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Abendblatt Newspaper Archives Dec 1 1894, Page 1

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Abendblatt (Newspaper) - December 1, 1894, Chicago, IllinoisHeransgegeben von der Illinois Chicago, jSamstag, 1. Dezember 1894. Preis 1 Eent. 47. Jahrgang. No. 285. Uevevvlirk Und Kurzgefaßtes. '— Es soll jetzt erst morgen Abend kalt tverden, inzwischen steht noch Regen zu er- warten. 7- Die Weizenpreise sind im Maitermin auf 602 und 60 ij gestiegen, die Maispreise haben sich nicht merklich verändert und fürLieferung im Mai wurde Mais mit 49 und 49 1 gehandelt. Die Rebellen in der brasilianischenProvinz Rio Grande do Sul rüsten sich zu Neuem Widerstand. Japan bereitet sich auf einen Winter-feldzug vor und scheint noch gar keine Lust zu haben, den Krieg einzustellcn. ln Peru liegt, nach Erklärungen derRegierung, durchaus keine Gefahr eines Aufstandes vor. ln Philadelphia sind heute früh beim Brande eines Kosthauses zwei Men- schen ums Leben gekommen. Aus Antanarivo wird Näheres über den Abbruch der Beziehungen zwischen Frankreich und Madagaskar gemeldet. Die New Uorker Bankreserven sind auf 52,220,800 Dollars mehr gesunken, als die 25 v. H., die das Gesetz vorschreibt. Die Reservefonds haben demnach gegen die Vorwoche um 13,806,800 Dollars abgc- nommen, die Darlehen haben sich um 4,456,700 Dollars vermehrt, die Goldvor- räthe sich um 19.531,900 Dollars vermin- dert und die Depositen um 12,585,800 Dollars; eine Zunahme haben die Bank- noten und Greenbacks um 2,591,200 Dol- lars erfahren. S. W. Riderburg, der Chefclerk des Countyclerks Wulfs, ist seit dem Dank- sagungstage verschwunden. Die Ver- muthung, daß er Selbstmord beging, wird von den meisten seiner Freunde nicht getheilt. Der alte Nachtwächter Martin Caseywill im Bundesgebäude ein Gespenst ent- deckt haben. Wenn dasselbe nicht aus sei- ner Schnapsflasche emporstieg, dann bedeu- tet es jedenfalls einen baldigen Zusammen- bruch der Ruine. Zum Nachfolger des Wahlcommissärs Schomer bat Countyrichter Scales den Advokaten Christian Meier ernannt, einen fähigen und rechtlichen Menschen. Es hat sich herausgestellt, daß in der Modellstadt des Herrn Pnllman die Diptheritis sehr stark herrscht und daß die schlechten sanitären Einrichtungen des ge- nannten Herrn daran die Schuld tragen. Tekegenpsiiscsie Depescsien. Greuelthaten gegen einen Mis- sionär. Derselbe wird von den Eingebore- nen in furchtbarster Weise gemißhandelt. Und die Behörden lassen es ruhig geschehen San Francisco, 1. Dec. Der in Kelseyville, Cal., wohnende Franciskanerpriester A. Goetle, hat Nach- richten über seinen Bruder erhallen, wel- cher Missionär in China ist, und in der Provinz Schan-Si stationirt ist, wo er von den Eingeborenen aus das scheußlichste mißhandelt wurde. In der Mittheitung heißt cs, daß der Pater Goetle an den Haa- ren zwei Meilen weit sorlgeschteppt wurde, während der Pöbel ihm mit Messern Wun- den am ganzen Körper beibrachtc, und ihn mit Dornen und Knüppeln peinigte. Als er endlich den Händen seiner Peiniger entrissen wurde, war er halb todl, und be- findet sich jetzt noch in Folge der Mißhand- lungen in bedenklichem Zustande. Der höchste Mandarin in der Provinz war mit den Vcrübern der Schandthat im Einver- ständniß, weil der Priester die Autorität desselben nicht anerkennen wollte. Noch eine Galgenfrist. Dem bereits vier Mal schuldig befundenen Mörder seines Sohnes ein neuer Aufschub gewährt. C 0 lumbus, 0., 1. Dez. Dem Edward Jones aus Clermont County, welcher hier hingerichtct werden sollte, Weil er seinen 15jährigeu Sohn er- schossen hatte, und dafür bereits vier Mal des Mordes ersten Grades schuldig befun- den war, ist während der Verhandlung über den Antrag auf einen fünften Prozeß, ein Aufschub der Vollziehung des Urtheiles ge- währt worden. Nlordbrennerarbeit. Ein Mann verbrannt und eine Frau schwer verletzt. Flagstaff, Ari;., 1. Dez. In Folge eines von Brandstiftern in einem leerstehenden Wohnhause angelegten Feuers wurden hier fünf Wohnhäuser und zwei Wirthschaflen eingcäschert. In einem der niedergebranntcn Häuser wohnte A. C. Polter mit seiner Schwester, welcher erst kürzlich von Bessemer, N. D., nach hier übergesiedelt war. Pottcr fand den Tod in Flammen, während seine Schwester schwere Brandwunden davontrug. Wuß hängen. Lin Frauenmörder zum Tode verurtheilt. Dallas, Tex., 1. Dez. Louis Williams ist heute wegen der Er- mordung seiner Frau zum Tode verurtheilt worden. Das Ehepaar war vor zwei Jah- ren von Dakota nach hier übergesiedett; Williams hatte früher Jahre lang in Minnesota gewohnt. Der Wcaraguacaual. Die Berathung darüber wird wahr- scheinlich gleich nach dem Beginn der Congreßsiyung be- ginnen. . Die Demokraten entschlossen, die kurze Zeit ihrer Wacht nach Kräften auszunützen. DieAussichten aus Annahme der Bill günstig. W a s h i n g t o n, D. C., 1. Dez. Die Congreßabgeordnelen sind allgemein der Ansicht, daß dem Nicaraguacanal in der Sitzung des Congresses, welche am Montag beginnt, die ernstlichste Berathung gewidmet werden wird. Diese Annahme herrscht besonders im Hause, und unter den südlichen Abgeordneten vor. Selbst solche Mitglieder, wie Bailey von Texas, welche aus Versassungs- und Sparsamkeitsgrün- den gegen die Gesetzvorlage eingenommen sind, gestehen zu, daß die Frage die so- fortige Berücksichtigung von Seiten des Congresses verlangt, und die meisten der- selben glauben, daß die Aussichten auf Annahme derselben günstig sind. Einige bezweifeln die Zweckmäßigkeit, eine Frage von solcher Wichtigkeit in einer dreimonat- lichen Sitzung zu erledigen, während An- dere dies gerade für den richtigen Zeitpunkt halten. Cooper von Florida, dessen Staat stets ein eifriger Befürworter des Planes war, sagte heute, daß die demokratische Partei nichts Besseres thun könne, um ihre Popularität wieder herzusielleu, als sofort eine Gesetzvorlage für die Herstellung des Canales anzunchmcn. „Die Thalsache, daß wir bei der letzten Wahl unterlegen sind," sagte er, „sollte uns während der Zeit, in welcher wir nochdie Macht haben, nicht entmulhigen, son- dern zu größerer Thätigkeil auspornen. Die demokratische Partei ist die Partei, welche uns das Mississippithal und die Küste des stillen Ozeans gab und ist die Partei, welche diesen großen Plan zur Ausführung bringen sollte. Wenn die Partei dies während der kurzen Sitzung zu Stande bringt, wenn sie für besseres Geld und dafür sorgt, daß die Ernennung von Bundesbeamten durch die Mehrheit der Stimmgeber erfolgt, wie diese ihre Stimmen in der Wirklichkeit abgegebenbaben, dann behaupte ich, wird cs nicht lange dauern bis wir unsere Macht wieder erlangt haben." Der Abgeordnete Livingston von Georgia hegt über die Wichtigkeit der Thätigkeil der jetzigen Sitzung ähnliche Ansichten. Er sagt, daß wenn die Demokraten die Bill in der nächsten Sitzung nicht annehmen, dies sicher von den Republikanern geschehen wird, sobald sie ihre Sitze eingenommen haben, und daß diese dann den ganzen Cre- dit dafür beanspruchen werden. Er sagte ferner, daß augenscheinlich andere Per-sonen den Betrieb des Canals in die Hand zu nehmen beabsichtigen, daß aber während der letzten Lntzuug eine stillschweigende Ab- machung getroffen worden sei, die Bill während der kurzen Sitzung in Berathung zu nehmen, und daß dieselbe aller Wahr- scheinlichkeit nach noch vor Weihnachtenim Hause aufgerusen werden würde. Kein Bahnunfall. Die Ankunft des Zuges nur durch eine Be- schädigung der Lokomotive verzögert. For 1 Wayne, Jnd., 1. Dez. Der nördlich gehende Passagierzug der Fort Wayn'er Zweigbahn der Lake Eric L Wegeru-Bahn war gestern Abend zur rich- tigen Zeit, vor 9 Uhr, von Kcystone abge- gangen, hatte jedoch heute Morgen um 2 Uhr die nur 5 Meilen entfernte Station Pouete noch nicht erreicht, so daß befürchtet wird, daß dem Zuge ein Unglück zugestoßen ist. Einer späteren Depesche nach wurde die Ankunft des Zuges nur durch eine unbe- deutende Beschädigung der Lokomotive ver- zögert, wodurch jedoch kein weiterer Scha- den herbeigeführl wurde. Verfolgte Expreßräuber. wenn sie eingeholt werden, ist ihnen der Strick sicher. Fort Worth, Tex., 1. Dez. Von den Antelope Hills sind noch keine Nachrichten eingetrossen, welche das Ge- rücht von einem Kampfe der Expreßräuber mit ihren Verfolgern bestätigen. Es sind von Lipscomb und Higgins Abtheilnngcn abgegangen, um sich den Verfolgern anzu- schtießen, und sollten die Räuber einge- fangen werden, so werden sie niemals vor Gericht gestellt werden. Die Geschworenen in Lipscomb haben sich nach dem Canadian begeben, um zu untersuchen, inwiefern Jsaacs mit der Sache in Verbindung steht. Vielleicht ein Selbstmord. Lin Jäger als Leiche im Walde gefunden. . Muncie, Jnd., 1. Dez. Am letzten Mittwoch machte Alfred Lo- reax, ein belgischer Glasbläser aus Hart- ford City einen Jagdausflug, und gestern wurde fünf Meilen östlich von Hartford seine Leiche gefunden. Möglicherweise wurde der Manu das Opfer eines Unfalles, doch ist man eher geneigt, einen Sebstmord anzunchmcn. Die Leiche war hart ge- froren, und mit Eis bedeckt. Loreax hatte früher in Muncie gewohnt. Schiffsnachrichten. In der Nacht anqekommen: Havre „Prussia", von New Aork nach Hamburg. . Liverpool „Nomadic" von New Kork. Hüll „Saale" von New Uork. Bremen „Aller" von New Bork. Aus Alabama. Wo heute die Amtseinführung des Gouv. Gates stattfindet. Staatsmilizen an Ort und Stelle, Um einen Staatsstreich Kolb's zu verhüten. Montgomery, Ala., 1. Dez. Seit Tagesanbruch hallten die Straßen der Hauptstadt von Trommelwirbel und den gemessenen Schritten der einrückenden Staatsmilizen wieder, die scheinbar be- stimmt waren, der heutigen Feierlichkeit der Amtseinführung des neuen Gouverneurs Oales erhöhten Glanz zu verleihen, thal- sächlich aber dessen Gegner, Kolb, in Schach halten sollten. Bis Mittag haben sich Anzeichen eines geplanten Staatsstreiches noch nirgends bemerkbar gemacht. Unter den Volks-massen, die sich in den Straßen bewegen, mögen sich Tausende befinden, die es mit Kolb halten, doch hat sich bisher noch kerne Verabredung zu gemeinsamem Handlen derselben gezeigt. Mastenversammlung. Eine antifranzösische Proklamation der Königin. Die französischen Truppen nach derKüste abmarschirt. Anta narivo, Madagaskar, - 1. November, s Am 30. Oktober wurde in Gegenwart von 15,000Personen eine königliche Pro- klamation verlesen, in welcher der Abbruch der Beziehungen zwischen Madagaskar und Frankreich bekannt gemacht wurde. Der Premierminister, welcher zugleich der Gatte derKönigin ist, hielt daraus eine Ansprache an die versammelte Volksmenge. Er sagte, daß alle Ausländer, welche im Lande blei- den, Freunde der Hovas sind, und achtungs- voll behandelt werden müßten. Die Rede des Ministers wurde mit Beifall ausge- nommen. Die französischen Truppen, welche die Wohnungen der ansässigen Franzosen be- wacht hatten, sind am 24. Oktober, wäh- rend des heißen Wetters, nach der Küste abmarschirt. Sie mußten einen Theil ihres Gepäckes verbrennen. Mehrere Soldaten wurden während des Marsches in der Hitze wahnsinnig, und begingen Selbstmord. Die Bevölkerung ist gegen die Franzosen auf das Höchste erbittert. > . Aus dem Häuschen gerathen. Der vermißte Longreßabgeorduete Butler wandert ziel- und zwecklos durch das Land. Oelwain, Ja., 1. Dec. Gestern Abend traf hier aus Grundy Center, lowa, von einem der Leute, welche sich auf der Suche nach dem früheren Eon- gretzabgeordneten W. A. Butler befanden, welcher in so geheimnißvoller Weise am 22. Nov. verschwand, ein Telegramm ein, welches die Mitthcilung enthielt, daß Butler sich den Tag vorher dort befunden habe, daß er aber, als ihm wie er verlangte für die Nacht die Unterkunft imGefängnisse verweigert wurde, den Ort sofort wieder verlassen habe. Nach Aussage der Per-sonen, welche mit ihm in Berührung kamen, war er geistesabwesend. Darauf- hin hat sich ein Geheimpolizist mit mehre- ren Bürgern von Oelwain sofort nach Grundy Center begeben, um in der dortigen Umgegend weitere Nachforschungen anzu- stellen. Der Vermißte soll wie ein Mann ausgeseben haben, der eine weite Fußreisezurückgelegt bat, und seine Kleider sollen sich in äußerst verwahrlostem Zustande be- funden haben. Angeblicher Fehlbetrag. Lin städtischer Schatzmeister in Schwulitäten. Valparaiso, Jnd., 1. Dez. Der Finanzausschuß des Stadtralhes hatgestern Abend einen Bericht eingereicht, wonach die Abrechnung von George Schwarzkops, welcher von 1892 bis 1894 das Amt des Stavtschatzmeisters bekleidete, einen Fehlbetrag von §13,835.04 aufweist,woraus der Sladtanwalt sofort angewiesen wurde, die betreffende Summe von den Bürgen Schwarzkopf's einzutreiben. Der letztere erklärt jedoch, daß seine Bücherstimmen, und von einem Fehlbeträge keine Rede sein kann. Alles ruhig in Peru. Die Regierung erklärt, daß nicht die geringste Gefahr eines Aufstandes vorhanden ist. Lima, Peru, 1. Dez. Die Regierung erklärt, daß nicht die ge- ringste Gefahr eines Aufstandes vorhanden sei, und daß die Unruhen der letzten Paar Tage in Callao ohne Schwierigkeit unter- drückt worden seien. Borgona hat eine derartige Stellung eingenommen, daß cs jeden Versuch der Rebellen, weiter vorzu- rücken vereiteln kann. Lin Winterfeldzug in Aussicht. Japan scheint noch gar keine Lust zu haben mit Lhina Frieden zu machen. London, 1. Dez. Der „Times" wird aus Kobi gemeldet, daß Japan die Absicht zu haben scheint, den Krieg mit China weiter zu führen, und daß es sich auf einen Winlerfeldzug vor- bereitet. Die Einnahme von Port Arthur ist im ganzen Lande mit großem Jubel be- grüßt worden. Durch Rauch erstickt. Zwei Personen in einem Kosthause bei einer Feuersbrunst um's Leben gekommen. Mehrere Bewohner des Hauses nur mit knap- per Noth gerettet. Philadelphia, Pa., 1. Dez. Während einesFeuers in dem vornehmen Logirhause der Frau G. M. Reeves, No. 316 South Broadstraße, haben zwei Per-sonen ihr Leben eingebüßt; die Namen der Umgekommenen sind Frau Ella Ray Smith und Frl. Callendcn. Das Feuer wurde kurz vor 6.Uhr, als die Flammen bereits durch einen aus der Küche heraufführenden Aufzug bervor- brachen, von einem Dienstboten des Hauses bemerkt. Derselbe versuchte, es mit einem Eimer Wasser zu löschen, was ihm jedoch nicht gelang, worauf er von Zimmer zu Zimmer lief, um die schlafenden Hausbe- wohner zu wecken. Ehe er die Runde durch das Halis gemacht hatte, war dasselbe voll- ständig mit Rauch angesüllt und, um sein Leben zn retten, mußte er sich flüchten. Im vorderen Zimmer des vierten Stock- werkes wohnte Frau Smith und in dem mittleren Zimmer desselben Stockwerkes Frl. Sollender. Die Feuerwehr war binnen kurzer Zeit an Ort und Stelle und trafen sofort Anstalt, um diePersonen aus dem dritten und vierten Stockwerke zu retten. Aus dem dritten Stockwerke wurden sämmtliche Bewohner glücklich ge- rettet, und die Feuerwehrleute stürzten sich dann in das vierte Stockwerk; sie fanden die Thüren verschlossen, schlugen sie jedoch sofort ein und fanden Fran Smith, theil- weise in einen Teppich gewickelt, den sie in der Verzweiflung losgerissen hatte aus dem Fußboden liegend. Sie war durch den Rauch erstickt. Spuren am Fenster deu- teten an, daß sie versucht halte, dasselbe zu öffnen, daß sie aber bereits vom Rauche überwältigt war. und es nicht in die Höhe schieben konnte. Frl. Collender wurde erstickt auf dem Bette liegend vorgefunden. Manche Personen entgingen nur mit knapper Noth dem Tode. N. C. Pollock bewohnte mit seiner Frau ein Zimmer im ersten Stockwerke; sobald sie geweckt waren, eilte Pollock in das obere Stockwerk, um seine Tochter zu Wecken. Der Rauch übermannte ihn jedoch vorher, und er mußte aus dem Gebäude getragen werden. E. L. Raburg, der sich im vierten Stockwerke befand, entging nur mit Mühe dem Erstickungslode. Er sah, daß die Flucht über die Treppe abgeschnilten war, raffte sein Bettzeug zusammen, und stürzte an das Fenster, wo er durch lautes Ge- schrei die Aufmerksamkeit der Feuerwehr auf sich zu ziehen versuchte. Der Feuerwehrmann Rasserty, von Spritze No, 2, hatte mittlerweile das Dach des brennenden Gebäudes erreicht, hörte das Angstgeschrei Raburgs und bewerk- stelligte seine Rettung. Der Hintere Theil des Gebäudes wurde thcilweise zerstört, und der durch das Feuer angerichtetc Schaden beläuft sich nur auf einige Tausend Dollars. Die Stärke der brasilianischen Rebellen. Danach scheint das Ende der Revolution noch lange nicht gekommen sein. Montevideo, 1. Dez. Aus amtlichen Quellen der brasiliani- schen Junta hat der hiesige Korrespondent folgende Thatsachen erhalten: Die Re- bellen verfügen in der Provinz Rio Grande do Sul über 11,400 Mann Infanterie, welche gut bewaffnet sind; außerdem haben sie 800 Mann Reiterei, 58 leichte und 7 schwere Geschütze, während sich in der Pro- vinz Pernambuco 2200 Mann wohlaus- gerüstcter Truppen mit 14 leichten Ge- schützen befinden. Weitere Waffen und Geschütze befinden sich auf dem Wege, und gleich nach Ankunft derselben, werden die Rebellen bedeutende Verstärkungen er- halten. Keine Einigung. Lin betrügerischer Kassirer einstweilen noch nicht verurtheilt. Detroit, 1. Dez. Nachdem die Geschworenen in dem Falle von Frederick Marvin, dem früheren Kassirer der „Third National Bank," welcher der Unterschlagung von Geldern angeklagt war, während der ganzen Nachtin Berathung gewesen waren, berichteten sie heule Morgen, daß sie nicht im Stande seien, sich auf einen Wahrspruch zu einigen, worauf sie entlassen wurden. - Tolombia's Kebergriffe. Die Costaricaner wollen sich dieselben aber nicht gefallen lassen. Port Limon, 1. Dez. Kürzlich hier vom Isthmus einge- trossene Personen sagen, daß dort darüber, daß Colombia den Besitz sämmtlicher See- häfen bis zum Kap Gracios de Dios bean- sprucht, große Entrüstung herrscht. Die Costaricaner sind fest entschlossen, alle An- griffe zurückzuweiscn. Wollen sparen. Die Southern Pacific beschneidet die Gehälter und entläßt eine Menge Beamte. San Francisco, 1. Dez. Die Southern Pacisic-Bahn wird heute eine bedeutende Lohnherabsetzung ihrer sämmtlichen Beamten in Kraft treten lassen, und die höchsten sowohl, wie die niedrigsten Beamten werden davon be- troffen werden. Die Bahngesellschast hat bereits die Zahl ihrer Angestellten bedeu- tend eingeschränkt und wird noch, wo es möglich ist, weitere Entlassungen vor- nehmen. Roliyeiten sogenannter Stu- denten. Sie Hausen schlimmer als betrunkene Indianer in der Stadt. Die Polizei machtlos gegen die Rüpel. S a n F r a n c i s c o, 1. Dez. Hiesige Saluhnwirthe haben bei den Präsidenten der Universität von Kalifor- nien in Stanford über daS Betragen der Studenten nach dem Fußballspiele schrift- liche Beschwerden eingereicht. Die „Stu- denten" zogen zu Hunderten durch die Straßen, zerschlugen in den Bierhallen und anderen Wirthschaflen Stühle und Gläser und setzten die Bewohner der feineren Be- zirke der Stadt in Angst und Schrecken. Bei dem Versuche, es ihren östlichen Kolle- gen gleichzuthun, übertrafen sic dieselben noch an Rohheit und Frechheit. Die Po- lizei vermochte gegen die rüpelhaften Bur- schen nichts auszurichten. * Einbrecher abgefaßt. Dieselben hatten schon seit Wochen die ganze Gegend unsicher gemacht. Greensburg, Mo., 1. Dec. Seit mehreren Wochen war die hiesige Gegend der Schauplatz der frechsten Dieb- stähle und Einbrüche, und Maaren im Werthe von fünfzig bis hundert Dollars verschwanden, ohne daß es gelingen wollte, das Raubgesindel zu entdecken. Vorgestern Nacht wurde in das Ladengeschäft von George Askins eingebrochen, und Waaren im Werthe von §IOO gestohlen: gestern Morgen jedoch gelang es, die Spur der Einbrecher bis nach dieser Stadt hin zu verfolgen, und -in den Wohnungen von Noah Moody und Jacob Ashcroft eine Menge der gestohlenen Sachen aufgefun- den. Ashcrast wurde sofort eingesperrt, während Moody's Haus scharf bewachtwird, um möglicher Weise die ganze Ein- brecherbande abzufassen. Städtisches. Das Wetter. Optiker Kleine, 76 Washington Str., berichtet für Chicago die folgenden Baro- meter- und Thecmometerstände: Ilm 8 Uhr Morg. 46 Gr., um 9 Uhr 46 Gr., um 10 Uhr 46 Gr., um 11 Uhr 48 Gr., um 12 Übc 40 Gr. Barometerstand um 8 Uhr Morg. 29.60,12 Uhr 29.60. Briefkasten. Fr. Eva G. Wenden Sie sich an die Relief L Aid Society, 45 Lasabestr., oder an Frau Dr. Frcdigke, 3500 Statestr. Der Prozeß begonnen. Eröffnungsrede des Hülfsstaats - Anwalts Morrison. Meadowcrost'sProzeß.— Dertheidiger Lddy's Erwiderung. Heute Morgen hielt Hülssstaats-Anwalt Morrison die Eröffnungsrede in dem Pro- zeß gegen Charles I. Meadowcroft und Frank M. Meadowcroft. In vernichten- den Ausführungen charakterisirtc er die beiden Angeklagten als verbrecherische Ver- letzer des Vertrauens, welches sie durch die Begründung einer Bank vom Volke ge- nossen hätten. Er versuchte den Beweis dafür zu führen, daß die beiden Angeklagten sich schließlich auf den Betrag im großen Style warfen. Der Redner erzählte dann eine Geschichte von der Errichtung eines Weltausstellungs- Hotels, bei welchem Handel die Angeklag- ten einem leichtgläubigen Manne §IOO.OOO abgenommen haben sollen. Verlheidigcr Eddy appellirte an die Ge- schworenen, ihrem Eid gemäß nach dem vorgebrachten Bewcismaterial zu handeln, und sich nicht von den maßlosen Beschuldi- gungen, wie sie von dem Vorredner gegen die Angeklagten geschleudert worden seien, beeinflussen zu lassen. Städtische Einnahmen. Die Einnahmen des Wasserarmes stellen sich für den Monat November aus §509,- j 610.08, gegen §505,948.11 im November des Jahres 1893, so daß in diesem Novem- ber eine Zunahme von §3661.97 gegen den- selben Monat des Vorjahres zu verzeichnen ist. Die Gesammtcinnahmcn des Wasser- amtes für die ersten 11 Monate dieses Jah- res stellten sich auf §2,595,157.51, gegen §2,459,514.97 in derselben Zeuperiode des Jahres vorher, was eine Zunahme von §135,642.66 bedeutet. Die Einnahmen des Stadtcollektors für den Monat November stellen sich wie folgt: Für Licenzgebühren §43.348.37, für Spc- zialsteuern §18,426.34, für Bauerlaubniß- scheine §2995.60, für Elevator-Inspektion §9lO, zusammen §65,680.31. Im Monat November 1893 stellten sich die Einnahmen des Stadtcollektors auf §58,221.76. Müssen sich weiter gedulden. Die städtischen Polizisten haben sich ver-geblich darauf gefreut, heule endlich ihre Oktobergehälter ausgezahlt zu erhalten. Es ist dem Comptroller Jones bis dahin nicht gelungen, das nölhige Geld aufzu- bringen, er hofft aber, in den ersten Tagen der nächsten Woche das Geld irgendwie aufbringen zu können. Von einer Aus- zahlung der Novembergchälter der städti- schen Beamten wird erst die Rede sein können, wenn der Stadtcollektor den größeren Theil der im Dezember fälligen Licenzgebühren an die Stadtkasse abgeführt haben wird. Zur Tragödie an der Ashland Ave William Frisch, der bekanntlich bei einer Schießerei gestern Morgen um 11 Uhr schwer verwundet wurde, liegt augenblick- lich in kritischem Zustande im St. Eliza- beth-Hospital darnieder. Er wird wahr- scheinlich noch vor heute Abend sterben. Eckhardt und dessen Gattin, die er seiner- seits verwundet haben soll, werden sichI wieder erholen. Die letzte Sitzung Des Lountyraths verwirft die Forderungen der Hülss-Sheriffs. Die Jahres- botschaft des Präsidenten. Der Countyrath für 1893—1894 trat heule früh 10? Uhr zu seiner letzten Sitzung zusammen. Außer den Comis- sären Edmanson, Green und Hossmann wohnten alle dieser Sitzung bei. Der Complrollcr unterbreitete die Zahl- listen für die Geschworenen der verschie- denen Slaatsgerichte für den Monat No- vember im Gesammtbetragc von §2952.20. Die Zahllisten wurden zur Zahlung ange- wiesen. Der County-Schulsuperintendent Brighl unterbreitete eine Kostenrechnung für Visi- tirung der Schulen im Counlydistrict zum Betrage von §329. Die Rechnung wurde zur Zahlung angewiesen. Ein Coutrakt mit der „Trag Steam Laundry Machine Co." zur Lieferung einer Dampf-Rollmaschine (Mangel) für das County-Hospital zum Preise von §7OO wurde gutgeheißen. . Verschiedene Gesuche um freie Pässe wurden an den County-Agenten verwiesen. Requisitionen der verschiedenen Departe- menlchefs und Vorsteher der County-An- stalten, die mehrere tausend Dollars in- volviren, wurden genehmigt. SuperintendentMann wurde angewiesen, den beim Feuer am vergangenen Donners- tag in der Office der Countyagenten unge- richteten Schaden wieder gut zu machen, d. h. neue Möbel anzuschassen und den hierzu nothwcndigen Betrag, etwa §SOO, dem Bausonds zu entnehmen. Das Finanz-Comite berichtet, daß es den Halbjahrcsbericht des Countyschatzmcisters Kern, sowie dessen Bücher geprüft und in Ordnung befunden hätte. Der Bericht wurde gutgeheißen. Der Bericht des Plenar-Comites wird unterbreitet und cntgegengenommen. (Die Einzelheiten desselben berichteten wir bereits in unserer Mitlwochausgabe.) Der Bericht wurde bis aus einen Passus (welcher die Bezahlung der Rechnung des Sheriffs für die Ueberzeit der während des Streiks angestcllten Depulies zum Betrage von §SBOO anordnet) angenommen. Diese Rechnung, welche den Countyrath bereits drei Mal beschäftigt Halle, gab Ver- anlassung zu einer längeren Debatte. Schließlich wurde mit folgender Abstim- mung die Bezahlung dieser Rechnung ab- gelchnt: Ja: Burmeister, Cogswell, Cunning, Kallis, McNichals, Nclterstrom, Peacock und Präsident Struckman B. Nein: Allen, Cool, Kunstman und Lundbcrg 4. (Zur Genehmigung sind 10 Stimmen erforderlich.) Com. Peacock unterbreitete hierauf einen Beschluß, durch welchen dem ablrelcndcn Präsidenten Struckmann für die fähige Leitung der Verhandlungen, die Umsicht, mit der er sein schwieriges Amt verwaltete, und die Unparteilichkeit, mit der er dessen gewaltet, der Dank des Countyralhes aus- gesprochen werden sollte. Der Beschluß wurde einstimmig angenommen und ange- ordnet, daß sowohl dieser, als auch der zu Ehren des Vorsitzenden des Plenar-Comi- te's, Cool, protokollier und Abschriften der- selben den Geehrten übermittelt werden. Präsident Struckmann verlas hieraus seine Abschiedsbotschaft. Dieselbe soll den .Protokollen der Countybehörde eingesügt werden. Dieselbe ist ein Dokument, das ohne ir- gend welche Uebertreibungen und in den Grenzen des rein Geschäftlichen sich hal- tend, Auskunft über alles das ertheilt, was der Countyrath im vergangenen Verwal- tungsjahre geleistet. Der Präsident weist zuvörderst darauf hin, daß der abtretende Countyrath die Versprechungen, die er beim Amtsantritt gegeben, voll und ganz erfüllt hätte und die Verwaltung desselben eine reine und geschäftsmäßige gewesen. Der abtre- tende Countyrath trat sein Amt unter sehrungünstigen Verhältnissen an. Nicht nur hatte der Vorgänger als Erbtheil eine nahezu leere Countykasse hintec- laffen, sondern auch überzogene Fonds und einen Haufen Schul-den für kontraktlich angeordnete Bauten u. s. w. Diese Arbeiten waren Contrakto- ren übertragen worden, die nicht weniger als zuvorkommend waren, und die Ausein- andersetzungen mit diesen waren nicht an- genehmer Natur. Zum Ueberfluß wogte zur Zeit, als wirunsere Functionen übernahmen, ein heftiger politischer Kampf (die Hopkins - Swift- Wahl), und dieses vermehrte noch unsere Schwierigkeiten. Nicht nur hatten wir für die gewöhnlich schon große Anzahl Armer zusorgen, nein, bald zu Beginn unseres Amts- termines, begann infolge der schlechten Zei- ten eine Nothlage unserer Arbeiter, die über- mäßige Forderungen an uns stellte. Doch wir sorgten auch für diese und hofften aufbessere Zeiten für's Frühjahr. Doch dieses brachte statt der erhofften Besserung einen Riesenstreik und allgemeine Arbeitslosigkeit. Verschiedene Ursachen arbeiteten zusammen, um aus diesem Streik einen Aufstand, wie ihn Cook County noch nie erlebte, zu machen. Dieser bedrohte nicht nur das Leben und Eigenthuin der Bürger, sondern verursachtedem County ungeheure Kosten zwecks Auf-rechterhaltung der Ruhe und Ordnung, be- glückte ihn mit einer Menge Prozesse, die große Summen involviren und deren Füh- rung dieserhalb große Umsicht erfordert. Ungeachtet aller dieser bösen Umstände sind wir heute in der angenehmen Lage, un-serem Amtsnachfolger die Angelegenheiten Cook Countys in besserem Zustande zu hin-terlassen, als wir sie vorfanden. Wir haben nicht nur alle unsere gegebenen Versprechungen prompt erfüllt,' sondern mehr geleistet, als wir erwartet. Als wir die Bücher des Countys pro 1893 abschlossen, waren beispielsweise für das Hospital Contracte eingegangen, welche die Verwilligung um §7,610.77 überstie- gen, für die Dunninger Anstalten §38,013.- 89, und die County-Agentur §21,793.15. Um diese Schulden zu decken, mußten wir unserem Betriebskapital, dem General- Fond, ohne welchen das County nicht auf einer Geldbasis verwaltet werden kann (wie es zur Zeit geschieht) um §68,20.80. der Ueberschüsse der Schatzmcifters-Ossicc,anzapsen. Dieses tilgte die uns von un- screm Vorgänger hinterlassene Schuld voll ständig. Unsere Nachfolger werden diese Verlegenheiten nicht ausgesctzt sein; denr beim Schluß des Verwaltungsjahrs wer- den nicht nur nicht Schulden, sondern Er-sparnisse vorhanden sein. Die Botschaft läßt sich dann ausführlich über die baulichen Veränderungen und Neubauten aus, erwähnt den Dunninger Abzugskanal, den Bau dcS Kühlspeichers, die Fertigstellung verschiedener Stockwerteim neuen Kriminalgerichtsgcbäudc u. s.w., und spricht sich lobend über das harmonische Zusammenarbeiten aller Eountybcamlen, sogar der sich stets befehdenden Doktoren des Eounth Hospitals aus, über die Thälig- keil dieser und der Wärter während der Pocken-Epidcmie aus. Der Präsident be- dauert es, daß seine Empfehlung beirests Errichtung einer Turnhalle in der Normal- schule in Normal Park unberücksichtigt geblieben und hofft, daß der neue Eounlvrath etwas mehr für die Schule thun wird, als der alle. Den Bau des Eourthauses be- rührt er nur en pußßunt und schließt mit dem Dank an alle Mitglieder für das ihm stets bewiesene Entgegenkommen. Com. Allen hielt darauf noch eine Lob- pauke für den ablrelcndcn Counlyrath, der seiner Ansicht mehr gelhan, als seine Vor- gänger. Er wies mit Stolz daraus hin, daß deni neuen Counlyrath keine Schulden für eingegangene Contracle hinlerlassen, mit den vcrwilligten Geldern haushälterisch umgegangen worden wäre und keinerlei Untersuchungen gegen County - Beamte nölhig waren. Er spricht den anwesenden Vertretern der Presse der Dank aus für die liebenswürdige Art und Weise, nut der ne den Mitgliedern des Countyraihs indivi- duell und der Gesammlbchörde entgegen- kamen, und hofsl, daß sie dem neuen Counlyrathe dasselbe Entgegenkommen zei- gen werden, wie dem abtretenden. Nachdem dann noch die Commissäre Cogswell und Kallis kurze Mschicdsrcden gehalten, vertagte sich der Counlyrath suisüis. Bei der Arbeit gestört. Lin rechtzeitig vereitelter Einbruch. Als vergangene Nacht Sergeant Johnson von der Maxwell Str.-Station aut seinem Rundwege sich der Ecke der Leavilt Str.und Blue Island Ave. näherte, bemerkte er, wie ein Mann, der in der Nähe des Hutgcschäfts, 200 Blue Island Ave. stand, sich scheu nach allen Seilen nmwaudle. Von der sehr richtigen Ansicht ausgehend, daß er es mit einem Diebe oder Einbrecher zu thun hätte, ging Johnson sofort daran, einige Blauröckc herbcizuruscn. Als er mit diesen nach wenigen Minuten zurucktam, war die Schildwache verschwun- den. Der Sergeant stellte seine zwei mil- gcbrachten Polizisten an die Seitenlhür des Geschäfts (die sich in der Alley befand) aus und er selbst ging nach der Vorderlhüre. Doch diese war fest verschlossen und da auch die Fensterläden geschlossen waren, so konnte er absolut nicht sehen, ob Jemand im La- den war. Er beschloß daher, noch einige Mannen herbeizurufen und dann einen Stnrm aus die Scilenlhüre vorzunehmcn. Als nun fünf Sternträgcr sich gegen die Scitcnthüre stemmten, stehe, da ging diese von selbst aus und die Herren Slcrnlrägcr sahen sich im Laden dem Lause eines Re- volvers gegenüber. Mit Leichtigkeit gelang cs den Fünfen, diesen Kerl zu entwaffnen. Als sic sich mit diesem entfernen wollten, entdeckte der Sergeant hinter einer Kiste versteckt noch einen anderen Ritter der Nacht. Beide halten bereits einen Vorrath von aller- hand Hüten in Säcke gepackt und hätten diese sicherlich als Beule weggcschasst, wenn ihnen der Sergeant nicht das Spielchen verdorben hätte. In der Station gaben d:e Beiden ihre Namen mit JohnSullivan alias Ryan und Daniel O'Brien alias Dcwcrl an. Der erstcre war wegen Verge- waltigung eines 2jährigen Mädchens zu einer 14jährigen Zuchthausstrafe verur- lheilt worden. Nachdem er etwa 5 Jahre in Joliet ge-sessen, versiel er der Schwindsucht und wurde von Gouv. Allgeld begnadigt. Auch O'Brien hat bereits in Joliet gesessen. Die Beiden wurden heute früh unter der Einbruchs-Anklage dem Richter Eberhard! vorgcsührt und von diesem unter je §BOO Bürgschaft zum Prozeß scstgehalten. Die Kerle halten 'ich einen Eingang durchs Fenster zu verschaffen gewußt. Entlassen. Der Prozeß wegen Vergewaltigungs-Versuchs auf Minnie King abgewiescn. In dem Proceß gegen Stephen Keogb, Matthew Hurney und Jos. Healy, welche des Vergewaltigungsversuches gegen die 14jährige Minnie King beschuldigt waren, gab Richter Kersten heute Morgen ein frei- sprechendes Urtheil ab. Das einzige Belastungszeugniß, weiches vorlag, war ein angebliches Geständnis; von Stephen Keogh, welches er dem Lieut. Cud- more gemacht hatte. Es stellte sich heraus, daß das Geständiß unter dem Versprechen einer milderen Strafe erlangt worden war. In derartigen Fällen hat das Obergericht die Unzulässigkeit eines solchen Geständnisses in wenigstens fünfzig Entscheidungen er- klärt. Eine neue Aera im Eountvgebäude. Am Montag beginnt der allgemeine Exo- dus der Countybeamten, deren Amtszeit durch die jüngste Wahl ein Ende gemacht wurde, und der Einzug der neugewählten Beamten in das Countygebäude. Die aus der Wahl siegreich bervorgegan- genen Candidaten werden den Wahrspruch, „dem Sieger die Beute", im Auge haben und nach diesem Wahrspruch bei der Verge- bung der Stellen Vorgehen. An Applikan- ten für alle möglichen Stellungen ist kein Mangel. Einer der neu erwählten Beamten hat 65 Stellen zu vergeben, um welche sich aber bereits 3500 Personen beworben haben. Bis jetzt hat erst der neugewählte Nach- laßgerichtsclert A. O. Cooper einige seiner G.ehülfen ernannt, nämlich Frank Far- num von der 12. Ward zu seinem Clerk, und Charles George von der 11. Ward zum Kassirer.

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