Order a high-quality 18"x24" poster print of this page. Add to Cart

Abendblatt Newspaper Archives Dec 3 1894, Page 1

Low-resolution version. To view a high quality image

Start Free Trial
Abendblatt (Newspaper) - December 3, 1894, Chicago, Illinoisvon der Illinois Chicago, Montag, 3. Dezember 1894. Preis 1 Cent. 47. Jahrgang. No. 286. Uevevvlick Und Kurzgefasttes. Es oleibt heute heiter und gegen Abend die Kälte ab. Der Wind schlägt Uach Süden um. ' Der Congreß ist heute zusammenge- lreten und der Präsident hat demselben eine Botschaft unterbreitet, die der Leser im -""szuge ans der 4. Seite d. Bt. findet. . Die Japaner schreiben den Chinesenchre Friedensbcdingungen vor, die in derAbtretung des von ihnen besetzten chinesi- schen Gebiets und Erlegung einer Kriegs- entschädigung im Betrage von 200 Millio- nen Dollars bestehen. Für diejenigen, welche die Politik als Ge- schäft betreiben, ist heute ein wichtiger Tag. Die bei der letzten Wahl erwählten Counly- beamten ergriffen heute die Zügel der Regie- rung und damit waren natürlich immer allerlei Personalveränderungen verknüpft. - „General" I. H. Randall, Befehls-haber des Chicagoer Contigents zu Coxey'sArmee, ist nach Hause gekommen. Zur Ruhe gekommen ist er noch nicht. Eine andere Idee hat in seinem Denkerschädel Platz ge- griffen. Er will nämlich ein Heer Beschäf- tigungsloser anwerben und mit denselben nach dem Westen marschiren, wo bekanntlich die fruchtbaren Ländereien Uncle Sam's nur auf ein Heer arbeitsscheuer Tagediebe war-ten, um bebaut zu werden. Die Großgeschworenen, welche am Samstag ihren Schlußbericht einreichten, verlangen in demselben, daß die nächste Grand Jury die Gerüchte über einen Ver-trag zwischen der Polizei und den Spielern näher untersuchen soll. Dieselbe GrandJury, welche dieses Verlangen stellt, weigerte sich aus politischen Gründen, die Anklage gegen JohnR. Tanner näher Zu untersuchen. Der Gewerkschaftsrath ernannte in sei- ner gestrigen Sitzung ein Comite, welches einen Protest gegen die beabsichtigte Vermeh- rung des stehenden Heeres ausarbeiten soll. Es wurde darauf aufmerksam gemacht, daß für einen Nothfall jeder Bürger bis zum 45. Lebensjahrs zum Militärdienst herangezogen werden könne. EekeArnplusAe Depeseüen. Die hohe Brücke bei Levensau. Die Einweihung derselben in An- wesenheit des Kaisers Wilhelm und des Staatssekretärs Böttcher. Wilhelm spricht für die Vollendung des Werkes seinen Dank aus. Berlin, 3. Dez. Eine Depesche von Levensau bringt die Mtttheiinng. daß der Kaiser Wilhelm heute die hohe Brücke über den Nord-Ostseecanal cingewcihl hat. Dr. v. Böttcher, der Staatssekretär des Innern, hielt die Rede und forderte zum Schlüsse die Anwesenden auf, drei Hoch's auf den Kaiser auszu- bringen. Der Kaiser erinnerte in sei- ner Erwiderung an feinen Groß- vater, den Kaiser Wilhelm 1., unter dessen Auspizien der Canal begonnen wurde, und sprach allen Denen seinen Dank ans, welche an der Herstellung des Werkes theitnahmen. Znm Schlüsse sagte er: Glücklich sind die Baumeister und Ar- beiter, denen es gewährt wurde, das große Werk zu Ende geführt zu sehen." Darauf vertheille er eine Anzahl von Orden an Diejenigen, welche sich besonders bei der Ausführung deS Werkes ausgezeichnet hat- ten. Tödtlicher Anfall. Lin früherer Postmeister durch einen Sturz vom Pferde um's Leben gekommen. Petersburg, Jll., 3. Dez. Gestern Morgen wurde William L. Robertson, der frühere Postmeister von Tallula, auf der Landstraße in besinnungs- losem Zustande anfgefunden. Er balle sich spät am Abend zu Pferde aus die Reise nach Hanse gemacht, und war wahrschein- leich vom Pferde gestürzt. Sein Tod er- folgte am Abend. Sonntagsüberraschung. Line JllinoiserOrtschaft von einem Erdbeben heimgesucht. P itts sie ld, Jll., 3. Dez. Gestern Morgen, zehn Minuten vor elf Uhr, WN 'de hier ein Erdstoß, begleitet von einem dcnnerühnlichen Geräusch, wahrge- nommcn. Die Erderschntlerung schien eine vom Norden nach Süden gehende Richtung zu haben. , Anglücklicher Fall. Lin Pinkerton'scher Wächter erleidet einen Bruch des Rückgrades. Denver, Col., 3. Dez. Der Pinkerton'sche Wächter William Allen glitt in der Samstag Nacht im Schnee «ns, und siel so unglücklich nieder, daß er einen Bruch des Rückgrades davon- lrug. Die Glieder unterhalb der Hüsten sind in Folge dessen vollständig gelähmt, und um sein Leben zu retten, wird die Entfernung eines Theiles des Nückgrades nothwendig sein. Vom Zuge gestürzt. "Zäher Tod eines Lincinnatier Ligarren- machers- Decatur, Jll., 3. Dez. Gestern Morgen stürzte William Strain,Cigarrenmacher aus Cincinnati von .4neM Zuge der Jll. Cenlratbahn, und vUeb aus der Stelle lodt. Kriedensbedingungen. Wie Japan jetzt mit China Frieden schließen würd^ Später aber würde die Sache China noch theu- rer zu stehen kommen. Dokohama, 3. Dez. Wie halbamtlich mttgetheilt wird, ist Japan entschlossen, schwere Friedensbc- dingungen zu stellen, welche erhöht werden sollen, wenn sich der Krieg in die Lange zieht. Wenn es jetzt zum Friedensschtuß kommt, würde Japan eine Kriegsentschä- digung von 400 Millionen (etwa §400,000,000) und die Abtretung des jetzt von seinen Truppen besetzten Gebietes ver- langen. Den chinesischen Fricdcnsvor- schlägen ist nicht zu viel Gewicht beizu- legen, denn man glaubt, daß Chtna noch weitere Niederlagen erleiden muß, um der Bevölkerung begreiflich zu machen, daß es um Frieden bittet. Wenn Takn und Shang Hai Kwan in Folge des lallen Klimas in diesem Winter nicht angegriffen werden können, so wird der Krieg nach einem anderen Thcile von China verlegt werden. Es wird kein Wassenstillstand gewährt werden, wenn Cbina nicht aus- drücklich um Frieden bittet, Peking den Japanern übergiebt, oder die Forderungen Japans in anderer Weise gewährleistet. Wenn China nicht im Stande ist, sofort die ganze Kriegsentschädigung zu bezahlen,so wird ein Theil der Summe angenom- men, und kann der Rest in Abschlagszah- lungen geleistet werden. Mörderischer Neqer. Ein angesehener Farmer aus dem Hause ge- lockt und ermordet. New Home, Ga., 3. Dez. Am Samstag Abend gegen Mitternacht kam der Neger Joe Bean zu dem zwölf Meilen von hier wohnenden, angesehenen Farmer A. E. Leigh, und sagte ihm, daß einer seiner Arbeiter sehr krank sei und Medizin gebrauche. Lcigb dachte an nichts Böses und ging mit dem Neger fort; eine halbe Stunde später kam Bean zurück und wollte auch Frau oder Fräulein Leigh ab- holen. Diese jedoch ahnte, daß der Neger uichts Gutes im Schilde führe und ihr Argwohn wurde bestätigt, als derselbe einen Revolver hervorholte. Schnell wie der Blitz aber hatte cin's der Mädchen des Vaters Schrotflinte ergriffen und befahl dem Neger, das Hans zu verlassen. Die-ser fenerle darauf, fehlte aber; das Mäd- chen wollte ebenfalls feuern, aber das Ge- wehr versagte. Daraus lies der Neger um das Haus nach einem Fenster hin, von woaus er wiederum ans das Mädchen feuerte, welches ebenfalls auf ihn schoß. Beide Schüsse fehlten und der Neger wandte sich zur Flucht. Zwei Stunden später wurde der Vater mit zerschmettertem Schädel und neun Stichwunden als Leiche ansgcsunden. Der Neger, welcher wahrscheinlich noch einen Spießgesellen hatte, scheint sich in einem Boote den Cbattahoochee hinunter geflüchtet zu haben. Berechtigter Zrrthum. Harmlose Jünglinge aus dem Osten für mörderische Banditen gehalten. Perry, O. T., 3. Dez. In Ponca City erregten sechs junge fremde Leute, welche mit Winchesterbüchscn, Revolvern und Dolchmessern bewaffnet waren und die Hauptstraße des Ortes hinaufgingen, beträchtliches Aufsehen. Die Polizei, der Sheriff und die Constabler brachten schleunigst eine Schaar Bewaff- neter zusammen und verhafteten die Bur- schen, welche in einer Wirthschaft eine Stärkung zu sich nahmen. Als die Be- amten in die Wirthschaft kamen, hielten die Fremden sofort mit den Worten die Hände in die Höhe: „Hier ist unser Geld." Später stellte cs sich heraus, daß die Leute fremd im Lande waren, daß sie sich bewaff- net hatten, um die Cook'schen Banditen zu bekämpfen und daß sie die Beamten für Mitglieder der Räuberbande gehalten hatten. Die jungen Burschen befanden sichaus einem Jagdausflilge und kamen ans dem Osten. Hier nennt man derartige Gesellen „iLuclenkost,". Bös geleimt. Oestliche Geschäftsleute müssen in 'Frisco Haare lassen. SanFranc i s co, 3. Dez. Die Gläubiger des „Lombard Loan" Ge- schäftes sind über die Art und Weise der Geschäftsführung ans das höchste entrüstet. Vor etwa vierzelm Tagen klagten die Theil- habcr I. L. Salomon und A. Mendeljonans Auslösung des Geschäftes, und I. L. Franklyn wurde zum Massenverwalter er- nannt. In einer Versammlung der Gläu- biger ergab der Bericht desselben, daß das Guthaben der Firma etwa §13,000 betrug, während die Schulden sich aus §90,000 be- liefen. Die Gläubiger sind meistens öst- liche Firmen, und nach Angabe der Advo- katen Rothschild L Ach haben dieselben Forderungen von §52,000 an die Firma. Das italienische Parlament. Dasselbe heute vom König Humbert eröffnet. Rom, 3. Dez. König Humbert hat heute mit einer er- greifenden Rede, in welcher auf die durch die kürzlichen Erdbeben entstandenen Lei- den hinwies, das Parlament eröffnet. Er sagte weiter, daß sich die Industrie wieder belebe, daß sich der Credit des Landes ge- bessert habe, und daß dem Parlamente dringende Maßregeln zur Verbesserung vorgelegt werden würden. Znm Schlüsse sprach der König sein Vertrauen auf die Fortbestehung des europäischen Friedens ans. Im dichten Uedel. Zwei Dampfer an der Küste von England zusammengestoßen. Der eine wahrscheinlich mit Mann und Maus untergegangen. London, 3. Dez. Der von Shields nach hier bestimmte Dampfer Albertine ist heute mit zertrüm- mertem Bug und schwer leckend in Par- mouth cingelaufcn. Der Capitän berichtet, daß er gestern mit einem großen Passagicr- dampfcr zusammengestoßen sei. Die „Al- bertine" traf den Dampfer in der Mitte des iLchiffes, und dasselbe verschwand imNebel, welcher gestern den ganzen Tag lang über jenen Tbeil der Küste lag. Die „Al- bcrline" hielt sich längere Zeit aus der Stclleaiif, wo der Zusammenstoß statlsand, konnte aber von dem anderen Dampfer keine Spur entdecken, weshalb man be- fürchtet, daß derselbe untcrgcgangen ist. Heule wurden bei Parntouth mehrere Schisfstrümmer, welche den Nammen „Kenmore" trugen, an das Ufer geworfen. Der Dampfer Kenmore war am 18. No- vember von Shields nach Carthagena abge- gangen. Ein interessanter Eomet. Derselbe befindet sich jedoch in einer Ent- fernung von ZZO Millionen Meilen von uns. Los Angeles, Cal., 3. Dez. Knrzlichc Beobachtungen aus dem Mount Lowe Observatorium deuten darauf hin, daß der voni Sohne des Prof. Swift am Dienstag Abend, den 20. November ent- deckte Eomet, der berühmte von de Vico am 22. Aug. 1844 entdeckte, und seitdem verloren gegangene Eomet ist. Die Bahn dieses Eomclen wurde von Bruno berech- net, welcher ermittelte, daß sich derselbe in der Nähe des Jupiter befinde, daß seine Sonnenferne sich der Bahn dieses großen Planeten nähere, und daß seine Sonnen- nähe unmittelbar innerhalb der Bahn der Erde liege. Seine Wiederkehr war auf etwas mehr als fünf Jahre berechnet, und er hätte seit seiner Entdeckung neun Mal gesehen werden sollen. Dies ist jedoch nicht geschehen, oder konnte nicht beobachtet werden. Die Nachforschungen Leverriörs haben ergeben, daß es derselbe Eomet ist, welcher im Jahre 1878 von Lahiere in Paris beobachtet wurde. Wenn es wirklich der verloren gegangene Eomet ist, so wäre dies für Astronomen von bedeutendem Interesse, und wenn der- selbe etwas deutlicher erschiene, so könnte er in allen Theilen der Welt beobachtet wer- den. Der Pros. Barnard war kaum im Stande ihn mit einem zwölfzölligen Glase zu sehen, und östliche Astronomen waren bis jetzt noch nicht im Stande ihn über- haupt wahrzunehw.cn. Wahrscheinlich entfernt sich der Eometvon der Sonne und der Erde, und nach der Berechnung des Dr. Swift befindet er sich jetzt etwa in einer Entfernung von 130 Millionen Meilen, oder drei Mal so weit entfernt als der Planet Mars im letzten Oktober. Kohlen für den Süden. Der günstige Wasserstand im Ohio bringt Leben in das Kohlengeschäft. Pittsburg, 3. Dez. Das schwere Negcnwetter, welches in der vergangenen Woche hier und in der oberen F-lußgegcnd stallfand, hat zur Folge gehabt, daß heute wahrscheinlich von sechs bis acht Millionen Büschel Kohlen von hier nach südlichen Plätzen abgehcn werden. ES liegen hier dreizehn Millionen Büschel Kohlen, und sollte noch ein höheres Stei- gen des Flusses einlretcn, so wird die ge- sammte Kohlenflotte mit voller Ladung die Reise nach dem Süden antrelen. Bahnunfall. Ein Todter und eine Anzahl verletzter. Washington, 3. Dez. Der Lokalzug von Alexandria, welcher heute Morgen nach Washington abging, ist bei Jackson City, aus der virginischen Seite der langen Brücke verunglückt. Nähere Berichte über den Unfall liegen noch nicht vor, doch heißt es, daß ein Mann das Leben verloren hat, und eine Anzahl von Passa- gieren Verletzungen davonlrug. Ein Petroleumzug in Brand ge- rathen. Mehrere Bahnbeamte in den Flammen um- gekommen. St. Petersburg, 3. Dez. Etwa sechszig Meilen nördlich vonTambor, in der Nähe von Morskansk, gc- rieth ein entgleister Petroleumzng in Brand, und drei Bahnbcamle verbrannlen, während mehrere andere schwer verletzt wurden, und unter den Trümmern den Tod fanden. Weizen als Schweinefutter. Schlechte Preise, und Mangel an Mais Schuld daran. Cedar Rapids, Ja., 3. Dez. Aus guter Quelle ist ermittelt worden, daß tu lowa in diesem Jahre nicht weni- ger als 500,000 Büschel Weizen an Schwei- ne verfüttert worden sind, und daß aller Wahrscheinlichkeit nach vor Frühjahr nochder doppelte Betrag in derselben Weise verbraucht werden wird. Die Veranlas-suna dazu ist in den niedrigen Weizenprei- sen, und in vielen Gegenden in dem Mangel an Mais zu suchen. Der Normt Rainer. Es hat kein Ausbruch des erlosche- nen Vulkanes stattgefunden. Obgleich das Aeußere des Berges sich sehrverändert hat. Seattle, Wash., 3. Dez. Die Lust war gestern so klar daß der Mount Ranicr deutlich gesehen werden konnte, und es unterliegt jetzt keinem Zweifel, daß mit dem Berge große Verän- derungen vorgegangen sind. Dieselben rühren jedoch von gewaltigen Schnee und Eislawincn und Erdrutschen her, und sind keine Folge von einem ungewöhnlichen Ausbruche des Berges. Heute wurde beobachtet, das; der Krater- raud unverändert war, und daß kein Aus- bruch stattgesunden hatte, daß aber unter- halb desselben eine große Veränderung ein- getrelen war, daß ganze Strecken ver- schwunden waren, und ein mehrere hundert Fuß hoher, steiler Felsen von unbekannter Länge sein Erscheinen gemacht Halle. Man vermilthet daß sich das Aeußere des Berges auch aus der anderen Seite verändert hat. > Congreß-Eröffnung. Die zweite Sitzung des 55. Eongresfes eröffnet. Die Botschaft des Präsidenten. W a s h i n g l 0 n, D. C., 3. Dez. Nach dreimonatlicher Pause bat heule die Eröffnung der zweiten Sitzung des 53. Con- gresses stattgefundeii. Die Botschaft des Präsidenten wurde beiden Häusern zuge- sandt, und in denselben verlesen. (Unsere Leser finden einen Auszug derselben an einer anderen Stelle des Blattes.) Spreckels will sich Bonds kaufen, Jedoch nur für die Kleinigkeit von anderthalb Millionen Dollars. S a n F r a n e i s c 0 , 3. Dez. Eine am Samstag von Claus Spreckels, dem Znckerkönige, auf die Nevada Bank ausgestellte Bankanweisung im Betrage von anderthalb Millionen Dollars hat hier bedeutendes Interesse erregt. Die An- weisung war zahlbar an die California Bank gemacht worden, und man glaubte, das; Spreckels möglicher Weise sein Gut- haben von einerBank auf eine andere über- tragen habe. Spreckels sagte jedoch heute, daß dies nicht der Fall sei und daß er noch eine beträchtliche Suimne in der Nevada Bank stehen habe. Befragt, wie hoch sich sein Guthaben dort belaufe, erwiderte er, daß er noch mehrere Anweisungen aus- stcllcn könne, ohne dasselbe zu erschöpfen. Er wollte nicht sagen, wozu er den Check benutzen wolle, deutete aber an, daß er da- mit Rcgierungsbonds zu kaufen gedenke, für welche die Bank von Ealisornien die Summe von einer Million und achlhun- derttausend Dollars gezeichnet habe. Mnkel Sam's Serumfabrik. Dieselbe befindet sich in Gestalt eines Pferdes in einer Zweigabtheilung des Acker- baudepartements. Washington, 3. Dez. Zugleich mit der Rückkehr des Dr. Kinyoun vom Marinehospitaldienft nach den Ver. Staaten, welcher nach Europa ge- sandt wurde um das Diphlheriemttlet zu untersuchen, und darüber zu berichtest, er- scheint die Thatsache, daß bereits Schritte gelhan sind, um das Serum zu erlangen und mit demselben hier Versuche anzu- stcllen. Das dazu benutzte Pferd befindet sich in einer Zweigabthcitung des Ackerbau- departcments in der Nähe von Bennings. Dasselbe hat bereits mehrere Einspritzungen von einer Flüssigkeit erhalten, welche aus Diphtheriekeimen von einem an der Krank- heit leidenden Kinde hergestellt wurde. Um das Pferd völlig unempfänglich gegen die Krankheit zu machen, bedarf es eines Zeit- raumes von sechs bis neun Monaten. So- bald dies erreicht ist, wird das Pferd zur Ader gelassen, und auf diese Weise das Serum erlangt. . Nationalbank geschlossen. Dte North Platte National Bank stellt ihre Geschäfte ein. North Platte, Ncb., 3. Dez. Die „North Platte Nationalbank" hat heute Morgen ihre Thürcn nicht geöffnet und befindet sich jetzt in den Händen des Regierungs-Inspektors. Die Bank hatte ein Betricbseapilat von §75,000. Den Verletzungen erlegen. Ein Lhicagoer Mädchen das Opfer eines Unfalles. Dubuque, Ja., 3. Dez. Mabel Nuss, welche in Folge des Dnrch- gehens eines Gespannes so heftig aus dem Wagen geschleudert wurde, daß sic einen Schädelbruch erlitt, ist gestern Morgen den Verletzungen erlegen. Sie war die Toch- ter von William Ruff in Chicago, wohnte jedoch hier bei ihrem Onkel, dem früheren Eounlyschatzmeistcr Meyer. Comptroller Jones erklärte heute Vormittag, daß die Oktobcrgehälter der Polizisten „wahrscheinlich" morgen ansge- zahlt werden würden. Aber nur wahr- scheinlich, denn bis heute Mittag war für diesen Zweck noch kein Geld vorhanden. Counlyrichter Carter hat heute Vor- mittag den ehemaligen Coroner L. Hertz zum Nachfolger deS Herrn William Taylor als Chef-Clerk der Wahlbehörde ernannt. Die Ernennung bedarf jedoch noch der Be- stätigung der Wahlbehörde. städtisches. Das Wetter. Optiker Kleine, 76 Washington Str., berichtet für Chicago die folgenden Baro- meter- und Thecmomelerstände: Um 8 Uhr Morg. 30 Gr., um 9 Uhr 30 Gr., um 10 Uhr 32 Gr., um 11 Uhr 34 Gr., um 12 Übr 36 Gr. Barometerstand um 8 Uhr Morg. 29.50, 12 Uhr 29.60. Bedeutendes Schadenfeuer Bei dein Brand der Häuser No. i.26t—5265r N. paulinastr. Knappes Entkommen der Feuerwehrleute. Heute Morgen um 3 Uhr brach in den Häusern No. 1261 1265 N. Pautinastr. ein Feuer aus, welches der Fcncrwehr- manuschast von Compagnie 53 beinahe das Leben gekostet Hütte. 'Nachdem der Alarm abgegeben war, erschien die Feuerwehr- Compagnie 53 zuerst auf dem Brandplatz. Aus den Fenstern der brennenden Häuser schlugen Flammen und dichte Rauchwolken hervor. Bald ergossen sich Wasseritrahlcu in den brennenden Bau und der Feuer- marschall gab Befehl, daß die Schlauch- führer nach dem zweiten Stockwerk des Hauses Vordringen sollten. Sie stiegen die hölzernen Treppen hinauf, welche bereits brannten. Die Treppe konnte jedoch nicht mehr die Last tragen und brachmit einem lauten Krach zusammen. Hülse- rufe ertönten aus dem Hause und schnell stürmte eine Feuerwehrinaunschast in dasHans, um die Schlauchführer herauszu- holen. Sie wurden alle unverletzt heraus- gebracht. Der Gcsammtvelust ist auf §4OOO abgeschätzt. Der Eigenlhnmer der Häuser ist Malin Kolas. Julius Strauscher hatte das erste Stockwerk von No. 1261 als eine Wirthschaft inne und er schätzt seinen Ver- lust auf §SOO ab. Im Haus No. 1263 be- fand sich eine Grocery und Bäckerei, welche um §I7OO beschädigt wurden. Vorsicht nothwendig. Line vorzüglich gefaschte Banknote im Umlauf. Capt. Porter, der Chef der hiesigen BundeS-Geheimpoiizei, hat von Washing- ton die Miltheitung erhalten, daß neuer- dings eine vorzüglich gefälschte 2 Dollar- Banknote im Umlaufe sei und daß bereits mehrere größere östliche Städte mit der- selben überschwemmt worden seien. Die Vcrmiithung liege daher nahe, daß Chicago nicht verschont bleiben werde und es werde dabcr gut sein, die Augen offen zu Hallen. Tie Note ist ein Sttber-Certisieat, Serie 1891. Sie trägt das Bitduiß von Win- dom, den Check-Buchstaben 6. Platte- Nummer 14, den Namen des Registrars Rosecrans und des Schatzmeisters Nebeker. Die Note ist vorzüglich gearbeitet und hat das Aussehen, als wenn sie schon längere Zeit im Verkehr gewesen wäre, nur ist sie ein wenig größer, als die echten. In den östlichen Städten sind haupt- sächlich die deutschen Wirthe und Schläch- ter mit dem falschen Gelde beschwindelt worden. Diese haben also besondere Ursache, aus ihrer Hut zu sein., Uebrigens werden alle diejenigen, die ein Exemplar der gefälschten 'Note in die Hand bekommen, in ihren eigenen sowohl, wie im allgemeinen In- teresse gut thun, wenn sie den Eapt. Porter benachrichtigen und ihm das falsche Geld aushändigen. Denn nur so kann den Gaunern das Handwerk gelegt werden. Lächerliche Geheimniskrämerei. Seit gestern Abend befindet -sich Ernest P. Baldwin, ein Auditor des Buudcsscbatz- amles in Chicago; zu welchem Zwecke ist allerdings noch nicht sestgestelll worden, da Colleelor Russell, der Vorsteher des yicsigeu Zollamtes, es für gut fand, einem Berichterstatter des „Abendblatt" ge- genüber, die Anwesenheit des Herren direct zu verneinen. Thatsache ist, daß Herr Baldwin heule Morgen in der Offioc des Collectors Rüssel war und es ist daher ziemlich unverständlich,was den Letzteren veraittaßtc, dies zu leugnen. Einem Gericht zu Folge ist Herr Baldwill hier, um eine Juspcetron vorzuuebiueu, weil angeblich verschiedene Aenderungen in dem hiesigen Zollamle vorgcnommen werden sollen. Herr Baldwin hat in dem Great Northern Hotel Quartier genom- men, doch gelang cs leiser nicht, ihn heule Morgen zu Gesicht zu bekommen. Ein rachsüchtiger Liebhaber. Maggie Fagan, von 402 Taylor Straße, eine dralle Jrländerin, arbcilcle bis zum Mürz d. I. für den Restaurateur C. R. Hobbs an Halsted Slraße. Da Maggie nicht nur ein tüchtiges, sondern auch ein hübsches Mädchen war, so dauerte es gar nicht tauge, daß ihr „Boß" sich in sie ver- liebte. Aber Maggie hatte bereits vorber ihre Wahl in Bezug aus einen Liebhaber getroffen und gab, als Hobbs in seinen Liebesbetheuerungen immer iiucoutrollir- barer wurde, ihre Stelle aus. Hobbs schwor ihr Rache und hätte sicherlich diesen Racheschwur zur Ausführung gebracht, wenm ihm Maggie nicht aus dem Gesichts- kreis geschwunden wäre. Vor einigen Ta- gen erfuhr Hobbs, daß Maggie sich ver- heiralhet Hütte und in 402 West Taptorstr. wohnte. Nun brachte Hobbs seine Rache zur Ausführung. Er beschuldigt Maggie des Diebstahls von silbernen Löffeln, Mes- sern und Gabeln und nahm einen Haus-suchuugsbesehl gegen deren Wohnung her- aus. Die den Befehl ausfnhrcnden Dclce- tivs Hennessh und Elgan fanden in Maggie's 'Wohnung auch ein Dutzend Löf- feln, Messer und Gabeln. Hobbs idcnti- sicirte diese sofort als sein Eigeuthum und ließ nun die schöne Maggie wegen Dieb- stahls einsperren. Als aber heut der Fall vor Richter Doolay ausgeruscu wurde, glänzte Hobbs Esq. durch Abwesenheit. Der Richter sprach Maggie hierauf frei. Louis Schoeuing, George Johum, James Bnett und Henry Stoiey, welche in Müllers Halle gestern Abend einen Spec- takcl verübt batten, wurden mit §3.00 und Kosten von Richter Kersten belegt. Die Entscheidung des Oolizeschefs. Zwei der sieben angeklagten Polizisten vom Stimmplatzc des zr. prezinkts der 2-4 lvard mit Entlassung, die übrigen 5 mit Gehaltsabzügen bestraft. Polizeichef Brennan hat heute Mittag seine Entscheidung in dem Falle der sieben Polizisten, welche beschuldigt waren, am Wahltage auf dem Stimmplatze des 17. Pre- zinkts der 24. Ward ihre Pflicht dadurch vernachlässigt zu haben, daß sie dort nicht Ruhestörungen und Mißhandlungen fried- licher Bürger verhinderten, abgegeben. Die Entscheidung des Polizeichefs lautet dahin, daß die sämmtlichen angeklagten sie- ben Polizisten schuldig seien, und daß James McGraw und James Nickerson, welche die Aufsicht über den Stimmplatz hatten, mit Entlassung von der Polizei-Force bestraft werden, während die übrigen 5 angeklagten Polizisten, James Abbey, John L. Murphy, M. C. Wilde, James Hyland und John A. Mallow mit je fünf Tagen Gehaltsabzug bestraft werden. Der Auszug aus dem Criminal- qericht. Ernst Maaerftädt im Amt des Lriminal. aerichts-Llerk. Alexander Roß und John L. Wbitman als Gesängniß- Direktor und Lhef-Llerk. Der neugcivählte Crimiiialgerichts-Cterk Magcrstädt trat heule Morgen sein Amt an. Als ersten Clerk bat er William Lawson aus der 32. Ward ernannt; die nächsten Clerks sind Waller V. Highl und Wm. Lamb. Im Counthgefänguiß scheiden Gc- füngnißdircktor Morris und Ches-Clerk Price. Morris empfing seinen Nachfolger Alexander Noß und Jobn L. Whilmau als ersten Clerk. Als Hülss-Gefäuguißelerk wird S. A. Cohen thälig sein. Ein verkannter Samariter. Als der Polizist Long von der Maxwell Str.-Station vergangene Nacht nach 4 Uhr die 18. Straße entlang ging, vernahm er aus einer Alleh Schüsse. Dem Schalle folgend, stieß er auf mehrere Burschen, die bei seinem Nahen Reißaus nahmen. Long gelang es, zweier derselben/James Cunniugham und Alexander Crawford, 15resp. 16 Jahre alt, habhaft zu werden und sie nach der Station zu schaffen. In den Taschen der beidn Bur- schen fand man scharfgeladene Revolver, aus dem Crawford's waren von 6 Kugeln kurz vorher 2 abgefeuert worden. Beide wurden heute unter der Anklage des unordentlichen Betragens und Tragens von Waffen dem Richter Dooley vorgeführt. Crawford er- zählte dem Richter, daß er einen Ball in Zimmer's Halle mitgemacht, dort einem be- rrunkenen Manne, nur um diesen vor Leid zu bewahren, dessen Revolver abgenommen hätte, und erst als dessen Mädchen sich ge- weigert hätte, das Schießeisen an sich zu nehmen, es einsteckte, um es dem nächsten ihm begegnenden Polizisten zu übergeben. Diese Ausrede ging denn doch selbst dem gut- herzigen Dooley über das Bohnenlied und er verdonnerte ihn (Crawford) zu §25 Strafe und will mit dem anderen (Cunning- ham) sich morgen beschäftigen. Dem an- wesenden Vater Crawford's, welcher seinen Sohn in Schutz zu nehmen versuchte, hielt er eine gepfefferte Philippika, weil er es seinem 15jährigen Sohn erlaubt, zu Bällen zu gehen und Revolver zu tragen. Für den Stadtratb. Alderman Coughlin ist ärgerlich darüber, daß das Justizcomite sich bis jetzt noch nicht mit seiner Ordinanz besaßt, bezw. über die- selbe noch nicht Bericht erstattet hat. Er wird deshalb in der heute Abend stattfinden- den Stadarathssitzung eine Interpellation einbringen. Die ebenfalls von Ald. Coughlin ausge- hende Ordinanz, welche auf den Verkauf von Cigarretten eine Licenzgebühr von §SOO setzen soll, wird heute Abend nicht verhandelt werden, sondern die Verhandlung wird als Spezialgeschäft auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung gesetzt werden. Dagegen wird aber ohne Zweifel die von Ex-Comptroller Ackerman entworfene Ordi- nanz für die Verausgabung von Wassec- bonds im Betrage von §500,000 heute Abend zur Verhandlung gelangen. - » Messen tliche Verbesserungen. Im Oberbaucommissarial wurden heute Vormittag die Angebote für die Pflasterung einer Auzabl von Gassen und Straßen ge- öffnet. Die Gassen und Straßen, deren Pflasterung demnächst in Angriff genom- men werden sott, sind die folgenden: Gassezwischen Halstcd-, Green-, Randolph- undLakcslraße; Gasse zwischen Union-, Hal-sted-, 21. und LisleNruße; Gasse zwischenCentre-, Lulle-, Arthiuglon- und Taylor- straße; erste Gasse südlich von Madisou-straße, von 5. Ave. bis 132Fuß östlich da- von; Gasse zwischen 31. uno 32. Slraßc, von der Prairie Ave. bis zu der nächsten Quergasse; Gasse zwischen Jcsscrson-,Desplaincs-, Dekoven- und Biinterstraße; Gasse zwischen Madison-, Monroe-, Jcsscr-son- und Desplaiuesstraße; Gasse- zwischen31., 32., Dcarbornstraße und ArmonrAve.; AlbanyAve., von Madison- bis Lakestraße; Escauaba Ave., von 87. bis 91. Slraße; Jowaslraßc, von Lincoln- bis Robepstr.; Morganstr., von Fullonstraßc bis Carroll Ave.; 38. Court, von Halstcd- bis Laurcl- slraße; 89. Slr., von Soulh Chicago Ave. bis Crieslraße. Ferner wurden die Angebote für die Le- gung vor Abzugsverbindungsröhren in folgenden iLtraßen geöffnet: Aiigustastr. von Robcyslr. bis California Ave.;Bi- shopstr. von 51stc bis 55ste Str., Com- mercialstr. von Graceland Ave. bis Ber- lcan Ave.: Duncanstr. von Stewart Ave. bis Wrightstr.; Clk Grove Ave. von Armi- lage bis Webster Ave.; West 42. Straße von Ogdcu Ave. bis zu den Geleisen der C- B. Q.-Bahu; 89. Slraße von South Chicago Ave. bis zur Illinois Central-Bahn; Rhodes Ave von 70. bis 73. Str.; 37. Straße von Gagestr. bis Laurclstr.; Trumbiill Ave. von Douglas Park Boule- vard vis zu den Geleisen der C. B. L Q.- Bahu; 32. Straße, von Halstedstr. bis Laurelstr.; und Wabash Ave. von 67.- bis 73ste Straße. Um §48,000 betrogen. N. Foftcr aus Wisconsin fällt einem geriebe- nen Gauner zum Gpfcr. In der Gesellschaft eines Detectives kam gestern Abend um 5 Uhr Dr. R. C. Flower aus Texas hier an und begab sich nach dem Connty-Hospitat, um- dort die Nacht in einer Zelle zuzubringen. Man verdächtigt ihn eines großen Betruges, denn er soll seit dem Jahre 1893, einen reichen Holzhändlcr in Wisconsin Namens 9t. (5. Foftcr um mehl weniger als §48,000 gebracht haben. Er hat einen Mitschuldigen, Pascall N. Smith mit Namen, welcher sich bereits seit Längerem in Hast befindet. Mil diesem kam er 1893 nach Chicago, wo er Foftcr traf und denselben sofort in's Garn zu locken begann. Er verstand cs Foftcr klar zu machen, daß er der Besitzer großer Län- dergebiete in New Mexiko sei, deren Werth sich aus fast eine Million Dollars belaufe, daß er jedoch notl,wendig Geld brauche und Foftcr für §45,000 ein Drittel dieser Län- dereien abgebcn würde. Smith spielte den Vermittler und gleichzeitig auch den Sekre- tär Flowers. Foftcr ließ sich Sand in die Augen streuen und ging schließlich auf den Handel ein. Als er aber die 845,000 nach Verlaus mehrerer Monate abbezahll hatte, crNihr er, daß das Land, welches er gekauft, in einem Wüslcngebict lag und absolut werlhlos war. Er strengte deshalb eine Klage gegen Flower an. Diesem gelang cs aber, ihn trotzdem nochmal zu betrügen. Cr schrieb ihm,daß er gewillt sei, ein6oooAcker großes Grundstück in Kentucky um §3OOO hcrzugcben, falls man die Klage fallen lassen würde. Foster ging wiederum darauf ein und verlor natürlich seine §3OOO. Dem schlauen Dr. Flower gelang cs, sich eine Zeit lang der Verhaftung zu entziehen, während Smith bald nach Aufdeckung des Schwindels hinter schloß und Niegel ge- bracht wurde. Die Bautbätigkeit. Im städtischen Gebäude-Amt wurden in der vergangenen Woche 132 Bauerlaubniß- scheine für Bauten zum zcoftenvoransehlage von 8570,000 erwirkt. Die einzelnen Bauten vcrtheilcn sich wie folgt: Inner- halb der allenSladtgrenzcn 81 zu 8391,000: Hhde Park 15 zu 876,800; Lake 22 zu 848,000 und Lake View 14 zu §54,000. Ungerechte Verhaftungen verüben die Polizisten Geis und Germanson. Die Polizisten Geis und Germanson von der O. Chicago Ave.-Station halten sich gestern das Vergnügen gemacht, in einer Wirthschaft an Centre Slr. Cd. Ltrauß, Chester Sullivan, Charles Hack und Mar Lee wegen Spiclcns eines harm- losen „Penny-Ame" Pokcripiels zu verhaf- ten. Richter Kerstcn sprach die Angeklag- ten frei; in einem anderen Fall halten die- selben Polizisten John Hcßler, Wm. Masters, Jessc Geusen, Fred Swartv, Wm. Van Dhlc, John MeDol und Frcd Glarser in der Wirthschaft an der Ecke von In- diana- und Franklin Str. verhaftet, weil dieselben mit Chips um ein Glas Bier spielten. Der Richter bezeichnetc auch diese Verhaftung als ungerechtfertigt. Jeder der Verhafteten mußte einen Dollar Kosten zahlen. Den Polizisten Geis und Germanson sei angcralhcn, sich um die Einbrüche und Spitzbübereien, welche an anderer Stelle geschildert sind, zu bekümmern und un- schuldige Bürger fortan nicht mehr zu be- lästigen. Dreizehn Aaubaufälle werden innerhalb weniger Tage auf der Nordseite verübt. Wenn man von den in den letzten Tagen auf der Nord- und Südseite verübten Räu- bereien hört, muß man wirklich glauben, ir- gendwo im wilden Westen zu wohnen, und nicht in einer Großstadt wie Chicago. Am Aergsten ging es gestern früh auf der Nvrd- seite zu. Kurz vor Tagesanbruch betraten drei wüste Gesellen die Schankwirthschaft von Lauderbach, 22 Wellsstraße, 'während ein Vierter draußen stehen blieb und Wache hielt. In denl Lokal befanden sich außer dem jungen Fritz Lauderbach noch ein halbes Dutzend Gäste. Dieses genirte die Neuein- tretenden nicht im Geringsten, ihren wahr- scheinlich längst geplanten, Raub auszufüh- ren. Einer von ihnen setzte dem Lauderbach einen Revolver vor dei Brust, der Zweite hielt die Gäste ebenfalls mit einer Schuß- waffe im Bann und der dritte leerte dann in aller Gemüthsrube die Kasse und ließ den ganzen Inhalt derselben in feine wei- ten Taschen verschwinden. Allein im letztenAugenblick erschien noch der Hausknecht auf der Bildflächc und zwar mit einem 38-kali- brigen Revolver bewaffnet. Dieses war die sofortige Veranlassung zu einer Schießerei zwischen ihm und den Strolchen. Es silen ungefähr zehn Schüsse, die aber glücklicher- weise alle fehl gingen. Die Naubgesellen mußten infolge des allgemeinen Lärms, der entstanden war, schließlich die Flucht ergrei- fen, doch gaben sie sich damit noch nicht zu- frieden. Sie gingen direct nach der Schankwirthschaft an der Ecke der Oak- und Townsendstraße, nahmen dem Wirthe der- selben §lB und eine goldene Uhr weg und wiederholten dann, wohl zum Zeitvertreib, die Schießerei, mit welcher sie die Insassen der Lauderbach'schen Wirthschaft in Angst und Schrecken versetzt hatten. Es wurde je- doch zum Glück auch diesmal Niemand ver- letzt. Eine halbe Stunde später erschienen die- selben Burschen in Germser's Schanklokal, Ecke Rush- und Kinziestraße ,nnd gelangtenans dieselbe Weise, wie in den anderen er- wähnten Plätzen, in den Besitz des Kassen- inhaltes Die Polizei glaubt, daß sie es mit denselben verwegenen Kerlen zu hat, welche am letzten Donnerstag und Freitag ähnliche Raubanfälle verübten. Im Gan-zen sollen dreizehn Schankwirthschaften und Restaurants von ihnen heimgesucht worden sein. Auch auf der Südseite hat eine solche Bande seit einigen Tagen ihr Unwesen ge-trieben, doch sitzen bereits drei Mitglieder derselben, Thomas Benson. David Parker und George Williams mit Namen, in der Harrisonstraßen Station hinter Schloß und Riegel.

Search all Chicago, Illinois newspaper archives

Explore other publications from Chicago, Illinois

All newspaper archives for December 3, 1894

Browse
Order a high-quality 18"x24" poster print of the page above.