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Abendblatt Newspaper Archives Dec 5 1894, Page 1

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Abendblatt (Newspaper) - December 5, 1894, Chicago, IllinoisHeransgegeben von der Illinois Staats-Aeitungs-To. —— - - Chicago, Mittwoch, 5. Dezember 1894. Preis 1 Gent. 47. Jahrgang. No. 288. Uevevvlrck Und Kurzg efa Kies. Wir haben heule und morgen ange- nehmes Wetter und Luftzug aus Süd- westen. Der Kaiser hat heute im Rittersaaleoes alten Schlosses die Thronrede an dendeutschen Reichstag gehalten und hierauf das neue Rcichstagsgebäude eingeweiht. Die Thronrede stellt neue Steuerauflagen Zur Ausbesserung der Neichssinanzen inAussicht, um den Einzelstaalen die inneuerer Zeit notbwendig gewordenen Zu- schüsse zu den Ausgaben der Reichsverwal- lung zu ersparen. Der 90jährige Lesseps ist sterbens- krank. Der New Jorker Fondsmarkt war heute Morgen vielfachen Wandlungen unterworfen, doch hatte sich gegen Mittagdie Haltung etwas gefestigt. Der Jnquest über die Leiche Collian-der's verlief gestern vollständig resultatlos. Die Jury kam zu dem Schluß, daß Collian- der durch eine unbekannte Person erschossen worden sei. Inspektor Schaack gab zn ver- stehen, daß er Beweise gegen die Mörder in Händen habe, es aber nicht angezeigt fände, dieselben der Oesseittlichkeit zu übergeben. Die noch nicht vollendete Untersuchungder Bücher Ridcrbnrg's hat bereits so viel ergeben, daß an der Schuld des Verschwun- denen kaum noch gezweifclt werden kann. Die Unterschleife sollen sich aus mindestens H50,000 beziffern. Der neute Conntyrctth rauchi sich gut an. Trotzdem er nur aus Mitgliedern einer Partei besteht, ist bereits ein frischer, fröhlicher Krieg um die Verthei-lung der Aentter ausgebrochen. ln dem Orden der „Knights of Labor" sind Zwistigkeiten ausgebrochen, die einen Zusammenbruch nach sich ziehen können. Eekegrnptnscire Depescjien. Selbstmordversuch. Lin geschlagener Landidat nimmt Morphium, weil seine amtliche Schlußabrechnung nicht stimmt. Lincoln, Jll., 5. Dez. Gestern Nachmittag um 3 Uhr wurde Jere Matthews, der geschlagene Kandidat für das Eouittyclcrksanu, in seinem Zim- mer im Spilly Houle in bewußtlosem Zu- stande aufgefunden. Aus einem Tische fand man eine Flasche, die sechs und einen halben Gran Morphium enthalten hatte, welches Matthews in selbstmörderischer Absicht genommen hatte. Es gelang, ihn einigermaßen wieder zur Besinnung zn bringen, und um Aufklärung befragt, sagte er, daß sich dicsetbe in Gestalt seines letzten amtlichen Berichtes als Countyclerk in seiner Rocktasche befinde. Derselbe wurde geöffnet und gelesen und ergab die Thcttsache, daß seine Kasse einen Fehlbetrag von G1924 aufweise. Aus der Rückseite des Berichtes fand man folgendes Bekennt- niß: „Habe Morphium genommen. Ich bin kein geborener Dieb, und kann die Schande, ein Dieb zu sein, nicht ertragen." Er ,verfiel wieder in Bewußtlosigkeit, welche bis spät am Abend anhielt, und seine Wiederherstellung ist mehr als zweifel- haft. Der Supervisorenrath ist in Sitzung und erwartete den Schtußberichl schon seit einigen Tagen. Matthews war mehrere Jahre Mitglied des Supervisorenrcuhes und betheiligte sich lebhaft an der Politik; im Jahre 1890 war er mit einer Plurali- tät von 500 Stimmen zum Countyclerk ge- wählt worden, bei der letzten Wahl, am 0. November, aber mit 223 Stimmen ge- schlagen worden. Aus Lanada zurückgebracht. Ivas eine tüchtige Belohnung zu INege bringt. Anderson, Jnd., 5. Dez. George D. Armstrong, der Commissions- händler, welchem die Verwaltung der Gel- der der „Indianapolis Commission Co." übertragen war, wurde vorgestern Abend in Toronto, Canada, verhaftet und nach Anderson zurückgebracht, wo er sich jetzt in Haft befindet. Er weigert sich, irgend- welche Angaben zu machen, erklärt jedoch, im Stande zu sein, sich von aller Schuld zu reinigen. Aus die Verhaftung Arm- strong's war eine Belohnung von HIOOO ausgesetzt und dieselbe wurde bereits ge- stern Nachmittag pünktlich ausbezahlt. Dom Sheriff geschlossen. Lin bedeutendes Lllenwaarengeschäst macht Pleite. Racine, Wis., 5. Dez. Gestern Abend wurde das Wnarenlager von I. W. Flood L Co., eins der größten Ellenwaarengeschäsle der Stadt, vom Sheriff Batty mit Beschlag belegt. Die Hauptgläubiger der Firma sind Philipps «L Co. und I. V. Farwell in Chicago und die hiesige „First National Bank" und A. E. Ellinger von hier. Der Werth des Waarenlagers betrügt etwa 420,000. 21lörder vcrurtheilt. Derselbe wird demnächst erschossen werden. Mexiko, Mex., 5. Dez. Der Mörder Controcas, welcher eine Frau, Namens Jldefonsa Munda aus scheußliche Weise umgebrachl halte, wirddemnächst hingerichtet werden. Er war beim ersten Prozeß bereits znm Tode ver- nrtheill worden, hatte aber an das Ober- gericht appellirt. Dies jedoch hat das Ur- iheil bestätigt, und der Verbrecher wird binnen Kurzem durch Pulver und Blei ab- gethan werden. Die Thronrede, Die heute der Kaiser im Rittersaal des alten Schlosses Vor den versammelten Reichs-Ab- geordneten gehalten hat. Hierauf Einweihung des neuen Reichstagsgebüudes Und Eröffnung der Sitzung. Berlin, 5. Dez. Mit einer englischen Uniform angethan, stattete der Kaiser Wilhelm heute Morgen dem Prinzen von Wales und dem Herzoge von Uork einen Besuch ab. Derselbe wurde eine Stunde später von den letzteren er- widert, worauf sie die Reise nach England antraten. Nach der Abreise des Prinzen von Wales und des Herzoges von Bork warf sich der Kaiser in eine deutsche Uni- form und bereitete sich zur Eröffnung drs Reichstages vor. Die Radikalen sind wüthend darüber, daß der Kaiser nicht in das Parlament kommt, sondern sich statt dessen zu der Feierlichkeit nach dem Schlosse begiebt. Durch diese Handlungsweise des Kaisers, sagt die „Freisinnige Zeitung" wird die be- scheidene Stellung des Parlamentarismus in Deutschland gekennzeichnet. Die Eröffnung des Reichstages fand um Mittag im Nittersaale des Schlosses statt, weil der gewöhnlich dazu benutzte Weiße Saal zur Zeit ausgebesscrt wird. Kcuser Wilhelm verlas seine Thronrede selbst. Dieselbe lautete folgendermaßen: „Geehrte Herren! Im Namen meiner hohen Verbündeten bewillkommne ich Sie beim Beginn Ihrer versassungmüßigen Thatigkeit. Sie werden Ihre Thätigkcit nach Ihrem neuen Heim übertragen, wel- ches nach zehnjähriger angestrengter Arbeit sich jetzt als ein Denkmal unseres natio- nalen Kunstfleißes der Vollendung naht. Möge Gottes L-egcn auf dem Hause ruhen, und möge die Größe und die Wohlfahrt des Reiches das Ziel sein, nach welchem Alle streben, welche berufen sind, innerhalb sei- ner Mauern mit Selbstverleugnung und Treue zu arbeiten. Ich betone diesen Wunsch um so stärker, angesichts der wirthschaftlichcn und politischen Geschäfte, welche durch Ihre Mithülse erledigt werden müssen. „Getreu der Ueberlieferungen unserer Vorfahren, betrachten meine hohen Ver- bündeten und ich selbst es als unsere erste Pflicht gegen den Staat, die schwächeren Klassen zu schützen, und ihnen zu höherer wir.thschaftlicher und moralischer Entwicke- lung zu verhelfen. „Die Pflicht des Staates wird um so ge- bieterischer, als der Kampf um das Dasein sich für gewisse Klassen der Bevölkerung immer ernstlicher gestaltet. Die Negierun- gen der Bundesstaaten werden in ihrem Bestreben sortsahren, daS Gefühl der Zu- friedenheit unter der Bevölkerung durch Milderung der wirthschaftlicheu und gesell- schaftlichen Unterschiede zn fördern." „Sollen aber diese Bestrebungen Erfolg haben, so tritt die Nothwendigkeit ein, dem verderblichen Verhalten derjenigen Perso- nen, welche versuchen, der vollziehenden Gewalt in der Ausübung ihrer Pflicht hin-dernd in den Weg zu treten, wirksameren Widerstand zu leisten." „Die Erfahrung hat gezeigt, daß die jetzt bestehenden Gesetze den Regierungen der Bundesstaaten nicht die erforderlichen Mit- tel gewähren. Sic werden daher über Maßregeln berathcn, welche unsere Gesetze vervollständigen, und es wird Ihnen sofort eine Gesetzvorlage unterbreitet werden, welche hauptsächlich durch Erweiterung der jetzigen Strafverfügungen den Schutz der öffentlichen Ordnung vermehrt." Kaiser Wilhclm's Vortrag war ein- drucksvoll und voii Haudvewcgungen be- gleitet. Mehrere Male hob sich seine Stimme, und nahm sein Blick einen ernsten Ausdruck an, besonders bei den Stellen über die agrarische Frage, über die Revolu- tionäre, und während er mit feierlichen Worten des verstorbenen Czaren gedachte. Später begab sich der Kaiser nach dem Neichslagsgebäude, um die formelle Feier- lichkeit der Grundsteinlegung vorzunehmen, welche mit der Einweihung des Gebäudes und der Eröffnung der neuen Sitzung deS Reichstages zugleich stattsindet. Gewaltige Menschenmassen hatten sichaus dem Wege dahin, und bei dem neuen Gebäude eiugesuudeu, welche den Kaiser und die regicrenven deutschen Fürsten bei ihrer Ankunft daselbst und wahrend der Fahrt dahin mit Enthusiasmus begrüßten. Ich gebe mich der zuversichtlichen Hoff- nung hin, daß Sie jener ernsten Ausgabe Ihre thatkrästige Mitwirkung leihen werden. Der Kaiser spricht dann von den Nach- theilcn, welche dem Lande aus unredlichen Börsengeschäften erwüchsen, und daß er wahrscheinlich noch in dieser Sitzungspe- riode dem Reichstage eine Vorlage zur Ab- stellung jener Uebelstünde machen werde, und fährt dann folgendermaßen fort: Desgleichen wird an einer Vorlage gearbei- tet, die die Handelswell vor einer Kon- kurrenz schützen soll, die nicht ansteht, sich unredlicher Mittel zu bedienen und dazu beitragen wird, das Vertrauen aus den Handel und Wandel zn festigen. Durch die ungünstige Gestaltung der Finanzlage, die von den Einzclstaaten, statt der vormals aus den Neichseinkünflen bezogenen Ucbcrfchüsse, Zuschüsse zu den Reichsausgaben erheischte, ist die Schaffung derartiger Einkünfte nolhwendig geworden. Die Erhöhung der Stempelsteuer vermag jenem drückenden Zustand der Dinge nur zum Tlieil abzuhelfen, und die Erschließung neuer Einnahmequellen ist unerläßlich. Zu dem Behnfe wird Ihnen eine Tabak- steuerreform-Vorlage unterbreitet werden. Mein Vertrauen auf die Erhaltung des Friedens in Europa, ist zu meiner lebhaf- haslen Genugthuung in den paar letzten Jahren noch gestärkt worden. Dem Geisteunserer Bündnisse getreu Pflegen kur mit allen Mächten gute, freundschaftliche Be- ziehungen. Zwei Nachbarreiche sind in den paar letzten Monaten durch ernste Er- eignisse in heftige Bewegung versetzt wor- den. Deutschland hat sich der allseits kundgegebcnen Sympathie, die auf's Neue Aeuguiß avlcgte von der Solidarität der Gefühle der Friedens- und Menschenliebe, aufrichtig augeschlosseu. Ich betrauere in dem Tode des Kaisers von Rußland den Verlust eines Freundes und bewahrten Mitarbeiters an den Werken des Friedens. Uom Krieysslllauplahe. Gefechte zwischen japanischen Re- cognoscirungstruppen und star- ken chinesischen Truppen- abtheilungen. Die Gegend von Kwan-Tien soll vom Feinde gesäubert werden. Hiroshima, 5. Dez. Eine aus Aittonq vom 3. Dezember da- tirte Depesche des Fetdmarschallsßama- gata, thciit mit, daß eine zur Rccognosci- rung in den Ling-Shan-Kwang abgesandle japanischeTruppenabtheilung, am 15. No- vember bei Moticn-Ling mit den chinesi- schen Vorposten ein Gefecht bestand, in welchem ein japanischer Soldat getödret wurde, und drei derselben Verwundungen davonlrugen. Die Japaner erhielten spä- ter Verstärkungen und nahmen bei Saikako Stellung, wo sie von einer starken feind- lichen Abtheilung angegriffen wurden, und in dem Gefechte vierzig Mann verloren. Am 20. November wurde eine Compag- nie Infanterie, welche sich aus Recognosci- rung besaild, bei Tasikow von einer star- ken chinesischen Ablheilung angegriffen, und mit Verlust zum Rückzuge gezwungen. Der Feldmarschall Mmagata fügt hinzu, daß Schritte gcthan sind, um die Gegend bei Kwan-Ticn und Saibashu von den Chinesen zu säubern. Die Abtheilungen unter dem Gen. Tachimi, und dem Oberst Kissyines haben nach geringem Widerstande ihren Bestimmungsort erreicht. Sie ha- ben den Feind bei Sailabo am 13. Novem- ber angegriffen, und zum Rückzüge ge- zwungen. Beide Abtheitungen befinden sich jetzt auf dem Rückmärsche nach Autong. Amerikanische „Studentenstreiche". Lin Schüler der Universität von Lalifornien wegen angeblichen verrathes greulich mißhandelt. San Francisco, 5. Dez. Ein angeblicher Verrat!) an der Univer- sität von Kalifornien, dessen Schüler er bis vor Kurzem war, gab die Veranlassung zu einer scheußlichen Mißhandlung von Cloud G. Campbell, dem S>ohn eines Mctho- distnipsarrers in Los Angeles, von Seiten seiner Mitschüler. Campbclls Vergehen bestand darin, daß er die Farben der Uni- versität Stanford getragen, und die Uni- versität von Kalifornien wegen ihrer Nie- derlage im Fußballspiel am Danksagungs- lage verhöhnt hatte. Außerdem soll er auch die bei dem Ballspiele zu beobachtende Tak- tik seiner Universität den Gcgenern ver- ratheu haben. Campbell wurde nach Mitternacht, als er sich aus dem Wege nach seiner Stube be- fand, überfallen; nachdem ihm die Augen vekvunden waren, wurde ihm mit einem stumpfen Nasirmesser die eine Hälfte seines Kopfhaares abgcschoren, dann wurden ihm die Augenbrauen und die Augenwimpern abgeschnitlcn, worauf der Kopf mit rother Tinte, welche sorgfältig mil aufgelöstem Leim gemischt war, angestrichen, denn roth ist die Farbe der Universität Stanford. Aus der einen Wange wurde ein rothcs „S", für Stauford, gemalt, während auf der anderen ein „T" für „Traitor" ange- bracht wurde. Schließlich wurde Campbell entkleidet und sein Körper mit denselben Buchstaben bedeckt. Campbell ist ein schwächlicher Krüppel und gicbt zur Erklä- rung au, daß ec früher ein Schüler von Stanford war, und daß es seine Absichtwar, im Januar wieder dahin zurückzukeh- ren. Das Lehrerkollegium wird die Ange- legenheit einer genauen Untersuchung un- terziehen. Tin werthvoller Blechkasten. Das vermächtniß eines Uullionäres gerichtlich beansprucht. Biddeford, Maine, 5. Dez. Ella Haines aus Biddeford, hat gegen die Nachlassenichasl des Biddesorder Mtt- lionürcs, Luther Bryartt, eure Klage um 4250,000 eiugeleitct. Sie verlangt die Zurückerstattung eines Blechtastcns mitNegicrungspapieren im Werthc von 4250,- 000, welche ihr Bryaitt vor seinem Tode gab, die sic aber gezwungener Weile nach dem Tode des Millionäres den Nachlaß- Verwaltern auslieserte. Der Fall wird im Januartermiu des Obergerichtes in Saco zur Verhandlung kommen. Schreckliche Thal einer TNutter. Sie versucht ihre fünf Kinder zu vergiften. Galveston, Tex., 5. Dez. Iu einem Anfälle von Schwermuth Kat die im westlichen Theile der Stadt woh- nende Fran Louise Alberti ihren fünf Kin- dern Gift cingegeben. Zwei derselben sind bereits gestorben und die übrigen be- finden sich in äußerst bedenklichem Zu- stande. Graf Lesseps schwer erkrankt. Lr steht beinahe in seinem neunzigsten Le- bensjahre. Paris, 5. Dez. Graf Ferdinand de Lesseps, der Erbauer deS-Luez-Canates, ist bedenklichertrankt; er wurde im Jahre 1805 geboren. Etwas Aeues. Wettfahrt zwischen Pferd und Hoch- bahn. Der Gaul aus dem Leibstalle bleibt Sieger. NcwAork, 5. Dez. Gestern Abend hat bei einer ungewöhn- lichen Wettfahrt von der Batterie bis zur 59. Str., zwischen einem gewöhnlichen Leihstallganl und der Manhattan Hoch- bahn, der crstere den Sieg davongclragen. Es war eine Wette zwischen dem Künstler Lynwood Palmer und dem canadischen „Gentleman Jockey" Frank Elliol; der ersterc hatte aus den Gaul und der letztere auf die Hochbahn gewettet; der Einsatz für jeden betrug 450. Den Bedingungen der Wette nach durfte Palmer von der Batterie bis zur Reitschule am Central Park, der 7. Ave. und 59. Lttr., ohne Einmischung der Polizei den Gaul fahren und mußte die Strecke schneller zurücklegen als die Hochbahn, auf welcher Elliot die Fahrt machte. Der Start fand von der zur Hochbahn führenden Treppe an der Batterie aus stall. Bertie Aspenden war Starter und begleitete Palmer. Die Fahrt ging den Broadway und die 7. Ave. entlang, bis zum Ende der Strecke, welche in genau neun und zwanzig Minuten zu- rückgelegt wurde. Palmer und Ashenden benutzten einen leichten Wagen und das Pferd war in einem Leihstall gemicthet worden. Elliot erreichte das Ziel gerade zehn Minuten später. Trauriges Ende. Line einst bewunderte Schönheit in einem Gefängnisse in Kansas gestorben. New B o r k, 3. Dez. Durch den Tod der Frau Edith Arm- strong, besser unter dem Namen „Dovie" Comstock bekannt, welcher in einem Gefäng- nisse in Kansas erfolgte, ist der Lebenslauf einer ebenso schönen als notorischen Frau zum Abschluß gekommen. Sie war die Tochter von D. E. Forney, dem Gründer des „Washington Chronicle", und eine Nichte von John W. Forney, dem Gründer der „Philadelphia Preß". Alle Diejenigen, welche „Dovie" Comstock in ihrer Kindheit gekannt baden, sprechen von ihr als einer lieblichen Schönheit. Der Name wurde ihr gegeben, weil er zu ihrem Aeußcren paßte; sie war ein herziges, mun- teres Kind, und nichts schien natürlicher, als daß sie sich in den hübschen, jungen und reichen Waller G. Comstock verliebte. Sein Vater war ein Verwandter von den Armours und Großhändler in Fleisch. Das junge Paar wohnte in Providenee an Parkes Ave., in dem aristokratischen Theile des Elwood Bezirkes, und bald war das Haus der Sammelpunkt von jungen Leuten, welche nicht alle den besten Kreisen an- gehörtcn. Die jungen Leute tranken viel Wein, und in diesem Hause war es, wo das eheliche Glück des jungen Comstock zerstört wurde. Die Folge, war eine Scheidung. Die Veranlassung dazu soll Samuel Post gegeben haben, der Manu, welcher von Ella Nelson ermordet wurde. Bald nach der Scheidung kam Frau Comstock nach New Bork, wo sie in verschiedenen Hotels wobnle. Im Juli 1890 zog sie in das Haus No. 344 Smithstraßc, in Brooklyn. Dort wurde sie mit Theodor Larbig bekannt, welcher durch sie sein Leben verlor. Im Mai zog sie nach No. 278 Sackctlstraße und nahm Darwin I. Messerole, einen Solm des Gen. Messerole, als Kostgänger aus. Sie halte Messerole mehrere Jahre laug gekannt und stand auf sehr vertrautem Fuße mit ihm. Am 27. Juni 1891 tain Larbig in das Haus und gerieth mit Frau Comstock iu Streit. Messerole mischte sich ein, und es entstand ein Kamps, bei wel- chem Larbig von Messerole erschossen wurde. Der Prozeß erregte bedeutendes Aufsehen und der junge Mann wurde frei- gesprochen. Zehn Monate später vcrhei- rathcle sich „Dovie" mit John L. Maltins, und kurze Zeit daraus zog sie nach dem Westen. Da sie dem Opiumgeuusse fröhntc, wurde sie schließlich ein Opfer des- selben, und wie Eingangs berichtet, fand ihr bewegtes Leben in einem Gefängnisse in Kansas seinen Abschluß. Aampf mit zwei Einbrechern. Beide nach einer lebhaften Schießerei ge- fangen eingebracht. Eff ingham, Jll., 5. Dez. Der neue Sheriff Joseph Nickelmaun hat bereits die Annehmlichkeiten seines Amtes kennen gelernt. Er hatte sich mit denn früheren Sheriff Tederick auf den Weg gemacht, um ein Paar Einbrecher in der Nahe der Stadt cinzufangen, und gestern Abend kam es zwischen denselben und den Beamten zn einem regelrechten Gefecht. Einer der Einbrecher erhielt vom Ex- Stierisf Tederick einen Schuß in den Mund, und beide Verbrecher wurden, nachdem sic ihr Pulver verschossen hatten, vom Sheriff Nickelmau gefangen eiugebracht. Der eine derselben nennt sich Frank Starr, und die Wunde, welche er bei dem Kampfe davon getragen hat, wird für lödtlich erachtet. Die Einbrecher werden nach Moeassin gebracht, wo sic den Geschäftsladcn des Staats-Ab- geordneten Condo ausgcraubt hatten. „Das Alte fällt, es ändert sich die Zeit." Der älteste Gasthof in Boston soll in ein Gfficegebäude mngeändert werden. Boston, 5. Dez. Das Tremoni House, das älteste Gast- haus der Stadl, ist augenblicklich in ein Auktionslokal nmgewandelt worden und Schaaren von Käufern drängen sich in den Eorridoren des Gebäudes, um billige Ein- käufe zu machen. Der Grundstein zum jetzigen Tremont House welches demnächst zu einem riesigen Ofsicegebüude umgebant werden wird, wurde am 4. Juli 1825 ge- legt. Die Neilkraft des Serum. Dieselbe hat sich in zwei Fällen glänzend be- währt. Kansas City, Mo., 5. Dez. Die hiesigen Aerzte sind voller Enthu- siasmus über die Resultate, welche mit dem Antitoxin, dem neuen Anlidiphtheriemittcl, erzielt haben, daß sie kürzlich erhalten und sofort zur Anwendung gebracht haben. Einem Kinde mit einem vorgeschrittenen Falle von Diphthcritis wurden zwei Dosen des Serum verabreicht, und dasselbe befand sich innerhalb eines Tages außer Gefahr. In einem anderen Falle, dem eines Kna- ben, welcher bereits neun Tage an Diph- theritlS gelitten Halle, wurde ein gleiches Resultat erzielt, und der Patient konnte nach zwei Wochen als geheilt betrachtet werden. , Wahrscheinlich ermordet. Das Skelett eines deutschen Arztes in einer Schlucht aufgefunden. Victoria, Mer., 5. Dez. Dr. Carl v. Renbach, ein angesehener deutscher Arzt und Botaniker, kam vor einigen Monaten hier an und begab sich behufs Forschungen über Land nach La- redo, Tex. In seiner Begleitung befand sich ein mexikanischer Diener. Gestern wurde in einer Schlucht, einige Meilen nördlich von hier, ein Skelett gefunden, welches nach den Kleidungsstücken als das des Dr. Renbach ideittifizutt wurde. Man glaubt, daß der Doktor von dem Mexika- ner der Beraubung wegen, ermordet wurde. Letzte telegraphische Depeschen. —ln Shanghai ging heute das Ge- rücht, zwischen Japan und China sei ein zehntägiger Waffenstillstand vereinbart worden. Der Präsident hat den Gesandten in Ecuador, Strobel, zum Gesandten in Chile ernannt. Schiffsnachrichten. In der Nacht anqckommen: New Aork „Noordland" von Ant- werpen, „Fürst Bismarck" von Genua. Hamburg „Jtalia" von Philadelphia. Städtisches. Das Wetter. Optiker Kl eine, 76Washington Str., berichtet für Chicago die folgenden Baro- meter- und Thecmometerstände: Um 8 Uhr Morg. 38 Gr., um 9 Uhr 40 Gr., um 10 Uhr 42 Gr., um 11 Mir 44 Gr., um 12 Übr 46 Gr. Barometerstand um 8 Uhr Morg. 29.40, 12 Uhr 29.35. Riderburg's Bücher. Ls ist nicht mehr daran zu zweifeln, daß sich der verschwundene Lhefclerk des Lounty- clerks großartige Unterschlagungen zu Schulden kommen ließ. Die Untersuchung der Bücher des ver- schwundenen S. W. Riderburg, des ehe- maligen Chef-Clerks des County-Clerks HenryWulss, hat bereits ergeben, daß Rider- bnrg großartige Unterschlagungen verübt hat. Wie hoch sich die Unterschlagungen stellen werden, wird jedoch erst lestgestelll werden können, wenn die Untersuchung der Bücher für die ganze AmtslhäligkcttS- Periode Ridervnrg's, welche einen Zeit- raum von acht Jahren umfaßt, abge- schlossen sein wird, was erst in einigen Tagen der Fall sein wird. Henry Wulfs hat bereits zugegeben, daß Riderburg das in ihn gesetzte Vertrauen mißbraucht habe, er weigerte sich aber, auch nur annähernd den Betrag der Unter- schlagungen, soweit derselbe bisher ermit- telt ist, anzugcbcn. Die Beamten, welche mit der Untersuchung der Bücher Nider- burg's beschäftigt sind, schätzen den unter- schlagenen Betrag aus mindestens 450,000. Das bisher befolgte System der Bezah- lung der Gehälter der Angestellten des Countyclerks macht cs eincmHülss-Eounty- clerk »licht sonderlich schwer, im Zeitraum von einem Jahr die Summe von 450,000 bei Seite zn schassen. Mit Leichtigkeit kann ein solcher Beamter eine große An- zahl voll Extra-Angestellten auf den Zahl- listen führen, und eine Abrechnung findet nicht statt. Die Zahlliste der Office des Countyclerks stellt sich auf etwa H112.000 für jedes Halbjahr. Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden etwa 499,000 an Ge- hältern ausbezahlt, während die Bewilli- gung für diese Zeitperiode 4135,213 be- trug. Es verblieb also ein Ueberschuß von über 436,000. B»s jetzt hat sich kein Aus- weis über den Verbleib dieses Ueberschusses gefunden. Die Abrechnung Niöerburg's über die an die Licenz-Abthcilung des Eonntyschatz- meistersamt von dem Conniyelerk avge- führte Summe ist um 43000 zu kurz. Diesen Betrag hat Herr Wulff bereits ersetzt. Wie schon crwäbni, sind die näheren Einzelnhetten über die Unterschlagungen Ridervnrg's noch nicht ermitleli. lieber den Verbleib des ungetreuen Beamten konnte bis dahin ebensowenig etwas in Er- fahrung gebracht werden. Hinter den IBahlgaunern her. Die Anwälte W. S. Fürrest und John S. Miller treffen eisrigst ihre Vorbereitun- gen für die Anklage in den Wahtbetrugs- fällen. Sie gehen im 'Anstrage der Eivie Federation vor und sind von Staatsanwalt Kern ermächttgl, ihn in jenen Prozessen vollständig zü vertreten, so daß sie als stell- vertretende Staatsanwälte sungiren. Die beiden Anwälte haben seil dem Wahltage das BeweiSmalerial gegen die Wahlbetrüger gesammelt und sie werden alle Anklagen, welche die Großgeschworcnen erheben werden, als Ankläger vertreten, und zwar wollen sie in den schweren Fällen die Anklagen bis zum Aeußcrslen verfechten. Das Abendblatt, durch Träger in's Hans gebracht, kostet nur 6 Cents die Woche. Aus dein Leben der (vroßstadt. Lin Wink für die Beamten des Gesundheits- amtes. Die Befestigung von Abfällen aller An, wie sie eine Großstadt tagtäglich produzirt, ist von jeher ein Problem gewesen, mil dessen Lösung sich zahlreiche Personen, lei- der bisher ohne einen vollständigen Erfolg versucht haben. Es ist eine allgemein be- kannte Thalsache, daß Abfall-Ablagerungs- plätze, namentlich solche, ans welche die Ab- fälle stark mil vcgeiabelischen und ani- malischen Stoffen durchsetzt sind, stets eine Brutstätte für allerlei Krankheiten bilden. So lange kein vollkommenes Abfall-Ver- brennungssystem erfunden und ansgenntzl wird, wird hier keine Acndcrung der Sach- lage zum Bessern cintrclen, und die Umge- gend solcher offener Alstagcrungsplätzc wird stets ganz besonders von allerlei Seuchen und epidemisch auslrelcndcn Krankheiten hcimgesucht werden. Daß solche Ablagcrungsplätze oft von Leuten der allcrärmstcn Klasse, welche dort die Abschnitzel der Kultur, Lumpen, Kno- chen u. s. w. zusammensucheu, um ans den gesammelten Schätzen ein Paar Cents Geld zu machen, besucht werden, dürste wohl allgemein bekannt sein. Solches ist nicht nur in Chicago der Fall, sondern in allen Großstädten und auch an Orten, derenEinwohner nicht nach Millionen oder Hnnderttauscnden zählen. Nicht so allge- mein bekannt dürste aber die Thalsache sein, daß diese Ablagcrungsplätze bisweilen auch das Material zur Sättigung hungri- ger Mägen, nichl figürlich gesprochen, son- dern im wahren Sinne des Wortes, hergeben müssen. Wer dies incht glauben will man kann es sicherlich Niemandem verden- ken, wenn er an der Möglichkeit solcher Vorkommnisse zweifelt —, der möge sich z. B. aus den Abfallablagerungs-Plätzen in Lake View, in der Nähe der Ashland Ave. und Diverscy Ave., selbst von der Wahrheit obiger Angabe überzeugen. Zur Ablagerung der Abfälle dienen dort die erschöpften Lehmgruben, aus denen die Ziegeleibcsitzer das wcrthbollc Material für ihre Produkte nahmen, und die dann lange Zeit unbenutzt dalagcn. In nicht zu großen Zwischenräumen lassen dort z. B. die Grocer der Umgegend die aus ihren Ge- schäften stammenden Abfälle aller Art ab- lagern. Solche aus Grocerien und ähn- lichen Geschäften stammenden Abfälle ent- halten oft große Massen halbversaiilren Geflügels und anderer Fleischwaaren, die sich als nichl mehr verkäuflich erwiesen. Aus solche Ladungen passen zahlreiche in der Umgegend wohnende Leute der allcr- ärmsteu Klasse, meistens polnischer und böhmischer Nationalität, sehr sorgfältigaus. Kaum hat ein Wagen mit solchen Abfällen diese aus dem Ablagerungsplatze abgelagert, so stellen sich diese Leute dort ein, um ans den Abfallhaufen das heraus- znsuchen, was ihnen noch genießbar er- scheint, halbverfaulte Turkeys, Hühner und ähnliche Sachen, die iu gutem Zustande von Jederman geschätzt werden. Ohne Ekel zu empfinden, bereiten diese bcdauernswerlhen Leute die halbvcrfaulten Sachen als 'Nahrung zu, um damit ihre hungrigen Mägen zu füllen, oder aber sie versuchen, die aus dem Schult und Schmutz hcrvorgciuchteu Hübner, Turkeys u. s. w. ! an vielleicht noch ärmere Leute um einige Cents zu verkaufen, was ihnen auch iu vie- len Fällen gelingt. Daß eine solche Praxis auf den Gesund- heitszustand der bedauernswerthen Leute keinen günstigen Einfluß haben kann, liegt auf der Hand. Deshalb sei unser städti- sches Gesundheitsamt aus dieses Bild aus den» Leben in unserer Großstadt aufmerk- sam gemacht. Das Gesundheitsamt sollte cs verhindern können, daß die Aermstcn unter den Armen Chicagos sich aus die oben angedeutete Weise direkt mit Krank- heilsstosseu aller Art ernähren. Jeder in Zersetzung begriffene animalische und vege- tabilische siörpcr ist ein direktes Gift für den menschlichen Organismus, daran wird wohl Niemand mehr zweifeln. Unter zwei Anklagen Ivird Dominio Giqanta dem Lriminalgerickt überwiesen. Dominio Gigauta, ein vcrheiratheter Italiener mit zwei Kindern, wurde heute Morgen von Richter Kerstcn unter Bürg- schaften von H9OO und H2OOO dem Ernitt- ualgerichl überwiesen. Die erste Anklage lautet auf die Vaterschaft eines Kindes, welchem die vierzehnjährige Camille Da- ratä in einigen Monaten daS Leben schen- ken wird. Die zweite Anklage lautet aus Vergewaltigungs-Angriff aus die Klägerin. Gigauta wohnte als Kostgänger bei der Familie Darala, No. 44 O. Superior Str. Der Vater und die Mutter legten das Zcugniß ab. Als die Schaudlhal ent- deckt wurde, cntsloh der Angeklagte, er wurde jedoch in seiner neuen Wohnung au der 18. und S. Clark Str. von Geheim- polizist Klinger dingfest geillacht. Anwalt Taylor erschien als Verlhcidigcr und Gigauta verzichtete aus ein Vorverhör. Opfer einer Operation. Fr. Dr. Lmma Hclwig und Axel Anderson für den Tod der Hannah Dahin verant- wortlich gehalten. In dem Haus No. 441 31. Str., hauchte gestern Abend die dort als Hausmädchen beschäftigte Haunah Dahm ihren Geist aus iu Folge einer criminellen Operation, welche an ihr ausgettihrr worden war. Nachdem der Tod der Polizei gemeldet war, erfolgte die Verhaftung der Doctorin Emma Helwig, deren Office sich an der Ecke von Wells und Hill Str. befindet, und von Axel Anderson, welcher die Doclorin geholt halte. Beide wurden nicht zu Bürgschaft zugclasscu. Die Verstorbene war 22 Jahre alt und eine Schwedin. Stahl eine Pferdedecke. Charles Rogers wurde dabei abgcfaßt, als er von dem Wagen des Ed. Johnson, No. 212 Rush Str., eine Pferdedecke im Werthc von H4.00 raubte. Er wurde unter 4300 Bürgschaft von Richter Kersten an's Eriminalgericht verwiesen. Nur zwei Tage Polizist. Stephan Healy betrinkt sich und macht dar- auf Dummheiten. Stephan Hcaly wurde vor zwei Tagen als Substitttt-Patrollman eingestellt. Dies Anstellung feierte er dadurch, daß er sichbald darauf auf eine Knetvtour begab. An deren Folgen halte er noch gestern derartig zu leiden, dass er verschiedene Mißgriffe machte, die ihm wahrscheinlich sein Amttosten werden. Abends 9 llhr begegnete ihm nahe »er 35. Str. und Cottage Grove Ave. Frl. Jda Earl von 3231 Cottage Grove Aoe. kam ans einer Restaura- tion und war auf dem Heimwege begriffen. Healy war zur Zeit betrunken und wankte dem Seitenweg entlang. Als Frl. Earl den betrunkenen Sicherhcitswächter sah, ging sie, um nicht mit ihm in Berührung zu kommen, dicht an den Häusern. war Hcaly, für den de, Seitenweg zu schmal war, nicht zufrieden. Er befahl ihr stehen zu bleiben und ttnn Auskunst über ihre Thun und Lassen und Wohnung zu geben. Frl. Earl wurde ängstlich und lief davon. Der betrunkene Hcaly folgte ihr, so schnell es ihm feine etwas schweren Beine erlaubten. Als die junge Dame in dem angegebenen Hauie verschwand, folgte er ihr auch dorthin.Er stürmte ihr die Treppen nach und stürzte kopfüber in die Wohnung von Earcks Mutter hinein. Er erhob sich indessen wieder, folgte der jungen Dame, obueßück- sicht auf deren Mutter zu nehmen, in das Schlafzimmer. Daselbst befand sich z. Z. die kranke Großmutter Earl's und diese wurde derartig in Angst gesetzt, daß eine schlimmeWendung m derKrantheit ein- trat. Hcach griff nach Frl. Earl und erklärte sie für verhaftet. Hierbei machte er einen solchen Seandal, daß alles im Hanse zu- sammenlief. Unter den sich Einfindenden waren auch D. W. Storni, ein Angestellter der Handelskammer, und A. Krctlaw, Provi'or in einer Apotheke an der 33. Skr. und Cottage Grove Ave. Diese iittcrveinr- len im Interesse der jungen Dame und verlangten von Healy Auskunft über fein Benehmen. Der betrunkeüe und seiner Sinne nicht mächtige Polizist begann zu fluchen gab als Grund an, daß Jda sich zu lange auf der Straße aufgchaltcn und er sie schon lange beobachtet halte. Außerdem glaube er, daß sich in dem Hause viel zu viel Wei- ber besüuden. Als Storni empört über diese Auslassungen Healy zur Rede stellte, wurde auch er für verhaftet erklärt.Während dieses im Hause vorging war Frau Earl nach der nächsten Apotheke und Krellow nach dem nächsten Alarmkasten geeilt, um einen Palrouillcwagen kerbeizurufen. Dieser rasselte bald heran und Heaty, der unterdessen mit seinein Gefangenen vor dem Alarmkasten cingctroffen und außer Stande war, denselben zu öffnen, erklärte auch Krellow noch als seinen Gefangenen. Alle Drei wurden nach der Stanlon-Avc.- Station genommen und von dorr gegen Bürgschaft entlassen. Heule wurden die Drei dem Richter Wallaee voraeführt, der die Verhandlung auf 10 Tage verschob. Unterdessen hat Lieutenant Bonficld den Healy vom Amte sufpendirt und den Fall der PolizestUntersuchungsbchörde unter- breiten. Tin Lebensmüder. Fred B. Hillerts beging gestern Abend in seiner Wohnung, No. 232 Mozart Str., Selbstmord, indem er eine starke Dosts Rattengift verschluckte. Er starb um ein Uhr Morgens. Noch keilt Straßcnamts-Borstehsr. Mayor Hopkins hat immer noch keinen Nachfolger für den zum Doerbaueommis- iär beförderten früheren Slraßenamls- superintcndenlen MeCarthy ernannt. Viel- leicht wird der Mayor George Miller von der 5. Waid für den Posten ernennen, da Er-Alderman Schumacher von der 10. Ward, den der Mayor für d.e Stellung in Aussicht genommen halte, endgültig die Ernennung abgclchnt hat. N)ar auch bei der Sleüierei- Jn der Person von Antonio Dredisco, wurde heute dem Richter Dooley ein Zwei- ter vorgcführt, der am Samstag Abend in Felieio Fediseo, 115 Forquer Straße den heimtückischen Angriff auf Lllmo Capaci machte und ihn lebensgefährlich verwundete. Er wird beschuldigt, einen Schliß auf Eapaci abgefemrt 'und außer- dem ihm als er schon am Boden lag, noch mil dem Melier bearbcucl zu haben. Eapaei's Zustand ist ein sehr kritischer. Richter Dooley stellte Drcdisco bis zum 13. Dezember unter H 2200 Bürgschaft. Am genannten Tage werden sich auch die anderen in diese Angelegenheit verwickelten Italiener, der Wirts» Felieio Tedesco, Sal- valore Barba. der dem Capari ein Gewichts- stück an den Korst warf, und sieben andere Italiener, die zur Zeit im Saloon anwesend waren, zu veraulworleu haben. Gen. Booth schwer krank. BaUinglon Beoth, der Kommandeur der Heilsarmee, liegt in kritischem Zu- stande darnieder. Sein Krankenzimmer wird vollständig dunkel und ruhig ge- halten, Besucher werden zn dem Schwer- Kranken nicht zugclassen. Wie die Krisis verlausen wird, kann noch nicht voraus- gelagt werden. Die Verhandlung des Prozesses gegen Eugene V. Debs und den übrigen Beamten der „American Railway Union", die der Verschwörung augcklagt sind, wurde heute Morgen von dem Richter Großcup aber- mals auf 14 Tage und zwar bis zum Dienstag, den 18. Dezember, vcrichobcn. Es geschah dies auf Aulrag der Anwälte Gregory und Walker, die Mit anderen Pro- zesses, iu denen sie eugagirt sind, zu viel zu lhun haben. Biehmarkt. Schweine guter Qualität und sind um 5(« 10 Eent niedriger. Schwere brachten 4.35G4.75, leichte 3.90(«4.45, durch- einander 4.15G4.60. Zufuhr 52,000 Schweine, 14,60? sSlück Rindvieh, 14,000 Schafe.

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