „Chro- nicle", welcher gegenwärtig in Öko. 2731 P Straße in Washington wohnt, und der Vater von „Dovie" ist, hat von derselben, der jetzigen Frau D. P. Watrons, nämlich gestern erst einen Brief aus New Pork er- halten, worin sic sagt, daß sie Wohl und munter ist, und niemals in Kansas City war. Die Familie ist entrüstet über die Auffrischung der alten Skandalgeschichten aus den: früheren Leben derFrau Watrons, welche bei der Nachricht von ihren: angeb- liche!: Tode jetzt die Runde durch alle Zei- tungen des Landes machen. In: Abendblatt findet man alle städti- schen Neuigkeiten und telegraphischen De- peschen. Nur 6 Cents die Woche. Nachkliinge von der Tweed'schen Regierung. In diesem Falle handelt es sich um Duplikate von städtischen Bonds im Betrage von §(5,000,000. Untersuchung des Lontrolleramtes beantragt. New Pork, 6. Dez. Die von Matthew Jephson O'Rourke erhobene Beschuldigung, daß städtische Bonds im Betrage von §15,000,000 in doppelter Ausgabe in Umlauf gesetzt wur- den, und daß dies fünfundzwanzig Jahre lang in dem Controllersamte verheimlicht wurde, wird jetzt wahrscheinlich zur gründ- lichen Untersuchung kommen. O'Rourke war unter Tweed Clerk im Comlrollers- amte; er befindet sich jetzt im vorgerückten Alter und ist dabei ein rachsüchtiger und eigensinniger Mann, aber der Bürgeraus- schuß, welcher seit den letzten sechs Mona- ten seinen Angaben Gehör geschenkt, und die Menge Dokumente, die sich in seinem Besitze befinden, untersucht hat, ist über- zeugt, daß seine Beschuldigung aus Wahr- heit beruht. Im letzten Sommer wurde ein Aus- schuß ernannt, welchem der Staatsabge- ordnete Judson Lawson und George W. Stokes als Vorsitzer angehörten, während der frühere Richter Arnoux als Anwalt angestellt wurde. Vor diesem Ausschuß machte O'Rourke seine Aussagen. Daraus begaben sich der Advokat Ferris und Stokes zum Richter Andrews vom Obergericht, und beantragten eine Unter- suchung des Conlrolleranites. Richter Andrews führte sie zum Richter Patterson und dort wurde eine Petition zu den Akten genommen, in welcher eine sofortige Unter- suchung des Controlleramtes beantragt wird, und zwar aus Grund der von O'Rourke erhobenen Beschuldigungen. Amerikanisches Vieh in Deutsch- land. Interessante Berichte von amerikanischen Bundesbeamten darüber. Washington, 6. Dez. Trotz des veralteten Datums, 3O. August —, enthält der Bericht des Bundes- handelsagenten Jos. Smith in Mainz, viel Interessantes über amerikanisches Rind- fleisch in Deutschland, besonders Ange- sichts des jetzigen Darniederliegens des Ge- schäftes. Er beschreibt die umfangreichen Vorkehrungen, welche durch Einrichtung von neuen Dampfern, von Refrigeratoren:c. getroffen wurden, und deutet aus die bessere Beschaffenheit des amerikanischen Fleisches gegenüber dem australischen hin. Er sagt: „Die landwirthschaftliche Beilage des „Hamburger Correspondenl", einer der besten Zeitungen in Deutschland, sagt in einer Besprechung des kürzlichen Versuches, amerikanisches Vieh und Rindfleisch nach Deutschland einzusühren: daß es, nach der bis jetzt mit der Einführung von Schlacht- vieh gemachten Erfahrung, keinem Zweifel unterliegt, daß das ausländische Vieh dem deutschen nicht nachsteht, dasselbe sogar noch überreifst, weil es als Regel gesund ist, und weil besonders das in Hamburg einge- führte Vieh in bemerkenswerther Weise frei von Lungeuleiden ist, was in Anbetracht der großen Verbreitung dieser Krankheit in vielen Lheilen von Deutschland von gro- ßer Bedeutung ist. In dem Berichte des amerikanischen Konsuls Keenan in Bremen wird die aus- gezeichnete Beschaffenheit des in Bremen gelandeten amerikanischen Vieh's bespro- chen. Das Vieh war vollständig gesund und Lungen und Lebern desselben befanden sich in ausgezeichnetem Zustande, was bei deutschem Vieh nur selten der Fall ist. Unter dem Datum des 13. November, nachdem das Einfuhrverbot unseres Flei- sches bereits bekannt gemacht worden war, fügt der Konsul seinem Berichte noch einen wichtigen Zusatz bei. Er sagt, daß gleich nach dem Veroote eine Ladung Vieh von Amerika in ausgezeichnetem Zustande in Bremen angekommen sei und gute Preise erzielt habe. Der Konsul sagt ferner: „Wie stark die Furcht vor dem tcxanischen Fieber durch die Einfuhr von amerikani- schem Vieh in Deutschland auch gewesensei, und wie fest der Glaube in den Ver. Staaten vorherrschen mag, daß diese Maß- regel (das Einfuhrverbot) nur ein Akt der Wiedervergeltung ist, so ist es eine unbe- streitbare Thatsache, daß im ersteren Falledie Furcht eine Thorhert ist, und daß das Urthcil in dem anderen Falle nicht voll- ständig auf Wahrheit beruht." Ligenthümtiche Schlafsucht. Lin Mann seit letztem Sonntage in tiefem und anscheinend gesundem Schlafe. Goshen, Jnd., 6. Dez. Christian Slander ist von einer eigen- thümlichen Schicsisucht befallen, und seine Verwandten sangen an über seinen Zustandbesorgt zu werden. Stander fiel am letz- ten Sonntag in Schlaf und schläft trotz aller Versuche, ihn aufzuwecken, immer! noch. Allem Anscheine nach erfreut er sich! eines ruhigen und gesunden Schlafes. Bis > gestern wurde an den: Körper eine gewisse! Starre wahrgenommen, aber gestern Nach- mittag trat eine sichtliche Erschlaffung der Muskeln ein. Kat genug vom traurigen Kansas. Frau Lease, die eifrige lveiberrechtlerin will nach Lalifornien auswandern. San Francisco, Cal., 6. Dez. Frau Mary Lease aus Kansas befin-det sich in der Stadt. Sie sagt, daß sie nach Kalifornien gekommen sei, um sich imSan Joaquin Thale eine kleine Farm zukaufen, und daß sic auf derselben ihren Wohnsitz aufzuschlagen gedenke, sobald ihre Amtszeit als Mitglied der Wohlthätig- keitsbehörde in Kansas abgelausen ist. „Ich habe genug von den unfruchtbaren Ebener: in Kansas", gab sie als Grund ihrer Aus- wanderung aus jenem Staate an. Die ermordete Kteidermacherin. Immer noch keine Spur vom Nlor- der entdeckt. Line verdächtige Persönlichkeit. Minneapolis, Min., 6. Dez. Das über der Ermordung der Calharine Ging schwebende Dunkel ist immer noch nicht gelichtet. Die Polizei bat jede Spur mit der größten Energie verfolgt, war aber bis jetzt noch nicht im Stand:, die Persön- lichkeit des Begleiters der Ermordeten zu ermitteln. Die Arbeit, die einzelnen Stücke des zer- rissenen Briefes wieder zusammcnzustelleu, schreitet voran, ist aber noch nicht beendet. Man hat jedoch ein Stück theilweise zusam- mengcstellt, auf welchem die Worte stehen: „ich werde Dich nicht hcirathen." Diese Worte bestätigen die Annahme, daß der Mord mehr eine Thal der Eifersucht war,und daß die H7OOO bis HIO,OOO, welche die Ermordete bei sich trug, erst nach weiterer Ueberlegung genommen wurden, um die Beweggründe zur Thal zu verdecken. Es sind noch zwei Personen gefunden, welche glauben, das Gesicht des Mörders gesehen zu haben. Einer derselben ist M. D. Wilson, ein hiesiger LeihstaUbesitzer, welcher an der Landstraße nach Kenwood Park, in derRichtung nach der Mordstätte, wohnt. Als er an jenem Abend nach Hause fuhr, erkannte er den Goosman'schen Wagen, hörte die Stimmen von zwei Personen welche sich in dem Wagen befanden, und glaubt die Stimme von Katharine Ging erkannt zu haben, welche häufig Fuhrwerke von ihm entnahm. Das Gesicht des Man-nes sah er nur aus einen Augenblick im Mondschein. Am nächsten Tage ging er nach dem Leichcnhause, und während er die Leiche ansah und sich plötzlich umblickte, überkam ihn ein eigcnthümliches Gefühl. Dicht neben thm stand ein Mann, dessen Aeußeres dem Bilde ähnlich war, daß er sich von dem Manne, den er am Abend vorher mit Katharine Ging im Buggy sah, entworfen hatte. Wilson theilte dies den anwesenden Polizisten mit, und von dem Augenblicke an wurde diese gehcimnißvolle Persönlichkeit scharf bewacht. Die Polizei hat über den Vorfall keine Mittheilung ge- macht, und wenn auch derselbe von durch-aus keiner Bedeutung sein mag, so wird doch auch diese Spur nicht aus den Augen gelassen. Der zweite Mann, welcher das Gesicht des Mörders gesehen zu haben glaubt, ist der Architekt W. H. Dennis. Er sagt, daß er Frl. Ging häufig in Gesellschaft eines Fremden gesehen habe, und daß er fest überzeugt sei, daß derselbe nicht in Minne-apolis heimisch ist. Zum letzten Male sah er Frl. Ging mit dem Fremden am letzten Freitag in St. Paul, als Beide aus Mcyer's Restauration kamen. Dennis ist der Ansicht, daß dieser Fremde der Mörder der Kleidermacherin ist. Pfarrer Ducerss Ungehorsam. Der Diöcesanrath von New tzork zusammengetreten Und wird wahrscheinlich vorgeladen werden. NewPork, 6. Dez. Heute Morgen um 10 Uhr wird sich der Diöcesanrath von New Pork im erz- bischöflichen Palaste, an der Ecke der Madison Ave. und der 50. Straße, versam- meln. Der Erzbischof Eorrigan wird den Vorsitz führen; die anderen Mitglieder des Nathcs sind: der Generalvicar der erz- bischöflichen Diöcese; Msgr. Farlcy, von der St. Gabrielskirche, und die Pfarrer Mooney von der Kirche zum heilg. Herzen, McKean von der St. Peterskirchc, Ed- wards von der Kirche zur unbefleckten Em- pfängniß, Flood von der St. Johannes- kirche und Benin: von Kingston. Dies wird die wichtigste Versammlung sein, welche seit mchreren Jahren abge- halten wurde. Unter anderen wichtigen Angelegenheiten wird die Weigerung des Pfarrers Ducey, dem Befehle des Erz- bischofs, sich von den Berathungen des Lexow'schen Ausschusses fern zu halten, Gehorsam zu leisten, zur Besprechung kom- men. Die Weigerung Ducey's wird von seinen eigenen sowohl, als von den Freunden des Erzbischofs für ein schweres Vergehen be- trachtet. schlimmer Ausgang eines Ltreites. Jacob Burger von August Daliege schwer verwundet. In Henry Kilian's Wirlhschast, an der Broad- und 31. Str., geriethen gestern Abend Jacob Burger und August Daliege in einen heftigen Streit. Es kam schließ- lich zu einer Schlägerei, bei der Daliege bedenklich den Kürzeren zog. Er ging darauf nach seiner Wohnung in dem Hause No' 3047 Broad Straße, bewaffnete sich mit einem Revolver und kehrte nach der Wirthschaft zurück. Bald hatten sich die beiden Kampfhähne wieder bei den Ohren und Daliege wurde von Burger zu Boden geworfen. Da zog Daliege seinen Revolver und schoß aus Burger. Die Kugel drang Jenem neben der Olafe in den Kops und er brach bewußtlos zusammen.Er wurde nach seiner Wohnung gebrachtund dort von einem Arzte untersucht, der die Wunde für sehr gefährlich erklärte. Daliege wurde verhaftet und in der Deering Straßen-Station eingesperrt. John Parush, ein böhmischer Flei- scher, welcher in Armours Schlächterei be- schäftigt war, ging gestern Nachmiltag in Begleitung seines Schwagers Charles Wortenak nach Hause. Unterwegs bekam er einen epileptischen Anfall, er stürzte hin, wurde von seinem Schwager ausgerichlct, stürzte abermals und verletzte sich dabei der- artig mit einem Messer, daß er bald darauf den Folgen erlag. Städtisches. Das Wetter. Optiker Kl ei ne, 76Washington Str., berichtet für Chicago die folgenden Baro- meter-und Thermometerstände: Um 8 Uhr Morg. 40 Gr., um 9 Uhr 44 Gr., um 10 Uhr 46 Gr., um 11 Übr 48 Gr., um 12 Übr 48 Gr. Barometerstand um 8 Uhr Morg. 29.40, 12 Uhr 29.40. Zur Lösung der Abfallfrage. Lin New Horker Bericht, welcher beherzi- genswerthe Fingerzeige für die Lhicagoer Behörden enthält. Das New Aorker Comite, welches von dem dortigen Mayor beauftragt worden war, Nachforschungen und Ermittelungen anzustellen, welche zu einer befriedigendenLösung der Abfallsrage führen könnten, des Problems wie die Abfälle einer Groß- stadt am besten aus der Welt geschafft bezw. eventuell sogar noch nutzbar gemacht wer- den könnten, hat dem New Porter Mayor seinen Bericht über seine Thätigkeit abge-statiet. Das Comite, bestehend aus Frank Edson, Thomas L. James, dem Hafensu-pervisor Delehanty, dem Präsidenten der Gesundheitsbehörde Charles G. Wilsonund dem Straßenreinigungssuperinten- denten W. S. Anderson, hat alle gegenwär- tig im Gebrauch befindlichen Systeme zurDisponirung der Abfälle sorgfältig ge- prüft und außerdem zahlreiche Berichte über solche Anlagen von auswärts berück- sichtigt. Die Commission ist auch in Chi- cago gewesen, wo sie in Gegenwart des Ma- yors Hopkins und des Gesundheitscommis- särs Dr. Reynolds einer Probe mit dem Verbrennungsofen auf dem Grundstück der Anderson Brick Co. beigewohnt hat. Der Bericht des Comites ist für die Be- hörden aller größeren Städte, und ganz be- sonders für die Chicagoer, sehr wichtig. Unsere Behörden erhalten durch diesen Be- richt gratis die Resultate von Beobachtungen und Untersuchungen, die der Stadt New Pork viele Tausende von Dollars gekostet haben. An vorliegender Stelle können wir na- turgemäß nur die wichtigsten Punkte des Berichts, bezw. die Schlußfolgerungen, zu denen das Comite gelangt ist, anführen. Diese Schlußfolgerungen sind im Wesent- lichen folgende: 1. Abfälle sollen unter keinen Umständen in den Gewässern der Stadt und Umgegend abgeladen werden. 2. Die Ordinanz, welche verlangt, daß Hausbesitzer bezw. Haushaltungsvorstände dafür sorgen sollen, daß Kllchenabfälle und Asche in besonderen Behältern aufbewahrt werden, sollte streng durchgeführt werden. 3. Alle Hausabfälle sollten in Behältern aus galvanisirtem Eisenblech gesammelt werden, welche mit dicht schließenden De- ckeln versehen und von einer Größe sind, daß sie leicht von einem einzelnen Manne ge- handhabt werden können, wenn sie gefüllt sind. 4. Die Stadt soll diese Abfallkästen täg- lich leeren lassen und die Abfälle nach den dazu bestaunten Abfall-Ablagerungsplätzen schassen. 6. Die Abfälle sollen einem Reduktions- prozeß unterworfen werden und zwar so, daß dieselben zu Dünger und auf Gewin- nung von technisch verwendbarem Fett ver- arbeitet werden können; die Stadt sollte hier einen Wettbewerb für Uebernahme des Contractes ausschreiben, damit sie den mög- lichst größten Vortheil von dem Contract hat. Da die zu einer solchen Verarbeitung der Abfälle nöthigen Anlagen viel Geld kosten wird, so sollte der Contract für die Verarbeitung der Abfälle für eine längere Zeit, etwa auf zehn Jahre vergeben werden, damit die Anlage nach Verlauf dieser Zeitzu einem annehmbaren Preise angekauft werden kann. Der Contractor sollte eine genügende Sicherheit dafür stellen, daß er i seinen Contract in der genau sestzusetzenden Weise auch hält. Die Abfall-Verbren- nungswerke sollen an einem passenden Punkte außerhalb der Stadt angelegt wer- den. 6. Die Asche aus den Abfallbehältern soll besonders gesammelt und in geeigneter Weise für Auffüllungen u. s. w. verwendet werden. 7. Für die Fortschafsung aller Abfälle soll die Stadt metallene, wasserdichte und gut geschlossene, praktisch construirte Wa- gen benutzen, und Zum Reinigen der Stra- ßen sollten Kehrmaschinen mit Staubauf- sammler-Vorrichtungen benutz- werden, wenn solche zu erhalten sind. 8. Der Inhalt der Absallwagen sollte stets genügend desinfizirt werden. Das Comite empfiehlt ganz besonders die Anlage einer Abfall - Verarbeitungs- Anlage nach den oben angedeuteten Grund- zügen, welche sich sicherlich auch für Chi- cago empfehlen würde. In betrunkenem Zustand prügeln sich Soldaten der Bundesarmee auf einem Lisenbahnzuge. Als gestern Abend um 11 Uhr 45 Mi- nuten ein Zug der Northwestern-Bahn den Bahnhof an Wells Straße verließ, befan- den sich 25 Soldaten der in Fort Sheridan garnisonirenden Bundestruppen auf dem Zuge. Sie hatten Urlaub gehabt und be- fanden sich auf dem Rückwege. Kaum hatte der Zug den Bahnhof verlassen, als auch schon unter den Soldaten, die sich in angetrunkenem Zustande befanden, ein Streit zum Ausbruch kam, der bald in eine blutige Holzerei ausartete. Als der Zug in Fort Sheridan anlangte, befanden sich zwei der Soldaten in besinnungslosem Zustande und mußten nach den Baraken getragen werden. Wie die Bedienungsmannschaft des Zuges berichtete, ist die Ursache des Strei- tes lediglich auf den Grund zurückzufüh- ren, daß die Soldaten alle betrunken waren. Da die Prügelei ganz „unter sich" statt- fand, mischte sich Niemand hinein. Alle städtischen, in- und ausländischen Neuigkeiten im Abendblatt für 1 Cent per Nummer, oder 6 Cents per Woche. Bedrohlicher Bckand In dem Doppel-Wohnhaus No. syz-yz Lasalle Ave. Lin zweiter Alarm nöthig. Schaden über riooo. In dem vierstöckigen Doppelgcbäude No. 591-93 Lasalle Ave. brach heute Vormittag gegen 11 Uhr ein Feuer aus, welches sich so schnell verbreitete, daß der Marschall sofort nach Ankunft am Brandplatz einen zweiten Alarm erließ. Das Feuer soll im Küchen-Fahrstuhl- schacht ausgcbrochen sein und schlug durch das Doch. Der Dachstuhl mit zwei kleinen Thürmen Halle am meisten zu leiden. Der Schaden wird ein erheblicher sein, da die verschiedenen Fußböden durchgeschlagen wurden, um dem Wasser Ablauf zu ge- statten. Der Gcsammlschaden wird wahr- scyeintich HIOOO übersteigen. Die Agenten des Gebäudes, in welchen zwei Wohnungen leer standen sind Rose, Quinlan «L Co., S. W. Ecke Dearborn- und Randolph Slr. Bei einem Leilerunfall wurde Lieutenant Multens von der 42. Compagnie verletzt. Drei andere Feuerwehrleute sollen ebenfalls leichte Verletzungen erhalten haben. Aus dem Triminalgericht. Der Mordproceß gegen Fred Schemick. Vor Richter Chetiain legte heute Vor- mittag Lizzie Black Zeugniß ab über die Ermordung von Edward Shea am 2. Oct. in der Opiumspelunke No. 271 W. Madi-son Str. Ihre Darstellung war der gestern von Minnie Stewart gegebenen fast gleich. Kurz nach zwölf Uhr kam sie mit Shea und Minnie in den Opium-Platz; Shea be- stellte und bezahlte die Pfeifen. In unge- fähr fünfzehn Minuten kam Schemick in den Raum. Sie sprang auf und sah noch, wie Schemick zwei Schüsse auf Edward Shea, welcher sich in seiner Koje gerade etwas ausgerichtet hatte, abfeuerte. Der Medowcroft-Prozeß. In der gestrigen Nachmittagssitzung kam es zwischen den Anwälten für die Anklage und Richter Brentano zu einem längeren Argument. Die Anwälte der Anklage be- anspruchten das Recht, nachzuweisen, daß der Bankerott der Medowcroit Bank lange vor dem 3. Juni 1893 festgeslellt war. Richter Brentano entschied jedoch, daß die Anklage mit dem Nachweis, daß die Bank am 3. Juni 1893 bankerott war, beginnen sollte. Das Beweismaierial, daß der Ban- kerott monatelang vor dem 3. Juni eine Thatsache war, wird vielleicht im ferneren Verlauf des Prozesses zugelasscn. Das Verhör des Experts Seymour Walton wurde heute Morgen abgeschlossen. Es wurde dann Frank I. Gardner, der Anwalt des Massenverwalters der „Hercu- les Iran Works" vernommen. Diese letz- tere Gesellschaft hatte Depositen in der Meadowcroft Bank. Bei dem Zusammen- bruch der Letzteren, mußte sie auch die Zahlungen einstellen. Von den in der Meadowcroft Bank befindlichen Depositenwurde kein Cent gerettet. Der Verkauf der „Hercules Jron Works" ergab schließlich doch H50.000 und der Betrieb wurde dann wieder ausgenommen. Freigesprochen. Martin Kastrup, welcher vor Richter Tuley unter der Anklage vrozessirt wurde, als Colleclor der Essigfabrik von Spielman Bros. «L Co. P6OO unterschlagen zu haben, wurde von den Geschworenen ehrenvoll freigesprochen. Bekannter Schwindler verhaftet. Es gelang gestern dem Geheimpolizisten Stören von der Centralstation, den bekann- ten Schwindler T. W. Melrose, alias Ho-ban, festzunehmen. Derselbe wird nach Milwaukee überführt werden, wo man ihnbeschuldigt, während der letzten paar Wo- chen P50,000 für sich erschwindelt zu haben.Er hatte sich für einen Landspeculanien aus- gegeben und betrieb seine Betrügereien auf diesem Gebiete auf großartige Weise. Er stellte ungefähr 60 bis 60 Agenten an und trug ihnen auf, Grundstücke, die ihnen an- geblich gehörten, aber in Wirklichkeit das Eigenthum weit entfernt wohnender Leute waren, zu Schleuderpreisen zu verkaufen. In der ersten Woche blühte das Geschäft, doch mußten die verschiedenen Agenten bald erfahren, daß sie die Opfer eines der gerie- bensten Gauner Milwaukee's und Chica- go's geworden waren, denn einige von ih- nen wurden verhaftet und vor Gericht be-schuldigt, einen überaus frechen Schwindel betrieben zu haben. Als sie darauf erklär- ten, im Aufträge Melrose's gearbeitet zuhaben, wußte die Polizei, wem sie die ganze Sache zur Last zu legen hatte. Melrose hatte sich aber aus dem Staube gemacht und wurde nicht wieder gesehen, bis PolizistStören ihn gestern erwischte. Lin wirth in Angelegenheiten. Mayor Hopkins wird dem Wirthschafts-besitzer Charles Kinnucane, dessen Lokal sich in No. 635 Clarkstr. befindet, wahr- scheinlich die Licenz entzieben und zwar aus einesGcsuchs desRichters Gibbons hin, dem über die Wirlhschast Kinnucane's gelegent- lich dcrVcrhaudlung eines llub6Uß 00NPU8-Gesuchs Thatsachcn zur Kenntniß gekom- men sind, die ihn davon überzeugten, daß Kinnucane das Recht eine Wirlhschast zubetreiben, entzogen werden sollte. Der Wentworth Ave.-Aanal. Wenn sich der Contraktor Wilson von der Firma Wilson und Jackson nicht ver-rechnet hat, werden die Grundbesitzer ander Wentworth Ave., welche für den Bau des großen Abzugskanals an dieser Straße mit HBOO,OOO besteuert worden sind, etwa H125,- 000 bis H150,000 an dieser Steuer als Rabatt zurückcrhalten. Herr Wilson erklärt, daß die von ihm vertretene Firma die Arbeit um mindestens tz125,000 billiger zu Ende führen kann, alsdie Voranschläge besagten. Er erktärt ferner, daß der Abzugskaual am 15. April 1895 fertig sein werde, und daß von den7Z Meilen bereits jetzt sechs Meilen fertig seien. Am gestrigen dritten Abend des Billard-Turniers zwischen Schäfer und Jves war der Letzterer seinem Gegner aber- mals bedeutend überlegen. Bis jetzt hat Jves 1800, Schäfer nur 1043. Attentat. E. Lindholm von L. Turner mit einem Messer angegriffen und verwundet. Master Workman Edward I. Lindholm ! von der District Assembly No. 24 Knighrsos Labor, wurde gestern von William E. Turner, dem Finanz-Sekretär des Ver- bandes, lhüttich angegriffen, wobei er nahe daran war, sein Leben zu verlieren. Er saß gestern Morgen um 9 Uhr in dem Ver- sammlungssaal des Verbandes, in No. 146 Madisonsiraße, als Turner, der ein Kellner von Berus ist, eintrat, aut ihn zuging und ihn mit einem langen Messer angrifs. Lind- holm suchte auszuweichen, erhielt aber einen Schnitt in'S Gesicht. In der Ver- zweiflung griff er nach einem zur Hand lie- genden: Brette und schlug Turner damit über den Kops. Turner erwiderte den Hieb durch einen Stich in seines OpserS Schulter. Da nahm Lindbolm seine ganze Krast zusammen und schlug seinen An- greifer mit einem Hieb zu Boden. Mi: Lindholm besandcn sich in dem Zimmer z. Z., da Turner eintrat, zwei andere Mit- glieder des Verbandes. Sobald diese Turner's Messer sahen, liefen sie die Trep- pen hinunter und holten einen Polizisten herbei. Derselbe verhaftete Turner, wäh- rend man den, aus der gefährlichen Schnitt- wunde im Gesichte blutenden Lindholm von einem Arzt verbinden ließ und dann nach Hause brachte. Der Beweggrund zu der Thal war eine heftige Meinungsver- schiedenheit bezüglich der Verwaltung der Geschäfte des Verbandes. Vertraut auf Riderburg. Henry Wulff, der ehemalige Eountyclerk und erwählte Slaatsschatzmeisier, erklärt, daß die Annahme, daß sein verschwun-dener Vertrauensclerk S. W. Riderburg große Unterschlagungen verübt habe, eine irrige sei. Er erklärt, daß die Bücher Ridrrburg's in Ordnung seien und daß er, Wulff, bereits mit seinem Nachfolger Phil. Knopf abgerechnet habe. Diese Angaben stimmen inhaltlich keineswegs überein mit den gestern ver- öffentlichten Angaben über die bisherigen Ergebnisse der Prüfung der Bücher Rider- burg's, und es heißt jetzt abwarlen, was die Untersuchung ergeben wird. Von Riderburg sftbst ist bisher noch keine Spur gesunden worden. Die Familien- angehörigen des Verschwunden behaupten, immer noch keine Nachricht von demselben erhalten zu haben. Gegner der Kochbahnschleife. Im Grand Pacific Hotel fand gestern Nachmittag eine von R.W.Day einberufene Versammlung von Grundcigenlhümern aus dem Geschäftscentrum statt, welche entschieden gegen den Bau einer Hochbahn- schleifc im Stadlcentrum, wie sie von der „Union Elevated Eo." geplant wird, sind. Unter den Grundeigenthümern, welche gegen die Hochbahnschleife sind, befinden sich Frank Parmelce, der Eigenthümer eines Grundstücks mit 87Fuß Front an der 5. Ave. und mit 105Fnß an der Franklin- straßc; ferner W. I. Ehalmcrs, der an der Van Buren- und Markelstraße werlhvolles Grundeigenlhum besitzt, u. A. Auf einen bestimmten Plan haben sich die Protestler noch nicht geeinigt. Lehrer-Prüfungen. Am Donnerstag, den 20. Dezember, von Vormittag 9 Uhr an findet in den Räumen des Schulraths im Schillergebäude eine Prüfung für Bewerber um Stellen als Lehrer des deutschen Unterrichts in den Grammärklasscn der öffentlichen Schulenstatt. Am Montag den 24. Dezember findet in dem Gebäude der Westseite Hochschule, Ecke der Ogdcn Ave. und Congreßstr. eine Prü- fung für Bewerber um Lehrerstellen in den öffentlichen Schulen statt. Der Reclame-Bretter-Nnfug. Hülfs-Corpcrationsanwalt Johnson hat auf Ersuchen des stadträtülichcii Justiz- comites eine Ordinanz ausgearbcitcl, welche den Zweck hat, dem Unfug, der mit den sich überall breit machenden Reclamcbrettcrn getrieben wird, zu steuern. Die Ordinanz wurde noch gestern Abend dem unter Ald. Hepburn's Vorsitz stehenden Unterausschuß zugcstellt, der mit der Vorbereitung geeig- neter gesetzgeberischer Maßnahmen in Bezug auf den Reclame-Bretter-Unfug betraut worden war. Die Ordinanz bestimmt, daß Anzeigcbretler an Straßen nur mit der Zustimmung der Grundeigenlhümer und mit der besonderen Erlaubniß Seitens des Obcrbauamls errichtet werden dürfen. Des Weiteren enthält die Ordinanz genaue Bestimmungen über die zulässige Höhe der Anzeigebretter, sowie über das Material, das zur Verwendung kommen darf. Für die Ucberlretung der Bestimmungen der Ordinanz sind hohe Geldstrafen in Aus- sicht genommen. Theurer streit. John Vincent gerieth gestern Abend mit einem Manne an der Ecke von Oak und Clark Slr. in Streit und zog seinen Re- volver hervor, offenbar ein lyeures Stück mit Perlmultcrgrifs und „double aclion". Ein Polizist verhaftete Vincent, der Re- volver wurde consiscirl und Vincent wegen Tragens verborgener Waffen um H25 be- straft. Nluß friedlich fein. Peter Schmidt, welcher seine Gattin ver- schiedene Male bedroht hatte, wurde heule Morgen von Richter Kersten unter HSOO Friedensbürgschaft gestellt. Bei der nächsten Mißhandlung seiner Frau wird er einen langen Bridewcll-Termin erhalten. Das Ehepaar wohnt No. 215 Southport Ave. Viehmarkt. Schweine geringerer Qualität und sind um 5 Cent niedriger. Schwere brachten 4.30(K4.65, leichte 3.85(A4.40, durch- einander 4.10G4.55. Zufuhr 5,000 Schweine, 12,000 Stück Rindvieh, 12,000 Schafe. Rindvieh um 5(a10 Cent höher, Schafe im Preise un- verändert.

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